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http://www.archive.org/details/anzeiger1910germuoft 


Anzeiger 


DES 


GERMANISCHEN  NATIONALMUSEÜMS. 


HERAUSGEGEBEN  VOM  DIREKTORIUM. 


JAHRGANG  1909.-  \Ö 


NÜRNBERG. 

VERLAGSEIQENTUM  DES  GERMANISCHEN  MUSEUMS. 
1909.     - 


12. .  ^  .   S'' 


riV,      i     M.    Z,  Jamiar— Jviiii. 


ANZEIGER 

DES 

GERMANISCHEN  NATIONALMUSEUMS. 


Mit  der  Zeitschrift  unseres  Museums  ist  vom  gegenwärtigen  Jahrgang  an 
nach  dem  Beschlüsse  des  Verwaltungsausschusses  insofern  eine  Um- 
wandlung vorgenommen  worden,  als  der  „Anzeiger"  nunmehr  getrennt  von 
den  „Mitteilungen"  zur  Ausgabe  gelangt  und  etwas  eingehender  als  bisher, 
namentlich  auch  unter  Beigabe  einzelner  Abbildungen  über  die  Neuerwer- 
bungen berichten  soll.  Er  wird  auch  weiterhin  vierteljährlich  und  zwar  im 
allgemeinen  Ende  April,  Juli,  Oktober  und  Januar  erscheinen.  Zugleich  mit 
der  letzten  Nummer  eines  jeden  Jahrgangs  des  „Anzeigers"  sollen  in  der 
Regel  die  „Mitteilungen"  als  ein  Jahresheft  von  etwa  10  Druckbogen  aus- 
gegeben werden.  Sie  werden,  wie  bisher,  bestrebt  sein,  im  Anschluß  an  die 
reichen  Schätze,  die  das  Germanische  Museum  in  allen  seinen  Abteilungen 
birgt,  oder  auch  nur  aus  den  Interessenkreisen  der  Anstalt,  also  wesentlich 
aus  den  Gebieten  der  deutschen  Kunst-  und  Kulturgeschichte,  größere  und 
kleinere  Aufsätze  darzubieten,  die  sich  weniger  die  lediglich  museologische 
als  eindringende  fachwissenschaftliche  Verarbeitung  des  Materials  zur  Aufgabe 
setzen.  Das  Hauptaugenmerk  wird  dabei  der  Veröffentlichung  von  Denk- 
mälern und  der  Erschließung  von  Quellen  zugewandt  bleiben. 

Die  Schriftleitung  des  „Anzeigers"  und  der  „Mitteilungen"  hat  der  neu- 
ernannte II.  Direktor  des  Museums,  Dr.  Theodor   Hampe,   übernommen. 

Das  Direktorium. 


CHRONIK  DES  GERMANISCHEN  MUSEUMS. 

VERWALTUNGS-AUSSCHUSS. 

Gemäß  den  Beschlüssen  des  Verwaltungsausschusses  vom  vorigen  Jahre  hat  am  11.  Januar 
1909  eine  außerordentliche  Versammlung  desselben  stattgefunden,  in  welcher 
über  die  Neuregelung  der  Gehalte  beraten  wurde. 

An  der  Versammlung  nahmen  außer  den  beiden  Direktoren  des  Museums  und  dem 
Herrn  Oberregierungsrat  Dr.  Winterstein  als  Vertreter  der  Königl.  Bayerischen  Staats- 
regierung folgende  Mitglieder  des  Verwaltungsausschusses  teil,  nämlich  die  Herren  Kunstschul- 
direktor B  rochier,  Nürnberg;  Geh.  Kommerzienrat  von  Gerngros,  Nürnberg;  Justiz- 
rat Freiherr  von  K  r  e  ß,  Nürnberg;  Geheimrat  Dr.  von  Laubmann,  München;  Direktor 
Professor  Dr.  L  i  c  h  t  w  a  r  k,  Hamburg;  Archivrat  Dr.  M  u  m  m  e  n  h  o  f  f,  Nürnberg;  Geheimrat 


—     2     — 

Direktor  Dr.  von  R  e  b  e  r,  München;  Oberbürgermeister  Geh.  Hofrat  Dr.  von  Schuh, 
Nürnberg;  Regierungsrat  Freiherr  von  T  u  c  h  e  r,  Nürnberg  und  Rittergutsbesitzer  Freiherr 
von    Tue  her,    Nürnberg. 

Es  wurde  beschlossen,  die  Gehalte  der  Beamten  denen  der  entsprechenden  Kategorien 
der  bayerischen  Staatsbeamten,  die  des  Aufsichtspersonals  denen  der  Klassen  24  und  28  der  Ge- 
haltsordnung für  die  bayerischen  Staatsbeamten  gleichzustellen.  Die  daraus  sich  ergebenden 
Mehrungen  wurden  mdes  vorerst  nicht  als  integrierende  Teile  der  Gehalte,  sondern  nur  als  außer- 
ordentliche Zulagen  in  widerruflicher  Weise  gewährt. 

Am  4.  und  5-  Juni  hielt  dann  der  Verwaltungsausschuß  im  Sitzungssaale  des  Museums  seine 
ordentliche  Jahresversammlung  ah.  An  den  Beratungen  nahmen  teil  außerdem  I.  Direktor 
des  Museums  der  Geheime  Oberregierungsrat  Dr.  G  a  1 1  e  n  k  a  m  p  vom  Reichsamt  des  Innern 
als  Vertreter  der  Reichsregierung,  Ministerialrat  Dr.  W  i  n  t  e  r  s  t  e  i  n  als  Vertreter  der  baye- 
rischen Staatsregierung,  Oberbürgermeister  Geheimer  Hofrat  Dr.  von  Schuh  als  Vertreter 
der  Stadt  Nürnberg  und  von  den  Mitgliedern  des  Verwaltungsausschusses:  Generaldirektor  der 
Königl.  Preuß.  Museen  Geheimrat  Dr.  B  o  d  e,  Berlin;  Kunstgewerbeschuldirektor  B  r  o  c  h  i  e  r, 
Nürnberg;  Geheimrat  von  Gerngros,  Nürnberg;  Generalkonservator  Dr.  Hager,  Mün- 
chen; Geheimrat  Prof.  Dr.  von  H  e  i  g  e  1,  Exzellenz,  München;  Wirkl.  Geheimer  Rat  Dr.  von 
H  o  1  1  e  b  e  n,  Exzellenz,  Berlin;  Justizrat  Freiherr  von  K  r  e  ß,  Nürnberg;  Kaufmann  und 
Handelsrichter  L  a  m  p  s  o  n,  Berlin;  Geheimrat  Dr.  von  L  a  u  b  m  a  n  n,  München;  Archivrat 
Dr.  Mummen  hoff,  Nürnberg;  Geheimrat  Prof.  Dr.  von  R  e  b  e  r,  München;  Lyzealpro- 
fessor  Dr.  Schröder,  Dillingen;  Rittergutsbesitzer  Freiherr  von  Tucher,  Nürnberg; 
Regierungsrat  Freiherr  von   Tucher,    Nürnberg;  Geheimrat  Prof.  Dr.  Wagner,   Karlsruhe. 

In  der  Sitzungam4.  Juni  wurde  als  erster  Punkt  der  Tagesordnung  von  Direktor 
v.  B  e  z  o  1  d  der  Bericht  über  die  Verwaltung  erstattet.  Direktor  v.  B  e  z  o  1  d  gedachte  zu- 
nächst des  im  Frühjahr  verstorbenen  ältesten  Mitglieds  des  Verwaltungsausschusses,  Professors 
Alwin  Schultz,  und  des  an  das  bayerische  Nationalmuseum  berufenen  II.  Direktors 
Dr.    H  a  n  s  S  t  e  g  m  a  n  n. 

In  den  Sammlungen  sind  die  Arbeiten  zur  Verbesserung  der  Aufstellung  vorläufig  zum 
Abschluß  gekommen,  weil  mit  der  in  einigen  Jahren  bevorstehenden  Erweiterung  des  Museums 
ohnehin  weitgehende  Verschiebungen  stattfinden  müssen.  Der  neue  Katalog  der  Gemälde  ist 
erschienen,  der  Katalog  der  Skulpturen  ist  im  Manuskript  fertig,  mit  den  Vorarbeiten  für  einen 
Katalog  der  Waffen  soll  begonnen  werden. 

Der  Ankauf  der  Beckh'schen  Fabrik  ist,  nachdem  die  Besitzer  den  Preis  auf  1  200  000  Mk. 
verringert  hatten,  vom  K.  Staatsministerium  des  Innern  für  Kirchen-  und  Schulangelegenheiten 
genehmigt  worden.  Über  die  Finanzierung  des  Kaufs  kann  ein  fester  Plan  noch  nicht  aufgestellt 
werden,  doch  ist  die  Durchführung  gesichert  und  es  sind,  dank  den  Bemühungen  der  Herren 
Geh.  Hofrat  Oberbürgermeister  Dr.  v.  Schuh  und  Geh.  Kommerzienrat  Ritter  von  Gern- 
gros, schon  bedeutende  Summen  für  denselben  gezeichnet  worden. 

Es  wurde  ferner  über  die  vorläufige  Regelung  der  Gehalte  der  Beamten  und  Bediensteten 
berichtet.  Endlich  wurde  ein  vom  Lokalausschuß  aufgestelltes  Statut  für  die  Pensionsverhält- 
nisse der  Beamten  vorgelegt. 

An  Stelle  von  Professor  Alwin  Schultz  wurde  der  Direktor  des  Museums  für  Kunst  und 
Gewerbe  in  Hamburg,  Prof.  Dr.  J  u  s  t  n  s  B  r  i  n  c  k  m  a  n  n  ,  zum  Mitgliede  des  Verwaltungs- 
ausschusses gewählt. 

Den  zweiten  Punkt  der  Tagesordnung  bildete  der  von  Direktor  v.  B  e  z  o  1  d  erstattete 
Bericht  über  die  Rechnungen  für  das  Jahr  1908  und  der  Revisionsbericht,  welchen  Ritterguts- 
besitzer Frhr.  v.  T  u  c  h  e  r  gab.  Im  Anschluß  an  diese  Berichte  wurde  die  Notwendigkeit  einer 
stärkeren  Propaganda  für  das  Museum  betont. 

Es  folgte  sodann  eine  Vorbesprechung  über  das  Pensionsstatut  und  die  Wahl  der  Kom- 
missionen, welche  am  Nachmittag  die  einzelnen  Zweige  der  Verwaltung  zu  prüfen  hatten. 

In  der  Sitzung  am  5.  Juni  wurde  zuerst  die  Frage  der  Pensionsrechte  der  Beamten 
besprochen.  Da  der  Vertreter  des  bayerischen  Staatsministeriums,  Ministerialrat  Dr.  Winter- 
stein erklärte,  die  Regelung  könne  erst  nach  der  definitiven  Regelung  der  Gehaltsverhältnisse 


erfolgen,  so  wurde  beschlossen,  das  Pensionsstatut  mit  einigen  Änderungen  dem  Ministerium  ohne 
weiteren  Antrag  zur  Kenntnisnahme  und  vorläufigen  Prüfung  vorzulegen. 

Es  folgten  die  Berichte  der  Kommissionen.  Geheimrat  von  Reber 
berichtete  für  die  Kommission,  welche  die  neuen  Erwerbungen  und  die  Verwal- 
tung der  kunst-  und  kulturgeschichtlichen  Sammlungen  zu  prüfen 
hatte.  Die  Erwerbungen  wurden  als  sehr  erfreulich  und  als  wirkliche  Bereicherungen  der  Samm- 
lungen anerkannt.  Da  beunruhigende  Mitteilungen  über  den  Zustand  der  Gemäldegalerie  ver- 
breitet worden  waren,  wurde  diese  besonders  genau  besichtigt.  Direktor  von  Bezold  besprach 
und  zeigte  die  bemängelten  Zustände.  Von  den  Mitgliedern  der  Kommission  wurde  dabei  ,,der 
Zustand  der  Gemälde  als  keineswegs  bedrohlich"  bezeichnet,  wie  auch  von  Verschimmelung  keine 
Spur  gefunden  wurde.  Die  Heizung  zeigte  seit  der  neuen  Einrichtung  keine  anderen  Einwirkungen 
als  überall.  Die  Kommission  sprach  sich  dahin  aus,  daß  keineswegs  Gefahr  auf  Verzug  bestehe 
und  daß  es  genüge,  wenn  allmählich  die  vorhandenen  Schäden  gebessert  würden. 

Die  gleiche  Kommission  prüfte  auch  die  Erwerbungen  für  das  Kupferstich- 
kabinett. In  ihrem  Namen  berichtete  Generalkonservator  Dr.  Hager.  Auch  hier  fanden 
die  Ankäufe  die  Billigung  der  Kommission  und  wurde  die  gute  Qualität  der  Abdrucke  anerkannt. 

Den  Bericht  der  Bibliothekkommission  gab  Geheimrat  von  L  a  u  b  m  a  n  n. 
Es  wurde  ein  erfreuliches  Fortschreiten  auf  den  Bahnen,  welche  Direktorium  und  Verwaltungs- 
ausschuß seit  Jahren  vorgezeichnet  haben,  festgestellt.  Der  Berichterstatter  beantragte,  das 
Personal  durch  einen  Volontär  zu  vermehren  und  den  Etat  um  lOOO  Mk.  für  Buchbinderarbeiten 
zu  erhöhen. 

Dem  ersten  Antrag  ist  inzwischen  entsprochen  worden,  der  zweite  wurde  bei  der  Etats- 
beratung in  der  Weise  angenommen,  daß  beschlossen  wurde,  Überschüsse  in  den  Einnahmen  des 
Hauptmuseumsfonds,  welche  1910  nach  Tilgung  der  Bauschuld  bleiben,  bis  zu  1000  Mk.  der  Bi- 
bliothek zuzuweisen. 

Den  Bericht  der  Archivkommission  erstattete  Archivrat  M  u  m  m  e  n  h  o  f  f . 
Die  Erwerbungen  und  Geschenke  waren  zahlreich,  aber  nicht  bedeutend.  Die  Arbeiten  haben 
sich  sehr  gemehrt,  sodaß,  bei  allem  Fleiß  des  Archivars,  die  Rückstände  nicht  ganz  aufgearbeitet 
werden  konnten  und  auch  hier  eine  weitere  Hilfskraft  erwünscht  ist. 

In  dem  Bericht  über  die  Protokolle  des  Lokalausschusses  erkannte 
Geheimrat  Wagner  die  Sorgfalt  an,  mit  welcher  dieser  seines  Amtes  gewaltet  habe. 

Die   Etats  wurden  nach  den  Vorschlägen  des  Direktoriums  angenommen. 

Über  die  Wahl  des  II.  Direktors  hatte  am  4.  Juni  eine  Vorbesprechung  statt- 
gefunden. Die  am  5.  vorgenommene  Wahl  fiel  einstimmig  auf  den  Konservator  des  Museums 
Dr.  T  h  e  o  d  0  r    H  a  m  p  e. 

Personalien. 

Am  10.  März  dieses  Jahres  starb  in  München  Prof.  Dr.  Alwin  Schultz  im  71.  Lebens- 
jahre. Bis  1903  Professor  an  der  deutschen  Universität  in  Prag,  zuvor  Universitätsprofessor  in 
Breslau,  gehörte  er  dem  Verwaltungsausschusse  des  Germanischen  Museums  seit  dem  Jahre  1870 
an.  Durch  sein  reiches  kunst-  und  kulturgeschichtliches  Wissen,  das  er  in  uneigennützigster  Weise 
in  den  Dienst  unserer  Anstalt  stellte,  und  durch  seinen  umsichtigen  Rat  im  Plenum  wie  in  den 
Kommissionssitzungen  hat  er  stets  in  hohem  Maße  zur  Förderung  des  Museums  und  seiner  Be- 
strebungen beigetragen  und  dem  regen  Interesse,  das  er  an  dem  Gedeihen  und  Wachsen  der  An- 
stalt nahm,  noch  zuletzt  ein  bleibendes  Denkmal  gesetzt,  indem  er  seinen  gesamten  wissenschaft- 
lichen Apparat,  sein  reichhaltiges  Bilderrepertorium  und  seine  Kostümbildersammlung  (zusammen 
310  Mappen  und  Kapseln),  seine  wohlgeordnete  wissenschaftliche  Korrespondenz,  die  Handexem- 
plare mehrerer  seiner  größeren  Werke  und  kleineren  Schriften,  dazu  noch  einige  Kunstgegen- 
stände dem  Germanischen  Museum  testamentarisch  vermacht  hat.  In  unserem  Gedenken  und 
der  Dankbarkeit  vieler,  die  jene  Sammlungen  mit  Freude  und  Frucht  benutzen  werden,  wird 
der  Verstorbene  allezeit  fortleben. 

An  seiner  Stelle  wurde,  wie  bereits  berichtet,  Direktor  Dr.  Justus  Brinckmann 
in   Hamburg  zum  Mitgliede  des  Verwaltungsausschusses  gewählt. 


—     4     — 

Bei  seiner  Rückiiehr  von  Nürnberg,  wo  er  an  den  Verhandlungen  des  Verwaltungsausschusses 
noch  regsten  Anteil  genommen  hatte,  verschied  am  Abend  des  5-  Juni  in  München  Geheimrat 
Dr.  Georg  von  L  a  u  b  m  a  n  n,  Direktor  der  Hof-  und  Staatsbibliothek.  Er  gehörte  dem 
Verwaltungsausschusse  als  von  der  Königl.  Bayerischen  Staatsregierung  ernanntes  Mitglied  seit 
1895  an  und  hat  sich  als  unermüdlicher  Förderer  aller  wissenschaftlichen  Bestrebungen  unserer 
Anstalt,  wie  insbesondere  auch  als  von  warmem  Interesse  beseeltes,  überaus  tätiges  Mitglied  der 
vom  Verwaltungsausschuß  jeweils  gewählten  Bibliothekskommission,  als  deren  Referent  er  wirkte, 
dauernde  Verdienste  um  das  Germanische  Museum  erworben.  Unsere  Dankbarkeit  folgt  ihm 
über  das  Grab  hinaus. 

Mitte  Januar  trat  der  II.  Direktor  Dr.  Hans  Steg  mann  aus  dem  Verbände  des 
Germanischen  Museums  aus,  um  der  an  ihn  ergangenen  ehrenvollen  Berufung  zum  Direktor  des 
Bayerischen  Nationalmuseums  in  München  Folge  zu  leisten.  Die  Wahl  des  bisherigen  Konser- 
vators und  Bibliothekars  Dr.  T  h.  H  a  m  p  e  zum  II.  Direktor  hat  unterm  26.  Juni  die  Bestäti- 
gung durch  Seine  Königliche  Hoheit  den  Prinzregenten  gefunden.  Am  1.  Juli  wurde  der  neu 
ernannte  II.  Direktor  in  sein  Amt  eingeführt  und  verpflichtet.  Er  wird,  unter  eigener  Verant- 
wortung, die  Oberleitung  der  Bibliothek  beibehalten. 

Dr.  Edwin  R  e  d  s  1  0  b,  Praktikant  an  den  kunst-  und  kulturgeschichtlichen  Samm- 
lungen, schied  am  1.  April  aus  seiner  Stellung,  da  er  als  Direktorialassistent  am  städtischen  Suer- 
mondt-Museum  nach  Aachen  berufen  worden  war. 

Der  Praktikant  an  der  Bibliothek,  Dr.  Hubert  S  t  i  e  r  1  i  n  g,  verließ  unsere  Anstalt 
am  15.  April,  um  bei  dem  Museum  für  Hamburgische  Geschichte  in  Hamburg  als  Hilfsarbeiter 
einzutreten.  An  seiner  Stelle  wurde  Dr.  August  Neuhaus  aus  Geseke  in  Westfalen,  der 
bereits  seit  einem  halben  Jahre  in  der  Bibliothek  und  am  Archiv  als  Volontär  tätig  gewesen  war, 
vom  Direktorium  als  Praktikant  aufgenommen. 

STIFTUNGEN. 

Der  verstorbene  Freiherr  Thomsen  von  Biel  auf  Kalkhorst  hat  mit  Testament 
vom  31.  Januar  1886  und  Nachtrag  hierzu  dem  Germanischen  Museum  ein  Legat  von  10  000  M. 
vermacht  mit  der  Bestimmung,  daß  die  Zinsen  aus  diesem  Kapital  an  das  Museum  abzugsfrei  zu 
zahlen  sind,  solange  der  Vorstand  des  Museums  der  Verpflichtung,  dem  Inhaber  des  von  Biel- 
Kalkhorst'schen  Fideikommisses  beim  Ankauf  etc.  von  Gegenständen  aus  der  Kunstindustrie 
mit  Rat  und  Tat  beizustehen,  nachkommt. 

Nach  Abzug  der  Erbschaftssteuer,  die  nach  der  Mecklenburgischen  Erbschaftssteuerord- 
nung 8  Vo  betrug,  fiel  dem  Museum  die  Legatsumme  von  9200  Ji  zu,  deren  Zinsen  zur  Vermeh- 
rung der  Sammlungen  Verwendung  finden  werden. 

Der  Arzt  Dr.   Franz  Schröter  in  Charlottenburg  stiftete  einen  Beitrag  von  100  JL 

NEUANOEMELDETE  JAHRESBEITRÄGE. 

An  die  Spitze  derselben  dürfen  wir  Se.  Majestät  König  Friedrich  August  von 
Sachsen  stellen.  Höchstweicher  den  Jahresbeitrag  zu  600  .IL,  dessen  Bewilligungsfrist  abgelaufen 
war,  für  die  nächsten  3  Jahre  weiter  zu  bewiUigen  geruhte. 

Von  Standesherren:  Joachim  Graf  und  Herr  von  Schönburg- Glauchau,  Erlaucht,  200  JL; 
Friedrich    Graf   zu    Rechtern- Limpurg  u.    Speckfeld.  Erlaucht,   in  Mkt.   Einersheim  10   M. 

Von  Gemeinden:  Agatharied  5  JL-,  Algringen  5  JL;  Altenstadt  2  JL;  Annweiler  5  JL;  Aue  i.  S. 
15  Ji;  Balingen  2.iL;  Bielschowitz  5  .11.;  Bingerbrück  5  Ji;  Blasewitz  10  .«.;  Chorzow  5  JL;  Fürsten- 
feldbruck 5  Ji;  Orünstadt  10  Ji;  Kiippersteg  5  JL;  Neugersdorf  5  Ji;  Nienburg  a.  S.  6  Ji; 
Rochlitz  6  .Ä;  Saarau  5  Ji;  Siegen  10  Ji;  Sindelfingen  10  Ji;  Steinau  a.  0.  3  J<--;  Stralau  10  .<t; 
Tegel  5  Ji;  Tempelburg  3  -<t;  Tennstedt  3  Ji;  Tharandt  5  Ji;  Themar  5  Ji;  Tiegenhof  3  -Ä; 
Tölz  W  Ji;  Trachenberg  i.  Schi.  2  Ji;  Trebnitz  5  JL;  Treuchtlingen  5  Ji;  Treuenbritzen  6  A; 
Triebes  3  Ji;  Ueberlingen  10  Ji;  Ueckermünde  5  Ji;  Uetersen  10  Ji;  Unsernherrn  3  Ji;  Unterm- 
haus  5  Ji;  Vallendar  5  Ji;  Vegesack  5  .'t;  Vohenstrauß  5  Ji;  Waren  10  Ji;  Waldkirch  5  '<t; 
Wanzleben  3  .«.;  Weferlingen  3  -«  ;  Weilburg  3  Ji;  Weilheim  5  JL;  Weißwasser  6  Ji;  Wessel- 
buren  2  A;  Westeregeln  5   « ;  Westerhausen  3  A;  Westerhüsen  5  JL;  Wetter  (Ruhr)  5  jl;  Wiebels- 


—     5     — 

kirchen  3  X;  Wiesdorf  5  .<t;  Wiesloch  5  't;  Bad  Wildungen  10  X;  Wilhelmsburg  a.  E.  10  .IL; 
Wilhelmshaven  10  .«t;  Wipperfürth  3  't;  Wörishofen  5  't;  Würselen  5  't;  Zehlendorf  20  .»t; 
Zirndorf  10   .((.;  Zuffenhausen  5     't;  Zülpich  3     't;  Zwiesel  3    •«' 

Von  Bayer.  Distriktskassen:  Auerbach  5   A;  Burglengenfeld  20  .ft;  Rain  5   M 

Von  würltembergischen  Oberämtern:  Vaihingen  15   Ji. 

Von  Vereinen:  Arnstadt.  Museumsgesellschaft  5  •'t;  St.  Johann  a.  Saar.  Volksbildungs- 
verein 10  ^ 

Von  studentischen  Korporationen:  '  Freiburg  i.  B.  Corps  Rhenania  20  .iL;  Suevia  20  .IL; 
München.  Akademischer  Verein  für  bildende  Kunst  E.  V.  15  .<t;  Corps  Bavaria  25  -iL;  Corps 
Vitruvia  15   .K. ;    Würzburg.     Corps  Nassovia  10   .IL;    Landsmannschaft  Teutonia  20    .iL 

Von  Privaten:  Abensberg.  Alax  Enzinger,  Privatier  1  A;  Amberg.  Bachmann,  Bau- 
unternehmers-Witwe 5  .IL;  Apolda.  M.  Ehrhardt,  Maurermeister  (bisher  2  .iL)  3  .K;  Dr.  med. 
Lilie,  Sanitätsrat,  3  •"• ;  Aussee.  Alfred  Sahger,  K.  K.  Salinen- Hauptkassa-Offizial  10  .K; 
Bamberg.  Hch.  Uhlfelder,  Kaufmann  2  .«.;  Berlin.  A.  v.  Beckerath.  Rentner  20  Jt;  Dr.  Erich 
Kunheim,  Kommerzienrat  20  .u.;  Max  Lust,  Kaufm.  20  .IL;  Dr.  Max  Pieper  in  Wilmersdorf  3  M; 
Fräulein  Wienecke  3  .fi;  Karl  Zürcher  3  ^*i-;  Bochum.  Professor  Dr.  Steffen  1  .K;  Bremen. 
Georg  Riesch,  Kaufmann  5  ^t;  Darmstadt.  Professor  Dr.  Bader,  Bibliothekar  3  -'t;  Dir. 
Ewald,  Staatsminister,  Excellenz  10  .iL;  Dr.  Osann,  Rechtsanwalt  3  M.;  Dr.  Schlapp,  Zahn- 
arzt 5  .(L;  Dresden.  Dr.  Georg  Beutel,  Archivar  5  -'t;  Dr.  Domsch,  Finanz- Asesssor  3  -<t; 
Dr.  phil.  Alfred  Meiche  5  .iL;  Erlangen.  Georg  Wedel,  Bäckermeister  2  .IL;  Essen.  Hüter, 
Land- Bauinspektor  5  .iL;  Feuchtwangen.  Karl  Butry,  K.  Bezirksamts-Assessor  2  .IL;  Johann 
Hörmann,  Kgl.  Notar  2  .iL;  Freudenstadt.  Caspar,  Finanzamtmann  1  JL;  Friedland  i/M, 
Graf  L.  v.  Bernstorff  auf  Beseritz  10  .iL;  Fürth  i.  B.  Hans  Baumeister,  Privatier  3  .IL; 
Friedrich  Berger,  K.  Reallehrer  4  .iL;  Dr.  Franz  Fischer,  K.  Reallehrer  1  JL;  Diplom- Inge- 
nieur Ludwig  Frank,  Realschulassistent  1  .iL;  Joseph  Hannwacker,  K.  Reallehrer  3  .ft;  Leon- 
hard  Hartmann,  Friseur  2  .iL;  Th.  Helmreich,  K.  Gymnasiallehrer  10  .((.;  K.  Geh.  Kommerzien- 
rat Heinrich  Hornschuch  10  A;  Emmy  Humbser  10  .iL;  Joseph  Kuffler,  Stadtkaplan  3  .iL;  Dr. 
Bruno  Lebermann,  K.  Reallehrer  2  A;  Karl  Malter,  K.  Landgerichtsrat  2  .K;  Jos.  Anton  Müller, 
K.  Postmeister  6  >«.;  Babette  Schmid,  Sprachlehrerin  2  .iL;  Friedr.  Strößenreuther,  K.  I.  Staats- 
anwalt 3  •«■;  Fürth  a.  W.  Hader,  Kgl.  Oberamtsrichter  2  .ü;  Görlitz.  Baum,  Landgerichtsrat  1  JL; 
Kämpffer,  Baumeister  1  Jt;  Halle  a.  S.  Dr.  Kurt  Zoege  von  Manteuffel  3  •«■;  Hanau.  Aug. 
Hahne,  Stadtschulinspektor  3  .iL;  Heldburg.  Freiherr  von  Burgh,  Kammerherr  auf  Schönfeld 
6   JL;  Graf  von  Hagen,  Oberleutnant  in  Beriin  6  JL;  Dr.  med.  Lejeune,  gen.  Jung,  prakt.  Arzt 

1  .IL;  Sperie,  Rittergutsbesitzer  in  Haubinda  3  ■«■;  Storandt,  Pfarrer  in  Gellershausen  2  JL; 
Hermannstadt.  Dr.  Wilhelm  Brückner  jun.,  Rechtsanwalt  2  Kr.;  Dr.  August  Gmeiner,  Rechts- 
anwalt 2  Kr.;  Höchstadt  a.  A.  Fuchs,  Rechtspraktikant  1  .((.;  Schlegel,  Bezirksgeometer  1  .«t; 
Hof.    Mechan.  Weberei  Gebrüder  Rammensee  10  .u.;    Horb.     Paul  Christian,  Veriagsbuchhändler 

2  .IL;  Gust.  Fischer,  Süddeutsche  Marmorwerke  2  .«.;  Gg.  Sackmann,  Zementwarenfabrik  1  .iL; 
Iserlohn.  Kommerzienrat  R.  W.  Basse  5  .IL;  Elisabethe  Herbers,  geb.  Seydlitz  20  .iL;  Karl  Klincke, 
Fabrikbesitzer  5  .«.;  Kassel.  Dr.  med.  von  Christen  3  .iL;  Schreinermeister  Dötenbier,  Stadt- 
verordneter 3  .IL;  Geh.  Oberpostrat  Hoffmann,  Oberpostdirektor  3  A;  Landesrat  Scheel  3  f^-i 
Schwarzkopf,  Senatspräsident  3  .iL;  Sommer,  Oberiandesgerichtsrat  3  ■'t;  Kari  Wedemeyer, 
Kaufmann  3  .K.;  Kirchheimbolanden.  Weiß,  K.  Rentamtmann  2  .« ;  Konstanz.  Achilles, 
Leutnant  3  JL;  Hofeck,  Inspektor  a.  D.  3  -«■;  Lutz,  Stadtbaumeister  3  -'t;  Neff,  Großh.  Ober- 
amtmann 3  V«.;  E.  Rotschild,  Stadtrat  3  .ü;  J.  Sallmann,  Fabrikant  3  ^'t;  Stadler,  Buchdruckerei- 
besitzer 3  M;  Fr.  Strähl,  Fabrikant  3  .K.;  Straub,  Geh.  Oberregierungsrat  3  .<t;  Wendland,  Bank- 
vorstand 3  A;  Lahr.  Bacmeister,  Generalmajor  2  X;  Beck,  Geh.  Regierungsrat  2  .<t;  Bender, 
Professor  2  .K;  Chr.  Dahlinger,  Fabrikant  5  -t;  Fecht,  Gymnasiumsdirektor  2  .fc ;  Hahndorff, 
Oberstleutnant  2  X;  F.  Itta,  Apotheker  2  .iL;  Paul  Kramer  1  .iL;  Morstadt,  Zahnarzt  1  X; 
H.  Mutz,  Gewerbeschulvorstand  2  .«t;  J.  Neßler,  Apotheker  1  .iL;  Pohlmann,  Major  2  .K;  Popp, 
Stadtpfarrer  2  .K;  von  Randow,  Oberst  2  .iL;  Rottmund,  Amtmann  2  .<t;  Geh.  Kommerzien- 
rat Stoeßer  2  X;  Strohmeyer,  Rechtsanwalt  2  .K.;  Langenzenn.  Bitterauf,  Apotheker  2  .«.; 
Pickel,  K.  Bahnverwalter  1    .iL;    Lauf.    G.  Haack,  K.  Bezirksamtmann  2  .iL;  Kirchner,  K.  Amts- 


—     6     — 

richter  2  Ji;  Küspert,  K.  Amtsrichter  (bisher  1  Ji.)  jetzt  2  .«.;  Dr.  Nägelshach,  K.  Bezirksamts- 
Assessor  2  Jt;  Dr.  SchHer,  K.  Bezirksarzt  (bisher  1  Ji)  jetzt  2  Jt;  Wagler,  Rechtsanwalt  2  .<£; 
Leipheim.  Karl  Geyer,  Hauptlehrer  (bisher  1  Ji)  jetzt  2  Jt;  Leipzig.  Paul  Dietrich,  can.  rer. 
min.,  Realschuloberlehrer  2  Ji;  Gotthard  Krömer,  stud.  phil.  3  Ji;  Professor  Dr.  Oscar  Seipt 
10  Ji;  Marburg.  Walter  Kürschner,  Oberlehrer  5  ,fe;  Wessel,  Ökonomie- Kommissär  10  Ji; 
Münchaurach.  Friedrich  von  Segnitz- Schmalfelden,  Kgl.  Dekan  3  Ji;  Neuendettelsau. 
Jusius  Götz,  Pfarrer,  Inspektor  des  Bruderheims  3  vÄ.;  Pfarrer  Steck,  Konrektor  der  Missions- 
anstalt 1  Ji;  Nürnberg  Karl  Bohrer,  Schulverweser  3  Ji;  Moritz  Boscowitz,  Hopfenhand- 
lung 3  Ji;  Adolf  Dünkelsbühler  3  •'(■;  Diptmar,  K.  Gymnasialprofessor  3  -^t;  Franz  Ecker, 
K.  Postsekretär  3  Ji;  Dr.  Eßlinger,  Rechtsanwalt  3  Ji;  Oskar  Menzel,  Generalmajor  3  .<t; 
E.  Semek,  Privatiere  3  it;  von  Traitteur,  Hauptmann  lO  Ji;  Pappenheim.  C.  Däschler,  Stein- 
bruchbesitzer 3  Ji;  Müller,  Kgl.  Amtsrichter  2  Ji;  Dr.  Singer,  prakt.  Arzt  3  J<-;  Passau.  Rud. 
Artner,  Dekorationsmaler  2  Ji;  Gg.  Berzl,  K.  Bahn-Oberinspektor  2  Ji;  Dr.  Franz  Eberl,  K. 
Lyzeal- Professor  2  JL;  H.  Frank,  Hilfsgeistlicher  2  Ji;  J.  Graßl,  K.  Postamtsdirektor  2  Ji; 
Fr.  Kalb,  K.  Landgerichts- Präsident  2  JL;  Wilh.  Kreuter,  Oberrealschul- Professor  2  Ji;  Freiherr 
Ludwig  von  Neubeck,  K.  Direktionsrat  2  ./(. ;  Frz.  Neuberger,  K.  Amtsrichter  2  JL;  Dr.  Georg 
Pell,  K.  Lyzeal- Professor  2  Ji;  Dr.  A.  Seider,  K.  Lyzeal- Professor  2  Ji;  Dr.  Steinhuber,  Kgl. 
Bezirksarzt  2  .ü;  Ernst  Weber,  K.  II.  Staatsanwalt  2  ./(.;  Jos.  Zeitler,  Oberrealschul- Professor 
2  .*;  Pforzheim.  Wilhelm  Aßmus,  Fabrikant,  i.  Fa.  Fühner  u.  Aßmus  10  Ji;  Puschendorf. 
A.  Raab,  Kgl.  Pfarrer  2  Ji;  Ronneburg.  Otto  StöUein,  Fabrikant  in  Neuhaus  3  Ji;  Rothen- 
burg 0.  T.  Rud.  Albrecht,  Kunstanstaltsbesitzer  3  JL;  Stieber,  rechtsk.  Bürgermeister  3  .H; 
St.  Johann  a.  Saar.  K.  Schultheiß,  Architekt  3  Ji;  Schneeberg  i.  S.  Dr.  Frey,  Professor  (bisher 
1  X  50  -5,)  jetzt  2  JL;  Dr.  Uhlig,  Professor  (bisher  i  .«.  50  i,)  jetzt  2  JL;  Treuchtlingen.  Joh. 
Braun,  Pfarrer  in  Gundelsheim  2  Ji;  Ant.  Weinbuch,  K.  Bahnverwalter  3  JL;  Ueberlingen. 
Oskar  Koppel,  Rechtspraktikant  2  Ji;  Theodor  Leutwein,  Generalmajor  z.  D.  3  Ji;  Vegesack. 
Martin  Bischoff  in  Osterholz,  (statt  bisher  1  Ji)  1  Jt  50  i-»;  Waldhelm  i  S.  Dr.  phil.  Beßler, 
Oberlehrer  15  JL;  Wunsiedel.  Bicherl,  K.  Gymnasiallehrer  1  Ji;  Graf,  K.  Landwirtschafts- 
lehrer 1  Ji;  Dr.  Joetze,  K.  Rektori  JL;  Prell,  K.  Gymnasiallehrer  1  JL;  Schirner,  K.  Reallehrer 
1    Ji;  Strotz,   K.   Postverwalter  1    JL 

Einmalige    Beiträge. 

Von  den    Gemeinden:    Alsdorf  10   ./(.;   ßlanl<enese   10  JL;   Derne  25   JL;   Suderwich   10  JL; 
Voerde  3   JL;  Weida  5   .'<;  Zirke  5   Ji 


ZUWACHS  DER  SAMMLUNGEN 

KUNST-  UND  KULTURGESCHICHTLICHE  SAMMLUNGEN. 

(1.  Januar— 30.  Juni.) 

Unter  den  Neuerwerbungen,  deren  größten  Teil  das  Museum  auch  diesmal  wieder  treuen 
Freunden  verdankt,  ist  ein  spätmittelalterliches  Reliquiarium  der  wertvollste 
Gegenstand  (Abb.  1);  der  als  kirchliches  Schaustück  prunk\'oll  ausgestattete  kupferne  Kasten 
zeigt  in  seinem  Aufbau  starke  Einwirkungen  der  gotischen  Architektur.  Wo  das  Material  sichtbar 
ist,  trägt  es  Feuervergoldung;  im  übrigen  ist  der  ganze  Kasten  wie  auch  der  Deckel  ganz  von 
Silberbl  ch  mit  gepreßten  pflanzlichen  Ornamenten  umhüllt.  Originell  sind  seine  4  Träger:  ver- 
goldete Bronzefigürchen  von  Rittern  in  geschobener  Eisenrüstung,  die  mit  dem  Schild  zur  Seite 
und  dem  gezückten  Schwert  in  der  Rechten  ihre  Ehrenwache  halten.  Das  Reliquiarium,  ver- 
mutlich oberdeutscher  Herkunft,  dürfte  bald  nach  1500  entstanden  sein.  —  Ein  gutes  Werk  der 
dekorativen  Plastik  ist  die  aus  Wesel  stammende  lebensgroße  weibliche  Tonfigur,  die,  in 
wirkungsvoller,  aber  flüchtiger  Technik  hergestellt,  ein  Monumentalgebäude  oder  einen  Garten 
geschmückt  haben  wird.  Gefertigt  wurde  sie  in  der  ersten  Hälfte  des  18.  Jahrhunderts  von 
einem  deutschen  Meister,  der,  wie  die  Größe  der  Auffassung  und  die  Eleganz  der  Faltengebung 
beweist,  nicht  unbeeinflußt  gewesen  ist  von  der  Plastik  Frankreichs;  vornehmlich  scheinen  die 


7      — 


Werke  Fran?ois  Girardons  für  iliii  von  Bedeutiiiiß:  gewesen  zu  sein.  Ein  hervorragendes  selbst- 
ständiges Kunstwerk  ist  dagegen  die  in  A  b  b.  2  wiedergegebene  Frauenbüste  von  ge- 
branntem Ton,  angeblich  Porträt  einer  Frau  von  Sinner  in  Bern;  das  charakteristische 
Bildwerk,  das  aus  der  Sammlung  Angst  in  Zürich  erworben  wurde,  ist  eine  Arbeit  des  Württem- 
bergers Valentin  Sonnenschein  (1739 — I8l6).  —  Für  die  an  Werken  des  19.  Jahr- 
hunderts arme  Gemäldegalerie  bedeuten  eine  hervorragende  Bereicherung  die  lebensgroßen 
Porträts  des  Freiherrn  von  Eskeles  und  seiner  Gattin  in  Wien,  signierte 
Arbeiten  des  Wieners  Friedrich  Amerling  vom  Jahre  1832,  mithin  aus  der  besten  Zeit 
dieses  bedeutendsten  Schilderers  de;  vormärzlichen  Wiens.  Die  mit  der  diesem  Künstler  eigenen 
Treffsicherheit  gemalten  Bilder  zeichnen  sich  durch  vornehme  Charakterisierung  und  künstlerisch 


Abb.  1.    Spätmittelalterliches   Reliquiarium. 


feine  Koioristik  aus.  —  V'.n  entzückender  Eleganz  und  Feinheit  sind  4  Fuldaer  Por- 
z[e  1 1  a  n  f  i  g  ü  r  c  h  e  n.  von  denen  das  eine  Paar,  eine  Dame  in  weißem  Neglige  und  ein  Herr 
mit  der  Uhr  in  der  Hand,  sich  noch  in  der  Originalvitrine,  einer  holzgeschnitzten  lackierten 
Sänfte,  befinden.  Sie  weiden  um  1770  entstanden  sein,  während  das  zweite  Paar,  Winzer  und 
Winzerin,  ein  Jahrzehnt  jünger  sind.  Die  Nymphenburger  Manufaktur  ist  mit  einer 
ausgezeichneten  Arbeit  um  1 760,  dem  Figürchen  eines  Rastelbinders,  vertreten.  — 
Auch  für  Rechnung  der  besonderen  Stiftungen  konnten  erfreuliche  Erwerbungen  gemacht 
werden.  Unter  diesen  zeichnen  sich  duich  Reichhaltigkeit  die  für  die  .,Denkmäler  der 
Heilkunde'  erworbenen  Mediziner-Medaillen  aus,  von  denen  einige  Stücke,  z.  B. 
die  Porträts  von  Kußmaul  und  Pettenkofer  als  Prachtwerke  moderner  Medailleurkunst  bezeichnet 
werden  können 


Eine  vollständige  Aufzählung  der  neuen  Erwerbungen  des  letztverflossenen  halben  Jahres 
folgt  hier: 

Geschenke. 

Berlin.  Verein  für  Geschichte  Berlins:  Bronzemedaille  auf  den  Besuch 
des  deutschen  Kaiserpaares  im  Verein  für  Geschichte  Berlins  1908,  von  A.  M.  Wolff.  —  Dinkels- 
bühl. Stadtbaumeister  N  e  e  s  e  r:  Würfel  aus  Serpentin,  17. — 18.  Jahrh.  —  Gürtelschnalle, 
durchbrochen  gearbeitet,  in  Gestalt  eines  stehenden  Mannes,  Bronze,  Anfang  des  17-  Jahrh.  — 


Abb.  2.    Frauenbüste  aus  gebranntem  Ton  von  Valentin  Sonnenschein. 


Erlangen.  Frau  Professor  Heerdegen:  Ein  Paar  einkerzige  Standleuchter  aus  Silber,  Nürn- 
berger Arbeit,  um  1820.  —  Hersbruck.  K  o  n  r.  Schramm:  Diebslaterne  aus  Messingblech, 
19-  Jahrh.  —  Zwei  Doppeljoche  für  Ochsengespann,  aus  Birkenholz,  mit  Kerbschnittverzierung.  — 
Lemberg.  Ignaz  Rapp:  Ungarisches  Einkronenstück,  Jubiläumsmünze  1896.  —  München. 
Dr.  E.  H.  von  Ried:  Kamm  aus  Bein,  fränkisch-merowingisch.  —  Vier  Armbrustbolzen, 
Eichenholz  mit  Eisenspitze,  aus  Bamberg,  17.  — 18.  Jahrh.  —  Eiserne  Pfeilspitze,  gefunden  bei 
Dunstelkingen    (Württemberg).    —    Legat    der    Frau    Generalarzt  Würth:    Pastellbilder    von 


—     9     — 

Joliann  Samuel  Graf,  Stadtapotheker  in  Bayreuth,  und  sehier  Gemahlin  Anna  Maria  geb.  Herz, 
Anfang  des  19.  Jahrb.  —  Nürnberg.  Städtisches  Bauamt:  Scherbenfund,  Fragmente 
verschiedenartiger  keramischer  Erzeugnisse  des  16. — 18.  Jahrb.,  durch  das  Hochwasser  im 
Februar  1909  aus  dem  Bett  der  Pegnitz  hinter  dem  westlichen  Friedhof  angeschwemmt.  —  t  Justiz- 
rat Beckh  und  Frau:  Wasserhahn  aus  Bronze,  patiniert,  vom  Hause  Albrecht  Dürer-Platz  4 
in  Nürnberg,  17.  Jahrh.  —  Dr.  von  B  e  z  o  1  d,  1.  Direktor  des  Germ.  Nationalmuseums: 
österr.-ungar.  Fünfkronenstück,  Jubiläumsmünze  1908.  — Desgl.  Einkronenstück.  —  Frl.  Auguste 
Blumröder:  Hellbrauner  Seidendamast  mit  Granatapfelmuster.  17. — 18.  Jahrh.  —  Satz 
eiserner  Kessel  mit  Deckel  (4  Stück),  18. — 19-  Jahrh.  —  Hand- Feuerspritze  aus  Messing,  der 
dunkelgebeizte  Holzgriff  gedrechselt  und  mit  Kerbschnitt  verziert,  18. — 19-  Jahrh.  —  Zwei 
Feuergaheln  aus  Eisen,  mit  Holzstielen,  18. — 19.  Jahrh.  —  Zwei  Handlaternen,  Mitte  des  19. 
Jahrh.  —  Reisestiefelknecht,  Mitte  des  19-  Jahrh.  —  Hutschachtel  aus  Leder,  1.  Hälfte  des 
19.  Jahrh.  —  Lederetui  mit  vier  zinnernen  Salbbüchsen,  Mitte  des  19.  Jahrh.  —  Flasche  mit 
Opalisierungserscheinung  am  Halse,  19-  Jahrh.  —  Gliedermann  (Marionettenfigur)  aus  Holz, 
bekleidet,  18. — 19.  Jahrh.  —  Puppe  in  Gestalt  eines  Ritters  mit  Eisenharnisch,  Mitte  des  19- 
Jahrh.  —  Harfe  (Spielzeug)  aus  heibraun  lackiertem  Holz,  mit  11  Saiten,  18. — 19.  Jahrh.  — 
Kesselpauke  (Spielzeug)  mit  Zubehör,  18. — 19-  Jahrh.  —  Seidene  Herrenweste,  mattgrün,  mit 
eingewebten,  schwarzgesäumten  Silberstreifen  und  sich  rankenden  Blütenzweigen,  2.  Hälfte  des 
18.  Jahrh.  —  Seidenes  Kindermieder,  versteift,  2.  Hälfte  des  18.  Jahrh.  —  Damenleibchen  aus 
weißem  Schirting,  Anfang  des  19.  Jahrh.  —  Umschnallhaken  für  Glatteis,  19.  Jahrh.  —  Hanf- 
mühle aus  Holz.  —  Major  a.  D.  Erdmannsdörfer:  Hängeuhr  aus  Holz,  mit  hölzernem 
Räderwerk,  aus  Schlitz  in  Oberhessen,  18. — 19.  Jahrh.  —  Kienspanständer,  dreibeinig,  aus 
gedrechseltem  Holz  mit  eisernen  Kienhaltern,  aus  Schlitz  in  Oberhessen,  19.  Jahrh.  —  Cand. 
bist.  G.  H  o  e  r  n  e  r:  Bronzemedaille  auf  die  Krönung  Karls  X.  von  Frankreich  1825,  von  Gat- 
teaux.  —  Desgl.  auf  Gaspar  Moüere  in  Berlin,  1843,  von  Brandt.  —  Desgl.  eines  italienischen 
Kinderasyls  mit  der  Widmung  an  die  Gräfin  Redern-Odescalchi,  1847,  von  G.  Galeazzi.  — 
Lebensversich  erungs-  Bank:  Bronzemedaille  auf  das  fünfundzwanzigjährige  Jubi- 
läum der  Nürnberger  Lebensversicherungsbank  1909,  von  L.  Chr.  Lauer  in  Nürnberg.  — 
Eugen  Mayr:  Zwei  studentische  Pfeifenköpfe  und  ein  Bierzipfel,  19.  Jahrh.  —  Stempel- 
fabrikant Müller:  Lackabdrücke  von  zwei  Medaillenstempeln  auf  den  Frieden  von  Teschen, 
1719-  —  Verein  für  Münzkunde:  Silbermedaille  auf  das  Hochwasser  in  Nürnberg  1909, 
von  L.  Chr.  Lauer.  —  Juwelier  Tobias  Todtschinder:  Schloß,  Karabinerhaken  und 
Schnallen  der  Koppel  eines  Bergmanns,  2.  Hälfte  des  19.  Jahrh.  —  Ungenannt:  Ver- 
schiedenes Spielzeug,  19-  Jahrh.  —  Ungenannt:  Zwölf  Muster  von  Schmuckgarnituren 
(Broschen  und  Ohrringe)  aus  Schildpatt,  mit  Silber-  und  Perlmuttereinlagen,  Mitte  des  19-  Jahrh. 
—  Kommerzienrat  H.  W  engl  ein,  Fabrikbesitzer:  Silbermedaille  auf  das  fünfundzwanzig- 
jährige Bestehen  der  Nad'erwaren- Fabrik  H.  J.  Wenglein  in  Nürnberg.  —  Obersontheim.  Apo- 
theker Albert  Betz:  Pulvermühle  aus  der  Apotheke  zu  Obersontheim,  18.  Jahrh.  — 
St.  Polten  bei  Wien:  Archivar  a.  D.  Franz  Zimmermann:  Drei  alte  siebenbürgische 
Leinenstickereien.  —  Siebenbürgisches  Pulverhorn  aus  Hirschhorn,  gelbbraun,  mit  eingravierten 
Ornamenten.  —  Siebenbürgische  Brustheftel,  drei  silbervergoldet,  zwei  aus  Messingblech,  17.— 
19-  Jahrh.  —  Werden  a.  d.  Ruhr.  Kommerzienrat  Albert  Huffmann:  Jagdbüchse  (Vor- 
derlader), mit  Perkussionsschloß,  linkssichtig,  von  Chr.  Sturm  in  Suhl,  samt  Zubehör,  1848.  — 
Wien-Nußdorf.  K.  Adolf  Freiherr  Bachofen  von  Echt,  sen.:  Silbermedaille 
auf  die  goldene  Hochzeit  des  Freiherrn  K.  Adolf  Bachofen  von  Echt  und  seiner  Gemahlin 
Albertine,  1909. 

D  e  p  0  s  i  t  a. 
Eisenstempel  der  Medaille  auf  das  Hochwasser  in  Nürnberg,  von  L.  Chr.  Lauer,  1909.  — 
Sammlung  älterer  optischer  Instrumente.  —   Bestecksammlung,   12  Stück,   15.— 19.  Jahrh. 

Ankäufe. 
Vorgeschichtliche  Denl<niäler.    Oberarmspange  aus  Bronze,  zu  zwei  Spiralen  ausgeschmiedet, 
graviert  und  punziert;  in  Aachen  ausgegraben. 


—     10    — 

Bauteile.  Wandbrunnen  aus  dem  Hofe  des  Hauses  Burjjstraße  13  in  Nürnberg,  Sandstein, 
2.   Hälfte  des  16.  Jahrh. 

Plastik,  Originale.  Maria  mit  dem  Kinde,  Standfigur  aus  gebranntem  Ton,  Nachbildung 
des  Gnadenbildes  von  Altötting;  oberbayerische  Arbeit,  Anfang  des  16.  Jahrh.  —  Frauenbüste, 
freiplastisch,  aus  gebranntem  rötlichen  Ton,  angeblich  Bildnis  einer  Frau  von  Sinner  in  Bern, 
Arbeit  Valentin  Sonnenscheins  in  Bern  (1749 — I8l6),  Ende  des  18.  Jahrh. 

Plastik,  Kopien.  Relief  des  Jüngsten  Gerichts,  Gipsabguß  nach  dem  Original  aus  grauem 
Sandstein  im   Kreuzgang  des  Domes  zu  Mainz,  Mitte  des  13.   Jahrh. 

Medaillen  und  Plaketten.  Silbermedaille,  oval,  auf  Georg  III.  (1639 — 64)  von  Schlesien- 
Brieg,  0.  J.  -^  Desgl.  auf  Johann  Georg  III.  von  Sachsen,  anläßlich  des  Entsatzes  von  V/ien, 
1683.  —  Desgl.  auf  Friedrich  August  I.  von  Sachsen,  mit  dem  Abdruck  des  in  der  Schlacht  bei 
Zenta  erbeuteten  Petschafts  des  türkischen  Großveziers,  1697.  —  Desgl.  auf  den  Frieden  von 
Ryswyk  I697.  —  Desgl.  auf  Friedrich  August  II.  von  Sachsen,  anläßlich  der  Freiberger  Huldi- 
gung, 1733.  —  Desgl.  auf  Johann  Adolf  II.  von  Sachsen,  anläßlich  der  Weißenfelser  Huldigung, 
1736.  —  Desgl.,  oval,  auf  die  Geburt  Josephs  II.,  von  Becker,  1741.  —  Desgl.  auf  Ernst  August 
von  Sachsen- Weimar,  anläßlich  der  Einverleibung  Eisenachs,  1741.  —  Desgl.  von  Freiberg,  auf 
das  Hundertjahr- Jubiläum  der  Befreiung  von  den  Schweden,  1743,  von  Wermuth.  —  Zwei  Silber- 
medaillen auf  den  Frieden  zu  Dresden,  1745-  —  Silbermedaille  auf  die  Vermählung  Maximilian  IIl. 
von  Bayern  und  der  Maria  Anna  von  Sachsen- Polen,  1747.  —  Desgl.  auf  Friedrich  August  III. 
von  Sachsen,  anläßlich  der  Freiberger  Huldigung,  1769,  von  Stockmar. 

Silbermedaille  auf  die  Sedisvakanz  in  Osnabrück,  1728.  —  Zwei  Silbermedaillen  auf  den 
Bamberger  Bischof  Franz  Konrad  von  Stadion,  1753-  —  Silbermedaille  auf  das  Kirchen  Jubiläum 
in  Hirschberg,  1759-  —  Desgl.  auf  das  Priesterjubiläum  des  Suffragans  von  Mainz,  Christof  Nebel, 
1779,  von  P.  P.  Werner.  —  Desgl.  auf  den  Würzburger  Bischof  Franz  Ludwig  von  Erthal,  anläßlich 
des  Jubiläums  der  Universität  Würzburg,  1782,  von  Rirsing.  —  Desgl.,  oval,  auf  den  Abt 
Gaudentius  von   Klosterneuburg,  l8l4. 

Silbermedaille   auf  die  Heuschreckenplage  1748. 

Denkmäler  der  Heilkunde:  Silberplakette  des  XIV.  Internationalen  Amerikanisten- 
Kongresses  in  Stuttgart,  mit  den  Bildnissen  von  A.  von  Humboldt  und  A.  Bonpland,  1904.  — 
Einseitige  Bronzeplakette  auf  den  Chirurgen  G.  von  Bergmann  in  Berlin,  1907,  von  Mayer  u. 
Wilhelm.  —  Bronzegußplakette  auf  A.  Kußmaul,  1902,  von  R.  Mayer.  —  Desgl.  auf  Ma.x  von 
Pettenkofer.  o.  J.,  von  R.  Mayer.  —  Des;l.  auf  J.  Ph.  Semmelweis,  1906,  von  Beränl. 

Silbermedaille  auf  Joh.  Jak.  Baier,  Arzt  in  Nürnberg,  I800,  von  Dallinger.  —  Bronzemedaille 
auf  Theodor  Billroth,  Chirurgen  in  Wien,  1891,  von  St.  Schwarz  in  Wien.  —  Desgl.  auf  Joh.  Fr. 
Blumenbach,  Professor  der  Medizin  in  Göttingen,  1826,  von  Pfeuffer.  —  Silbermedaille  auf  C  A. 
Cothenius  (17O8— 1789),  Leibarzt  Friedrichs  des  Großen,  18.  Jahrh.,  von  Abramson.  —  Bronze- 
medaille auf  J.  W.  Ellenberger,  Generalchirurgus,  1820,  von  Hollenbach.  —  Desgl.  (neuerer  Ab- 
guß) auf  Joh.  Caspar  Fetz,  Arzt  in  Feldkirch,  Ende  des  17.  Jahrh.,  von  J.  F.  Neidinger.  —  Silber- 
medaille auf  Conrad  Geßner,  Arzt  in  Zürich,  18.  Jahrh.,  von  H.  J.  Geßner.  —  Eisengußmedaille 
auf  Joh.  Goerke,  preußischen  Generalstabsarzt,  Anfang  des  19.  Jahrh.  —  Silbermedaille  auf 
denselben,  1817,  von  Loos.  —  Desgl.  auf  Alb.  von  Graefe,  Ophtalmologen  zu  Berlin,  mit  einer 
Widmung  an  Th.  Leber,  Ophtalmologen  zu  Heidelberg,  1886.  —  Bronzemedaille  auf  Alb.  von 
Haller,  Dichter  und  Arzt,  von  Mörikofer,  18.  Jahrh.  —  Desgl.  auf  die  hundertjährige  Gedächtnis- 
feier Alb.  von  Hallers,  1877,  von  Durussel.  —  Eisengußmedaille  auf  Ernst  Hörn,  Geh.  Medizinal- 
rat in  Berlin,  1.  Hälfte  des  19-  Jahrh.  —  Silbermedaille  auf  G.  J.  Jänisch,  Arzt  in  Hamburg, 
Medaille  der  Loge  Absalon,  1778.  —  Bronzemedaille  auf  Justus  von  Liebig,  19-  Jahrh.,  von 
Korn.  —  Silbermedaille  auf  denselben  zur  hundertjährigen  Geburtstagsfeier,  1903,  von  Mayer 
und  Wilhelm.  —  Bronzemedaille  auf  G.  A.  H.  Mühlenbein,  Homöopath  in  Braunschweig,  1839-  — 
Silbermedaille  auf  Fr.  Müller,  Medizinalrat  in  Augsburg,  1902.  —  Desgl.  auf  M.  von  Pettenkofer, 
München,  1899,  von  H.  Hahn.  —  Desgl.  auf  Fr.  W.  A.  Puhlmann,  Militärarzt  in  Potsdam,  1881. 
von  Kulbri.:li,  —  Eisengußmedaille  auf  Joh.  Ludw.  Regemann,  Arzt  in  Warschau,  18.  Jahrb., 
von  Holzhäuser.  — Silbermedaille  auf  J.  Chr.  Reil,  anläßlich  der  7.  Naturforscherversammlung  in 
Berlin,  1828.  —  Desgl.  auf  Chr.  L.  Roloff,  preußischen  Leibarzt  in  Berlin,  1800,  von  Abramson.— 


—   11   — 

Zinnmedaille  auf  Micliael  Schueppach,  Arzt  in  Langnau,  18.  Jahrii.  —  Silbermedaille  auf 
Willi.  Stricker,  Arzt  in  Frankfurt  a.  M.,  1889,  von  Lauer.  —  Desgl.  auf  D.  de  Superville, 
bayreuth.  Leibarzt,  1796,  von  Vestner.  —  Bronzemedaille  auf  Karl  Vogt,  Professor  in  Genf, 
1892,  von  H.  Bory.  —  Desgl.  auf  Jak.  Waitz,  gothaischen  Leibarzt,  und  Gemahlin,  1716,  von 
Wermuth. 

Zwei  bronzene  Ulrichskreuze,  17.— 18.  Jahrh.  —  Silbermedaille  auf  die  Schutzpocken- 
impfung, gereicht  von  Dr.  Bremer  in  Berlin,  I8O3.  —  Desgl.  auf  den  Bau  der  chirurgischen  Klinik 
in  Berlin,  1819  —  Desgl.  auf  die  7.  deutsche  Naturforscher- Versammlung  in  Berlin,  1828,  von 
Gube.  —  Desgl.  auf  die  Naturforscher-  und  Ärzte-Versammlung  in  Jena,  1836,  von  Aug.  Facius.  — 
Desgl.  auf  ;'ie  Naturforscher-Versammlung  in  Wolfenbüttel,  1841,  von  Thies.  —  Desgl.  auf  das 
zweihundertjährige  Jubiläum  der  Errettung  des  Wiener  Münzpersonals  aus  der  Pestgefahr,  1879, 
von  Taulenhayn  und  Neudeck.  —  Bronzemedaille  auf  die  Cholera  in  Hamburg,  I892,  von  A. 
Vogel.  —  Desgl.  auf  die  Ausstellung  für  Unfall-,  Schutz-  und  Rettungswesen  in  Frankfurt  a.  M. 
Ehrenpreis  der  Stadt,  (1901),  von  Kowarzik. 

Goldene  Prämienmedaille  der  mediko-chirurgischen  Akademie  in  Wien,  19.  Jahrh.,  von 
Boehm.  —  Silberne  Verdienstmedaille  des  roten  Kreuzes  unter  Wilhelm  II.  und  Augusta  Viktoria. 

Münzen.  Silberner  Fünfzehner,  Herzog  Christian  von  Schlesien- Wohlau,  1664.  —  Drei 
silberne  Spendepfennige  von  Klosterneuburg,  Abt  Bernh.  Waitz  (1629—1643),  Rudolf  Müller 
(1643—48),  Berthold  Staudinger  (1748—1766). 

Glasmalerei.  Scheibe  mit  dem  Wappen  der  Familie  Seuter  in  Lindau,  1581. — .  Schweizer 
Scheibe  mit  dem  Wappen  des  Abtes  Dominikus  von  Kloster  Muri,  1647- 

Gemälde.  Zwei  Ölgemälde  von  Fr.  Amerling  in  Wien,  Porträts  des  Bankiers  Bernh.  Frei- 
herrn von  Eskeles  in  Wien  und  seiner  Gemahlin  Cecilie,  geb.   Itzig,  1832. 

Musikinstrumente.  Violinbogen  aus  sog.  Pferdfleischholz,  mit  abnehmbarem  Frosch  aus 
Buchsbaum  und  aalkopfförmig  zulaufendem  Kopf,  vermutlich  Nürnberger  Arbeit,  2.   Hälfte  des 

17.  Jahrh.  — ■  26  Stück  Blech-  und  Holzblasinstrumente,  vornehmlich  aus  der  ersten  Hälfte  des 
19.  Jahrh.,  darunter  eine  D- Flöte  aus  der  Zeit  Friedrichs  des  Großen,  vom  Kgl.  Hoflieferanten 
J.   G.   Frey  er  in  Potsdam. 

Wissenschaftliche  Instrumente.  Sonnenuhr  aus  geätztem  Solnhofer  Stein,  mit  messing- 
vergoldeter Zeigerplatte,   1765- 

Technische    Instrumente.      Eisernes    Schmiedehorn    von    1672.  —  Lamettaplissierapparat, 

18.  Jahrh.  —  Überspinnmaschine  für  Lamettagespinste,   18.  Jahrh. 

Gewebe  etc.  Zwei  goldgestickte  seidene  Bänder  der  Fahne  des  Volksvereins  Steinbühl, 
1848. 

Kirchliche  Geräte.  Kupfernes  Kastenreliquiarium,  mit  gepreßtem  Silberblech  belegt  und 
teilweise  vergoldet,  vermutlich  süddeutsche  Arbeit,  vom  Anfang  des  16.   Jahrh. 

Hausgeräte.  Hölzernes  Kästchen,  mit  geschnittenem  Leder  bezogen  und  mit  Eisen  be- 
schlagen, 15-  Jahrh.  —  Zwei  Figuren  aus  Fuldaer  Porzellan,  mit  Kreuzmarke:  Kavalier,  in  see- 
grünem Schlafrock,  auf  die  Taschenuhr  blickend,  Dame,  in  weißer  Morgenjacke,  mit  dem  Spiegel 
in  der  Hand,  um  1770.  Dazu  eine  Vitrine,  in  Gestalt  einer  Sänfte  aus  weißlackiertem  Holz  mit 
vergoldetem  und  bunt  bemalten  Rokokozierat.  —  Zwei  Fuldaer  Porzellanfiguren:  Winzer  und 
Winzerin,  um  178O.  —  Figur  aus  Nymphenburger  Porzellan:  Rastelbinder,  braunschwarz  be- 
malt (Modell  von  Bastelli),  um  1760.  —  Sechs  Porzellanlich^^bilder  aus  der  Berliner  Manufaktur, 
Mitte  des  19-  Jahrh.  —  32  Schachfiguren,  holzgeschnitzt,  bemalt,  in  der  Kostümierung  der  zweiten 
Hälfte  des  18.  Jahrh.  —  Tischglocke,  in  Form  eines  Dreifußes,  bronzevergoldet,  mit  Emailrosetten 
und  farbigen  Steinen  besetzt,  englisch,  Stil  Louis  XVI.,  Ende  des  18.  Jahrh.  —  Bergmann  in 
Festtracht,  holzgeschnitzte  Puppe,  Anfang  des  19.  Jahrh.  —  Zwei  reitende  Kosaken  (Spielzeug) 
holzgeschnitzt,  bemalt,  Anfang  des  19.  Jahrh.  —  Torniquet  (Spielzeug),  dazu  eine  dunkelge- 
beizte Holzpuppe,  1.  Hälfte  des  19-  Jahrh.  —  Puppentheater,  aus  Nürnberg,  um  1840.  —  Prunk- 
wagen des  mecklenburgischen   Hofes,  um  1840. 

Tracht  und  Schmuck.     Uniform- Frack  des  Hofes  von  Schwarzburg- Rudolstadt,  19-  Jahrh. 


—     12     — 

HISTORISCH-PHARMAZEUTISCHES  ZENTRALMUSEUM. 

Geschenke. 
Kiel.    Apotheker  R.   E.  S  c  h  m  e  d  1 1  o:   Codex  der  Pharmakopoen;   Hamburgische  Phar- 
makopoe 1845,  Leipzig  1845-  —  Nürnberg.     Frl.    Auguste    Blum  rode  r:    Handapotheke, 
mit  dem  Wappen  der  Erzherzoge  von  Österreich  als  Grafen  von  Tirol,  Ende  des  18.  Jahrh. 

Ankäufe. 
Christus  der  wahre  Apotheker,  Ölgemälde  auf  Leinwand,  18.  Jahrh.  —  Die  Mißgeburt 
von  Ravenna,  deutscher  Holzschnitt  von  1512.  —  Konrad  von  Megenbergs  Buch  von  der 
Natur,  Pap.- Handschrift  aus  dem  Ende  des  15-  Jahrh.  Auf  der  Innenseite  des  vorderen 
Deckels  findet  sich  das  schöne  Wappen- Exlibris  eines  Angehörigen  des  alten  elsässisch-schwei- 
zerischen  Adelsgeschlechts  von  Flachsland  eingeklebt,  ein  handkolorierter  Holzschnitt,  den  wir 
in  Originalgröße,  doch  hinsichtlich  der  Kolorierung  mit  leiser  Abweichung*),  auf  Taf.  I  wie- 
dergeben. —  Benedict  Victor  von  Fauent,  New  Artzney  Büchlein,  Franckfurt  am  Mayn,  1602. 
—  H.  Deichert:  Wissenschaftliche  und  volkstümliche  Heilkunst   im    16.  Jahrh.,   Hannover  1909- 

DEUTSCHES  HANDELSMUSEUM. 

Geschenke. 
Berlin.  Max  Perl:  Sammelband:  Unpartheyische  Gedancken  über  einige  Quellen 
und  Wirckungen  des  Verfalls  der  ietzigen  Buch- Handlung;  Schweinfurth,  1733;  Rechtliches  und 
Vernunfft-mäßiges  Bedencken  eines  JC  T.  J,  Der  unpartheyisch  ist.  Von  dem  Schändlichen 
Nachdruck  andern  gehöriger  Bücher,  1726;  Wohlgemeynte  Gedancken  über  Führung  einer 
Buchdruckerey,  Erfurt,  1740;  Der  bey  Buchdruckerey  Wohl  unterwiesene  Corrector,  Franck- 
furth  und  Leipzig,  1739;  Ehren- Gedichte  auf  die  Edle  freye  Kunst- Buchdruckerey,  Franckfurth 
und  Leipzig,  1739.  —  Gießhübl" Sauerbrunn.  Heinrich  Mattoni,  A.-G. :  2  Stamm-  und 
2  Prioritätsaktien  des  Aktienbräuhauses  Schlackenwerth  bei  Karlsbad. 

Ankäufe. 
Münzwage  in  Holzetui,  Anfang  des  19.  Jahrh.,  von  Jecker  in  Paris. 

KUPFERSTICHKABINET. 

(1.  Januar  bis  30.  Juni.) 

Unter  den  Neuerwerbungen  des  verflossenen  Halbjahres  befinden  sich  viele,  deren  Wert 
ein  mehr  als  alltäglicher  ist.  Manche  sind  auch  als  gesuchte  Seltenheiten  geschätzt,  andere 
stehen  direkt  als  Unica  da.  So  kommt  z.  B.  dem  kleinen  Blättchen  des  Jakobus  major  (100  :  55  mm) 
vom  Monogrammisten  WZ  eine  besondere  Bedeutung  zu  (A  b  b.  3)**).  Es  wurde  auf  der 
28.  Kunstauktion  von  Gilhofer  &  Ranschburg  in  Wien  erworben.  Die  Technik  verrät  Geübtheit 
und  Sicherheit.  Auch  in  künstlerischer  Beziehung  ist  es  eine  achtbare  Leistung.  Es  wird  ver- 
mutet, daß  sein  Verfertiger  mit  dem  Meister  W^  identisch  ist,  der  nach  Lehrs  in  den  Nieder- 
landen ungefähr  dieselbe  Stellung  einnimmt  wie  der  Meister  E  S  in  Süddeutschland.  Jeden- 
falls gehört  er  der  niederländischen  Schule  an.  Vielleicht  war  er  ein  Goldschmied  am  Hofe  Karls 
des  Kühnen.  Die  Annahme,  daß  er  ein  Mitglied  der  berühmten  Künstlerfamihe  der  Sluter  war, 
hat  viel  für  sich,  doch  möchten  wir  sie  nicht  als  eine  unumstößliche  hinstellen.  Der  Bischofsstab 
von  Israel  von  Meckenem  (Geisberg  450)  fehlte  uns  bislang  in  unserer  Sammlung.  Er 
stammt  aus  der  Sammlung  von  Lanna  in  Prag.     Zwar  ist  er  silhouettiert  und  an  Stelle  der  Dar- 


*)  Ein  bei  den  Steinen  der  Krone,  einzelnen  Teilen  des  wohl  auf  einen  Geistlichen 
deutenden  Nebenwappens  u.  s.  w.  zur  Verwendung  gekommenes  Braunrot  konnte  bei  dem 
gewählten   Rfeproduktionsverfahren  nicht  berücksichtigt  werden. 

**)  Das  Klischee  zu  dieser  Abbildung  wurde  uns  in  dankenswerter  Weise  von  Joseph 
Baer   &  Co.   in    Frankfurt  a.   M.   zur  Verfügung  gestellt. 


13 


Stellung  der  heiligen  Jungfrau  ein  Stück  des 
Bischofsstabes  von  Schongauer  eingesetzt.  Dafür 
aber  kostete  er  uns  nur  105  Mark  und  ist  im  üb- 
rigen tadellos  erhalten.  Entstanden  ist  er  etwa 
ums  Jahr  1500.  Seltener  noch  ist  die  große 
Monstranz  von  Wenzel  von  0  1  m  ü  t  z,  die 
mit  der  Sammlung  von  Lanna  bei  Gutekunst 
in  Stuttgart  zur  Versteigerung  kam.  Herr  Kgl. 
Hofkunsthändler  Louis  Gerhard  Meder  in  Berlin 
hatte  die  Güte,  sie  für  sich  zurückzukaufen,  weil 
er  hörte,  daß  wir  uns  dafür  interessierten,  und  sie 
uns  in  liberaler  Weise  zum  Geschenk  zu  machen, 
das  gern  akzeptiert  wurde.  Sie  ist  nur  in  wenigen 
Exemplaren  (Lehrs  80)  bekannt.  Auch  sie  ist  sil- 
houettiert  und  aufgezogen.  Der  Abdruck  ist  durch 
große  Reinheit  und  Klarheit  ausgezeichnet. 

Was  an  Inkunabeln  des  Holzschnitts  er- 
worben wurde,  rührt  meist  aus  der  Sammlung  des 
Prof.  W.  L.  Schreiber  her,  des  bekannten  Ver- 
fassers des  ,, Manuel  de  la  Gravüre  sur  bois  et  sur 
m^tal  au  XV*'  siecle".  Aus  ihr  stammen  die  drei 
Holzschnitte,  von  denen  nun  in  Kürze  die  Rede 
sein  soll: 

1.  Ein  breitrandiger,  in  Grün,  Blau,  Rot  und 
Rosa  kolorierter  Abdruck  eines  um  1470  in 
Augsburg  entstandenen  Reiberdrucks,  den  Schrei- 
ber unter  Nr.  1059  beschreibt.  Unser  Exemplar 
hat  diesem  gegenüber  den  Vorzug,  daß  die  In- 
schrift innerhalb  der  Einfassung  deutlich  und  klar 
zum  Vorschein  tritt,  was  bei  jenem  nicht  der  Fall 
ist.  Es  ist  eine  Darstellung  der  Maria  mit  dem 
Kinde,  die  en  face  auf  einem  gotischen  Thronsessel 

sitzt,     in    der    Rechten    eine    Frucht,    nach    welcher  das  Kind  greift 
und  kernig. 

2.  Ein  ikonographisch  außerordentlich  interessanter  Holzschnitt,  der  um  1480,  und  zwar 
ebenfalls  in  Augsburg  entstanden  ist.  Unten  in  der  Mitte  des  Bildes  sitzt  in  einem  Gemach  ein 
Kirchenvater  und  demonstriert  aus  einem  Buch.  Von  links  her  tritt  die  heil.  Barbara  mit  zwei 
Begleiterinnen,  von  rechts  her  St.  Lorenz  mit  zwei  Märtyrern  heran.  Darüber  thront  zwischen 
Maria  und  Johannes  Baptista  Gott  Vater  mit  Lamm  und  Taube.  Das  Blatt,  dessen  Ausführung 
eine  sehr  präzise  ist,  ist  in  Grün,  Braun,  Blaß-Braun,  Blaß-Gelb  und  Grau  koloriert.  Außer  diesem 
Exemplar  ist  nur  noch  ein  zweites  bekannt  (Schreiber  1878). 

3.  Ein  kleiner  Holzschnitt,  in  dem  wir  einen  Neujahrsglückwunsch  zu  sehen  haben  und  der 
gegen  Ende  des  15.  Jahrhunderts  im  westlichen  Schwaben  entstanden  sein  dürfte.  In  einer  flach- 
bogigen  Umrahmung  steht  in  einer  Mandorla  auf  dem  Kopf  eines  Vogels,  der  auf  einem  Ast  sitzt, 
das  Christkind.  In  der  Rechten  hält  es  den  Reichsapfel,  auf  der  Linken  einen  Vogel.  Über  ihm 
schwebt  ein  Schriftband  mit  der  Aufschrift:  „Eyn  new  gütt  iar".  Ein  Rankenbaldachin  schließt 
das  Bildchen  nach  oben  im  flachen  Halbrund  ab.  Auf  der  Rückseite  Christus  am  Kreuz  mit  Maria 
und  Johannes  und  drei  blutauffangenden  Engeln  (Schreiber  792). 

Unter  den  Holzschnitten  der  1.  Hälfte  des  16.  Jahrhunderts,  die  wir  erwarben,  verdient 
zunächst  das  Porträt  Martin  Luthers  von  Lucas  C  r  a  n  a  c  h  d.  Ä.  (P.  199)  hervorgehoben  zu 
werden.  Es  ist  nicht  nur  ein  wirklich  gutes  Bildnis  des  Reformators,  sondern  auch  in  seiner  Durch- 
führung ein  Meisterwerk.  Prächtig  und  warm  im  Ton  wirken  die  beiden  Clair-obscur- Schnitte 
von  Hans  Baidung  Grien  B.  3  und  P.  70,  von  denen  das  größere  Blatt  der  Verführung 
des  ersten  Menschenpaares  zu  den  besten  des  Meisters  gehört.  Als  eine  Seltenheit  gilt  das  aus 
acht  (!)  Einzelschnitten  zusammengesetzte  Abendmahl  von  Hans   Leonhard  Schäuffelein 


Abb.  3.   Monogratnmist  WZ:  Jakobus  major. 

Kupferstich. 


Der  Schnitt    ist    derb 


—     14     — 

(B.  26),  das  im  ganzen  bei  seiner  kräftigen  Zeichnung  fast  wie  ein  Gemälde  wirkt  und  der  hohen 
Kompositionsgabe  seines  Urhebers  ein  glänzendes  Zeugnis  ausstellt.  Weiter  heben  wir  ein  auch 
in  kulturgeschichtlicher  Beziehung  bedeutsames  Blatt  von  Urs  Graf  (B.  16)  heraus,  das  zwei 
Landsknechte  und  eine  Frau  bei  einem  Baume  zeigt,  auf  dem  ein  Totengerippe  mit  Stundenglas 
sitzt  (A  b  b.  4)  *).  Bei  der  feinen  Ausprägung  der  Linien  ist  es  einer  Federzeichnung  nicht  un- 
ähnlich. Ein  Abdruck  von  ausnehmend  großer  Schärfe  ist  die  ebenfalls  aus  der  Sammlung 
von  Lanna  erworbene  Enthauptung  Johannis  des  Täufers  (B.  52)  von  Albrecht  Alt- 
dorfer,   ein    Blatt   von  großer   Anmut  in   der  kompositioneilen    Durchführung   (Abb.    5). 

Unter  den  Handzeichnungen  nimmt  eine  solche  von  Hans  Sebald  Beham  den 
ersten  Platz  ein.  Es  ist  eine  flott  ausgeführte  Federzeichnung,  die  mit  Tusche  angelegt  ist  und 
St.  Jakobus  den  Älteren  in  ganzer  Figur  zeigt.  Rechts  unten  das  Monogramm  und  die  Jahrzahl 
1521.     Die  Zeichnung  hat  eine  Höhe  von  25  cm  und  eine  Breite  von  15  cm. 

Geschenke. 
Arnhem  (Holland).  A.  A.  VorstermannvanOyen:  Exlibris  desselben.  —  Bar- 
celona. Santiago  RosalCamprodön:  Die  beiden  Exlibris  desselben,  gezeichnet  von 
S.  Rosal  und  M.  de  Casademunt.  —  Berlin.  Hermann  L.  Gelder:  1.  Exlibris  desselben, 
gezeichnet  von  H.  Schimpke,  in  zwei  Ausfertigungen;  2.  Exlibris  L.  Gelder,  in  zwei  Ausfertigungen. 
Kgl.  Hofkunsthändler  Louis  Gerhard  Meder:  Große  Monstranz  von  Wenzel  von  Olmütz, 
Lehrs  80.  Früher  Abdruck,  silhouettiert  und  aufgezogen.'  Aus  der  Sammlung  von  Lanna.  Verein 
f  ü  r  O  r  i  gi  n  al  r  a  d  i  er  u  n  g:  Heft  XXllI  (19O8)  der  Vereinspublikation  mit  Originalradie- 
rungen von  E.  Eltze,  Ph.  Franck,  H.  Koenemann,  A.  Schlabitz,  B.  Schuhmacher  und  Herm. 
Struck.  Walther  von  zur  Westen:  Neujahrsglückwunsch  für  1909.  — Berlin- Schoene- 
berg.  Paul  Otto  Moßner,  Hauptmann  und  Kompagnie-Chef:  Exhbris  desselben,  gezeichnet 
von  G.  Otto,  1899-  —  Bern.  W.  Lauterburg:  Fünf  Blatt  Buntpapiere,  blau  mit  Gold- 
pressung, von  Paul  Reymund  in  Nürnberg.  18.  Jahrhundert.  —  Beverly  (Frankreich).  Lily 
von  Frischin  g:  Exlibris  derselben.  —  Büdingen.  Regierungsassessor  Rudolf  Schäfer: 
1.  Die  beiden  Exlibris  desselben;  2.  Exlibris  Mathilde  von  Hessert  und  Sigillum  gentis  Schäfer 
in  Höchst;  3-  Exlibris  Minna  Hessert,  gezeichnet  von  H.  Scholl-Darmstadt.  —  Cannstadt.  Max 
Suttau:  Exlibris  des  Kaisers  Maximilian  von  Mexiko.  —  Charlottenburg.  Frau  Lily 
Braun:  Exlibris  derselben,  von  Hermann  Struck  gezeichnet.  — Coblenz.  Dr.  Reimer,  Pfleger 
des  Germanischen  Museums:  Sammlung  von  85,  zumeist  kolorierten  Guckkastenbildern  mit 
Stadtansichten.  Prospekten  und  Darstellungen  historischen  Inhalts.  2.  Hälfte  des  18.  Jahrh. 
—  Darmstadt.  Cand.  math.  Hermann  Schott:  Exlibris  desselben,  gezeichnet  von  Hermann 
Pfeiffer  in  Darmstadt  1908.  —  Erlangen.  Dr.  med.  Josef  Klüber,  K.  Anstaltsarzt  an  der 
Kreis-Irrenanstalt:  1.  Die  sämtlichen  Exlibris  des  Geschenkgebers,  18  Bll. ;  2.  Sieben  künst- 
lerische Glückwunschkarten  des  Geschenkgebers;  3-  Zwei  Exlibris  der  Kreis- Irrenanstalt  Erlangen; 
4.  Exlibris  Th.  Kolde  in  Erlangen.  —  Forst  (Lausitz).  Kurt  Avellis:  Exlibris  desselben, 
1908  von  Fidus  gezeichnet.  —  Frankfurt  a.  0.  Reg.-  und  Baurat  Hesse:  10  Bogen  Bunt- 
papiere aus  dem  Ende  des  18.  und  der  1.  Hälfte  des  19.  Jahrhunderts.  —  Goslar.  A.  Bor- 
chers: Photographie  des  Marktbrunnens  in  Goslar.  —  Schloß  Oottlieben  (Thurgau,  Schweiz): 
M.  Baron  Fabrice:  1.  Exlibris  Max  v.  Fabrice,  gezeichnet  von  Walther  Stierljkopf-Ber- 
lin;  2.  Exlibris  llma  v.  Fabrice-Almäsy,  gezeichnet  von  Halm-Nicolai.  —  Hersbruck.  K  0  n  r  a  d 
Schramm:  „Geometrischer  Grund- Riß  über  die  Wiese  hinter  dem  Fichtach  am  Grissbach 
gelegen,  die  Sprickerin  genant,  P.  T.  Hern  Christoph  Moritz  Schenck,  Stadtschreibern  zu  Herrs- 
pruck  .  .  gehörig".  Handzeichnung.  18.  Jahrh.  —  Lawrenceville  (Virginia).  Clifford  Nickels 
C  a  r  V  e  r:  Exlibris  desselben  in  zwei  Exemplaren.  —  Leipzig.  Kurt  Kühn:  Exlibris  des- 
selben, gezeichnet  von  Otto  Ubbelohde.  Alfred  Lorentz,  Buchhandlung:  Politisches 
Flugblatt  aus  den  Jahren  1848/49.  Lithographie  —  Livorno  (Italien).  Dr.  C  Corrado 
Tagiuri:  Die  drei  Exlibris  desselben.  —  Ludwigshafen  a.  Rh.  Julius  Fügen:  Exlibris 
Julius  und   Else  Fügen,  gezeichnet  von  O.  A.   Koch,  Baden-Baden,  1908.     Franz  Gaydoul: 


*)  Das  Klischee  zu  dieser  Abbildung  wurde  uns  von  der  Kunsthandlung  H.  G.  Gute- 
kunst in  Stuttgart  als  Geschenk  überwiesen,  wofür  ihr  an  dieser  Stelle  herzlicher  Dank  ge- 
sagt sein  möge. 


15     — 


Abb.  4.    Urs  Graf:  Die  Landsknechte  und  der  Tod.    B.  16.    Holzschnitt. 


—     16    — 


Abb.  5.     Albrecht  Altdorfer:  Enthauptung  Johannis  des  Täufers.    B.  52.    Holzschnitt. 


Exlibris  Franz  und  Tilde  Gaydoul,  gezeichnet  von  W.  Lenz-Berlin.  —  Mannheim.  Oberstabs- 
arzt a.  D.  Dr.  R  ö  h  r  i  n  g:  11  Blatt  Porträts  aus  der  Galerie  hervorragender  Ärzte  und 
Naturforseher,  Autotypien.  —  München.  Ernst  Ludwig  von  Frankenberg  und 
L  u  d  w  i  g  s  d  or  f:  Exlibris  desselben  in  zwei  Exemplaren.  Ulrich  Kortler,  Kunstglocken- 
gießerei und  Metallwarenfabrikant:  Photographien  von  Glocken  in  Fischen  im  AUgäu  von  1510 
und    1539    und    in    Oberndorf,    Pfarrei  Stadt    Kemnath,    in    der  Oberpfalz    vom    Jahre   1587- 


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—    17    — 

Meisenbach,  Riffart  h  &  Co.:  Mustersammlung  der  von  dieser  Firma  g:epflegten  haupt- 
säcliliclisten  modernen  Reprodulctionsverfahren,  umfassend  33  Blätter  in  prachtvollen  Abdrücken; 
69  moderne  Exlibris  von  verschiedenen  Künstlern  in  verschiedenen  Verfahren.  —  Vermächtnis 
des  Herrn  Universitätsprofessors  Dr.  Alwin  Schultz:  Das  von  dem  Verstorbenen  im  Laufe 
seines  Lebens  zusammengebrachte  Bilderrepertorium,  sowie  seine  Kostümbildersammlung,  viele 
tausend  Blätter  in  310  Mappen  und  Kapseln  in  imp.-2o,  2"  und  40.  —  Münster  i.  W. 
Landes  museum  der  Provinz  Westfalen:  Photographie  eines  Altarbildes  in  dessen 
Besitz.  —  Nürnberg.  Das  Komitee  zur  Wiederherstellung  des  Bären- 
brunnens am  Platnersberg:  Lichtdruck  nach  der  von  Johannes  Andreas  Luck- 
meyer  angefertigten  Urkunde,  die  in  den  Grundstein  des  Bärenbrunnens,  mit  dessen  Erneuerung 
am  22.  Alärz  1909  begonnen  wurde,  gelegt  wurde.  Eugen  Mayr:  1.  Sechs  Silhouetten  von 
Studenten  in  Erlangen,  1851;  2.  14  Photographien  Erlanger  Studenten.  1854.  1855-  1858.  1859- 
Friedrich  Monninger:  Vier  Blatt  Photographien  vom  Schlachthof  in  Nürnberg. 
Architekt  Nagel:  Sechs  Blatt  Photographien  von  Empire-Öfen  aus  Schloß  Ortenburg 
in  Niederbayern.  Photograph  Christoph  Müller:  Teilansicht  des  Südwestbaues  des 
Germanischen  Museums.  Blick  von  Westen  auf  die  Galerie.  Photographie.  Gustav  Seif- 
te rl  ein:  1.  „Insularum  Moluccarum  nova  descriptio".  Amstelodami,  apud  Joannem 
Janssonium.  Kupferstich.  1.  Hälfte  17-  Jahrhundert;  2.  ,,M  o  r  a  v  i  a  marchionatvs  auctore 
J.  A.  Comenio".  Amstelodami,  Guiljelm.  Blaeun  Excudit.  Kupferstich.  2.  Hälfte  17-  Jahr- 
hundert; 3.  „Bavariae  pars  superior".  Excudentibus  Haered.  I.  Baptistae  Homanni.  1803. 
Kolorierter  Kupferstich;  4.  ,,Italia  inferior,  Sicilia,  Sardinia.  Corsica".  Tabula  XI  aus 
Reichardi  Orbis  terrarum  antiquus  a.  D.  Campio  editus  Norimbergae  1823.  E.  Knittel  sculps.; 
5.  „Neueste  Post-C  harte  von  Deutschland".  Nürnberg,  Verlag  von  Schneider  &  Weigel 
1836,  kolorierter  Stich;  6.  „Grundriß  der  Stadt  Rothenburg  an  der  Tauber,  mit  Bezeich- 
nung aller  Wohngebäude  und  ihrer  Hausnummern".  Nach  Schritten  aufgenommen  und  ge- 
zeichnet vom  Schullehrer  und  Geometer  J.  C  E.  Bauer  zu  Rothenburg  an  der  Tauber.  Kolo- 
rierte Lithographie.  1.  Hälfte  19-  Jahrhundert;  7-  ,, Karte  der  Nord  &  Ost  See".  Litho- 
graphie. Verlag  der  Englischen  Kunstanstalt  von  A.  H.  Payne,  Leipzig  u.  Dresden,  19-  Jahr- 
hundert. —  Paris.  Henri  Lenseigne:  Exlibris  desselben;  G.  Bonnet  del.  Clavarri  sc. 
—  Plauen  i.  V.  Walt  her  A.  Müller:  Exlibris  desselben.  —  Salzburg.  Frau  Pepi 
Junger:  Drei  Exlibris  derselben,  gezeichnet  von  Willi  Geiger  (1904),  E.  Bertel-Salzburg  und 
Dagobert  Peche- Wien.  Philipp  Strasser:  Neujahrsglückwunsch  für  1908.  —  Schwabach. 
Oberlandesgerichtsrat  C.  Dürig:  1.  18  Blatt  Kupferstiche  mit  Darstellungen  von  Verkehrs- 
straßen im  Königreich  Bayern.  1832;  2.  Fünf  Einzelkarten  des  Herzogtums  Lothringen  und  der 
zugehörigen  Bistümer  und  Diöcesen.  Kupferstiche.  1724  und  1725-  —  Stade.  Frau  Thea 
V.  Staden:  Exlibris  Hans  Adolf  von  Staden  und  Exlibris  Thea  von  Staden,  zwei  verschiedene 
ExHbris  W.  von  Staden,  sämtlich  gezeichnet  von  Theodor  Herrmann.  —  Stuttgart.  E  m  a  n  u  e  1 
Ludwig  Oppel:  Die  beiden  Exlibris  desselben,  gezeichnet  von  Willy  Eisele- Stuttgart  1906 
und  Oppel- Würzburg  1908. 

Ankäufe: 

Kupferstiche  und  Radierungen.  Monogrammist  WZ:  Jakobus  major.  Kleines  kolo- 
riertes Blättchen.  —  Israel  von  Meckenem:  Der  Bischofsstab.  B.  app.  1 39-  —  Albrecht 
Altdorfer:  Die  Nonne.  B.  24.  Kleines  Blättchen.  Abdruck  mit  Rand.  —Georg  P  e  n  c  z: 
Die  Bekehrung  des  Saulus.  B.  69.  —  Monogrammist  FG:  Mutius  Scaevola  vor  Por- 
senna.  B.  IX,  S.  24,  Nr.  2.  —  Monogrammist  L:  Der  heil.  Hieronymus  in  der  Zelle. 
Rund.  Nach  Dürers  Holzschnitt  B.  1 14.  Unbeschrieben.  —  Unbekannter  deutscher 
Meister  des  16.  Jahrhunderts:  Apollo  und  die  neun  Musen,  rechts  bei  einem  Brunnen 
ein  sitzendes  Liebespaar,  auf  das  Cupido  einen  Pfeil  abschießt.  Fries  in  der  Art  des  Franz  Brun. 
12,5  cm  lang.  3,4  cm  hoch.  Abdruck  ohne  Rand.  —  Jeremias  Falck:  Feldmarschall  Gustav 
Hörn.  Brustbild  in  Rüstung.  Nach  Beck.  Bl.  246.  —  Daniel  Schultz:  Der  entfiederte 
Pfau.  Radierung.  —  Bernardo  Beiotto:  Die  Ruinen  des  Turmes  der  Kreuzkirche  in 
Dresden.  1765.  —  Georg  Friedrich  Schmidt:  1.  Frangois  Le  Chambrier.  Brustbild. 
Nach  Rigaud.     J.  49.     2.   Hirsch  Michel.     Radierung.     J.  144.     3-   Rembrandts  Mutter  betend. 

2 


—     18    — 

Radierung.     J.  145-    4.  Der  Goldschmied  Melchior  Dinglinger.     Radierung  nach  Ant.  Pesne.  1769. 
J.  148. 

Holzschnitte.  Unbekannter  Meister  um  147O:  Maria  mit  dem  Kinde.  Kolo- 
riert. Schreiber  1059-  —  Unbekannter  Meister  um  1470 — 80:  Blatt  aus  einer  Ars 
moriendi.  Ein  im  Bett  liegender  Sterbender  wird  von  Dämonen  gequält.  Zu  seinen  Häupten 
Gott  Vater,  Christus  und  Maria.  Unten  knien  ein  König  und  eine  Königin.  19  cm  hoch.  13  cm 
breit.  Abdruck  mit  breitem  Rand  auf  Papier  mit  dem  kleinen  Ochsenkopf.  —  Unbekannter 
Meister  um  1480:  Ein  Kirchenvater  und  die  heil.  Dreieinigkeit.  Koloriert.  Schreiber  1878.  — 
Unbekannter  Meister  um  149O:  Das  Christkind  in  der  Mandorla  auf  dem  Kopf  eines 
Vogels  stehend,  der  auf  einem  Ast  sitzt.  Schreiber  792.  —  Lucas  Cranach  d.  Ä.:  1.  Die 
heil.  Katharina  mit  dem  Buche.  B.  71.  Scharf  umschnitten.  2.  Doktor  Martin  Luther.  Großes 
Brustbild  en  face  linkshin.  P.  199.  Ohne  Unterschriften.  Früher  reiner  Abdruck  auf  Papier 
mit  der  kleinen  hohen  Krone.  —  Albrecht  Dürer:  Christus  am  Kreuz  mit  Maria  und  Jo- 
hannes. Oben  Gott  Vater  mit  Engeln  in  Wolken.  An  drei  Seiten  von  einer  Bordüre  umschlossen. 
1516.  B.  56.  —  Hans  Baidung  Grien:  1.  Adam  und  Eva,  von  der  Schlange  verführt. 
B.  3.  Abdruck  in  Clair-obscur  (ausgebessert).  2.  Der  büßende  heil.  Hieronymus.  P.  70.  Ab- 
druck in  Clair-obscur.  Mit  ringsum  angesetztem  Rändchen.  —  Hans  B  u  r  g  k  m  a  i  r  d.  Ä. : 
1.  Salomos  Götzendienst.  B.  4;  2.  Das  junge  Paar  und  der  Tod.  B.  40.  Abdruck  in  Grün  mit 
der  Adresse  des  Jost  de  Negker  in  Augsburg.  —  Hans  Leonhard  Schäuffelein:  Das 
heil.  Abendmahl.  Große  Darstellung  in  8  Blättern  (nicht  neun,  wie  Bartsch  angibt).  B.  26. 
In  Abdrücken  der  2.  Hälfte  des  16.  Jahrhunderts.  —  Albrecht  Alt  dorfer:  Die  Enthaup- 
tung Johannis  des  Täufers.  B.  52.  Abdruck  von  großer  Schärfe.  —  Hans  H  0  1  b  e  i  n  d.  J.: 
45  Blatt  kleine  Holzschnitte,  beiderseits  bedruckt,  alttestamentliche  Darstellungen.  Mit  Aus- 
nahme der  vier  fehlenden  Totentanzbilder  die  vollständige  Folge  der  2.,  1539  bei  Melchior  und 
Caspar  Trechsel  ,,sub  scuto  Coloniensi"  in  Lyon  erschienenen  Ausgabe  des  alten  Testamentes. 
Pass.  III,  S.  360,  b.  —  Urs  Graf:  Zwei  Landsknechte  und  eine  Frau  bei  einem  Baume,  auf 
dem  ein  Totengerippe  mit  Stundenglas  sitzt.  B.  16.  —  Wolf  H  u  b  e  r:  Die  Geburt  Christi. 
B.  1.  Früher,  sehr  reiner  Abdruck.  —  Melchior  Lorch:  Die  Natur,  stehende  nackte  Frau, 
umgeben  von  Tieren,  denen  sie  aus  ihren  Brüsten  Milch  spendet.  B.  2.  —  Unbekannter 
Meister  der  1.  Hälfte  des  16.  Jahrhunderts:  Ein  Gastmahl.  Figurenreiche  Dar- 
stellung in  der  Art  des  H.  L.  Schäuffelein.  Späterer  Abdruck.  —  Monogrammist  CE. 
1561 :  Die  Tugenden,  dargestellt  durch  weibliche  Halbfiguren.  10  Bll.  P.  IV.  S.  66,  6.  Alt- 
kolorierte Abdrücke  mit  Text  auf  der  Rückseite;  auf  derjenigen  mit  der  Caritas  ein  Ritter.  — 
UnbekannterMeister  der  2.  Hälfte  des  16.  Jahrhunderts:  Dedikations- 
blatt  für  Herzog  Albrecht  von  Bayern,  der  vorn  neben  seinem  von  Löwen  gehaltenen  Wappen 
kniet.  Im  Hintergrund  München.  In  den  Wolken  Gott  Vater  mit  den  24  Alten.  1574.  —  U  n- 
bekannter  Meisterder  2.  Hälfte  des  16.  Jahrhunderts:  Jesusknabe  in  ganzer 
Figur  mit  Kreuz  und  Weltkugel  in  einem  Oval  mit  Umschrift.  Neujahrswunschkarte.  In  den 
Ecken  Blumen.  —  Friedrich  Wilhelm  Gubitz:  Sammlung  von  248  Holzschnittab- 
drücken, zusammengetragen  für  Freund  Wilhelm  Haas  in  Basel  in  den  Jahren  1805  u.  ff.  von 
seinem  Oheim  Christian  von  Mechel,  dermahlen  (18O8)  im  Prinz  Heinrichschen,  nun  königliciien 
Palais  in  Berlin.  Bestehend  in  den  Hauptblättern  des  segnenden  Heilandes  und  der  Gräfin  von 
Voß  (in  den  7  verschiedenen  Plattenzuständen),  in  Medaillon-Porträts,  in  größeren  und  kleineren 
Titelblättern,  Kalender-  und  Almanach- Illustrationen  verschiedenster  Art,  Vignetten,  Emblemen 
und  Zierstücken,  teilweise  in  farbigem  Druck  mit  Probezuständen. 

Lithographien.  1.  Inkunabeln  Heß:  ,,  Kühner  Angriff  eines  Wachtmeisters  der 
sächsischen  Cüi  assier- Garde  auf  einem  französischen  Mameluken  Officier  in  den  Cavallerie  Ge- 
fecht in  Holland  den  Tag  vor  der  Einahme  von  Paris  den  30  März  1814".   In  Kreidemanier.    I818. 

2.  Lithographien  nach  1820.  Fr.  J.  Lieder  (178O— 1859):  a)  Bildnis  des  k.  k. 
Hofschauspielers  C.  Costenoble  (1769 — 1837)-  Halbfigur  als  Laienbruder  im  „Nathan  d.  Weise". 
1827.  b)  Bildnis  des  Fürsten  Fr.  von  Hatzfeld,  preuß.  Generalfeldmarschalls,  1827  Gesandten 
in  Wien  (1756— 1827).  Brustbild  nach  links.  1827.  c)  Bildnis  der  Fürstin  Marie  Antonia  Metter- 
nich,  geb.  Gräfin  v.  Leykam,  2.  Gemahlin  des  Staatskanzlers  Fürsten  M.  (18O6— 29).     Hüftbild.  — 


—     19     — 

Josef  Kriehuber  (1801 — 75):  a)  Porträt  der  k.  k.  Hofschauspielerin  Amalie  Haizinger 
(1800—84).  Brustbild  nach  rechts  als  „Maintenon".  1852.  b)  Porträt  des  k.  k.  Hofschau- 
spielers Heinrich  Anschütz  (1785— 1865).  Kniebild  im  Pelz,  sitzend.  1855-  c)  Porträt  des  k.  k. 
Hofschauspielers  Karl  Fichtner  (1805—73)-  Kniebild.  1855-  d)  Porträt  der  Therese  Peche  von 
Jauzat  (1806—82).  Kniebild.  —  Adolf  Menzel:  ,.Das  entfliehende  Jahr".  Farbige  Litho- 
graphie in  Federmanier.  Erf.  und  gezeichnet  von  Adolf  Schrödter  in  Düsseldorf.  Darunter 
16  zeiliges  Gedicht.     Verlag  von  E.    H.   Schröder  in  Berlin. 

Handzeichnungen.  Hans  Sebald  Beham:  Jakobus  d.  Ä.  Getuschte  Federzeich- 
nung. 1521.  —  Unbekannter  Meister  vom  Anfang  des  17.  Jahrh.:  Allegorie 
der  Gerechtigkeit.  Auf  einem  Stein  en  face  sitzende  Figur.  Federzeichnung.  14  cm  hoch.  12,5  cm 
breit.  —  Unbekannter  Meister  der  1.  Hälfte  des  17.  Jahrh.:  Merkur,  Venus 
und  Amor.  Venus  auf  einem  von  Schwänen  gezogenen  kleinen  Wagen.  Federzeichnung,  in  Sepia 
laviert.  —  W  e  i  t  e  r  e  u  n  b  e  k  a  n  n  t  e  M  e  i  s  t  e  r  d  e  s  17.  Jahrh.:  a)  In  einem  kirchlichen 
Raum  mit  erregten  Gebärden  Betende.  Lavierte  Federzeichnung,  teilweise  mit  Weiß  gehöht. 
Auf  der  Rückseite  „Palma",  b)  Apollo  und  Daphne.  Flüchtiger  Entwurf  in  Blei.  Röthel  und 
Tusche,  c)  Flora,  auf  einem  von  Schwänen  gezogenen  Wagen  durch  die  Wolken  fahrend,  von 
Engeln  mit  Blumen  und  Girlanden  umspielt.  Entwurf  zu  einem  Wand-  oder  Deckengemälde. 
Lavierte  Federzeichnung,  d)  Sitzende  Heilige  mit  Palmzweig.  Tuschzeichnung,  e)  Himmel- 
fahrt der  Maria  Aegyptiaca.  Tuschzeichnung.  —  Samuel  Bottschildt  (1641 — 1707): 
1.  Allegorische  Darstellung.  In  einem  Rund  auf  Wolken  ein  geflügeltes  Weib  mit  zwei  Kindern. 
Rötheizeichnung.  Bezeichnet.  2.  Allegorische  Darstellung.  In  einem  Rund  auf  Wolken  eine 
Frauengestalt,  mit  brennender  Fackel  und  Urne,  die  ein  Engel  mithält  und  welcher  Wasser  ent- 
strömt. Rötheizeichnung.  Bezeichnet.  3.  Die  heil.  Dreieinigkeit  in  Wolken,  von  Engeln  um- 
geben. Rötheizeichnung.  4.  Blatt  mit  zwei  Darstellungen:  Johannes  der  Täufer  kniend  auf  einer 
Wolke  und  Maria  auf  der  umgekehrten  Mondsichel  stehend.  Rötheizeichnungen.  —  Johann 
Schnai  (?):  Christus  und  Petrus  auf  dem  Meere  wandelnd.  Lavierte  Federzeichnung.  Links 
unten:  „Joha  Schna  jun.  1669".  —  Unbekannte  Meister  vom  Ende  des  17- 
Jahrh.:  a)  Zwei  Blatt  Entwürfe  für  Stuckdecken  mit  Gemälden.  Lavierte  Federzeichnungen, 
b)  Drei  Blatt  Entwürfe  für  gemalte  Türfüllungen.  Federzeichnungen,  teilweise  laviert,  c)  Orna- 
mentale Entwürfe  für  Wand-  oder  Deckenmalereien.  Lavierte  Federzeichnungen,  d)  Ornamen- 
tale Entwürfe  für  Friesmalereien.  Federzeichnungen.  —  Unbekannter  Meister  vom 
Anfang  des  18.  Jahrh.:  Kleopatra.  Sitzende  Kniefigur.  Rötheizeichnung.  Links  unten: 
„Septembr  1710".  —  Unbekannte  Meister  des  18.  Jahrh.:  a)  Amphitrite,  von  Del- 
phinen getragen,  sowie  von  Putten  und  Tritonen  begleitet.  Darstellung  in  einem  Rund.  Röthei- 
zeichnung, b)  Heilige  Familie.  Sepiazeichnung,  mit  Weiß  gehöht,  c)  Himmelfahrt  der  Maria 
Magdalena.  Lavierte  Federzeichnung.  Entwurf  zu  einem  Altargemälde.  —  Adam  Sorger, 
Ingenieur:  Fünf  Blatt  Pläne  des  Juliusspitals  in  Würzburg.  Prospekt  und  die  Grundrisse  des 
Erdgeschosses,  1.,  2.  und  3.  Stockwerks.  Federzeichnungen  mit  Anwendung  von  Wasserfarben. 
1799  und  1800.  —  Anselm  Feuerbach:  Erster  Entwurf  zu  dessen  Monumentalgemälde 
„Kaiser  Ludwig  der  Bayer  empfängt  die  Huldigung  der  Nürnberger".  Federzeichnung.  9,5  cm 
hoch.     53  cm  lang. 

Historische  Blätter.  Neuerliche  Achtserklärung  Kaiser  Ferdinands  II.  über  den  Pfalzgrafen 
Friedrich  bei  Rhein  und  Übertragung  der  Exekution  derselben  an  den  Erzherzog  Albrecht  zu 
Österreich.  Mandat  in  Typendruck.  Wien,  1.  Februar  1621.  —  „A  et  ß  /  Vnsers  ewig-verdienten 
Herrn  und  Heylandes  Jesv  Christi,  am  Creutze  gesprochene  /  Sieben  Letzte  Wort  /  Nebenst 
einem,  vor  hundert  Jahren  fast  gefertigtem,  Creutz-Bilde  /  der  Durchlauchtigsten  .  .  .  Frauen 
Magdalenen  Sybillen  /  Hertzogin  zu  Sachsen  .  .  unterthänigst  zugeeignet  am  Karfreytage  des 
1656.  Jahres".  Abdruck  eines  Kupferstiches  der  Kreuzigung  von  Hans  Lange  vom  Jahre  1559 
(Nagler,  Alonogr.  III,  Nr.  1202,  1),  umgeben  von  religiösen  Gedichten  von  M.  Johann  Frentzeln 
in  Typendruck.  Gedruckt  in  Leipzig  von  Johann  Bauer.  —  Verordnung  des  Herzogs  Albrecht 
von  Sachsen  betr.  Benutzung  der  ordentlichen  Geleitsstraße  von  Nürnberg  aus  durch  die  Coburgi- 
schen Lande.  Einblattdruck.  28.  Juli  1693.  —  Nachricht  betreffend  Einrichtung  zweier  Ordi- 
nari-Land- Kutschen,  die  wöchentlich  wechselweis  von  Frankfurt  aus  nach  Wien  und  zurück- 
fahren.    Einblattdruck.     1699.    —    „Christliche  Betrachtung  /  Der  nichtigen  Flu  htigkeit  /  zeit- 

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—     20     — 

lieber  /  und  höchsterwünschten  Wichtigkeit  ewiger  Güter".  Allegorischer  Kupferstich  von  Joh. 
Friedr.  Fleischberger  mit  20strophigem  Gedicht  in  Typendruck.  Zu  finden  bei  Paulus  Fürst, 
Kunsthändler  in  Nürnberg.  17.  Jahrh.  —  „Verzeichnuß  derjenigen  keyserlichen  reitenden  Ordi- 
nari-  und  Extra-Posten  auch  Land- Kutschen  und  Boten  /  wie  solche  wöchentlich  in  der  hoch- 
fürstl.  sächsz.  Residenz-Stadt  Coburg  ankommen  und  wiederum  ablauffen".  Einblattdruck. 
Coburg,  24.  Jan.  1701.  —  „Verzeichnuß  /wann  in  .  .  .  Coburg  /die  Kayserl.  Freye  Reichs-  und 
Hoch-Fürstl.  Sachs.  Land-Posten  /so  reitend  als  fahrend  /.  .  .  ein-  und  ablauffen".  Einblatt- 
druck vom  Jahre  1704.  —  „Fahrender  Post-Cours  von  Nürnberg  über  Coburg  und  Cassel  nach 
Amsterdam".  Einblattdruck.  Coburg,  1.  Mai  1723-  —  Gedicht  auf  Anna  Maria  Duscherin, 
Braut  des  Johann  Heinrich  Gottfried  Bieling,  bei  ihrem  ersten  Besuch  der  Bielingischen 
Offizin.  Großes  Blatt  in  Typendruck.  1735-  —  Gedicht  auf  den  ersten  Besuch  der  Johanna 
Charlotte  Rauhenbuschin,  Braut  des  Johann  Heinrich  Gottfried  Bieling,  in  dessen  Offizin. 
Einblattdruck.  1741.  —  Gedicht  auf  die  Geburt  eines  Söhnleins  des  Johann  Heinrich  Gott- 
fried Bieling  und  seiner  Frau  Johanna  Gharlotte  am  18.  August  1743.  Einblattdruck.  — 
10  Nürnberger  Zeitungen  satirischen  Inhalts  aus  den  Jahren  1782,  1785,  1792,  1793.  1794.  — 
Verordnung  des  Herzogs  Ernst  Friedrich  von  Sachsen  betr.  die  preußischen  Deserteure.  24.  Juli 
1792.  —  ,, Nürnbergischer  Banco-Pvbl.  Calender.  Auf  das  Jahr  nach  Christi  Geburt  1802". 
Kupferstich  mit  Typentext.  —  Verordnung  des  Divisions- Generals  Canuel  betr.  Verpflegung 
der  auf  Marschroute  befindlichen  Soldaten.  Münster,  15-  April  1807.  — „Welche  von  unnere 
Leut,  mit  eppes  Geblomes  u.  eppes  une  Rarrität".  Scherzblatt  auf  die  Juden.  Nürnberg  bei  G. 
N.  Renner  &  Schuster.  Nr.  283-  Lith.  1.  Hälfte  des  19.  Jahrh.  —  1038  Blatt  Aquarelle  von 
Fr.  Gaul:  Figurinen  und  Theaterkostüme  für  die  k.  k.  Hofoper  und  das  k.  k.  Burgtheater  in 
Wien  aus  den  Jahren  1864 — 80.  Meist  mit  den  Porträts  und  der  Bezeichnung  der  mitwirken- 
den Künstler. 

Stadtpläne  und  Prospekte.  „Avgvsta  VindeHcorvm  Augspurg".  Großer  Grundriß  in 
koloriertem  Kupferstich  mit  gedruckter,  17  spaltiger  Legende  in  lateinischer  und  deutscher 
Sprache,  ,, Durch  Wolffgang  Kilian,  Burger  vnnd  Kupfferstecher  in  Augspurg  geradirt  vnd 
verfertiget  im  Jahr  vrsers  Erlösers  Jesu  Christi  1626".  Auf  Leinwand  in  Rollenform.  — 
Passau:     Große   Ansicht.     Nach    Leonhard  Abent    gest.  von    Hogenberg.      1576.     Koloriert. 

Porträts.  Ferdinand  I.,  Jugendporträt  als  römischer  König.  Brustbild  mit  breit- 
krämpigem  Hut  im  Profil  nach  rechts.  Holzschnitt.  Späterer  Abdruck.  1.  Hälfte  des  16.  Jahrh.  — 
Joh.  Fichard,  Jurist,  Syndikus  zu  Frankfurt  a.  M.  Im  Alter  von  69  Jahren,  158I.  Halb- 
figur, vor  einem  Tisch  sitzend.  Martin  Rota  sc.  DruguHn  6036.  —  Friedrich  Wilhelm 
G  u  b  i  t  z.  Brustbild  nach  links.  Gezeichnet  von  Steffens.  L.  Buchhorn  dir.  gest.  von  R-  Bethge. 
Darunter  sechsstrophiges  handschriftliches  Gedicht  des  Dargestellten  vom  Charfreitag  1867.  — 
J.  N.  H  u  m  m  e  1  ( Komponist).  Brustbild  en  face.  Bleistiftzeichnung.  1.  Hälfte  des  19-  Jahr- 
hunderts. —  Balthasar  Kaim,  Zinngießer  in  Nürnberg.  Brustbild  nach  rechts  im  Rund. 
Aet.  26.  Anno  1601.  Heinr.  Ulrich  sc.  —  Simon  K  ö  f  f  e  r  1,  Rechenmeister  zu  Nürnberg. 
In  ganzer  Figur  neben  einem  Postament  stehend  und  auf  diesem  schreibend.  Im  Alter  von  25 
Jahren.     1570.     Holzschnitt.     Drugulin  10794. 

Schrift  und  Druck.  50  Blatt  Initialen  aus  dem  Bauern-  und  Kinder-Alphabet  von  Hans 
Holbein  d.  J. 

Bilderrepertorium.  i7  Blatt  Photographien  von  Deckengemälden  und  Stuckdecken  im 
Schloß  zu  Lustheim,  im  Dom  zu  Freising,  in  der  Dreifaltigkeitskirche,  der  S.  Johann  Nepomuk- 
Kirche  und  im  Bürgersaal  zu  München,  dann  in  Schleißheim  und  im  Bürgersaal  S.  Maria  Victoria 
in  Ingolstadt.  —  Sechs  Photographien  von  Skulpturen  des  Ulmer  Münsters.  —  Vier  Blatt  Photo- 
graphien von   Holzreliefs  im  historischen  Museum  zu  BaseL 

Stiftungen. 

Denkmäler  für  Heilkunde.  Drei  anatomische  Tafeln:  Knochenmann,  weiblicher 
und  männlicher  Körper.  Darstellungen  mit  Klappbildern.  Holzschnitte,  altkoloriert,  mit  typo- 
graphischem Text.     Wittenberg  IS83.   —  Anselm  Boetius  de  Boodt,  Leibarzt   Kaiser 


—     21     — 

Rudolfs  II.  (t  1634).  Brustbild  im  Oval  mit  Wappen.  Aeg.  Sadeler  sc.  —  Fr.  Jos.  G  a  1 1, 
Arzt,  Phrenologe  (1758—1828).  Brustbild  im  Oval.  Bourgeois  de  la  Richardiere  sculp.  Stich 
in  Punktiermanier.  —  Bildnis  des  Dr.  Lucas  Johann  Boer,  k.  k.  pens.  Leib-Chirurgen 
und  Professors  an  der  Universität  zu  Wien.  Brustbild.  Lithographie  von  Josef  Kriehuber. 
1830.  —  Bildnis  des  Dr.  J.  B  r  e  n  n  e  r  -  F  e  1  s  a  c  h,  Bezirks-  und  Badearztes  in  Ischl.  Brust- 
bild nach  links.  Lithographie  von  Josef  Kriehuber.  l834.  —  Ansicht  des  alten  Herkules- 
bades.    Große  kolorierte  Lithographie' von  Trentsensky-Wien. 


ARCHIV. 

(1.  Januar  bis  30.  Juni.) 

Geschenke. 

Cadolzburg.  Senior  W.  Dietzel:  Bestallung  für  Joh.  Jul.  Friedr.  Schumm  als  Pfarrer 
zu  Wernsbach,  d.  d.  Bayreuth  7.  Okt.  1793-  Orig.  Pap.  —  Düsseldorf.  Emil  Schulte, 
Papierfabrikant:  Akten  betr.  eine  zum  Bau  der  neuen  Kirche  in  Meiningen  (Reg.-Bez.  Arnsberg, 
Westfalen)  durch  Deputierte  einzusammelnde  Hauskollekte  180O— 1803;  Akten,  das  Schulwesen 
in  Kleisheim,  Reg.-Bez.  Arnsberg  btr.  1804 — 13;  Akten,  das  Apothekenwesen  im  Reg.-Bez.  Arns- 
berg btr.  1817—35;  Akten  in  Sachen  des  Geistl.  Fiskus  gegen  den  Intestaterben  des  Pfarrers  Stein- 
hoff zu  Esbeck  bei  Arnsberg.  1829— 30;  Aus  Akten  des  Königl.  Land-  und  Stadtgerichts  zu  Dort- 
mund. 1834.  1837.  —  Hersbruck.  Konrad  Schramm:  Lehrbrief  des  Jos.  Christoph 
Frick,  Chirurgen  und  Baders,  Friedrichstadt- Dresden,  für  Michael  Schmiedt,  gebürtig  von  Kirchen- 
sittenbach  bei  Nürnberg  1736,  6.  Jan.,  Pap.;  Kaufbrief  für  Ludwig  Hagendorn,  Bürger,  Bierbrauer 
und  Bäcker  zu  Hersbruck  über  einen  Stadel  hinter  der  Mauer  daselbst,  1752,  17.  Mai.  Orig.  Pap.; 
Heiratsbrief  zwischen  Joh.  Andr.  Schmid,  angehendem  Bürger  und  Spitalbader  zu  Hersbruck, 
und  Frau  Barb.  Helena,  Witwe  des  Joh.  Gg.  Ludw.  Sörgel,  Bürgers  und  Spitalbaders  zu  Hers- 
bruck. 1765,  7-  Nov.  Orig.  Pap.  —  Nürnberg.  J.  R  o  s  e  n  b  a  u  m,  Antiquitätenhändler: 
Mahnung  eines  Wirts  an  die  Landfuhrleute  Fränkel  und  Peller  in  Mengen  bei  Scheer  (württ.  O.  A. 
Saulgau)  wegen  Zechschulden.  Konzepte.  1801,  4.  März.  1  Bl.  Pap.;  Zeugenverhör  wegen  Ein- 
bruch und  Diebstahlverdachts,  der  sich  gegen  die  Dienstmagd  Josepha  Geratz  richtet.  (Ohne 
Orts-  und  Zeitangabe,  um  1800.)  Pap.;  Rechnung  von  Georg  Flach  für  Philipp  Carl  über  die 
Jahre  1807—10.  Orig.  Pap.  Gustav  Seifferlein:  Inventar  der  Dorothea  Maria  Sichert, 
Ehefrau  des  Bürgers  und  Lochwirts  Johann  Sichert  in  Nürnberg.  178I,  25.  Juli.  Pap.  Dr.  med. 
Friedrich  Voit,  prakt.  Arzt:  Vidimus  des  Rats  zu  Schweinfurt  für  die  Erben  des  f  Balth. 
Rüeffer,  Bürgers  dieser  Stadt,  zu  einer  Schuldverschreibung  des  Markgrafen  Georg  Friedr.  v. 
Brandenburg  für  genannten  Balth.  R.  über  10,000  fl.  (1589,  10.  März).  1619.  16.  IV.  Perg.;  Rech- 
nungen des  ehem.  Oberamts  etc.  Alsfeld  (Oberhessen)  1788—1825  (Kriegskosten,  Steuern). 
1  Fasz.  —  München.  Vermächtnis  von  f  Dr.  Alwin  Schultz,  K.  K.  Univ.-Prof.  in  Prag 
i.  R.,  zuletzt  in  München.  Des  Verstorbenen  gesamte  wissenschaftliche  Korrespondenz.  —  Pilsen. 
Westböhmisches  Kunstgewerbe-Museum  des  Kaisers  und  Königs  Franz 
Josef  I.:  Abschrift  einer  auf  das  v.  Griesbeck'sche  Epitaph  in  Kralowitz  (Böhmen)  bezüglichen 
und  hinter  demselben  aufgefundenen  Urkunde  (1593,  28.  März).  —  Rafhsberg  bei  Erlangen. 
Frau  Ökonomierats-Gattin  Emma  Beckh:  Aktenstücke  und  Korrespondenzen  in  Sachen 
des  Germanischen  Museums  aus  dem  Nachlasse  von  Dr.  Hermann  Beckh  a.  d.  Z.  vor  1881  mit 
Briefen  von  Hans  Frhrn.  v.  Aufseß,  Boerner  (dem  bek.  Nürnb.  Kunstkenner,  1785—1862),  Crämer, 
Hofrat  Dr.  J.  S.  v.  Dietz,  Jakob  Eberhardt  (Historienmaler  in  Nürnb.),  Dr.  Julius  Erbstein,  A.  v. 
Essenwein,  Adolf  v.  Harleß,  Advok.  J.  H.  Merck- Nbg.,  Michelsen,  R.  v.  Raumer,  Dr.  Roth-Tübingen, 
C.   H.   Frhr.   Roth  von  Schreckenstein,  Gotth.   Heinr.  v.  Schubert,  Dr.  Schwarz- Nürnberg. 

Ankäufe. 
Sammlung  von  Urkunden,  das  Dorf  Dengling  bei  Regensburg  und  seine  rechtl.  Beziehungen 
zur  Abtei  Frauenzeil  betr..  Originale  und  Abschriften.     (1353)— 1629.     Im  urspr.  Einband;  Ober- 
pfälz.  Urkunden  und  Schreiben  versch.  Betr.,  1357  (Abschr.)  bis  1808;  Akten  des  Schuhmacher- 


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handwerks  zu  Cluim,  1499,  1536  (6  Sehr.);  Geschäftsbrief  (Handelsnachrichten)  aus  Venedig  von 
Endres  Imhoff  und  Daniel  Spengler  an  Peter  Imhoff  u.  Gebrüder  in  Nürnberg  gerichtet,  1507, 
5.   Nov.,  Orig.   Pap.;   Beschwerde  der  Stadt  Auerbach  (Oberpfalz)  wegen  des  Landgerichts,  bei 
Kurf.  Ludwig  und  Herz.  Friedrich,  vorgebracht  durch  den  Landrichter  und  Pfleger  zu  Auerbach, 
Weibrecht  von  Kindsperg.  1510,  12.  Jan.,  Orig.  Pap.;  Burglengenfelder  Gerichtsprotokolle,  1526 
bis  1528,  Pap.   Hdschr. ;  Konzept  eines  Schreibens  des  Administrators  des  Bistums  Regensburg, 
Pfalzgr.  Johannes,  an  seinen  Bruder,  den  Kurfürsten  Ludwig  V.  v.  d.  Pfalz  wegen  der  Regens- 
burger Verhältnisse,   1528,  20.   Juli,  Pap.    Konz. ;  Wilhelm  u.   Ludwig,  Gebr.,   Herzoge  in  Ober- 
und  Niederbayern:  20  Schreiben  an  den  Richter  zu  Eggenfelden,  Hanns  Ettlinger,  versch.  Betr., 
dabei  3  weitere  Produkte,  den  Eggenfelder  Gerichtsbezirk  betr.,   1528 — 1539,  Orig.   Pap  ;  Auf- 
stellungen betr.  den  Weinzehnten  zu  Mating  (Bez.-A.   Stadtamhof)  im  Schifftlberg  ('/s    Bischof 
v.  Regensburg,   ^/i    Kl.  Prüfening)  1532,  (ferner  1535:  Zehnt  zu  Mating  und  Zins  zu  Sinching); 
Akten  der  kurfürtsl.  Regierung  zu  Amberg,  versch.  Betr.,  1 532— 1749;  Bitte  der  Anwälte  und  Räte 
zu  Burghausen  an  Herzog  Ludwig,  zwei  von  der  Rosina  Talhaimerin  (c.  Antonius  Wiberstörffer) 
benannte  Zeugen  verhören  zu  wollen  etc.,  1533,  7-  Nov.,  Orig.   Pap.;  Bericht  des  Landrichters 
und  Pflegers   zu  Waldeck,    Sebast.  v.  Giech,  an  den  Pfalzgrafen  Friedrich  über  den  Stand    der 
Streitsache  zwischen  dem  Rat  und  der  Gemein  von  Kemnath  einer-  und  ihrem  Mitbürger  Heinz 
Roder  anderseits,  1536,  4.  März,  Orig.  Pap.  (mit  Einlage,  dat.  1536,  11.  März,  Pap.);  Akten  Strau- 
bing (Regierung)  1543 — 1719;   Gegenbericht  des  Jörg  v.   Gumppenberg  an  den  Vicarius  N.   N, 
(i.  N.  seiner  Scliwieger  Anna  Taufkircher),  gegen  den  Pfarrherrn  zu  Hergerzhausen,  Sigm.  Krieg, 
und  dessen  Darstellung  des  Verlaufs  eines  nächtlichen  Skandals  sich  wendend,  1546,  13.   Febr.) 
Orig.  Pap.;  Zettel,  den  Zehnten  zu  Eckendorf  bei  Nabburg  betr.,  1.  Hälfte  des  16.  Jahrh. ;   (Fünf 
Legitimationen  für  die  beiderseitigen  Anwälte  in  Sachen  Hanns  Adam  Wispeck  zu  Velburg  u. 
Winckel  (Pfleger  zu  Helfenberg;  Kläger),  c.  Abt  und  Gonvent  des  Klosters  Kastl,   Eichst.  Bist. 
O.  S.  B.,  1551—54,  Orig.  Pap.;  Akten  Stadt  und  Regierung  zu  Amberg,  1552—1675;  Berichte 
der  Pfleger  zu  Haimburg  (im  jetzigen  Bez.-A.  Neumarkt),  1552,  24.  Jan.  und  1566,  26.  Okt.,  Orig. 
Pap.;  Bitte  der  Äbtissin  Anna  zu  Seligenporten  an  die  Räte  der  Obern  kurf.  Pfalz  in  Bayern  zu 
Amberg,  den  ihr  und  ihrem  armen  Mann  Linhart  Bschürl  (Pschirl),  Müller  zu  Elmsdorf  (zir  Ell- 
mannsdorf.    Gem.    Mühlhausen,    Bez.-A.    Neum.),    angesetzten    Rechtstag   aufzuheben   und   nach 
der  von  ihr  zu  meldenden   Rückkehr  ihres  eben  in  Geschäften  verreisten  Richters  einen  neuen 
Termin  ihr  zu  bestimmen,  1555,  27.  Jan.,  Orig.  Pap.;  Befehl  an  den  Landschreiber  von  Eschen- 
bach, Ob. -Pf.,  von  dem,  in  Berücks.  der  Beschwerde  der  beiden  Dorfgemeinden  Pfaffenstetten 
und  Wölkersdorf  wegen  eines  abgenommenen  Pfandes  genauere  Untersuchung   dieser  Sache  etc. 
gefordert  wird,  1561,  9-  Nov.,  Pap.  Konz.;  Schreiben  des  Franz  Wolf  v.  Baumgarten  zum  Frauen- 
stein u.  Ering  an  Heinrich  Fronheimer  zu  Malching  mit  der  Bitte  um  ein  Zeugnis,  1564,  20.  Sept., 
Orig.  Pap.;  Akten,  Cham(Oberpf.)  betr.,  1567—1655  (5  Prod.);  Korrespondenzen  in  der  Chamischen 
Sache,  Kurf.  Friedr.  v.  d.  Pfalz,  Bischof  Alarkwart  v.  Speier,  Markgraf  Georg  Friedr.  zu  Ansbach, 
Albr.  V.  Bayern,  1567—73,  Pap.;  Acta  betr.  die  Behausung  zum  Goliath  am  sog.  alten  Watmarkt 
in   Regensburg  (Bischöfl.    Regensb.   Lehen),   1570—1778,   Pap.;   Verzaichnus  anstendiger  haupt- 
summa  davon  ....  herr  Georg  Ludwig  Landgraue  zum  Leuchtenberg  u.  Graf  zu  Hals  .  .  .   den 
abzins  anno  71  gnedig  ausrichten  lassen  und  zum  tail  etliche  jar  anstehn  plieben.   (Aufgestellt  vom 
Oberkeller  zu  Grünsfeld,  Gregorius  Sattler),  1571;  Hanns  Ludwig,   Herr  v.  u.  zu  Gumppenberg, 
F.  Pfleger  zu  Grandsperg  (Kranzberg),  an  Philipp  Johan,  F.  Rat  u.  Castner,  auch  Bartlme  Heyl, 
Stadt-  und  Landrichter  zu  Freising,  wegen  der  bei  seiner  Verwaltung  anhängig  gemachten  Klage 
des  alten  Wolf  Obermayr,  gegen  seinen  Tochtermann,  den  jüngeren  Obermair,  jetzt  Cammer- 
bauer,  bezw.  wegen  gerichtlicher  Austragung  dieser  Sache,  1574,  28.  VIII.,  Orig.  Pap.;  Instruktion 
des  Statthalters  der  Obern  Pfalz,  Pfalzgrafen  Ludwig,  für  die  kurpfälz.  Räte  Andres  Hegner  und 
Andres  Khödnit  zur  Schlichtung  eines  wegen  der  Schäferei  zwischen  Bürgerm.  und  Rat  zum  Thenes- 
perg  (Mkt.  Tännesberg,   Bez.-A.   Vohenstrauß)  und  dem  Pfleger  daselbst  entstandenen  Streites, 
1575,  23.  Juli,  Orig.  Pap.;  Schreiben  Herzog  Albrechts  V.  von  Bayern  an  den  Bischof  Markwart 
von  Speyer,  wegen  eines  von  dem  Dr.  Ludwig  Gremp  zum  Freudenstein  verlangten  Terminauf- 
schubs, 1575,  30.  Nov.,  Pap.;  Schreiben  des  Domkapitels  zu  Regensburg  an  den  Pfalzgräfl.  Richter 
zu  Burglengenfeld,  Lucas  Adler,  wegen  der  Holzwachs  und  des  kleinen  Zehnten  zu  Ketzdorf  (=:  Katz- 
dorf, Bez.-A.  Burglengenfeld),  angefochten  von  Caspar  Altman  zu  Münchshofen,  bezw.  vom  Pfarrer 


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zu  Saltendorf  bei  Burglengenfeld,  1578,  19-  Sept.,  Orig.  Pap.;  Antwortschreiben  der  Regierung 
zu  ?  (Straubing.')  an  die  verordn.  pfälz.  Räte  zu  Neunburg  vorm  Wald:  Ablehnung  eines  zur  Bei- 
legung von  Irrungen  zwischen  den  Ämtern  Furt  i.  W.  und  Waldmünchen  bestimmten  Termins, 
1579,  15-  Mai,  Pap.  Konz. ;  Akten  wegen  der  Rückgabe  der  Furter  Bürgern  durch  Georg  Erlbeck 
zu  Lixenried  weggetriebenen  Schweine  und  der  30  auf  dem  Reißeck  Erlbeckischen  Untertanen 
gepfändeten  Ochsen,  1580;  Salbuch  der  Felix  Fraißlich'schen  ewigen  Stiftung  zu  Amberg  (i486), 
angelegt  von  Georg  Fraißlich  zu  Regensburg,  1581,  Pap.  Hdschr.  (76  beschr.  SS.);  Korrespon- 
denz des  Domkapitels  zu  Regensburg  und  des  Stifts  Niedermünster  daselbst,  1585 — 88;  Relation 
des  Leonh.  Baldauf,  Stadtschreibers  zu  Sulzbach  (Ob. -Pf.)  als  kaiserl.  Kommissärs  in  Sachen 
Hans  Endres  v.  Wolfstein  c.  Pfalz-Neuburg  wegen  des  in  Hilpoltstein  in  Haft  sitzenden  Pfarrers 
bei  St.  Niclas  zu  Ebenried  (Bez.-A.  Hilpoltstein),  Johann  (auch  Sebastian)  Beringer,  1585  (91); 
Akten,  Wolf  Sauerzapfs  Erben  (Leonh.  Sauerzapf,  Rentmeister  zu  Straubing  und  Hans  Sauer- 
zapf zu  Lauf),  c.  Hans  Merkel,  Richter  zu  Neuburg  (dann  Witwe  Anna  Maria  Merkel)  und  Wolf 
Jacob  Plech  zu  Amberg,  betr.  das  Schloßgut  Rosenberg  (Bez.-A.  Sulzbach,  Oberpf.),  1585—1603; 
Bestallung  des  Ludwig  Neuchinger  von  Neuching  als  Amtmanns  der  Leuchtenbergischen  Herr- 
schaft Grünsfeld,  1588,  13.  Mäiz  (Pfreimd),  Orig.  Pap.;  Vidimus  von  (5)  Urkunden  über  die  Finster- 
mühle bei  Auerbach  und  deren  Pertinentien  (1490— 1588),  1590,  9-  Juni  (Akten);  Befehl  der  Pfalz- 
Neuburg.  Regierung  zu  Neuburg  a.  D.  an  die  Pflegamtsverwalter  zu  Burglengenfeld:  Lucas  Adler 
und  Georg  Reinhard  Breidtschedel,  die  Gläubiger  des  Georg  Sinzger  (Sichinger),  gewesten  Wirts 
zum  Carlstein,  zu  betagen  und  beide  Teile  womöglich  zu  einem  gütlichen  Vergleich  zu  bestimmen, 
1591,  17-  Sept.,  Orig.  Pap.;  Amtliches  Journal  (Regensburg),  Fragment,  3-  Jan.  bis  14.  Apr.  anno  .> 
(2.  Hälfte  des  16.  Jahrh.),  28  Bl.  in  2;  Bericht  des  Landrichters  und  Pflegers  zu  Parkstein  (Bez.-A. 
Neustadt  a.  d.  W.-N.)  an  den  Statthalter  der  Oberpfalz  wegen  einer  aufzurichtenden  Ordnung 
der  Leinenweber  im  Amt  Parkstein,  1602,  26.  Mai,  Orig.  Pap.;  Entschließung  in  Sachen  des  Lesche- 
wiz,  Zettel  mit  5  Zeilen,  1604,  Pap.;  Quittung  des  Heinrich  von  und  zu  Flintzing,  Hag  und  Pentzing, 
über  den  Empfang  von  50  Gulden  Gült  vom  Hoch-  und  Domstift  Freising,  1608,  29.  Sept.,  Orig. 
Pap.  (in  3facher  Anfertigung  erhalten);  Schreiben  des  Hans  Christof  v.  Raindorf  zu  Inkofen 
fürstbisch.  Rats  zu  Freising,  an  Niclas  Prem,  F.  Gerichtsschreiber  und  Kastenamts-Verwalter 
zu  Freising  (Citation  des  Andreas  Feller,  jetzt  in  Attaching),  1615,  10.  JuH,  Orig.  Pap.,  Akten 
btr.  die  Unkosten,  die  dem  Kloster  Herrenchiemsee  durch  den  vom  Kurfürsten  Maximilian  v. 
Bayern  zwangsweise  verfügten  Aufenthalt  des  Landgrafen  Wilhelm  von  Leuchtenberg  (Pfreimdt) 
daselbst  erwachsen  sind,  1623—25;  Akten,  Pflegamt  und  Stadt  Cham  btr.,  1626— 61 ;  Notarielle 
Kopien  von  drei  Quittungen  für  die  fürstl.  Kammer  zu  Neuburg  a.  D.  (1626),  1629,  4.  Febr.,  Pap. ' 
(hei  den  Akten  eingestellt);  Gültbrief  für  Anna  Ebersberger,  Bürgerin  und  Wittib  zu  Straubing, 
wegen  100  fi.,  die  HannsWierth,  Bauer  zu  Haidenkofen  (Bez.-A.  Regensburg)  und  Barbara,  seine 
ehel.  Hausfrau,  von  ihr  erhalten  haben,  1629,  11.  Juni,  Orig.  Perg. ;  Erneuerung  der  herrschaft- 
lichen Zinsen  zum  Frauenstein  (im  Rheingau),  1629,  Orig.  Pap.- Hdschr.,  64  Bl.  2;  Handwerks- 
buch der  Büttner  (?)  in  Forchheim  1642—87,  Pap. -Hdschr.  4;  Cessionsurkunde  des  Georg  Carl, 
Bürgers  und  Handelsmanns  zu  Berlin,  für  seinen  Bruder  Peter  Carl,  Bürger  und  Tuchmacher 
zu  Dingolfing,  über  des  ersteren  Anteil  an  der  vom  Vater  ererbten  Wiese,  der  Hutterpaigen  ge- 
nannt, Berlin,  1650,  8.  Apr.,  Orig.  Pap.;  Kaufbrief  des  Domkapitels  zu  Freising  für  Christoph 
Moriz  Reisacher  v.  Kirchdorf,  kurf.  bayer.  Obrist-Leutenant,  Rat  und  Kastner  zu  Ingolstadt, 
über  Schloß  und  Hofmark  Sandelzhausen  (Bez.-A.  Mainburg,  Niederbayern),  1653,  6.  Aug.  (Notar- 
Abschr.  von  1712,  9-  Dez.);  Domkapitel  Regensburg  und  kurf.  Pflegamt  in  Cham  in  puncto  juris 
sigillandi  beim  Erzdechanat  Cham,  1653/54  (12  Sehr.);  Akten  betr.  die  verglichene  Streitsache 
zwischen  dem  Landdechanten  P.  Theodor  Ray  bezw.  P.  Peter  Feichtinger,  O.  S.  B.,  Pfarrer  zu 
Floß  und  dem  evang.  (luth.)  Pfarrer  zu  Püchersreuth  (Bez.-A.  Neustadt  a.  d.  W.-N.),  Joh.  Gg. 
Harrer,  Okt.  1655;  Rechnung  des  Verwalters  der  St.  Martins- Pfarrkirche  zu  Amberg,  Johann 
Prändls  (des  Innern  Rats),  1655/56,  Pap.  Hdschr.;  Kaufbrief  des  Lorenz  Raidt,  Bürgers  und  In- 
wohners in  der  Vorstadt  zu  Waldmünchen,  für  Hans  Schmidt,  Bürger  und  Schuhmacher  in  Wald- 
münchen, über  einen  Acker  „uf  der  Röhren",  1656,  23.  Mai,  Orig.  Perg.-U.;  Lagerbuch  der  Ge- 
meinde Frauenstein,  166O,  Orig.  Pap.  Hdschr.,  76  Bl.  2;  Akten  Stamsried  (Bez.-A.  Roding),  166I 
bis  1662;  Akten,  Bürgermeister  und  Rat  der  Stadt  Waldmünchen  c.  Elisabeth  Christoph  Franckh, 
Hammermeisters  in  der  Höll,  kurf.  Pflegamts  Waldmünchen,  Eheweib,  wegen  eines  dem  Gottes- 


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hause  daselbst  geschuldeten  Kapitals,  4  Prod.,  1663;  Korrespondenz  der  Wundärzte,  Bader  und 
Balbierer  zu  Regensburg  mit  den  ,,  Kunstgenossen"  zu  Wien,  Nürnberg,  Eger,  Hamburg,  Leipzig, 
Frankfurt,  Braunschweig,  Salzburg,  Augsburg,  Prag,  Graz,  Bayreuth,  Castell,  Neiße,  Dresden, 
Kempten,  Riga,  Windsheim,  Eßlingen.  Ansbach,  München,  Hannover,  Straubing  u.  a.,  1663 — 1798, 
Pap.  Akten;  Akten  in  Sachen  Bernhards  v.  Türling  c.  Georg  von  Murach  wegen  der  Holzwachs 
(„Aichach")  am  Eittenhardt,  bezw.  wegen  des  Gutes  Traubenbach,  1664 — 71 ;  Streitsache  zwischen 
dem  Glashüttenmeister  in  der  Herzogau  (Kläger)  und  dem  kurf.  Pflegamt  Waldmünchen  wegen 
Contribution  und  Scharwerk  der  Köbler  oder  Häusler  zu  Herzogau,  1669 — 1726  (9  Sehr.);  Gerichts- 
protokolle der  Gemeinde  Frauenstein  (Rheingau),  1672 — 97,  Orig.  Pap.-Hdschr.,  234  S.  2;  Lehen- 
Revers  des  Hanns  Adam  Wittig,  Bürgers  und  Apothekers  zu  Regensburg,  gegen  Bischof  Albr. 
Siegm.  V.  Freising  u._ Regensburg,  Herzog  v.  Bayern,  wegen  der, »Behausung  auf  der  Pretten",  gegen- 
über der  fürstl.  Residenz  zu  Regensburg,  1676,  9-  Jan.,  Orig.  Perg. ;  Schatzungs  (Lager)-Buch  von 
Schloßborn  im  Taunus,  1686,  Pap.  Orig.  Hdschr.,  229  Bl.  2;  Ordnung  des  Markgrafen  Christian 
Ernst  für  das  Handwerk  der  Leinenweber  in  Gefrees,  1693,  23.  Juni,  Perg.;  Handwerksbuch 
desselben,  1761 — 93,  2;  eine  größere  Partie  von  Papieren  versch.  Art,  auf  das  gleiche  Handwerk 
bezüglich,  1662 — 1862;  Untertänigste  Beschwerde  und  Bitte  des  Weberhandwerks  zu  Gefrees 
wider  das  kgl.  Landgericht  Gefrees  zu  Berneck,  I831,  28.  Nov.,  1832,  Pap.  Hdschr  ;  Rechnung 
über  Einnahme  und  Ausgabe  bei  dem  Stadt- Weber- Vereine  zu  Gefrees  im  Jahre  1840  (1839/40 
bis  1849),  Pap.  Hdschr.;  Testament  des  Marx  Gebisch,  hochfürstl.  Brandenb.-Bayreuthischen 
Kammerrats  und  seiner  Verlobten  Susanna  Jacobina  Harsdörfferin,  errichtet  in  Sulzbach  (Ober- 
pfalz), 1694,  17-  Juni,  Orig.  Pap.;  Rechnung  von  Wolfgang  Stills  sei.  Erben  in  Regensburg  für 
Joh.  Blunder,  Maurermeister  daselbst,  17OO,  23.  März,  Orig.  Pap.;  ein  Faszikel  oberpfälz.-bayer. 
Archivalien  des  17.  bis  19-  Jahrh.,  die  künftig  noch  auseinandergenommen  und  einzeln  für  sich 
behandelt  werden  sollen;  zwei  Briefe  an  Joh.  Gg.  Hörn,  derzeit  in  Reinhausen  (Bez.-A.  Stadt- 
amhof),  von  seinem  Schwiegervater  in  Schwandorf,  1704,  20.  und  23.  Juni,  Orig.  Pap. ;  Verschiedene 
Schriftstücke  betreffend  Joh.  Jac.  Königshoven  (geb.  1683)  kais.  Rat  und  Hofsekretär  (Köln) 
und  seine  Witwe  Sophie  Charlotte,  1714 — 32;  Akten:  Obligationen  des  Fürsten  Anton  v.  Liechten- 
stein betr.,  1715/23;  Schuldbrief  der  Eheleute  Andres  u.  Eulalia  Hörner  zu  Frauenstein  im  Rhein- 
gau über  ein  Kapital  von  100  fl.,  das  sie  von  Frau  Maria  Joanna  Mörzer,  geb.  Major,  etc.  empfangen 
haben  und  mit  5  %  jährl.  verzinsen  wollen,  Ausfertigung  durch  das  Untergericht  zu  Frauenstein, 
1718,  1.  März,  Perg.,  dazu  5  Pap.-Urk.  des  18.  Jahrh.  und  eine  solche  von  18IO,  12.  Nov.;  Plan 
zur  Veranschaulichung  der  Grenzstreitigkeiten  auf  der  sogen.  Kaspartradt,  zwischen  den  Grafen 
Törring  zu  Ränkam  und  den  Herrn  v.  Altersheim  zu  Arnschwang  (Bez.-A.  Cham),  172I;  Akten 
in  Sachen  des  Herrn  v.  Cronach  zu  Ammerthal  (Bez.-A.  Amberg,  Oberpfalz),  1728/29;  Alter  und 
Neuer  Grundriß  des  „Kollschlags"  bei  der  Stadt  Hemau  (Oberpfalz),  Lit.  A  und  B,  1734,  1757; 
Samuel  Moyses,  Schutzjud  zu  Schwabach,  c.  den  Testamentserben  des  j  Jacob  v.  Cronach  zu 
Ammerthal,  Franz  Marquard  v.  Merz  (Schuldforderung  btr.),  Pap. -Akten,  1737/38;  Die  Pfarr- 
kirche in  der  Stadt  Grafenwöhr  (Oberpf.,  bei  Eschenbach):  Ratificationsgesuche  an  den  Kurf. 
Kari  Albrecht  v.  Bayern,  1737,  1-  Mai:  Neues  Kirchengewölbe,  Maurer-,  Stukkatur-  und  Maler- 
arbeit, 1739,  20.  Aug.,  Orgelreparatur;  Akten  den  Nachlaß  des  kurf.  Regimentsrats  und  Pflegers 
zu  Rieden  (b.  Amberg),  Joh.  Andr.  Barons  von  Blumenthal  (auf  dem  Burggärtl  zu  Rieden)  betr., 
Juni  1747;  Korrespondenzen  zwischen  Stuttgart  und  Amberg,  1747—66,  Pap. -Akten;  Designatio 
actorum:  Bischof  zu  Brixen  contra  Herrn  v.  Berchem  zu  Niedertraubling  (Bez.-A.  Regensburg), 
Mitte  des  18.  Jahrh.;  Lehen- Revers  des  Joh.  Gg.  Leipold,  Bürgers  und  Apothekers  in  Regens- 
burg, gegen  den  Kardinal-Bischof  Johann  Theodor  wegen  der  Behausung  ,,an  den  Pretten"  gegen- 
über der  fürstl.  Residenz,  1753,  18. .Juli,  Orig.  Perg.;  Dokumente  des  Kastenamt  Spaltischen 
Untertans  Philipp  Hausmann  (-j-  1782)  und  seiner  Erben  zu  Großweingarten,  1758—1865,  Pap.- 
Akten;  Akten,  Reichsstadt  Nürnberg,  c.  Hofmark  Hüttenbach  wegen  einseitiger,  eigenmächtiger 
Transferirung  eines  Gemeinteils,  1767—69;  Quittung  der  Anna  Sophia  Juliana  Witwe  von  Reden, 
geb  V.  Haus,  für  ihren  Schwager  Gehemi.  Rat  v.  Bremer,  Exzellenz,  über  „abermals"  ihr  aus- 
bezahlte zu  4  %  zu  verzinsende  hundert  Reichstaler,  1772,  in  der  Osterwoche  (Hannover),  Orig. 
Pap.  mit  aufgedr.  Siegel;  Frauensteiner  gemeine  Rechnung  pro  1782,  Orig.  Pap.  Hdschr.,  90  S.,  20; 
Ein  privates  Aufschreibe-  und  Rechnungsbuch  aus  Altdorf,  1789—1837,  2;  Korrespondenz  des 
Obristlieut.  Frhrn.  v.  Ow  (2.  Feldjäger- Bataillon  Graf  v.  Salern)  zu  Sulzbach  i.  d.  Oberpfalz  mit 


—     25 


dem  Stadtgericht  zu  Nabhurg,  wegen  der  Frage  der  Besteuerung  eines  beim  Militär  stehenden 
Pupillen.  1792  (Akten);  Papiere  des  Cammerers  Bößner  in  Regensburg,  1793;  Kollektaneen  zur 
Geschichte  des  Markts  und  der  Pfarrei  Hahnbach  bei  Vilseck  (Oberpfalz)  mit  Untersuchungen 
über  die  Getreidemaße  in  den  Vogteien  Hahnbach  und  Vilseck,  1821 ;  Aufzeichnungen  und  Auf- 
stellungen zur  Chronologie  und   Kalenderrechnung    ca.   1S21. 


BIBLIOTHEK. 

(1.  Januar  bis  31-  März.) 

Geschenke: 
Arnheim.  Vorsterman  van  Oven:  Derselbe,  Voor-  en  nageslacht  van  Michiel 
Adriaansz  de  Ruyter.  1907.  8.  —  Augsburg.  H  ö  f  1  e,  Hofphotograph:  Derselbe,  Musikstücke. 
Op.  1,  7  und  Lieder.  1906.  4.  —  B.  S  c  h  m  i  d,  Verlagsbuchhandlung:  Steichele,  Das  Bistum 
Augsburg.  56.  Lief.  (VII.  Bd.  Lief.  6).  1909.  8.  —  Bamberg,  Fanny  Herth,  Hauptmanns- 
witwe: Beynon,  Barmhertziger  Samariter.  .  .  Basel  1686.  8.  — Berlin.  Richard  Bong, 
Verlagsbuchhandlung:  Stilgebauer,  Das  Liebesnest.  1909-  8.  —  Bong  &  G  o  m  p.,  Deutsches 
Verlagshaus:  Goldene  Klassiker- Bibliothek.  Hempels  Klassiker- Ausgaben  in  neuer  Bearbeitung 
Arnims  Werke,  herausgegeben  von  Monty  Jacobs.  —  Fouques  Werke,  herausgegeben  von  Walter 
Ziesemer.  —  Mörikes  Werke,  herausgegeben  von  August  Leffson.  —  Nestroys  Werke,  herausge- 
geben von  Otto  Rommel.  —  Novalis  Werke,  herausgegeben  von  Hermann  Friedemann.  8.  — 
R.  von  Deckers  Verlag:  Lotz,  Geschichte  des  deutschen  Beamtentums.  Lief.  1 — 7-  1906. 
8.  —  Generaldirektion  der  König  1.  Preuß.  Museen:  Jahrbuch  der  König- 
lich Preußischen  Kunstsammlungen.  XXX,  1.  1909.  2.  —  James  Simon:  Derselbe, 
Skulpturen-Sammlung  James  Simon.  8.  —  König  1.  Preuß.  Ministerium  der 
öffentlichen  Arbeiten:  Feinnivellement  des  Rheins  von  Mainz  bis  zur  niederlän- 
dischen Grenze.  1908.  4.  —  Höhen  über  N.  N.  von  Festpunkten  und  Pegeln  an  Wasser- 
straßen. Heft  X,  XI,  XII.  1908.  8.  —  Bericht  über  die  Ergebnisse  des  Betriebes  der 
vereinigten  preußischen  und  hessischen  Staatseisenbahnen  im  Rechnungsjahr  1907-  4.  — 
Benoit  Oppenheim:  Derselbe,  Originalwerke  aus  meiner  Sammlung.  1907-  2.  — 
Redaktion  des  Handbuchs  über  den  Königlichen  Preußischen  Hof 
und  Staat:  Handbuch  über  den  Königlich  Preußischen  Hof  und  Staat  für  das  Jahr 
1909.  1908.  8.  —  Reich  samt  des  Innern:  Posse.  Die  Siegel  der  deutschen  Kaiser 
und  Könige  von  751  bis  1806.  1.  Bd.  751—1347.  Dresden.  1909.  2.  —  Staatssekre- 
tär des  Innern:  Sarwey  und  Fabricius,  Der  obergermanisch- raetische  Limes  des 
Römerreiches.  Lief.  XXXI.  1909.  4.  —  Georg  Stilke,  Verlag:  Delbrück,  Das  Leben 
des  Feldmarschalls  Grafen  Neidhardt  von  Gneisenau.  Bd.  1  u.  2.  1908.  8.  —  Delbrück,  Histo- 
rische und  politische  Aufsätze.  2.  Aufl.  1908.  8.  —  Dr.  Südekuni:  Hauptausschuß  für 
die  staatliche  Pensionsversicherung  der  Privatangestellten.  Bericht  des  Hauptausschusses  über 
seine  Tagung  am  21.  u.  22.  November  in  Berlin.  Hamburg  1909.  8.  —  Kohn,  Unsere  Wohnungs- 
enquete im  Jahre  1904.  Im  Auftrage  des  Vorstandes  der  Orts- Krankenkasse  .  .  .  bearbeitet 
von  Albrecht  Kohn.  8.  —  Schöler,  Die  Brausteuervorlage  und  das  Braun-  und  Malzbier-Ge- 
werbe. 1908.  8.  —  Staudinger,  Umsturz  in  Sicht!!  Betrachtungen  zur  Reichtsagswahl.  1907- 
8.  —  Ernst  Wasmuth,  Verlag:  Dehio  &  Bezold,  Die  Denkmäler  der  deutschen  Bildhauerkunst. 
5.  Lief.  1909.  2.  —  W  ei  d  m  a  n  n'sche  Verlagsbuchhandlung:  Deutsche  Texte  des  Mittel- 
alters, herausgegeben  von  der  Königl.  Preuß.  Akademie  der  Wissenschaften.  X,  XII,  XIV.  1908. 
8.  —  Fr.  W  e  i  n  i  t  z,  Professor:  Derselbe,  Die  alte  Garnisonkirche  in  Beriin.  1908.  4.  — 
Braunsberg  (Ostpr.).  Bernhard  Gigalski,  Dr.  theol.,  Privatdozent:  Derselbe,  Der  Bern- 
stein und  seine  Geschichte.  1908.  8.  —  Derselbe,  Nicolaus  Coppernicus  und  Allenstein.  1907. 
8.  —  Derselbe,  Die  wichtigsten  Schlachten  des  Kriegs  zwischen  Preußen  und  Frankreich  im 
Kriege  18O6/7  im  Zusammenhang  mit  den  vorhergehenden  und  den  nachfolgenden  Ereignissen 
nebst  einem  Anhang,  den  Gefechten  bei  Braunsberg  u.  Heilsberg  im  Februar  1807-  1908.  8.  — 
Derselbe,  Die  Schlacht  bei  Tannenberg  im  Kriege  zwischen  dem  Deutschen  Orden  und  Polen  am 
15-  Juli  1410.     1908.     8.  —  Derselbe,  Der  Weinbau  im  Lande  des  Deutschen  Ordens  während 


—     26    — 

des  Mittelalters.  1908.  8.—  Braunschweig.  George  Westermann,  Verlagsbuchhandlung: 
Die  Bücher  der  Bibel.  Herausgegeben  von  F.  Rahlwes,  Bd.  I.  1908.  8.  —  Cassel.  K  1  ö  f  f  1  e  r, 
Professor:  Hock,  Die  neue  Krankenpflegeanstalt  „Rotes  Kreuz"  nebst  Schwesternhaus  und  staat- 
lich anerkannter  Krankenpflegeschule.     Festschrift  zur  Einweihungsfeier  am  2.  November  1908. 

4.  —  Magistrat  der  Stadt  Cassel:  Bericht  über  die  wichtigsten  Zweige  der  Ver- 
waltung der  Residenzstadt  Cassel  im  Etatsjahre  1907.  1909.  4.  —  Celle.  Vaterländisches 
Museum:  Jahresbericht  des  Vaterländischen  Museums  in  Celle  für  das  Jahr  1907.  1908.  8.  — 
Clapham.    W.   H.  J  a  m  e  s  W  a  1  e:  Derselbe,  Lancelot  Blondeel,  peintre  1496— l56l.    1908.      8. 

5.  A.  —  Coburg  (Veste).  L  0  ß  n  i  t  z  e  r,  Major  z.  D. :  Derselbe,  Die  Herzoglichen  Kunstsamm- 
lungen auf  unserer  Veste  in  ihrer  wissenschaftlichen  und  örtlichen  Bedeutung.  S.  A.  1909. 
8.  —  Darmstadt.  Zedier  und  Vogel:  Henkelmann,  Das  Bauernhaus  des  Odenwaldes 
und  des  südwestlichen  Deutschlands.  1908.  8.  —  Donaueschingen.  Kabinets-Sekre- 
tariat  Sr.  Durchlaucht  des  Fürsten  zu  Fürstenberg:  Dollinger,  Die 
Fürstenbergischen  Münzen  und  Medaillen.  1903.  4.  —  Dortmund.  K  o  e  p  p  e  n'sche  Buch- 
handlung: Kullrich,  Bau-  und  Kunstgeschichtliches  aus  Dortmunds  Vergangenheit.  1896.  8.  — 
Historischer  Verein  für  Dortmund  und  die  Grafschaft  Mark:  Rubel, 
Dortmunder  Urkundenbuch.  1.  1  u.  2.  II.  1  u.  2.  III.  1.  1881.  1885-  I890.  1894.  1908.  8.  — 
Dresden.  Arnold,  Verlag:  Lehrs,  Karl  Stauffer-Bern.  1857 — 1891-  Ein  Verzeichnis  seiner 
Radierungen  und  Stiche.  1907.  4.  —  Düsseldorf.  August  Bagel,  Verlag:  Die  Wanderer.  Heraus- 
gegeben von  S.  Rüttgers  und  Gustav  Kneist.  (III.  1.  Kneist,  Sage  und  Lied  in  den  Ländern 
am  Rhein.  —  VII.  1.  Rüttgers,  Die  Geschichte  von  den  Lachstälern.)  8.  —  Einsiedeln. 
Benziger   u.    Comp.,    Verlag:    Kuhn,  Allgemeine  Kunstgeschichte.     Lief.  43  u.  44.     1908. 

4.  —  Erlangen.  Friedrich  Junge,  Verlag:  Beiträge  zur  bayerischen  Kirchengeschichte, 
herausgegeben  von  Theodor  Kolde.  XV.  Bd.  3.  Heft.  1909.  8.  —  Eßlingen.  N  e  f  f ,  Vertag: 
Haack,  Die  Kunst  des  XIX.  Jahrhunderts.  1909.  8.  —  Führer  zur  Kunst.  Bd.  13,  14,  15-. 
8.  —  Frankfurt  a.  M.  Dr.  Jassoy:  Derselbe,  Unsere  hugenottischen  Vorfahren.  1908.  8.  — 
Kunstgewerbemuseum:  Dasselbe,  Ausstellung:  Schmuck  und  Illustration  von  Musik- 
werken in  ihrer  Entwicklung  vom  Mittelalter  bis  in  die  neueste  Zeit.  1909.  8.  —  Franz 
Schacht,  Dr.  phil. :  Derselbe,  Die  Familie  Schacht.  1908.  8.  —  Frauenfeld  (Schweiz). 
Huber  &  C  o  m  p.,  Verlag:  Wörterbuch  der  schweizerischen  Sprache.  Heft  LXII  Bd.  VI. 
99 — 108.  1908.  4.  —  Freiburg  i.  B.  H  e  r  d  e  r'sche  Verlagsbuchhandlung:  Pastor,  Erläu- 
terungen und  Ergänzungen  zu  Janssens  Geschichte  des  deutschen  Volkes,  VI,  1,2,  3-  8.  — 
Schnürer,  Jahrbuch  der  Zeit-  und  Kulturgeschichte.  1907.  I.  Jahrgang.  8.  —  Studien 
und  Darstellungen  aus  dem  Gebiete  der  Geschichte,  herausgegeben  von  Hermann  Grauert, 
V,  2  u.  3-  8.  —  Beissel,  Geschichte  der  Verehrung  Marias  in  Deutschland  während  des  Mittel- 
alters. 1909.  8.  —  Pesch,  Lehrbuch  der  Nationalökonomie.  II.  Bd.  1909.  8.  —  Oöttingen. 
Vandenhoeck  &  Ruprecht:  Grammatiken  des  althochdeutschen  Dialektes,  1.  u. 
IL  Bd.  1907/09.  8.  —  Oroß=  Lichterfelde.  Stephan  Kekulevon  Stradonitz,  Dr. 
iur.  et  phil.:  Ders.,  Die  Wappenkunde  an  den  Museen  als  Hilfsmittel  kunstgeschichtlicher  For- 
schung. S.  A.  4.  —  Hamburg.  Dr.  J  u  s  t  u  s  B  r  i  n  c  k  m  a  n  n,  Professor:  Derselbe,  Museum 
für  Kunst  und  Gewerbe  in  Hamburg.  Bericht  für  das  Jahr  1907.  1908.  8.  —  H  a  m  b  u  r  g  i- 
sche  Gesellschaft  zur  Beförderung  der  Künste  und  nützlichen 
Gewerbe:  Kowalenski,  Geschichte  der  Hamburgischen  Gesellschaft  zur  Beförderung  der 
Künste  und  nützlichen  Gewerbe,  gestiftet  im  Jahre  1765.  Teil  II,  1.  1908.  8.  —  Dr.  Ascan 
Lutte  roth:  Ders.,  Ein  Ablaßbrief  für  den  Studenten  Matthias  Lutteroth  vom  1.  Juli  1502 
und  die  Versippung  der  Familie  Lutteroth  mit  der  Familie  des  Reformators  Dr.  Martin  Luther. 

5.  A.  4.  —  Dr.  Ascan  Wilhelm  Lutteroth:  Aus  dem  Jahre  1866,  von  Marianne 
Lutteroth  geborne  Goutard  (1798— 1871)  zu  Frankfurt  a.  M.  —  Meine  ersten  beiden  Diners  bei 
Bismarck  1867  u.  die  Annexion  von  Frankfurt  a.  M.  1866  von  Dr.  Christian  Friedrich  Lutteroth 
(1822 — 1896)  zu  Hamburg.  Herausgegeben  von  Ascan  Wilhelm  Lutteroth.  1909.  2.  —  Hannover. 
H  a  h  n'sche  Buchhandlung:  Monumenta  Germaniae  historica.  Legum  sectio  III.  Concilia. 
Tomi  II  pars  iL  —  Legum  Sectio  IV.  Constitutiones  et  acta  publica  imperatorum  et  regum. 
Tomi  IV  partis  posterioris  I.  Hannoverae  et  Lipsiae.  MDCCCCVIII.  4.  —  Willers,  Neue 
Untersuchungen  über  die  römische  Bronzeindustrie  von  Capua  und  von  Niedergermanien  beson- 


—     27     — 

ders  auf  die  Funde  aus  Deutschland  und  dem  Norden  liin.  1907-  4.  —  Jena.  Eugen  Diederichs, 
Verlag:   Goethes  Briefe  an  Charlotte  von  Stein.     1.— 3-   Bd.     Herausgegeben    von    J.    Fränkel. 

1908.8. Gustav  Fischer,  Verlag:  Handwörterbuch  der  Staatswissenschaften.   Herausgegeben 

von  C.  Conrad,  L.  Elster,  W.  Lexis  u.  Edg.  Loening.  111.  Aufl.  I.  Bd.  1909-  8.  —  Regel,  Thü- 
ringen. Ein  geographisches  Handbuch.  I.  — 111.  Teil.  1892.  1894.  1895-  1896.  8.  —  Inns- 
bruck. W  a  g  n  e  r'sche  Universitäts-Buchhandlung:  Atz,  Kunstgeschichte  von  Tirol  und  Vor- 
arlberg. II.  Aufl.  1909.  8.  —  Forschungen  zur  Innern  Geschichte  Österreichs,  herausgegeben 
von  Alfred  Dopsch.  Heft  V,  1.  8.  —  Schissel  von  Fieschenberg,  Die  Rahmenerzählung  in  den 
ephesischen  Geschichten  des  Xenophon  von  Ephesus.  1909.  8.  —  v.  Wieser,  Die  Karten  von 
Amerika  in  dem  Islario  General  des  Alfonso  de  Santa  Cruz.  1908.  2.  —  Kahla  i.  Th.  F.  Beck, 
Hof  buchdruckerei:  Beyer,  Städtisches  Leben  im  16.  Jahrhundert.  Kulturbilder  aus  der  freien 
Bergstadt  Schlackenwald.  Wien.  1904.  8.  —  Karlsruhe.  A  r  c  h  i  v  k  o  m  m  i  s  s  i  0  n:  Chronik 
der  Haupt-  und  Residenzstadt  Karlsruhe  für  das  Jahr  1907.  XXI II.  Jahrgang.  1908.  8.  — 
B  a  d  i  s  c  h  e  historische  Kommission:  Bericht  über  die  27-  Plenarsitzung  der  Badi- 
schen historischen  Kommission.  S.  A.,  aus  der  Zeitschrift  für  die  Geschichte  des  Oberrheins, 
N.  F.  Bd.  XXIV.  8.  —  Neujahrsblätter  der  Badischen  historischen  Kommission.  1909.  8.  — 
Großherzoglich  badisches  Landesarchiv:  Inventare  des  Großherzoglich 
Badischen  Landesarchivs,  III.  1908.  8.  —  Kirchheimbolanden.  E  s  p  e  r,  Regierungsrat:  Eine 
größere  Partie  von  Büchern  und  Broschüren  zur  deutschen  Kolonialgeschichte,  zur  Geschichte 
der  deutschen  Burschenschaft,  zur  süddeutschen  Topographie  etc.  —  Krummau  a.  d.  Moldau. 
A.  M  ö  r  a  t  h,  Fürstlich  Schwarzenbergischer  Archivdirektor:  Ders.,  Die  ,, Exlibris"  und  ,,Super- 
libros"  des  Fürstenhauses  Schwarzenberg  und  die  ,,Superlibros"  des  Fürstenhauses  Eggenberg. 
S.  A.  1908.  8.  —  Leipzig.  Oscar  Brandstetter,  Verlagsbuchhandlung:  Benndorf,  4  Tafeln 
vorgeschichtlicher  Gegenstände  aus  Mitteldeutschland.  —  J.  Haupt,  Verlag:  Flugschriften  aus 
den  ersten  Jahren  der  Reformation.  111,  1—3.  1908.  8.  —  J.  C.  H  i  n  r  i  c  h  s,  Verlagsbuch- 
handlung: Derselbe,  Vierteljahrs- Katalog  der  Neuigkeiten  des  deutschen  Buchhandels.  63.  Jahrg. 
Heft  4.  Oktober  bis  Dezember.  1908.  8.  —  Philipp  Reklam,  Verlag:  Derselbe,  Universalbi- 
bliothek, Nr.  4941—5023  u.  5026—5050.  8.  —  Adalbert  von  Chamissos  Werke.  Herausgegeben 
von  L.  Geiger.  8.  —  B.  G.  Teubner,  Verlagsbuchhandlung:  Aus  Natur  und  Geisteswelt.  Bd. 
182,  215,  230.  8.  —  Beiträge  zur  Kulturgeschichte  des  Mittelalters  und  der  Renaissance.  Heraus- 
gegeben von  W.  Goetz.  1.  u.  II.  1908.  8.  —  Preuß,  Die  Entwicklung  des  deutschen  Städte- 
wesens, 1.  1906.  8.  —  Ouellensammlungen  zur  deutschen  Geschichte:  E.  Bernheim,  Quellen 
zur  Geschichte  des  Investiturstreites,  1907-  I-  u.  IL  Joh.  Haller,  Die  Quellen  zur  Geschichte 
der  Entstehung  des  Kirchenstaates.  1907.  F.  Salomon,  Die  deutschen  Parteiprogramme.  1907. 
I  u.  II.  8.  —  Lübeck.  Lübcke  &Nö  bring,  Buchhandlung:  Das  Museum  zu  Lübeck. 
Festschrift  zur  Erinnerung  an  das  lOOjährige  Bestehen  der  Sammlungen  der  Gesellschaft  zur  Be- 
förderung gemeinnütziger  Tätigkeit.  1900.  8.  —  Marburg.  N.  G.  E  1  w  e  r  t,  Verlagsbuch- 
handlung: Beiträge  zur  deutschen  Literaturwissenschaft.  Herausgegeben  von  Ernst  Elster.  Nr.  1, 
2,  3,  4,  5,  7,  9,  10,  11.  1907  u.  1908.  8.  —  Könnecke,  Deutscher  Literaturkalender. 
Mit  einer  Einführung  von  Christian  Muff.  1909-  2.  —  Memmingen.  Otto,  Verlag:  Ober- 
schwäbische Orts-  und  Flurnamen.  1906.  8.  —  München.  Georg  Hirth,  Kunstverlag: 
Georg  Hirths  Formenschatz.  32.  Jahrg.  1908.  Heft  1  —  12.  4.  —  Albert  Langen,  Verlag: 
Björnstjerne-Björnson,  Gedichte.  Herausgegeben  von  J.  Elias.  1908.  8.  —  Fuchs,  Sittengeschichte. 
Lief.  5,  7,  8,  9,  10.  —  Hausmann,  ,,Im  Tau  der  Orchideen".  Chinesische  Lieder  in  deutschen 
Strophen.  8.  —  Lagerlöf,  Wunderbare  Reise.  11.  Bd.  1909.  8.  —  März,  Jahrg.  1907,  IV.  Bd. 
Jahrg.  19O8,  L— 111.  Bd.  8.  —  Simplicissimus.  Xll,  1  u.  2.  2.  —  Thoma,  Der  heilige  Hies. 
8.  —  Stadt-Archiv:  E.  von  Destouches,  Münchens  Stadtarchiv  und  Stadtchronik.  S.  A. 
München  1908.  8.  —  Vorstand  des  deutschen  Werkbundes:  Die  Verhand- 
lungen des  deutschen  Werkbundes  zu  München  1908  und  Mitgliederverzeichnis.  1908.  8.  — 
Münster  a.  St.  J.  Z  i  m  m  e  r  m  a  n  n,  Pfarrer:  Ders.,  Hausinschriften  im  Kreise  Wetzlar.  S.  A. 
1908.  8.  —  Münster  i.  W.  Coppenra  th'sche  Buchhandlung:  Bödiker,  Das  Herzogliche  Haus 
Arenberg.  1904.  4.  —  Beiträge  zur  Westfälischen  Kunstgeschichte.  Heft  1—3-  1905/6.  8.  — 
Nordhausen.  Felix  Haese,  Professor:  Ders.,  Auszug  aus  der  Geschichte  der  Stadt  Nord- 
hausen.     1908.     8.  —  Nürnberg.      K.    Beißwange  r,    Verlag:     Ders.,    Nürnberger    Chronik 


—     28     — 

Illustrierte  Monatsschrift  für  Nürnbergs  Geschichte,  Kunst  und  Industrie.  I.  Jahrg.,  Heft  l  u.  2. 
1909.  8.  —  Max  Emmerich,  Hofrat:  Die  freie  Presse.  Jahrg.  1848.  Nr.  10.  —  Die  Consti- 
tution. Jahrg.  1848.  Nr.  11.  —  Geschäftsstelle  der  nationalliberalen 
Landespartei:  Dies.,  Korrespondenzblatt  der  nationalliberalen  Landespartei  in  Bayern 
r.  d.  Rh.  IX.  Jahrg.  1908.  4.  —  Naturhis  torische  Gesellsch  aft:  Führer  durch  die  Son- 
derausstellung der  prähistorischen  Abteilung  des  Kgl.  Museums  für  Völkerkunde.  1908.  8.  — 
Heinrich  Schräg,  Hofbuchhandlg. :  Mummenhoff,  Nürnbergs  Ursprung  und  Alter  in  den  Dar- 
stellungen der  Geschichtsschreiber  und  im  Lichte  der  Geschichte.  1908.  8.  —  Stadtmagistrat: 
Ders.,  Voranschlag  für  den  Gemeindehaushalt  der  Stadt  Nürnberg  für  das  Jahr  1909.  1909-  4.  — 
J.  L.  Stich,  Buchdruckerei:  von  Jäger,  Vierzig  Spiele  von  Hans  Sachs.  1908.  8.  —  Seyler, 
Hauptmann  a>  D. :  Ders.,  Die  Houbirg  und  die  Ringwälle  der  böhmischen  Mark.  1909.  8.  — 
Nordbayerischer  Verkehrsverein:  Ders.,  Winter  in  Nordbayern.  O.  J.  8.  —  Ders., 
und  Verschönerungsverein  in  Sulzbach,  Sulzbach  und  der  Oberpfälzer  Jura.  O.  J.  8.  — 
Dr.  Voit:  Ein  Konvolut  hessischer  Mandate  aus  dem  1.  Viertel  des  19-  Jahrhunderts.  2.  — 
Paris.  F.  R.  Martin-Guelliot:  Derselbe,  Collection  de  poupees  en  costumes  populaires. 
1909.  8.  —  Plauen  i.  V.  Karl  Alwin  Knab:  Beilage  1— III,  zu  den  , .Mitteilungen  für 
die  Familie  Knab".  4.  —  Prag.  Carl  Bellmann,  Verlag:  Bergner,  Verzeichnis  der  Gräf- 
lich Nostitzschen  Gemälde-Galerie  zu  Prag.  1905.  8.  —  Prag-Smichow.  H  a  u  f  f  e  n,  Professor: 
Ders.,  Neue  Fischart-Studien.  S.  A.  1908.  8.  —  Przemü.  A.  W  e  i  1  h  e  i  m,  K.  K.  Major: 
Ders.,  Katalog  einer  Wiener  Grillparzer-Sammlung.  1905.  8.  -—  Regensburg.  M  a  n  z,  Ver- 
lag: Herlein,  Das  Dorfleben  in  seiner  geschichtlichen  Entwickelung  1908.  8.  —  Straßburg  i.  E. 
Schlesier  &  Schw  ikhardt:  Folz,  Kaiser  Friedrich  IL  und  Papst  Innocenz  IV. 
1244  u.  1245.  1905.  8.  —  Kern,  Die  Todtentänze  zu  Basel — Kienzheim — Luzern.  1900.  8.  — 
Müller,  Die  elsässischen  Landstände.  1907.  8.  —  Stuttgart.  B  e  1  s  e  r'sche  Verlagsbuchhand- 
lung: von  Bosse,  Das  deutsche  Element  in  den  Vereinigten  Staaten.  19'^'9  8  —  W  Kohl- 
hammer, Verlagsbuchhandlung:  Darstellungen  aus  der  Württembergischen  Geschichte.  Heraus- 
gegeben von  der  Kommission  für  Landesgeschichte.  I II.  Bd.  1909.  8.  —  Steiff,  Geschichtliche  Lieder 
und  Sprüche  Württembergs.  Lief.  6.  1908.  8. —Carl  Kr  ab  be,  Verlag:  Städte  u.  Landschaften. 
(I.  Ruederer,  München.  III.  von  Scholz,  Bodensee.  IV.  Ernst,  Harz.  V.  Schäfer,  Niederrhein. 
VI.  Flake,  Straßburg  und  das  Elsaß.  VII.  Falke,  Hamburg.)  8.  —  Karl  Conrad  Mack:  Ders., 
Die  Oberamts-  und  Seminarstadt  Saulgau  mit  Bezirksgemeinden.  19O8.  8.  —  J.  B.  M  e  t  z  1  e  r, 
Verlagsbuchhandlung:  Krauß,  Das  Stuttgarter  Hoftheater  von  den  ältesten  Zeiten  bis  zur  Gegen- 
wart. 1908.  8.  —  Württembergischer  Geschichts-  und  Altertums- Verein:  Ders., 
Herzog  Karl  Eugen  von  Württemberg.  12.— 14.  Heft.  1909-  '4.  —  Tetschen  (Schloß)  a.  d.  Eger. 
Franz  Thun,  Graf:  Lauger,  Die  Geschichte  der  Familie  Thun  im  dritten  Viertel  des  XV. 
Jahrhunderts.  I.  Teil,  5-  Heft.  Wien.  '1908.  4.  —  Tübingen.  H.  L  a  u  p  p,  Verlag:  Mystifi- 
zinsky,  Faust,  Der  Tragödie  dritter  Teil.  VI.  Aufl.  1907-  8.  —  Dr.  Gustav  Schöttle: 
Ders.,  Das  Münz-  und  Geldwesen  der  Bodenseegegenden,  des  Allgäus  und  des  übrigen  Ober- 
schwabens im  13.  Jahrhundert.  S.A.  4.  —  Unterwindsbach  (Post  Hüttenbach).  L.  Boh- 
ne r,  Gutsverwalter:  Nürnbergisches  Kinderlehr- Büchlein.  Nürnberg.  1749.  8.  —  Weimar. 
H.  Bohl  au,  Verlag:  Zeitschrift  der  Savigny- Stiftung  für  Rechtsgeschichte.  XXIX.  Bd.  8.  — 
Dr.  von  den  Velden:  Ders.,  Das  Kirchenbuch  der  französischen  reformierten  Gemeinde 
zu  Heidelberg  1569—1577  und  Frankenthal  in  der  Pfalz  1577— l59ö.  8.  —  Wien.  Direktion 
des  K.  K.  Kriegsarchivs:  Mitteilungen  des  K.  K.  Kriegsarchivs.  III.  Folge,  6.  Bd. 
1909.  8.  —  Veltze,  Erzherzog  Johanns  „Feldzugserzählung".  1908.  1909.  8.—  K.  K.  Oberst- 
Kämmererstab:  Jahrbuch  der  kunsthistorischen  Sammlungen  des  allerhöchsten  Kaiser- 
hauses, XXVII,  5.  2.  —  Dr.  G.  L  0  e  s  c  h  e,  Professor,  K.  K.  Hofrat:  Ders.,  Monumenta 
Austriae  Evangelica.  Tübingen.  1909.  8.  —  Rosa  Wimpffen:  List,  Die  Rita  der  Ario- 
Germanen.  1908.  8.  —  W  i  1  c  z  e  k,  Graf:  Ders.,  Meine  Ansichten  über  Konservierung  und 
Restaurierung  alter  Kunstwerke.  1908.  8.  —  Ders.,  Erinnerungen  eines  Waffensamnilers. 
2.  Aufl.  1908.  4.  —  Würzburg.  Gesellschaft  für  Fränkische  Geschichte: 
Neujahrsblätter.  Bd.  IV:  Helmes,  Aus  der  Geschichte  der  Würzburger  Truppen  (1628 — 1802). 
1909.  8.  —  Herzers  Buchhandlung  (Gebrüder  Perschmann):  Perschmann,  Das 
Taubertal  von  Wertheim  bis  Rothenburg.    1907.    8.  —  F.  Jos.  Lang,   Kommerzienrat:   Ders., 


—    29    — 

Aus    Frankens    Urzeit.      1905-     8.  —    S  t  ü  r  t  z,    Universitiitsdruckerei:    Henner,    Altfränkische 
Bilder.      1909.    2.  — 

Ankäufe: 

Aimaniich,  Welt-Sitten-Statt-Marter-Calender,  Gerichtet  auf  alle  Schalt-Jahr.  O.  O.  u. 
0.  J.  8.  —  Leonis  Baptistae  Alberti  Florentini  viri  clarissimi  Libri  de  re  aedificatoria  decem. 
1512.  8.  —  Confessio  fidei  exhibita  invictiss.  Imp.  Carolo  V.  Caesari  Augustae  in  Comiciis 
Augustae.  Anno  MD  XXX.  Vitebergae.  1540.  8.  —  Leon  Batista  Alberti,  L'Architettura, 
tradotta  in  lingua  Fiorentina  da  Cosimo  Bartoli  Gentil'huomo  et  Accademico  Fiorentino.  In  Firenze, 
Torrentino.  1550.  2.  —  Policeyordnung,  Des  loeblichen  Frenckischen  Reichskraiß  verainte 
und  verglichne  Policeyordnung  .  .  .  Abgehandelt  zu  Nürnberg  den  12  May.  Anno  72.  Gedruckt 
zu  Nürnberg  1572.  2.  —  Ein  Tractätlein,  genannt  Zäch-Bruder-Spiegel.  0.  O.  1654.  8.  — 
Recess  der  löblichen  Meltzer-Brawer  Zunft  Alter  Stadt  Elbing.  Hdschr.  1685 — 1705.  2.  — 
Abraham  a.  S.  Clara,  Judas  der  Ertz-Schelm  für  ehrliche  Leuth.  1688.  8.  —  Das  verfluchte 
Heilige  Allmosen,  welches  zum  Deckmantel  der  schaendlichen  Betteley,  die  als  ein  Fluch  des 
Landes  sich  täglich  weiter  ausbreitet,  gemißbrauchet  wird.  1710.  8.  —  Gleim,  Preußische 
Kriegslieder  m  den  Feldzügen  1756  u.  1757  von  einem  Grenadier.  Berlin  (1758).  8.  — 
Nicolai,  Friedrich,  Das  Leben  und  die  Meinungen  des  Herrn  Magister  Sebaldus  Rothanker.  Berlin 
u.  Stettin.  1774.  8.  —  Nicolai,  Ludwig  Heinrich,  Vermischte  Gedichte.  Berlin  u.  Stettin. 
1778.  8.  —  Leben  und  Meynungen  des  Till  Eulenspiegel.  Volksroman.  1779-  8.  —  Rauten- 
strauch, Oesterreichische  Kriegslieder.  Wien.  1779.  8.  —  Die  Regierung  des  Hanswurstes. 
Eine  Komödie  aus  dem  vorigen  Jahrhundert.  Salzburg.  1786.  8.  —  Satyren  eines  Kapuziners 
über  sein  Zeitalter.  Wien.  1789.  8.  —  Statuten  der  Treude,  ihren  Priestern  u.  Priesterinnen 
gewidmet.  1794.  8.  —  Berlinisches  Archiv  der  Zeit  und  ihres  Geschmacks.  Jahrgang  1795. 
1795-  8.  —  Nicolai,  Friedrich,  Anekdoten  von  König  Friedrich  IL  von  Preußen,  und  von  einigen 
Personen,  die  um  Ihn  waren.  Berlin  u.  Leipzig.  1797-  8.  —  Toilettenphilosophie.  Neues 
Krebsbüchlein  für  Damen.  Leipzig.  1798.  8.  —  Nicolai,  Friedrich,  Der  Bouillotenleuchter. 
Eine  Goldgrube  der  Pariser  Damen  vom  Ton.  Berlin.  18OO.  8.  —  Ernst  Moritz  Arndt,  Der 
Rhein.  Teutschlands  Strom  aber  nicht  Teutschlands  Grenze.  Leipzig.  1813.  8.  —  Gräffer, 
Franz.  Historische  Raritäten.  Leipzig.  1814.  8  —  Die  Dichter  des  deutschen  Volkes,  Album 
des  Gediegensten  u.  Ausgezeichnetsten  aus  den  Werken  deutscher  Dichter.  Illustriert  mit  Origi- 
nalzeichnungen deutscher  Künstler.  Berlin.  1846.  4.  —  Argo,  Album  für  Kunst  und  Dich- 
tung herausgegeben  von  Fr.  Eggers,  Th.  Hosemann  u.  B.  von  Lepel.  1858  4.  —  Ludwig  Richter, 
Aus  dem  Volksleben  Ernst  und  Scherz.  In  Holzschnitten  von  Ludwig  Richter.  Herausgegeben 
von  Georg  Scherer.  1877.  4.  —  Verein  Berliner  Künstler,  Festschrift  zur  Feier  seines  fünfzig- 
jährigen Bestehens  19.  Mai  1891-  4.  —  Johann  Caspar  Lavater,  Physiognomische  Fragmente 
zur  Beförderung  der  Menschenkenntnis  und  Menschenliebe.     1775/78.    4.     Lief.  1—20.     19O8.  — 

Heyer  von  Rosenfeldsche  Stiftung.  Archiv  für  Stamm-  und  Wappenkunde.  Wappenbilder. 
Serie  II  32,  33.  III.  73—77.  IV  44—46.  8.  —  von  Bardeleben,  Die  Königlich  preußischen 
Genealogischen  Kalender  von  1724 — 1850.  8.  —  Chur-Bayrisch-Geistlicher  Calender  auf  das 
Jahr  MDCCLI III.  1754.  8.  —  Hochzeitsgedicht  auf  das  Andersonsche  und  Mattfeldtsche  Hoch- 
zeitsfest. Hamburg  am  13.  May  1749.  2.  Auf  rosa  Seide  gedruckt.  Vgl.  Abb.  6  und  die 
Vignette  am  Schluß  dieser  Nr.  des  Anzeigers.  —  Leben  und  Abenteuer  des  schlesischen  Ritters  Hans 
von  Schweinichen.  Von  ihm  selbst  aufgesetzt  und  herausgegeben  von  Professor  Büsching.  Leipzig. 
1823.  8.  —  Körner,  Genealogisches  Handbuch.  15.  Bd.  8.  —  Kürschners  deutscher  Literatur- 
Kalender  auf  das  Jahr  1909-  8.  —  Pazaurek,  Franz  Anton  Reichsgraf  von  Sporck,  ein  Mäcen 
der  Barockzeit,  und  seine  Lieblingsschöpfung  Kukus.  1901.  2.  —  Scheffner,  Johann  George, 
Mein  Leben,  wie  ich  Johann  George  Scheffner  es  selbst  beschrieben.  Königsberg  u.  Leipzig.  1821 
u.  1823.  8.  —  Derselbe,  Nachlieferungen  zu  meinen  Leben.  Leipzig.  1884.  8.  —  Genealog.- 
statistische  Taschenbücher  für  1908.  (  Hofkalender,  Gräfliches  Taschenbuch,  Freiherrliches  Taschen- 
buch, Uradeliges  Taschenbuch,  Brief  adeliges  Taschenbuch.)  1908.  8.  —  Rietstap,  Armorial 
general.  Fase.  41,  42,  43.  4.  —  Weizsäcker  &  Desoff,  Kunst  und  Künstler  in  Frankfurt  a.  M.  im  19. 
Jahrhundert.  II.  Bd.  1909.  8.  —  Wurzbach,  Alfred  von.  Niederländisches  Künstler-Lexikon. 
11.   Bd.  9-   Lief.     1909.     8. 


—    30    — 

Korpsstudentische  Stiftung.  Christophorus  Stummelius,  Studentes,  Comoedia  de  vita 
Studiosorum.  Coloniae.  MDXCIII.  8.  —  Vernünftiges  Studenten-Leben,  welches  zeiget,  Was 
sowol  ein  Candidatus  Acadeniiae,  als  auch  ein  würcklicher  Studiosus  bey  dem  Anfang,  Fortgang 
und  Ende  seiner  Academischen  Jahre  zu  thun  und  zu  lassen  hat.     Jena.     1726.     8.  — 

Denkmäler  der  Heill^unde.  Francisci  Mauriceau,  Chirurg.  Paris.  Tractat  von  Kranckheiten 
schwangerer  und  gebärender  Weibspersonen.  Basel.  1680.  4.  —  J.  C  W.  Moehsen.,  Beschrei- 
bung einer  Berlinischen  Medaillen- Sammlung,  die  vorzüglich  aus  Gedächtnis-Medaillen  berühmter 
Ärzte  bestehet.  Berlin  u.  Leipzig.  1773.  4.  —  Krauß,  Anthropophyteia.  V.  Bd.  1908.  8.  — 
Sticker,  Abhandlungen  aus  der  Seuchengeschichte  und  Seuchenlehre.  I,  1.  Die  Geschichte  der 
Pest.     1908.     8. 

(1.  April  bis  .30.  Juni.) 
Geschenke. 

Aachen.  Dr.  Joseph  Drecker.  Professor:  Derselbe,  Gnomone  und  Sonnenuhren. 
1909.  8.  —  Almerswind  b.  Schalkau  (S.-M.).  Rudolf  von  Enckevort,  Kammerherr 
und  Oberstleutnant  a.  D.:  Derselbe,  Geschichtliche  Nachrichten  über  die  Familie  von  Enckevort. 

1908.  8.  —  Barmen.      Albert    Molineus:     Derselbe,    Geschichte  der   Familie  Molineus. 

1909.  4.  —  Basel.       G  e  w  e  r  b  e  -  M  u  s  e  u  m:     Jahresbericht    des    Gewerbe-Museums    Basel, 

1908.  1909-  8.  —  Berlin.  Königliche  Bibliothek:  Luther,  Auslegung  des  Römer- 
briefes 1515—1516.  Autograph  der  Kgl.  Bibliothek  zu  Berlin  Ms.  theol.  lat.  qu.  21  in  Licht- 
druck, hergestellt  von  Ficker.  4.  —  Königlich  Preußisches  Ministerium  der 
öffentlichen  Arbeiten:  Untersuchung  des  Domes  in  Königsberg  i.  Pr.,  auf  Senkungs- 
erscheinungen. 1909.  8.  —  Königliches  Ministerium  für  Handel  und  Ge- 
werbe: Jahresberichte-  der  Königlich  Preußischen  Regierungs-  und  Gewerberäte  und  Berg- 
behörden für  1908.  1908.  8.  —  Direktion  des  Märkischen  Museums:  Führer 
durch  das  Märkische  Museum.  V.  Aufl.  1909.  8.  —  Kaiserliche  N  0  r  m  a  1  -  E  i  c  h  u  n  g  s- 
k  0  m  m  i  s  s  i  o  n:    Dieselbe,  Tafel  zur  Vergleichung  der  Angaben  der  eichfähigen  Getreideprober. 

1909.  8.  —  Generaldirektion  der  König  1.  preußischen  Museen:  Jahr- 
buch der  Königlich  preußischen  Kunstsammlungen.  XXX.  Bd.,  II.  Heft.  1909.  2.  —  Reichs- 
amt  des  Innern:  Bericht  über  die  Tätigkeit  der  Provinzialkommission  für  Denkmalpflege 
und  des  Provinzialkonservators  in  der  Provinz  Brandenburg  in  den  Jahren  1904  bis  1907.  1909. 
4.  —  F.  Rathgen:  Derselbe,  Luftdichte  Museumsschränke.  S.-A.  1909-  4.  —  Karl 
Schnabel,  Verlag:  Brunner,  Die  Lehre  von  den  Geistigen  und  vom  Volke.  1908.  8.  — 
H.  J.  A.  Seiler:  CoUoquia  oder  Christliche  Nützhche  Tischreden  Doctoris  Martini  Lutheri. 
Leipzig.  1577-  2.  —  Bielefeld.  Velhagen  und  K  1  a  s  i  n  g:  Künstler-Monographien, 
Bd.  96:  Gronau,  Die  Künstlerfamilie  Bellini.  1909.  8.  —  Monographien  zur  Weltgeschichte 
hrgg.  von  Heyck,  Bd.  29:  Luther.  1909.  8.  —  Bremen.  G  e  w  e  r  b  e  m  u  s  e  u  m:  Jahresbericht 
des  Vereins  für  niedersächsiches  Volkstum.  II  1907.  111  1908.  8.  —  Chicago.  Carl  Netschert: 
Douai,  Das  republikanische  A.  B.  C  1848.  8.  —  Weihnachtsgabe  für  deutsche  Demokraten. 
Herausgegeben  von  Gustav  Liebert  u.  Carl  Parucker.  1850.  8.  —  Deutsches  Noth-  und  Hilfs- 
büchlein. 1844.  8.  —  Schmid,  Deutscher  Arbeiter- Katechismus.  1848.  8.  —  Verfassung 
des  Deutschen  Reichs.  l849-  8.  —  Dorpat.  Richard  Hausmann:  Derselbe,  Über- 
sicht über  die  archäologische  Forschung  in  den  Ostseeprovinzen  im  letzten  Jahrzehnt.  Riga. 
1908.  8.  —  Dresden.  Kgl.  Sächsisches  Ministerium  des  Innern:  Bericht 
der  Kommission  zur  Erhaltung  der  Kunstdenkmäler  im  Königreich  Sachsen.  Tätigkeit  in  den 
Jahren  1906,  1907  und  1908.  8.  —  Düsseldorf.  Landes-  und  S  t  a  d  t  -  B  i  b  1  i  o  t  h  e  k: 
Dieselbe,  4.  Jahresbericht  1907/8.  1908.  4  —  Kunstgewerbe-Museum  in  Düsseldorf:  Aus- 
stellung von  Vorbildern  für  kirchliche  Kunst.  16.  Aug.  bis  30.  Sept.  1908.  8.  —  Elberfeld. 
Dr.  Ernst  Scheibe:  Derselbe,  Studien  zur  Nürnberger  Waffenindustrie  von  1450 — 1550. 
1908.  8.  —  Essen.  Verwaltung  der  K  r  u  p  p's  c  h  e  n  B  ü  c  h  e  r  h  a  1 1  e:  Die  Krupp- 
sche Bücherhalle  in  Essen- Ruhr.  S.-A.  1909.  8.  —  Florenz.  Pas  quäle  Villari:  Ders., 
Lamberto  Loria,  Come  e  sorto  il  museo  di  etnografia  Italiana  in  Firenze.  —  Per  una  esposizione 
di  etnografia  Italiana  in  Roma  nel  1911.  1908.  —  Caltagirone.  1907-  8.  —  Frankfurt  a.  M 
Israelitische    Gemeinde    Philanthropin:    Programm  der  Realschule  der  Israeli. 


—     31     — 

tischen  Gemeinde  Philantlirnpin  zu  Frankfurt  a.  M.     1909.    4.  —  Heinricli    Keller,  Ver- 
lag:  Hottenroth,  Deutsche  Volkstrachten.     III.     1902.     8.  —  Kempf,  Dorfwanderungen.     1904. 

8.  Luthmer,  Malerische   Innenräume.     IV.     2.  —   Riegel,   Die  bildenden   Künste.      IV.    Aufl. 

1395.  8.  —  Verein  für  das  historische  Museum:  31.  Jahresbericht  des  Vereins 
für  das  Historische  Museum  zu  Frankfurt '  a.  AI.  190S.  8.  —  Verein  „Schnörkel": 
Jahresbericht  über  das  22.  Vereinsjahr  vom  1.  April  19üS  bis  31-  März  1909.  8.  —  Frauenfeld 
(i.  Schw.).  Huber&Cie.,  Verlag:  Schweizerisches  Idiotikon.  Wörterbuch  der  Schweizerdeutschen 
Sprache.  LXill.  Heft,  Bd.  VI.  Bogen  109— 118.  1908.  4.  —  Halle.  Buchhandlung 
des  Waisenhauses:  Zeitschrift  für  deutsche  Philologie.  Bd.  33—40.  8.  —  Hamburg. 
Dr.  H.  Stierling:  Derselbe,  Die  Sebalduskirche  in  Nürnberg.  Stuttgart.  1909.  8.  — 
Hersbruck.  Konrad  Schramm:  Ireneus,  Wasserspiegel.  Eisleben.  1566.  8.  —  Kriegs- 
und Siegeskalender  auf  das  Jahr  1751-  8.  —  Marschalck,  Johannes,  Chymische  Artzney-  und 
Werck-Schule.  1672.  8.  —  Kaiserslautern.  Pfälzisches  G  e  w  e  r  b  e  m  u  s  e  u  m:  Be- 
richt des  pfälzischen  Gewerbemuseums  für  das  Jahr  1908.  1909.  8.  —  Karlsbad.  J.  H  o  f- 
man  n,  Fachlehrer:  Derselbe,  Die  Nordwestböhmische  Volkstracht  im  XIX.  Jahrhundert,  unter 
besonderer  Berücksichtigung  der  des  Elbogner  Kreises.  1908.  4.  —  Karlsruhe.  Direktion 
der  Großherzoglich  Badischen  Baugewerkschule:  Dieselbe,  Ferienarbeiten 
der  Gewerbe-Lehrer-Abteilung.  Wintersemester  1908/9.  2.  —  Badische  Historische 
Kommission:  Fünfundzwanzig  Jahre  der  Badischen  Historischen  Kommission.  Heidelberg. 
1909.  8.  —  Kiel.  R.  E.  Schmedtto.  Apotheker:  Hamburgische  Pharmakopoe.  1845-  8.  — 
Kopenhagen.  Dänisches  N  a  t  i  o  n  a  1  m  u  s  e  u  m:  Drikkehorn  og  Sölvtöj  fra  middel- 
alder  og  renaissance  udgivet  af  Nationalmuseets  anden  afdeling  ved  Jörgen  Olrik.  Kopenhagen 
1909.  2.  —  Kronach.  H  u  m  m  e  1,  Postsekretär:  Heimatklänge  vom  Frankenwald.  Gratis- 
beilage zur  ..Fränkischen  Presse".  Jahrg.  I  — III.  1905,  1906,  1907-  4.  —  Kulmbach.  L.  R. 
S  p  i  t  z  e  n  p  f  e  i  1,  Lehrer  a.  D. :  Derselbe,  St.  Petrikirche  in  Kulmbach.  6  Heimatschutzkarten. 
Mit  Te.xt.  1909.  8.  —  Langebrück  b.  Dresden.  Max  Adolf  Weißker:  Derselbe,  Bei- 
träge zur  Geschichte  und  Genealogie  der  Familie  Weißker.  II.  Bd.  1909.  8.  —  Leipzig.  F.  A. 
B  r  o  c  k  h  a  u  s.  Verlag:  Eckermann,  Gespräche  mit  Goethe  in  den  letzten  Jahren  seines 
Lebens.  IX.  Aufl.  Neu  herausgegeben  von  H.  H.  Houben.  1909.  8.  —  C.  L.  Hirsch- 
feld, Verlagsbuchhandlung:  Hauptwerke  des  Sozialismus  und  der  Sozialpolitik.  Herausgegeben 
von  Georg  Adler.  9.  Heft.  Enrico  Ferri,  Die  revolutionäre  Methode.  Aus  dem  Italienischen 
übersetzt  und  mit  Anmerkungen  versehen  von  Robert  Michels.  Leipzig  1908.  8.  —  Köhler, 
Problematisches  zu  Friedrich  List,  mit  Anhang:  Lists  Briefe  aus  Amerika  in  deutscher  Über- 
setzung. 1908.  8.  —  Lifschitz,  Untersuchungen  über  die  Methodologie  der  Wirtschafts- 
wissenschaft. 1909.  8.  —  Martin,  Die  Zukunft  Deutschlands.  1908.  8.  —  Saupe,  Das 
Erbscheinverfahren  nach  dem  Bürgerlichen  Gesetzbuche.  1908.  8.  —  Wolf,  Die  Reichs- 
finanzreform und  ihr  Zusammenhang  mit  Deutschlands  Volks-  und  Weltwirtschaft.  1909.  8.  — 
Friedrich  Jansa,  Verlag:  Vom  Christlichen  abschied  aus  diesem  tödlichen  leben 
des  Eiirwürdigen  Herrn  Dr.  Martini  Lutheri,  bericht  durch  D.  Justum  Jonam  M.  Michaelem 
Celium.  .  .  .  Gedruckt  zu  Wittenberg  durch  Georgen  Rhaw.  Anno  MD  XL  VI.  Neudruck. 
1909.  8.  —  Stadt  Leipzig:  Verwaltungsbericht  des  Rates  der  Stadt  Leipzig  für  das  Jahr 
1907.  8.  —  Leo  W  ö  r  1,  Verlagsbuchhandlung:  Illustrierter  Führer  durch  Nürnberg. 
XXVII.  Aufl.  8.  —  Linz  a.  D.  A.  M.  P  a  c  h  i  n  g  e  r:  Derselbe,  Krankheitspatrone  auf 
Heiligenbildern.  S.-A.  1909.  8.  —  Derselbe,  Aus  der  Kinderstube  der  Luftschiffahrt.  1909. 
8.  —  Freifäulein  A.  von  Zotel:  Illustriertes  Magazin  begleitet  von  der  Schnellpost  der 
Moden.  Herausgegeben  von  F.  A.  Wiese.  Jahrg.  1847  u.  1849-  8.  —  London.  E.  G.  R  a  v  e  n- 
stein:  Derselbe,  Martin  Behaim,  bis  life  and  his  globe.  1908.  2.  —  Mannheim.  Ernst 
Bassermann:  Bassermann'sche  Familien-Nachrichten.  Herausgegeben  von  Ernst  u.  Kurt 
Bassermann.  Heft  3-  1909-  4.  —  Marburg.  Bibliothek  des  Verbandes  alter 
Korpsstudenten:  Katalog  der  Bibliothek  des  Verbandes  alter  Korpsstudenten.  1909. 
8.  —  Meißen.  Joseph  Schattier,  Architekt:  Veröffentlichungen  des  Meißner  Dom- 
bauvereins. III  u.  IV.  1908.  4.  —  Metz.  Museum  der  Stadt:  Bericht  über  die 
Sammlungen  für  das  Rechnungsjahr  1907.  Von  Museumsdirektor  Prof.  Keane.  1909.  4.  — 
München.      Das    Großkanzleramt    des    Kgl.     Bayer.     Haus-Ritterordens 


—     32     — 

vom  hl.  Georg:  Mitglieder- Verzeichnis  des  Königl.  Bayer.  Haus- Ritter-Ordens  vom  hl. 
Georg  nach  dem  Stande  vom  22.  April  1909.  8.  —  Direktion  der  Königl.  Hof- 
und  Staatsbibliothek:  Catalogus  codicum  manu  scriptorum  bibliothecae  regiae  Mona- 
censis  Tomi  I.  pars  V:  Die  Sanskrit- Handschriften  der  Kgl.  Hof-  und  Staats- Bibliothek  in  München, 
beschrieben  von  Theodor  Aufrecht.  1909-  8.  —  Albert  Langen,  Verlag:  Fuchs,  Illu- 
strierte Sittengeschichte.  Bd.  I.  Lief.  11—18.  4.  —  L  e  n  t  n  e  r'sche  Buchhandlung: 
Veröffentlichungen  aus  dem  Kirchenhistorischen  Seminar  München.  III.  Reihe  Nr.  5.  1909. 
8.  —  Historisches  Museum:  Historische  Ausstellung  der  Stadt  München,  veranstaltet 
aus  der  Maillinger-Sammlung.  I X.  1909.  8.  —  Rudolf  Arthur  Peltzer,  Assessor 
a.  D. :  Derselbe,  Geschichte  der  Messingindustrie  und  der  künstlerischen  Arbeiten  in  Messing  in 
Aachen  und  den  Ländern  zwischen  Maas  und  Rhein  von  der  Römerzeit  bis  zur  Gegenwart.  1909. 
8.  —  Nachlaß  Alwin  Schultz:  Derselbe,  Das  höfische  Leben  zur  Zeit  der  Minnesänger. 
1879/80.  8.  —  Derselbe,  Das  höfische  Leben  zur  Zeit  der  Minnesänger.  II.  Aufl.  1889.  8.  — 
Derse.be,  Das  häusliche  Leben  der  europäischen  Kulturvölker.  1903.  8.  —  Derselbe,  Urkundliche 
Geschichte  der  Breslauer  Maler-Innung  in  den  Jahren  1345 — 1523.  1866.  8.  —  Derselbe,  Die 
Breslauer  Maler  des  16.  Jahrhunderts.  S.-A.  8.  —  Derselbe,  Untersuchungen  zur  Geschichte 
der  Schlesischen  Maler  (1500— 1800).  1882.  8.  —  Derselbe,  Kunst  und  Kunstgeschichte.  1884. 
8.  —  Zum  25jährigen  Bestehen  der  Modenwelt  1865— 1890.  O.  V.  1890.  8.  —  Illustrierte 
Kataloge  der  59-  u.  63.  Jahres-Ausstellung  des  Kunstvereins  für  Böhmen  und  Prag  1898  u.  1902. 
8.  —  de  Bruyn,  Costumes  civils  et  militaires  du  XVI.  siecle.  I872.  2.  —  17  Skizzenbücher, 
und  Manuskripte  von  Alwin  Schultz.  —  Die  Dinskuren,  Deutsche  Kunstzeitung.  V.  Jahrgang. 
1860.  4.  —  European  pictures  of  the  year.  1894.  2.  —  Ubiory  ludu  Polskiego,  Zeszyt  I.  2.  — 
Sprawozdania  komisyi  do  Badania  Historyi  Sztukiw  Polsce.  VII,  4.  1905.  2.  —  Derselbe, 
Die  Legende  vom  Leben  der  Jungfrau  Maria  .  .  .  1878.  8.  —  Derselbe.  Über  Bau  und  Ein- 
richtungen der  Hofburgen  des  Xll.  u.  XIII.  Jahrhunderts.  1862.  8.  —  New  York.  New- 
York  Public  Library:  German  American  Researches,  The  growth  of  the  Ger- 
man  American  Collection  of  the  New  York  public  library  during  1906 — 1907.  Deutsch-Amerika- 
nische Forschungen,  Wachstum  und  Benutzung  der  Deutsch-Amerikanischen  Sammlung  der 
New  York  Public  Library  während  1906/1907  und  anderes  Deutsch-Amerikanisches  aus  der 
genannten  Bibliothek.  1908.  8.  —  Nürnberg.  Marianne  Meißner,  Privatiere:  Franz 
Beier,  Hector  Berlioz  und  seine  ,, Verdammung  Fausts".  Cassel.  1894.  8.  —  Calderons  größte 
Dramen  religiösen  Inhalts.  Aus  dem  Spanischen  übersetzt  von  F.  Lorinser.  Bd.  VI  u.  VII.  1876. 
8.  —  Carus,  Mnemosyne.  i848.  8.  —  C.  W.  Contessa,  Schriften.  Herausgegeben  von 
E.  von  Houwald.  Leipzig.  1826.  8.  —  Dante  Alighiere,  Die  göttliche  Komödie.  Aus  dem 
Itahenischen  übersetzt  und  erklärt  von  Karl  Ludwig  Kannegießer.  IV.  Aufl.  Leipzig.  1843- 
8.  —  Die  Edda,  Götterlieder  und  Heldenlieder.  Aus  dem  Altnordischen  von  Hans  von  Wolzogen. 
O.  J.  8.  —  Hermann  Geiger,  Lydia.  l857-  8.  —  Melitta.  Eine  auserlesene  Sammlung  von 
Erzählungen,  Gedichten,  Geschichten  usw.  von  F.  W.  Jaeger.  O.  J.  8.  —  Ricordo  d'ami- 
cizia.  Milano.  O.  J.  8.  —  C.  F.  Scherenberg,  Gedichte.  II.  Aufl.  1850.  8.  —  Georg  Scheur- 
lin,  Edwin  1869.  8.  —  Georg  Scheurlin,  Heideblumen.  Heidelberg.  1858.  8.  —  R. 
Töpffer,  Rosa  und  Gertrud.  Aus  dem  Leben  eines  Genfer  Geistlichen.  Berlin.  1846.  8.  — 
Georg  Möring:  Zwei  medizinische  Werke  (in  einem  Band).  Anfang  des  17.  Jahrh.  8.  — 
Nordbayerischer  Verkehrsverein:  Amberg  und  seine  Umgebung.  Heraus- 
gegeben vom  Verschönerungsverein  Amberg  und  dem  Nordbayerischen  Verkehrsverein  in  Nürn- 
berg. 1909.  8.  —  Nürnberg  des  Deutschen  Reiches  Schatzkästlein.  Herausgegeben  vom  Fremden- 
verkehrsverein. II.  Aufl.  1909.  8.  —  Nürnberg,  Führer  und  Ratgeber  zur  Ansiedelung.  Heraus- 
gegeben vom  Fremdenverkehrsverein.  1909.  8.  —  Pilsen.  Westböhmisches  Kunst- 
gewerbemuseum: Photographie  des  Epitaphium  Griesbeck  und  der  dabei  gefundenen 
Urkunde  in  Kralowitz  (1593).  —  Plauen  i.  V  :  Gymnasium:  Dasselbe,  XX.  Jahresbericht 
des  Königl.  Gymnasiums  zu  Plauen  i.  V.  über  das  Schuljahr  1 908 /l 909,  mit  Programm.  4.  — 
Prag.  Adalbert  Freiherr  von  Lanna:  Derselbe,  Sammlung  Lanna.  Prag.  1909- 
2.  I.  Bd.  —  Rathsberg.  Beck  (Brüder):  Eine  Anzahl  von  Druckschriften  betreffend  die  Ge- 
schichte des  Germanischen  Museums.  —  Regensburg.  G.  Anton  Weber:  Dürers  Italie- 
nische   Reise.     S.-A.     8.  —  Schwabach.     C.   D  ü  r  i  g,  Oberlandesgerichtsiat:    Des  hochlöblichen 


—     33    — 

Stiffts  Würtzburg  und  Hertzogtums  zu  Francken  Kayserliche  Land-Gerichts-Ordnung.  Würtz- 
burg.  1 733.  2.  —  Stuttgart.  König  1.  Zentralstelle  für  Gewerbe  und  Handel: 
Katalog  der  Bibliothek  der  Königlichen  Zentralstelle  für  Gewerbe  und  Handel.  1909.  8.  — 
W.  K  o  h  1  h  a  m  m  e  r,  Verlag:  Alberti  &  ,Schön,  Württembergisches  Adels-  und  Wappenbuch. 
12.  Heft.  1909.  4.  —  Königliches  Landesgewerbe-Museum:  Bericht  über 
das  Jahr  1908.  8.  —  Münzkabinet:  Deutsche  Renaissance-Medaillen.  Katalog  der  Aus- 
stellung deutscher  Renaissance-Medaillen.  Herausgegeben  von  J.  Ebner.  1909.  8.  —  Wert- 
heim.  Historischer  Verein  Alt-Wertheim:  Derselbe,  Jahresbericht  für  das 
Jahr  1908.  1908.  8.  —  Wien.  K.  Ad.  Freiherr  von  Bachofen:  Derselbe,  Familien- 
bilder der  Bachofen  von  Echt.  2.  Mappe.  4.  —  Hauptleitung  des  Verbandes 
alter  Burschenschafter  Österreichs:  Dieselbe,  Handbuch  für  den  deutschen 
Burschenschafter  Österreichs.  1908.  8.  —  K.  K.  Oberst-Kämmererstab:  Jahrbuch 
der  kunsthistorischen  Sammlungen  des  allerhöchsten  Kaiserhauses.  Bd.  XXVIIl.  Heft  1.  1909. 
2.  —  Guido  von  List-Gesellschaft:  Guido  List-Bücherei.  1,  4.  1909-  2.  — 
Wismar.    H  i  n  s  t  0  r  f  fsche  Verlagsbuchhandlung:  Schierholz,  Die  Örtlichkeit  der  Varus-Schlacht. 

1908.  8,  —  Würzburg,  Gesellschaft  für  fränkische  Geschichte:  Vierter 
Jahresbericht  der  Gesellschaft  für  Fränkische  Geschichte  für  das  Jahr  1908.     8. 

Ankäufe: 
Statuta  Capituli  Munerstadt.  1460.  40.  Hs.  —  Newe  Zeyttung  vnd  Wunderpredigt: 
Dadurch  ein  Arme  einfaltige  verachte  Junckfraw,  One  gefehr  XVII  Jhar  alt,  alle  Stende  zur  Busse 
vnd  Besserung  ires  sündlichen  lebens  vermanet  hat.  Geschehen  zu  Freibergk  in  .fVleißen  den 
17.  May  Anno  1560.  Mit  einer  Vorrede  Hieronimi  Welleri.  1560.  80.  —  Valentinus  Boltze, 
Illuminierbuch.  MDLXVI.  8.  —  Philemerus  Irenicus  Elisius,  Diarium  Europaeum  1659  bis  168O. 
31  Bde.  8.  —  Historisch-politische  Blätter,  Bd.  1—116,  mit  drei  Registerbänden.  8.  — Mook, 
Hinrichtung  des  Stadtesels  von  Nürnberg.  1872.  8.  —  Rahn,  Geschichte  der  bildenden  Künste 
in  der  Schweiz.  1875/76.  8.  —  Keppler,  Württembergs  kirchliche  Kunstaltertümer.  Rotten- 
burg, 1888.  8.  —  Luthmer,  Der  Schatz  des  Freiherrn  Karl  v.  Rothschild.  IL  Serie.  Frank- 
furt, 1885-  2.  —  Ohlenschlager,  Prähistorische  Karte  von  Bayern.  15  Blätter  mit  Erläuterungen. 
München,  1891-  —  Zell,  Bauern-Häuser  und  volkstümliche  Hausmalereien  im  Bayerischen  Hoch- 
land. Frankfurt,  1900.  2.  —  Pellehn,  Der  Pantograph,  1603— 1903-  S.-A.  1903.  —  Corell, 
Brunnen  aus  Tirol,  Vorarlberg  und  Salzburg.  Frankfurt,  1907.  4.  ^  Hofstede  de  Groot,  Be- 
schreibung und  kritisches  Verzeichnis  der  Werke  der  hervorragendsten  holländischen  Maler  des 
XVIII.  Jahrhunderts.  Eßlingen,  1907.  8.  —  Leisching,  Figurale  Holzplastik.  I.  Bd.:  Wiener 
Privatbesitz.  Kirchliche  und  profane  Schnitzwerke.  1908.  2.  —  Zentralblatt  für  kunstwissen- 
schaftliche Literatur  und  Bibliographie.  1.  Jahrg.  1908.  8.  —  Das  Königl.  Preußische  Kriegs- 
ministerium 1809/1909.  Hrsgg.  V.  Kriegsministerium.  1909.  4.  —  Einblattdrucke  des  XV.  Jahr- 
hunderts. Hrsgg.  von  Paul  Heitz:  Clauß,  Holz-  und  Metallschnitte  des  XV.  Jahrh.  aus  den 
Stadtbibliotheken  zu  Colmar  und  Schlettstadt.  Straßburg,  1909.  2.  —  Einblattdrucke  des 
XV.  Jahrhunderts.  Hrsgg.  von  Paul  Heitz:  Schmidbauer,  Einzel- Formschnitte  des  XV.  Jahr- 
hunderts in  der  Staats-,  Kreis-  und  Stadtbibliothek  Augsburg.  Straßburg,  1909.  2.  —  Ex- 
libris, Zeitschrift  für  Bücherzeichen,  Bibliothekenkunde  und  Gelehrtengeschichte.  Register  zu 
Bd.  I  — XVI  (1891  — 1906).  1909.  4.  —  Gurlitt,  Historische  Städtebilder.  Serie  IL  Bd.  5:  Pots- 
dam. Berlin.  —  Rosenberg,  Geschichte  der  Kostüms.  IL  Bd.  O.  J.  2.  —  Daremberg- 
Saglio,  Dictionnaire  des  antiquitds  grecques  et  romains  d'aprds  les  textes  et  les  monuments. 
Paris.  1877—1909.  Fase.  1— XLIL  4.  —  Studien  zur  deutschen  Kunstgeschichte,  Heft  111: 
Roch,  Philipp  Otto  Runges  Kunstanschauung.  Straßburg,  1909.  8.  —  Viertel] ahrsschrift  für 
Sozial-  und  Wirtschaftsgeschichte.  Hrsgg.  von  St.  Bauer,  G.  von  Below,  L.  M.  Hartmann. 
Bd.  III,  IV,  V,  VI,  VII.     1905—1909.  —  Zeitschrift  für  Bücherfreunde.    Neue  Folge.     I.   Jahrg. 

1909.  4. 

Heyer  von  Rosenfeldsche  Stiftung.  Ohmann,  Die  Anfänge  des  Postwesens  und  die  Taxis. 
1909.  1  Bd.  8.  —  Rietstap,  Amorial  g^neral.  Fase  44  u.  45.  4.  —  Mitteilungen  der  Zentral- 
stelle für  deutsche  Personen-  und  Familiengeschichte.  4.  Heft.  8.  —  Heydenreich,  Familien- 
geschichtliche  Quellenkunde.     1909.     1    Bd.     8.  —  Häberle,   Auswanderung  und   Koloniegrün- 

3 


34 


düngen  der  Pfälzer  im  18.  Jahrhundert.  1909-  l  Bd.  8.  —  Wurmann,  Sammlung  aller  Amts- 
Siegel  und  Wappen  der  Magistrate,  Bürgermeistereien  und  Polizeibehörden  der  deutschen  Städte 
und  der  meisten  Landgemeinden  des  deutschen  Reiches.  Tafel  1 — 126.  1892.  4  Bde.  4.  — 
Oeynhausen,  Geschichte  des  Geschlechtes  von  Oeynhausen.  Frankfurt,  1870 — 89.  4  Bde.  8.  — 
Ein  Convolut  adeliger  Stammbäume,  Todesanzeigen  und  andere  genealog.  Akten  aus  dem  18.  u. 
19-  Jahrh.  —  Genealogie  der  Nürnberger  Patrizierfamilien  Pfinzing  und  Löffelholz.  Handschrift, 
letztes  Viertel  des  17.  Jahrh.     1   Bd.     4. 

Nassauer  Stiftung.    Bussemaker,  Archives  on  correspondance  inedite  de  la  maison  d'Orange- 
Nassau.     Troisieme  Serie  II,  quatrieme  serie  I.     Leyden  19O8.     2  Bde.     8. 


Abb.  6.    Kupferstich-Vignette  von  J.  Haas  in  Hamburg,  1749. 

(Vgl.  das  S.  30  angeführte  Hochzeitsgedicht.) 


—     35     — 


LITERARISCHE  ANZEIGEN  UND  BESPRECHUNGEN. 

Runge  und  die  Romantik,  Von  Andreas  Aubert.  Verlegt  bei  Paul  Cassirer 
in  Berlin.    1909.   127  S.  4°. 

Der  Wiederentdecker  Ph.  O.  Runges  ist  Alfred  Lichtwar  k.  Aufs  Neue  wies  dann 
die  Berliner  Jahrhundertausstellung  auf  den  Künstler  nachdrücklich  hin.  Nun,  da  er  allgemeiner 
bekannt  wurde,  setzte  eine  weitgehende  Überschätzung  seiner  Kunst  ein.  Man  machte  aus  einem 
Propheten  einen  Messias. 

Auch  der  Verfasser  des  vorliegenden  Buches  hat  sich  von  einer  zu  hohen  Bewertung  Runges 
nicht  ganz  frei  gehalten.  So,  wenn  er  auf  Grund  des  ja  gewiß  für  jene  Zeit  bedeutsamen  Porträts 
der  Eltern  des  Malers  dem  Künstler  einen  Stil  zuschreibt,  der  an  Rasse  dem  Masaccios  zu  vergleichen 
sei.  Und  so,  wenn  er  in  dem  Bestreben,  Runge  als  d  i  e  künstlerische  Kraft  seiner  Epoche  hinzu- 
stellen, behauptet,  „rechts  und  links"  von  ihm  seien  nur  ,, Sekten"  gewesen.  Mit  diesen  ,, Sekten" 
sind  auf  der  einen  Seite  die  unter  Goethes  Führung  stehenden  Weimarischen  Kunstfreunde,  die 
für  eine  klassizistische  Kunstanschauung  Propaganda  trieben,  und  auf  der  anderen  die  Nazarener, 
deren  literarischer  Vorkämpfer  Friedrich  Schlegel  war,  gemeint.  Außer  diesen  beiden 
Strömungen  gab  es  aber  noch  eine  dritte.  Und  sie  half,  wie  Runge,  an  ihrem  Teil  dazu,  eine  ge- 
sunde, neue,  einen  frischen  Kolorismus  erstrebende  Malerei  vorzubereiten.  Man  braucht  sich 
daraufhin  nur  einmal  das  Schaffen  der  schlichten  frühen  Landschaftsrealisten,  wie  das  eines  Wagen 
bauer  und  Dorner,  anzusehen.  Runge  steht  also  in  seinem  Bemühen  nicht  so  isoliert  da,  wie  Aubert 
annimmt. 

Allein  abgesehen  von  derartigen,  den  Hamburger  Künstler  zu  hoch  wertenden  Ausführungen 
findet  sich  manches  feine  aufhellende  Wort  über  das  Wesen  und  die  Ziele  seines  Wirkens.  Die 
vielverzweigten  Beziehungen  Runges  zur  deutschen  Romantik  werden  dargelegt.  Namentlich 
wird  gezeigt,  welchen  Einfluß  Jakob  Böhmes  Mystik,  die  der  Maler  aus  eigener  Lektüre  teil- 
weise kannte,  die  Romantik  T  i  e  c  k  s,  mit  dem  er  befreundet  war,  und  die  ihm  durch  den  geist- 
vollen Naturforscher  Steffens  vermittelte  neptunische  Geologie  Werners  auf  den  Ge- 
fühls- und  Gedankengehalt  der  „Tageszeiten"  gehabt  haben.  Klar  und  überzeugend  werden 
die  graziösen,  eine  ganze  Kosmogenie  enthaltenden  Blätter  gedeutet  und  mit  Recht  „die  ausge- 
prägteste romantische  Dichtung  der  Frühromantik"  genannt.  Die  Gefahren  der  in  Runge  glühen- 
den echt  romantischen  Phantastik,  die  der  Künstler  auch  selbst  wohl  erkannte,  hebt  Aubert  ge- 
bührend hervor.  In  unserem  Maler  stürmte  der  dichterisch  schauende  Seher  dem  gestaltenden 
Künstler  gewöhnlich  weit  voraus.  Das  war  um  so  bedenklicher,  als  es  ihm  an  malerischer  Schulung 
fehlte.  Er  mußte  sich,  wie  alle  seine  deutschen  Zeitgenossen,  seine  Technik  selbst  schaffen,  sie 
gleichsam  neu  erfinden,  da  die  Tradition  der  malerischen  Kultur  abgebrochen  war.  Sein  tech- 
nisches Können  vermochte  mit  seinem  flugfrohen  zukunftsicheren  Geiste  oft  nicht  Schritt  zu 
halten.  Er  ahnt  den  modernen  Impressionismus  bis  zu  einem  gewissen  Grade,  die  Freilichtmalerei 
und  die  kommende  Blüte  der  Landschaftsmalerei  in  uns  heute  seltsam  packenden  Prophetenworten 
voraus,  weiß  aber  das  alles  noch  nicht  zu  verwirklichen.  Heiß  ringt  er  um  eine  rein  auf  die  Farbe 
und  das  Licht  gegründete  Malerei.  Er  studiert  eifrig  die  Farben  und  konstruiert  eine  Farben- 
kugel. Er  weist  auf  die  Lichtmaler  Correggio  und  Rembrandt  hin.  Praktische  Studien 
gehen  damit  Hand  in  Hand.  Jedes  der  von  ihm  geschaffenen  Bildnisse  bedeutet  einen  neuen 
technischen  Gewinn  für  ihn,  wenn  sie  auch  noch  ganz  mit  den  bisherigen  .Mitteln  der  Malerei  ge- 
malt sind.  „In  der  Arbeit  an  seiner  eigenen  malerischen  Selbstentwickelung  sieht  er  eine  Arbeit 
für  die  Wiedergeburt  der  Malerei  überhaupt".  Doch  alle  diese  technischen  Errungenschaften 
sollten  schließlich  nur,  so  war,  wie  Aubert  darlegt,  seine  Absicht,  der  farbigen  Ausgestaltung  seiner 
zunächst  bloß  in  radierten  Umrißzeichnungen  veröffentlichten  „Tageszeiten",  dem  Hauptwerk 
seines  Lebens,  zugutekommen.     Jetzt   aber,   da  er  dicht  davorstand,   sein  malerisches  Programm 

3» 


—     36    — 

„Licht,  Farbe  und  bewegendes  Leben"  in  die  Wirklichkeit  umzusetzen,  riß  dem  erst  Dreiund- 
dreißigj ährigen  der  Tod  den  Pinsel  aus  der  Hand.  Runge  kam  über  einige  koloristische  Vorarbeiten 
für  ein  Blatt  der  ,, Tageszeiten",  den  ,, Morgen",  nicht  hinaus.  Sein  Leben  glich,  wie  er  selbst 
vorausahnend  sagt,  einem  ,, Akkord  in  einer  großen  Musik,  der  grade  dann  abgebrochen  wird, 
wann  er  am  lautesten  aufjauchzet". 

Die  ,, Tageszeiten"  sind  in  Abbildungen  nach  den  Umrißradierungen  dem  Buche  beigegeben. 
Ebenso  die  wertvollen  Skizzen  zum ,, Morgen".  Weiter  sehen  wir  in  guter  Reproduktion  das  wunder- 
volle Selbstporträt  der  Hamburger  Kunsthalle,  ein  anderes,  mit  Kohle  gezeichnetes  Selbstbildnis 
aus  Privatbesitz,  das  bekannte  Porträt  seiner  Eltern,  das  einen  Anlauf  zur  Freilichtmalerei  nehmende 
Bildnis  der  Hülsenbeck'schen  Kinder  und  das  als  Seelenschilderung  so  tief  ergreifende  Gruppen- 
bild, auf  dem  der  Künstler  sich  mit  seiner  Frau  und  seinem  Bruder  dargestellt  hat.  Ein  sehr  guter 
Gedanke  war  es,  den  ersten,  mit  Bleistift  gemachten  Entwurf  zu  jenem  Gruppenbild  in  das  Buch 
mit  aufzunehmen;  man  kann  so  den  Fortschritt,  der  zwischen  der  ersten  Konzeption  und  dem 
fertigen  Gemälde  liegt,  und  damit  die  eminente  innere  Arbeit,  die  sich  Runge  seine  Werke  kosten 
ließ,  klar  erkennen.  Recht  dankbar  muß  man  endlich  dafür  sein,  daß  außer  einigen  anderen 
Schöpfungen  des  Künstlers  noch  ein  paar  seiner  reizvollen,  von  intensivstem  Leben  erfüllten  Blumen- 
Silhouetten  abgebildet  sind. 

So  lange  wir  keine  umfassende  Publikation  besitzen,  in  der  das  Lebenswerk  Runges  mit 
aller  Vollständigkeit  durch  große  scharfe   Reproduktionen  beranschaulicht  und  durch  eine  er- 
schöpfende, die  künstlerische  Zeitgeschichte  wie  die  persönliche  Entwickelung  des  Malers  gleich-' 
mäßig  berücksichtigende  Analyse  charakterisiert  wird,  werden  wir  ohne  die  feinfühlige  Schilde- 
rung Auberts  nicht  auskommen  können.  Dr     Heinrich    Höhn. 

Führer  durch  das  städtische  Museum,  die  alte  Kaiserburg  und  sonstige  Sehenswürdigkeiten 
von  Eger.  Von  K.  Rat  Dr.  Karl  S  i  e  g  1.  Mit  8  Ansichten  und  2  Plänen.  Eger  1909.  Ver- 
lag der  Stadtgemeinde.     72  S.     8. 

Von  diesem  gediegensten  Wegweiser,  der  dem  Besucher  der  alten  Reichsstadt  sich  dar- 
bietet (vgl.  Mitt.  d.  G.  N.-M.  1906,  83),  liegt  eine  sorgfältige  Neubearbeitung  vor.  Sie  hat  sich 
notwendig  gemacht  durch  die  vollständige  Neueinrichtung  des  Egerer  Museums,  die  im  Laufe 
des  Jahres  1907  bewerkstelligt  worden  ist.  Ein  im  Januar  1907  in  der  sog.  Bürger-  und  Zunft- 
stube entstandener  Kaminbrand,  der  glücklicherweise  rasch  wieder  gelöscht  wurde,  gab  den 
äußeren  Anstoß.  Die  hierbei  z.  T.  beschädigten,  z.  T.  auch  wohl  zerstörten  Gegenstände  konnten 
entweder  restauriert  oder  doch  in  Bälde  durch  Zuwendungen  und  Ankäufe  ausreichend  ersetzt 
werden.  Noch  im  gleichen  Jahre  war  es  möglich  geworden,  vier  neue  Räume  dem  Museum  anzu- 
gliedern. So  kann  die  Leitung  desselben  mit  Genugtuung  feststellen,  daß  die  Sammlungen  in 
ihrem  dermaligen  Bestände  es  nun  ruhig  mit  allen  ähnlichen  Provinzialmuseen  aufzunehmen 
vermögen. 

Das  mit  einem  wertvollen  Abriß  der  Geschichte  von  Stadt  und  Land  Eger  eingeleitete 
Werkchen  betrachtet  nicht  nur  in  sehr  eingehender  Weise  die  vielseitigen  Sammlungen  im  Stadt- 
hause (Hausflur  und  Hofraum,  stadtgeschichtliche,  kirchliche  und  profane  Denkmäler,  Wallen- 
steinzimmer,  Bürger-  und  Zunftstube,  2.  Bürgerstube,  Egerländer  Bauernstuben,  Rechtsalter- 
tümer, Kunstgewerbe  und  Handwerkskunst  etc.,  auch  natur-  bezw.  vorgeschichtliche  Samm- 
lungen), sein  Verfasser  ist  auch  der  berufenste  Interpret  der  alten  Kaiserburg,  der  beste  Begleiter 
auf  Kreuz-  und  Querwegen  durch  das  alte  und  neue  Eger,  endlich  ein  erwünschter  Berater  für 
Ausflüge  in  die  großenteils  recht  schöne  und  interessante  Umgebung  jener  Stadt.  H.   H. 

Gefälschte  Kunstwerke.  Von  Stephan  Beiße  1.  Freiburg  i.  B.  Herde  r'sche 
Verlagsbuchhandlung.     1909-     175  S. 

Das  Schriftchen  gibt  in  anregender  Weise  Aufschluß  über  die  Preise  von  Kunstwerken 
und  Altertümern,  über  deren  Fälschungen  und  über  die  Wege,  auf  welchen  dieselben  hergestellt 
und  in  den  Handel  gebracht  werden.  Dem  Fachmanne,  der  weiß,  daß  er  bei  aller  Erfahrung  doch 
zuweilen  den  Fälschern  zum  Opfer  fällt,  bietet  es  kaum  etwas  Neues,  wohl  aber  kann  es  angehenden 
Liebhabern  und  Sammlern  eine  eindringliche  Mahnung  zur  Vorsicht  sein. 


—     37     — 

Meyers  großes  Konversations- Lexikon.  Sechste  gänzlich  neubearbeitete  und  vermehrte 
Auflage.  Bd.  XVIII— XX.  Leipzig  u.  Wien.  Bibliographisches  Institut.  1907— 1908. 
Lex.  8°. 

Nachdem  nunmehr  mit  den  vorliegenden  drei  neuen  Bänden  das  Meyersche  Konver- 
sationslexikon in  6.  Auflage  seinen  Abschluß  gefunden  hat,  bleibt  uns  nur  noch  übrig, 
diesem  Schluß  des  großen  Werkes  das  gleiche  Lob  und  dieselbe  Anerkennung  zu  spenden, 
die  wir  bei  früheren  Besprechungen  an  dieser  Stelle  den  voraufgehenden  Bänden,  ihrem  auf 
den  Stand  unseres  gegenwärtigen  Wissens  gebrachten  Texte  nicht  minder  als  den  reichlich 
vermehrten,  vortrefflichen  Abbildungen  gezollt  haben.  Auch  hier  wird  die  Hinzufügung  der 
Bildnistafeln  (Sozialisten,  Techniker),  die  Erneuerung  und  Erweiterung  des  Landkarten- 
Apparates  (Sibirien,  Südafrikanischer  Kriegsschauplatz  1899 — 1902,  Westindien  und  Mittel- 
Amerika  etc.),  die  den  Bestrebungen  unserer  Zeit  Rechnnng  tragende  Aufnahme  der  beiden 
lehrreichen  Doppeltafeln  ,, Volkstrachten"  u.  a.  m.  in  hohem  Grade  willkommen  geheißen 
werden.  In  der  Textgestaltung  ist  namentlich  auf  die  raschen  Fortschritte  auf  allen  Ge- 
bieten der  Technik  Bedacht  genommen  worden  und  haben  auch  sonst  eine  Reihe  von  Stich- 
proben die  große  Zuverlässigkeit  des  vorgetragenen  ,, allgemeinen  Wissens"  dargetan.  Unter 
den  Verdienstmedaillen  (Bd.  XX  S.  43)  hätte  wohl  auch  die  neu  gestiftete  bayerische  Luit- 
poldmedaille  Aufnahme  verdient. 

So  wird  Meyers  Großes  Konversationslexikon  mit  seiner  sechsten  Auflage  die  Cam- 
pagne  gegen  Ignoranz  und  Unbildung  siegreich  fortsetzen  und  den  bevorzugten,  weithin 
sichtbaren  Platz  unter  den  Handbüchern  und  Nachschlagewerken,  den  es  nun  seit  Jahrzehn- 
ten inne  hat,   glänzend  behaupten. 

Die  Sebalduskirche  in  Nürnberg.  Ein  kurzer  Führer  von  Dr.  H.  Stierling.  Mit  vielen 
Abbildungen  und  einem  Grundriß.  Stuttgart,  1909,  Verlag  von  Walter  Seifert. 
15    S.    8^. 

Das  vorliegende  Schriftchen  gibt  einen  guten  Überblick  über  die  Baugeschichte  der 
Nürnberger  Sebalduskirche,  über  die  Plastik  am  Äußeren  des  Gotteshauses  und  die  haupt- 
sächlichsten Kunstwerke,  die  es  in  seinem  Innern  birgt.  Absicht  und  Zweck  des  Büchleins 
sind  indeß  nicht  überall  klar  oder  erscheinen  doch  in  den  verschiedenen  Abschnitten  nicht 
völlig  einheitlich.  Während  nämlich  die  baugeschichtHchen  Teile  dem  Hypothetischen  und 
selbst  eigenen  Vermutungen  des  Verfassers  einen  breiteren  Raum  gewähren,  als  für  den  die 
Kirche  besuchenden  kunstfreundlichen  Laien,  an  den  sich  doch  dieser  Führer  offenbar  wendet, 
nötig  und  erwünscht  ist,  geht  die  kurze  Beschreibung  und  Würdigung  der  einzelnen  Werke 
der  Plastik  und  Malerei  mit  Recht  auf  die  zahlreichen  noch  schwebenden  kunstgeschicht- 
lichen Fragen,  die  sich  an  diese  Denkmäler  knüpfen,  kaum  ein,  sondern  sucht  dem  Be- 
schauer lediglich  den  Weg  zum  Genuß  der  „Sehenswürdigkeiten"  zu  erschließen.  Für  manche 
zarte  künstlerische  Eingebung,  manche  bedeutende  Wirkung  wird  dabei  ein  feines,  treffendes 
Wort  gefunden,  wie  überhaupt  die  klare  Einfachheit  der  Diktion  als  ein  Hauptvorzug  des 
Führers  gelten  darf.  Ein  wenn  auch  nur  flüchtiges  Eingehen  auf  die  fast  ein  Jahrzehnt 
(1894— 1902)  umfassende  Wiederherstellungsarbeit  der  Architekten  G.  Hauberrisser  und  J. 
Schmitz  wird  leider  vermißt.  Die  neun  durchweg  wohlgelungenen  Abbildungen  werden  dem 
Laien   als   E rinn erungs- Anreger  willkommen  sein. 

Die  Wanderer.  Acht  Bücherfolgen  für  die  deutsche  Jugend,  im  Auftrage  des  Düssel- 
dorfer Jugendschriften-Ausschusses  herausgegeben  von  Gustav  Kneist  und  S  e  v  e  r  i  n 
Rüttgers.      Kommissionsverlag  von  A.  Bagel,  Düsseldorf. 

1)  Erster  Band  der  siebenten  Folge:  Die  Geschichte  von  den  Lachstälern  (Laxdoela- 
Saga).     171   S.    8. 

2)  Erster  Band  der  dritten  Folge:  Sage  und  Lied  in  den  Ländern  am  Rhein.    200  S.    8. 

Die  beiden  uns  vorliegenden  Bändchen  bedeuten  den  Grundstock  einer  sorgsam  ange- 
legten Bücherei,  die  der  rühmlichst  bekannte  Düsseldorfer  Jugendschriften-Ausschuß  in  erster 
Linie  der  deutschen  Jugend,  dann  aber  auch  ihren  Lehrern  und  Erziehern  und  allen  denen 
zugedacht  hat,  die  Aufmerksamkeit  und  Interesse  am  liebsten  all  den  ewigjungen  Schöpfungen 
germanischen  und  deutschen  Volkstums  zuwenden.    „Die  Wanderer"  wollen  dem,  der  sich  ihrer 


—     38 


Leitung  anvertraut,  aus  der  Enge  hinanführen  zu  freiem  Ausblick  in  das  „germanische  Schrift- 
tum aller  Zeiten"  mit  dem  Endziel,  dem  Mitschreitenden  von  der  erreichten  Höhe  aus  die 
Wege  zu  den  alten  Originalen  sowohl  wie  in  das  Geistesland  der  eigenen  Tage  zu  zeigen. 

Eine  herzhafte  Tat  war  es,  als  die  Herausgeber  (vor  dem  Erscheinen  des  Isländerbuchs 
von  Arthur  Bonus)  die  Übertragung  einer  isländischen  Saga  als  Erstling  ihres  jungen 
Unternehmens  hinausgehen  ließen.  Ein  im  ersten  Augenblick  sehr  überraschender,  bald  aber 
beifällig  aufgenommener,  ja  begeisternder  Gedanke,  diese  dank  ihrer  eigenartigen  Darstellungs- 
mittel wirklich  zauberhafte  Erzählungskunst  des  alten  Kultureilands  im  äußersten  Norden 
unserer  Jugend  und  —  am  liebsten  —  unserem  ganzen  Volke  wieder  zu  erschließen,  den 
Unsrigen  diese  kraftvoll-herben,  stets  ungebeugt  dahinschreitenden  Gestalten  vor  Augen  zu  stellen, 
im  Spiegel  einer  der  schönsten  isländischen  Sagas  das  Leben  dieser  prächtigen  Menschen  zu 
Wasser  und  zu  Land,  im  Streite,  beim  Thing  und  in  ihren  vier  Pfählen,  in  ihrem  Denken 
und  Fühlen  wiedererscheinen  zu  lassen! 

,,Sage  und  Lied  in  den  Ländern  am  Rhein"  bietet  eine  sehr  anziehende,  von  Gustav 
Kneist  erstellte  Sammlung  de.;  Besten  und  Schönsten,  was  Kunst-  und  Volkspoesie  vom  Rheine 
und  seinem  Stromgebiet  zu  singen  und  zu  sagen  wußte.  Neben  bekannten  und  minder-  be- 
kannten Dichterstimmen  (u.  a.  Brentano,  Claudius,  Geibel,  Goethe,  Görres,  Heine,  Gottfr. 
Keller,  Kinkel,  Kopisch,  C.  F.  Meyer,  Mörike,  Müller,  v.  Königswinter,  Schiller,  Simrock 
und  Uhland)  hat  auch  das  Volkslied  ausreichende  Berücksichtigung  erfahren.  Für  die  Volks- 
sagen erscheint  naturgemäß  vor  allem  die  klassische  Sammlung  der  Gebr.  Grimm  heran- 
gezogen. Nebenher  findet  sich  noch  Mundartliches,  weiter  auch  ein  hübscher  Ausschnitt  aus 
Riehl  (,,Die  Weinlese").  Auffallend  schlecht  schneidet  die  Rheinpfalz  ab,  die  tatsächUch  (das 
einst  kurpfälzische  Bretten  ist  heute  badisch!)  nur  durch  eine  Speyerer  Sage  vertreten  ist.  Vielleicht 
hätte  Scheffels  ,,Trifels"  aus  seinem  ,, Gaudeamus"  hier  Platz  finden  können.  Reiche  Auswahl 
hätten  außerdem  F.  W.  Hebels  „Pfälzische  Sagen"  geboten.  Andere  Desiderata  wären  das  Ge- 
dicht „Am  Rhein":  „Auf  dunkler  Berge  heit'ren  Höhn"  von  Varnhagen  v.  Ense  und  Bodenstedts 
„Vom  Rhein":  „Wenn  das  Rheingold  in  der  Sonne  glüht  .  .  .  ". 

Den  Herausgebern  wäre  zu  wünschen,  daß  ihre  treue  Arbeit  durch  entsprechenden  Absatz 
der  Bändchen  sich  lohnen  und  der  Erfolg  sie  zur  weiteren  Darbietung  solcher  wirklicher  Volks- 
bücher ermuntern  möchte.  H.  H. 


Abb.  7.    Kupferstich-Vignette.    (Vgl.  S.  30). 


Herausgegeben  vom  Direktorium  des  Germanischen  Nationalmuseums. 
Für  die  Schriftleitung  verantwortlich:  Dr.  Theodor  Hampe. 


U.  E.  SEBALD,  Kgl.  Bayer.  Hofbuchdruckerei,  Nürnberg. 


iNr.     O.  Juli— September. 


ANZEIGER 

DES 

GERMANISCHEN  NATIONALMUSEUMS. 

CHRONIK  DES  GERMANISCHEN  MUSEUMS. 

Bereits  im  Februar  dieses  Jahres  ist  nach  längeren  Verhandhingen  ein  Kauf  zum  Ab- 
schluß gekommen,  der  zweifellos  eine  neue  Ära  in  der  Geschichte  unserer  Anstalt  einleitet. 
Es  handelt  sich  um  die  Erwerbung  eines  an  das  Gebiet  des  Germanischen  Museums  unmittel- 
bar angrenzenden  Areals  von  61 90  qm,  das  nicht  ohne  freundliches  Entgegenkommen  der  bis- 
herigen Eigentümer,  der  Herren  Beckh,  die  hier  seit  Jahrzehnten  eine  leonische  Drahtfabrik 
betrieben  hatten,  für  den  Preis  von  l,200,coo  Mk.  in  den  Besitz  des  Germanischen  Museums 
überging. 

Diese  bedeutende  Erwerbung  an  Grund  und  Boden  zum  Zweck  umfangreicher  Erweite- 
rungsbauten war  auf  das  dringendste  geboten  und  geradezu  eine  Notwendigkeit  einmal  wegen 
des  fortgesetzten,  zum  Teil  raschen  Wachstums  aller  Abteilungen  des  Museums,  dann  namentlich 
auch  wegen  der  sich  stärker  und  stärker  aufdrängenden  Einsicht,  daß  die  Kunstsammlungen 
sich  mehr  als  bisher  [von  den  kulturgeschichtlichen  Sammlungen  zu  scheiden  hätten,  ins- 
besondere die  Gemälde  gesündere  Räume  und  sorgfältigere  Pflege  erheischten,  als  ihnen  unter 
den  gegenwärtigen  Verhältnissen  geboten  werden  können,  auch  Vortrags-  und  Ausstellungssäle, 
Ateliers  und  Werkstätten  Forderungen  unserer  Zeit  seien,  denen  durchaus  Rechnung  getragen 
werden  müsse.  Endlich  wäre,  wenn  man  diese  Kaufgelegenheit  unbenutzt  hätte  vorübergehen 
lassen,  die  Möglichkeit  größerer  Grunderwerbung  unter  gleichzeitiger  Arrondierung  ein  für 
allemal  unwiederbringlich  dahin  gewesen. 

So  entschlossen  sich  denn  Verwaltungsausschuß  und  Direktorium  vertrauend  auf  die 
opferfreudige  Mithülfe  der  zahlreichen  Freunde  des  Germanischen  Museums  den  Schritt  zu 
wagen,  obgleich  zunächst  keinerlei  Deckung  für  die  entstehenden  Kosten  vorhanden  war,  ja 
zur  Zeit  sogar  noch  Schulden  für  den  im  Jubiläumsjahr  1902  eröffneten  mächtigen  Südwest- 
bau abzutragen  sind.  Heute  nun  dürfen  wir  feststellen,  daß  jenes  Vertrauen  auf  die  werbende 
Kraft  unserer  Anstalt  und  ihrer  vaterländischen  Bestrebungen  uns  nicht  betrogen  hat.  Es  sind 
schon  von  einer  ganzen  Anzahl  gütiger  und  weitblickender  Gönner,  die  sich  dadurch  den  un- 
auslöschlichen Dank  nicht  nur  des  Germanischen  Museums,  sondern  des  gesamten  deutschen 
Volkes  erworben  haben,  namhafte  Summen  gezeichnet  worden,  und  es  steht  zu  hoffen,  daß, 
wenn  der  Fortgang  der  Dinge  dem  hocherfreulichen  Anfange  entspricht,  das  Germanische  Museum 
auch  diese  neue  Aufgabe,  die  größte,  vor  die  es  seine  Entwicklung  bisher  gestellt  hat,  lösen 
und  zu  einem  guten    Ende  führen  wird. 

Für  den  Ankauf  der  Beckh'schen   Fabrik  wurden  bisher  gespendet: 

100,000   JL  von  einem  ungenannt  sein  wollenden  Stifter; 

50,000  JL  von  einem  ungenannt  sein  wollenden  Stifter; 

je  40,000  .IL  von  Herrn  James  Simon,  Fabrikbesitzer  in  Berlin,  und  einem  unge- 
nannt sein  wollenden  Stifter; 

je  25,000  .(t  von   zwei   ungenannt  sein  wollenden  Stiftern; 

je  20,000  ^fi  von  Herrn  Geh.  Kommerzienrat  Ludwig  Ritter  von  Gerngros  in 
Nürnberg,  und  zwei  ungenannt  sein  wollenden  Stiftern; 

je  10,000  A  von  Herrn  Geh.  Kommerzienrat  Eduard  Arnhnldin  Berlin,  von  der 
Deutschen  Bank  in  Berlin,  der  D  r  e  s  d  n  e  r  B  a  n  k  in  Berlin  und  einem  ungen  annt 
sein  wollenden  Stifter; 


40 


je  5,000  .ti  von  Frau  Kommerzienrat  Paula  Conrad  ty  in  Nürnberg,  Herrn  General- 
konsul Fanz  von  M  en  d  elsso  h  n  in  Berlin,  Herrn  Dr.  Arthur  Salomonsohn,  Direktor 
der  Diskontogesellschaft  in  Berlin  und  der  Fr  ei  herrlich  von  T  u  c  ii  e  r 'sehen  Gesamt- 
f  a  mi  1  i  e  in  Nürnberg; 

2,000  JL  von  der  Firma   Hopf  &  Söhne,   Hopfenhandlung,  in  Nürnberg; 

je  1,000  Ai  von  Herrn  Justizrat  Georg  Freiherrn  von  Kreß  in  Nürnberg,  Herrn 
Kommerzienrat  Carl  Sachs  in  Nürnberg,  Herrn  Fritz  Tuchmann,  Großhändlerin  Nürn- 
berg, und  einem  ungenannt  sein  wollenden  Stifter. 

Die  Summe  der  bisher  gespendeten  Beiträge  beträgt  demnach  406,000  Ji. 

NEUANOEMELDETE  JAHRESBEITRÄGE. 

Von  Gemeinden:  Berchtesgaden  3  Ji;    Birkenhain  5    't;    Minden  i.  W.  20    W;  Nabburg  i.  0. 

5    .«.;    Wanfried  3    « 

Von   Bayer.   Distriktskassen:    Neuburg  a.D.  10    ./'(.;     Neunburg   v.  W.   10    ,«. 

Von  Privaten:  Aalen.  Heinrich  Aißlinger,  Werkmeister  2  JL;  Carl  Rieger,  Ingenieur  2  Ji; 
Eugen  Streicher,  Fabrikbesitzer  2  A;  Fritz  Stützel,  Privatier  2  Ji;  Arnsberg  i.  W.  O.  Dittmar, 
Fabrikdirektor  3  .ii;  Brackwede.  Dr.  Möller  5  Ji;  Castell.  Nester,  Rechnungsrat  in  Berlin  3  .«. ; 
Wilhelm  Rudel,  K.  Pfarrer  (bisher  1  .ft)  jetzt  1  Ji  50  i>i;  Seidel,  Domänenamtmann  l  Ji;  Coblenz. 
Regierungsrat  Draeger  10  Ji;  Coburg.  Wohlpart,  Pfarrer  an  St.  Augustin  3  Ji;  Colditz.  Emil  Hantsch, 
Lehrer  3  Ji;  Dessau.  Dr.  Fritz  Ostermayer,  Prof.,  Herzogl.  Konservator  und  Kunstwart  10  Jt;  Det= 
mold.  Dr.  Sievert,  Rechtsanwalt  3  Ji;  Dr.  Tielker,  Rechtsanwalt  3.«  ;  Dortmund.  Dr.  Alfred  Mauritz, 
Brauereidirektor  5  Ji;  Rudolf  Leistner,  Architekt  10  Ji;  Eferding  (O.-Österr.)  Hans  Emmerstorfer  jr. 
3  Ji;  Ellingen.  Dr.  Krieg,  Gymnasialdirektor  2  Ji;  Einbeck.  Garbe.  Rechtsanwalt  und  Notar 
3  Ji;  Dr.  Stange,  Oberlehrer  3  Ji;  Urbanczyk,  Rechtsanwalt  und  Notar  3  .ü;  Feuchtwangen. 
Emil  Alwens,  K.  Bezirksamtmann  2  Ji;  Wilhelm  Ewald,  K.  Studienlehrer  2  Ji.;  Forchheim. 
Joseph  Völker,  K.  Bezirksamtmann  3  Ji;  Gelsenkirchen.  Dr.  jur.  Haßlacher,  Bergwerksdirektor 
3  Ji;  Hagen  i.  W.  Kommerzienrat  Theodor  Springmann,  Fabrikbesitzer  20  Ji;  Hamm  i.  W. 
F.  Harlinghausen,  Direktorder  Phönixabteilung  der  Westfäl.  Union  10  ,«-.;  Hamburg.  Frau  Minna 
Elias  3  Ji;  Hersbruck.  Aigner,  Ingenieur  2  Ji;  Bender,  K.  Amtsrichter  2  Ji;  Burkhardt, 
K.  Obergeometer  2  Ji;  Hentrich,  K.  Gymnasiallehrer  2  Ji;  Willi  Schramm,  Hopfenhändler 
3  Ji;  Zimmerer,  K.  Bezirkstierarzt  2  Ji;  Horde  i.  W.  F.  W.  Leopold,  Bergwerksdirektor  10  ./(.; 
Iserlohn.  Fritz  Honsei,  Professor  6  Ji;  Karlsruhe.  F.  Bhine  3  Ji;  Kassel.  Leopold  Korne- 
mann  20  Ji;  Kempten.  Gg.  Bayer,  Notar  3  Ji;  Jos.  Renn,  Kaufmann  1  Ji;  Köln.  Max  Stirn, 
Regierungsrat  3    Ji;   Krumbach.    Kurz,    K.   Bezirksgeometer    2   ./(. ;  Triebenbacher,    Postsekretär 

2  ./(. ;  Lauterbach.    Pfaff,  Bauinspektor  3  Ji;  Wilh.  Vollmüller,  Fabrikant  3  Ji;  Weidig,  Professor 

3  Ji;  Leipzig.  Richard  Gloeck,  Kaufmann  10  ,/(. ;  Leitnieritz.  Dr.  Armin  Melzer,  Rechtsanwalt 
2  Kr.;  Emil  Peters,  Ingenieur,  Abgeordneter  in  Marienbad  2  Kr.;  Richard  Riecken,  Rentner 
2  Kr.;  Markt  Redwitz.  F.  Thomas,  Porzellanfabrik  25  Ji;  Meerane.  Coloman  Batky,  Kaufmann 
2  Ji;  E.  Focke,  Kaufmann  2  Ji;  Georg  Gitt,  Dentist  2  Ji;  Dr.  Lange  2  Ji;  Neumerkel,  Ober- 
amtsrichter 2  Ji;  C.  Pabst,  Reichsbankvorstand  1  Ji;  A.  Posern,  Fabrikant  2  Ji  ;  Meiningen. 
A.  Link,  Hofschauspieler  1  J(.;  Mitau.  Dr.  Carl  Hunnius,  Direktor  dei  Landesschule  3  Ji; 
Münster  i.  W.   H.   Piepmayer,   Kommerzienrat  25   Ji;    Nördlingen.  Joseph  Fischer,    K.  Justizrat 

2  .C;  Rudolf  Frobenius,  K.  Gymnasiallehrer  1  .«. ;  Christian  Haffner,  K.  Pfarrer  2  .ä;  Leonh. 
Hermann,  Obersekretär  1  Ji;  Christian  Kress.  Großkaufmann  2  Ji;  Friedrich  Kress,  Großkauf- 
mann 2  A;  Georg  Kress,  Großkaufmann  3  .«.;  Rudolf  Riedel,  K.  Gymnasiallehrer  1  Ji;  Nürn- 
berg. Bartz,  Oberstleutnant  3  X;  Fräulein  M.  Franck  3  ./(.;  Carl  Geißler  3  Ji;  Dr.  Jobs.  Jaeger, 
Professor  3  Ji;  Michael  Kaiser  3  Ji;  Julius  Kelber,  K.  Pfarrer  3  Ji;  Dr.  Arnold  Klein,  Vereins- 
rabbiner 3  Ji;  E.  Kocherthaler,  Kaufmann  3  Ji;  Mayer,  Generalmajor  a.  D.  3  Ji;  Mugler, 
K.  Amtsrichter  3    Ji;   Frau  Callista  Pabst  3  Ji;   Rudolph  Schrenk  3    .Ä;   H.  Vogt,    Hauptlehrer 

3  Ji;  Rudolf  Wölffel,  K.  Gymnasialprofessor  3  Ji;  Dr.  Zeitler  3  Ji;  Zwanziger,  K.  Steuer- 
inspektor 5  Ji;  Rastatt.  Heilig,  Professor  2  .ä.;  Schmezer,  Ökonomierat  2  Ji  (ab  1908);  Schein- 
feld. Dr.  August  Albrecht  2  Ji;  Sopron  (Ungarn).  Dr.  Nikolaus  von  Schwartz  10  M.;  Steglitz. 
Dr.  Max  Sitzler  jun.,  Regierungsassessor  3  Ji:  Stuttgart.  Otto  Burger  3  Ji;  Tübingen.  Dr.  Geck, 


41 


Professor  2  ./(. ;  Dr.  Thoma,  Professor  2  ./(. ;  Uiina=  Königsborn.  K.  Pr.  Kommerzienrat  Effertz, 
Generaldirektor  10  .«.;  Waldfried  b.  Frani<furt  a.  M.  Carl  von  Weinberg,  Fabrikbesitzer  50  .ä. ; 
Waldheim  i.  S.  Dr.  med.  Tauscher  2  .iL;  Weisendorf.  Gustav  Sperl,  K.  Pfarrer  3  Ji;  Wert- 
heim. Heil.  Kritzler  2  .«. ;  Wiesbaden.  Ludwig  Roth,  Bergwerksdirektor  20  .«. ;  Wilmers- 
dorf b.  Berlin.   Alexander   Bernstein,  Amtsgerichtsrat  a.  D.    lO  JL 

ZUWACHS  DER  SAMMLUNGEN 

KUNST-  UND  KULTURGESCHICHTLICHE  SAMMLUNGEN. 

(1.  Juli — 30.  September.) 

Unter  den  diesmaligen  Neuerwerbungen  des  Museums  nehmen  zwei  Skulpturen  die  erste 
Stelle  ein.  Die  eine,  eine  thronende  Maria  mit  dem  Kinde,  aus  der  Zeit  um  1430,  zeichnet  sich 
durch  Liebreiz  und  Anmut  aus  und  stammt,  wenngleich  in  Osnabrück  erworben,  zweifellos  aus 
einer  oberdeutschen,  vermutlich  schwäbischen  Werkstätte  (Abb.  1).  Eine  ganz  andere  Kunst- 
auffassung verkörpert  das  zweite  Stück,  eine  reliefartige,  aus  Dingolfing  stammende  Gruppe, 
,, Christus  und  der  ungläubige  Thomas"  (Abb.  2);  eigenartig  in  der  Komposition,  die  entfernt  an 
Verrocchios  berühmtes  Erzbildwerk  von  Orsanmichele  in  Florenz  erinnert,  wirkt  sie  trotz  augen- 
fälliger fehlerhafter  Proportionen  zwischen  Körpern  und  Köpfen  so  gewaltig  durch  die  Wucht  der 
Bewegungen  und  durch  packend  dramatisches  Empfinden,  daß  ihr  Meister  zu  den  interessan- 
testen, wenn  auch  eigenwilligsten  künstlerischen  Erscheinungen  der  beginnenden  Renaissancezeit 
gerechnet  werden  muß.  Vielleicht  gehörte  er  dem  Kreise  jener  eigenartigen  oberbayerischen 
Schnitzer  an,  deren  einer,  der  Meister  der  um  1515  gefertigten  Türen  der  Altöttinger  Stifts- 
kirche, kürzlich  mit  Matthäus   Kreniß  identifiziert  wurde. 

Daneben  erhielt  die  Waffensammlung  eine  besonders  wertvolle  Bereicherung  durch  eine 
interessante  Hakenbüchse  aus  der  zweiten  Hälfte  des  15-  Jahrhunderts  (Abb.  3),  die,  mit  einem 
jetzt  im  K.  Zeughause  zu  Berlin  befindlichen  Zwilling  in  Württemberg  ausgegraben,  sich  durch 
ihre  Marke  (3   Hirschstangen)  als  württembergisches  Erzeugnis  ausweist. 

Von  den  Spenden,  die  dem  Museum  im  abgelaufenen  Vierteljahr  zugingen,  sei  zuerst  die 
des  K.  Sächsischen  Ministeriums  des  Kultus  und  öffentlichen  Unterrichts  genannt:  eine  künst- 
lerisch hochbedeutende  Bronzeplakette  auf  das  500jährige  Bestehen  der  Universität  Leipzig  1909, 
ein  Werk  Max  Langes,  wie  die  aus  diesem  Anlaß  geprägten  5-  und  2-Markstücke.  Aus  der  großen 
Zahl  der  Zuwendungen  von  privater  Seite  sei  hier  nur  der  medizingeschichtlich  wichtigen  Samm- 
lung des  Herrn  Medizinalrats  Dr.  Roth  in  München  und  der  eine  stattliche  Reihe  von  Samm- 
lungsabteilungen ergänzenden  Schenkung  des  Ehepaares  Nerreter  in  Nürnberg  gedacht;  ein 
Wachsporträt  Georg  Schweiggers,  des  Meisters  des  Nürnberger  Neptunbrunnens,  und  drei  der 
neuerdings  so  sehr  geschätzten  Hilpertschen  Zinnmedaillons  waren  daraus  besonders  willkommen. 

Nach  langen  Verhandlungen  gelang  es  erst  in  den  letzten  Tagen  des  abgelaufenen  Viertel- 
jahres, die  dem  Verkauf  unterstellte  kostbare  Gläsersammlung  des  von  Schwarzsehen  Fidei- 
kommisses,  von  der  bisher  die  wichtigsten  Stücke  dem  Museum  als  Deposita  anvertraut  waren, 
dauernd  für  das  Museum  zu  retten.  Da  diese  wertvollste  Erwerbung  der  letzten  Jahre  nicht 
ausschließlich  aus  den  Mitteln  des  Museums  bestritten  werden  konnte,  es  vielmehr  des  Ein- 
greifens verschiedener  Faktoren  bedurfte,  so  sind  die  Eigentumsverhältnisse  derzeit  noch  nicht 
geklärt.     Wir  werden  in   unserem   nächsten   Berichte   darauf  eingehender  zurückkommen. 

Geschenke. 
Castell.  Wolfgang  Fürst  zu  Castell-  Rüdenhausen:  Bronzemedaille  auf 
die  Goldene  Hochzeit  des  Fürsten  Wolfgang  und  der  Fürstin  Emma  zu  Castell- Rüdenhausen, 
1909,  von  L.  Chr.  Lauer.  —  Dresden.  K.  sächs.  Ministerium  des  Kultus  und 
öffentlichen  Unterrichts:  Bronzeplakette  auf  die  500jährige  Jubelfeier  der  Uni- 
versität Leipzig,  1909,  von  Max  Lange;  2  Fünfmarkstücke  und  2  Zweimarkstücke  auf  den  gleichen 
Anlaß,  1909.  —  Hersbruck.  Konrad  Schramm:  2  Messer  mit  messingverschaltem  Griff, 
Anfang  des  17-  Jahrh.  —  Leipzig.  Frl.  Luise  Simon:  Damengarderobestücke,  zwischen 
1875—1880  in   Leipzig  gearbeitet.  —  Linz.    A.  M.  P  a  c  h  i  n  g  e  r:    Bronzemedaille  auf  A.   M. 


—     42     — 


Pachinsrer,  1909,  von  K.  Giitz.  —  Mannheim.  Oberstabsarzt  Dr.  Röhring:  Bronzemedaille 
auf  die  Enthüllung  des  Gutenberg- Denkmals  in  Mainz,  1837.  von  J.  J.  Neuß  in  Augsburg.  — 
Meerane  i.  S.  Direktor  C.  Schultz:  Hannoversche  Waterloo-Medaille  von  1815,  Silber,  mit 
dem  eingravierten  Namen  des  Empfängers  Carl  Schulze;  Bronzene  Kriegsdenkmünze  für  die 
im  Jahre  1813  freiwillig  in  die  hannov.  Armee  eingetretenen  Krieger,  gestiftet  1841.  —  München. 
Medizinalrat  Dr.  Roth:  Sammlung  von  33  chirurgischen  Instrumenten  älterer  Konstruktion 
(für  die  Denkmale  der  Heilkunde);  kupfernes  Weihrauchfaß  aus  Lenggries  bei  Tölz,  18.  Jahrh. 
—  Legat   des  verst    Professors    Dr.  Alwin  Schultz:     Fragment   eines   römischen   Mosaik- 


Abb.  1.    Thronende  Madonna  mit  Kind.    Oberdeutsche  Holzschnitzerei,  um  1430. 


fußbodens;  Gipsabguß  eines  kleinen  Frauenkopfes  mit  reichem  Kopfschmuck  und  der  Inschrift 
„Servandusfec";  Gipsabguß  eines  Elfenbeinkästchens  in  der  Kirche  St.  Ursula  zu  Cöln,  14. 
Jahrh.;  Meissener  Porzellankrug  mit  farbigem  Reliefornament  und  silbergetriebenem  Deckel, 
um  1740;  Pompadour  aus  rotem  Sammet  mit  Perlenstickerei,  19.  Jahrh.;  spitzovales  Kardinals- 
siegel aus  rotem  Wachs  in  Weißblechkapsel,  italienisch,  um  1560.  —  Neuenburg.  Freiherr 
von  Cagern:  Uniform  eines  hessischen  Kammerherrn,  um  186O.  —  Nürnberg.  W.  Düll: 
Flaschenkrug  aus  unglasiertem  Ton,  römisch  oder  mittelalterlich,  nebst  dem  Beifund;   gefunden 


—     43    — 


in  AuRsburir  beim  Abbruch  eines  Hauses.  —  Aus  dem  Naclilaß  von  Frau  Johanna  Braun: 
Versilberter  Messinjrjeton  auf  die  Teuerung  l8l6— 1817;  Österreich,  Fünfer  1847,  Kreuzer  1859, 
Kreuzer  1861 ;  Bayern,  Pfennig  186O,  1868  und  1869,  2  Pfennig  1869  und  187O;  Württemberg, 
6  Kreuzer  l844;  Großherzogtum  Hessen,  6  Kreuzer  l843.  1  Pfennig  1867;  Baden,  '/a  Kreuzer 
1864;  Oldenburg,  Groschen  1858;  Sachsen-Coburg-Gotha,  3  Kreuzer  1833;  Frankfurt,  3  Kreuzer 
1856;  Schweiz,  10  Centimes  1873:  Frankreich,  5  Centimes  1855  und  1856;  Holland,  1  Cent  187S; 
Vereinigte  Staaten  von   Nordamerika,  1   Cent  I880.  —  Kassiersehegatten    Wolfgang    und 


Abb.  2.  Christus  und  der  ungläubige  Thomas.  Oberbayerische  holzgeschnilzte  Gruppe,  um  1515. 


Emma  Nerreter:  Eiserne  Truhe  mit  durchbrochen  gearbeitetem  Schloßschutzblech  im 
Deckel,  17-— 18.  Jahrh. ;  Pappschachtel  (Polyeder)  mit  verschiedenfarbigen  Flächen,  angeblich 
von  Caspar  Hauser  geklebt,  1.  Hälfte  des  19-  Jahrh.;  runde  Holzschachtel,  mit  aufgeklebten 
Stücken  von  Leinen-  und  Seidenstoff  verziert,  18. — 19-  Jahrh.;  3  eiserne  Vexierschlösser.  17. 
bis  18.  Jahrh.;  Glasschächtelchen  mit  Zeugblumen,  um  18OO;  Sparbüchse  aus  Eisenblech,  19. 
Jahrh.;  Silberner  Leuchter  nebst    Lichtputzschere   (Spielzeug),  18.— 19-  Jahrh.;    Miniatur- Kelch 


—     44     — 

mit  Patene  und  Hostienbüchse,  in  Lederfutteral,  18.  Jahrb.;  4  Puppen  mit  Porzellanköpfen, 
Puppenzeug,  19.  Jahrb.;  kleiner  Webstuhl  für  Seidenborten,  18.--19-  Jahrb.;  Porträt  des  Nürn- 
berger Bildners  Georg  Scbweigger,  farbige  Wachsarbeit  um  1673  nach  dem  Stich  von  Eimmart; 
Bildnis  des  Nürnberger  Erzgießers  Jacob  Daniel  Burgschmied,  Gipsrelief  aus  der  Mitte  des  19- 
Jahrb.;  ruhender  Herr  und  ruhende  Dame,  bemalte  Alabasterfigürchen,  2.  Hälfte  des  18.  Jahrb.; 
Porträt  der  Frau  Eva  Margaretha  Scbweigger,  geb.  Sebald,  Nürnberger  Pastellmalerei,  um  1825; 
Miniaturbild  einer  älteren  Dame,  auf  Kupfer  gemalt,  18.  Jahrb.;  Miniaturbild  eines  jungen 
Mannes,  auf  Elfenbein  gemalt  von  D.  Rummel,  um  1800;  Miniaturbild  eines  älteren  Herrn,  auf 
Pappe  gezeichnet,  1.  Hälfte  des  19.  Jahrb.;  Degen  eines  bayer.  Landwebroffiziers,  2.  Hälfte  des 
19.  Jahrb.;  Wanderstab  aus  Nußholz,  18.  Jahrb.;  Spazierstock  aus  spanischem  Rohr,  mit  Rokoko- 
Silberknopf  und  auswechselbarem  Hornknopf,  ferner  ein  nicht  zugehöriger  Knopf  aus  vergoldeter 
Bronze,  2.  Hälfte  des  18.  Jahrb.;  Fangschnüre  eines  Czako,  silbern,  19.  Jahrb.;  2  Steigeisen 
zum  Umschnallen,  19.  Jahrb.;  Kindermieder  aus  roter  Seide,  2.  Hälfte  des  18.  Jahrb.;  blau- 
seidene gewebte  Damenstrümpfe,  1.  Hälfte  des  19.  Jahrb.;  Scbultertuch  aus  rotem  Chiffon,  um 
1825;  2  vollständige  Taufgarnituren,  1.  Hälfte  des  19-  Jahrb.;  gestricktes  Wickelband,  1.  Hälfte 
des  19-  Jahrb.;  2  gestickte  Brautchemisettes,  um  1812  und  um  1834;  verschiedene  Kinder- 
kleidungsstücke, 1.  Hälfte  des  19.  Jahrb.;  Kunstdrecbslerarbeit  aus  Birnbaumholz  in  Gestalt 
einer  Wendeltreppe,  18. — 19-  Jahrb.;  hebräisches  Gebet,  auf  Pergament  geschrieben,  in- Blech- 
hülse, 18.  Jahrb.;  Mikroskop  mit  Zubehör,  in  altem  Holzkasten,  1.  Hälfte  des  19.  Jahrb.;  D- Flöte 
aus  Ebenbolz,  von  J.  G.  Freyer  in  Potsdam,  2.  Hälfte  des  18.  Jahrb.;  C-Trompete  aus  Messing, 
von  J.  Hoyer  in  Nürnberg,  186I;  Papageno- Pfeife  (Pansflöte)  aus  verzinntem  Weißblech,  19. 
Jahrb.;  eins.  Bleimedaille  auf  den  Nürnberger  Salomon  Scbweigger,  16O8;  eins.  Zinnniedaille 
auf  Lavater,  bemalt,  von  Job.  Georg  Hilpert  in  Nürnberg,  2.  Hälfte  des  18.  Jahrb.;  einseitige 
Zinnmedaillen,  weibl.  und  männl.  Porträt  (vermutlich  Kaiserin  Maria  Theresia  und  J.  N.  G.  M. 
Denis),  bemalt,  wahrscheinlich  von  Hilpert  (Sohn),  Ende  des  18.  Jahrb.  —  Goldschmied  Tobias 
Todtschin  der:  Eisernes  Anhänger- Petschaft  mit  dem  Wappen  der  Familie  von  Roschütz, 
18.  Jahrb.;  bronzenes  Petschaft  mit  unbekanntem  Wappen,  17. — 18.  Jahrb.  —  Rothenburg  0.  T. 
Kunstanstaltsbesitzer  AI  brecht:  Mittelalterliche  eiserne  Speerspitze;  sechs  ornamentale 
Model  aus  weißlichem  Ton  für  Steinzeugornamentierung,  aus  einer  Kreussener  Werkstatt  des 
17.  Jahrb.;  Töpfeben.  Kreussener  Steinzeugarbeit.  —  Stuttgart.  Otto  Burger:  Hellebarde 
mit   einer   Eichel   als   Marke,  2.  Hälfte  des   16.    Jahrb. 

Ankäufe. 

Bauteile.  Schmiedeeiserne  Tür  eines  Sakramentshauses,  15- — 16.  Jahrb.;  4  gußeiserne 
Ofenplatten  mit  figürlichen  Darstellungen,  16. — 19.  Jahrb.;  4  verzinnte  schmiedeeiserne  Tür- 
bescbläge  aus  dem  Schloß  zu   Unterreichenbach  bei  Schwabacb.  Anfang  des  17.   Jahrb. 

Plastik,  OriginaJe.  Thronende  Madonna  mit  dem  Kinde,  oberdeutsche  Holzschnitzerei, 
um  1430  (Abb.  1);  Christus  und  der  ungläubige  Thomas,  oberbayerische  holzgescbnitzte  Gruppe, 
um  1515  (Abb.  2). 

Medaillen.     Silbermedaille  gegen  den  Papst,   16.  Jahrb.,  von  Peter  Flötner  in  Nürnberg. 

Münzen.  Sachsen:  2  Mark  auf  den  Tod  des  Königs  Albert,  1902;  5  Mark  auf  den  Tod 
des  Königs  Georg,  1904.  —  Hessen:  5  Mark  auf  den  400jährigen  Geburtstag  des  Landgrafen 
Philipp,  1904.  —  Baden:  5  Mark  auf  die  50jährige  Regierung  des  Großherzogs  Friedrich. 
1902;  2  Mark  desgl.;  5  Mark  auf  die  Goldene  Hochzeit  des  Großherzogspaars,  1906;  2  Mark 
desgl.;  2  Mark  auf  den  Tod  des  Großherzogs  Friedrich,  1907.  —  Sachsen-Weimar- 
Eisenach:  5  Mark  auf  die  Vermählung  des  Großberzogs  Wilhelm  Ernst,  1903.  —  Schwarz- 
burg-Sondershausen:  2  Mark  auf  die  25jährige  Regierung  des  Fürsten  Karl  Günther, 
1905.  —  Bremen:  2  Mark,  1905.  —  Salzburg:  Erzb.  Paris  von  Lodron,  Taler,  1622. 
—  Fugger:  Maximilian,  Taler,  1623.  —  S  c  h  a  f  f  b  a  u  s  e  n:  Taler,  1621.  —  Ulm: 
Taler,  1623. 

Kirchliche    Geräte.      Kruzifix   (Brustkreuz)   aus    Elfenbein,    18.    Jahrb. 

Hausgeräte.  Rokoko-Spiegel  aus  Mittelfranken,  um  1740;  Patenlöffel,  silbervergoldet, 
in  eingelegtem  Holzkästchen,  Augsburger  Arbeit  vom  Ende  des  17.  Jahrb.;  Fayence-Teller 
(Straßburger  Fabrikat.''),  18.  Jahrb. 


45     — 


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Bauernaltertümer.  Haspel  mit  2  Rollen  in  holzgeschnitztem  Gestell  mit  den  Buchstaben 
^^^  fränkisch,   aus  der  Gegend  von   Gunzenhausen,   19.   Jahrh. 

Gewebe.  Filetstickerei  mit  der  Darstellung  der  Kreuzigung  und  der  Auferstehung  Christi, 
Stuhlrücklaken   des   ehemaligen    Brauerhandwerks   aus   der   Lorenzkirche  zu    Nürnberg,    1624. 

Waffen.  Hakenbüchse  mit  dem  württembergischen  Wappenbilde,  2.  Hälfte  des  15.  Jahrh. 
(Abb.  3);  Dolchmesser  mit  geätzter  Klinge  und  silberbeschlagenem  Hirschhornheft,  verziert  mit 
dem  Wappen  österreichischer  Kronlande,  17-  Jahrh.;  2  mittelalterliche  Hufeisen,  gefunden 
zwischen  Zollhaus  und   Kornburg  bei  Nürnberg. 

Musikinstrumente.  Violoncellbogen  aus  dem  Chorherrnstift  Lambach  in  Oberösterreich, 
18.  Jahrh.;    2  Geigenbogen,  18.  Jahrh. 

Siegelstempel.  Siegellackdose  mit  dem  Petschaft  der  Buirette  von  Oehlefeld  (Nürnberg), 
silbervergoldet,   18.   Jahrh. 

D  e  p  0  s  i  t  a. 

Fayence- Kaffeekanne,  vermutlich  Crailsheimer  Fabrikat.  18.  Jahrh.;  Fayence-Schale, 
Bayreuther  Fabrikat,  18.  Jahrh.;  Fayence  -  Senftöpfchen,  Straßburger  Fabrikat,  18.  Jahrh.; 
2  Fayence-Teller,  vermutlich  Straßburger  Fabrikat,  18.  Jahrh.;  Sauciere,  Ansbacher  Porzellan, 
18.  Jahrh.;  3  Porzellan-Tassen  mit  violetten  Blumen,  vermutlich  Thüringer  Fabrikat,  18.  Jahrh. 

HISTORISCH-PHARMAZEUTISCHES  ZENTRALMUSEUM. 

Geschenke. 

Memmingen.  L.  von  Amnion:  Regierungsblatt  für  das  Königreich  Bayern,  1842, 
Nr.  11  (enthält  die  Arzney-Tax-Ordnung  f.  d.  Kgr.  Bayern);  Neuer  Schauplatz  der  Künste  und 
Handwerke,  Band  46,  1829:  S.  Stratingh,  Über  die  Bereitung,  die  Verbindungen  und  die  An- 
wendung des  Chlors;  Aloys  Sterler,  Baierische  Pharmacopoe,  München  1822;  Richard  Hagen, 
Die  Arzneistoffe,  Leipzig  1863;  O.  A.  Ziurek,  Elementar- Handbuch  der  Pharmacie,  Erlangen 
1859;  Th.  und  A.  Husemann,  Handbuch  der  Toxikologie,  Berlin  1862;  W.  Stadel,  Lehrbuch 
der  reinen  und  angewandten  Chemie,  der  Physik  und  Mineralogie,  Leipzig  1873;  J.  B.  Henkel, 
Lehrbuch  der  allgemeinen  und  medizinisch-pharmazeutischen  Botanik,  Leipzig  1873.  —  Unter- 
waltersdorf (Niederösterreich).  Dr.  S.  S  t  o  c  k  m  a  y  e  r:  C.  D.  Schroff,  Lehrbuch  der  Phar- 
magnosie,  Wien  1853. 

Ankäufe. 

F.  Blondel,  Außfürliche  Erklärung  ....  deren  Heylsamen  Badt-  und  Trinckwässern  zu 
Aach,  1688. 

DEUTSCHES  HANDELSMUSEUM. 

Geschenke. 

Nürnberg.  Kommerzienrat  J.  Bing:  Goldwage  mit  Gewichten  von  Johann  Peter 
Aeckersberg  auf  Wichiinghausen,  1773.  —  Frl.  Auguste  Blumröder:  Goldwage  mit  Ge- 
wichten, 18.  Jahrh.;  Maschine  zum  Pressen  von  Oblaten  mit  Stempel  J.  F.  B.  (Blumröder), 
Anfang  des  19-  Jahrh.  —  Kaufmann  Jakob  Frankenbacher:  5  Originalpakete  mit 
Tabak,  Anfang  des  19-  Jahrh.  —  FamiHe  Weiß:  „Abbildung  der  berühmten  Saffran-  und 
Gewürz  Schau  in  Nürnberg",  nach  dem  Gemälde  von  Sandrart  in  Schabmanier  ausgeführt  von 
G.  P.  Nusbiegel,  1783. 


05 

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—    47     — 
KUPFERSTICHKABINET. 

(1.  Juli  bis  30.  September.) 

Da  unsere  Mittel  durch  die  Ankäufe  in  der  1.  Hälfte  dieses  Jahres  stark  herabgemindert, 
ja  fast  erschöpft  waren,  sahen  wir  uns  gezwungen,  im  verflossenen  Vierteljahr  mit  dem  Wenigen, 
was  uns  noch  zu  Gebote  stand,  recht  haushälterisch  umzugehen.  Um  so  erfreulicher  ist  es,  daß 
wir  trotzdem  einige  günstige  Gelegenheitserwerbungen  machen  konnten.  Zunächst  waren  wir 
in  den  Stand  gesetzt,  unsere  Sammlung  von  Stichen  des  Kleinmeisters  Heinrich  Alde- 
g  r  e  V  e  r  um  einige  seltene  Blätter  zu  vermehren  und  sie  durch  bessere  Abdrücke  schon  vor- 
handener Arbeiten  zu  ergänzen.  Zu  vergessen  ist  hierbei  jedoch  nicht,  daß  sich  unsere  Samm- 
lung und  diejenige  in  der  bei  uns  verwahrten  Kupferstichsammlung  der  Stadt  Nürnberg  gegen- 
seitig ergänzen.  Die  Blätter  sind  nachstehend  im  einzelnen  aufgeführt.  Zwei  von  ihnen  sind 
abgebildet,  nämlich  die  technisch  besonders  sorgfältig  durchgeführte  Vignette  B.  199  (Abb.  5) 
und  das  in  der  Komposition  so  reizvolle  Groteskenornament  B.  272  (Abb.  4).  Weiter  konnten 
wir  einige  gute  Handzeichnungen  erwerben.  Obenan  steht  unter  diesen  eine  farbige 
Trockenstiftzeichnung  von  Bartholomaeus  Wittig,  einem  um  16IO  zu  Öls  in  Schlesien 
geborenen  Maler,  der  sich  späterhin  in  Nürnberg  niederließ,  wo  er  1684  starb.  Er  malte  histo- 
rische Darstellungen  und  Genrebilder,  besonders  Nachtstücke  von  täuschender  Lichtwirkung. 
Bekannt  ist  namentlich  von  ihm  ,,die  äußere  Faciata  des  (Nürnberger)  Rathauses  abgebildet 
mit  dem  Volk,  welches  am  Tage  des  Friedensschlusses,  den  springenden  Wein  aufzufangen,  in 
artiger  Confusion  durcheinander  winndend  vorgestellet  ist",  ein  Bild,  das  sich  jetzt  im  neuen 
Künstlerhaus  am  Königstor  in  Nürnberg  befindet.  Weiter  rührt  von  ihm  das  große  Tafelbild 
in  der  Johanniskirche  her,  auf  welchem  „der  annehmliche  Prospekt  derer  vor  unserm  Kirch- 
hof gelegenen  sogenannten  Johannis- Felder  abgebildet  ist,  in  dessen  Vorgrund  der  Heiland 
mit  seinen  Jüngern  durch  die  Saat  spazierend  vorgestellet  wird."  Das  vorliegende  Blatt  ist 
dem  Bartholomaeus  Viatis  gewidmet,  wie  aus  der  Unterschrift  hervorgeht: ,, Seinem  großgünstigem 
Maeceno  dem  hochedelen  Herren  Bartholmie  Viatis,  zur  dienstpflichtigsten  Verehrung  in  sein 
Stam-Buch.  In  Nürenberg  d:  18.  Juli:  1658.  Bartholomeus  Wittig  Kunstmahler".  Dann  ist  zu 
nennen  eine  Rötheizeichnung  von  dem  Landschaftsmaler  und  Radierer  Johann  Franz  Er  m  eis, 
der  im  Jahre  1621  (nach  Andresen  l64l)  in  der  Gegend  von  Köln  geboren  wurde,  sich  um  166O 
in  Nürnberg  niederließ  und  dort  am  3.  Dezember  1693  starb.  Das  Blatt  ist,  nach  einer  Blei- 
stiftnotiz auf  der  Rückseite  zu  urteilen,  dem  bekannten  Tier-  und  Landschaftsmaler  Johann 
Heinrich  Roos  gewidmet.  Die  dargestellten  Figuren:  ein  Hirt  und  eine  Hirtin  mit  einem 
Lamm  ähneln  übrigens  den  entsprechenden  Figuren  auf  dem  in  unserer  Galerie  befindlichen  Ge- 
mälde Nr.  447  von  Johann  Heinrich  Roos,  so  daß  wir  in  ihnen  den  Künstler  und 
seine  Gattin  sehen  könnten.  Als  eine  bedeutsame  künstlerische  Leistung  ist  die  von  Carl 
Markus  Tuscher  (1705—1751)  erworbene  Zeichnung  zu  betrachten.  Wir  haben  es  mit 
einer  leicht  lavierten  Bleistiftstudie  eines  großen  portalartigen  Aufbaues  zu  tun,  die  uns  durch 
die  große  Korrektheit  in  der  Auffassung  und  die  Sicherheit  in  der  Wiedergabe  der  malerischen 
Feinheiten  in  Erstaunen  versetzt.  Das  Blatt  trägt  auf  der  Rückseite  die  Signatur  J.  A.  Boerners, 
stammt  also  möglicherweise  aus  der  Sammlung  des  Barons  Haller  von  Hallerstein.  Wenn  wir 
darnach  strebten,  auch  von  Georg  Christian  Wilder  wieder  einige  Zeichnungen  zu 
erwerben,  so  erklärt  sich  dies  daraus,  daß  wir  diesen  Künstler  schon  seit  Jahren  in  besonderem 
Maße  pflegen,  so  daß  er  nun  bei  uns  wohl  am  reichsten  und  besten  vertreten  ist.  Das  den 
Regensburger  Dom  in  seinem  Zustand  im  Juli  des  Jahres  1816  veranschaulichende  Blatt  ist 
in  mehrfacher  Beziehung  von  Interesse.  Wir  geben  es  in  Taf.  II  in  einer  dem  Original  an- 
nähernd entsprechenden  Reproduktion  wieder.  Zunächst  ist  es  typisch  für  die  fast  ängstliche 
Sorgfalt,  mit  welcher  der  Künstler  sein  ganzes  Leben  hindurch  so  viele  architektonische  Bilder 
festzuhalten  bestrebt  war.  In  Sonderheit  gibt  es  uns  eine,  wenn  auch  perspektivisch  nicht  genau 
gezeichnete,  so  doch  zuverlässige  Vorstellung  von  dem  damaligen  Aussehen  dieses  gewaltigen 
Bauwerks,  das  in  den  Jahren  1834—38  durch  eine  wenig  sachkundige  Restauration  und  in  den 
Jahren  1859—69  infolge  des  Ausbaues  der  Turmhelme  und  der  Querschiffsgiebel  durch  Denzinger 
starke   Veränderungen   seiner  ursprünglichen    Gestalt   erfuhr.     Auch  ist   auf  dieser  Darstellung 


—     48     — 

der  an  der  Südseite  des  Frontgiehels  von  S.  Ulricli  befindlidie  Turm,  der  im  19.  Jaiiriuindert, 
um  den  Westbau  zu  entlasten,  um  3  Stockwerke  abjj;etras;en  wurde,  noch  in  seiner  frülieren  Form 
siclitbar.  Die  Friedhofmauer,  die  sich  auf  der  Wilderschen  Zeichnung  vor  der  Ulrichskirche  hin- 
zieht, ist  heute  ebenfalls  nicht  mehr  vorhanden. 

Geschenke. 

Augsburg.  Friedr.  Hoefle,  Hofphotograph:  Ansichtskarten  nach  Gemälden  in 
Augsburg  und  Stuttgart,  nach  dem  Christus  in  Blaubeuren,  nach  dem  Schaffner- Altar  in  Ulm 
und  dem  Schühlein- Altar  in  Tiefenbronn.  —  Bern,  Hans  Eggimann,  Architekt:  Exlibris 
Hans  Eggimann  und  Anna  Eggimann,  gezeichnet  vom  Geschenkgeber,  je  in  2  Exemplaren. 
H.  Z  i  e  g  1  e  r,  Architekt:  1.  Exlibris  Harry  Ziegler;  2.  Exlibris  Dr.  H.  Ziegler;  3.  Exlibris 
Dr.  Emil  Ermatinger;  4.  2  Exlibris  Gustav  von  Luepke.  Sämtlich  gezeichnet  vom  Geschenk- 
geber.—  Bonn  a.  Rh.  Hermann  A.  Peters,  Kunstverlag:  22  künstlerische  Ansichtskarten 
von  Nürnberg  und  29  ebensolche  von  Rothenburg  0.  T.,  hergestellt  in  Handkupferdruck.  — 
Brasso  (Ungarn).  Hollerun  g  Käroly:  Exlibris  desselben  und  der  Ilonka  Könyve,  gez. 
von  Aug.  von  Meißl,  1909,  München.  —  Carnap  (b.  Altenessen).  Georg  Rody,  Pfarr- 
rektor: 1.  Exlibris  desselben,  von  ihm  selbst  1905  gezeichnet;  2.  Exlibris  Parochiae  B.  M.  V. 
in  Carnap,  gez.  von  Hertel-Düsseldorf,  1909,  in  2  verschiedenfarbigen  Exemplaren.  —  Datschitz 
(Mähren).  Friedr.  Freiherr  v.  Dalberg:  Exlibris  desselben,  gez.  von  Cossmann.  — 
Djember  (Java,  Nied.-Indien).  J.  F.  Burgersdijk:  E.xlibris  desselben,  gez.  1904  von  W., 
J.  Burgersdijk,  Ingenieur.  —  Freiburg  i.  Br.  Dr.  jur.  Bruno  Claussen:  Exlibris  des- 
selben, Originalradierung  von  L.  Fischbeck-Oldenburg,  1909.  —  Hersbruck.  Konrad  J. 
Schramm:  1.  ,,Ooch  Eener  in  der  Fremde".  Spottblatt  auf  Napoleon  111.  in  Lithographie 
mit  vierspaltigem  Gedicht  darunter:    ,, Jüngst  wollte  ich  nach  Deutschland  gehn "    187I; 

2.  Spottblatt  auf  Napoleon  111.  Der  Kaiser  fährt  mit  seiner  Gemahlin  und  seinem  Sohn  unter 
einem  Zelt  in  einem  Schiff.  Am  Ufer  3  Leute  und  die  Inschriften:  ,,Gelt  da  schaust.''"  und  ,,Wo 
ist  denn  der  Görgle.'"  Die  in  Lithographie  ausgeführte  Darstellung  ist  von  einem  Gedicht  um- 
geben, das  beginnt:  ..Das  Schiff  streicht  durch  die  Wellen,  Napoleon!"  187I;  3.  Nr.  10  des 
Spottblattes  ,, Zündnadeln.  Ernste  und  heitere  Bilder  aus  dem  deutschen  Nationalkrieg  gegen 
Napoleon  III".  Lithographie,  1871.  —  Köln  a.  Rh.  Georg  Domel:  Exlibris  desselben, 
Autotypiedruck  nach  einer  Radierung  von  Emil  Krupa-Krupinski,  Bonn.  —  Leipzig.  Geh. 
Hofrat  Univ.-Prof.  Dr.  Albert  Koste  r:  Sammlung  von  49  Blatt  Bilderbögen  meist  aus 
der  1.  Hälfte  des  19-  Jahrh.  aus  den  Verlagen  von  G.  N.  Renner,  G.  N.  Renner  &  Co.,  G.  N. 
Renner  &  Schuster.  J.  P.  Wolff  sei.  Erben,  Arn.'.  &  Co.  in  Düsseldorf,  J.  M.  Hermann  sowie 
Hermann  &  Barth  in  München,  J.  G.  Schulz-Stuttgart  und  der  Joh.  Andreae  Endterischen 
Handlung  in  Nürnberg.  —  Mannheim.  Oberstabsarzt  a.D.  Dr.  R  ö  h  r  i  n  g:  1.  Gedenkblatt 
der  Leipziger  Neuesten  Nachrichten  zum  Universitätsjubiläum  1909;  2.  10  Blatt  Porträts  aus 
der  Galerie  hervorragender  Ärzte  und  Naturforscher.  Autotypien.  1909.  —  Meerane  i-  S. 
Kammgarnspinnerei  Meerane  (C.  Schultz):  1.  „Les  speculateurs  conjures 
pour  ruiner  le  peuple  de  Paris  lies  au  pilori.  Souvenir  du  siege  de  1870  &  71".  Politisches 
Flugblatt,  auf  die  teuren  Lebensmittelpreise  zur  Zeit  der  Belagerung  von  Paris  bezüglich.  Ein- 
blattdruck vom  2.  Febr.  187I;  2.  Zwei  Drohbriefe,  gerichtet  an  den  Geschenkgeber  während  seines 
Aufenthaltes  in  Paris  I870/71.  —  München.  Adolph  Fromm:  Exlibris  desselben,  Ra- 
dierung von  Georg  Mayr,  München  1904.  Cand.  phil.  Theo  Harburger:  Photographie 
des  in  der  Gemäldegalerie  des  Germ.  Museums  befindlichen  Bildes  von  Georg  Pencz:  ,,Der  h. 
Hieronymus  in  der  Kleidung  eines  Kardinals".  Gustav  Lehmann:  Exlibris  desselben, 
gez.  von  Emil  Preetorius  1909,  in  2  Exemplaren.  —  Nürnberg.  Frl.  Auguste  Blumen- 
röder:  1.  ,,Fluviorum  in  Europa  principis  Danubio  cum  adiacentibus  regnis  nee  non  totius 
Graeciae  et  Archipelagi  novissima  tabula".  Authore  Joh.  Baptista  Homanno  Norimbergae. 
Kol.  Kupferstich.  1.  Hälfte  18.  Jahrh.;  2.  ,,Americäe  Mappa  Generalis  .  ..  delineata  ab 
Aug.  Gottl.  Boehmio  ...  in  lucem  proferentibus  Homannianis  heredibus  A.  1746".    Kupferstich; 

3.  ,,Die  Erde  in  zwey  Halbkugeln  ...  entworfen  von  Conrad  Mannert,  Professor.  Nürnberg 
bey    Homanns   Erben   18O6".      Kupferstich;    4.  ,, Charte  von  Europa  ...   entworfen  von   F. 


—     49     — 

L.  Güssfeld.  Durch  Bemerkung  der  neuesten  Gränzen  berichtigt  1807.  Nürnberg  bey  den  Ho 
mann.  Erben".  Kupferstich;  5-  , .Charte  von  Deutschland  nebst  den  angränzenden  Län- 
dern .  .  .  neu  entworfen  von  F.  L.  Güssefeld  .  .  .  herausgegeben  von  Homanns  Erben.  Nürn- 
berg 1807".  Kupferstich;  6.  ..Deutschland  in  Albers'scher  Projektion  von  C  G.  Reichard, 
Nürnberg,  bey  Christoph  Fenibo.  1824".  Kupferstich;  7-  ,. Charte  vom  Königreich  Baiern 
mit  der  jetzigen  Kreis-Eintheilung  neu  herausgegeben  von  Christoph  Fembo.  Nürnberg,  1824". 
Kupferstich,  koloriert;  8.  ,, Charte  vom  Os  manischen  Reiche  in  Europa,  .  .  .  entworfen 
von  F.  L.  Güssefeld.     Nürnberg  bey  Christoph    Fembo.    1826".     Kupferstich   mit  Grenzenkolorit; 

9.  „M  o  r  e  a  und  L  i  v  a  d  i  e  n,  ...  neu  gezeichnet  und  herausgegeben  von  Christoph  Fembo. 
Nürnberg.  1827".  Kupferstich  mit  teilweisem  Grenzkolorit;  10.  „Die  Kaiserlich  Österre'chischen 
Ungarischen  Erbstaaten,  das  ist  Ungarn,  Siebenbürgen,  Dalmatien  ...  entworfen 
und  gezeichnet  von  C.  F.  Weiland.  Weimar.  Im  Verlage  des  Geographischen  Instituts  1849." 
Kupferstich  mit  teilweisem  Grenzkolorit;  11.  ..Af  ri  k  a  secundum  legitimas  projectionis  stereo- 
graphicae  regulas  .  .  .  exhibita  a  Joh.  Matthia  Hasio.  M.  P.  P.  O.  h.  t.  facult.  phil.  in  accad. 
Witeb.  decano.  Impensis  Homanniorum  heredum".  Kupferstich.  18.  Jahrb.;  12.  ,,Daene- 
mark  mit  Schleswig- Holstein".  Nürnberg  bei  Fr.  Nap.  Campe.  Kupferstich  mit  Grenzkolorit. 
1.  Hälfte  19-  Jahrb.;  13.  ,,Die  Königreiche  Holland  und  Belgien  nebst  dem  Groß- 
herzogtum Luxemburg".  Nürnberg  bei  Fr.  Campe.  1831.  Kupferstich  mit  Grenzkolorit; 
14.  ,,Plan  de  la  ville  de  Paris,  nouvellement  dresse  ...  dessine  par  E.  Hocquart  a  Paris". 
Chez  Moronual,  imprimeur  libraire,  Rue  Galande,  Nr.  65.  Lithographie  mit  farbiger  Abgrenzung 
der  einzelnen  Viertel.  2.  Hälfte  19.  Jahrh. :  15.  —  21.  Sieben  Aushängeverzeichnisse  der  bei  dem 
königL  bayer.  Oberpostamt  Nürnberg  abgehenden  und  ankommenden  Briefposten.  Einblatt- 
drucke 1831  und  um  183I;  22.  Fahrplan  der  königl.  bayer.  Donau-Dampfschiff- 
fahrt  zwischen  Regensburg  und  Linz  für  das  Jahr  1847;  23.  Verzeichnis  der  Zollgebühren 
für  verschiedene  Lederarten.  Handschriftlich.  1.  Hälfte  19-  Jahrb.;  24.  Plan  einer  Park- 
anlage. Aquarell  von  Fr.  Biedermann.  1834;  25.  u.  26.  Zwei  Blatt  Kupferstiche  mit  je 
vier  Trachtendarstellungen,  unter  denen  sinngemäße  Verse.  2.  Hälfte  18.  Jahrh. ; 
27.  „Unsere  bisherigen  Kreuzer  sind  wie  viel  Reichspfennige.'"  Aushängetafel  in  Schwarz- 
und  Rotdruck.  Schärtels  Buchdruckerei  (Theod.  Häslein)  Nürnberg.  1871—75-  Prokurist 
Fritz  Crämer:  Ehrenbürgerrechtsbrief  des  Herrn  Karl  von  Crämer  in  Nürnberg.  1888. 
Federzeichnung  in  schwarz,  gold  und  rot  von  Friedrich  Wanderer.  Amtlich  nicht  übergeben, 
da  ein  neuer  Brief  angefertigt  wurde.  Kassiersehegatten  Wolf  gang  und  Emma  N  e  r- 
reter:  1.  Lebenslauf  des  Generals  von  Ziethen.  Kleines  Einblatt  in  Typendruck.  Um 
1786;  2.  Gesellenbrief  des  Weißgerber- Gewerks  in  Berlin  vom  8.  Jan.  1805.  Oben  eine 
Ansicht  von  Berlin  in  Kupferstich;  3.  ..Rundgesang  fürs  löbl.  bürgerliche  Volontair-Corps 
am  Abend  des  5-  Januar  18O6.  Geweiht  von  Chr.  Adam  Sebald,  Oberl.  und  Adj.  und  Erb.  Chr. 
Carl  Zeidler,  Lieut."  4  Seiten  Text  in  Typendruck;  4.  ..K  ö  n  i  g  1  i  c  h  Baierische  N  a- 
tional-Garde  Illter  Classe  zu  Nürnberg  mit  der  Ansicht  der  Schutt,  als 
deren  Paradeplaz,  welcher  am  13.  Juli  1812  ..  .  feyerlich  eingeweiht  wurde".  Kol.  Lith.  von 
G.  P.  Buchner;  5.  Patent  für  Christoph  Schweiger  als  Leutnant  der  National-Garde  dritter 
Klasse  der  Artillerie- Kompagnie  der  Stadt  Nürnberg  vom  28.  Juni  1813;  6.  Darstellung  eines 
wunderbaren  Vogels,  der  zu  Anfang  Januar  1828  nach  Konstantinopel  kam.  Blei- 
stiftzeichnung mit  handschriftlicher  Beschreibung;  7.  ,, Tabelle  des  Magistrats  der  Königlich 
Bayerischen  Stadt  Nürnberg  über  die  Preise  und  Taxen  der  Früchte  und  Lebens- 
bedürfnisse in  derselben  für  den  Monat  Mai  1829".  Auf  der  Rückseite  Brot-Satz  für  den 
gleichen  Monat.  Beiderseits  bedrucktes  Quartblatt;  8.  „Programm  über  die  beim  Empfang 
und  während  der  Anwesenheit  ihrer  Königlichen  Majestäten  von  Bayern  zu 
Nürnberg  stattfindenden  Festlich  keite  n".  Nürnberg,  Druck  der  Campeschen  Offizin. 
1840;  9.  „Huldigung  ihren  Königlichen  Majestäten  von  Bayern  durch  Nürnbergs  Bürger- 
schaft ...  dargebracht   am   7.    September   l840".     Nürnberg.     Druck  der  Campeschen  Offizin; 

10.  Allegorie  auf  die  Vergänglichkeit  alles  Irdischen  in  Form  eines  zusammen- 
legbaren Briefes  mit  bezeichnenden  Darstellungen  in  Lithographie.  Im  Verlag  von  J.  B.  Lach- 
müller in  Bamberg.  1.  Hälfte  19.  Jahrb.;  11.  Scherzhafte  Aufforderung  zum  direkten  Bezahlen 
in  Wirtschaften.     Lithographie.     Nürnberg  bei  G.  N.  Renner  &  Co.     1.  Hälfte  19.  Jahrh.; 


50    — 


Frl.  Charlotte  Schnerr:  Eine  größere  Partie  Modebilder  aus  der  Modenwelt,  der  Großen 
Modenwelt,  der  Illustrierten  Frauenzeitung,  dem  Bazar,  dem  Chic  Parisien  und  aus  den  Mode- 
zeitschriften Le  Chic  und  Le  Grand  Chic  Frl.  Seiler:  1.  Reisepaß  für  Frau  Pfarrer 
Rebecca  Maria  Seiler,  geb.  von  Forster,  in  Nürnberg,  ausgestellt  von  dem  Kgl.  Kommissär  der 
Stadt  Nürnberg  Faber,  zu  einer  Reise  nach  Marienbad  am  15.  Juni  1831 ;  2.  Der  schöne 
Brunnen  in  Nürnberg.  G.  C.  Wilder  fec.  Dr.  M.  M.  Mayer  excud.  1.  Hälfte  19-  Jahrb.; 
3.  Konrad  Wießner:  Nürnberg  von  der  Ostseite.  Der  Albrecht  Dürer- Verein  seinen 
Mitgliedern  im  Jahr  1838.  Originalstich.  —  Pozsony  (Ungarn).  Dr.  jur.  et  pol.  Alfred 
Friedl:  Exlibris  Alfred  und  Erna  Friedl.  Gezeichnet  von  Rose  Eisner  1908.  —  Reinbeck 
b.  Hamburg.  T  h  e  o  d.  Bock:  Exlibris  desselben.  Entwurf  von  Freiherrn  Alexander  von 
Dachenhausen.  —  Schrobenhausen.  Carl  Poellath,  Prägeanstalt  und  Metallwarenfabrik: 
Reproduktionen  von  Medaillen  zeitgenössischer  Künstler,  geprägt  von  der  Geschenkgeberin.  — 
Straßburg.  Dr.  R.  Forrer:  „Saazer  Stadt- Hopfen- Versendungs- Karte"  vom  23.  Oktober 
1862.  —  Wien.  K.  K.  K  u  n  s  t  h  i  s  t  o  r.  Hofmuseum:  Photographie  einer  ornamentalen 
Kleinplastik  aus  dem  16.  Jahrh.  aus  den  Sammlungen  des  A.-H.  Kaiserhauses  in  Wien.  — 
Wismar.  Dr.  F.  Cr  u  11:  4  Blatt  Photographien  von  Truhen  aus  Schleswig- Holstein.  16.  u. 
17.  Jahrhundert. 

Ankäufe. 

Kupferstiche  und  Radierungen.  Heinrich  Aldegrever:  1.  Joseph  erzählt  Jakob 
seine  Träume.  B.  18.  Aus  der  Folge  der  Geschichte  Josephs  B.  18—21.  2.  Joseph  wird  von 
Potiphar  verklagt.  B.  20.  Aus  der  gleichen  Folge.  3-  Joseph  läßt  seinen  Brüdern  Getreide 
verkaufen.  B.  21.  Aus  der  gleichen  Folge.  4.  Tanzendes  Paar.  B.  157-  Bl.  6  aus  der  Folge 
der  Hochzeitstänzer  B.  152—159.  5.  Vignette  mit  zwei  Sirenen,  die  sich,  Rücken  an  Rücken 
gewandt,  an  den  Armen  halten.  B.  199-  6.  Verzierung  für  eine  Dolchscheide.  Oben  ein 
Fahnenträger  mit  Schwert  in  der  Rechten.  B.  225.  7-  Aufsteigendes  Ornament.  Oben  zwei 
Masken  und  zwei  chimärische  Fische.  B.  236.  8.  Groteske  mit  einem  Maskaron  zwischen  zwei 
Füllhörnern,  von  denen  jedes  einen  Adler  trägt.     Am  Fuß  eines  jeden  ein  Satyr.     B.  272. 

Handzeichnungen.  Bartholomäus  W  i  1 1  i  g:  Putto,  einen  anderen,  der  eine 
Fruchtschale  in  Händen  hält,  auf  den  Schultern  tragend.  Farbige  Trockenstiftzeichnung. 
Stammbuchblatt  für  Bartholomaeus  Viatis  vom  18.  Juli  1658.  —  Johann  Franz  Er  m  eis: 
Hirte  und  Hirtin,  welche  ein  Lamm  liebkost.  Rötheizeichnung  auf  Pergament.  Widmungsblatt 
für  Joh.  Heinr.  Roos.  —  Georg  Strauch:  Alte  Frau  spinnend,  angeblich  des  Künstlers 
Mutter.  Halbfigur,  an  einem  Tisch  sitzend,  auf  dem  ein  Licht  brennt.  Bleistiftzeichnung. 
Links  unten  in  alter  Schrift:  ,,G.  Strauch".  —  Carl  Marcus  Tuscher:  Architektonischer 
Aufbau  in  Portalform.  Getuschte  Bleistiftzeichnung  in  malerischer  Auffassung.  —  Franz 
K  ob  eil:  Waldpartie  bei  A'.manshausen  am  Würmsee.  Aquarell.  Bezeichnet  rechts  unten: 
„F.  Kobel  1801".  —  Georg  Martin  Preisler:  Bildnis  eines  älteren  Mannes  mit  Allonge- 
perücke. Bleistiftzeichnung.  —  Heinrich  Guttenberg:  Knabe,  von  rückwärts  gesehen. 
Bleistiftstudie.  Bezeichnet  unten  in  der  Mitte:  ,,H.  Guttenberg".  —  Christoph  Haller 
von  Hallerstein:  Bildnis  des  Georg  Christian  Wilder.  Ganze  Figur  auf  einer  Truhe 
sitzend.  Bleistiftskizze.  —  Mathias  Hartmann:  Brustbild  einer  alten  Dame.  Blei- 
stiftzeichnung.     Monogrammiert.      10.    Okt.    1824.  —  Johann     C  h  r  i  s  t  o  p  h  ,  E  r  h  a  r  d: 

1.  Auf  dem  Kahlenberg  bei  Wien.  Rechts  eine  aufstrebende  Felspartie  mit  üppiger  Vegetation. 
Ein  Mann  mit  dem  Schirm  auf  der  Schulter  schreitet  dem  Tale  zu.  Bleistiftzeichnung.  Auf 
der  Rückseite  eine  landschaftliche  Skizze.  2.  Italienerin.  Kleine  Bleistiftstudie.  Rechts  unten: 
,,J.  C  Erhard  f.  Rom.  1821".  Aus  dem  Besitz  seines  Freundes  Johann  Adam  Klein.  —  Georg 
Christian    Wilder:     1.  ,,Die    Freyung  zu   Wien".     In   Sepia  lavierte   Bleistiftzeichnung. 

2.  Der  Dom  zu  Regensburg,  von  Südwest  gesehen.  Im  Juli  1816  nach  der  Natur  gezeichnet. 
In  Sepia  angelegte  Bleistiftzeichnung.  39  cm  hoch,  45  cm  breit.  Angefertigt  für  Wiebeking. 
—  Friedrich  Geißler  (sogenannter  Pariser  Geißler):  ,, Hinter  dem  Thumenberg". 
Große   Rötheizeichnung. 

Historische  Blätter.  „Darstellung  des  blutigen  Schauplazes  der  Kayserlichen  und  Fran- 
zösischen Truppen  auf  der   Feuchterstrasse.     1800.   d.   18.   Dec."     Kleiner   Kupferstich. 


—    51 


Stadtpläne  und  Prospekte.  Iü7  Blatt  kleine  Stadtansichten.  Kupferstiche  etwa  der  Mitte 
des  17-  Jahrhunderts. 

ßilderrepertorium.     42  photographische   Detailaufnahmen  meist     von   Werken  des  Tilmann 
Riemenschneider  und  Veit  Stoß. 

Hohenzollern- Stiftung.  „Die  Printzen  des  königl.  Preuß:  Chur-  und  Marckgräfl.  Hauses 
Brandenburg  nach  ihren  Namen,  Familien,  Perioden,  nebst  der  hierzu  dienlichen  Genea- 
logie, Chronologie,  Geographie,  Heraldic:  u.  Numismatic  Zum  Gebrauch  der  Real-Schule  in 
Berlin".  Gewidmet  Friedrich  Wilhelm,  Kurfürst  von  Preußen,  Markgraf  von  Brandenburg,  von 
Johannes   Friedrich    Haehn   1751-     J-    D.    Schienen  sculpsit   Berolini.      Koloriert. 

D  e  p  o  s  i  t  a. 

Depositum  der  Erben  des  im  Jahre  1856  verstorbenen  Kunstschuldirektors  Albert 
Reindel  in  Nürnberg:  1.  Das  Sebaldusgrab,  l82l  von  Albert  Reindel  gestochen.  Mit  der 
Adresse  von  Frauenholz.  Kupferplatte.  Dabei  ein  Abdruck  ohne  diese  Adresse.  2.  Lauten- 
spielender Knabe,  1810  von  Albert  Reindel  gestochen.  Kupferplatte.  3-  Antikes  Basrelief: 
eine  griechische  Braut,  deren  Füße  die  Dienerin  salbt.  Von  Albert  Reindel  ursprünglich  für 
das  Mus.  Napoleon  gestochen,  erschien  aber  später  nicht  darin.  Kupferplatte.  4.  Die  Predigt 
des  Apostels  Paulus  zu  Ephesus,  nach  le  Sueurs  Bild  im  Louvre.  Gestochen  von  Albert  Reindel. 
Unvollendete  Kupferplatte.  Unten  das  Monogramm  des  Künstlers  und  die  Jahrzahl  1838.  Da- 
bei ein  Abdruck.  5.  Die  originale  Vorzeichnung  von  B.  Bouillon  vom  Jahre  1812  zu  der 
vorgenannten  Platte.  Kreidezeichnung.  6.  Kupferplatte  von  Heinrich  Guttenberg, 
darstellend  das  Biwak  Napoleons  in  der  Nacht  vom  5. — 6.  Juli  1809  vor  der  Schlacht  bei  Wagram. 
Dieser  Stich  ist  der  größte  des  Künstlers. 


ARCHIV. 

(1.   Juli  bis  30.  September.) 

Geschenke. 

Hersbruck.  Konrad  Schramm:  Ein  Konvulut  Kaufbriefe,  Teilzettel  usw.  aus 
Hersbruck,  1685—1809.  Orig.  Pap.  —  Nürnberg.  Kassier  Wolfgang  Nerreter  und 
Frau:  Bericht  des  Leutnants  v.  Borstell  über  den  Rheinübergang  der  Franzosen  in  der  Nacht 
vom  5.  zum  6.  Sept.  1795,  dat.  Duisburg,  den  6.  Sept.  1795-  Pap.;  Quittierte  Rechnung  des 
Buchdruckers  Bieling  in  Nürnberg  für  — ?  I805,  20.  April.  Orig.  Pap.;  Quittung  über  bezahlte 
Traugebühren  (Seb.  Pf.)  f.  Joh.  Leonh.  Rösch,  Gold-  und  Silberarbeiter  in  Nürnberg,  aus- 
gestellt vom  Zeremonienmeister  Mainberger.  Mit  Stempel  der  k.  baier.  Polizeidirektion  und 
Unterschrift  vom  P.  C.  Nopitsch.  Nürnberg  I8l2,  28.  Mai.  Orig.  Pap.  Nbg.  1812,  28.  Mai  Orig. 
Pap.;  Übersicht  über  den  Bestand  der  Artillerie-Compagnie  der  National-Garde  Illter  Klasse 
zu  Nürnberg.  1.  Hälfte  des  19-  Jahrh.  Dr.  med.  F  r  i  e  d  r.  V  o  i  t,  prakt.  Arzt:  Materialien 
zur  Genealogie  Schweinfurter  Geschlechter.  (Stammbäume  und  Notizen  für  Stipendienzwecke): 
Sammelhandschrift  des  17-/18.  Jahrh.  Jüngste  vorkommende  Jahreszahl  1717-  Pap.  Hdschr. 
(54  Bl.  2");  Beiträge  zur  Genealogie  der  Schweinfurter  Familien  Albrecht,  von  Berg,  Bietz, 
Breitschneid,  Brönner,  Dürprecht,  Eckart,  Eisen,  Fehr,  Fend,  Frobenius,  Gadamer,  Glock- Wehner, 
Göbel,  Gropp,  Hahn,  Heunisch,  Hofmann,  Kronacher,  Krackhardt,  Kraus,  Marold,  Reinhardt, 
Reumann,  Röder,  Rüffer,  Schmidt,  Schuler,  Seyfrid,  Si.xt,  Stör,  Wagner,  Zeitloß.  18. /19.  Jahrh. 
Orig.  Pap. 

Ankäufe. 

Schreiben  des  Markgrafen  Christian  von  Brandenburg-Bayreuth  an  Kanzler  und  Geheime 
Räte  zu  Kulmbach.  (Fordert  Bericht  in  Sachen  des  Kaufmanns  Werner  in  Dresden,  der  von 
der  Tochter  des  Markgrafen,  der  Her^.ogin  Magdalena  Sibylla  zu  Sachsen,  Jülich,  Cleve  und  Berg, 
ein  Postgeld  von  600  fl.  zu  beanspruchen  hat  und  deshalb  an  das  „Ehegeld"  der  Herzogin,  bezw. 
an  die  Landschaftsstube  gewiesen  ist.)    Bayreuth  1646,  11.  Jan.  Orig.  Pap.  O/a  S.  2°  mit  Adresse. 

♦4 


—     52     — 

Denkmäler  der  Heilkunde.  Erhebung  des  Dr.  Johann  Carl  Daniel  Kraus,  kgl.  preuß.  Rats 
u.  Stadt-  u.  Ober-Amts-  Physici  zu  Schwabach.  in  den  erblichen  Adels-  u.  Ritterstand  des 
Reichs  und  des  Kurfürstent.  Pfalz-Bayern  durch  Kurfürst  Karl  Theodor  als  Reichsvikar.  1792, 
16.  Juli.  Orig.  Perg.  U.  in  bl.  Samteinband  mit  anhangendem  größerem  Reichsvikariats-Siegel, 
eingeschlossen   in   silberverzinnter    Kapsel. 

Heyer  v.  Rosenfeldschen  Stiftung:  Schreiben  des  Martin  Sigmund  von  Rabenstein  zu  Wirs- 
berg  an  seinen  Schwager,  Joachim  v.  Seckendorff  zu  Ulistadt,  in  Familienangelegenheiten.  1568, 
25.   Sept.  (Wirsberg).    Orig.    Pap.  3  S.  fol.    Mit  Adr.  u.  S. 

Autographen=Sammlung:  Nota  Drmiel  Chodowieckis  ,,für  Herrn  Greeve,  königi.  Preuß. 
Agenten  zu  Hamburg"  über  mit  622—649  numerierte  und  spezifizierte  Blätter  seiner  Hand. 
Mit  Namensunterschrift  und  Datum:  Berlin  den  11.  Jener  1791.  1V2  8.  Pap.-  Orig.;  Brief 
Jakob  Grimms  an  Carl  August  Hahn  (1807—57,  späteren  Prof.  in  Heidelberg,  Prag  und  Wien), 
in  dem  jener  seiner  Anschauung  über  die  verschiedenen  Methoden  des  Studiums  der  deutschen 
Sprachdenkmäler  Ausdruck  gibt.  Göttingen,  19.  Juni  1833-  3  S.  4.  Mit  Adresse  u.  Siegel; 
Eduard  Möiike:  „Der  Abgebrannte.  In  das  Album  für  Hamburg.  Juni  1842"  („Ist's  möglich.? 
sieht  ein  Mann  so  heiter  aus,  .  .  .")  Originalniederschrift  mit  Korrekturen.  1  S.  8.  Dat.: 
Cleversulzbach,  d.  26.  Juni  1842.  (Abgedr. :  Sänitl.  W.  in  6  Bdn.,  hrsgg.  v.  Rud.  Krauß. 
III,  20  f.). 

BIBLIOTHEK. 

(1.   Juli  bis  30.   September.) 
Geschenke. 

Arnau.      K.   k.     S  t  a  a  t  s  -  G  y  m  n  a  s  i  u  m:     XXVIII.    Jahresbericht.     1908/09.     8.    — 
Aschaffenburg.     H  a  n  d  e  1  s  -  G  r  e  m  i  u  m:    Jahresbericht  des  Handels- Gremiums  zu  Aschaffen- 
burg.   1908.  1909.    8.  —  Bamberg.     Kgl.    neues    Gymnasium:    Jahresbericht  1908/09. 
Mit  Programm.  1909.  8.  —  Ungenannt:    Fuchs,  Die  Frau  in  der  Karikatur.  1906.  4.  — Berlin. 
Kgl.  Bibliothek:     Jahresverzeichnis    der    an    den    deutschen    Universitäten    erschienenen 
Schriften.    XXIII.    1909.    8.  —  Verzeichnis  der  aus  der  neu  erschienenen  Literatur  von  der  Kgl. 
Bibliothek  zu   Berlin  und  den  preußischen   Universitätsbibliotheken  erworbenen  Druckschriften. 
1908.     1909.     8.  —  Jahresverzeichnis   der   an   den   deutschen    Schulanstalten    erschienenen  Ab- 
handlungen.   XX.    1908.    1909.    8.  —  Jahresbericht  der  Kgl.  Bibliothek  zu  Berlin  für  das  Jahr 
1908/09.    1909.    8.  —  Paul   C  a  s  s  i  r  e  r,    Verlag:    Aubert,  Runge  und  die  Romantik.    1909.  8. 
—  R.  V.  Deckers  Verlag:    Lotz,  Geschichte  des  deutschen  Beamtentums.   9.  u.  10.  Lfg.  2.  — 
General  direktion  der   Kgl.    Preuß.  Museen:   Jahrbuch  der   Kgl.    Preuß.    Kunst- 
sammlungen.   XXX.   Bd.,  4.  Heft.   1909.  2.  —  G  e  n  e  r  a  1  d  i  r  e  k  t  i  0  n  der   Kgl.   Preuß. 
Staatsarchive:     Koser    &  Droysen,     Briefwechsel    Friedrichs   des    Großen   mit   Voltaire. 
II.  Bd.    1909.    8.  —  Gesellschaft   für   Theatergeschichte:    Theater-Ausstellung 
Berlin  1910.   8.  —  Deutsche   Gesellschaft  für   Volksbäder:   Veröffentlichungen 
der  Deutschen   Gesellschaft  für  Volksbäder.    V.   Bd.,    2.    Heft.    1909-    8.    —    Kgl.    Preuß. 
K  r  i  e  g  s  m  i  n  i  s  t  e  r  i  u  m:     Veröffentlichungen   aus   dem    Gebiete  des  Militär- Sanitätswesens. 
Heft  40  u.   41.     1909-     ?^-  —  Justizrat  C.   Robert     Lessing:     Buchholtz,    Die    Geschichte 
der  Familie  Lessing.    1909-   2.  —  August    Scherl,    Verlag:    Scherl,  Ein  neues  Schnellbahn- 
system.    1909-     4.  —  Dr.  A.  Südekum:     Stenographischer    Bericht    des    Prozeß    Sartorius. 
1906.   4.  —  Kasasis,  Griechen  und  Bulgaren  im  19.  und  20.  Jahrhundert.    1908.    8.  —  Senat 
der    Kgl.    Akademie   der    Künste:    Chronik  der  Kgl.  Akademie  der  Künste  zu  Berlin 
vom  1.  Oktober  19O6  bis  1.  Oktober  1908.    1909.    8.  —  Verein    für   die    Geschichte 
Berlins:    Voß,   Beriiner   Kalender  für  das  Jahr  1910.    1909.    8.  —  E  r  n  s  t    W  a  s  m  u  t  h, 
Verlag;  Dehio  &  Bezold,  Die  Denkmäler  der  deutschen  Bildhauerkunst.  6.  Lfg.  2.  —  Dehio,  Hand- 
buch der  deutschen  Kunstdenkmäler.  Bd.  III.  Süddeutschland.  1908.  8.  —  Weidmann'sche  Buch- 
handlung: Deutsche  Texte  des  Mittelalters.  Bd.  XVI.  1909.  8. -- Besztercze.  Gewerbelehrlings- 
schule:      XXXIII.  Jahresbericht.    1908.    8.  —  Bielefeld  u.  Leipzig.     Velhagen    &    Kla- 
s  i  n  g:    Künstlermonographien.    Bd.  97:    Osborn,  Eugen  Bracht.    1909.    8.  —  Budweis.     K.    k. 
Deutsches    Gymnasium:     XXXVIII.   Jahresbericht,    1908/09.    Mit  Programm.    1909. 


53 


S.  _  Danzii:;.  Prof.  Dr.  O.  G  ü  n  t  li  e  r,  Stadtbihfiotliekar:  Ders.,  Katalog  der  Handschriften 
der  Dan/.i.irer  Stadtbibliothek.  Hl.  Bd.  1909.  8.  —  Eger.  K.  k.  S  t  a  a  t  s  -  O  b  e  r  r  e  a  1- 
schule:  X.  Jahresbericht,  1908/09.  1909-  8.  —  Erlangen.  Fr.  J  11  n  ,i(  e,  Verlag:  Beiträge 
zur  bayerischen  Kirchengeschichte.  XV.,  S-  1909-  8.  —  Eßlingen.  Paul  Neff,  Verlag: 
Die  Kunst-  und  Altertunisdenkmale  im  Königreich  Württemberg.  Hrgg.  von  Eugen  Gradmann. 
Inventar.  36. /4l.  Lfg:  Donaukreis,  Oberamt  Biberach,  bearbeitet  von  Braun  &  Pfeiffer.  1909. 
8.  —  Frankfurt  a.  M.  Direktion  der  historischen  Abteilung  der  IIa: 
Führer  durch  die  historische  Abteilung  der  Internationalen  Luftschiffahrt- Ausstellung  Frank- 
furt a.  M.  1909.  8.  —  Frauenfefd.  Huber  &  Co.,  Verlag:  Staub  &  Tobler,  Sehr -izerisches 
Idiotikon.  Heft  64.  1909-  8.  —  Freiburg  i.  B.  H  e  r  d  e  r'sche  Verlagsbuchhandlung:  Beißel, 
Gefälschte  Kunstwerke.  1908.  8.  —  Schnürer,  Jahrbuch  der  Zeit-  und  Kulturgeschichte.  1908. 
1909.  8.  —  Friedberg  in  Hessen.  Geschichts-  und  Altertumsverein:  Dreher, 
Aus  der  Geschichte  des  Badewesens  mit  besonderer  Rücksicht  auf  das  mittelalterliche  Friedberg. 
1909.  8.  —  Dreher,  Friedberger  Geschichtsblätter.  Jahrg.  I,  Heft  1.  1909.  8.  —  Helmke, 
Die  Altertumssammlungen  des  Friedberger  Geschichtsvereins  und  ihre  Verwertung  in  der  Schule. 
I.:  Die  prähistorischen  Altertümer.  1904.  8.  —  Seidenberger,  Friedberg  und  die  Wetterau  im 
Rahmen  deutscher  Reichsgeschichte.  1905.  8.  —  Friedenau.  Prof.  Dr.  K.  K  i  n  z  e  1,  Wie 
reist  man  in  Oberbayern  und  Tirol?  VIII.  Aufl.  1909.  8.  —  Fritzlar.  M.  Ehrhardt,  Ver- 
lag: Rauch.  Führer  durch  Fritzlar.  1909.  8.  —  Qemunden.  Herzog  Ernst  August  von 
C  u  m  b  e  r  1  a  n  d,  Kgl.  Hoheit:  Fiala,  Münzen  und  Medaillen  der  Weifischen  Lande.  Bd.  VI. 
1907—1908.  2.  —  Gießen.  Hessische  Vereinigung  für  Volkskunde:  Schulte, 
Das  Volkslied  in  Oberhessen.  1909.  8.  —  Qöding.  Deutsche  Landes-Oberreal- 
schule:  XI.  Jahresbericht,  1908/09.  1909-  8.  —  Gotha.  Gothaer  Lebensver- 
sicherung: 80.  Rechenschaftsbericht,  1908.  1909.  2.  —  Qottschee.  K.  k.  Staats- 
g  y  m  n  a  s  i  u  ni:  IV.  Jahresbericht,  1908/O9.  1909-  8.  —  Groß=  Lichterfelde.  Dr.  K.  K  1  e  m  m; 
Klemms  Archiv.  Mitteilungen  aus  der  Familiengeschichte.  Nr.  22.  1909.  8.  —  Grunewald  bei 
Berlin.  Prof.  Bodo  Ebhardt:  Ders.,  Der  Väter  Erbe.  1909.  4.  —  Heilsbronn.  Pfleger 
A  1  b  r  e  c  h  t  Weber:  Zunftbuch  der  Hausmetzger  von  Hoheneck.  Hs.  von  1695.  4.  —  Her= 
mannstadt.  Baron  Bruken  thalisches  Museum:  Csaki,  Führer  durch  die  Gemälde- 
galerie des  Baron  Brukenthalischen  Museums.  VI.  Aufl.  1909.  8.  —  Ingolstadt.  Dr.  O  s  t  e  r- 
mair:  Belagerung  Ingolstadts  durch  die  schmalkaldische  Armee.  1867.  8.  0.  V.  —  Mair, 
Über  die  Geschichte  der  Chirurgenschulen  in  Bayern  und  die  Entwicklung  der  Medizin  im  19. 
Jahrhundert.  1884.  8.  —  Ostermair,  Der  Volksschullehrer  ein  Förderer  der  naturwissenschaft- 
lichen Kenntnis  des  Heimatlandes.  1882.  8.  —  Ostermair,  Über  die  Colpohyperplasia  cystica. 
1889-  8.  —  Ostermair,  Beiträge  zur  Rechts-  und  Verfassungsgeschichte  der  Stadt  Ingolstadt. 
1884.  8.  —  Ostermair,  Führer  durch  Ingolstadt.  1896.  8.  —  Ostermair,  Heinrich  Fellermeyer, 
Stadt-  und  Krankenhauswundarzt.  1888.  4.  —  Sammelblatt  des  historischen  Vereins  in  und 
für  Ingolstadt.  I.  — XXVI. ,  XXVIII.  — XXXI.  1876— 1908.  8.  —  Innsbruck.  W  a  g  n  e  r'sche 
Universitätsbuchdruckerei:  Dalla  Torre  &  v.  Sarntheim,  Die  Farn-  und  Blütenpflanzen  von 
Tirol,  Vorarlberg  und  Liechtenstein.  Bd.  II.  1909-  8.  —  Egger,  Die  Tiroler  Freiheitskämpfe  im 
Jahre  1809.  1909-  8.  —  Gumplowicz,  Der  Rassenkampf.  Innsbruck  1909.  8.  —  Haselsberger, 
Maximilian  I.,  Kaiser  von  Mexiko.  1909.  8.  —  Scherrer,  Soziologie  und  Entwicklungsgeschichte 
der  Menschheit.  Bd.  II.  1908.  8.  —  Word,  Reine  Soziologie.  Bd,  II.  1909.  8.  —  v.  Wolff, 
Die  Beziehungen  Kaiser  Maximilians  I.  zu  Italien  1495—1508.  1909-  8.  —  Köln.  Gesell- 
schaft für  rheinische  Geschichtskunde:  v.  Schrötter,  Die  Münzen  von  Trier. 
II.  Teil.  1908.  4.  —  Christlicher  Kunstverein  der  Erzdiözese  Köln: 
Jahresbericht  für  das  Jahr  1908.  1909.  4.  —  Konstanz.  Großherzog  1.  Gymnasium: 
Bericht  über  das  Schuljahr  1908/09.  1909.  8.  —  Korneuburg.  Realgymnasium:  Jahres- 
bericht 1908/09.  Mit  Programm:  Kilian,  Kurze  Versuche  über  Kunst  und  Künstler.  1909.  8.  — 
Krumau  a.  d.  Moldau.  Anton  Mörath,  Archivdirektor:  Horcicka,  Briefwechsel  der  Fa- 
milien Anton  Alex.  Graf  Auersperg  (Anastasius  Grün)  und  Med.  Dr.  Anton  Mörath.  1909.  4.  — 
Leipzig.  A.  D  e  i  c  h  e  r  t,  Verlag:  Wirtschafts-  und  Verwaltungsstudien.  Hrgg.  von  G.  Schanz. 
Bd.  XXXV.  1909.  8.  —  Deutsche  Goldschmiedezeitung:  Offizielle  Festnummer 
zur    Eröffnung  der    Kgl.    Fachschule     und   des    Kunstgewerbemuseums    für    Edelmetallindustrie 


—     54 


Schwäbisch-Gmünd.  1909-  4.  —  F.  W.  G  r  u  n  o  w,  Verlag:  Wippermann,  Deutscher  Ge- 
schichtskalender für  1908.  Bd.  1 1.  1909.  8  —  Bibliographisches  Institut:  Meyers 
großes  Konversationslexikon.  Bd.  XXI.  1909.  8.  —  E.  A.  Seemann,  Verlag:  Kehrer,  Die 
hl.  drei  Könige  in  Literatur  und  Kunst.  Bd.  1  u.  2.  1908.  4.  —  Magdeburg.  Dr.  P.  F.  Schmidt: 
Ders.,  Der  Meister  des  Berliner  Martin  und  Hans  von  Heilbronn.  S.-A.  1909.  8.  —  Mähr.-Ostrau. 
Deutsche  Landes-Oberrealschule:  XXVI.  Jahresbericht,  1908/09.  1909.  — 
Mannheim.  Dr.  R  ö  h  r  i  n  g,  Oberstabsarzt:  Duller,  Die  Männer  des  Volks.  1847-  8.  —  Fest- 
schrift zum  25jährigen  Jubiläum  von  Bad  Neuenahr,  1858 — 1908.  1908.  4.  —  Freiligrath,  Ein 
Glaubensbekenntnis.  1844.  8.  —  Zehn  lyrische  Selbstporträts.  Mit  den  Porträts  der  Dichter 
von  M.  A.  Stremel  und  den  selbstgeschriebenen  Lebensskizzen  in  Facsimile.  O.  J.  8.  —  Msrburg. 
Der  Konservator  der  Denkmäler  im  Regierungsbezirk  Cassel: 
Drach,  Die  Bau-  und  Kunstdenkmäler  im  Regierungsbezirk  Cassel.  Bd.  II.  Text  und  Atlas. 
1909.  4.  —  Aus  der  Denkmalpflege  im  Regierungsbezirk  Cassel  1904 — 1908.  1909.  4.  — 
Merseburg.  Verein  zur  Erhaltung  der  Denkmäler  der  Provinz  Sachsen: 
Jahrbuch  der  Denkmalpflege  in  der  Provinz  Sachsen.  1908.  8.  —  Metz.  Museum  der 
Stadt  Metz:  Metz,  seine  Vororte  und  die  Schlachtfelder  um  Metz.  1909.  8.  —  München. 
Albert  Langen,  Verlag:  Fuchs,  Illustrierte  Sittengeschichte.  1909.  8.  —  K  g  1.  Gene- 
ralkonservatorium: Rundschreiben  des  Kgl.  Generalkonservatoriums  der  Kunstdenk- 
male etc.  betreffend:  Die  Pflege  und  Erforschung  der  prähistorischen  Denkmale.  1909.  8.  — 
Direktion  des  Bayerischen  National  museums:  Hofmann,  Altes  Bayerisches 
Porzellan.  Offizieller  Katalog  der  Ausstellung  im  Studiengebäude  des  Bayerischen  National-- 
museums  in  München,  25.  Juli  bis  20.  September  1909-  1909.  8.  —  J.  L  e  n  t  n  e  r,  Verlag: 
Wieland,  Veröffentlichungen  aus  dem  kirchenhistorischen  Seminar  München.    III,    6.    1909.    8. 

—  Dr.  M.  Roth,  Medizinalrat:  Heister,  Chirurgie.  1770.  4.  —  Münnerstadt.  Kgl.  huma- 
nistisches Gymnasium:  Jahresbericht  1 908 /09.  Mit  Programm.  1909.  8.  —  Münster 
i.  W.  Der  Landeshauptmann  der  Provinz  Westfalen:  Die  Bau-  und  Kunst- 
denkmäler von  Westfalen:  Kreis  Gelsenkirchen  Stadt  und  Kreis  Gelsenkirchen  Land,  Kreis 
Halle.  1909.  4.  —  Neuburg  a.D.  Realschule:  Jahresbericht  1908/09.  1909.  8.  —  Nürn- 
berg. Nachlaß  Frau  Johanna  Braun:  Witschel.  Morgen-  und  Abendopfer  in  Gesängen. 
1828.  8.  —  L.  Fei  n,  Gymnasiast:  Cranz,  Historie  von  Grönland.  1765.  8.  —  Hauptaus- 
schuß des  XVII.  Deutschen  Feuerwehrtags:  Festschrift  für  den  XVII.  Deut- 
schen Feuerwehrtag  zu  Nürnberg,  24. — 27.  Juli  1909.  1909.  8.  —  Feuerwehrausstellung  Nürn- 
berg, 24. — 27.  Juli  1909,  offizieller  Katalog.  1909.  8.  —  Naturhistorische  Gesell- 
schaft: Berville,  Histoire  de  Pierre  Terrail,  dit  le  Chevalier  Bayard  ...  I8l2.  8.  —  Cramer, 
Der  Jüngling.  1775.  8.  —  Denis,  Le  Brahme  voyageur.  1843.  8.  —  van  Deppen,  De  Inneming 
van  Saragossa.  1828.  8.  —  Focquenbroch,  Alle  de  Werken  verzamelt  en  uitgegeven  door  Abraham 
Bogaert.  1723.  8.  —  Geschiedenis  der  Nederlanden  ...  door  G.  Bruining.  1825.  8.  —  van 
Hemert,  Körte  Levensbeschryving  der  Hollandsche  Graven.  1749.  8.  —  Jäck,  N.  Th.  Gönners 
Biographie.  1813.  8.  —  The  poetical  works  of  S.  Johnsohn.  0.  V.  0.  J.  8.  —  Lessen  over 
de  Redekunde.    1828.    8.  —  Siegfried  van  Lindenberg.    Uit  het  Hoogduitsch  vertaald.    1787.  8. 

—  Loosjes,  De  slag  bij  Nieuwpoort,  heldenspel,  en  Emilia  van  Nassau.  1786.  8.  —  Loosjes, 
Semida  en  Cidli  .  .  .  1804.  8.  —  Loosjes,  De  Watergeuzen.  1790.  8.  —  The  works  of  Thomas 
Moore,  hrgg.  von  E.  F.  Fleischer.  1826.  8.  —  Paape,  Job.  1779.  8.  —  Panse,  Geschiedenis 
van  de  Landverhuizing  der  evangelische  Saltburgers  in  den  Jare  1732.  1832.  8.  —  Proeve  van 
stigtelijke  Mengelpoezij.  1778.  8.  —  van  Rantzau,  Het  leven  van  Nicolaus  Lodewyck,  Graaf  en 
Heer  van  Zinzendorf  en  Pottendorf.    1796.    8.  —  Richer,  Les  vies  des    hommes  illustres.  1756  8. 

—  Riemsnyder,  Fabeln  en  vertelsels.  1783.  8.  —  Salignac,  Les  avantures  de  Telemaque.  1755- 
8.  —  Seiler,  Allgemeines  Lesebuch.  1791.  8.  —  Weber,  Weltgeschichte.  1885.  8.  —  Weih- 
nachtsbaum für  arme  Kinder.  Gaben  deutscher  Dichter.  Hrgg.  von  F.  Hofmann.  l849.  8.  — 
Willinks,  Amsterdamsche  Buitensingel  .  .  .  1738.  8.  —  Eine  Anzahl  von  Veröffentlichungen 
der  Gesellschaft:  ,,Tot  nut  van't  algemeen"  aus  der  ersten  Hälfte  des  19-  Jahrhunderts.  8.  — 
Kgl.  Altes  Gymnasium:  Jahresbericht  1908/09.  1909.  8.  —  Handels-  und  Ge- 
werbekammer für  Mittelfranken:  Jahresbericht  1908.  1909-  8.  —  E.  K  i  e  ß- 
k  a  1 1,    Postsekretär:   Ders.,   Die  Bildwerke  des  ehemaligen  Cistercienserinnen- Klosters   Himmel- 


—    55    — 


krön.  19uy.  8.  —  Ders.,  Die  Grubsteine  in  der  Kirche  zu  Gräfenthal  in  S.-M.  S.A.  19<>?-  8.  — 
J.  Krönert,  Gymnasiast:  Joung,  Klagen  und  Naclitgedanken.  176O.  8.  —  H.  K  u  b  1  a  n, 
Ki:l.  Oberförster  a.  D.:  Du  Hamel  du  Monceau,  Naturgeschichte  der  Bäume.  1764/65.  8.  — 
K  g  1.  K  u  n  s  t  g  e  w  e  r  b  e  s  c  h  u  1  e:  Jahresbericht  1908/09.  1909.  8.  —  Künstlerklause: 
Festschrift  zur  Feier  des  50jährigen  Bestehens  der  Künstlerklause  Nürnberg.  1909.  4.  —  Dr.  K. 
L  e  h  n  e  r:  Hippocrates.  Aphorismen.  8.  —  Dr.  L  e  y,  Gymnasiallehrer:  Das  Ausland.  Jahrg. 
1832,  1839  u.  1842.  4.  —  Biblia.  Hrgg.  v.  G.  S.  Esenbeck.  1755-  8.  —  Biblia.  Hrgg  von  Pfaff. 
1767.  8.  —  Corpus  iuris  canonici,  ed.  Petrus  Pithoeus.  1705-  2.  —  Gramer,  Sam.^iung  einiger 
Predigten.  1758.  8.  —  Gundisius.  Geistlicher  Perlenschmuck  ...  1696.  8.  —  Evangelisches 
Handbuch  ...  1727.  8  —  Rhenius.  Grammatica  Latina.  1700.  8.  —  Neue  Sammlung  geist- 
licher Lieder.  1771.  8.  —  W.  Nerreter  und  Frau:  Joh.  Arndts  Wahres  Christentum  und 
Paradies-Gärtlein.  1737.  8.  —  Ausführliche  Beschreibung  der  Luftreise,  welche  Herr  Blanchard 
....  vollzog.  1787.  4.  —  Die  Geschichte  des  jetzigen  Krieges  in  Gesprächen  im  Reiche  der 
Todten  vorgestellt.    1757—60.    4.  —  Der  Stat  Nürmberg  verneute  Reformation.    1564.   1595-  2. 

—  Zwei  Manuskripte  und  eine  gedruckte  Bekanntmachung  Caspar  Hauser  betreffend.  —  Ein 
Konvolut  Druckschriften  Ludwig  Sand  betreffend.  —  Ein  Konvolut  Nürnberger  Zeitungen  von 
1801,  1S29  u.  1840.  —  Ein  Album  mit  Kupferstichporträts  polnischer  Heerführer  und  Aquarellen 
polnischer  Uniformen  aus  der  Zeit  der  Polenkämpfe  etc.  —  Heinrich  Schulz:  Anekdoten  und 
Charakterzüge  aus  dem  Leben  Friedrichs  II..  Königs  von  Preußen.  1788.  8.  —  Helene 
Seiler:  Die  Bibel,  übersetzt  von  Martin  Luther.  Hrgg.  von  Joh.  Ph.  Tresenius.  1834.  8.  — 
Biblia,  nach  der  deutschen  Übersetzung.  Hrgg.  von  Hier.  Burckhardt.  1784.  8.  —  Christliche 
Gebett  .  .  .  1660.  24.  —  Grünauer,  Das  vollständige  und  vermehrte  auf  die  neueste  Art  ein- 
gerichtete Koch-Buch.  1733.  8.  —  Hübner,  Zweymahl  zwey  und  fünffzig  auserlesene  biblische 
Historien.  1731.  8.  —  Kleine  Spruch-Bibel.  1836.  8.  —  Stadtmagistrat:  Buechel,  Er- 
gebnisse der  allgemeinen  Wohnungsuntersuchung  in  Nürnberg  1901/02.  1906.  2.  —  Paderborn 
Major  Heller:  Ders..  Rothenburg  in  Wehr  und  Waffen.  S.A.  1909.  8.  —  St.  Polten,  Franz. 
Zimmermann:  Ders..  Aus  der  Vicegespanschaft  Hermannstadt.  1909.  8.  —  Rathenow. 
Max  Babenzien,  Verlag:  Knötel.  Uniformenkunde.  Bd.  XII.  1908.  8.  —  Regensburg. 
K  g  I.  altes  Gymnasium:  Jahresbericht  1908/09.  Mit  Programm.  1909.  8.  —  Kg  1. 
neues  Gymnasium:  Jahresbericht  1908/09.  Mit  Programm.  1909.  8.  —  Reval.  Dr.  K. 
Zoege  von  Manteuffel:  Ders..  Die  Gemälde  und  Zeichnungen  des  Antonio  Pisano. 
Diss.  1909.  8.  —  Salzburg.  M  ä  d  c  h  e  n  -  L  y  z  e  u  m:  5-  Jahresbericht,  1908/09.  1909-  8.  — 
Steinhausen  (Post  Mehendort.  0fr.).  Freiherr  von  G  u  1 1  e  n  b  e  r  g,  Oberst  a.D.:  Derselbe. 
Germanische  Grenzfluren.  S.-A.  1909.  4.  —  Stuttgart.  J.  G.  Cottas  Nachfolger,  Ver- 
lag: Lindner.  Weltgeschichte.  VI.  Bd.  1909.  8.  —  Kgl.  Württembergisches  Haus- 
und  Staatsarchiv:  Wirtembergisches  Urkundenbuch.  X.  Bd.  1909.  2.  —  Kgl.  Tech- 
nische Hochschule:  Jahresbericht  1907  08.  1909-  4.  —  W.  K  o  h  1  h  a  m  m  e  r,  Ver- 
lag: Zeitschrift  für  deutsche  Philologie.  XLI,  2.  1909.  8.  —  Kgl.  Württembergisches 
Statistisches  Landesamt:  Beschreibung  des  Oberamts  Urach.  1909.  8.  —  Tetschen. 
K.  k.  Staats-Oberrealgymnasium.  X.Jahresbericht,  1908/09.  1909.  8.  —  Unter- 
waltersdorf  in  Niederösterreich.  Dr.  Stockmayer:  Ferro,  Vom  Gebrauch  des  kalten  Bades. 
1790.  8.  —  Groß,  Briefe  über  Krankheitsheilung  und  Gesundheitspflege  mit  Rücksicht  auf  die 
Kaltwasser- Heilmethode.  1842.  8.  —  Richter,  Encyclopädie  der  menschlichen  Anatomie.  1836. 
4.  —  Waldheim  i.  S.  Dr.  S  c  h  m  u  t  z  e  r,  Schlachthof  direkter:  Ders.,  Zur  Geschichte  der  Pferde- 
zucht und  Pferdehaltung  im  18.  Jahrhundert.  S.-A.  1909.  —Wien.  Robert  F.  Arnold: 
Ders.,  Andreas  Hofer  in  der  englischen  Dichtung.  IX,  3.  1909.  8.  —  K.  k.  Erzherzog 
Rainer-Gymnasium:  Jahresbericht  1908 /09.  1909.  8.—  K.  k.  Finanzmini- 
sterium:   Beiträge  zur  Statistik  der  Personaleinkommen  in  den  Jahren  1903— 1907.    1908.   4. 

—  Komitee  der  Erzherzog  Carl-Ausstellung:  Katalog  der  Erzherzog  Carl- 
Ausstellung.  1909.  8.  —  K.  k.  Oberstkämmererstab:  Jahrbuch  der  kunstgeschicht- 
lichen Sammlungen  des  allerhöchsten  Kaiserhauses.  XXVIIl,  2.  1909.  2.  —  K.  k.  Staats- 
gymnasium XVI II.  Bezirk:  II.  Jahresbericht,  1908/09.  1909-  8.  —  Wunsiedel.  E. 
Summa,  Pfarrer:  Ders.,  Chronik  der  Pfarrei  Schwarzenbach  a.  S.  2.  Aufl.  1898.  8.  —  Würz- 
burg.   Gesellschaft    für    fränkische    Geschichte:    Veröffentlichungen  der  Ge- 


—    56 


Seilschaft  für  fränkische  Geschichte:  I.  Reihe,  Fränkische  Chroniken,  l.  Band,  Chroniken  der 
Stadt  Bamberg.  I.  Hälfte.  1907.  4.  —  Justizrat  Merzbacher:  Ost  und  West.  Monats- 
schrift für  das  gesamte  Judentum.  IX,  5  u.  6.  1909.  4.  —  Zweibrücken.  K  g  1.  humani- 
stisches Gymnasium:  Festschrift  zum  350jährigen  Jubiläum  des  Hornbach-Zweibrücker 
Gymnasiums.     1909.     8.  —  Jahresbericht   1908/09.     1909-     8. 

Ankäufe. 

(Naubert),  Elisabeth  Erbin  von  Toggenburg.  Oder  Geschichte  der  Frauen  von  Sargans 
in  der  Schweiz.  I.  u.  II.  1791-  8.  —  Saubertus:  Emblematum  sacrcorum  consideratio.  1625 
bis   30.   8.  —  Zingerle,    Reiserechnungen   Wolfgers  von   Ellenbrechtskirchen.     1877-   8. 

Heyer  von  Rosenfeldsche  Stiftung.  Archiv  für  Stamm-  und  Wappenkunde.  Jahrg.  X. 
1909.  4.  —  Wappenbilder.  Serie  II,  34.  III  78—82.  IV  47— 49-  V  11.  4.  —  Charisius,  Chronik 
des  Geschlechtes  Charisius  1550—1908.  1909.  8.  —  Rietstap,  Armorial  general.  Fase.  46  u.  47- 
4.  —  Schiviz  von  Schivizhofen,  Der  Adel  in  den  Matriken  der  Stadt  Graz.  1909.  8.  —  Thieme- 
Becker,  Allgemeines  Lexikon  der  bildenden  Künstler.  Bd.  III.  1909-  8.  —  Wurzbach,  Nieder- 
ländisches   Künstler- Lexikon.     Bd.    II,  Lfg   10  u.    11.     1909-    8. 

Hohenzollern=  Stiftung.  Les  actions  glorieuses  de  Frederic  le  Grand,  roi  de  Prusse  etc. 
depuis  le  commencement  de  son  regence  illustre,  jusqu'au  tems  present.  Denkwürdigkeiten 
Friedrichs  des  Großen  etc.    Dessine  par  B.    Rode.    O.   J.    2. 

Nassauer  Stiftung.  Archives  ou  correspondance  inedite  de  la  maison  d'Orange- Nassau. 
Tome  III,  1700—1702.    1909.    8. 


Abb.  4.     Heinrich  Aldegrever:  Ornamentstich.    B.  272. 


—    57    — 


LITERARISCHE  ANZEIGEN  UND  BESPRECHUNGEN. 

über  die  Strafe  des  Steintragens  von  Dr.  Eberhard  Frhr.  v.  Kiinl.ibirl,^  Unter- 
siicliuntreii  zur  deutschen  Staats-  und  Rechtsgeschichte,  hgb.  von  Dr.  Otto  Gv:!  Ke,  Professor 
der  Rechte  an  der  Universität  Berlin.  Heft  9l-  Breslau,  Verlag  von  M.  &  H.  Marcus. 
1907.    IV.  t')l   S.  go. 

Die  vorliegende  Untersuchung,  einem  Kapitel  aus  der  Rechtspflege  verflossener  Jahr- 
hunderte gewidmet,  ist  der  Beachtung  vor  allem  rechts-  und  kulturgeschichtlich  interessierter 
Kreise  sicher.  Auf  Grund  eines  umfänglichen  wissenschaftlichen  Apparates,  der  noch  durch  die 
Beigabe  der  wichtigsten  Quellenstellen  und  einer,  nicht  weniger  als  131  Nummern  umfassenden 
„Bücherliste"  vervollständigt  wird,  behandelt  der  am  deutschen  Rechtswörterbuche  tätige  Ver- 
fasser die  in  Mittelalter  und  Neuzeit  für  Vergehungen  durch  ,,Hand  und  Mund"  so  gebräuchliche 
Strafe  des  Steintragens. 

Nach  einigen  knappen,  auf  das  Strafwerkzeug  selbst  bezüglichen  Bemerkungen,  werden 
zunächst,  dem  Wortforscher  gewiß  willkommen,  die  mannigfachen  landesüblichen  Bezeichnungen 
auf  ihre  Wortbedeutung  hin  geprüft  und  kritisch  gewertet.  Mit  der  Beobachtung,  daß,  aus 
dem  ganzen  Verbreitungsgebiet  jener  Rechtssitte,  die  österreichisch-bayerischen  Kreise  ein 
besonders  einheitliches  scharf  umrissenes  Bild  erkennen  lassen,  ist  dann  die  Grundlage  für  den 
Hauptteil  gewonnen.  Das  Strafinstrument  heißt  dort  ,,Bagstein"  (von  ,,bagen"  =  ,, zanken, 
streiten,  hadern")  und  dient  der  Sühne  für  Frauengezänke. 

Als  spezifische  Frauenstrafe,  so  führt  der  Verfasser  weiter  aus,  geht  das  Steintragen  im 
letzten  Grunde  auf  die  Verknechtung  bezw.  Strafarbeit  zahlungsunfähiger  weiblicher  Individuen 
zurück    und  erhält  sich    durch  die  ,, geminderte  Vermögensfähigkeit  der  bevormundeten  Frau." 

Psychologisch  interessant  ist  die  Schilderung  des  Vollzuges  der  Strafe:  er  ward,  gerade- 
herausgesagt, zum  Freudentag  der  ganzen  Einwohnerschaft  des  Ortes.  Das  darf  umsoweniger 
überraschen,  als  ja  unser  zwanzigstes  Jahrhundert  diesen  Tiefstand  der  Gesittung  und  Gesin- 
nung noch  nicht  überwunden  hat,  und,  wir  können  es  täglich  erleben,  die  niederen  Instinkte 
des  Volkes  eigentlich  nur  gerufen  sein  wollen  und  hervortreten,  sobald  sich  die  gewünschte  Ge- 
legenheit bietet.  Damals  rechnete  man  mit  der  Beteiligung  der  Menge ,  und  die  Strafe  wurde 
zur  Folter.  Der  Spottlust  und  dem  Übermute  des  jolilenden  Pöbels  preisgegeben,  mußte  die 
Verurteilte,  mit  dem  Stein  behängt,  dem  Büttel  auf  dem  vorgeschriebenen  Wege  folgen,  gefesselt 
und  damit  schutzlos  jeglicher  Mißhandlung  gegenüber.  Man  versah  auch  wohl  die  Buben  mit 
faulen  Eiern,  die  Burschen  erhielten  Wein  auf  Kosten  der  Delinquentin  und  werden  nichts 
verabsäumt  haben,  ihr  Mütchen  zu  kühlen.  Ein  Pfeifer  und  ein  Pauker  findet  sicli  gelegentlich 
im  Zuge,  für  den  gewisse  Stellen  zur  Rast  Vorschrift  und  als  Termine  die  Gerichts-  und  Markt- 
tage Regel  waren,  an  denen  große  Menschenmassen  zusammenzukommen  pflegten. 

Für  die  Deutung  der  Entstehung  der  Strafe  tritt  der  Verfasser,  bei  sorgfältiger  Be- 
sprechung der  übrigen  Erklärungsversuche,  auf  die  Seite  von  G.  Waitz  und  kommt  zu  dem 
Resultat:  Die  Strafe  des  Steintragens  sei  gleich  den  Strafen  des  Hunde-,  Sattel-  und  Pflugrad- 
tragens eme  Abspaltung  und  Abschwächung  der  Strafknechtschaft.  Der  Stein  sei  ursprünglich 
ein   Handmühlstein  als  Zeichen  weiblicher  Arbeit. 

Erstmalig  im  XIV.  Jahrhundert  belegt,  wird  der  Bagstein,  von  Geldbußen  nicht  zu 
reden,  seit  dem  XVI.  Jahrhundert  allmählich  durch  die  Fiedel  verdrängt,  ein  Instrument  aus 
Holz  oder  Eisenbändern  zum  Einspannen  von  Hals  und  Händen  für  eine  oder  auch  zwei 
Personen,  wie  wir  es  heute,  meist  in  größerer  Anzahl,  in  den  „Folterkammern"  finden. 

Heinrich    Reifferscheid. 

Das  Kostüm  in  Vergangenheit  und  Gegenwart  von  Georg  Büß.  Mit  134  Abbildungen. 
Bielefeld  und  Leipzig.  Verlag  von  Velhagen  &  Klasing  1906.  Bd.  17  der  Sammlung 
illustrierter  Monographien,  herausgegeben  in  Verbindung  mit  anderen  von  Hanns  von  Zobeltitz. 
172  S.    4°. 


-     58 


Die  Wandlungen  der  Mode  in  den  verschiedenen  Zeilen  zu  schildern,  darf  an  sich  als 
ein  Unternehmen  hingestellt  werden,  das  dazu  angetan  ist,  das  Interesse  weiterer  Kreise  zu 
erregen.  Es  ist  darum  begreiflich,  wenn  Herausgeber  und  Verleger  dieses  Thema  ihrer  Samm- 
lung populär  gehaltener  Monographien  einzureihen  bestrebt  waren.  Die  Lösung  der  Aufabe 
selbst  fiel  Georg  Büß  zu,  der  sich  im  Charakter  seiner  Arbeit  der  leitenden  Idee  des  Ganzen 
unterzuordnen  hatte.  Befriedigt  können  wir  die  Wahrnehmung  machen,  daß  er  in  den  ihm 
gezogenen  Grenzen  ein  wirklich  brauchbares  Buch  zustande  gebracht  hat.  Wer  immer  sich 
rasch  über  die  Geschichte  des  Kostüms  und  die  mannigfach  wechselnden  Geschmacksverände- 
rungen in  der  Tracht  von  den  frühesten  Zeiten  bis  auf  unsere  Tage  unterrichten  will,  wird  es 
nie  umsonst  in  die  Hand  nehmen.  Die  reiche  Fülle  von  Abbildungen,  bei  deren  Auswahl  mit 
feinem  Takt  verfahren  wurde,  sorgt  außerdem  dafür,  daß  sich  die  aus  dem  Text  gewonnene 
Vorstellung  zu  einem  fest  umrissenen  Bilde  verdichtet.  Daß  dies  den  Wert  gerade  dieser 
Monographie  um  ein  Bedeutendes  erhöht,  darf  anzumerken  nicht  unterlassen  werden.  Das  Ge- 
wand ist,  um  mit  Goethe  zu  sprechen,  der  allerdings  dabei  nur  die  Kunst  der  Alten  im  Sinne 
hatte,  das  tausendfache  Echo  der  Gestalt,  es  ist  weiterhin  der  Spiegel  der  Sitten  in  den  ver- 
schiedenen Zeiten.  So  ergab  sich  von  selbst  eine  Rücksichtnahme  auf  die  Kultur-  und  Sitten- 
geschichte. Der  Verfasser  hat  sie  in  weitgehendstem  Maße  geübt  und  es  nicht  an  entsprechen- 
den Ausblicken  fehlen  lassen,  die  er  zu  lebendig-sachlichen  Schilderungen  abzurunden  ver- 
standen hat.  Auch  auf  den  Zusammenhang  der  Mode  und  Tracht  mit  der  bildenden  Kunst 
hat  er  wiederholt  hingewiesen.  Lobenswert  ist  es  fernerhin,  daß  er  sich  in  so  weitgehendem 
Maße  mit  den  Einzelheiten  des  Kostüms  beschäftigt.  Selbstredend  war  es  nicht  möglich,  all 
die  vielen  lokalen  Schattierungen  und  Eigentümlichkeiten  zu  berühren.  Der  Verfasser  durfte 
die  große  Linie  einer  zusammenfassenden  Darstellung  nicht  aus  dem  Auge  verlieren.  Dennoch 
hat  er  es  auch  nach  dieser  Richtung  nicht  an  Hinweisen  fehlen  lassen.  Wir  sind  überzeugt 
davon,  daß  keiner,  der  in  diesem  Buche  Belehrung  sucht,  enttäuscht   sein  wird.  Sz. 

Geschichte  der  Säkularisation  im  rechtsrheinischen  Bayern  von  A.  M.  Scheglmann. 
II.  Band.  Die  Säkularisation  in  Kurpfalzbayern  während  des  Jahres  1802.  III.  Band.  Die 
Säkularisation  in  den  1803  definitiv  bayerisch  gewesenen  oder  gewordenen  Gebieten.  Regens- 
burg,   Verlag  von  J.  Habbel.     19O6  u.  1908.    8°. 

Der  erste  Band  dieses  Werkes,  der  die  Vorgeschichte  der  Säkularisation  brachte,  hat  in 
einem  früheren  Hefte  unserer  Mitteilungen  eine  eingehende  Besprechung  erfahren  (Jahrg.  1904. 
S.  42).  Der  Verfasser  schildert  im  zweiten  Bande  die  Säkularisation  des  Jahres  1802  bezw. 
die  Ausführung  der  am  25.  Januar  1802  gegebenen  Instruktion  für  die  Spezialkommission  in 
Klostersachen,  soweit  sie  im  genannten  Jahre  sich  vollzog.  Der  dritte  Band,  der  in  zwei  sehr 
umfangreiche  Teile  zerlegt  werden  mußte,  zeigt  uns  die  Säkularisation  auf  ihrem  Höhepunkte, 
der  herbeigeführt  wurde  mit  dem  Reichsdeputationshauptschluß  vom  Jahre  1803.  Dieser  sprach 
die  Einziehung  des  gesamten  katholischen   Kirchenvermögens  aus. 

Das  Werk  Scheglmanns  gibt  zum  ersten  Male  eine  eingehende  Schilderung  der  Wirkung 
der  Beschlüsse  von  1802  und  1803;  aber  nicht  nur  dieses.  Seinen  eigentlichen  Wert  erhält  das 
durch  geschickte  Einteilung  und  frische  Darstellungsweise  ausgezeichnete  Werk  durch  die 
geradezu  erstaunliche,  von  einer  bewundernswerten  Arbeitskraft  zeugende  Menge  von  Material, 
das  dem  gelehrten  Forscher  hier  zusammengetragen  ist  Dem  Verfasser  kam  es  nicht  nur  darauf 
an,  die  Vorgänge  bei  der  Aufhebung  der  zahlreichen  geistlichen  Genossenschaften  und  Orden 
darzustellen,  es  war  ihm  vor  allem  daran  gelegen,  in  Kürze  eine  möglichst  vollständige  Fest- 
stellung des  Personalstandes  der  einzelnen  zu  bieten,  wichtige  Lebensdaten  bedeutender  Äbte 
und  sonstiger  hoher  Würdenträger  herbeizubringen,  den  Besitzstand  an  liegenden  Gütern,  an 
Kunstschätzen  und  den  Bestand  der  zum  Teil  sehr  reichhaltigen  Bibliotheken  und  deren  ferneres 
Schicksal  festzustellen.  Aus  bisher  noch  nicht  benützten  oder  doch  nicht  genügend  gewürdigten 
handschriftlichen  Aufzeichnungen  und  sonst  nur  schwer  zugänglichen  Quellen  konnte  der  Ver- 
fasser manche  neue  wertvolle  Tatsache  herbeiziehen.  Eine  wertvolle  Quelle  bot  sich  ihm  in 
den  Aufzeichnungen  der  Benediktiner.  Eine  klarere  Quellenangabe  wäre  allerdings  an  manchen 
Stellen  erwünscht.  —  Das  Unternehmen  ist  angewachsen  zu  einem  unerschöpflichen  Repertorium. 
einer  Fundgrube  für  den  Spezialforscher  auf  kirchlichem  wie  auf  politischem  Gebiet;  dem  Kunst- 


59 


historiker  und  dem  Bücherfreunde  wird  es  für  manche  Fälle  ein  unentbehrliches,  willkommenes 
Hülfsmittel  bieten. 

Der  Standpunkt  des  Verfassers  der  Säkularisation  gegenüber  hat  bei  der  Besprechung 
des  ersten  Bandes  entsprechende  Würdigung  erfaiiren.  Was  in  dieser  Beziehung  über  den  ersten 
Band  gesagt  worden  ist,  gilt  auch  für  die  vorliegenden  Teile.  In  dem  ungeheuren  Rechtsbruche, 
der  tausendjährigen  Existenzen  mit  brutaler  Gewalt  ein  Ende  bereitete,  kam  d>^  neue  Zeit  und 
ein  neues  Bayern,  das  unter  der  Leitung  Montgelas'  und  Maximilian  Josefs  so  erfreulichen  Auf- 
schwung nahm,  zur  Welt.  Daß  dieser  Rechtsbruch  keine  Verklärung  erhielt  durch  einen  auf 
die  nationale  Wohlfahrt  oder  sonstige  hohe  Ideale  gerichteten  Gedankengang,  vielmehr  durch 
die  Selbstsucht  der  die  Früchte  der  großen  Umwälzung  einheimsenden  Fürsten  und  durch  das 
Vorgehen  ihrer  Organe  um  so  unangenehmer  sich  fühlbar  machte,  ist  doch  nur  zu  erklären  aus 
den  damals  herrschenden  traurigen  Zuständen  in  den  von  der  Säkularisation  betroffenen  Ge- 
bieten und  im  heiligen  römischen   Reiche  überhaupt. 

Beiträge  zur  westfälischen  Kunstgeschichte.  Herausgegeben  von  Dr.  Herm.  Ehrenberg, 
Professor  an  der  Königl.  Universität  Münster.  Heft  l.  DieGröninger.  Ein  Beitrag  zur 
Geschichte  der  westfälischen  Plastik  in  der  Zeit  der  Spätrenaissance  und  des  Barock,  von 
Dr.  Ferdinand  Koch,  Privatdozenten  an  der  Königlichen  Universität  Münster.  1905. 
Coppenrath'sche   Buchhandlung,    Münster  in  Westfalen.     Kl.  2^.     272  S.  mit  33  Tafeln. 

Die  Kunstgeschichte  der  westfälischen  Lande  durch  eine  Reihe  monographischer  Dar- 
stellungen zu  klären  und  aufzuhellen,  muß  im  Prinzip  als  ein  lobenswertes  und  höchst  ver- 
dienstliches Unternehmen  hingestellt  werden.  Es  wird  dadurch  die  Lücke,  welche  das  große 
Kunstinventar  der  Provinz,  das  seinem  Charakter  entsprechend  Gegenstand  an  Gegenstand  reiht, 
ohne  ein  inneres,  intimeres  Zusammenarbeiten  vorzunehmen,  bestehen  Idßt,  in  erfreulicher 
Weise  füllen.  Der  Blick  schärft  sich  für  die  besonderen  örtHchen  Eigentümlichkeiten.  Die 
Grenzen  der  westfälischen  Kunst  werden  fester  geprägt  und  das  Bild,  das  man  von  ihr  bislang 
hatte,  in  plastischer  Art  neu  belebt. 

Das  1.  Heft  dieser  Publikation  stellt  sich  als  ein  stattlicher  Band  dar,  der  sich  mit  der 
Künstlerfamilie  der  Gröninger  beschäftigt,  welche  vom  Ende  des  16.  Jahrhunderts  bis  in  die 
1.  Hälfte  des  18.  Jahrhunderts  hinein  namentlich  in  der  Grabmalkunst  eine  rege  Tätigkeit 
entfaltete.  Wir  werden  für  jeden  Beitrag  dankbar  sein,  der  sich  mit  dieser  etwas  vernach- 
lässigten Zeit  der  deutschen  Kunstgeschichte  beschäftigt.  Wir  müssen  es  hier  um  so  mehr 
sein,  als  wir  mit  einer  großen  Fülle  von  Werken  bekannt  gemacht  werden,  die  als  ein  in  sich 
geschlossenes  Ganzes  in  greifbarer  Form  vor  uns  treten.  Zudem  ist  es  das  erste  Mal,  daß  die 
Arbeiten  der  Gröninger  zusammengestellt  werden.  Bislang  war  die  Kunstgeschichte  ziemlich 
achtlos  an  ihnen  vorübergegangen.  Wir  werden  davon  überzeugt,  daß  sie  ein  allgemeineres 
kunstgeschichtliches  Interer^se  seiir  wohl  beanspruchen  dürfen.  Trotz  der  auch  ihnen  anhaf- 
tenden Mängel  des  Zeitgeschmacks  besitzen  sie  viele  eigenartige  künstlerische  Qualitäten.  Der 
Kenner  der  deutschen  Plastik  jener  Zeit  wird  sich  aber  trotz  alledem  hüten,  diese  Werke  in 
ihrem  Wert  zu  überschätzen.  Er  wird  sie  hinnehmen  als  Äußerungen  einer  Zeit,  die  durch 
ihre  Veröffentlichung  eine  Klärung  erfährt,  die  wirklich  nottut.  Sich  ganz  von  dem  Banne 
eines  gewissen  Tiefstandes  zu  befreien,  war  nur  wenigen  kraftvollen  Künstlernaturen  beschieden. 
Der  Verfasser  läßt  keinen  Zweifel  darüber,  das  er  ebenso  empfindet.  Offen  gesteht  er  die 
Mängel  ein,  die  er  vorfindet,  ebenso  wie  er  es  nicht  versäumt,  die  guten  Seiten  und  Vorzüge 
der  von  ihm  behandelten  Künstler  hervorzuheben.  So  ist  eine  Arbeit  zustande  gekommen,  die 
einen  wesentlichen  Fortschritt  bezeichnet.  Zu  wünschen  wäre  nur  gewesen,  daß  sich  der  Ver- 
fasser ein  gut  Teil  kürzer  und  knapper  gefaßt  hätte. 

Heft  2.  Die  Beldensnyder.  Ein  Beitrag  zur  Kenntnis  der  westfälischen  Steinplastik  im 
16.  Jahrhundert,  von  Dr.  Friedrich  Born.  IBO.).  Cop  p  enr  a  t  hsch  e  Buchhandlung, 
AAünster  i.  W.     Kl.  2«.     79  S.  mit  17  Tafeln. 

Auch  diese  Arbeit,  von  der  man  vielleicht  gewünscht  hätte,  daß  sie  der  vorigen  über 
die  Gröninger  vorausgegangen  wäre,  beschäftigt  sich  mit  einem  Gebiet,  dem  bislang  eine  recht 
stiefmütterliche  Behandlung  zu  Teil  geworden.  Seit  dem  ersten  zusammenfassenden  Versuch 
Lübkes  über  die  mittelalterliche    Kunst   Westfalens  ist  in  deren  weiterer  Erforschung   ein  be- 


—    60    — 

dauerlicher  Stillstand  einjjetreten.  Wohl  hat  man  sich  mit  einigen  Fragen  über  die  Denkmäler 
der  westfälischen  Architektur  und  Malerei  beschäftigt,  nahm  doch  Westfalen  auf  diesen  Gebieten 
der  Kunst  im  15.  Jahrhundert  und  in  der  ersten  Hälfte  des  16.  Jahrhunderts  eine  eigenartige 
und  bedeutsame  Stellung  in  Deutschland  ein.  Aber  die  Plastik  des  Landes  hat  man  stark 
vernachlässigt,  ganz  besonders  die  Steinplastik,  die  gegen  Ende  des  15.  und  namentlich  im 
16.  Jahrhundert  wieder  zu  ihrem  Recht  kam.  Sie  hat  sich  der  Verfasser  zum  Thema  einer 
monographischen  Darstellung  gewählt  und  damit  ein  Gebiet  angeschnitten,  das  dringend  einer 
Bearbeitung  bedurfte.  Werke,  wie  Nürnberg,  Augsburg  oder  Würzburg  hat  Münster  nicht  auf- 
zuweisen. Doch  läßt  sich  urkundlich  nachweisen,  daß  in  Münster  in  den  ersten  70  Jahren  des 
16.  Jahrhunderts  eine  rege  Kunsttätigkeit  herrschte.  Und  diese  beschränkte  sich  nicht  auf  die 
Stadt  und  deren  Umgebung  allein.  Selbst  eine  so  gewerbreiche  Stadt  wie  Osnabrück  hat 
in  dieser  Zeit  ihre  besten  Werke  der  Steinplastik  von  Alünsterschen  Künstlern  ausführen 
lassen. 

Beim  Fehlen  brauchbarer  Unterlagen  oder  Vorarbeiten  sah  sich  der  Verfasser  vor  die 
Aufgabe  gestellt,  zunächst  eine  Sichtung  der  noch  vorhandenen  Denkmäler  vorzunehmen.  Es 
war  ihm  möglich,  eine  ungezwungene  Scheidung  in  zwei  Hauptgruppen  eintreten  zu  lassen,  die 
zeitlich  durch  das  in  die  Geschicke  der  Stadt  so  tief  einschneidende  Ereignis  der  Wiedertäufer- 
Unruhen  getrennt  sind.  Die  erste  umfaßt  etwa  die  Zeit  von  1500 — 1535,  die  zweite  die  Zeit 
von  1535 — 1562.  Jene  wird  leider  nur  durch  wenige  und  noch  dazu  meist  schlecht  erhaltene 
Werke  repräsentiert,  diese  dagegen,  obwohl  kunstgeschichtlich  die  weniger  interessante,  durch 
eine  größere  Zahl  gut  erhaltener  Arbeiten.  Die  Werke  der  älteren  Epoche  dürfen  mit  einigem 
Recht  dem  Hendrik  Beldensnyder  zugeschrieben  werden,  dessen  Tätigkeit  in  das  erste  Drittel 
des  16.  Jahrhunderts  fällt,  diejenigen  der  zweiten  sind  in  der  Mehrzahl  dem  Johann  Belden- 
snyder zuzuweisen,  der  von  etwa  1530—1562  in  Münster  lebte. 

Der  Verfasser  bringt  uns  wertvolle  Nachrichten  über  das  Leben  dieser  Künstler,  die  er 
nachher  in  ihren  Werken  zeigt.  Seine  Ausführungen  sind  klar,  seine  Darstellung  überzeugend. 
Beigegeben  sind  17  Tafeln  Abbildungen,  die  uns  eine  gute  Vorstellung  von  den  Originalen  ver- 
schaffen. Im  Ganzen  ist  das  Buch  als  eine  wirklich  verdienstvolle  Arbeit  hinzustellen,  deren 
Resultate  kaum  zu  erheblichen  Bedenken  Anlaß  geben  dürften.  Sz. 


Abb.  5.    Heinrich  Aldegrever:  Vignette  B.  199.    Kupferstich, 


Herausgegeben  vom  Direktorium  des  Germanischen  Nationalmuseums. 
Für  die  Schriftleitung  verantwortlich:  Dr.  Theodor  Hampe. 


U.  E.  SEBALD,  Kgl.  Bayer.  Hofbuchdruckerei,  Mürnberg. 


looo.  Nr.  4. 


Okto'foer— Dezember. 


ANZEIGER 

DES 

GERMANISCHEN  NATIONALMUSEUMS. 

CHRONIK  DES  GERMANISCHEN  MUSEUMS. 

Von  Dank  erfüllt  möchten  wir  hier  an  erster  Stelle  des  reichen  Vermächtnisses  Erwähnung 
tun,  das  dem  Germanischen  Museum  durch  letztwillige  Verfügung  des  in  Berlin  verstorbenen 
Kommerzienrats  Johannes  Kahlhaum  zugefallen  ist.  Das  Museum  ist  dadurch  in  den 
Besitz  nicht  nur  einer  umfangreichen  Münzen-  und  Medaillensammlung,  welche  die  alten  Bestände 
in  willkommenster  Weise  ergänzt,  sondern  auch  einer  ansehnlichen  Zahl  wertvoller  Hausgeräte, 
insbesondere  Zinnsachen,  sowie  Zunftaltertümer,  Waffen  usw.  gelangt.  Eine  ausführlichere  Be- 
schreibung des  hochbedeutsamen  Vermächtnisses  folgt  weiter  unten  bei  Besprechung  der  Zu- 
gänge für  die  kunst-  und  kulturgeschichtlichen  Sammlungen  und  die  Bibliothek  (numismatische 
Literatur).  Möchte  das  schöne  Beispiel  edelsten  Gemeinsinnes,  das  der  Verewigte  durch  diese 
testamentarische  Bestimmung  gegeben,  zu  fleißiger  Nachahmung  anspornen.  Auch  den  Herren 
Testamentsvollstreckern  sei  für  ihr  weitgehendes,  liebenswürdiges  Entgegenkommen  hierdurch 
nochmals   der   herzlichste    Dank   des   Museums   ausgesprochen. 

Zum  erstenmale  wird  in  dieser  Nummer  des  Anzeigers  auch  über  die  Erwerbungen  für  die 
Kunstsammlungen  der  Stadt  Nürnberg,  soweit  sie  im  Germanischen  Museum  unter  Eigentums- 
vorbehalt deponiert  sind,  berichtet  (vgl.  unter  „Kunst-  und  kulturgeschichtliche  Sammlungen" 
und   unter  ,,  Kupferstichkabinett"),  worauf  hier  besonders  hingewiesen   sei. 

PERSONALIEN. 

In  die  Reihen  des  Verwaltungsausschusses  des  Germanischen  Museums  hat  der  Tod  aufs 
neue  eine  schmerzliche  Lücke  gerissen.  Am  31.  Dezember  ist  nach  längerem  Leiden  in  Meran 
Adalbert  Freiherr  von  Lanna,  73  Jahre  alt,  aus  dem  Leben  geschieden.  Der  Ver- 
storbene gehörte  dem  Verwaltungsrate  seit  dem  Jahre  1883  an  und  hat  dem  Museum  durch  sein 
erprobtes  Urteil  in  künstlerischen  wie  kunsthistorischen  Dingen,  seinen  umsichtigen  Rat,  seine 
freigiebige  Hand  die  wertvollsten  Dienste  geleistet,  die  ihm  niemals  vergessen  werden  sollen. 

Der  Assistent  Dr.  Heinrich  Heer  wagen  wurde  am  1.  November  zum  Kon- 
servator befördert  und  vom  Archiv  des  Museums,  dem  er  bisher  seine  Tätigkeit  gewidmet  hatte, 
an  die  Bibliothek  versetzt,  der  Praktikant  Dr.  August  Neuhaus  ebenfalls  am  1.  November 
zum  Assistenten  ernannt  und  mit  der  Verwaltung  des  Archivs  betraut. 

Am  1.  Oktober  ist  Dr.  Heinrich  R  e  i  f  f  e  r  s  c  h  e  i  d  aus  Greifswald,  der  am  16.  April 
als  Volontär  in  den  Dienst  des  Museums  getreten  war,  am  1.  November  Dr.  Heinrich  Höhn 
aus  Eisenach,  der  sich  seit  dem  1.  Juli  als  Volontär  an  der  Bibliothek  und  am  Kupferstichkabinett 
betätigt  hatte,  zum  Praktikanten  angenommen  worden. 

NEUANGEMELDETE  JAHRESBEITRÄGE. 

Von  Gemeinden:  Backnang  10  Jk  Immenstadt  (statt  bisher  3  Jt  43  ^)  10  Ji  Nldda 
(statt  bisher  3  ^ü  43  ^)  5  JL     Windsheim   (statt  bisher  8  Ji  57  ^)  10  J4 

Von  Distriktskassen:  Erbendorf  5  Ji  Kemnath  5  .ü  Obernburg  a  M.  10  JC.  Pfarr- 
kirchen 20  M 


—    62     — 

Von  Vereinen  und  Anstalten:  Berlin.  Papier- Industrie- Verein  lOOjt.  Bonn.  Kath.  Studenten- 
verein „Arminia"  25  Ji  Breslau.  Verein  deutscher  Studenten  lO  M;  Kath.  Studenten- 
verbindung „Winfridia"  10  JL  Greifswald.  Kath.  Studentenverbindung  „Allemannia"  20  JL 
Landshut.  Histori.scher  Verein  für  Niederbayern  (statt  bisher  8  Ji)  10  Ji  Nidda.  Bezirks- 
sparlcasse  5  Ji  Zerbst.  Gerwerbeverein  10  Ji;  Herzogl.  Haus=  und  Staatsarchiv  10  Ji;  Zerbster 
Lesehalle  10  Ji 

Von  Privaten:  Altona.  Frau  Hedwig  Heidmann  5  Ji;  Georg  Kallmorgen,  Senator  50  Ji 
Dr.  Robinow,  Rat  10  Ji;  Georg  Semper  5  Ji  Altdorf.  Geiger,  K.  Seminarassistent  1  JL;  Pohl 
mann,  K.  Präparandenlehrer  3  Ji  Ansbach.  Dresse,  K.  Staatsanwalt  3  Ji;  Eisselein,  stellv 
Landgerichtsdirektor  3  Ji;  Gebhard,  K.  Konsistorialrat  3  Ji;  Hofstätter,  K.  Konsistorialrat  3  Ji 
Jüngling,  K.  Forstmeister  2  Ji;  Dr.  Kirsten,  Oberveterinär  2  Ji;  Klee,  K.  Regierungsrat  3  Ji 
Mayer,  K.  Forstrat  3  Ji;  von  Müller,  Bankoberbeamter  3  JL;  von  Ölhafen,  K.  Oberlandes 
gerichtsrat  a.  D.  3  M.;  Dr.  Riegel,  Oberarzt  2  JL;  Wagner,  K.  Regierungsassessor  3Ji;  Zoller 
K.  Regierungsassessor  3  JL  Antwerpen.  Alfred  Schuchard,  Großkaufmann  20  JL;  Augsburs: 
Friedrich  Würth,  Bankier  5  Ji  Backnang.  Berger,  Bezirksgeometer  l  Ji;  Eckstein,  Stadtschult 
heiß  2  JL;  Leonhardt,  Apotheker  l  JL  Bad  Reichenhall.  Frau  Brandauer,  Rentiere  3  ^fL 
Dr.  Heinrich  Schmid  2  Ji;  M.  Schneider,  Direktor  2  Ji;  Segebarth,  Apotheker  2  Ji  Bautzen 
Dr.  Felix  Neumann,  Augenarzt  10  Ji  Berchtesgaden.  Heinrich  Blum,  Schuhmachermeister  3  Ji 
E.  Christmann,  Betriebsleiter  3  Ji;  Hans  Hohenadel,  K.  Förster  10  Ji;  Keller,  Postverwalter 
5  Ji;  H.  Rothe,  Hotelbesitzer  5  Ji.;  Fr.  Schwarzenbeck,  Kaufmann  3  Ji  Berghofen  i./W.  Baake, 
Pfarrer  3  JL  Berlin.  Dr.  Ulrich  Bünger  iO  Ji;  Dr.  Gallenkamp,  Geh.  Oberregierungsrat  10  JI; 
H.  F.  Macco,  Privatgelehrter  in  Steglitz  iOji;  Dr.  ing.  E.  Rathenau,  Baurat  und  Generaldirektor 
der  allg.  Elekt.  Ges.  20  JL;  Dr.  Paul  von  Schwabach,  Generalkonsul  50  JI;  August  Seiberg,  Stadt- 
rat iO  Ji;  Dr.  phil.  Werner  Weisbach,  Privatdozent  20  JL  Bernburg.  Bernhard,  Hof  Juwelier 
3  Ji;  Ehrhardt,  Fabrikdirektor  3  JL;  Hildebrandt,  Kaufmann  3  Ji  Bethel  b.  Bielefeld.  Wilhelm 
von  Bodelschwingh,  Pfarrer  3  Ji  Beuthen.  A.  Doctor  in  Liegnitz  3  JL  Bochum.  Brauerei- 
direktor Barthei  (statt  bisher  2  Ji)  4  Ji;  Ewe,  Kaufmann  3  Ji;  G.  Fricke,  Kaufmann  3  Ji; 
B.  D.  A.  Gengier,  Architekt  5  Ji;  Grimme,  Oberlehrer  3  Ji;  Hagerfeld,  Architekt  5  Ji;  Over- 
hoff,  vereid.  Landmesser  3  Ji  Braunsberg.  Dr.  Steinmann,  Professor  3  Ji  Bruchsal.  Dr.  Hilgard, 
Gymnasialdirektor  3  Ji  Budweis.  J.  Stepan,  Baumeister  2  Kr.  Bunzlau.  Krautstrunk,  Ingenieur 
3  Ji;  Pralle,  Fabrikbesitzer  3  JL  Burgfarrnbach.  Scheuermayer,  Braumeister  l  Ji  Cadolz- 
burg.  Bernreuther,  Lehrer  1  Ji;  C.  Brechtel,  Distriktstierarzt  2  Ji;  Clauß,  K.  Gerichtsvollzieher. 
2ji;  H.  Fürstenhöfer,  Marktsekretär  l  JI;  Kern,  Rentamtsinzipient  1  JL;  Ruffershöfer,  K.  Sekre- 
tariatsassistent 1  JL;  A.  Wehefritz,  K.  Oberamtsrichter  2  Ji;  J.  G.  Wörrlein,  K.  Amtsgerichts- 
sekretär 2  Jd.  Charlottenburg.  Hermann  Walüch,  Konsul  20  Ji  Colmar.  Rudioff,  Bauunter- 
nehmer 3  Ji  Crefeld.  Frau  Kommerzienrat  Oetk2r  3  Ji  Darmstadt.  Hohenstein,  Ober- 
lehrer (statt  bisher  l  Ji)  5  JI;  Max  Schuchardt,  Privatgelehrter  (statt  bisher  1  JL)  S  Ji 
Deggendorf.  Jakob  Eiser,  Stadtpfarrer  2  Ji;  Georg  Glück,  Kgl.  Professor  an  der  Kgl.  Real- 
schule 1  Ji  Dillenburg.  Karl  Fischer,  Kaufmann  1  Ji;  Dr.  Rittershausen,  Apotheker  1  Ji; 
Dinkelsbühl.  Bürckstimmer,  Kgl.  Pfarrer  1  Ji;  Reisinger,  Kgl.  Pfarrer  1  Ji;  Fr.  Ritter, 
Benefiziat  i  Ji;  Dr.  Schiller,  prakt.  Arzt  1  Ji  Döbeln.  Dr.  Kraaz,  Oberlehrer  2  Ji;  Dr.  Krause, 
Oberlehrer  2  Ji  Eggenfelden.  Goldenberger  K.  Bezirksamtmann  3  Ji;  Posl,  Benefiziat  2  JL: 
Sailer,  Kgl.  Kommerzienrat  2  Ji;  Schmidt,  Kgl  Amtsrichter  3  JL  Ellingen.  Jacob,  Kgl.  Notar 
1  Ji;  Zippelius,  K.  Amtsrichter  i  Ji  Eschenau.  Kelber,  Forstamtsassessor  in  Kalchreuth  l  Ji; 
Frau  Dekan  Körber  in  Nürnberg  1  Ji  ;  Weidinger,  Brauereibesitzer  1  M  Frankfurt  a./M. 
S.  Jourdan  lO  JL;  S.  Steinmann,  Professor  3  Ji  Frankfurt  a./O.  F.  Steinbock.  Fabrikbesitzer 
(statt  bisher  3  Ji)  5  Ji;  W.  Steinbock,  Fabrikbesitzer  (statt  bisher  3  Ji)  5  Ji  Fürth.  Fri.  Sophie 
Heydner  6  JL;  Albert  Schorer,  Lehrer  3  JL;  H.  Schütz,  K.  Landgerichtsrat  3  JI  Gräfenberg. 
Anna  Wolfrum  i  Ji  Gunzenhausen.  L.  Faulstich  jr.,  Kaufmann  2  JC;  A.  Frank,  Direktor  2  J^ 
Haag.  Fritz  Reichel  10  J4  Hagen  i/W.  Dr.  May  weg,  Geheimrat  10  J4  Hagenau  i/E.  F.W.Schaum, 
Oberlehrer  3  JL  Halberstadt.  Hermes,  Superintendant  3  Ji  Heilbronn.  Dr.  med.  Schüll  l  Ji 
Höchst  a/M.  Dankert,  Ingenieur  1  Ji  Fendt,  Ingenieur  2  JI;  Franz,  Ingenieur  2  A;  Dr.  Korndörfer 
1  Ji;  Dr.  Schwarz.  Chemiker  1  Ji;  Tiedtke,  Ingenieur  2  Ji;  Dr.  Tretzell  1  Ji  Husum.  Professor 
Dr.  Puls,  Großh.  Gymnasialdirektor  5  Ji  Jena.  Dr.  Benno  von  Hagen,  Oberlehrer  3  JI;  Philipp 
Kropp,  Privatgelehrter  5  Ji    Immenstadt.  Johann  Cari  Herz,  Rentier  (statt  bisher  2  Ji)  10  Ji; 


—     63     — 

Dr.  Christof  Müller,  bezirksärztlicher  Stellvertreter  5  Ji;  Alfred  Probst,  Fabrikdirektor  5  Ji; 
Oskar  Probst,  Ingenieur  5  JL;  Paul  Probst,  Fabrikdirektor  (statt  bisher  5  Ji)  10  JL  Kaisers- 
lautern. Vogel,  K.  Seminardirektor  2  JL  Kiel.  Dr.  Feist,  Professor  5  JL;  Dr.  Harries,  Professor 
20  Ji;  Dr.  Graf  von  Spee  3  Ji  Kißiegg.  Neuner,  Maschinenfabrikant  in  Leutkirch  (statt  bisher 
1  Ji)  2  Ji;  Zaußer,  Oberamtsstraßenmeister  in  Wangen  (statt  bisher  1  Ji)  2  Ji  Kl.  Heilsbronn. 
Wilhelm  Sparrer,  K.  Amtsrichter  2  Ji  Königsberg  i./Pr.  Emil  Teppich,  Kommerzienrat  30  Ji 
Kreuzburg.  Pietrusky,  Güterdirektor  in  Bischdorf  l  Ji  Kronach.  E.  Krause,  Kaufmann  in  Hof 
1  Ji  Landshut.  Hans  Feiertag.  K.  Direktionsrat  3  Ji;  Kaspar  Wölfl,  Rechtsanwalt  3  Ji  Leer- 
stetten.  Baum,  Pfarrer  l  Ji;  Roth,  Hauptlehrer  l  Ji  Leipzig.  Barth,  Direktor  10  Ji;  Eleonore 
Bucherer  in  Köln  3  Ji-  Ernst  Rudolf  Dolscius,  Apothekenbesitzer  2  Ji;  Johann  A.  Ruckdeschel, 
Malzfabrikant  in  Kulmbach  10  Ji  (ab  1908),  Schabbehard  August,  cand.  jur.  in  Halle  a/S. 
2Ji;  Dr.  Oskar  Seipt,  Professor  10  Ji;  Clemens  Siegert,  Professor  1  Ji;  Dr.  Carl  Sudhoff, 
Professor  3  Ji  Lohr.  Gabler,  Kgl.  Notar  3  Ji  Lyon.  E.  Loewengard,  Kaiserl  Deutscher 
Konsul,  100  J^,  Malmö.  August  Schmitt,  Konsul  5  J^  Mergentheijü.  Dr.  Beck,  Stabsarzt  2  J4; 
Rall,  Oberreailohrer  2  Ji;  Seuffert.  Oberpräzeptor  2  Ji  Michelstadt.  Heinrich  Arzt,  Fabrikant 
1  Ji;  Ludwig  Arzt,  Fabrikant  i  ./(.:  München.  Dr.  Freiherr  Fr.  W.  von  Bissing,  Professor  15  Ji; 
Olgerd   Großwald,  stud.  phil.  3  JL;  Kettig,  jur.  et  cam.  3  Ji    Naumburg  a./S.  Borchers,    Rektor 

1  Ji;  Eichentopf,   Zahnarzt  2  Ji;  Dr.  Gerstenhauer,   Oberlehrer  2  Ji;   Dr.   Hampel,   Oberlehrer 

2  Ji;  Rathmann.  Oberlehrer  2  Ji;  Frau  Dr.  Schmidt  2  Ji  Neustadt  a./A.  Hartmann,  Sattler 
und  Tapezierer  l  Ji;  Petzoldt,  Forstmeister  l  Ji;  Walther,  Gymnasiallehrer  l  Ji  Nidda.  Josef 
Moufang.  Fabrikant  in  Oberschmitten  5  Ji;  Heinrich  Münch,  Apothekenbesitzer  (statt  bisher  3  Ji) 
5  Ji  Nürnberg.  Chr.  Faber,  K.  Bankoberbeamter  3  Ji;  Dr.  Faulmüller  3  Ji;  Dr.  Kl. 
Frickhinger,     Landgerichtsarzt    3  Ji;    Emilie    Reif,     Kommerzienratswitwe    10  Ji;     M.    Rein 

3  Ji;  Dr.  Christian  Riedel,  K.  Gymnasiallehrer  3  Ji;  Johann  Spane,  Möbelfabrikant  4  Ji;  Ludwig 
Trautner,  K.  Gymnasiallehrer  3  Ji;  M.  Watts  3  Ji;  Familie  Wolff  3  Ji  Osnabrück.  Ludwig 
Heilbronn,  Schriftsteller  und  Redakteur  3  Ji;  Ludewig,  Bankdirektor  3  Ji;  Stolcke,  Bank- 
direktor 3  Ji  Pforzheim.  Hermann  Armbruster,  Kaufmann  5  Ji;  Valentin  Broß,  Bijouterie- 
Fabrikant  3  Ji;  Dr.  R.  Kuppenheim,  Arzt  3  Ji  Prag.  Berta  von  Kubinsky  10  Kr.;  J.  V.  Lebeda 
2  Kr.  Rehau.  Ecarius,  K.  Bezirksamtsassessor  3  Ji;  Dr.  med.  Graf,  pr.  Arzt  u.  Bahnarzt  3  Ji; 
Dr.  med.  Hellmuth,  pr.  Arzt  3  Ji;  Franz  Oskar,  K.  Bezirkstierarzt  3  Ji  Roth  a./S.  Mittenhuber, 
Pfarrer  3  Ji  Salzwedel.  Schaumburg,  Oberregierungsrat  in  Berlin  5  Ji  Sanremo.  Adolf  Thiem, 
Rentier  50  Ji  Schlüchtern.  Köhler,  Plantagendirektor  in  Lewa  (Ostafrika)  3  Ji  Schwabach. 
Holzschuher,  Postsekretär  2  J(.  Schwandorf.  Julius  Braun,  Gräfl.  Güterinspektor  in  Fronberg  3  J4; 
Graf  von  der  Alühle-Eckart  in  Leonberg  5  Ji;  Dr.  Hans  Reichard,  pr.  Arzt  5  Ji;  August  Schramm, 
K.  St.  Pfarrvikar  3  Ji  Schwarzenbruck.  L.  Ganßer,  Gastwirt  in  Gsteinach  1  Ji;  G.  Krauß, 
K.  Bahnmeister  l  Ji  Georg  Miederer,  Bäckereibesitzer  1  Ji  Selb.  Richard  Heß,  K.  l.  prot. 
Pfarrer  2  J^.  Seußlitz  (Sachsen).  Dr.  Fritz  Harck,  Rittergutsbesitzer  auf  Seußlitz  20  J^.  Siegelsdorf. 
Christof  Förster,  Kunstmühlbesitzer  l  Ji;  Johann  Rotschka,  K.  Bahnn.eister  1  Ji;  Andreas 
Striegel,  K.  Eisenbahnsekretär  3  Ji  Sonneberg.  Louis  Siegel,  Fabrikant  2  Ji  Stein  bei  Nürn- 
berg. Häublein.  Kaufmann  3  Ji;  Schaller,  Ingenieur  3  ^ü;  Stendal.  B.  Koppen,  Kaufmann  3  Ji 
Straßburg  i./E.  Karl  Engelhorn,  Bankdirektor  iO  Ji  Stuttgart,  von  Häberlein,  Professor  5  Ji; 
Exzellenz  Max  von  Putlitz  6  Ji;  Frau  J.  Wahlström  3  Ji;  L.  Wildt,  Hofbuchhändler  3  Ji  Sulz. 
Sandberger,  Oberamtsrichter  2  Ji  Sulzbach.  Gundel,  Forstamtsassessor  2  Ji  Tauberbischofs- 
heim.  Basnizki,  Lehramtspraktikant  2  Ji;  Friedmann,  Professor  2  Ji;  Kimmig,  Professor  2  Ji; 
Kühnert,  Hauptmann  2  Ji;  Dominik  Müller,  Professor  (statt  bisher  l  Ji)  2  Ji;  Franz  Schmitt. 
Lehramtspraktikant  l  Ji;  Stachel,  Professor  2  Ji;  Dr.  Stöcker,  Bezirksarzt  2  Ji  Tettau. 
Dr.  Köhler,  pr.  Arzt  2  Ji;  Curt  Meise!,  Fabrikbesitzer  2  J{.  Torgau.  Dr.  Cinow,  Apotheken- 
besitzer 3  Ji;  Dahlenburg,  Oberstabsveterinär  3  Ji;  R-  Goedel,  Kaufmann  3  Ji;  Herrmann, 
Rechtsanwalt  u.  Notar  3  Ji;  Lippold,  Oberlehrer  3  Ji;  Fr.  Northe  3  Ji;  Rößler, Rentier  2  Ji; 
Dr.  P.  Schmidt,  Gymnasialdirektor  3  Ji;  Schuder,  Oberlehrer  3  Ji;  Vaihingen.  Förnzler,  Werk- 
meister 2  Ji;  Dr.  Hofacker,  Oberamtmann  2  Ji;  Wassertrüdingen.  Spatz,  .A.mtsgerichtssekretär 
2  Ji  Wemding.  Dr.  med.  Bayer  3  Ji;  Engel,  Forstamtsassessor  2  Ji  Wien.  Rudolf  Scherer 
10  Ji  Wimpfen  a./B.  Jakob  Lehramtsassessor  1  Ji;  Müller,  Pfarrer  1  Ji;  Zeh,  Forstmeister 
2  A  Windsheim.  Dr.  Geißendörfer.  Distriktstierarzt  2  Ji;  Ferd.  Mayer,  Notar  2  Ji  Würzen. 
G.  Schönert,   Rentier  (statt  bisher  i  Ji)  2  Ji;     Zerbst.     Dr.  Arndt,  Töchterschuldirektor   3  Ji 


—     64     — 

Als  eine  dankenswerte  Förderung  ist  aucli  die  Stiftung  unserer  Mitgliedskarten  für  das 
Jalir  1909  zu  verzeichnen.  Herr  Kunstmaler  Georg  Kellner  hatte  die  Güte  den  künstlerischen 
Entwurf  zu  liefern,  während  die  Karl  Mayer'sche  Kunstanstalt  in  Nürnberg  den  Druck  und 
den  Karton  hiezu  in  freundlicher  Weise  stiftete.  Für  das  Jahr  1910  hatte  Herr  Kunstmaler 
Karl  Selzer,  Professor  an  der  Kgl.  Kunstgewerbeschule  in  Nürnberg,  die  Liebenswürdigkeit,  den 
Entwurf  zu  der  Karte  zu  stiften,  während  die  Ausführung  durch  die  Buchdruckerei  und  Ver- 
lagsanstalt von   M.  Müller  und  Sohn  in  München  kostenlos  besorfi:t  wurde. 


ZUWACHS  DER  SAMMLUNGEN 

KUNST-  UND  KULTURGESCHICHTLICHE  SAMMLUNGEN. 

(1    Oktober — 31-  Dezember.) 

Mit  der  Sammlung  des  verstorbenen  Kommerzienrats  Johannes  Kahlbaum  in 
Berlin  erhielt  das  Museum  ein  Vermächtnis,  wie  es  ihm  in  diesem  Werte  seit  seinem  Bestehen  noch 
nicht  zuteil  geworden  ist.  Der  hervorragendste  Teil  dieser  Stiftung,  die  Münzensammlung,  be- 
sitzt allein  einen  Wert  von  fast  90  000  JL;  sie  enthält  ausschließlich  mittelalterliche  und  neuzeit- 
liche Gold-  und  Silbermünzen  der  europäischen  Völker,  dazu  eine  Anzahl  Medaillen,  fast  alle  in 
vorzüglicher  Erhaltung.  Diese  Sammlung,  durch  deren  Zuwendung  sich  der  Erblasser  als  ein  her- 
vorragender Freund  und  Förderer  der  Bestrebungen  des  Germanischen  Museum  erwiesen  hat, 
wird,  äußerlich  mit  dem  Namen  ihres  Schöpfers  gekennzeichnet,  im  Museum  gesondert  aufge- 
stellt bleiben  und  so  dauernd  die  Erinnerung  an  den  Wohltäter  festhalten.  Eine  weitere  höchst 
begrüßenswerte  Bereicherung  des  Museums  ist  des  Erblassers  Antiquitätensammlung,  die  im  ein- 
zelnen unten  aufgeführt  wird,  und  aus  der  hier  nur  der  wertvolle  Zinnschatz  der  Wismar'schen 
Zünfte  hervorgehoben  werden  soll. 

Aus  der  Zahl  der  Ankäufe  ist  besonders  ein  schönes  und  kunstgeschichtlich  wertvolles  Tafel- 
gemälde auf  Holz,  die  Verkündigung  der  Maria  darstellend,  hervorzuheben.  Die  Gruppierung, 
die  StiUsierung,  vor  allem  aber  die  sehr  feine  Darstellung  der  Lichtzuführung  weisen  zwingend 
auf  den  in  der  ersten  Hälfte  des  15-  Jahrhunderts  wirkenden  Basler  Maler  Konrad  Witz,  wobei 
allerdings  bis  zum  Abschluß  eingehender  Untersuchungen  dahingestellt  bleiben  muß,  ob  es  sich 
um  ein  Werk  des  Meisters  selbst  oder  um  eine  unter  seinem  direkten  Einfluß  entstandene  Werk- 
statt- oder  Schularbeit  handelt.  Den  Einfluß  Frankreichs  auf  die  deutschen  Klassizisten  charakte- 
risiert gut  das  Ölgemälde  auf  Leinwand  „Tod  des  Senators  Papirius"  ein  Werk  des  Davidschülers 
Philipp   Friedrich  Hetsch  in  Stuttgart  (1758—1839)- 

Unter  den  Erwerbungen  aus  dem  Gebiete  der  Plastik  zeichnet  sich  durch  Feinheit  der  Auf- 
fassung und  Liebreiz  die  Standfigur  der  Maria  mit  dem  Kinde  (Abb.  1)  aus,  ein  in  der  Bemalung 
leider  nicht  unversehrtes  schwäbisches  Holzbildwerk  vom  Anfang  des  15-  Jahrhunderts.  Die 
Gesichter  der  Mutter  wie  des  Kindes  erhalten  dadurch  einen  faszinierend  lebendigen  Audsruck, 
daß  die  Augen  durch  eingesetzte  Kupferemailplatten  gebildet  werden.  Es  ist  sehr  zweifelhaft, 
ob  diese  Anordnung  die  ursprüngliche  ist  oder  ob  sie  von  einer  späteren  Restaurierung,  etwa  im 
17.  Jahrhundert  unter  dem  Einfluß  der  Bekanntschaft  mit  spanischen  Bildwerken,  herrührt.  Mög- 
lich sind  im  15.  Jahrhundert  derartige  Einfügungen,  wie  auch  der  ganze  Schnitt  der  Gesichter 
ungern  an  eine  spätere  Ber.rbeitung  denken  läßt,  allein  der  realistische  Totaleindruck  läßt  doch 
etwa  das  17.  Jahrhundert  als  wahrscheinlicher  erscheinen. 

Zwei  schön*^  aus  Eichenholz  geschnitzte  Standfiguren  der  Maria  und  des  Johannes,  ehemals 
Nebenfiguren  eines  Kruzifixus,  sind  treffliche  niederrheinische  Arbeiten;  sie  stammen  aus  einer 
Werkstatt,  die  dieses  Motiv  mehrfach  wiederholt  hat.  Zwei  leicht  variierende  Figurenpaare  befinden 
sich  im  Suermondt-Museum  zu  Aachen,  und  da  die  Herkunft  des  einen  aus  Cornehmünster  bei 
Aachen,  wo  sich  noch  der  zugehörende  Kruzifixus  befindet,  feststeht,  so  ist  ein  Anhaltspunkt 
für  die  Lokalisierung  gegeben. 

Nach  langer  Zeit  konnte  wieder  einmal  die  schöne  Reihenfolge  der  Grabdenkmale  durch  ein 
hochbedeutendes,  kunst-  und  kostümgeschichtlich  wichtiges  Stück  bereichert  werden,  indem  auf 
Kosten  der  Witteisbacher  Stiftung  der  Deckel  der  Tumba  Herzog  Albrechts  II.  von  Bayern  (y  1397) 


Anzeiger  des  Germanischen  Museums  1909. 


Taf.  III. 


Decke!  der  Tumba  des  Herzogs  Albrecht  II.  von  Bayern,  f  1397. 

(Straubing,  Karmehterkirche.)     Gipsabguß. 


—     65    — 

in  der  Karmelitenkirche  zu  Straubing  in  Gips  abgeformt  wurde.    Die  beigefügte  Tafel  III  bringt 
dies  hervorragende  niederbayerische  Denlcmal  zur  Darstellung. 

Kurz  sei  nur  auf  die    in  Abb.  2  wiedergegebene   silbervergoldete  Monstranz,  ein  hervor- 
ragendes Werk  spätmittelalterlicher  Goldschmiedekunst,  aufmerksam  gemacht,  die,  einer  Kirche 


Abb.  1.    Maria  mit  dem  Kinde. 

Schwäbische  Holzschnitzerei,  Anfang  des  15.  Jahrhunderts. 


des  nordwestlichen  Deutschland  entstammend,  leider  von  Restaurierungen  nicht  unberührt  ge- 
blieben ist.  Tadellos  erhalten  ist  dagegen  der  herrliche  Meßornat  aus  dem  18.  Jahrhundert 
(Abb.  3),  der  auf  weißer  Seide  üppigste  Dekorationen  in  Gold-  und  Seidenstickerei  aufweist. 


-  -     66     — 

Geschenke. 

Berlin.  Vermiichtnis  des  verstorbenen  Kommerzienrats  Johannes  Kahibaum- 
Münzen  und  Medaillen:  eine  Sammlung  von  ca.  4000  europäischen  Gold-  und  Silber- 
münzen des  Mittelalters  und  der  Neuzeit  in  einem  geschnitzten  Schrank  und  einer  Truhe.  Bau- 
teile: 8  Beschläge  von  Eisen,  17.  Jahrh.  Gewebe:  Tischtuch  aus  weißer  Leinwand,  damast- 
artig gemustert,  mit  eingewebten  braungelben  Zierstreifen,  17.  Jahrh.  Kirchliche  Geräte: 
Altarkanne  von  Zinn  mit  Widmung  v.  J.  I666;  Kelch  von  Zinn,  17.  Jahrh.;  ein  Paar  große  ein- 
kerzige  Altarleuchter  von  getriebenem  Messingblech,  niederdeutsch,  1671 ;  drei  einkerzige  Altar- 
leuchter von  gegossenem  Messing,  17. — 18.  Jahrh.  Hausgeräte:  Ein  Paar  Wandleuchter  mit 
Reflexscheiben  von  relieiiertem  Zinn,  Innsbrucker  Arbeit  des  18.  Jahrh.  in  der  Art  der  Augs- 
burger Silbertreibarbeiten;  53  weitere  Gegenstände  von  Zinn:  Krüge,  Kannen,  Teller,  Wasch- 
becken mit  Wasserblasen  u.  a.,  mit  Ausnahme  von  einigen  französischen  Tellern  deutsch,  17. — 18. 
Jahrh.;  13  messinggetriebene  Zierschüsseln,  meist  nordwestdeutsche  Arbeitendes  17. — 19.  Jahrh.; 
Weinkühler  und  Tee-Urne  von  getriebenem  Kupfer,  wahrscheinlich  Berliner  Arbeii,  zweite  Hälfte 
des  18.  Jahrh.;  Wasserblase,  Kessel,  flaches  Becken  und  Fischbehälter  in  Gestalt  eines  Korbs  von 
getriebenem  Kupfer,  18. — 19.  Jahrb.;  silberne  Kanne,  in  Facetten  getrieben,  wahrscheinlich 
Arbeit  des  Nürnberger  Goldschmieds  Hans  Kindsvater,  um  1625;  8  weitere  Gegenstände  von 
Silber,  darunter  eine  niellierte  Dose  vom  Ende  des  18.  Jahrhunderts,  zwei  Filigrankörbchen  aus 
der  Empirezeit  und  ein  Löffel  v.  J.  1707,  meist  Berliner  Fabrikat;  drei  Palmettenkrüge,  zwei 
davon  emailliert,  Kreußener  Steinzeug  vom  Ende  des  17-  Jahrh.;  Maßkrug,  sächsisches  Stein- 
zeug, mit  weißem  Perlendekor,  Anfang  des  18.  Jahrh.;  Maßkrug,  Nürnberger  Fayence  mit  Blau- 
malerei, von  N.  Pössinger,  1726;  vier  Maßkrüge  aus  bunter  Fayence,  18.  Jahrh.;  zwei  Maß- 
krüge aus  Magdeburger  Steingut,  Ende  des  18.  Jahrh.  Zunftaltertümer:  Großer  Humpen 
einer  Tuchmacherzunft,  mit  gravierten  Figuren,  niederdeutsch,  156O;  75  weitere  Gegenstände  von 
Zinn  (Kannen,  Humpen,  Pokale,  Becher),  niederdeutsch,  aus  verschiedenen  Städten  Mecklenburgs 
(Wismar,  Neubrandenburg,  Ribnitz),  der  Niederlausitz  (Drebkau,  Luckau,  Lübbenau),  Bergen, 
BerUn,  Schleswig  u.  a.,  17.  und  18.  Jahrhundert;  Zierschild  von  Messing  mit  gegossenem  Zierat 
und  Widmungsinschrift  v.  J.  181I;  hölzernes  Zunftszepter,  1S.— 19-  Jahrhundert.  Waffen: 
12  blanke  Schlag-  und  Stoßwaffen,  darunter  2  Zweihänder  des  17.  Jahrhundert;  4  Streithämmer 
bezw.  -äxte;  18  Stangenw.affen;  Armbrust  mit  verbeintem  und  graviertem  Schaft,  18.  Jahrh.; 
Armbrustspanner,  17. — 18.  Jahrh.;  schwarze  Halbrüstung,  17.  Jahrh.;  Brustteil  einer  blanken 
Rüstung,  16.  Jahrb.;  2  verbeinte  und  gravierte  Pulverhörner,  17. — 18.  Jahrh.;  6  Feuerwaffen.  — 
Professor  Dr.  Neumann:  Silbermedaille  auf  die  Schutzpockenimpfung,  gereicht  von  Dr. 
Bremer  in  Berlin,  1803;  Bronzene  Wunschmedaille  auf  das  Jahr  1825,  einseitiger  Probeabschlag, 
von  G.  Loos  und  Pfeuffer.  —  Bückeburg.  Stadtsekretär  Schert:  Eisenmedaiile  auf  die  Freiheits- 
kriege, 1813,  als  Anhängerschmuck  in  Silber  gefaßt.  —  München.  Dr.  Julius  Fuchs:  20  chirurgi- 
sche Instrumente,  2.  Hälfte  des  19-  Jahrh.  (für  die  Denkmäler  der  Heilkunde).  —  Nürnberg.  Kupfer- 
schmiedswitwe Buchner:  Aus  dem  Nachlaß  des  Kupferschmieds  Wilhelm  Buchner  in  Nürnberg: 
kupferne  Wasserbutte,  1882;  kupferner  Drachenkopf,  1882;  kupferne  Blumenampel,  1896;  Tabaks- 
pfeife mit  Kupferkopf;  gebogene  Kupferröhren  und  verschiedene  Kupfertreibarbeiten;  Ziegeln  vom 
Nordturm  von  St.  Lorenz  in  Nürnberg,  beim  Brande  1865  zusammengeschmolzen;  Uhrständer 
und  Briefbeschwerer  aus  der  1865  geschmolzenen  Glocke  von  St.  Lorenz  in  Nürnberg;  kupferne 
Bienenspritze;  kupfernes  Bouquet.  —  Verlag  des  Generalanzeigers:  Steinerne  Ge- 
schützkugel und  eiserne  Axt,  gefunden  im  Baugrund  des  Hauses  Hauptmarkt  4  in  Nürnberg.  — 
Naturhistorische  Gesellschaft:  Ofenkachel  mit  dem  Wappen  der  Brandenburger 
Markgrafen,  aus  Kadolzburg,  17.  — 18.  Jahrh.  —  Ingenieur  R.  Schenke:  Taschensonnen- 
uhr mit  Kompaß,  japanisch;  Balkenwage  mit  kupfernen  Schalen,  18.  Jahrh.;  dazu  Ge^\■ichte  und 
Gewichtssätze,  19.  Jahrh.  —  Arnulf  S  t  e  i  n  b  e  r  g:  Siegelstem.pel  ( ?)  von  gebranntem  Ton, 
1579,  gefunden  in  der  Gegend  von  Saaz.  —  Karl  V  o  1  c  k  h  a  r  d  t:  2  Schreibstifte,  der  eine 
von  Holz,  der  andere  von  Bein,  mit  Spitzen  von  Blei,  18.  Jahrh.  —  Fabrikbesitzer  C.  W  e  n  i  n  g: 
Steinmeißel,  vorgeschichtlich,  gefunden  bei  St.  Privat.  —  Privatier  Joh.  Würsching: 
16  Muster  von  Brillengestellen,  von  Würsching  in  Nürnberg,  1.  Hälfte  des  19-  Jahrh.  (für  die  Denk- 
mäler der  Heilkunde).  —  Ulm.  Hof  Juwelier  Robert  Merath:  Galvanoplastische  Nach- 
bildung der  in  Heidenheim  ausgegrabenen  alemanischen  Goldfibel  in  der  Staatssammlung  zu 
Stuttgart.    —  Würzburg.    Curt   Kabitsch:   Pferdekummet,  holzgeschnitzt,  18.   Jahrh. 


Abb.  2.    Silbervergoldete  Monstranz. 

Niederdeutsche  Arbeit  vom  Ende  des  15.  Jahrh.    (Mit  neueren  Ergänzungen.) 


—     68    — 

Ankäufe. 

Qemälde.  Die  Verkündigung  der  Maria,  Tafelgemälde  auf  Holz,  oberrheinisch,  Mitte  des 
15.  Jahrh.,  vermutlich  von  dem  Basler  Konrad  Witz;  Tod  des  römischen  Senators  Papirius  Öl- 
gemälde auf  Leinwand,  um  18OO,  von  Philipp   Friedrich  Ketsch  in  Stuttgart. 

Plastik,  Originale.  Maria  mit  dem  Kinde,  holzgeschnitzte  Standfigur,  schwäbisch,  An- 
fang des  15.  Jahrh.;  Maria  und  Johannes,  holzgeschnitzte  Standfiguren,  niederrheinisch,  Ende 
des  15.  Jahrh.;  2  überlebensgroße  Mönchsfiguren,  vermutlich  aus  der  Gegend  von  Rothenburg  o.  T., 
2.    Hälfte  des  18.  Jahrh. 

Grabdenkmale.  Deckel  der  steinernen  Tumba  des  Herzogs  Albrecht  II.  von  Bayern 
(f  1397)  in  der  Karmelitenkirche  zu  Straubing,  Gipsabguß. 

Medaillen.  Silbermedaille  auf  die  Speyerer  Sedisvakanz,  1743,  von  F.  P.  Werner;  Silber- 
medaille auf  die  Krönung  Josephs  I.  in  Augsburg,  1690,  von  Ph.  H.  Müller  in  Augsburg;  Silber- 
jeton  auf  den  gleichen  Anlaß;  Silbermedaille  auf  den  Regierungsantritt  Kaiser  Josephs  I.,  1705; 
Bronzemedaille  auf  die  Geburt  des  Prinzen  Friedrich  Carl  Nicolaus  von  Preußen,  1828,  von  Brandt; 
Silbermedaille  auf  den  Tod  Kaiser  Karls  VII.,  1745;  Silbermedaille  auf  Friedrich  I.  von  Sachsen- 
Gotha,  o.  J.,  von  Forberger;  Silbermedaille  auf  Kurfürst  Friedr.  August  1.  von  Sachsen,  1694; 
Silbermedaille  auf  Friedrich  III.  von  Sachsen- Gotha,  1734,  von  Koch;  Silbermedaille  auf  die 
Industrieen  der  Stadt  Augsburg,  1677;  Silbermedaille  auf  die  Ehe,  o.  J.,  von  Ph.  H.  Müller  in 
Augsburg. 

Kirchliche  Geräte.  Monstranz,  kupfervergoldet,  niederdeutsche  Arbeit  um  150O;  Meßornat, 
bestehend  aus  Casula,  Stola,  Manipel,  Palla  calicis  und  Bursa,  weiße  Seide  mit  Gold,  Silber 
und  Seide  bestickt,  Anfang  des  18.  Jahrh.  (aus  der  Sammlung  von  Lipperheide-Berlin). 

Hausgeräte.  Amberger  Schrank  mit  ornamentaler  Schnitzerei,  Mitte  des  18.  Jahrh.;  Mangel- 
holz, aus  Georgensgmünd  stammend,  18.  Jahrh.;  2  Dekorationsbackformen  aus  Kupfer,  mit  den 
Bildern  Friedrichs  des  Großen  und  Napoleons  I.,  niederdeutsch,  Anfang  des  19.  Jahrh.;  Krug  von 
glasiertem  Ton  aus  der  Werkstatt  der  Preuning  in  Nürnberg,  um  1550  (aus  der  Sammlung  von 
Lanna);  2  flache  Fayence-Teller  mit  Landschaften  und  Wappen  in  Schwarzlotmalerei,  vermut- 
lich nürnbergisch,  Anfang  des  18.  Jahrh.  (aus  der  Sammlung  von  Lanna). 

Handwerksgeräte.  Vollständige  Einrichtung  einer  älteren  Nürnberger  Kupferschmieds- 
werkstätte. 

Zunftgeräte.     Zunftzeichen  der  Hutmacher  in  Memmingen,  um  1830. 

Tracht  und  Schmuck.  Silberner  Fingerring  (Trauring)  mit  der  Inschrift:  Ach  Lyef  Sted 
Blif,  13. — 14.  Jahrh.,  gefunden  in  einem  Grabe  des  Kirchhofs  zu  Crombach  (Provinz  Westfalen); 
Diamantkreuz,  aus  der  deutschen  Schweiz  stammend,  18.  Jahrh.;  Bronzeschmuck  eines  Täsch- 
chens,   darstellend  eine  Jagd,  nach  einem  Stich  der  Kleinmeister,  16.  Jahrh.,  oberdeutsch. 

Verschiedenes.     Schlitten  in  Gestalt  eines  Hirsches,  2.   Hälfte  des  18.  Jahrh. 

D  e  p  0  s  i  t  a. 
KUNSTSAMMLUNGEN  DER  STADT  NÜRNBERG. 

(Erwerbungen  vom  1.  Januar  bis  31.  Dezember  1909.) 

Medaillen:  Silbermedaille  auf  den  Einzug  Kaiser  Karls  VI.  in  Nürnberg,  1712;  desgl. 
auf  den  Einzug  Kaiser  Karls  VII.  in  Nürnberg,  1742;  Original-Zinnmedaille  auf  Hans  Haiger, 
153O;  Bleimedaille  auf  Sebald  Cammerer,  1540;  silbervergoldete  Medaille  auf  Georg  Volckamer, 
1624;  Zinnmedaille  auf  den  Nürnberger  städt.  Stempelschneider  Carl  Friedrich  Loos,  anläßlich 
seines  50jährigen  Ehe-  und  Amtsjubiläums,  1776;  silbervergoldete  Medaille  auf  den  Reformations- 
jubiläum,  1617,  von  C.  Maler;  Goldmedaille  (10  Dukaten  schwer)  auf  die  4  vornehmsten  Banken 
(Venedig,  Amsterdam,  Nürnberg,  Hamburg),  1675;  Zinnmedaille  auf  den  Kometen  1680/81;  Silber- 
medaille auf  die  Hoffnung  besserer  Zeiten,  o.  J.;  zinnerne  Schraubenmedaille  auf  die  1.  bayer. 
Ständeversammlung,  1819;  Zinnmedaille  auf  die  Enthüllung  des  Palm-Denkm,als  in  Braunau; 
Silbermedaille  auf  die  Enthüllung  des  Schillerdenkmals  in  Nürnberg,  1909;  Bronzemedaille  desgl.; 
Silbermedaille  auf  das  Hochwasser  in  Nürnberg,  1909.  —  Münzen:  Nürnberger  Dreier,  1561; 
Nürnberger  Silberpfennig,  1573;  Nürnberger  Dreier,  1577;  Nürnberger  Guldenthaler,  1605;  Nürn- 


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berger  Dukat,  1635;  Goldabschlag  zu  6  Dukaten  des  Nürnberger  Talers  von  1736;  Nürnberger 
lege  vindice-Thaler,  1763;  desgl.  1764.  —  Waffen:  Schwert  (Schiavona),  Ende  des  16.  Jahrh., 
gefunden  in  der  Pegnitz.  —  Plastik,  Originale:  Die  VII.  Kreuzwegstation  des  Adam 
Kraft,  Sandsteinrelief,  um  1505- 

HISTORISCH-PHARMAZEUTISCHES  ZENTRALMUSEUM. 

Ankäufe. 

Adam  Friedrich  Kirsch,  Kunst-,  Hauß-,  Arzney-  und  Wunder- Buch,  Nürnberg,  1719.  Fallo- 
pius  u.  Martins,   Kunstbuch,  1578. 

DEUTSCHES  HANDELSMUSEUM. 

Geschenke. 

Berlin.  Vermächtnis  des  Kommerzienrats  Johannes  Kahlbaum:  Goldwage  mit 
Gewichtssatz,  holländisch,  von  Jan  Jansen,  1652;  Schnelhvage,  17. — 18.  Jahrh.;  Eiserner  Maß- 
stab, 18.— 19-  Jahrh. 

KUPFERSTICHKABINETT. 

(1.  Oktober  bis  31-   Dezember.) 

Wenn  auch  das  Kupferstichkabinett  über  nicht  gerade  reichliche  Mittel  zu  verfügen  hatte, 
so  gelang  es  uns  doch,  auch  diesmal  eine  ganze  Reihe  wertvoller  Neuerwerbungen  zu  machen. 

Ehe  wir  zur  Hervorhebung  der  bedeutendsten  Ankäufe  übergehen,  wollen  wir  nicht  ver- 
gessen, zu  erwähnen,  daß  ein  schon  seit  langer  Zeit  im  Germanischen  Museum  aufbewahrtes,  der 
Stadt  Nürnberg  gehöriges  Holztriptychon,  dem  man  bisher  wenig  Beachtung  geschenkt  hatte, 
nach  Berlin  gesandt  und  dort  durch  Hauser  von  dem  wohl  noch  aus  dem  sechzehnten  Jahrhundert 
stammenden  Farbenüberzug  befreit  und  gereinigt  wurde.  Es  kam  nun  eine  stattliche  Reihe  von 
höchst  interessanten  und  wertvollen  Holzschnitten  aus  der  zweiten  Hälfte  des 
15.  Jahrhunderts  mit  88  Einzeldarstellungen,  alt-  und  neutesta- 
mentlichenSzenen,  sowie  Heiligenbildern  zum  Vorschein.  Sie  wurden  von 
dem  Triptychon  abgelöst  und  gehören  nunmehr  zu  den  wertvollsten  Beständen  der  städtischen 
Kupferstichsammlung   (siehe  9.  Veröffentlichung  der  Graphischen  Gesellschaft). 

Unter  den  neu  erworbenen  Holzschnitten  ragt  besonders  einer  hervor,  den  wir  Albrecht 
Dürer  zuschreiben  möchten.  Wir  meinen  den  Holzschnitt:  St.  Brigitta  verteilt  ihr 
Buch  (P.  194).  Die  Heilige,  über  der  Christus  und  Maria  in  den  Wolken  erscheinen,  sitzt  auf  einem 
Throne.  Zu  ihrer  Linken  knieen  Frauen,  zu  ihrer  Rechten  Männer,  an  die  sie  das  Buch  verteilt, 
welches  die  ihr  von  Christus  und  Maria  zuteilgewordenen  Offenbarungen  enthält.  Diese  Offen- 
barungen wurden  nach  der  Legende  von  dem  Unterprior  Peter  des  Bernhardiner  Klosters  Alvesta 
in  Schweden  auf  Geheiß  Brigittas  niedergeschrieben.  Unser  Blatt  ist  in  zwei  von  Koberger  ge- 
druckten Ausgaben  der  Offenbarungen  zu  finden:  in  einer  lateinischen  von  150O  (,,Relevationes 
Sancte  Brigitte")  und  in  einer  deutschen  von  1502.  In  der  von  Valentin  Scherer  bearbeiteten 
Publikation  von  Dürers  Gemälden,  Kupferstichen  und  Holzschnitten  ist  es  nicht  abgebildet. 
Schon  Passavant  aber  nahm  ari,  daß  dem  Holzschnitt  eine  Zeichnung  des  Meisters  zugrundeliege. 
Wir  möchten  uns  dieser  Meinung  durchaus  anschließen.  Blättern  wir  in  Dürers  Holzschnitt- 
werk, so  zeigt  sich  da  für  unsere  Darstellung  mehr  als  eine  Analogie.  Die  an  die  Disponierung 
eines  Altarbildes  erinnernde,  feierliche,  streng  frontale  Anordnung  der  Hauptfigur  gemahnt  leb- 
haft an  die  1502  entstandenen  Holzschnitte,  welche  eine  Allegorie  der  Philosophie  (P.  130)  und 
eine  Apotheose  des  Konrad  Celtes  (P.  217)  geben.  Auch  die  Form  der  Thronsitze  auf  diesen  beiden 
Blättern  hat  eine  gewisse  Verwandtschaft  mit  dem  erhöht  stehenden  Stuhl,  auf  den  die  Heilige 
sich  niedergelassen.  Mehr  noch  fühlen  wir  uns  auf  Dürer  hingewiesen,  wenn  wir  zeitlich  um 
einige  Jahre  rückwärts  gehen  und  unseren  Holzschnitt  neben  die  Bilder  der  1498  erschienenen 
Offenbarung  Johannis  legen.  Da  erkennen  wir  hier  wie  dort  die  gleiche,  eigenwillige,  herbe, 
manchmal  stockende,  aber  von  höchstem  inneren  Leben  erfüllte  Linienführung.  Namentlich 
tritt  das  in  der  Art,  wie  die  Gewänder  gezeichnet  sind,  hervor.     Einzelne  Faltenmotive  wie  die 


auf  dem  Boden  higernden  Gewandzipfel  kehren  fast  genau  so  in  einigen  Darstellungen  der  Offen- 
barung Johannis  wieder.  Die  Wolken,  über  denen  Christus  und  Maria  erscheinen,  gleichen  in 
der  plastische  n  Form  und  in  der  linearen  Wiedergabe  ganz  und  gar  den  Wolkenbildungen,  wie 
sie  in  den  Visionen  des  Johannes  so  oft  vorkommen.  Endlich  scheint  uns  auch  für  die  liebliche, 
im  Schmucke  reichen  lockigen  Haares  prangende  Maria  auf  unserem  Brigittenbilde  die  genannte 
Holzschnittfolge  des  jungen  Dürer  ein  Analogon  zu  bieten:  wir  sehen  dieselbe  Gestalt,  wenn  auch 
mit  tieferem  Empfinden  und  souveräner  gehandhabtem  technischem  Können  gestaltet  auf  dem 
1511  geschaffenen  Titelblatt  der  Offenbarung  Johannis.  Vor  allem  aber  ist  der  Geist,  die  Lebens- 
auffassung des  Brigittenbildes  echt  Dürerisch.  Wer  in  jener  Zeit  sonst  als  er  hätte  es  verstanden, 
ein  künstlerisch  doch  nur  wenig  dankbares  Thema  wie  dieses  mit  so  viel  Innerlichkeit  und  sinn- 
lichem Leben  zu  erfüllen  ?  Man  sehe  nur  den  tiefen  grüblerischen  Ernst  in  den  wie  von  innerem 
Feuer  durchglühten  Köpfen  der  ihr  zu  Füßen  in  Anbetung  versunkenen  Männer!  In  diesen 
knochigen,  fast  finsteren  Gesichtern  finden  wir  dieselbe  Stimmung  wieder,  die  uns  aus  den  Bildern 
zur  Offenbarung  Johannis  so  mächtig  entgegenströmt.  Allerdings  läßt  der  rohe  Holzschnitt 
nur  eben  noch  die  Hauptlinien  der  geistvollen  Dürerischen  Zeichnung  hindurchschimmern.  Die 
Köpfe  der  Frauen  sind  ausdrucksloser  als  die  der  Männer.  Auch  das  würde  sich  sehr  wohl  mit 
dem  Charakter  der  Kunst  des  jungen  Dürer  vertragen,  denn  der  Meister  gelangte  erst  später  — 
das  Antlitz  der  heiligen  Brigitta  selbst  gibt  schon  eine  Vorahnung  davon  —  zu  einer  feineren 
Individualisierung  und  Beseelung  seiner  Frauengestalten.  Wir  möchten  uns  die  Zeichnung 
des  Brigittenholzschnittes  zwischen  1499  und  1500  entstanden  denken. 

Weiter  gelang  es,  ein  außerordentlich  interessantes  Exemplar  des  Dürerschen  Marien- 
lebens zu  erwerben.  Es  fehlt  das  Titelblatt:  die  Madonna  mit  dem  Kinde  auf  der  Mond- 
sichel sitzend.  B.  76.  An  Stelle  desselben  ist  ein  Widmungsblatt  eingefügt,  durch  das  „Fran- 
ciscus  Pfrengerus ,  collegiatae  ecclesiae  S.  Petri  iunioris  Argentorati  decanus  ....  anno  1586" 
das  Buch  dem  „Reverendissimo  ac  illustrissimo  principi  domino  d.  Johanni  Dei  et  apostolicae 
sedis  gratia  episcopo  Argentinensi"  (Johann  IV.,  Graf  zu  Manderscheid,  Bischof  von  Strassburg 
1569—1592)  zueignete.  Das  Widmungsblatt  und  alle  die  ihm  folgenden  Holzschnitte  unseres 
E.xemplares  des  Marienlebens  wurden  durch  Johann  B echthold  1585/86  mit  Wasserfarben 
und  Gold  in  reichster  und  für  den  Zeitgeschmack  ungemein  charakteristischer  Weise  illuminiert. 
Das  Blatt  B.  81  trägt  unten  links  den  vollen  Namen  Bechtholds,  den  Zusatz  „von  Orb"  und  die 
Jahreszahl  1585-  —  In  unmittelbarer  Nähe  Dürers  bleiben  wir,  wenn  wir  uns  dem  reizenden 
Holzschnitte  zuwenden,  der  in  Form  eines  mit  halbkreisförmigem  oberem  Abschlüsse  und  einer 
Predella  ausgestatteten  Altares  dreizehn  Szenen  aus  dem  Leben  der  heiligen  Jungfrau  Maria 
vorführt  (Abb.  5)-  Pauli  (Nr.  885)  möchte  ihn  dem  Hans  Sebald  Beham,  dessen  Stil  1529/30  ganz 
der  gleiche  sei,  zuweisen.  Die  leicht  hingeworfenen,  klaren,  von  bezaubernder  Anmut  erfüllten 
Kompositionen  zeugen  von  höchstem  künstlerischem  Feingefühl  und  klingen  da  und  dort  an 
Dürers  Marienleben  an.  Auch  die  zeichnerische  Technik  ist  der  Dürers  abgesehen.  Da  die  In- 
schrift in  der  Archivolte  und  das  Rundbild  der  Krönung  Maria  mit  der  Landschaft  auf  der 
Rückseite  fehlt,  hat  unser  Blatt  als  Probedruck  zu  gelten.  —  Hans  Sebald  Beham  muß  wohl 
auch  der  bei  Pauli  nicht  genannte  Holzschnitt  zugeschrieben  werden,  der  das  Labyrinth 
des  Minotaurus  darstellt.  In  den  streng  geometrisch  durchgeführten  Grundriß  des 
Labyrinthes  sind  reizvolle  kleine  Darstellungen  eingestreut.  In  der  Mitte  erblicken  wir  T'heseus 
im  Kampfe  mit  dem  Untier.  Hinter  den  Kämpfenden  aber  sitzen  im  Schatten  dichten  Gebüsches 
an  zwei  wohlgedeckten  Tischen  wacker  zugreifende  Herren  und  Damen  in  der  Tracht  von  Behams 
Zeit.  Ein  Trommler  und  ein  Flötenbläser  spielen  die  Tafelmusik,  und  das  Plätschern  eines 
Brunnens  klingt  in  ihre  Weisen  hell  hinein.  Etwas  weiter  entfernt  huldigen  auf  ebener  Erde 
einige  Männer  dem  Kegel-  und  Brettspiel.  Am  unteren  Rande  des  Labyrinthes  sehen  wir  eine 
Gesellschaft  vornehmer  Damen  und  Herren  im  Freien  lagern  und  stehen.  Ein  Mann  und  ein 
paar  Hunde  treiben  sich  in  den  Gängen  des  Irrgartens  selbst  herum.  Andere  kleine  Schilde- 
rungen haben  den  gleichen  fröhlich-festlichen  Grundton  und  dazu  einen  derben  Humor.  Alles 
das  ist  zierlich  und  frisch  hingezeichnet  und  mutet  an  wie  die  Improvisation  eines  glücklichen 
Augenblickes.  Wir  können  uns  freuen,  das  seltene  Einblatt,  auf  das  wir  später  vielleicht  noch 
einmal  ausführlicher  zurückkommen,  für  unsere  graphische  Sammlung  erworben  zu  haben.  — 
Als  gesichertes  Werk  desselben  Künstlers  gilt  der  kleine,  mit  zwei  Stöcken  gedruckte  Farben- 
holzschnitt B.  162,  der  ein  junges  Paar  in  zärtlicher  Unterhaltung  zeigt  und 


von  Rosenberg  mit  Unrecht  als  Schöpfung  Hans  Sebald  Behams  angezweifelt  worden  ist.  Be- 
sitzt er  doch  ganz  die  charakteristischen  Merkmale  der  Kunst  dieses  Meisters.  Der  warme  grüne 
Ton  und  die  keck  aufgesetzten  weißen  Lichter  erhöhen  die  Wirkung  der  lebensprühenden  Schilde- 
rung noch  und  lassen  diese  Ausführung  der  noch  bekannten  anderen,  nur  in  Schwarz- Weiß 
gehaltenen  überlegen  erscheinen. 

Unter  den  Kupferstichen  der  beiden  Beham,  mit  denen  der  Be- 
stand der  städtischen  Abteilung  der  Kleinmeister  ergänzt  wurde,  ragt  ein  vorzüglicher  Ab- 
druck der  „Busse  des  heiligen  Chrysostomus"  hervor.  Es  ist  eine  von  Sebald 
Beham  herrührende  Überarbeitung  des  köstlichen  Stiches,  den  Barthel  Beham  frei  nach  einem 
Stiche  Agostino  Venezianos  (B.  410)  geschaffen  hat.  Nach  Pauli  (70,  III)  hätten  wir  hier  den 
dritten  Zustand  der  Überarbeitung  vor  uns,  der  gewöhnlich  Barthel  zugeschrieben  wird  und  an 
den  Punkten,  die  den  Saum  der  Wolken  begleiten  und  am  Boden  unterhalb  des  Weibes  sichtbar 
sind,  zu  erkennen  ist.  —  Zu  den  Kleinmeistern  gehört  auch  Jacob  Binck.  Sein  seg- 
nender Christus  (B.  14),  der  in  einem  schönen  klaren  Abdruck  vorliegt,  zählt  zu  seinen 
besten  Grabstichelarbeiten.  Die  edlen  Gesichtsformen  und  die  monumentale,  an  Werke  der  Bild- 
hauerkunst gemahnende  Haltung  der  Gestalt  des  Erlösers  weisen  deutlich  nach  Italien  hinüber. 
Die  Ornamentfüllung  der  oberen  Ecken  aber  ist  deutsche  Gepflogenheit;  wir  finden  ornamentale 
Auszierung  der  Ecken  z.  B'.  auch  auf  Holzschnitten  Lucas  Cranachs  (B.  23  ff.).  —  Schließlich 
s ei  noch  der  4  radierten  Landschaften  vdn  Hans  Sebald  Lautensack 
gedacht,  die  wir  ebenfalls  für  die  Stadt  erwarben.  Dürer,  Altdorfer,  Hirschvogel  und  Lautensack 
sind  die  ersten  deutschen  Maler,  die  die  Landschaft  um  der  Landschaft  willen  und  nicht  nur  als 
Hintergrund  für  eine  figürliche  Darstellung  schildern.  Auf  der  ,, großen  Flußlandschaft  mii: 
Schloß"  (P.  67)  hat  der  Künstler  im  Vordergrunde  reichlich  Staffage  angebracht.  Die  Strich- 
führung ist  im  Laubwerk  und  im  Himmel  noch  etwas  befangen.  Auch  hat  die  Perspektive  starke 
Fehler.  Wir  glauben  daher,  dieses  (undatierte)  Blatt  früher  ansetzen  zu  müssen,  als  die  drei 
anderen  neuerworbenen  Radierungen  (B.  24,  29  und  40),  welche  technisch  reifer  und  mit  den 
Jahreszahlen  1553  und  1554  versehen  sind,  also  der  Zeit  angehören,  als  der  Meister  in  der  Voll- 
kraft seiner  künstlerischen  Fähigkeiten  stand.  Auf  eben  diesen  dreien  erblicken  wir  nirgends 
Staffagefiguren.  Sie  wirken  darutn  mit  um  so  größerer  Unmittelbarkeit  und  lassen  die  Natur,  ähn- 
lich wie  auf  dem  staffagelosen  Waldbildchen  Altdorfers  in  der  Münchener  alten  Pinakothek,  erst 
in  ihrer  ganzen  jungfräulichen  Reinheit  aufleuchten.  Das  gilt  in  erster  Linie  von  der  1553  radierten 
,, waldigen  Landschaft  bei  Sonennaufgang"  (B.  24),  die  voll  von  Morgenstille  und  Morgenklar- 
heit ist. 

Heute  gute  Handzeichnungen  alter  Meister  zu  erwerben,  hat  große  Schwierigkeiten,  da 
das  meiste  davon  sich  bereits  in  festen  Händen  befindet.  Auch  stehen  solche  Blätter  außerordent- 
lich hoch  im  Preise.  Wir  mußten  uns  aus  diesen  Gründen  mit  dem  Ankauf  von  Handzeichnungen 
und  Aquarellen  aus  dem  19-  Jahrhundert  begnügen.  Als  Geschenk  ging  uns  das  Reissbüch- 
lein von  Jacob  Preissie  r,  ein  kunsthistorisch  ungemein  bezeichnendes  Stück,  zu.  Wir 
finden  in  dem  kleinen,  l6'47  begonnenen  Hefte  eine  Reihe  von  Köpfen,  Rümpfen,  Armen  und 
Beinen  wiedergegeben,  die  offenbar  zu  dem  Zwecke  gezeichnet  sind,  eine  Art  von  Vorlagewerkchen 
für  junge  Künstler  zu  bieten.  Es  ist  höchst  charakteristisch  für  den  Tiefstand  der  deutschen 
Kunst  der  damaligen  Zeit,  daß  man  glaubte,  man  könne  die  Natur  am  besten  nach  der  —  Un- 
natur solcher  Naturverwässerungen  studieren.  Zeigt  die  Strichführung  dieser  Federzeichnungen 
deutlich  den  Einfluß  der  in  der  Kupferstichkunst  üblichen  Technik,  in  der  die  Familie  der  Preissler 
ja  wirklich  Tüchtiges  geleistet  hat,  so  läßt  die  ebenfalls  mit  der  Feder  ausgeführte  Zeichnung 
Thetis  vor  Zeus  des  dem  19-  Jahrhundert  angehörigen  Martin  Wagner  die  Hand 
des  Bildhauers  erkennen.  Der  Künstler  war  zwar  auch  Maler,  allein  er  sah  die  Natur  im  Grunde 
doch  mit  dem  Auge  des  Plastikers  an.  Er  hätte  die  Figuren  von  Thetis  und  Zeus  aus  unserer 
im  Jahre  1810  entworfenen  Zeichnung  direkt  in  Marmor  umsetzen  können;  es  wäre  eine  wirkungs- 
volle Relief gruppe  daraus  geworden.  So  ist  denn  auch  das  Hauptwerk  seines  Lebens,  der  große 
1822  für  die  Walhalla  in  Regensburg  begonnene  Fries,  der  die  älteste  Geschichte  der  Deutschen 
bis  Karl  den  Großen  schildert,  ein  Werk  der  Bildhauerkunst.  Im  späten  Alter  kehrte  der  unter 
den  Einfluß  des  Klassizismus  aufgewachsene  Künstler  zu  seinem  geliebten  Homer  zurück  und 
schuf  Umrisse  zu  den  Epen  dieses  Dichters.  —  Mitten  in  den  frisch  aufblühenden  Realismus  des 
19-  Jahrhunderts  führt  uns  das  hübsche,  wenn  auch  ein  wenig  trocken  gemalte    Aquarell   von 


Johann  Friedrich  Karl  Kreul  (1804—1867),  der  Besuch  beim  Invaliden, 
hinein.  Das  l840  entstandene,  ein  bischen  rührselige  Blatt,  das  einen  armen  erblindeten  Inva- 
liden zeigt,  der  von  einem  mildtätigen  jungen  Mädchen  besucht  wird,  ist  ein  Vorläufer  jener  auf 
novellistische  Erzählung  ausgehenden  Genremalerei,  wie  sie  später  von  Deffregger,  Vautier, 
Knaus  und  anderen  so  erfolgreich  betrieben  wurde.  —  Auch  Georg  Perlberg  (1807— 
1884)  malte  Genrebilder.  Er  war  aber  zugleich  als  Landschafter  tätig.  Das  Aquarell  ,,0  c  h  s  e  n- 
markt  vor  der  Porta  S.  Paulo  zu  Rom  mit  der  Locanda  St.  Antonio" 
gibt  über  die  Vorzüge  und  Schwächen  seiner  Landschaftskunst  gut  Aufschluß.  Von  ihm  wie  von 
Kreul  befinden  sich  übrigens  Ölgemälde  in  der  Nürnberger  städtischen   Bildergalerie. 

Zum  Schlüsse  noch  ein  Wort  über  zwei  der  graphischen  Schöpfungen,  die  für  die  Abteilung 
der  „historischen  Blätter"  angeschafft  wurden.  Die  eine  ist  das  durch  eine  wundervolle  Energie 
echt  malerischen  Empfindens  ausgezeichnete  Stilleben  des  ,,Totenschädels  zwischen 
einem  B  1  u  m  e  n  g  1  a  s  e  und  einer  U  h  r",  das  der  französische  Stecher  Jean  Morin 
(Nagler  IX,  S.  493,  Nr.  39)  nach  einem  Gemälde  seines  Landsmannes  P.  Champaigne  mit  kon- 
genialer Meisterschaft  radierte.  Das  Blatt  wird  von  Nagler  mit  vollem  Rechte  als  eine  der  schönsten 
Arbeiten  Morins  bezeichnet.  —  Das  andere  der  beiden  erwähnenswerten  historischen  Blätter  lassen 
wir  in  einer  Abbildung  (Abb.  4)  folgen.  Es  stellt  den  siebenjährigen  Mozart  dar,  wie  er  „accom- 
pagniert"  von  seinem  Vater  und  seiner  Schwester  auf  einer  seiner  Konzertreisen  der  staunenden 
Welt  die  virtuose  Kunst  seines  Spinettspieles  vorführt.  Der  von  Delafosse  1764  nach  einer 
Zeichnung  von  L.  C.  de  Carmontelle  mit  einer  gewissen  technischen  Eleganz  gearbeitete  Stich  ragt 
sowohl  als  Porträtdarstellung,  wie  als  Kulturdokument  des  Rokokozeitalters  weit  über  eine  bloße 
Durchschnittsbedeutung  hinaus. 

Geschenke. 

Ansbach.  Freiherr  von  Aufseß,  Landstallmeister:  Hans  Freiherr  von  Aufseß, 
der  Gründer  des  Germanischen  Museums,  im  Kampf  mit  seinen  Widersachern.  Satirische  Dar- 
stellung von  Wilh.  von  Kaulbach  v.  J.  1865.  Photographie  nach  einer  Federzeichnung  in  der 
Aufseßischen  Familienchronik.  —  Breslau.  Ludwig  und  Lucie  Baruch:  Exlibris 
derselben;  gezeichnet  von  Rose  Eisner  1909-  —  Crefeld.  Dr.  C  a  m  p  h  a  u  s  e  n,  Rechtsanwalt: 
Photographie  eines  romanischen  Leuchters  im  Besitz  des  Geschenkgebers.  —  Dresden.  Ernst 
von  T  i  e  d  e  m  a  n  n,  Rittmeister  a.  D.:  Exlibris  desselben;  gezeichnet  von  Franken,  Dresden 
1909.  —  Hamburg.  Albert  Groth:  Exlibris  desselben;  gezeichnet  von  Friedrich  Häffcke, 
Hamburg  1909.  O.  L  ü  d  d  e  c  k  e  n  s.  Ingenieur:  Exlibris  desselben;  eigener  Entwurf.  — 
Karlsruhe.  Verein  für  Originalradierung:  Heft  XVI  (1909)  seiner  Jahrespublika- 
tionen, enthaltend  folgende  Originalradierungen:!.  Schinner  er:  „An  Hans  Thom.i",  Wid- 
mungsblatt des  Vereins  an  seinen  Ehrenvorsitzenden  zum  70.  Geburtstag.  2.  Babberger; 
„Es  fiel  ein  Reif  ..."  3.  Bau  mann:  „Das  Alphorn".  4.  W.  Gonz:  „Von  der  Insel  Use- 
dom". 5.  Grewe:  ,, Wächtershof".  6.  Haueisen:  „Bauer  mit  Pferd".  7-  Otto  Leiber 
„Verlassene  Hofstatt".  8.  Ad.  Luntz:  „Schwäbisches  Dorf".  1906.  9-  S  c  h  i  n  n  e  r  e  r: 
„Seminarsplatz".  10.  W.  H.  Schroeder:  „Baumgruppe"  19O8.  11.  Hans  Thoma: 
„Kinder  auf  dem  Felde".  190S.  12.  H.  R.  v  o  n  V  0  1  k  m  a  n  n:  Puttenfries  als  Zierleiste  für 
das  Titelblatt.  1909.  —  Krummau  a.  d.  Moldau.  A.  Mörath,  fürstlich  Schwarzenbergscher 
Archivdirektor:  1.  Exlibris  desselben.  2.  Schloß  Krummau  a.  d.  Moldau.  Ansichten  aus  dem 
15-  und  dem  17-  Jahrhundert  und  aus  der  Neuzeit.  Postkarte.  3-  Das  Goldenkroner  Haus  in 
Krummau  a.  d.  Moldau.  Ansichtskarte.  —  Le  Muy  (Frankreich).  Fernand  Henry:  Ex- 
libris desselben.  Nach  eigener  Zeichnung.  Louis  Stelmans  sc.  Paris  1899. —  Magdeburg.  Verein 
zur  Erhaltung  der  Denkmäler  der  Provinz  Sachsen:  Das  Schloß 
zu  Merseburg.  Lichtdruck  und  beschreibendes  Textblatt  mit  3  Abbildungen.  Vereinsgabe  für 
1908.  —  Nürnberg.  Johann  Förtsch,  Kunstmaler  und  Photograph:  1.  Holländische 
Flußlandschaft.  Kleine  Originalradierung  von  der  Hand  des  Geschenkgebers.  2.  Einsames 
Bauernhaus,  unter  hohen  Bäumen  gelegen.  Kleine  Originalradierung  von  der  Hand  des  Geschenk- 
gebers. 3-  Haus  in  der  Heide  mit  rauchendem  Schlot.  Kleine  Originalradierung  von  der  Hand 
des  Geschenkgebers  vom  Jahre  1883.  4.  Landschaft  mit  Fluß  und  gewölbter  Steinbrücke  bei 
Sonnenuntergang.  Farbige  Originallithographie  von  der  Hand  des  Geschenkgebers.  5-  Land- 
schaft in  Märzstimmung.    Partie  vom  Dutzendteich  bei  Nürnberg.     Farbige  Originallithographie. 


p^ 


Scu/r  1704 


Abb.  4,    Der  junge  Mozart  mit  seinem  Vater  und  seiner  Schwester  musizierend. 

Zeitgenössische  Darstellung  v.  J.  1764.    Kupferstich. 


—     75     — 

Links  unten  monogrammiert.  Von  der  Hand  des  Geschenkgebers.  6.  Flußlandschaft  mit  Ge- 
höft im  Hintergrund  in  spätwinterlicher  Stimmung.  Farbige  Originallithographie.  Bezeichnet 
rechts  unten:  „1901.  H.  Förtsch".  Eugen  Mayr:  „Gruß  der  Preußen  an  die  Pariser". 
Spottgedicht  aus  den  Jahren  1870/71.  Natur  historische  Gesellschaft:  George 
Preißler,  27  Blatt  Zeichnungen  von  Teilen  des  menschlichen  Körpers;  Vorlagen  zu  einem  laut 
Inschrift  auf  dem  defekten  Titelblatt  am  7-  August  1647  begonnenen  Reißbüchlein.  Fräulein 
Charlotte  Schnerr:  Eine  größere  Zahl  von  Kostümblättern  aus  neueren  Modejournalen. 
1903 — 1908.  Hans  Stößel,  Postsekretär:  Burgruine  Stixenstein.  Ansicht  aus  dem  Tal. 
Gezeichnet  von  J.  Höger.  Lithographiert  von  Landmann.  —  Wiesbaden.  Dr.  R.  Biermer: 
Exlibris  desselben;    gezeichnet   von    Paul    Bürck,    Rom. 

Ankäufe. 

Kupferstiche  und  Radierungen.  Heinrich  Aldegrever:  1.  Apollo.  B.  74.  Aus 
der  Folge  der  Gottheiten,  die  den  7  Planeten  vorstehen.  B.  74—80.  2.  Jupiter.  B.  78.  Aus 
der  gleichen  Folge.  3.  Venus.  B.  79.  Aus  der  gleichen  Folge.  —  Jacob  Binck:  Porträt 
des  Reinneir  v.  H.  im  Rund.  Bartsch  94.  Nach  Passavant  nicht  das  Original,  sondern  die  gegen- 
seitige Kopie.  —  Meister  J.  B.:  1.  Saturn.  B.  11.  Aus  der  Folge  der  Gottheiten,  die  den 
7  Planeten  vorstehen.  B.  11— 17-  2.  Jupiter.  B.  12.  Aus  der  gleichen  Folge.  3.  Luna.  B.  17. 
Aus  der  gleichen  Folge.  —  N  i  c  c  o  1  0  d  e  1 1  a  G  a  s  a:  Karl  V.  Büste  im  Oval  mit  architek- 
tonischer Verzierung  und  allegorischen  Figuren.  Gegenseitige  Kopie  des  bekannten  Stiches 
von  Aenea  Vico.  —  Aenea  Vico:  Carl  V.  Büste  im  Oval  mit  architektonischer  Verzierung 
und  allegorischen  Figuren.  Eine  Bartsch  (255)  unbekannte  gleichseitige  Kopie.  —  Hans  Vrede- 
mann  de  Vries:  Folge  von  27  Blatt  Darstellungen  von  Grabmonumenten  und  Epitaphien 
für  Monarchen  und  große  Männer.  Blatt  1  enthält  den  Titel.  Antwerpen  bei  Johannes  Gal- 
laeus.  Nagler  kennt  diese  Ausgabe  rieht.  —  Alexander  Mair:  Speculum  justificationis. 
Symbolische  Darstellung  der  Rechtfertigung  durch  den  Glauben  in  altarähnlicher  Komposition. 
Nach  J.  Amman.  Andresen  53- —  Wenzel  Hollar:  1.  Bauernhochzeit,  nach  P.  Breughel. 
1650.  Parthey  597-  2.  Jahreszeiten.  Halbe  Figuren.  Parthey  614—617.  3-  Äußere  Ansicht 
des  Parlamentshauses  in  London.  Parthey  103 7.  Scheinbar  Abdruck  von  der  beschnittenen 
Platte.  4.  Karl  IL,  König  von  Großbritannien.  Parthey  1439-  5-  Johannes  de  Reede.  1650. 
Parthey  1487.  6.  Alexander  Roelans.  1655-  Parthey  1491-  7-  Der  Alte  mit  den  Zahnlücken. 
Nach  Lionardo  da  Vinci.  Parthey  1577-  8.  Der  alte  Krauskopf.  Parthey  1587.  9.  Zwei  ver- 
zerrte Köpfe  nach  Lionardo  da  Vinci.  Parthey  1595-  Rechts  unten  5b.  10.  König  und  Königin 
von  Tunis.  Parthey  1603.  Rechts  unten  2c.  11.  Zwölf  Köpfe  und  Zerrbilder  nach  Lionardo 
da  Vinci.  Parthey  1 610.  12.  Menschliche  halbe  Figur  nach  linkshin,  als  Muskelpräparat.  Parthey 
1771.  Aus  der  Folge  der  Anatomie  nach  Lionardo  da  Vinci.  Parthey  1768—1774.  13-  Theatrum 
mulierum  oder  Aula  Veneris.  Weibliche  Trachten  in  ganzen  Figuren.  P.  1804 — 1907-  Im  ganzen 
202  Blatt  (unvollständig).     14.  Selbstbildnis.     Parthey  1420,  e. 

Holzschnitte.  Ein  Konvolut  von  64  größeren  und  kleineren  Holzschnitten  des  15-  und  16. 
Jahrh.,  teils  Einzelblätter,  teils  Ausschnitte  aus  Büchern;  darunter  11  alttestamentliche  Darstel- 
lungen von  einem  kölnischen  Meister,  altkoloriert,  zweite  Hälfte  15.  Jahrh.,  7  interessante  kleine 
Passionsdarstellungei',  niederdeutsch,  aus  der  gleichen  Zeit,  7  Ausschnitte  aus  einer  niederdeutschen 
Bibel,  ebenfalls  zweite  Hälfte  15-  Jahrh.,  3  Blätter  aus  der  Schedel'schen  Weltchronik,  3  verschie- 
dene Titel  zu  Johannis  de  Gersons  Werken.  —  Lucas  Cranach  d.  Ä.  (nach  Schuchardt: 
d.  J.):  Bildnis  des  Christian  Brück,  genannt  Pontanus.  B.  144.  Pass.  IV,  S.  8,  Nr.  144.  —  Un- 
bekannter Meister  der  ersten  Hälfte  des  16.  Jahrh.:  Das  Labyrinth  des 
Minotaurus.  Darunter  je  in  zwei  Spalten  ein  lateinisches  und  ein  deutsches  Gedicht.  Das  deutsche 
ist  überschrieben:  „Bericht  dieser  figur  zum  leser".  An  die  Art  des  Hans  Sebald  Beham  erinnernd.  — 
Christian  Wilhelm  Dietrich:  Der  bhnde  Bettler.  L.  78.  Abdruck  in  gelb.  — 
Julius  Schnorr  von  Carolsfeld:  Die  Bibel  in  Bildern.  240  Blatt  in  Holzschnitt. 
Volksausgabe  in  Lieferungen.     Leipzig  1853-     Georg  Wigands  Verlag. 

Handzeichnungen.  Roland  Roghman:  Felsige  Landschaft.  Über  einen  Bach,  der 
linker  Hand  an  steil  abfallenden,  mit  Bäumen  bestandenen  Felsen  vorbeiströmt,  führt  eine  Holz- 
brücke, an  der  zwei  Männer.  Die  hohen  Ufer  zur  Rechten  sind  teilweise  bewaldet.  Tuschzeich- 
nung.   Bezeichnet  rechts  unten:  „Rolant  Roghman  f.".    26,7  cm  hoch,  19,9  cm  breit.  —  Johann 


—    76    - 

Martin  Wagner:  Thetis  legt  im  Olymp  bei  Zeus  für  Achilles  Fürbitte  ein.  Federzeich- 
nung. Bezeichnet  rechts  unten:  „M.  Wagner  l8lO".  21,7  cm  hoch,  31,5  cm  breit. — Johann 
Friedrich  Karl  Kreul:  Der  Besuch  beim  Invaliden.  Aquarell.  Bezeichnet  unten  rechts: 
„C.  Kreul  1840".  26,1  cm  hoch,  21,2  cm  breit.  —  Johann  Georg  Christian  Perl- 
berg: ,, Ochsenmarkt  vor  der  Porta  St.  Paulo  zu  Rom,  mit  der  Locanda  St.  Antonio".  Aquarell. 
22,5  cm  hoch,  28,7  cm  breit.  —  Karl  Kaeppel:  Schloß  Greifenstein  in  der  Fränkischen 
Schweiz.  Fernansicht.  Im  Vordergrund  bei  einer  Steinbrücke  eine  Sägemühle.  Aquarell.  Be- 
zeichnet links  unten:  ,,C.   Kaeppel     1841".     17,6  cm  hoch,  21,5  cm  breit. 

Historische  Blätter.  Totenkopf  zwischen  einer  Blumenvase  und  einer  Uhr.  Allegorie 
auf  die  Vergänglichkeit  alles  Irdischen.  P.  Champaigne  pinx.  Morin  sculp.  1 7.  Jahrh.  —  ,,P  a  s  t  o- 
r  a  1  e  s".  Titelblatt  und  16  Blatt  Darstellungen  von  Beschäftigungen  und  Ergötzungen  aus 
dem  ländlichen  Leben.  Nach  Erfindungen  von  J.  Stella  radiert  von  Claudine  Bouzonnet  Stella, 
1667.  —  ,,Leopold  Mozart,  Pere  de  Marianne  Mozart,  virtuose  ägee  de  onze  ans  et  de  J.  G.  Wolf- 
gang Mozart,  compositeur  et  maitre  de  musique  äg6  de  sept  ans".  Der  junge  Mozart  sitzt 
am  Klavier,  w^ährend  seine  Schwester  singt  und  der  Vater  mit  der  Geige  begleitet.  Interessante 
zeitgenössische  Darstellung  der  Mozart'schen  Familie.  L.  C.  de  Carmontelle  del.  Delafosse  sculp. 
1764.     (Abb.  4). 

Bilderrepertorium,  16  Blatt  Photographien  von  Bauten  und  Kunstwerken  in  Lorsch  und 
Worms.  —  Photographie  einer  Verkündigung.  Elfenbeintäfelchen  im  Maximilians-Museum  in 
Augsburg.  Französische  Arbeit.  14.  Jahrh.  Originalgröße.  —  14  Blatt  Aufnahmen  von  Decken- 
gemälden und  Decken  in  der  Kgl.  Residenz  in  München,  im  Schloß  zu  Nymphenburg,  in  der  Kloster- 
kirche zu  Berg  am  Laim,  in  der  Kirche  zu  Schäftlarn,  in  der  Klosterkirche  zu  Fürstenfeld  (B.-A. 
Brück)  und  in  der  Kirche  zu  Waltenhofen  bei  Kempten.  —  Mappe,  enthaltend  20  Blatt  Repro- 
duktionen in  Originalgröße  nach  Federzeichnungen  von  Otto  Ubhelohde,  behandelnd  Motive 
aus  Lübeck  und  Travemünde. 

Stiftungen. 

Hohenzollern-Stiftung.  Friedrich  Wilhelm,  König  von  Preußen.  Brustbild  in- 
ovalem  Rahmen  mit  Beiwerk.     Antoine  Pesne  pinx.   B.  Picard  delin.  et  Effigiem  sculpsit. 

Denkmäler  für  Heilkunde.     1.    Franz    Maelson,    Arzt.     Hüftbild  nach  rechts  (1538 
bis  1601).    J.  H.  Wierx  sc.    Abdruck  vor  der  Jahrzahl.    Drugulin  12795.    2.  Die  Schröpfe 
r  i  n.     Cornelis  Dusart  fec.  et  inv.     1695  (Dusart,  B.  12,  III;  mit  der  Adresse  von  J.  Gole). 

D  e  p  0  s  i  t  a. 

KUPFERSTICHSAMMLUNG   DER  STADT  NÜRNBERG. 

(Ankäufe    vom   1.    Januar    1909    bis    zum    31.    Dezember    1909-) 

Kupferstiche  und  Radierungen.  Heinrich  Aldegrever:  1.  Adam.  Stehende 
Figur  mit  einem  Apfel  in  der  linken  Hand.  1529-  B.  9-  2.  Eva.  Stehende  Figur,  mit  der  rechten 
Hand  den  Apfel  aus  dem  Munde  der  Schlange  entgegennehmend.  1 529.  B.  10.  3.  Adam.  Stehende 
Figur  mit  Apfel  in  der  rechten  Hand.  Im  Hintergrund  ein  ruhender  Löwe.  B.  11.  4.  Eva. 
Stehende  Figur  mit  Apfel  in  der  linken  Hand.  Die  rechte  weist  auf  den  Baum  hin,  in  dessen  Geäst 
die  Schlange  liegt.  Hinter  der  Figur  ein  grasender  Hirsch.  B.  12.  5-  Die  Geschichte  der  Susanna. 
B.  30 — 33.  6.  Herkules  schleppt  den  Cerberus  aus  der  Unterwelt.  B.  87-  7-  Der  Glaube.  B.  131-  — 
Barthel  Beham:  1.  Nackter  Mann  mit  Schwert  auf  einem  Delphin  sitzend.  B.  33-  2.  Die 
Erkenntnis  Gottes  nach  Rafael  mit  gleichseitiger  Kopie.  P.  67B.  —  Hans  Sebald  Be- 
ham: 1.  Liegende  nackte  Frau  vom  Rücken  gesehen.  Bekannt  unter  dem  Namen  ,,Die  Buße 
der  heil.  Chrysostomus"  (Pauli  70,  III).  2.  Vignette  mit  Panzer  zwischen  zwei  Tritonen.  B.  223. 
Äußerst  seltener  Stich  in  gutem  Abdruck  (Abb.  6).  —  Meister  J.  B.:  1.  Saturn.  Aus  der  Folge 
der  Planeten.  B.  11.  2.  Mars.  Aus  der  Folge  der  Planeten.  B.  13-  3-  Ornamentfries  mit  Vasen. 
B.  42  und  43.  Abdruck  von  der  unzerschnittenen  Platte.  4.  Rankenornament  in  die  Quere  mit 
einer  Frau  zwischen  zwei  Genien.  B.  48.  5- Dolchscheide  mit  Venus  und  Amor.  B.  52.  —  Jacob 
B  i  nck:  1.  Lot  und  seine  Töchter  nach  Hans  Sebald  Beham.  B.  4.  2.  Der  segnende  Heiland. 
B.  14.  3.  Maria  mit  dem  Kinde  von  zwei  Engeln  gekrönt,  nach  Dürer.  B.  18.  —  Ludwig 
Krug:    Nackte  stehende  Frau  in  einer  Landschaft.    B.  12    —Augustin    Hirschvogel: 


—   7: 


Abb.  5.    Hans  Sebald  Beham:  Das  Leben  der  beil.  Jungfrau  in  13  Darstellungen. 

Pauli  885.    (Holzschnitt.) 


46  Blätter  aus  der  Geschichte  des  alten  und  neuen  Testamentes.  B.  1.  —  Balthasar  Jenl- 
chen:  Porträt  des  Hans  Sachs.  Brustbild.  Andresen  38.  —  Hans  Sebald  Lauten- 
sack: 1.  Halbfigur  einer  reichgekleideten  Frau.  B.  10.  2.  Der  Kanzler  Leonhard  von  Eck. 
B.  11.  3.  Waldige  Landschaft  bei  Sonnenaufgang.  B.  24.  4.  Flußlandschaft,  im  Hintergrund 
ein  Schloß  auf  hohem  Felsen.  B.  29.  5-  Flußlandschaft  mit  einer  großen  Stadt  im  Hintergrund. 
B.  40.     6.  Große   Flußlandschaft,  links  auf  einer  Insel  ein  befestigtes  Schloß.     P.  67. 

Holzschnitte.  Albrecht  Dürer:  1.  Marienleben,  Holzschnittfolge  von  20  Blättern 
(Bartsch  77 — 95  und  101),  mit  einem  Widmungsblatt.  Illuminiert  1585/86  von  Johann  Bechthold. 
Erworben  auf  Kosten  der  Stiftung  zur  Erhaltung  Nürnberger  Kunstwerke.  2.  Die  heilige  Brigitta 
verteilt  ihr  Buch.  P.  194.  Probedruck.  3-  Titeleinfassung  mit  zwei  geketteten  Satyrn.  P.  302. 
Neuerdings  Hans  Weiditz  zugeschrieben  (vgl.  Röttinger  17,  3)-  —  Hans  Sebald  Beham: 
1.  Das  Leben  der  heil.  Jungfrau  in  13  Darstellungen.  Pauli  885  (Abb.  5)-  2.  Junges  Paar  in  Unter- 
haltung.    B.  162.     Vorzüglicher  Abdruck  in  Grün. 

riandzeichnungen.  Hans  Blum:  Altes  Stadttor  mit  Wagenschmiede  in  Nabburg. 
Aquarell.  Bezeichnet  links  unten:  „H.  Blum  11.  9-  84.  Manöver".  29  cm  hoch,  20,4  cm  breit.  — 
Daniel  Burgschmiett :  Der  Miniaturmaler  Buchner  am  Arbeitstisch.  Aquarell.  Bezeichnet 
rechts  unten:  ,,J.  D.  Burgschmiett  1818".  14,6  cm  hoch,  15,9  cm  breit  (innere  Darstel- 
lung). —  Rudolf  Geißler:  Zwei  Kinder  an  einem  runden  Tisch  spielend.  Unten  die  Worte: 
„Eins  ins  Töpfchen,  zwei  ins  Kröpfchen".  Tuschzeichnung.  10,5  cm  hoch,  12,5  cm  breit.  — 
Mathias  Hartmann:  Alter  Jude  mit  seiner  Tochter.  Links  oben  ,, Elisa  Koahn".  Blei- 
stiftzeichnung. 15,8  cm  hoch,  20  cm  breit.  Auf  der  Rückseite  Landschaftsstudie  in  Blei  (Henfen- 
feld).  —  Karl  Jäger:  Der  Triumph  der  Liebe.  Tuschzeichnung  mit  weißgehöhten  Lichtern. 
Studie  zu  dem  für  König  Ludwig  11.  von  Bayern  gefertigten  Karton.  Bezeichnet  links  unten: 
,,C.  Jäger  1864".  24,4  cm  hoch,  17,6  cm  breit.  —  Johann  Maar:  Mädchen  aus  der  Frän- 
kischen Schweiz.  Trachtenstudie.  In  knieender  Haltung  nach  links.  Aquarell.  Links  unten 
in  Blei:  ;,Joh.  Maar".  23,4  cm  hoch,  20,6  cm  breit.  —  Paul  Ritter:  Baldachinträger. 
Figurenstudie  zu  seinem  Gemälde:  „Der  Einzug  des  Kaisers  Matthias  in  Nürnberg  im  Jahre  1612". 
Aquarell.  Rechts  unten  in  Blei:  ,,Paul  Ritter".  23,7  cm  hoch,  12,5  cm  breit.  —  Konrad 
Weigand:  Weihnachten.  Farbiger  Entwurf  zu  einem  Buchschmuck.  Aquarell  auf  Karton. 
33,4  cm  hoch,  22,8  cm  breit. 

ARCHIV. 

(1.  Oktober  bis  31-  Dezember  1909.) 
Geschenke. 
Berlin.  G.  J.  B  r  u  c  k:  Kaufbrief  für  Zacharias  Spatz,  Zinn-  und  Kannengießer  in  Nürn- 
berg, über  zwei  in  St.  Sebalds  Pfarr,  am  Spitalkirchhof  gelegene,  aneinanderstoßende  Behau- 
sungen. Nürnberg.  1683,  22.  Febr.  Orig.  Pap.  —  Vermächtnis  des  |  Kommerzienrats 
Johannes  Kahlbaum:  Confirtnationsurkunde  der  Privilegien  der  Garnweber  zu  Drebkow. 
Drebkow  1668,  3.  Juni.  Orig.  Perg.  —  Geburtszeugnis  für  Wilhelm  Nitsch  aus  Rosenort  bei 
Danzig,  ausgestellt  von  Bürgermeister  und  Rat  der  Stadt  Danzig.    1679,  12.  Juni.    Orig.  Perg. 

Ankäufe. 
Regeln,  Gesetze  und  Gewohnheiten  des  Deutschen  Ordens.    Pap.    Hs.  des  18.  Jahrh.    307. 

S.  40. 

BIBLIOTHEK. 

(1.  Oktober  bis  31-  Dezember.) 
Geschenke. 
Altenburg.    O.   F.  J.  Lingke:    Ders.  und  J.  F.  A.  Lingke,  Chronik  der  Familie  Lingke. 
1909.    8.  —  Basel.    E.  Major:  Der^.,  Wie  man  vor  Hohenküngsperg  gezogen  ist  .  .  .  1909-  8. 
—  Berlin.    Leitung  der  Ausstellung  Schleswig- Holsteinischer  Kunst: 
Ausstellung  Schleswig-Holsteinischer   Kunst  des   XV.  bis   XIX.   Jahrhunderts.    1909-    8.   — 
Julius    Bard,    Verlag:    Paul  Ganz,  Handzeichnungen  von  Hans  Holbein  dem  Jüngeren.    In 
Auswahl  herausgegeben.    1908.   4.  —  Pichard    Bong,    Verlag:    Moderne  Kunst  in  Meister- 
holzschnitten nach  Gemälden  und  Skulpturen  berühmter  Meister  der  Gegenwart.    Bd.  XXIII. 


—    79    — 

0.  J.  2.  —  Hilfsvereinder  deutschen  Juden:  Der  Prozeß  gegen  Maßloff  und  Ge. 
nossen  .  ,  .  nach  stenographischer  Aufnahme.  1900.  8.  —  Der  Proze(3  gegen  Moritz  Lewy  . . . 
nach  stenographischer  Aufnahme.  1901.  8.  —  Vermächtnis  des  verst.  Kommerzienrats  Jo- 
hannes K  a  h  1  b  a  u  m:  G.  Bauer,  Auserlesene  und  nützliche  Neuigkeiten  für  alle  Münzlieb- 
haber. I.— IV.  Stück.  1764/65.  4.  —  W.  J.  L.  Bode,  Das  ältere  Münzwesen  der  Staaten  und 
Städte  Niedersachsens.  1847.  8.  —  H.  Ph.  Cappe,  Die  Mittelalter-Münzen  von  Münster,  Osna- 
brück, Paderborn,  Corvei  und  Hervord.  1850.  8.  —  H.  Ph.  Cappe,  Beschreibung  der  Mainzer 
Münzen  des  Mittelalters.  1856.  8.  —  H.  Dannenberg,  Pommerns  Münzen  im  Mittelalter.  l864. 
4.  —  C.  F.  Evers,  Mecklenburgische  Münz- Verfassung.  Bd.  1  und  II.  1798/99-  8.  —  Hand- 
schriftlicher, mit  eingeklebten  Abbildungen  versehener  Münzkatalog  aus  dem  Besitz  von  Ch.W. 
Dannreuther.   O.  J.  4.  —  Gh.  J.  Götz,  Deutschlands  Kayser-Münzen  des  Mittelalters.   1827.  4. 

—  H.  Halke,  Einleitung  in  das  Studium  der  Numismatik.    1882.   8.  —  L.  W.  Hofmann,  Alter 

und  Neuer  Münz-Schlüssel I— III.    1683—1715-   4.  —  Karl  Graf  zu  Inn-  und  Knyphausen, 

Münz-  und  Medaillen- Kabinet  des  Grafen  Karl  zu  Inn-  und  Knyphausen.  1872.  8.  Erster 
Nachtrag  hierzu  1877.  8.  —  J.  T.  Köhler,  Vollständiges  Ducaten-Cabinet.  I.  und  IF.  Teil.  1759/60. 
8.  —  J.  Leitzmann,  Wegweiser  auf  dem  Gebiete  der  deutschen  Münzkunde  . . .  1868/69.  8-  — 
Joh.  Hieronymus  Lochner,  Sammlung  Merkwürdiger  Medaillen  .  .  .  1737-  -1738,  1739,  1740, 
1741,  1742,  1743,  1744.  4.  —  Dav.  Samuel  Madai,  Vollständiges  Thaler-Cabinet  ...  I.— III. 
Theil  sowie  erste  Fortsetzung.  1765.— 68  8.  —  Münzsammlung  der  wichtigsten  seit  dem  West- 
phäl.  Frieden  bis  zum  Jahre  18OO  geprägten  Gold-  und  Silber-Münzen  sämtlicher  Länder  und 
Städte  ...  2.  verb.  Aufl.  1885.  8.  —  J.  Niesert,  Beiträge  zur  Münzkunde  des  ehemahgen  Hoch- 
stifts Münster  .  .  .  Erste  Abtheilung.  1838.  —  J.  Niesert,  Nachträge,  Ergänzungen  und  Berich- 
tigungen zu  der  Ersten  Abtheilung  . . .  1840.  8.  —  Placcart  Duvoy  nostre  Sire  contenant  deffence 
du  cours  des  Florins  d'or  d'Allemaigne,  &  de  quelques  aultres  esperes.  1627-  4.  —  Ad.  Hess, 
Münzen-  und  Medaillen-Cabinet  des  Justizrathes  Reimmann  in  Hannover.    I— III.    1891/92.    8. 

—  F.  W.  A.  Schlickeysen,  Erklaerung  der  Abkuerzungen  auf  Muenzen  der  neueren  Zeit  des  Mittel- 
alters und  des  Altertums  sowie  auf  Denkmuenzen  und  muenzartigen  Zeichen.  2.  verbesserte  und 
vermehrte  Auflage  von  R.  Pallmann  und  H.  Droysen.  1882.  8.  —  C  Ph.  Chr.  Schönemann, 
Zur  vaterländischen  Münzkunde  vom  12.  bis  15-  Jahrhundert  oder  Grundzüge  der  Bracteaten- 
kunde  . . .  1852.  4.  —  K.  G.  v.  Schultheß- Rechberg,  Thaler-Cabinet.  Beschreibung  aller  bekannt 
gewordenen  Thaler .  .  .  I.  II.  1  u.  2  III  1.  1840,  1845/46,  1862.  8.  —  Joh.  Jak.  Spies,  Derbranden- 
burgischen  historischen  Münzbelustigung.  I.  II.  III.  und  IV.  Theil . .  .  1768— 71-  4-  —  Kr.  Ersler, 
Catalogue  de  la  Collection  de  Monnaies  de  Feu  Chr.  Jürgenson  Thomsen  . . .  Seconde  Partie,  Tome 

1,  II,  III,  1873/76.  8.  —  C.  F.  Trachsel,  Monographie  der  Münzen  des  Gotteshausbundes.  Diss. 
1872.  8.  —  F.  A.  Voßberg,  Geschichte  der  Preußischen  Münzen  und  Siegel  von  frühester  Zeit 
bis  zum  Ende  der  Herrschaft  des  Deutschen  Ordens.  1843-  4.  —  Katalog  des  grossen  Freiherrl. 
von  Wambolt' sehen  Münzkabinets.  I  u.  II.  1833-  4.  —  J.  F.  Weidhas,  Die  Brandenburger 
Denare  ...  1855-4.  —  Verzeichniss  der  Münz-  und  Medaillen- Sammlung  des  kaiserl.  königl. 
Hofrathes  .  .  .  Herrn  Leopold  Welzl  von  Wellenheim.  II.  Bd.  I  u.  II.  Abteilung.  1844/45-  8.  — 
Ad.  Weyl,  Die  Paul  Henckel'sche  Sammlung  Brandenburg- Preußischer  Münzen  und  Medaillen. 
1876.  8.  —  Ad.  Weyl,  Verzeichniss  von  Münzen  und  Denkmünzen  der  Erdteile  Australien,  Asien, 
Afrika  u.  verschiedener  mohamedanischer  Dynastien  der  Jules  Fonrobert'schen  Sammlung  .  . . 
1878.  8.  —  Ad.  Weyl,  Die  Jules  Fonrobert'sche  Sammlung  überseeischer  Münzen  un  Me- 
daillen ...  1877/78.  8.  —  161  Münzkataloge.  8.  —  Kaiser  Friedrich-Museums- 
Verein:  Berichte  für  die  Geschäftsjahre:  1904/5,  1905/06,  1906/7,  1907/8,  1908/9.  8.  — 
Dr.  P  a  i:  1  Kaufmann,  Wirkl.  Geh.  Oberregierungsrat,  Präsident  des  Reichsversicherungs- 
amtes: Ders.,  Johann  Martin  Niederee.  Ein  rheinisches  Künstlerbild,  1908.  8.  —  Ministe- 
rium der  öffentlichen  Arbeiten:  Feinnivellement  der  Küsten  und  Wasserstraßen 
in  Schleswig- Holstein.  I.  Mitteilung.  1909.  4.  —  E.  S.  Mittler  &  Sohn,  Kgl.  Hofbuch- 
handlung: H.  V.  Poschinger,  Unter  Friedrich  Wilhelm  IV.  Denkwürdigkeiten  des  Ministers  Otto 
Freih.  von  Manteuffel.  1901.  8.  —  G.  Kögel,  Rudolf  Kögel.  Sein  Werden  und  Wirken.  1901 
u.  1904.  8.  —  A.  Stauffer,  Karoline  von  Humboldt  in  ihren  Briefen  an  Alexander  von  Rennen- 
kampf. 1904.  8.  —  E.  von  Possart,  Die  Kunst  des  Sprechens.  2.  Taus.  —  H.  Prutz,  Die  geist- 
lichen Ritterorden.  1908.  8.  —  v.  Scharfenort,  Die  Pagen  am  Brandenburg- Preußischen  Hofe 
1415—1895-   1895-   8.  —  R.  Gen6e,  Zeiten  und  Menschen.    Erlebnisse  und  Meinungen.   1899-  8. 


—     80    — 

—  G.  Schmidt,  Schönhausen  und  die  Familie  von  Bismarck.  1898.  8.  —  Hedwig  Abeken, 
Heinrich  Abeken.  4.  Aufl.  1910.  8.  —  J.  v.  Hartmann,  Briefe  aus  dem  Feldzug  1866  an  die 
Gattin  gerichtet.  1898.  8.  —  Reichstagsabgeordneter  Dr.  Südekum:  B.  Markowitsch,  Die 
serbische  Auffassung  der  bosnischen  Frage.  19O8.  8.  —  N.  Plauenberg  redivivus.  Die  Zivil- 
gerichtsreform und  die  Beschränkung  des  Anwaltszwanges.  1907.  8.  —  Beiträge  der  Industrie 
zu  den  Kosten  der  Handwerkerausbildung  und  Handwerkerwohlfahrtsptlege.  Bearbeitet  von  der 
Handelskammer  zu  Düsseldorf.  1908.  8.  —  Bergarbeiterschutz,  Massengräber,  Radbod.  Be- 
richt vom  Bergarbeiterkongreß  in  Berlin  .  . .  vom  1. — 3.  Februar  1909.  0.  J.  8.  —  Die  Binnen- 
schiffahrtsabgaben. Kein  Schiffahrtshindernis,  sondern  das  Mittel  zur  Beseitigung  von  Schiff- 
fahrtshindernissen. 1909.  8.  —  Prof.  Dr.  F.  Weinitz:  Ders.,  Die  Bericher  Bibelhandschrift 
in  der  Fürstl.  Landesbibliothek  zu  Detmold.  1908.  8.  —  Bielefeld  u.  Leipzig.  V  e  1  h  a  g  e  n 
&  K  1  a  s  i  n  g,  Verlag:    Künstlermonographien.    Bd.  98:   H.   Rosenhagen,  W.  Trübner.  1909.  8. 

—  Brüssel.  Joseph  Destr6e:  Ders.,  L'lndustrie  de  la  Tapisserie  ä  Enghien  et  dans  la 
Seigneurie  de  ce  nom.  1900.  8.  —  Creußen.  Magistrat  der  Stadt  Creußen:  K. 
Böhner,  Geschichte  der  Stadt  Creußen.  1909.  8.  —  Danzig.  Provinzialkommission 
zur  Verwaltung  der  westpreußischen  Provinzialmuseen:  Die  Bau- 
und  Kunstdenkmäler  der  Provinz  Westpreußen.  III.  Bd:  B.  Schmid,  Die  Bau- und  Kunstdenk- 
mäler Pomesaniens.  3-  Kreis  Stuhm.  Heft  XI 11  der  Gesamtreihe.  1909.  4.  —  Darmstadt.  T  h. 
Beck:  Ders.,  Herons  des  Älteren  Mechanik.  S.-A.  1909.  8.  —  Ders.,  Herons  des  Älteren 
Automatentheater.  S.-A.  1909.  8.  —  Dresden.  Kgl.  Sachs.  Ministerium  des  Kul- 
tus und  öffentlichen  Unterrichts:  Codex  diplomaticus  Saxoniae  Regiae:  I.  Teil, 
Abteilung  B,  3.  Bd.  H.  Ermisch,  Urkunden  der  Markgrafen  von  Meissen  und  Landgrafen  von 
Thüringen.  1909.  4.  —  G.  Erler,  Die  jüngere  Matrikel  der  Universität  Leipzig  1559—1889. 
1909.  4.  —  Neues  Archiv  für  Sächsische  Geschichte  und  Altertumskunde.  Bd.  XXX,  Heft  1 
u.  2,  3  u.  4.  1909.  8.  —  Kgl.  Sachs.  Ministerium  des  Innern:  Beschreibende 
Darstellung  der  älteren  Bau-  und  Kunstdenkmäler  des  Königreichs  Sachsen.  33.  Heft:  Bautzen 
(Stadt)  bearbeitet  von  Cornelius  Gurlitt.  1909.  4.  —  Drosendorf  in  Niederösterreich.  Museum 
zu  Drosendorf:  O.  Kilcher,  Das  Museum  zu  Drosendorf.  .  .  Ein  gedrängter  Bericht  über 
die  dort  untergebrachten  F.  Kießling'schen  Sammlungen. .  .  2.  Aufl.  1909.  8.  —  Eger.  Dr.  Karl 
S  i  e  gl:  Ders.,  Die  Egerer  Zunftordnungen.  Ein  Beitrag  zur  Geschichte  des  Zunftwesens.  1909. 
8.  —  Erlangen.  Fr.  Junge,  Verlagsbuchhandlung:  Th.  Kolde,  Beiträge  zur  bayer.  Kirchen- 
geschichte. XV,  6;  XVI,  1.  —  Frankfurt  a.  M.  M.  D  i  e  s  t  e  r  w  e  g,  Verlag:  Ferd.  Rein- 
hold, Friedrich  der  Große,  Briefe  und  Erlasse.  1909.  8.  —  Städelscher  Museums- 
Verein:  Bericht  über  die  Tätigkeit  des  Städelschen  Museums- Vereins  in  Frankfurt  am  Main 
im  ersten  Jahrzehnt  seines  Bestehens.  1909.  4.  —  Deutscher  Werkbund:  Erster 
Jahresbericht  des  deutschen  Werkbundes  für  1908/09.  1909.  8.  —  Frauenfeld.  Huber  &  C  o., 
Verlag:  A.  Bachmann  und  andere.  Schweizerisches  Idiotikon- Wörterbuch  der  schweizerdeutschen 
Sprache.    LXV.  Heft.    1909.    8.  —  C.  Brun,  Schweizerisches  Künstler- Lexikon.  9-  Lfg.  O.  J.  8. 

—  Freiberg  i.  Sachsen.  Gerlachsche  Buchdruckerei:  Freiberger  Stadt-,  Land-  und  Berg- 
Kalender  a.  d.  Jahr  1910.  1909.  8.  —  Flreiburg  i.  B.  H  e  r  d  e  r  sehe  Verlagsbuchhandlung: 
L.  V.  Pastor,  Geschichte  der  Päbste.  V.  Bd,  1909.  8.  —  St.  Qallen.  Pfarrer  Friedr.  Schulz: 
Ders.,  Alpenlicht.  Gornergrat.  Turka.  Maloja.  1910.  8.  —  Gera.  Fürstl.  Gymnasium 
Rutheneum:  R.  Rau,  Katalog  der  Fürstl.  Gymnasial-  und  Landesbibliothek.  1909.  8.  — 
Godesberg.  Joseph  Loevenich:  Katalog  über  die  im  Arndt-Museum  d.  histor.  Arndt- 
ruhe zu  Godesberg  aufbewahrten  Hauptstücke.  1909-  8.  —  Arndtruhe.  Lieblingsaufenthalt 
des  Dichters  E.  M.  Arndt.  1907.  8.  —  Halle  a.  S.  Otto  Hendel,  Verlag:  Bau-  u.  Kunst- 
denkmäler der  Provinz  Sachsen:  Neue  Folge  Bd.  I,  Lfg.  1—4.  1884.  8.  —  Historische 
Kommission  für  die  Provinz  Sachsen  und  das  Herzogtum  Anhalt: 
Provinzialmuseum  der  Provinz  Sachsen  in  Halle,  Jahresschrift  für  die  Vorgeschichte  der  sächsisch- 
thüringischen Länder.  8.  Bd.  1909.  8.  —  Dr.  M.  Sauerlandt:  Städtisches  Museum  für 
Kunst  und  Kunstgewerbe.  Halle  a.  S.:  Bericht  über  die  Neuerwerbungen  des  Verwaltungsjahres 
1908.  1909.  8.  —  Halle- Qiebichenstein.  Aug.  L  o  ß,  Verlag:  Ders.,  Handbuch  der  Dreherei. 
11. — 15.  Aufl.  1909.  8.  —  Hannover.  O.  v.  Schaumberg,  Hauptmann:  Ders.,  Beiträge 
zur  ältesten  Geschichte  der  Stadt  Schalkau  und  der  Burg  Schaumberg  vor  dem  Thür.  Walde.  1908. 
4.  —  Jahrsdorf.     J.   G.   Hierl,  K.    Pfarrer:   Ders.,   Die  Primizkapelle  in    Kloster   Heilsbronn. 


—     81      — 

1910.  8.  —  Jena.  Gustav  Fischer,  Verlag:  J.  Conrad,  L.  Elster,  W.  Lexis,  Edg.  Loenig, 
Handwörterbuch  der  Staatswissenschaften.  Bd.  II.  Dritte  umgearbeitete  Aufl.  8.  —  J.  Conrad 
und  andere,  Handwörterbuch  der  Staatswissenschaften.    III.  Bd,   3-  umgearbeitete  Aufl.    1909- 

8.  Innsbruck.     L  u  d  w.  Schön  ach:     Ders.,'Ein  vornehmer  nordischer   Gast  am   Tiroler 

Hofe  1347.  S.-A.  O.  J.  8.  —  Wagn  ersehe  Universitätsbuchhandlung:  E. 
V.  Böhm-Bawerk,  Kapitalzins.  I.'.  Abteilung:  Positive  Theorie  des  Kapitals.  III.  Aufl.,  1.  Halb- 
band, Buch  1  u.  2.  1909.  8.  —  W.  Erben,  Quellenstudien  aus  dem  histor.  Seminar  der  Uni- 
versität Innsbruck.  Heft  I.  J.  K.  Mayr,  Die  Linzer  Handschrift  des  deutschen  Vegez,  und  A. 
Philipp,  Überlieferung  und  Datierung  der  Grottkauer  Einigung.  1909.  8.  —  Forschungen  zur 
inneren  Geschichte  Österreichs,  herausgg.  von  Alfons  Depsch,  Heft  VI:  Theod.  Mayer,  Der  aus- 
wärtige Handeides  Herzogtums  Österreich  im  Mittelalter.  1909.  8.  —  Gumploricz,  Ludw.  Sozial- 
philosophie im  Umriß.  1910.  8.  —  Alfr.  Gürtler,  Die  Volkszählungen  Maria  Theresias  und  Josef  II. 
■J753 — 90.  1909.  8.  —  F.  X.  Kortleitner,  De  Hebraeorum  ante  exsilium  babylonium  mono- 
theismo.  1910.  8.  —  Innsbrucker  Festgruß  von  der  philosophischen  Fakultät  dargebracht  der 
50.  Versammlung  deutscher  Philologen  und  Schulmänner  in  Graz.  1909.  —  Ella  Lesser,  Der 
Däne  Claudius  Clausson  Swart,  der  älteste  Kartograph  des  Nordens,  der  erste  Ptolemäus-Epigon 
der  Renaissance.  Eine  Monographie  von  Anton  Björnbo  und  Carl  C  Petersen,  übersetzt  von 
Ella  Lesser.  1904.  4.  —  E.  Oberhummer  und  F.  von  Wieser,  W.  Lazius  Karten  der  österreichi- 
schen Lande  und  des  Königreichs  Ungarn  aus  den  Jahren  1545—1563.  1906.  2.  —  Ludw.  Merk, 
Die  Hauterscheinungen  der  Pellagra.  1909-  4.  —  Ludw.  Schönach,  Beiträge  zur  Geschlechter- 
kunde Tiroler  Künstler  aus  dem  16.— 19-  Jahrhundert.  O.  J.  8.  —  V.  von  Zingerle,  Mittelalter- 
liche Inventare  aus  Tirol  und  Voralberg.  1909.  8.  —  Karlsruhe.  Geh.  Archivrat  Dr.  A.  Krie- 
ger: Oberrheinische  Stadtrechte.  I.  Abt.:  Fränkische  Rechte,  8.  Heft:  C  Koehnke,  Grünsfeld, 
Neidenau  u.  Osterburken.  1909.  8.  —  Kitzingen.  Stadtmagistrat  Kitzingen: 
K.  Schilling  und  J.  Neubert,  Adreßbuch  für  die  Stadt  Kitzirigen.  Nach  dem  Stande  vom  1.  April 
1909.  1909.  8.  —  Köln.  Direktion  des  Wallraf-Richartz-Museums:  August 
Neven.  Du  Mont.  Gedächtnis- Ausstellung  im  Wollraf-Richartz-Museum  der  Stadt  Köln.  Vom 
3.  Dezember  1909  bis  3.  Januar  1910.  —  Leipzig.  A.  Deichert  Nach  f.  (Georg  Böhme), 
Verlag:  G.  Schanz,  Wirtschafts-  und  Verwaltungsstudien  XXXVI:  K.  Vanselow,  Die  ökonomische 
Entwickelung  der  bayer.  Spessartstaatswaldungen  l8l4— 1905-  1909.  8.  —  Ebenda  XXXVII: 
P.  May,  Die  bayer.  Zementindustrie.  1909-  8.—  Fr.  Willi.  G  r  u  n  0  w,  Verlag:  Paul  Eudel, 
Fälscherkünste.  Neu  herausgegeben  und  ergänzt  von  A.  Rößler.  1909.  8.  —  K.  Wipper- 
mann, Deutscher  Geschichtskalender.  1.  Bd.  1905.  8.  —  Rudolf  Haupt,  Verlag:  Flug- 
schriften aus  den  ersten  Jahren  der  Reformation:  III.  Bd.  Heft  6:  Alfr.  Götze,  Das  Kegelspiel 
und  Heft  7:  O.  Giemen,  Absag-  oder  Fehdeschrift  Lucifers  an  Luther.  1909.  8.  —  J.  C.  H  i  n- 
r  i  c  h  s,  Verlagsbuchhandlung:  Mythologische  Bibliothek  II,  2:  G.  Hüsing,  Die  iranische  Über- 
lieferung und  das  arische  System;  III,  1:  W.  Schultz,  Rätsel  aus  dem  hellenischen  Kulturkreise, 
1.  Teil.  1909.  8.  —  Vierteljahrs- Katalog  der  Neuigkeiten  des  deutschen  Buchhandels.  64.  Jahrgang. 
Heft  2  u.  3.  1909.  8.  —  Städtisches  Kunstgewerbemuseum:  O.  Pelka,  Katalog 
der  Bibliothek  des  städtischen  Kunstgewerbemuseums  zu  Leipzig.  1908.  8.  —  Ders.,  Schlag- 
wörterbuch zum  Kazalog  der  Bibliothek  des  städtischen  Kunstgewerbemuseums  zu  Leipzig.  1908. 
8.  —  Zentralstelle  für  deutsche  Personen-  und  Familiengeschichte: 
Mitteilungen  der  Zentralstelle  für  deutsche  Personen-  und  Familien- Geschichte.  Heft  V.  1909-  8. 
—  Linz  a.  D.  A.  M.  P  a  c  h  i  n  g  e  r:  Ders.,  Über  Krankheitspatröne  auf  Medaillen.  1909-  8.  — 
London.  Victoria  and  Albert  Museum.  South  Kensington:  Victoria  and 
Albert  Museum:  Plans  showing  scheme  of  arrangement  ofthe  collections.  1908.  8.  —  Cecil  Smith, 
Guide  to  the  Victoria  and  Albert  Museum,  South  Kensington.  1909-  8.  —  Lübeck.  Museum 
Lübeckischer  Kunst-  und  Kulturgeschichte:  Bericht  des  Museums  Lübecki- 
scher Kunst- und  Kulturgeschichte  über  das  Jahr  1908.  1909.  8.  —  Wegweiser  durch  das  Museum 
Lübeckischer  Kunst-  und  Kulturgeschichte  und  durch  dessen  kirchliche  Halle.  6.  Aufl.  S.-A. 
190s.  8.  —  Mannheim.  Dr.  R  ö  h  r  i  n  g  ,  Oberstabsarzt  a.  D.:  Vom  christlichen  Abschied  .  .  .  . 
des  Ehrwürdigen    Herrn  Dr.  Martini   Lutheri  Bericht  durch   D.  Justum  Jonam  M.  Michaelem 

Celium 1546     Photogr.  Neudruck.  1909.  8.  —  M.  Scheins,  Bauwerke,  Kunst- 

denkmäler  und  Inschriftei  aus  mittelalteriicher  Zeit  in  Ingenheim  a.  d.  B.  1888.  8.  — 
Die  Eröffnungsfeier  der  Heidelberger    Akademie  der  Wissenschaften  vom  3-  Juli  1909-  1909-  8.  — 

6 


—    82    — 

J.  Häußner,  Großherzog  Freidrich  von  Baden.  Ein  Gedenkblatt  für  das  badische  Volk.  O.  J.  8.  — 
Wahl  und  Liebmann,  Führer  durch  die  historische  Abteilung  der  Internationalen  Luftschiffahrt- 
Ausstellung'.  Frankfurt  a.  M.  1909.  8.  —  Marienburg.  B.  S  c  h  m  i  d,  Provinzial- Konservator: 
Ders.,  Die  Denkmalpf liege  in  der  Provinz  Westpreußen  in  den  Jahren  1901 — 1908.  1904 — 1909. 
4.  —  München.  Carl  Gerber,  Verlag:  Nürnberg- Fiirther  Jahrbuch  1909-  8.  —  Dr.  Hager 
Generalkonservator:  Rundschreiben  des  Kgl.  Generalkonservatori'ums  der  Kunstdenkmale  und 
Altertümer  Balyerns.  1909-  8.  —  Hugo  H  e  1  b  i  n  g,  Kunsthandlung:  Ders.,  Katalog  einer 
Sammlung  von  Ölgemälden  alter  Meister  aus  Mannheimer  Privatbesitz.  1909.  8.  —  Direktion 
der  Kgl.  Hof-  und  Staatsbibliothek:  Alphabetisches  Verzeichnis  der  laufenden 
Zeitschriften,  welche  von  der  K.  Hof-  und  Staatsbibliothek  München  und  einer  Anzahl  anderer 
Bibliotheken  Bayerns  gehalten  werden.  1909.  8.  —  J.  V.  Kuli:  Ders.,  Bildnisse  von  fürst- 
lichen und  anderen  hervorragenden  deutschen  Frauen  des  XVI.  bis  XIX.  Jahrhunderts  auf  Me- 
daillen. S.-A.  1909.  8.  —  Alb.  Langen,  Verlag:  Ed.  Fuchs,  Illustrierte  Sittengeschichte 
vom  Mittelalter  bis  zur  Gegenwart.  Renaissance.  Ergänzungsband.  1909.  4.  —  J.  J.  L  e  n  t- 
nersche  Buchhandlung  (E.  Stahl):  Veröffentlichungen  aus  dem  kirchenhistorischen 
Seminar  München,  III.  Reihe,  Heft  7  und  8  (G.  Gromer,  Die  Laienbeichte  im  Mittelalter;  D.  Stiefen- 
hofer,  Die  Geschichte  der  Kirchweihe  vom  1. — 7-  Jahrb.).  1909-  8.  —  Nürnberg.  Dr.  Chri- 
stoph Beck,  K.  Reallehrer:  Ders.,  Die  Ortsnamen  des  Pegnitztales  und  des  Gräfenberg- 
Erlanger  Landes.  1909.  —  Georg  Bock,  Zahnarzt:  Münz,  Martin,  Handbuch  der  Anato- 
mie des  menschlichen  Körpers  mit  Abbildungen  in  einem  Atlas.  1821 — 36.  8,  2.  —  F  e  r  d. 
E  i  s  i  n  g  e  r,  Prokurist:  Ders.,  August  Johann  Rösel  von  Rosenhof.  S.-A.  1909-  4.  —  Medi- 
zinische   Gesellschaft:    XXX.  Jahresbericht  der Nürnberger  mediziniscTien 

Gesellschaft  und  Poliklinik  für  1908.  1909.  8.  —  Sitzungsberichte  der  Nürnberger  medizinischen 
Gesellschaft  und  Poliklinik.  1908.  1909-  8.  —  Industrie-  und  Kulturvereiri:  Ver- 
waltungsbericht des  Industrie-  und  Kulturvereins  Nürnberg  für  1908  und  das  erste  Halbjahr  1909. 
1909.  8.  —  Ph.  Buckel,  Der  Industrie-  und  Kulturverein  Nürnberg  und  seine  Zweiganstalten 
von  1819—1909.  1909.  8.  —  Ernst  Kießkalt,  K.  Postsekretär:  Ders.,  Die  Grabdenk- 
mäler des  ehemaligen  Benediktinerklosters  Paulinzella.  1907.  8.  —  Ders.,  Grabdenkmale  in 
StaffelsteJn  (Stadt).  1906.  8.  —  Ders.,  Die  Bildwerke  der  Stadt  Saalfeld  a.  S.  in  heraldischer 
und  genealogischer  Beziehung.  1907-  8.  —  Ders.,  Die  Grabdenkmäler  der  St.  Veitskirche  zu 
Ell\vangen.  1907.  8.  —  Ders.,  Grabdenkmale  der  Stadt  Hof.  1906.  8.  —  Ders.,  Grabsteine 
und  Gedächtnistafeln  der  Stadt  Kroriach.  1906.  8.  —  Ders.,  Die  Grabdenkmäler  in  der  Kirche 
zu  Marlesreuth.  O.  J.  8.  —  Eugen  Mayr,  Rentier:  L.  A.  Desmarres  Handbuch  der  gesamten 
Augenheilkunde.  1852.  8.  —  Gh.  F.  B.  Ettmüller,  Abhandlung  über  die  Krankheiten  der  Augen 
und  Augenlieder.  1799-  8.  —  Frank,  Joh.  Peter,  System  einer  vollständigen  medicinischen  Poli- 
zey  I.  2.  Aufl.,  1784,  III  1783,  IV  1788.  8.  —  Doktordiplom  für  Andreas  Haßmann  aus  Nürn- 
berg 1858.  2.  —  J.  C.  Jäger,  Beyträge  zum  Heilverfahren  bey  Schuß-,  Hieb-  und  Stich^vunden, 
nebst  einem  Anhang  von  der  Krätze  und  Lustseuche  (Bd.  III  der  ,, Beyträge  zur  Kriegsarznei- 
wissenschaft .  .  .")  1796.  8.  —  Mayer,  J  G.  A.,  Beschreibung  des  ganzen  menschlichen  Kör- 
pers   Bd.  I— VIII.    1783—94.    8.  —  Müller,  Joh.  Valentin,  Entwurf  der  gerichtlichen 

Arzneiwissenschaft Bd.  I.    1796.   8.  —  Dr.  Joh.  Müller,  Gytnnasialprofessor:  Ders., 

Die  Finanzpolitik  des  Nürnberger  Rates  in  der  zweiten  Hälfte  des  16.  Jahrhunderts.  S.-A.  1909- 
8.  —  Ders.,  Die  Handelspolitik  Nürnbergs  im  Spätmittelalter.  S.-A.  1909.  8.  —  Dr.  Friedr. 
N  ü  c  h  t  e  r:  Ders.,  Albrecht  Dürer.  Sein  Leben  und  eine  Auswahl  seiner  Werke.  1910.  4.  — 
Stadtbibliothek:  Mummenhoff,  Katalog  der  Nürnberger  Stadtbibliothek.  I.  Bd.  1,  1. 
1909.  8.  —  Stadtmagistrat:  Verwaltungsbericht  der  Stadt  Nürnberg  für  das  Jahr  1907. 
1909.  8.  —  K*.  B.  Technikum:  Jahresbericht  1908/9  des  Kgl.  bayer.  Technikums  Nürn- 
berg. 1909.  4.  —  Nürnberg-Erlenstegen.  Komitee  zur  Wiederherstellung  des 
Bä  renbrunnens:  H ei nt^. Dorsch,  Festschrift  zur  Enthüllung  des  Bärenbrunnens  im  städti- 
schen Parke  Platnersberg  zu  Nürnberg-Erlenstegen.  1909.  8.  —  Pankow.  T  h.  Abeling: 
Teutonia,  Arbeiten  zur  germanischen  Philologie,  Heft  7  (Suppl.):  Ders.,  Das  Nibelungenlied  und 
seine  Literatur  (2.  Teil).  1909.  8.  —  Peronne.  C.  Bou  langer:  Ders.,  La  Trouvaille  gauloise 
de  caix  (Somme).  S.-A.  1909.  8.  —  Pforzheim.  Max  Klemm,  Verlag:  Friedr.  Freih.  von 
Gaisberg-Schöckirigen,  Th.  Schön  und  A.  G.  Cloß:  Das  Königshaus  und  der  Adel  von  Württem- 
berg.   Lieferung  1. — 3  und  4—5.  1^8.  4.  —  Posen.    Direktion  der  Kaiser  Wilhelm- 


—    83     — 

Bibliothek  in  Posen:  Pocke,  Rudolf:  Kaiser  Wilhelm-Bibliothek  in  Posen.  7.  Jahres- 
bericht. Mit  einer  Anlage:  Das  staatlich  organisierte  Volksbibliothekswesen  in  der  Provinz- 
Posen  lind  die  Provinzial-Wanderhibliothek.  Lesejahr  1908/09.  4.  —  Prag.  Mus.  Kr.  Hl. 
Mesta  Prahy:  Priivodce  Museen  Kr.  Hl.  Mestäprahy.  1909.  8.  —  Franz  Graf  Thun: 
Rud.  Rieh,  Mittelalterliche  Hausgeschichte  der  edlen  Familie  Thun.  Heft  VI:  Jacob  11.  und 
seine  Familie.  1909-  8.  —  Princeton.  Prof.  George  Lansing  Raymond:  Ders.,  The 
genesis  of  artform.  3- Aufl.  1909.  8.  —  Ders.,  Rhythm  andharmonyinpoetry  andmusic.  2.  Aufl. 
1909.  8.  —  Ders.,  I*roportion  and  harmony  of  line  and  color  in  painting,  sculpture  and  archi- 
tecture.  2.  Aufl.  1909.  8.  —  Ders.,  The  essentiels  of  aesthetics  in  music,  poetry,  painting,  sculp- 
ture and  architecture.  1.  Aufl.  1909-  8.  —  Ders.,  Daute  and  collected  verse.  1909.  8.  —  Ders., 
Art  in  Theory.  An  indroduction  to  the  study  of  comparative  Aesthetics.  2.  Aufl.  1909-  8.  — 
Ders.,  The  represantative  Significance  of  Form.  2.  Aufl.  1909.  8.  —  Der?'.,  Poetry  as  a  repre- 
sentative  significance  of  form.  2.  Aufl.  1909.  8.  —  Ders.,  Poetry  as  a  representative  art.  5- Aufl. 
1909.  8.  —  Salzburg.  J.  K.  M  a  y  r:  Ders.,  Die  Linzer  Handschrift  des  Deutschen  Vegez.  1909. 
8.  —  Philipp  Strasser:  Ders.,  Fürst  Otto  von  Bismarck.  Eine  Sammlung  von  Zeitungen 
mit  den  ersten  Todesnachrichten  und  Nachrufen.  O.  J.  8.  —  Steglitz.  Herm.  Fried  r. 
M  a  c  c  0:  Ders.,  Die  Abstammung  des  V.  deutschen  Reichskanzlers  Bethmann- Hollweg  von 
Aachener  Patrizierfamilien  des  15-  Jahrhunderts.  1909.  4.  —  Ders.,  Zur  Reformationsgeschichte 
Aachens  während  des  16.  Jahrhunderts.  ^907-  8.  —  Ders.,  Das  jülische  Geschlecht  von  Werth. 
1904.  8.  —  Ders.,  Zur  Familien-Geschichte  Wuppermann.  l908.  8.  —  Straßburg.  Dr.  H. 
Wibel:  Ders.,  Die  Siegel  der  deutschen  Kaiser  und  Könige.  S.-A.  O.  J.  8.  —  Stuttgart.  J.  B. 
Metzler,  Buchhandlung:  G.  Wissowa,  Paulys  Real-Encyclopädie.  VI.  Bd.  (XII.  Halbband). 
1909.  8.  —  Prof.  Dr.  Bertold  Pfeiffer:  Franz  Pfeiffer,  Festrede  zum  Schillerjubiläum 
1859  an  der  Universität  Wien.  0.  J.  8.  —  Schiedmayer  und  Söhne:,  Hof-Piano- 
forte- Fabrik:  A.  Eisen'tnann,  Schiedmayer  und  Söhne,  Hof-Pianoforte- Fabrik  Stuttgart.  Vorge- 
schichte, Gründung  und  fernere  Entwicklung  der  Firma  1809 — 1909.  0.  J.  8.  —  Teplitz.  Oskar 
Siegl:  Ders.,  Das  Exlibris  Georg  Gundelfinger  in  Nürnberg.  S.-A.  1909.  4.  —  Thurndorf  bei 
Auerbach  i.  O.  Pfarrer  Joh.  Bareickel:  Ders.,  Die  Anfänge  der  Luftfahrt.  Fränkischer 
Kurier,  18.  Dez.  09.  —  Troppau  i.  Schlesien.  Verlag  der  Nordmark:  Nordmark-Zeit- 
weiser für  das  deutsche  Volk  in  Schlesien.  1910.  4.  —  Waldhofen  a.  d.  Ibbs.  Musealverein 
für  Waidhofen  und  Umgebung:  G.  E.  Frieß,  Die  Stadt  Waidhofen  a.  d.  Ibbs  im 
Frieden  und  im  Kampfe.  1892.  8.  —  Wien.  Rud.  Detjens,  Verlag:  Georg  Schönerer  und 
die  Entwicklung  des  Altdeutschtutas  in  der  Ostmark.  O.  J.  8.  —  K.  K.  O  b  e  r  s  t  h  0  f  s  t  a  b  s- 
kämmerei:  Jahrbuch  der  kunsthistorischen  Sammlungen  des  Allerhöchsten  Kaiserhauses. 
Bd.  XXVIII,  Heft  3-  1909.  2.  —  Robert  Zimmermann:  Dumreicher,  Armand  Freih.  v. 
Aus  meiner  Studentenzeit.  Wien  1909.  8.  —  Wunsiedel.  G.  K  0  h  1  e  r,  Verlag:  Bach,  Samuel, 
Bareither  Kloß.  Neue  Folge:  Backna  Kloß.  1910.  8.  —  Wür'zburg.  Kurt  Kabitsch: 
Leuchtkugeln.  Randzeichnungen  zur  Geschichte  der  Gegenwart.  I— VII.  0.  J.  4.  —  Kgl. 
Universitätsdruckerei  H.  Stürtz,  A.-G.:  Th.  Henner,  Altfränkische  Bilder.  16. 
Jahrg.    1910.    8.  — 

Ankäufe. 
Hauck,  Die  Entstehung  des  Ghristusfypus  in  der  Abendländischen  Kunst.  188O.  8.  — 
F.  Luthmer,  Der  Schatz  des  Frhr.  von  Rothschild.  1.  Serie.  1883.  2.  —  E.  M.  Schwanka,  Ein 
Buch  vom  Bier.  1886.  8.  —  Jahrbuch  der  Gesellschaft  der  Bibliophilen.  IX.  Jahrg.  (1907/08). 
8.  —  Gaston  Migeon,  La  Fleur  de  la  Science  de  la  Pourtraicture  Patrons  de  Broderie,  Facon 
arabicque    et  ytalique  par  Francisque  Pellegrin  1530.     R^impression  en  fac-simile  avec  introduc 

tion.    1908.  4.  —  0.  M.  Dalton,  Catalogue  of  the  ivory  carvings  of  the  Christian  era 1909. 

4.  — Ch.  Daremberg,  Dictionnaire  des  Antiquitdsgtecques  et  romaines  .  .  .  .  Fase.  43-  1909-  4  — . 
Goethes  Werke.  Bd.  44,  47,  48.  Große  Weimarer  Ausgabe.  1909-  8.  —  VIII.  Jahresbericht 
der  Guttenberggesellschaft.  1909-  8.  —  F.  Hirsch,  Zeitschrift  für  Geschichte  der  Architektur. 
111.  Jahrg.,  Heft  1,2.  1909.  4.  —  Historisch  politische  Blätter,  Bd.  144  (Heft  1—7).  1909-  8.  — 
M.  Holzmann  und  H.  Bohatta,  Deutsches  Anonymen-Lexikon,  Bd.  V  (1851  —  1908).  1909.  8.  — 
Christ.  Jensen,  Bestrebungen  zur  Erhaltung  des  nordfriesischen  Volkstums  im  19-  Jahrhundert. 
1909.  8.  —  Kunst  und  Künstler.  Zeitschrift  für  Kunst  und  Kunstgewerbe.  Jahrgang  1909. 
III./IV.  Viertelj.    4.  —  F.   Krauß,  Antroprophyteia.    VI.  Bd.    1909-    8.  —  Ernst  Lemberger, 

6* 


—     84     — 

Die  Bildnisminiatur  in  Deutschland  von  1550 — 1850.  1909.  2.  — S.  Müller  und  W.  Vogelsang, 
Hollänidsche  Patrizierhäuser.  1909-  4.  —  H.  Posse,  Die  Gemäldegalerie  des  Kaiser  Friedrich- 
Museums.  Vollständiger  beschreibender  Katalog  mit  Abbildungen  sämtlicher  Gemälde.  I.  Ab- 
teilung: Die  romanischen  Länder....  1909.  4.  — Österreichische  Kunsttopographie.  Bd.  III: 
Die  Denkmale  des  politischen  Bezirkes  Melk.  1909.  8.  —  Topographie  der  historischen  und 
Kunstdenkmale  im  Königreich  Böhmen:  XXIV.  A.  Podlaha,  Der  politische  Bezirk  Böhmisch- 
Brod.  1909.  8.  —  Friedrich  Wolff:  Michael  Pacher.  Bd.  I.  1909.  2.  —  Beiheft  II  der  Zeit- 
schrift für  Geschichte  der  Architektur:  R.  Heiligenthal,  Baugeschichte  der  Stadt  Bruchsal  vom 
13.  bis  17-  Jahrh.  1909.  4.  —  Beiheft  III:  V.  Stübinger,  Die  römischen  Wasserleitungen  von 
Nimes  und  Arles.  1910.  4.  —  Prähistorische  Zeitschrift  (herausgegeben  von  C  Schuchhardt 
K.  Schumacher,  H.  Segeo).  I.  Bd.  Jahrg.  1909.  8.  —  H.  Delbrück,  Preußische  Jahrbücher. 
Jahrg.  1909/10.  Bd.  138.  8.  —  Friedrich  Back,  Mittelrheinische  Kunst.  Beiträge  zur  Geschichte 
der  Malerei  und  Plastik  im  14.  und  15-  Jahrh.  1910.  4.  —  Süddeutsche  Monatshefte  1910.  Jan. 
8.  —  M.  Bauer,  Edelsteinkunde.  Lieferungen  IX  bis  XI 11.  O.  J.  8.  —  E.  Flechsig,  Sächsische 
Bildner'^i  und  Malerei  vom  14.  Jahrh.  bis  zur  Reformation.  1.  Lfg.  O.  J.  2.  —  Franz  Liszts 
musikalische  Werke,  herausgegeben  von  der  Franz  Liszt-Stiftung.  I.  Für  Orchester,  1.  Abteilung 
Symphonische  Dichtungen  9  und  10.  O.  J.  4.  —  Camille  Martin,  L'Art  romain  en  France.  O.  J. 
2.  —  J.  W.  Nagel  und  J.  Zeidler,  Deutsch-Österreichische  Literaturgeschichte.   32.  Lfg.   0.  J.  8. 

—  Ond-Nederlandsche  Steden:  C.  H.  Peters,  De  nederlandsche  stedenbaow.  De  stad  als  veste 
woon  —  en  handelsplaats.     O.  J.    4. 

Heyer  von  Rosenf^Idsche  Stiftung.    M.  Joh.  Hartmann  Groß,  Christliche  Leichpredigt  .  .  . 
deß  .  .  .  Johann  Ludwigs  von  Glauburg  .  .  .  seliger  Gedächtnuß.    1631-    8.  —  M.  G.  Ph.  Liech- 

stein,  Christiana  Euthanasia Bey  .  .  .   Begräbnuß  .  .  .  deß  .  .  .   Herrn  Jacob  Marquards 

von  Glauburg I650.    8.  —  Ph.   Jac.   Spener,   Deß  Christenthums  Vollkommenheit  ... 

bey  Leich- Bestattung  .  .  .  deß   Herrn  Achilles  Sigmund  von  Glauburg 1667.    8.  —  Joh. 

Simon  Frank,  Pieris  helenopolitana  .  .  .  Johannem  Hectorem  von  Glauburg  generesissimi  parentis 

Dr.   Johannis  Adolphi  von  Glauburg 1694.    8.  —  Ludwig  H.  Schlosser,  Das  Göttliche 

Vatter-Hertz als  .  .  .  Joh.  Adolph  von  Glauburg  . .  .  entschlaffen  . .  .  1718.  8.  —  Herrn. 

Friedr.  Macco,  Beiträge  zur  Genealogie  rheinischer  Adels-  und  Patrizierfamilien.  IV.  1905.  4.  — 
Herm.  Friedr.  Macco,  Aachener  Wappen  und  Genealogien.  Bd.  I  u.  II.  1907/8.  4.  —  General- 
schematismus der  katholischen  Geistlichkeit  Deutschlands.  1908.  8.  —  A.  Bettelheim,  Bio- 
graphisches Jahrbuch  und  Deutscher  Nekrolog.  XII.  Bd.  1909-  8.  —  Tfoulkes  Charles,  Armour 
und  Weapons.  Oxford  1909-  8.  —  L.  Forrer,  Biographical  Dictionary  of  Medallisto.  Bd.  IV. 
1909.  8.  —  B.  E.  Hugo  Gerstmann,  Beiträge  zur  Kulturgeschichte  Schlesiens,  14.  bis  20.  Jahr- 
hundert ....  1909.  2.  —  Gothaischer  Genealogischer  Hofkalender  nebst  diplomatisch-stati- 
stischem Jahrbuch.  1910.  147-  Jahrg.  1909-  8.  —  Personalstand  sämtlicher  kirchlicher  Stellen 
und  Behörden  der  protestantischen  Kirche  im  Königreich  Bayern  diesseits  des  Rheins.    1909.   8. 

—  John  Smith,  A  Catalogue  raisonnd  of  the  most  eminent  dutsch,  flemisch  and  french  painters; 
in  which  is  included  .  .  .  1829 — 42.  Neudruck  London  1909.  8.  —  Gothaisches  Genealogisches 
Taschenbuch  der  Briefadeligen  Häuser.  1910.  4.  Jahrg.  1909.  8.  —  Gothaisches  Genealogisches 
Taschenbuch  der  Freiherrlichen  Häuser  1910.  60.  Jahrg.  1909.  8.  —  Gothaisches  Genealogisches 
Taschenbuch  der  Gräflichen  Häuser  1910.  83-  Jahrg.  1909.  8.  —  Gothaisches  Genealogisches 
Taschenbuch  der  Uradeligen  Häuser.  Der  in  Deutschland  eingeborene  Adel  (Uradel)  1910. 
11.  Jahrg.   1909-   8.  —  Verlohren,  Stammregister  der  Sächsischen  Armee.   1.  u.  2.  Lfg.   1909-  8. 

—  A.  V.  Wurzbach,  Niederländisches  Künstlerlexikon.  Bd.  II.  Lfg.  12.  1909.  8.  —  Schweize- 
risches Geschlechterbuch.  1910.  III.  Jahrg.  8.  —  Theodor  Meyer,  Das  Wiener  Bürgerhaus  Theyer. 
S.-A.  O.  J.  4.  —  J.  B.  Rietstap,  Armorial  General.  Pasc.  48  III  und 49-  O.  J.  2.  —  L.  Schönach, 
Beitäge   zur  Geschlechterkunde  tirolischer  Künstler  aus  dem  16. — 19-  Jahr.h    0.  J.    8. 

Nassauer  Stiftung.    Archives  ou  correspondance  inddite  de  la  maison  d' Orange- Nassau: 
Th.   Bussemaker,    QuatriÄme  serie,  Tome   II.    1909.    8. 


—    85    — 


TAUSCH  VERKEHR. 

Im  Jahre  1909  stand  das  Germanische  Museum  im  Tauschverkehr  mit: 


Aachen: 

Aachener  Geschichtsverein. 
Aarau: 
Historisclie  Gesellschaft  des  Kantons  Aar- 
gau. 
Agram  (Zagreb): 

Königl.    kroat.-slavon.-dalmat.     Landes- 
archiv. 
Altenburg: 
Geschichts-   und   altertumsforschende   Ge- 
sellschaft des  Osterlandes. 
Amiens: 

Sociöt6  des  antiquaires  de   Picardie. 
Amsterdam: 

K.   Akademie  der  Wissenschaften. 
K.  oudheidkundig  genootschap  te  A. 
Redaktion  von  ,,  Het  huis  oud  &  nieuw". 
Annaberg: 
Verein  für  Geschichte  von  Annaberg  und 
Umgebung. 
Ansbach: 

Fränkische  Zeitung. 
Historischer  Verein  für  Mittelfranken. 
Antwerpen: 
J.-E.    Buschmann   als   Verleger   der   Zeit- 
schrift „Onze  Kunst".    Voortzetting  van 
de  Vlaamsche  School. 
Arnstadt: 

Museumsgesellschaft. 
Augsburg: 
Augsburger  Postzeitung. 
Historischer    Verein    für    Schwaben    und 
Neu  bürg. 
Bamberg: 

Königl.   Bibliothek. 
Gewerbe- Verein. 
Historischer  Verein. 
Basel: 
Historische  und  antiquarische  Gesellschaft. 
Redaktion  des  Schweizer  Archivs  für  He- 
raldik. 
Schweizerische  Gesellschaft  für  Volkskunde. 
Universitäts- Bibliothek. 
Bayreuth: 

Historischer   Verein  für  Oberfranken. 
Bergen: 
Bergens  .Museum. 

Vestlandske  Kunstindustrimuseum. 
Berlin: 

Königl.  Preußische  Akademie  der  Wissen- 
schaften. 


K.  Statistisches  Amt. 

Apotheker- Verein,  Deutscher. 

Bauzeitung,  Deutsche. 

Bibliothek  des  Deutschen   Reichstages. 

Blätter  für  Architektur  und  Kunsthand- 
werk.    (Verlag.) 

Burgwart  (Architekt  Bodo  Ebhardt,  Grune- 
wald bei  Berlin). 

Ex-libris- Verein. 

Gesamtverein  der  deutschen  Geschichts- 
und Altertumsvereine. 

Berliner  Gesellschaft  für  Anthropologie, 
Ethnologie  und  Urgeschichte. 

Gesellschaft  für  Erdkunde. 

Gesellschaft  für  deutsche  Erziehungs-  und 
Schulgeschichte. 

Gesellschaft  für  Heimatkunde  der  Provinz 
Brandenburg. 

Gesellschaft,  Historische. 

Gesellschaft,  Deutsche  Pharmazeutische. 

Graveur- Verein,  Deutscher. 

Journal  für   Buchdruckerkunst.   (Verlag.) 

Moderne   Kunst  (Verlag  von   Rieh.   Bong). 

Kunsthalle,  Die.  (Prof.  Dr.  Gg.  Galland, 
Charlottenburg.) 

Verlag  Franz  Lipperheide.  (Illustr.  Frauen- 
Zeitung.) 

Münzblätter,  Berliner  und  Correspondenz, 
Numismatisches  Beiblatt  zu  den  Ber- 
liner Münzblättern.  (Dr.  Emil  Bahrfeld.) 

Museums- Verein. 

Norddeutsche  Allgemeine  Zeitung. 

Provinzialmuseum,  Märkisches. 

Reichsanzeiger,  Deutscher  und  Königlich 
Preußischer  Staatsanzeiger. 

Reichs- Postamt  III,  Abt.  W. 

Rundschau,  Deutsche.  (Redaktion.) 

Touristen- Klub  für  die  Mark  Branden- 
burg. 

Verein  für  die  Geschichte  Berlins  (Alt- 
Berlin). 

Verein  Herold. 

Verein  für  deutsches   Kunstgewerbe. 

Verein  für  Geschichte  der  Mark  Branden- 
burg. 

Verein  für  Volkskunde. 

Welt,  Die  weite.    (Redaktion.) 

Woche,  Die.     (Verlag  von  Aug.  Scherl.) 

Wochenblatt  der  Johanniter-Ordens-Balley 
Brandenburg.     (Redaktion.) 

Zeitschrift  für  Bauwesen.    (Schriftleitung.) 


—    86 


Zeitschrift  für   Numismatik.    (Redaktion.) 
Zentralblatt  der  Bauverwaltung.    (Schrift- 
leitung.) 
Bern: 

Historischer  Verein  des   Kantons  Bern. 
Biedenkopf: 
Mitteilungen  aus  Geschichte  und   Heimat- 
kunde des   Kreises  Biedenkopf. 
Bistritz: 

Direktion  der  Gewerbeschule. 
Bonn: 
Universitätsbibliothek. 
Verein  von  Altertumsfreunden  im   Rhein- 
lande. 
Verlag  der  Rheinischen  Geschichtsblätter. 
Brandenburg  a.  H.: 

Historischer  Verein. 
Braunau  i.  B.: 

Dr.    Eduard     Langer,      Herausgeber     der 
„Deutschen    Volkskunde    aus    dem   öst- 
lichen Böhmen". 
Braunsberg : 

Historischer  Verein  für  Ermland. 
Bregenz: 

Vorarlberger  Museums- Verein. 
Bremen: 
Gewerbemuseum. 

Historische  Gesellschaft  des  Künstler- 
Vereins. 
Verlag  von  Carl  Schünemann.     („Nieder- 
sachsen".) 
Breslau: 
Schlesische  Gesellschaft  für  vaterländische 

Kultur. 
Universitätsbibliothek. 
Verein  für  Geschichte  und  Altertum  Schle- 
siens. 
Verein  für  das  Museum  schlesischer  Alter- 
tümer. 
Briinn: 
Mährisches  Gewerbe-Museum. 
Verein   für   die    Geschichte   Mährens   und 

Schlesiens. 
Verein  „Deutsches  Haus". 
Brüssel: 
L'academie  Royale  de  Belgique. 
Commissiones    royals    d'art    et    d'archäo- 

logie. 
R.   R.  P.  P.  Bollandistes. 
La   Gazette  numismatique  (Direction). 
Musdes   Royaux  des  arts  d^coratifs  et  in- 

dustriels. 
La  socidtd  d'archdologie. 
La  soci^td  Royale  de  gdographie. 


Budapest: 

Königl.  ungarische  Akademie  der  Wissen- 
schaften. 
Müvdszet,   Redaktion. 
Stadtmagistrat. 
Cassel: 

Prof.  Dr.  Georg  Steinhausen,  Vorstand  der 
Stadtbibliothek.     („Archiv   für    Kultur- 
geschichte".) 
Verein  für  hessische  Geschichte  und  Landes- 
kunde. 
Verein  für  Naturkunde. 
Chemnitz: 

Verein  für  Chemnitzer  Geschichte. 
Chur: 

Historisch-antiquarische     Gesellschaft    des 
Kantons  Graubünden. 
Cincinnati: 

Cincinnati  Museum  Association. 
Coblenz: 
Mitteilungen  des    Rheinischen   Vereins  für 
Denkmalpflege   und    Heimatschutz. 
Danzig: 

Königliche  Technische  Hochschule. 
Naturforschende  Gesellschaft. 
Westpreußischer  Geschichtsverein. 
Westpreußisches  Provinzialmuseum. 
Darmsfadt: 

Gewerbeblatt  für  das  Großherzogtum 

Hessen. 
Historischer    Verein   für   das    Großherzog- 
tum Hessen. 
Verein  für  Erdkunde. 
Verlag  der  ,,Innen-Dekoration". 
Dessau: 
Verein    für    Anhaltische    Geschichte    und 
Altertumskunde. 
Detmold: 
Gesch.   Abt.   des  naturw.   Vereins  für  das 
Fürstentum  Lippe. 
Dillingen: 

Historischer  Verein. 
Donaueschingen: 
Verein  für  Geschichte  und  Naturgeschichte 
d.  Baar  u.  d.  angrenzenden  Landesteile. 
Donauwörth: 

Historischer   Verein   für   Donauwörth  und 
Umgegend. 
Dorpat: 
Gelehrte  Esthnische  Gesellschaft. 
Universität. 
Dresden: 

Kgl.  sächsischer  Altertumsverein. 
„Blätter   für   Münzfreunde"  und    „Numis- 
matischer Verkehr". 


87     — 


Verein  für  die  Gescliichte  Dresdens. 

Gesellscliaft  für  Natur-  und   Heilkunde. 

Kunstwart. 

Kgl.    sächsisches   statistisches    Landesanit. 

Europäische  Modenzeitung:. 

Zeitschrift  für  historische  Waffenkunde. 
Düsseldorf: 

Archiv  für  Buchbinder. 

Düsseldorfer  Geschichtsverein. 
Eger: 

Unser  Egerland. 
Eichstätt: 

Historischer  Verein. 
Eisenberg: 

Geschichts     und    altertumsforsch.    Verein. 
Eisleben: 

Verein  für  Geschichte  und  Altertümer  der 
Grafschaft  Mansfeld. 
Elberfeld: 

Bergischer  Geschichtsverein. 
Emden: 

Gesellschaft  für  bildende  Kunst  und  vater- 
ländische  Altertümer. 

Naturforschende  Gesellschaft. 
Erfurt: 

Akademie  gemeinnütziger   Wissenschaften. 

Verein  für  die  Geschichte  und  Altertums- 
kunde von  Erfurt. 
Erlangen: 

Universitätsbibliothek. 
Essen : 

Historischer   Verein   für    Stadt   und    Stift 
Essen. 
Frankenthal: 

Altertumsverein. 
Fellin: 

Literarische  Gesellschaft. 
Flensburg: 

Kunstgewerbe-.Wuseum. 
Frankfurt  a.  M.: 

Frankfurter  Blätter  für  Familiengeschichte. 

Freies  deutsches   Hochstift. 

Mitteldeutscher  Kunstgewerbe- Verein. 

Stadtbibliothek. 

Verein  für  die  Geschichte  und  Altertums- 
kunde von   Frankfurt  a.  M. 

Verein    für    rheinische    und    westfälische 
Volkskunde. 
Frankfurt  a.  0.: 

Naturwissenschaftlicher   Verein   des    Reg.- 
Bez.   Frankfurt  a.  O. 
Frauenfeld: 

Historischer  Verein  des  Kantons  Thurgau. 
Freiberg  i.  S.: 

Altertumsverein. 


Freiburg  i.  B.: 

Archiv  für  christliche    Kunst. 
Breisgau- Verein  Schau  ins- Land. 
'  Gesellschaft  f.  Beförderung  der  Geschichts-, 
Altertums-   und    Volkskunde   von    Frei- 
burg, dem  Breisgau  und  den  angrenzen- 
den Landschaften. 
Münsterbau- Verein. 
Stimmen  aus  Maria- Laach. 
Universitätsbibliothek. 
Kirchlich  bist.  Verein  der  Erzdiözese  Frei- 
burg i.  B. 
Freiburg  i.  Schw.: 

Deutscher    geschichtsforschender       Verein 
des   Kantons    Freiburg  (Schweiz). 
Freising: 

Historischer  Verein. 
Freiwaldau: 

Mährisch-schlesisch.  Sudeten-  Gebirgsverein. 
Friedberg  (Hessen): 

Geschichts-  und  Altertumsverein. 
Friedrichshafen: 

Verein  für  die   Geschichte  des   Bodensees. 
St.  Gallen: 

Historischer  Verein  des  Kantons  St.  Gallen: 
Genf: 

Institut  national  genevois. 
Soci6t6  d'histoire  et  d'archeologie. 
Gießen: 
Oberhessischer  Geschichtsverein. 
Oberhessische  Gesellschaft  für  Natur-  und 

Heilkunde. 
Universitätsbibliothek. 
Verband  deutscher  Vereine  für  Volkskunde. 
Vereinigung  für  hessische  Volkskunde. 
Glarus: 

Historischer  Verein  des   Kantons  Glarus. 
Görlitz: 
Gesellschaft    für    Anthropologie    und    Ur- 
geschichte der  Oberlausitz. 
Oberlausitzische   Gesellschaft   der   Wissen- 
schaften. 
Gotha: 
Verlag  der  deutschen  Geschichtsblätter. 
Vereinigung  für  Gothaische  Geschichte  und 

Altertumsforschung. 
Kgl.   Gesellschaft  der  Wissenschaften. 
Forscher-  und  Sammlerverein. 
Graubünden: 
Historisch-antiquarische    Gesellschaft    des 
Kantons  Graubünden. 
Graz: 
Steiermärkischer  Gewerbeverein. 
Kunsthistorische   Studien.    (Buchhandlung 
Styria). 


—    88 


Steiermärkisches  Landesmuseum. 

Historischer  Verein  für  Steiermark. 

Naturwissenschaftlicher  Verein    für  Steier- 
mark. 
Greifswald: 

Universitätsbibliothek. 

Rügisch-  Pommerscher    Geschichtsverein. 
Guben: 

Niederlausitzer    Gesellschaft    für    Anthro- 
pologie und  Urgeschichte. 
Haag: 

Genealogisch-heraldiek    Genootschap    ,,De 
Nederlandsche  Leeuw". 
Halberstadt: 

Verein  für   Kircheneeschichte  in  der  Pro- 
vinz Sachsen. 
Hall  (Schwäbisch): 

Historischer    Verein    für   Württembergisch 
Franken. 
Halle  a.  S.: 

Zeitschrift  für  deutsche   Philologie. 

Kaiserl.    Leopoldinisch-CaroHnische    Deut- 
sche Akademie  der  Naturforscher. 

Thüringisch-sächsischer   Verein   für   Erfor- 
schung   des    vaterländischen    Altertums 
und  Erhaltung  seiner  Denkmale. 
Hamburg: 

Öffentliche  Stadtbibliothek. 

Verein   für   hamburgische   Geschichte. 
Hanau: 

Hanauer   Bezirksverein   für   hessische   Ge- 
schichte und  Landeskunde. 

Wetterauische  Gesellschaft  für  die  gesamte 
Naturkunde. 
Hannover: 

Architekten-  und   Ingenieur- Verein. 

Hannoversche   Geschichtsblätter. 

Gesellschaft  für  ältere  deutsche  Geschichts- 
kunde. 

Heraldischer   Verein   zum    Kleeblatt. 

Historischer  Verein  für  Niedersachsen. 
Harlem: 

Socidtd  hollandaise  des  sciences. 
Heidelberg: 

Heidelberger  Schloßverein. 

H istorisch-philosophischer  Verein. 

Universitätsbibliothek. 
Heilbronn: 

Historischer  Verein. 
Heiligenstadt: 

„Unser  Eichsfeld".     (Redaktion.) 
Helsingfors: 

Finnischer  Altertumsverein. 

Finnisch.  Literar.  Gesellschaft. 

Gesellschaft  der  Wissenschaften. 


Hermannstadf: 

Siebenbürgischer   Karpathenverein. 

Verein  für   Siebenbürgische   Landeskunde. 
HJrschberg: 

Riesengebirgs- Verein. 
Hohenleuben: 

Voigtländ.    altertumsforschender  Verein. 
Homburg  v.  d.  H.: 

Verein  für  Geschichte  und  Altertumskunde. 
Husum: 

Mitteilungen    des    Nordfriesischen    Vereins 
für   Heimatkunde  und    Heimatliebe. 
Jena: 

Universitätsbibliothek. 

Verein  für  thüring.   Geschichte  und  Alter- 
tumskunde. 
Igio: 

Ungar.   Karpathenverein. 
Innsbruck: 

K.    K.   Statthalterei-Archiv. 

Ferdinandeum. 
Insterburg: 

Alte  rtu  msgesellschaf  t. 
Kahla: 

Verein  für  Geschichte  und  Altertumskunde. 
Karlsruhe: 

Karlsruher  Altertumsverein. 

Badische  historische  Commission. 
Kaufbeuren: 

Verein   Heimat. 
Kempten: 

Altertums- Verein. 
Kiel: 

Naturwissenschaftl.    Verein  für   Schleswig- 
Holstein. 

Gesellschaft  für  die  Geschichte  der  Herzog- 
tümer Schleswig,  Holstein  u.  Lauenburg. 

Universitätsbibliothek. 

Gesellschaft  für   Kieler  Stadtgeschichte. 
Klagenfurt: 

Geschichtsverein  für  Kärnten. 
Köln: 

Westdeutsche    Zeitschrift    für    Geschichte 
und   Kunst  mit   Korrespondenzblatt. 

Zeitschrift  für  christliche   Kunst. 

Kölner  Kunstgewerbeverein. 

Histor.   Verein  für  den  Niederrhein. 
Königsberg  i.  P.: 

Red.    d.    Altpreußischen   Monatsschrift. 

Physikal.  Ökonom.  Gesellschaft. 

Altertumsgesellschaft  Prussia. 

Universitätsbibliothek. 
Kopenhagen: 

Acaddmie  royale  des  sciences    et   des    let- 
tres  de  Danemark. 


89 


Soci6t6  royale  des  antiqu:iires  du  Nord. 
Industriforeningen  i    Kjöbenhavn. 
K.  Nordiske  Oldskrift-Selskab. 
K.  danske   Videnskabern.     Selskab. 
Krakau: 

Akademie  der  Wissenschaften. 
Kreuznach: 

Antiquarisch- Histor.  Verein. 
Kristiania: 

Foreningen  til    norske   fortidsmindesmaer- 
kers  bevaring  (Aarsberetning). 
Kronstadt: 

Stadtarchiv. 
Laibacli: 
Red.   der   Zeitschr.   f.   krainische   Landes 

künde. 
Krainer  Musealverein. 
Landsberg  a'd.  Warthe: 

Verein  für  Geschichte  der  Neumark. 
Landshut: 

Historischer  Verein  für    Niederbayern. 
Lauingen: 

Altertumsverein. 
Lausanne: 

Society  d'histoire  de  la  Suisse. 
Leeuwarden: 

Friesch    genootschap    ter    beoefening    der 
Friesche  geschied. 
Leiden: 

Maatschapy   de    Nederland.     Letterkunde. 
Leipa: 

Nordböhm.  Excursions-Klub. 
Leipzig: 
Beilage,    wissenschaftliche,    der    Leipziger 

Zeitung. 
Börsenverein  der  deutschen   Buchhändler. 
Centralblatt  für  Bibliothekswesen. 
Centralblatt,  literarisches. 
Centralvecein  für  das  gesamte  Buchgewerbe. 
Daheim. 
Gartenlaube. 

Gesellschaft,     deutsche,     zur    Erforschung 

vaterländischer  Sprache  und  Altertümer. 

Gesellschaft,  k.  sächs.,  der  Wissenschaften, 

phil.-hist.  Gl. 
Grenzboten. 

Kgl.  Sächs.   Institut  für  Kultur  und  Uni- 
versalgeschichte bei  der  Universität 
Leipzig. 
Journal  der   Goldschmiedekunst. 
Literaturblatt   f.  germ.  u.  rom.  Philologie. 
Monatshefte  (Velhagen  &  Klasing). 
Museum  für  Völkerkunde. 
Original  und  Reproduktion. 
Universitätsbibliothek. 


Verein,  deutscher,   zur   Erforschung   Palä 

stinas. 
Verein  für  Geschichte  der  Stadt  L«ipzig. 
,  Vierteljahrs- Katalog  (J.   C.    Hinrichs). 
Zeitschrift  für  bildende   Kunst. 
Zeitschrift,  neue,  für  Musik. 
Zeitung,  illustrierte. 
Zentralstelle   für   deutsche    Personen-  und 

Familiengeschichte  ( Mitteilungen). 
Zur  guten  Stunde. 
Leisnig: 

Geschichts-  und  Altertumsverein. 
Lindau  i.  B.: 
Verein  für  Geschichte  des  Bodensees  und 
seiner  Umgebung. 
Linz: 
Museum   Francisco-Carolinum. 
Linzer   Diözesan- Kunstverein. 
Oberösterreichischer  Gewerbe- Verein. 
Louvain  (Belgien): 
„Analectes  pour  servir  ä  l'histoire  6cclesia- 
stique  de  la  Belgique". 
Lübecl<: 
Verein  für  hansische  Geschichte. 
Verein  für  Lübecker  Geschichte  und  Alter- 
tumskunde. 
Lübeckisches  Museum  für  Kunst-  u.  Kultur- 
geschichte. 
Lüneburg: 

Museumsverein  für  Lüneburg. 
Lüttich: 

Institut  arch^ologique  Lidgeois. 
Luxemburg: 
Verein  für  Luxemburger  Geschichte,  Lite- 
ratur und  Kunst. 
Section  historique  de  l'institut  de  Luxem- 
bourg. 
Luzern: 

Histor.  Verein  der  5  Orte. 
Magdeburg: 

Magdeburgischer  Geschichtsverein. 
Mainz: 

Rom.    Germ.   Central-Museum  (Die   Alter- 
tümer unserer  heidnischen  Vorzeit). 
Verein  zur  Erforschung  rhein.   Geschichte 
und  Altertümer. 
Mannheim: 

Mannheimer  Altertumsverein. 
Marburg: 

Universitätsbibliothek. 
Maredsvus  (Belgien): 

Direction  de  la   Revue  ben^dictine. 
Marienwerder: 

Histor.    Verein    für   den    Regierungsbezirk 
Marienwerder. 


9f)    — 


Meiningen: 

Hennebergischer  altertumsforsch.    Verein. 

Verein   für   Meiningische    Geschiciite    und 
Landeskunde. 
Meißen: 

Verein  für  Geschichte  der  Stadt  Meißen. 
Metz: 

Verein  für  Erdkunde. 

Gesellschaft   für   lothringische    Geschichte 
und  Altertumskunde. 
Mitau: 

Kurländische  Gesellschaft  für  Literatur  und 
Kunst. 

Kurländisches   Provinzialmuseum. 
Montreal: 

Soci^te  numismatique  et  d'archdologie. 
Mühlhausen  i.  Th.: 

Mühlhäuser  Altertumsverein. 
München: 

Akademie  der  Wissenschaften. 

Allgemeine  Zeitung. 

Altertumsverein. 

Archivariat  des  bayer.  Landtages. 

Bauzeitung,  süddeutsche. 

Bayerland. 

Formenschatz. 

Forschungen  zur  Geschichte  Bayerns. 

Gesellschaft,  deutsche,  für  Anthropologie. 

Gesellschaft,  deutsche,  für  christl.    Kunst. 

Gesellschaft,  numismatische. 

Jahrbuch,    histor.,   der    Görresgesellschaft. 

Kunstgewerbeverein,  bayerischer. 

Museum    von    Meisterwerken    der    Natur- 
wissenschaft und  Technik. 

Nationalmuseum,  Bayerisches. 

Statistisches  Bureau. 

Universitätsbibliothek. 

Verein,  historischer,   von  Oberbayern. 

Verein  für  Volkskunst  und  Volkskunde. 

Internationale   Wochenschrift  für   Wissen- 
schaft, Kunst  und  Technik.    Beigabe  zur 
Allgemeinen  Zeitung. 
Münster  1.  W.: 

Zeitschrift    für    vaterländische    Geschichte 
und  Altertumskunde  Westfalens. 

Literarischer  Handweiser. 

Universitätsbibliothek. 

Verein  für  Geschichte  und  Altertumskunde 
Westfalens. 
Neiße: 

Wiss.  Ges.  Philomathie. 
Neuburg  a.  D.: 

Historischer  Filialverein. 
Neumarkt  i.  0.: 

Historischer  Verein. 


St.  Nicolas: 

Cercle  arch^ologique  du  pays  de  Waas. 
Nürnberg: 

K.  bayer.   Landes- Gewerbe- Anstalt. 

Naturhistorische  Gesellschaft. 

Pegnesischer  Blumenorden. 

Verein  für  die  Geschichte  der  Stadt  Nürn- 
berg. 
Osnabrück: 

Verein  für   Geschichte  und   Landeskunde. 
Paderborn: 

Verein  für  Geschichte  und  Altertumskunde 
Westfalens. 
Paris: 

Chronique  des  arts  et  de  la  curiosit^. 

Correspondance  historique  et  arch^ologique. 

Mus6e  Guimet. 
St.  Petersburg: 

Commission  imperiale  archöologique. 
Philadelphia: 

Smithsonian  Institution. 
Plauen  i.  V.: 

Altertumsverein. 
Posen : 

Gesellsch.  der  Freunde  der  Wissenschaften. 

Historische  Gesellschaft. 

Towarzystwa  przyjaciol. 
Prag: 

Verein   für    Geschichte   der    Deutschen   in 
Böhmen. 

Gesellschaft  der    Freunde  der  böhmischen 
Altertümer. 

Gesellschaft  zur  Förderung  deutscher  Wis- 
senschaft, Kunst  u.  Literatur  in  Böhmen. 

Lese-  u.  Redehalle  der  deutschen  Studenten. 

Kunstgewerbliches  Museum. 
Prenzlau: 

Uckermärkischer  Museums-  u.   Geschichts- 
verein. 
Quaracchi  b.  Florenz: 

Archivium   Franciscanum  historium. 
Stift  Raigern  b.  Brunn: 

Studien  und  Mitteilungen  aus  dem  Bene- 
diktiner und  Cistercienser-Orden. 
Ravensburg: 

Schwäbisches  Archiv. 
Regensburg: 

Histor.  Verein  für  Oberpfalz  und  Regens- 
burg. 
Reichenberg: 

Nordböhmisches   Gewerbemuseum. 
Reutlingen: 

Reutlinger  Altertumsverein. 
Reval : 

Estländische  Literarische  Gesellschaft. 


—     91     — 


Reykjavik: 

Islenzka  Fornleifafjelag. 
Riga: 

Gesellschaft  für  Geschichte  und  Altertums- 
kunde der  Ostseeprovinzen   Rußlands. 
Rosenheim: 

Historischer  Verein. 
Rom: 
Römische   Quartalschrift  für  christl.  Alter- 
tumskunde  und   für    Kirchengeschichte. 
Rostock: 
Verein  für  Rostocks  Altertümer. 
Universität. 
Rothenburg  o.  T.: 

Verein  Alt-  Rothenburg. 
Saarbrücken: 

Historisch-antiquarischer     Verein    für    die 
Saargegend. 
Salzburg: 
Museum  Carolino-Augusteum. 
Gesellschaft  für   Salzburger   Landeskunde. 
Salzwedel: 
Altmärkischer    Verein    für    vaterländische 
Geschichte  und  Industrie. 
Schaff  hausen: 

Histor.-antiquarischer  Verein   des  Kantons 
Schaffhausen. 
Schmalkaiden: 
Verein  für  Henebergische   Geschichte   und 
Landeskunde. 
Schwerin: 

Familiengeschichtliche    Blätter,    herausge- 
geben von  C.   Frhr.  von  Rodde. 
Verein    für    Mecklenburgische    Geschichte 
und  Altertumskunde. 
Sigmaringen: 
Verein  für  Geschichte  und  Altertumskunde 
in   Hohenzollern. 
Speyer: 
Pfälzisches  Museum. 
Historischer  Verein  der  Pfalz. 
Stendal: 

Altmärkischer  Museums- Verein. 
Stettin: 
Gesellschaft    für    Pommersche    Geschichte 
und  Altertumskunde. 
Stockholm: 

Kgl.  Akademie  der  Altertumskunde. 
Kgl.  Bibliothek. 
Nordiska  Museet. 
Straßburg: 

Blätter,  elsäßische,  für  deutsche  Literatur. 
Erwinia. 

Gesellschaft  für  Erhaltung  der  geschicht- 
lichen Denkmäler  im  Elsaß. 


Universitätsbibliothek. 

Vogesenklub,  histor.-literar.  Zweigverein. 
Stuttgart: 

Altertumsverein. 

Antiquitäten-Zeitung. 

Anthropol.  Verein,  Württembergischer. 

Anzeiger,  allgem.,  für  Buchbindereien. 

Gentralstelle  für  Gewerbe  und  Handel. 

Commission  für  Landesgeschichte. 

Staatsanzeiger,  Württembergischer. 

Technische  Hochschule. 

Verlagsanstalt,  Deutsche. 
Torgau: 

Altertumsverein. 
Toronto  (Canada): 

Canadian  Institute. 
Trier: 

Gesellschaft  für  nützliche  Forschung. 
Troppau: 

Kaiser  Franz  Joseph-Museum. 

Städtisches  Museum:  Zeitschrift  für  Gesch. 
und  Kulturg.  Ötserreich- Schlesiens. 
Tübingen: 

Schwäbischer  Altertumsverein. 

Universitätsbibliothek. 

Schwäbischer  Altertumsverein. 

Universitätsbibliothek. 
Turin: 

Regia  dputazione  die  storia  patria. 
Upsala: 

Landsmal    svenska.     Schwedische    volks- 
kundliche Zeitschrift. 

Universität. 
Utrecht: 

Historische  Genootschap. 

Genootschap     van     Künsten     en     Weten- 
schappen. 
Vaduz: 

Hist.  Verein  für  das  Fürstentum  Liechten- 
stein. 
Venedig: 

Reale  instituto  Veneto. 
Washington: 

Smithsonian  Institution. 
Wernigerode: 

Harzverein  für  Geschichte  und  Altertums- 
kunde. 
Wetzlar: 

Wetzlarer  Geschichtsverein. 
Wien: 

Adler,  K.  K.  herald.  Gesellschaft. 

Akademie  der  Wissenschaften. 

Altertumsverein. 

Dombauverein  zu  St.  Stephan. 

Gesellschaft,  Anthropologische. 


—    92    — 


Gesellschaft  für  die   Geschichte  des   Pro- 
testantismus in  Österreich. 

Gesellschaft  für  Münz-  u.  Medaillenkunde. 

Gesellschaft,  Numismatische. 

Gewerbe-Museum,  Technolog. 

K.  K.  Heeres-Museum. 

K.   K.   Hofbibliothek. 

Verein  für  Landeskunde  von  Niederöster- 
reich. 

Wissenschaftlicher  Klub. 

Zeitschrift  für  österreichische  Volkskunde. 

K.   K.  Zentralkommission  zur  Erforschung 
und  Erhaltung  der  Baudenkmale. 
Wiesbaden: 

Verein    für    Nassauische    Altertumskunde 
und  Geschichtsforschung. 

Nassauischer  Verein  für  Naturkunde. 
Wolfenbüttel: 

Geschichtsverein  für  das  Herzogtum  Braun- 
schweig. 

Geschichtsverein  für  das   Herzogtum   Ra- 
vensburg. 


Würzburg: 

Historischer  Verein  für  Unterfranken  und 

Aschaffenburg. 
Polytechnischer    Zentralverein   für    Unter- 
franken und  Aschaffenburg. 
Universitätsbibliothek. 
Zwickau: 
Altertumsverein    für    Zwickau    und    Um- 
gegend. 
Verein  für  Naturkunde. 
Zwolle: 
Vereenigung    tot    beoefening    von    Over- 
ijsselsch  regt  en  geschiedenis. 
Zürich: 
Allgemeine  geschichtsforschende  Gesellschaft 

der  Schweiz. 
Antiquarische  Gesellschaft. 
Buchkunst:  Zeitschrift  für  Exlibris- Samm- 
ler und  Bücherfreunde. 
Schweizerisches  Landesmuseum. 
Universitätsbibliothek. 


—    93 


LITERARISCHE  ANZEIGEN  UND  BESPRECHUNGEN. 

Die  Bücher  der  Bibel,  herausgegeben  von  F.  R  a  h  1  w  e  s,  Zeichnungen  von  EM.  Lilien. 
Verlag  von  George  Westermann,  Braunschweig.  Bd.  1.  Überlieferung  und  Gesetz. 
Das  Fünfbuch  Mose  und  das  Buch  Josua  nach  der  Übersetzung  von  Reuß.    (1908).    4".  552  S. 

In  vornehmster  künstlerischer  Ausstattung  erscheint  soeben  eine  auf  fünf  starke  Quart- 
bände berechnete  deutsche  Bibel,  auf  die  mit  einigen  Worten  hingewiesen  werden  soll.  Um 
mit  etwas  Äußerlichem,  aber  nicht  Unwichtigem  zu  beginnen:  der  Text  ist  entgegen  der  bei  Bibel- 
ausgaben traditionell  gewordenen  Kapitel-  und  Verseinteilung,  wobei  der  in  lauter  Partikel  auf- 
gelöste und  darum  völlig  unübersichtliche  Wortlaut  in  zwei  nebeneinanderstehenden  Kolumnen 
vorgeführt  wird,  genau  ebenso  gedruckt  wie  bei  jedem  Buch,  das  fortlaufend  gelesen  werden  soll. 
Die  Übersicht  wird  noch  wesentlich  erleichtert  durch  gute  Überschriften,  die  den  Text  sinn- 
gemäß gliedern.  Die  neueren  Bibelübersetzungen  von  Kautzsch  und  Weizsäcker  haben  es  schon 
ähnlich  gehalten.  Bekanntlich  sind  die  von  Luther  selbst  besorgten  Ausgaben  seiner  Übersetzung 
ebenfalls  fortlaufend  gedruckt  gewesen.  Es  ist  nur  zu  wünschen,  daß  endlich  auch  die  Bibel- 
gesellschaften, die  doch  wünschen,  daß  die  Bibel  gelesen  wird,  lesbare  Ausgaben  auf  den 
Markt  bringen. 

Rahlwes  bietet  eine  Überarbeitung  der  E.  v.  Reuß'schen  Übersetzung  dar,  die  aus  dem 
Nachlasse  des  um  die  Erforschung  des  Alten  Testaments  hochverdienten  Gelehrten  in  einem  sehr 
geschätzten  Bibelwerk  verbreitet  ist.  Die  Wahl  gerade  dieser  Übersetzung  empfahl  sich,  weil 
sich  bei  Reuß  hervorragende  wissenschaftliche  Tüchtigkeit  mit  feinem  künstlerischem  Nach- 
empfinden vereinigten.  Während  die  weit  mehr  verbreitete  von  Kautzsch  und  vielen  anderen 
Gelehrten  bearbeitete  Übertragung  den  Wert  einer  Photographie  besitzt  —  alles  ist  richtig, 
exakt,  wissenschaftlich  begründet  —  hat  Reuß  beabsichtigt,  zugleich  ein  künstlerisches  Abbild 
der  Bibel  zu  geben.  Jedenfalls  entspricht  es  dem  Wunsche  vieler  Leser,  der  Bibel  einmal  ganz 
unbefangen  wie  einem  andren  Buch  der  Weltliteratur  gegenüberzutreten.  Das  gelingt  bei  einer 
neuen  Übersetzung  vielleicht  besser,  als  wenn  die  als  ganzes  immer  noch  unübertroffene  Über- 
tragung Luthers  in  einer  gründlichen  Überarbeitung  geboten  worden  wäre.  Denn  die  Erinnerung 
an  die  Schul-  und  Kirchensprache  kann  manchmal  eher  stören  als  fördern.  Es  wird  wohl  so 
sein,  daß  die  Sprache  Luthers  mit  ihrer  hinreißenden  Gewalt  erst  dann  wieder  recht  auf  unser 
Volk  wirken  wird,  wenn  sie  ihm  als  etwas  Neues,  nicht  von  Jugend  auf  Halbbekanntes  entgegen- 
tritt. Das  Verständnis  der  alten  Texte  wird  erleichtert  durch  verhältnismäßig  knapp  gehaltene, 
dem  Stand  der  gegenwärtigen  Wissenschaft  Rechnung  tragende  Einleitungen.  Dem  gleichen 
Zwecke  dienen  sorgfältig  gearbeitete  Verzeichnisse  am  Schluß  des  Bandes  mit  Angabe  der  durch 
die  alttestamentliche  Kritik  nachgewiesenen  in  den  vorliegenden  Texten  verarbeiteten  Quellen- 
schriften des  sog.  Jahwisten,  Elohisten,  des  Priesterkodex  usw.  Auch  eine  kurze  literarische  Zeit- 
tafel, die  die  ungefähre  Entstehung  der  Quellen  zwischen  900  und  400  v.  Chr.  zeigt,  tut  gute 
Dienste. 

Und  nun  zu  den  Bildern!  Es  ist  der  große  Vorzug  der  Lillenschen  Zeichnungen,  daß  sie 
etwas  ganz  anderes  sind  als  die  verschiedenartigen  Illustrationen  zu  den  biblischen  Büchern,  die 
bei  uns  eingebürgert  sind.  Er  gibt  nicht  Phantasiebilder  zu  den  Ereignissen,  die  dann  immer 
den  Nachteil  haben,  daß  sie  die  in  uns  aufsteigenden  Bilder  verdrängen  und  sich  an  ihre  Stelle 


—    94    -^ 

setzen,  sondern  dahin  geht  seine  Absicht,  uns  durch  Bilder,  Vignetten,  Randleisten  und  Initialen 
in  die  der  Aufnahme  der  israelitischen  Literaturdenkmäler  günstigste  Seelenstimmung  zu  versetzen. 
Der  große  Wert  der  Zeichnungen  Liliens  beruht  darauf,  daß  sie,  aus  dem  Geist  des  Alten  Testa 
ments  geboren,  den  Beschauer  [mit  eben  diesem  Geist  taufen,  und  dies  umsomehr,  als  der  Künstler 
eine  ausgesprochene  Gabe  der  Gefühlsübertragung  besitzt.  Während  sonst  Illustrationen  in  ge- 
wissem Grade  stets  auch  ablenken,  dienen  diese  Entwürfe  durchaus  und  ausnahmslos  der  Samm- 
lung und  Konzentration.  Es  ist  charakteristisch,  daß  der  Künstler  an  den  Geschichten,  die  nicht 
nur  einem  Schnorr  und  Dor6,  sondern  weit  größeren  Meistern  beliebte  Vorwürfe  gaben,  vorüber- 
geht. So  bleibt  beispielsweise  die  ganze  Josephsgeschichte  ohne  Bild.  Dafür  zwingen  uns  die 
verkörperten  Geister  Abrahams,  Moses,  Pharaos  in  den  Bannkreis  der  zu  uns  redenden  Vergangen- 
heit hinein.  Nicht  eine  Konkurrenz  zu  den  Bilderbibeln  liegt  vor  uns,  sondern  ein  völlig  neuer 
Weg  der   Gestaltung  geistiger  Größen,  der  wohl  sicher  eine  Zukunft  haben  wird. 

Der  Druck  in  Woellmer- Antiqua  ist  vorzüglich,  der  Einband  durchaus  mustergültig. 

Dr.  Geyer. 

Die  Kunst  des  19.  Jahrhunderts  von  Dr.  Friedrich  H  a  a  c  k,  ao.  Professor  für  Kunst- 
geschichte an  der  Universität  Erlangen.  Dritte,  stark  vermehrte  und  verbesserte  Auflage.  Mit 
27  Kunstbeilagen  und  394  Abbildungen  im  Text.  Eßlingen  a.  N.  Paul  Neff  Verlag  (Max 
Schreiber).     1909.     Gr.  4^.     539  SS. 

Kaum  etwas  ist  so  verlockend,  als  eine  Geschichte  der  Kunst  des  19.  Jahrhunderts  und 
der  Gegenwart  zu  schreiben,  kaum  etwas  aber  auf  der  anderen  Seite  so  schwierig,  als  sie  in  wahr- 
haft objektiver  Auffassung  darzustellen.  Lassen  sich  die  älteren  Epochen  der  Kunstgeschichte 
infolge  zahlreicher  Einzeldarstellungen  klarer  und  mit  kritisch  prüfendem  Urteil  überschauen, 
so  bietet  dagegen  die  neuere  und  namentlich  die  neueste  Zeit  mit  ihrer  unruhigen  Hast,  ihrer 
Unausgeglichenheit,  ihren  vielen  Gegensätzen  und  der  starken  Betonung  des  Individuellen  ein 
so  verworrenes  Bild,  daß  es  dem  Einzelnen  schwer  wird,  sich  zu  voller  Klarheit  durchzuringen.  , 
Etwas  leichter  schon  ist  es,  sich  in  der  Frühzeit  der  neueren  Kunst,  in  den  Zeiten  des  Klassizis- 
mus, der  Romantik  und  des  Renaissancismus,  zurecht  zu  finden.  Schärfer  umgrenzt  heben  sich 
die  verschiedenen  Linien  gegeneinander  ab  und  markig  geprägt  ragt  eine  bestimmte  Zahl  in  sich 
gefestigter,  einflußreicher  Künstlerpersönlichkeiten  aus  der  Menge  heraus.  Die  neueste  Zeit  aber 
ist  eine  Epoche  steter  Bewegung.  Eine  geradezu  ungeheure  Fülle,  eine  verwirrende  Mannig- 
faltigkeit des  Stoffes  drängt  sich  uns  entgegen  und  hemmt  namentlich  wegen  der  Verschieden- 
artigkeit des  Urteils  den  freien  Blick.  So  ist  es  fast  selbstverständlich,  daß  gerade  die  geschicht- 
Hche  Betrachtung  dieses  Zeitabschnittes  damit  rechnen  muß,  in  Einzelheiten  Widerspruch  zu 
finden,  wie  es  sich  auf  der  anderen  Seite  ebenso  von  selbst  versteht,  daß  nicht  jeder  mit  der 
Wahl  der  behandelten  Künstlerpersönlichkeiten  und  der  Art  ihrer  Darstellung  einverstanden 
sein  wird.  Haack  war  sich  dessen  wohl  bewußt,  und  es  geschah  darum  nicht  ohne  Grund,  wenn 
er  seine  Betrachtung  gerade  dieser  Zeit  als  einen  Versuch  aufgefaßt  sehen  will,  allerdings  als 
einen  solchen,  ,,der  mit  dem  reinsten  Streben  nach  Objektivität  unternommen  wird". 

Das  Buch  ist  mit  Begeisterung  geschrieben.  Man  fühlt  es  aus  jedem  Satz  heraus,  daß 
der  Verfasser  ganz  bei  seiner  Sache  ist,  daß  er  ihr  seine  volle  Kraft  widmet.  Es  drängt  ihn 
förmlich,  sein  bestes  zu  geoen.  Seine  Darstellung  trägt  die  Form  einer  lebendigen  Erzählung, 
sie  ist  zum  Teil  spannend  geschrieben  und  ermüdet  den  aufmerksamen  Leser  nur  selten.  Wieder- 
holt finden  wir  Partien  mit  leicht  pädagogischem  Anstrich,  die  Haack  bemüht  zeigen,  markante 
Unterschiede  in  den  verschiedenen  Strömungen  und  im  Wesen  der  Künstler  besonders  prägnant 
herauszuheben.  Viel  trägt  er  auch  aus  dem  Leben  der  Künstler  in  seine  Darstellung  hinein,  um 
die  Vorstellung  von  ihrem  Schaffen  in  belebender  Weise  zu  verdichten.  Daß  er  dabei  zuweilen 
die  reine  Sachlichkeit  nicht  innehält  und  seinem  persönlichen  Empfinden  zu  nachhaltig  Ausdruck 
gibt,  wollen  wir  ihm  nicht  allzu  streng  anrechnen.  Jedenfalls  besitzt  Haack,  der  auch  durch  eigene 
Arbeiten  auf  dem  Gebiet  der  modernen  Kunst  zur  Bewältigung  einer  zusammenfassenden  Darstel- 
lung genügend  vorgebildet  erscheint,  die  Fähigkeit  eines  gesunden  Urteils.  Er  schreibt  aus  eigenem 
Herzen,  nur  hier  und  da  die  Worte  anderer  wiedergebend.  Das  Wesen  seiner  Aufgabe  erscheint 
klar  erfaßt,  und  darin  beruht  ein  besonderer  Vorzug  des  Werkes.  Ein  weiterer  ist  der,  daß  er 
bedachte,  daß  sein  Buch  für  Deutsche  geschrieben  wurde.     So  widmete  er  der  deutschen  Kunst 


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eine  besondere  Liebe,  ohne  jedoch  darüber  die  Kunst  der  übri.?en  Länder  ganz  zu  vernachlässigen, 
strebte  er  doch  danach,  die  gewonnene  Vorstellung  teilweise  durch  eigene  Reisen  noch  zu  kon- 
zentrieren. Lobenswert  ist  es,  daß  er  es  unternimmt,  auf  besonders  wichtige  Kunstwerke  näher 
einzugehen,  um  dadurch  Verständnis  und  Interesse  zu  erwecken.  Lehrreich  sind  auch  hier  und 
da  die  Gegenüberstellungen  der  Fähigkeiten  bedeutender  Künstler.  So  ist  den  fundamentalen 
Anforderungen,  die  wir  an  ein  populär  gehaltenes  Handbuch  der  Kunstgeschichte  zu  stellen  ge- 
wohnt sind,   Rechnung  getragen,  ja  es  ist  teilweise  darüber  hinausgegangen. 

Die  großen  Zusammenhänge  werden  jeweilig  aus  ihrer  geschichtlichen  Entwicklung  heraus 
und  in  ihrem  inneren  Wesen  geschildert.  Sie  sind  von  dem  Verfasser  mit  klarem  Blick 
erkannt.  Namentlich  ansprechend  finde  ich  die  Darstellung  und  Begründung  der  Reaktion 
gegen  das  Rokoko,  die  sich  vornehmlich  im  Klassizismus  ausspricht.  Überhaupt  ist  die  Be- 
handlung gerade  der  älteren  Zeit  eine  außerordentlich  glückliche.  Man  fühlt  hier  den  Kunst- 
historiker heraus,  der  sich  selbst  intensiv  in  die  Anschauungen  und  die  Kunst  jener  Epoche 
vertieft  hat  und  nunmehr  aus  dem  Vollen  schöpft.  Das  Kunstgewerbe  des  Klassizismus  ist  je- 
doch etwas  mager  weggekommen.  Bei  den  Abschnitten  über  die  Baukunst  vermisse  ich 
die  Beigabe  von  Grundrissen  und  Schnitten,  ohne  welche  die  Erweckung  einer  vollkommen 
greifbaren  Vorstellung  nicht  recht  möglich  ist.  Hier  und  da  geht  der  Verfasser  über  den 
Rahmen  seines  Zieles  hinaus,  indem  er  einzelnen,  besonders  hervorragenden  Künstlern  eine 
ausgedehntere  Charakterisierung  zuteil  werden  läßt.  So  werden  diese  innerhalb  der  verschie- 
denen Entwicklungsperioden  zu  festen  Angelpunkten,  die  den  inneren  Halt  des  Gesamtgefüges 
wesentlich  verstärken.  So  haben  z.  B.  Moritz  von  Schwind,  Ludwig  Richter,  Franz  Defregger, 
Giovanni  Segantini,  Böcklin,  Klinger,  Thoma,  Leibel  eine  Würdigung  gefunden,  die  an  Takt 
und  Empfindung  wenig  zu  wünschen  übrig  läßt.  Wenn  aber  auf  der  Gegenseite  andere  Künstler 
nicht  die  Berücksichtigung  erfahren  haben,  die  wir  vielleicht  wünschen  möchten,  wenn  wieder- 
um weitere  ganz  übergangen  wurden,  so  wollen  wir  nicht  vergessen,  daß  es  sich  um  ein  Hand- 
buch handelt,  bei  dem  eine  lexikographische  Vollständigkeit  ausgeschlossen,  ja  eine  Unmöglich- 
keit ist.  Wichtiger  ist,  daß  wesentliche  Ereignisse  in  der  Entwicklung  der  Kunst  und  ebenso 
Persönlichkeiten  von  maßgebendem  Einfluß  oder  von  eigener  Abgeschlossenheit  nicht  übersehen 
sind,  mit  anderen  Worten,  daß  das  Gesamtbild  ein  in  sich  abgerundetes  ist,  daß  es  sich  in 
seinen  Haupttönen  darbietet.  Und  nach  dieser  Richtung  hin  befriedigt  das  mit  prägnanten  Ab- 
bildungen reich  ausgestattete  Buch  den  Leserkreis,  für  den  es  geschrieben  ist,  mehr  als  zur 
Genüge, 

Es  liegt  in  dritter,  stark  vermehrter  und  verbesserter  Auflage  vor  uns,  ein  Zeichen  für 
den  großen  Anklang,  den  es  gefunden.  In  der  Anordnung  wurden  gegen  früher  einschneidende 
Veränderungen  vorgenommen.  Der  Abschnitt  über  Böcklin  wurde  dem  Kapitel  über  die  Moderne 
eingegliedert.  Der,  wie  der  Verfasser  im  Vorwort  selbst  eingesteht,  in  den  früheren  Auflagen 
ein  wenig  vernachlässigte  Naturalismus  wurde  schärfer  herausgearbeitet  und  auch  durch  eine 
entsprechend  reichere  Zahl  von  Illustrationen  besser  veranschaulicht.  Der  Abschnitt  über  den 
französischen  Impressionismus  ist  so  gut  wie  neu  bearbeitet,  —  eine  Frucht  seiner  Studienreise 
nach  Frankreich.  Der  deutsche  Standpunkt  des  Verfassers  ist  festgehalten,  ja  hier  und  da  noch 
entschiedener  betont.  Schließlich  ist  eine  große  Anzahl  von  Künstlern  neu  aufgenommen  worden. 
Leider  konnte  aus  Mangel  an  Zeit  der  Abschnitt  über  die  moderne  „angewandte"  Kunst  nicht 
so  ausreifen,  wie  es  der  Verfasser  selbst  gewünscht  und  beabsichtigt  hatte. 

Alles  in  allem  ist  die  Haack'sche  Kunst  des  19-  Jahrhunderts  trotz  ihrer  Mängel  ein 
brauchbares,  mit  Fleiß  und  Umsicht  durchgeführtes  Handbuch,  das,  aufgebaut  auf  einem  gesunden 
Urteil  und  eieener  ehrlicher  Überzeugung,  dem  Laien  wie  dem  Kunstfreund  stets]  ein  treuer  Rat- 
geber sein  wird. 

Zum  Schluß  noch  eine  kleine  Anmerkung.  Haack  bildet  auf  S.  298  ein  Relief  vom  Wiener 
Mozartdenkmal  von  Viktor  Tilgner  ab,  das  dieser  in  der  Tracht  des  späten  Rokoko,  also  in  der 
Zeittracht  geschaffen.  Scheinbar  bediente  sich  der  Künstler  —  ich  kenne  das  Denkmal  selbst 
nicht  näher  —  hierbei  zeitgenössischer  Darstellungen.  Jedenfalls  ist  das  bei  diesem  Relief  der 
Fall,  das  eine  nur  wenig  veränderte  Wiederholung  des  von  uns  jüngst  erworbenen  Kupferstiches 
von  Delafosse  (1764)  nach  L.  C  de  Carmontelle  ist  (siehe  Abb.  4). 

Dr.     Fritz    Traugott    Schulz. 


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Johann  iHartin  Niederee.  Ein  rheinisches  Künstlerbild  von  Dr.  Paul  Kaufmann.  Mit 
23  Abbildungen  in  Autotypie.  Straßburg,  J.  H.  Ed.  Heitz  (Heitz  &  Mündel)  1908.  95  S.  8^ 
M  5-50. 

Johann  Martin  Niederee  gehört  zu  denjenigen  Künstlern  aus  der  ersten  Hälfte  des  19. 
Jahrhunderts,  denen  die  Berliner  Jahrhundertausstellung  des  Jahres  1906  aus  langer  Vergessen- 
heit zu  künstlerischer  Auferstehung  verhelfen  hat.  Der  Verfasser  des  vorliegenden  Lebensbüdes, 
das,  wie  er  im  Vorwort  sagt,  damals  in  den  Hauptzügen  bereits  entworfen  war,  hatte  zu  jener 
Ausstellung  drei  Bilder  Niederees  beigebracht,  die  um  so  mehr  als  Proben  eines  überragenden 
Talents  angesehen  werden  mußten,  als  es  dem  Künstler  nicht  beschieden  gewesen  war,  zur  Reife 
zu  gelangen. 

In  dem  Buche,  das  uns  Paul  Kaufmann  nunmehr  dargeboten  hat,  finden  wir  das  schlichte 
und  doch  innerlich  so  reiche  Leben  Niederees  mit  großer  wissenschaftlicher  Sachlichkeit  und 
dabei  doch  mit  einer  Wärme  und  einer  Liebe  geschildert,  die  im  Verein  mit  den  fein  ange- 
deuteten tieferen  Zusammenhängen  und  den  prächtig  gezeichneten  historischen  Hintergründen, 
durch  die  der  treffliche  Kenner  rheinischer  Kulturgeschichte  seine  Darstellung  wesentlich  zu 
heben  und  sinnvoll  zu  beleben  gewußt  hat,  die  Lektüre  des  Buches  von  Anfang  bis  zu  Ende 
zu  einer  überaus  genußreichen  und  bis  zu  einem  gewissen  Grade  sogar  spannenden  machen. 

Wir  erblicken  den  talentvollen  Knaben  in  seinem  Heimatstädtchen,  dem  ehemals  kur- 
kölnischen Linz  am  Rhein,  wo  er  am  22.  November  I83O  geboren  war,  lernen  —  die  genea- 
logischen Neigungen  des  Verfassers  machen  sich  geltend  —  seine  Verwandten,  die  Behüter  seiner 
Kindheit,  und  seine  Jugendfreunde  kennen.  Dann  folgt  (Kapitel  II)  die  Studienzeit  in  Düssel- 
dorf, die  mit  dem  „tollen  Jahr"  1848  beginnt.  Josef  Wintergerst,  Karl  Ferdinand  Sohn, 
Ferdinand  Theodor  Hildebrandt  u.  a.  waren  die  Lehrer  des  jungen  Niederee  an  der  Düsseldorfer 
Akademie,  und  ihre  Art  hat  auch  der  Kunst  des  Schülers  die  „romantisch-poetische"  Richtung 
gegeben.  In  angestrengter  Arbeit,  die  nur  gelegentlich  durch  kurze  Erholungsreisen  in  die  Heimat 
unterbrochen  wird,  vergeht  die  Zeit,  an  deren  Ende  die  Verlobung  Niederees  und  —  seine  Ein- 
berufung zum  Militär  in  das  in  Potsdam  garnisonierende  1.  Garderegiment  steht  (1852).  Dies 
Herausgerissenwerden  aus  seinen  Studien  war  für  den  jungen  Künstler  ein  harter  Schlag,  und 
in  seiner  Not  wandte  sich  daher  unser  Grenadier  am  4.  Dezember  1852  mit  einem  ergreifenden 
Schreiben  an  Peter  von  Cornelius,  dem  er  gleichzeitig  eine  Probe  seines  Könnens  einsandte. 
Cornelius  ist  gefesselt  von  der  hohen  Kunst,  die  hier  gleichsam  noch  in  der  Knospe  schlummert 
aber  doch  bereits  im  Begriff  ist,  sich  zu  entfalten,  er  wendet  sich  unmittelbar  an  König 
Friedrich  Wilhelm  IV.,  weiß  das  Interesse  des  Monareben  für  den  talentvollen  Potsdamer 
Grenadier  rege  zu  machen  und  die  Versetzung  des  Künstlers  nach  Berlin  (Febr.  l853)  zu 
veranlassen.  Die  Aufträge  mehren  sich,  häufen  sich;  der  rasche  Aufstieg  zum  Ruhm  hat 
begonnen.  Da  wirft  eine  Verletzung  durch  eine  Platzpatrone  den  jungen  Meister  auf  das 
Krankenlager,  führt  ein  hinzugetretener  Wundstarrkrampf  in  wenigen  Tagen  seinen  Tod  herbei 
(3.  Sept.  1853)- 

Die  sorgfältige  Beschreibung  der  von  Niederee  erhaltenen  Arbeiten  und  die  dem  Buche 
beigegebenen  trefflichen  Autotypien  lassen  deutlich  erkennen,  ein  wie  bedeutendes  Talent 
namentlich  auf  dem  Gebiete  tiefinnerlicher  religiöser  Malerei  und  auf  dem  Gebiete  des  Bild- 
nisses durch  den  frühen  Tod  Niederees  jählings  ausgelöscht  wurde.  Eine  größere  Anzahl  seiner 
Ölgemälde  und  Zeichnungen  befindet  sich  heute  in  dem  Besitze  des  Verfassers  unseres  Buches, 
dem  die  Kunstwissenschaft  durch  die  aus  den  Quellen  geschöpfte  Darstellung  des  Lebens  und 
Schaffens  Johann  Martin  Niederees  zu  lebhaftem  Danke  verpflichtet  sein  muß,  des  Präsidenten 
des  Reichsversicherungsamtes  Wirkl.  Geh.  Ob.- Reg.- R.  Dr.  Paul  Kaufmann  in  Berlin. 

T  h.    H  a  m.  p  e. 

Ethnographische  Beiträge  zur  Germanisch- Slavischen  Altertumskunde  von   K.   R  h  a  m  m. 

Erste  Abteilung:  Die  Großhufen  der  Nordgermanen.  Braunschweig.  Kommissions- Verlag 
von    Friedrich    Vieweg   und    Sohn.     1905-     853  S.     8°. 

Die  ethnographischen  Untersuchungen  von  K.  Rhamm  in  Braunschweig  sind  aus  sehr  um- 
fänglichen Materialien  erwachsen,  die  der  Verfasser  auf  teilweise  Jahrzehnte  zurückliegenden 
Wanderungen  und  mit  Hilfe  einer  ausgebreiteten  Lektüre  sich  gesammelt  und  nunmehr  ethno- 


—    97    — 

graphisch  zu  gruppieren  begonnen  hat.  Rhamm  ist  überzeugter  Anhänger  der  herrschenden  Theo- 
rie von  der  Möglichkeit,  aus  ermittelten  bezw.  literarisch  überlieferten  Bräuchen  und  aus  Ein- 
richtungen der  Gegenwart,  sowie  aus  den  landes-  und  ortsüblichen  Bezeichnungen  die  ursprüng- 
lichen Beziehungen  solcher  Besonderheiten  zu  dieser  oder  jener  germanischen  Volks-  und 
Stammesgemeinschaft  aufzudecken  und  somit  die  bestimmenden  und  trennenden  Merkmale  für 
jeden  der  alten  Volksstämme  schärfer  herauszuarbeiten  (vgl.  Rhamms  Ausführungen  über 
.,Die   Ethnographie   im  Dienste  der  germanischen    Altertümskunde"   im    Globus,    Bd. 87   (1905), 

S.  131  —  136). 

Diese  neue  umfassende  Arbeit  des  überaus  .ieif3igen  Forschers  gilt  der  ,,  Flurgeschichte", 
der  der  Verfasser  den  Rang  einer  ernsthafter  zu  nehmenden  Hilfswissenschaft  der  germanischen 
und  deutschen  Altertumskunde  (Ethnographie)  behalten  wissen  möchte.  Das  schwierige  Problem 
der  Entwickelung  der  Hufe  (hide,  bol),  insbesondere  ihrer  Maßverhältnisse  und  der  Untersuchung 
der  Gesetze,  die  der  Gewannbildung  der  Grof3hufen  zugrunde  liegen,  werden  unter  Heranziehung 
einer  staunenswerten  Literaturkenntnis  und  eigener  Ermittelungen  auf  skandinavischem,  däni- 
schem, angelsächsischem  und  deutschem  Boden  beleuchtet. 

Dem  Verfasser  sind  namentlich  seine  Kenntnisse  auf  dem  Gebiete  des  nordgermanischen 
Rechts  zustatten  gekdmmen.  Den  Rechtshistorikern  wird  es  vor  anderen  überlassen  bleiben, 
sich  mit  dem  Verfasser  und  den  von  ihm  vorgetragenen  Aufstellungen  und  Folgerungen  auseinander- 
zusetzen. 

An  dieser  Stelle  mag  nur  das  Eine  noch  betont  werden,  daß  der  stattliche  Band  bei  genauerer 
Durchsicht  sich  auch  als  eine  überraschende  Fundquelle  für  alle  möglichen,  z.  T.  schon  mehr  seitab 
liegenden  Einzelheiten  und  Einzelbeobachtungen  auf  dem  Gebiete  der  Altertumskunde  erweist. 
So  sei  aufmerksaim  gemacht  auf  die  Bemerkungen  zum  Pflug,  bezw.  Urpflug  (S.  177  ff-  und  ^48  ff.), 
zum  Kappus- und  Hopfenbau  (S.  139  bezw.  140),  über  die  ..Heiligkeit"  der  Gerste  (S.  798  und  212). 
über  Rundlinge  und  Ringdörfer  (S.  38  ff.  und  45),  zu  den  Ortsnamen  (S.  808  ff.). 

zweite  Abt  eilung:  Urzeitliche  Bauernhöfe  in  germanisch-slavischem  Waldgebiet.  Erster 
Teil:  Altgermanische  Bauernhöfe  im  Übergange  vom  Saal  zu  Fletz  und  Stube.  Mit  152  in  den 
Text  eingedruckten  Abbildungen  und  zwei  Tafeln.  Braunschweig.  Kommissions- Verlag  von 
Friedrich    Vi  e  weg    und    Sohn.     1908.     XXXII  u.   1117  S.  8^.       Mk.  42  — . 

In  einem  Bande  von  ganz  außergewöhnlichem  Umfang  läßt  der  Verfasser  dieses  wirklich 
einzigartige  Werk  auf  dem  Gebiete  der  Bauernhaüsforschung  erscheinen.  Die  Ergebnisse  der 
Jahrzehnte  hindurch  mit  stets  gleicher  Liebe  und  Ausdauer  gepflogenen  Wanderstudien  des  be- 
kannten Ethnographen  erscheinen  hier  mit  dem  Ertra!ge  einer  ungemein  ausgebreiteten  Lektüre 
verknüpft,  die  kaum  etwas  beiseite  gelassen  hat,  was  vor  ihm  die  nur  schwer  mehr  zu  übersehende 
Literatur  in  so  und  so  vielen  Sprachen  zur  Geschichte  von  Haus  und  Hof  und  Geräten 
aufbauend  auf  ethnographischer,  geschichtlicher,  sprachlicher  wie  technischer  Grundlage,  bei- 
gebracht hat. 

Rhämm  hat  seine  Studien  in  vier  großen  Abschnitten  vorgetragen.  Sie  behandeln:  1.  Das 
altsächsische  Haus  und  seine  Fletwohnung,  mit  Unterabteilungen  zum  Haus  in  den  Niederlanden. 
zum  Schleswig- ditHmarsischen  und  zum  friesischen  Haus  und  einem  Anhang  über  das  Fletz  in 
Oberdeutschland  und  das  altbajuvarische  Licht-  und  Rauchloch;  2.  die  urnordische  Wohnung 
und  der  Übergang  von  dem  Saal  zur  Stofa;  3.  die  altnordische  Wohnung  in  der  Stofa-Zeit;  4.  der 
südbajuvarische  Bauernhof  in  seinen  skandinavischen  Beziehungen.  Dieser  letzte  Abschnitt 
bringt  auch  eine  eingehende  Betrachtung  des  südbajüvarischen Hakenpflugs  (Kap.  16)  und  im 
Anhang  ein  Kapitel  (17) ,, Unterschiedliches  aus  der  Wirtschaft"  mit  den  interessanten  Mitteilungen 
und  Ausführungen  über  die  Art  des  Brotbackens  auf  dem  Lande  (das  südtiroler  Hartbrot),  über 
das  Fürfell  (die  Latzschürze),  das  Zaunwesen,  die  Pfostengaden,  die  Formen  der  Rückenkörbe 
und  des  Heubogens,  eine  sehr  beachtenswerte  Übersicht  der  beobachteten  Gegensätze  zwischen 
den  innerbayerischen  Einrichtungen  (im  Süden  der  Donau)  und  denen  der  Außenlande  (Südtirol, 
salzburgische  Gebirgsgaue,  Kärnten  und  Steiermark).  Den  Beschluß  macht  eine  allerdings  mehr 
auf  rein  subjektive  Eindrücke  sich  gründende,  dabei  aber  sehr  anregende  kleine  Ethnographie 
des  bajuvarischen  Sprachgebietes  (S.  1039—1045).  Die  S.  1056—87  bringe  noch  inhaltsreiche 
Nachträge. 


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Daß  Rhamm  dem  Benutzer  seines  Buches  dessen  Lektüre  sonderlich  leicht  und  anpnehm 
gemacht  hat,  kann  man  nicht  eben  sagen.  Größere  Anschaulichkeit  in  Sprache  und  Darstellung, 
kräftigeres  Unterstreichen  der  leitenden  Gedanken  und  ein  schärferes  Herausarbeiten  der  gewonne- 
nen Ergebnisse  sind  Dinge,  die  man  hier  nur  zu  bald  vermißt.  Das  kann  man  bei  einem  Werke, 
das  zweifelsohne  den  Beruf  hat,  die  Fragestellungen  der  Hausforschung  und  verwandte  Probleme 
dem  Interesse  aller  Gebildeten  wieder  näher  zu  rücken,  nicht  genug  bedauern.  Ein  fleißiges  Register 
von  29  Seiten  kann  einigermaßen  entschädigen,  öffnet  aber  lange  nicht  alle  Türen  und  verborgenen 
Schatzkammern  volkskundlichen  Wissens  in  diesem  Riesengebäude.  Die  Beigabe  einiger  Karten- 
skizzen w^äre  von   Forschern  wie  Laien  gleichermaßen  begrüßt  worden. 

Die  Nachprüfung  der  mannigfachen  ethnographischen  Untersuchungen  des  oft  sehr  pole- 
misch werdenden  Gelehrten,  insonderheit  der  zahlreichen  sprachlich-etymologischen  Aufstellungen 
kann  unsere  Sache  nicht  sein:  im  Rahmen  einer  Anzeige  ist  ein  näheres  Eingehen  auf  den  Ideen- 
reichtum des  Buches  von  vornherein  ausgeschlossen. 

Sehr  bemerkenswert  ist  Rhamms  Betonung  der  Notwendigkeit,  vor  allem  auch  den  von 
Moriz  Heyne  und  Stephani  zu  Unrecht  vernachlässigten  Wirtschaftsgebäuden  und  den  ortsüblichen 
Benennungen  der  Einzelheiten  nachzugehen. 

Alles  in  allem:  Rhamm  hat  mit  seinen  „Altgermanischen  Bauernhöfen"  alle  wirklich  erheb- 
lichen Tatsachen  und  Einrichtungen  in  Haus  und  Hof  mit  solcher  Treue  und  Gewissenhaftigkeit, 
selbst  im  Kleinsten,  festgelegt,  daß  es  tatsächlich  —  wie  der  Verfasser  einmal  mit  berechtigter 
Freude  an  seinem  Werke  bemerkt  —  für  jeden,  auch  den  Laien,  der  sich  für  das  Haus  seiner  Väter 
interessiert,  fortan  ein  leichtes  ist,  hier  hilfreiche  Hand  anzulegen. 

Meyers  Großes  Konversationslexikon.  Sechste  Aufl.  XXI.  Bd.:  Ergänzungen  und 
Nachträge.     Leipzig  und  Wien.     Bibliographisches    Institut.     1909.  Lex.   8°. 

Schon  einige  wenige  Stichproben  genügen,  um  erkennen  zu  lassen,  daß  auch  dieser  Er- 
gänzungsband der  letzten  (sechsten)  Auflage  des  großen  Meyer'schen  Konversationslexikons  auf 
der  Höhe  der  vorangegangenen  Bände  steht.  Um  nur  wenigstens  etwas  aus  der  Fülle  des 
darin  Gebotenen  hervorzuheben,  sei  erwähnt,  daß  z.  B.  auch  von  klaren  Abbildungen  begleitete 
Aufsätze  über  die  Fernphotographie  (System  Korn)  und  über  Luftschiffahrt,  also  über  zwei  der 
neuesten  und  bedeutendsten  technischen  Erfindungen,  besten  Aufschluß  geben.  Der  Liebhaber 
der  bildenden  Künste  kommt  ebenfalls  auf  seine  Rechnung,  denn  es  sind  in  dem  vorliegenden 
Band  Brückenbau,  Stadttore  und  Rathäuser,  weiter  Raumkunst  (u.  a.  mit  einer  Abbildung 
eines  gotischen  Zimmers  aus  dem  Germanischen  Nationalmuseum),  Goldschmiedekunst,  Treib- 
arbeit, orientalische  Teppiche,  Flechtbänder  und  Zeugdruck  behandelt.  Über  Volkskunst  und 
Heimatschutzbewegung  finden  sich  wertvolle  Orientierungen.  Ja,  selbst  des  Konrad  Witz  und 
des  Hans  Multscher  wird  gedacht.  Mehrfarbige  Tafeln  wechseln  mit  einfarbigen,  mit  Textab- 
bildungen, Plänen  und  Karten  und  unterstützen  die  betreffenden  Ausführungen.  Auch  sind  die 
wichtigsten  Literaturangaben  nicht  vergessen. 

Den  Beschluß  macht  ein  höchst  übersichtliches,  nach  systematischen  Gesichtspunkten 
angeordnetes,  mit  Angabe  der  Auffindungsstellen  versehenes  Verzeichnis  der  illustrativen  Bei- 
lagen des  ganzen  monumentalen  Unternehmens,  das  auf  Grund  dieses  Ergänzungsbandes  nun 
auch  den  neuesten  Anforderungen  als  Nachschlagewerk  Genüge  tut. 

Die  Ortsnamen  des  Pegnitztales  und  des  Qräfenberg- Erlanger  Landes.  Von  Dr.  Christoph 
Beck.  Mit  1  Karte  aus  dem  Pfinzing- Atlas  vom  Jahre  1594.  Nürnberg  1909.  U.  E.  S  e  b  a  1  d, 
Kgl.  Bayer.   Hofbuchdruckerei.     VIII  und  152  S.     8". 

Der  Verfasser  hat  das  bisher  in  der  Hauptsache  unberührte  Arbeitsgebiet  der  Ortsnamen 
künde  Frankens  sich  zu  eigen  gemacht  und  in  den  letzten  Jahren  mit  Geschick  und  Ausdauer 
erst  die  ,, Ortsnamen  der  Fränkischen  Schweiz"  (Erlangen,  Frdr.  Junge  1907),  dann  die  des  Aisch- 
tales  (Programm  des  Progymnasiums  Neustadt  a.  A.  1908)  verarbeitet.  Diesen  beiden  vielbe- 
achteten Schriften  folgt  nach  kurzer  Pause  eine  ansehnliche  Erweiterung  der  willkommenen 
Sammlung  durch  das  vorliegende  Werk,  das  sich  nun  seinerseits  der  Umgegend  Nürnbergs  im 
Norden  und  Osten  zuwendet,  einem  Bezirk,  der  bis  an  die  Städtchen  Baiersdorf,  Pegnitz,  Auer- 
bach und  Altdorf  heranreicht. 


—    99    — 

Zur  Durchführung  dieser  nicht  geringen  Autgabe,  der  der  Bearbeiter  sich  unterzogen  hat, 
ist  ein  sehr  umfängliches  Material  archivalischer  und  literarischer  Art  zugrunde  gelegt  worden. 
Die  bewährte  Anlage  und  Anordnung  ist  beibehalten,  doch  ist  diesmal  den  einführenden  Kapiteln 
eine  noch  weitergehende  Ausgestaltung  zuteil  geworden.  Genaueste  Rücksicht  erfährt  wiederum 
die  Behandlung  der  siedelungsgeschichtlichen  Probleme,  in  deren  Interesse  nunmehr  auch  die 
Kirchenpatronate  und  die  beliebteren  Tauf-  und  Familiennamen  herangezogen  werden.  Ein  be- 
sonders beachtenswerter  Abschnitt  untersucht  die  Stellung  des  Wendentums  in  der  Frühgeschichte 
Ostfrankens.  Seine  Bedeutung  für  die  Bevolkerungszusammensetzung  weist  Becks  mit  bester 
Begründung  in  engere  Grenzen  zurück,  als  er  selbst  in  seinem  ersten  Werk  zur  ON-kunde  es  noch 
zu  tun  gewagt  hatte.  Heute  müssen  trotz  der  dem  Laien  fremdartig  klingenden  Formen  doch  als 
gut  deutsch  angesprochen  werden  die  zahlreichen  Namen  auf  itz,  als  Adlitz,  Dormitz,  Görwitz, 
Grütz  (Gritz),  Haunritz,  Nasnitz,  Pegnitz,  Rednitz,  Schossaritz  und  Sieglitzhof,  weiter  Namen, 
wie  Graisch,  Hetzles,  Hummelstein,  Hunas,  Lauf,  Mügeldorf,  Pölz,  Welluck(en),  Zips  u.  a.  m. 
Sehr  bemerkenswert  erscheint  dem  Referenten  die  Tatsache,  daß  auch  Becks  namenkundliche 
Untersuchungen  zu  dem  Ergebnis  kommen,  daß  der  Volksstamm,  der  Ober-  und  den  größten  Teil 
von  Mittelfranken  vorwiegend  besiedelte,  der  der  Bayern  gewesen  ist,  —  eine  Aufstellung,  für  deren 
Richtigkeit  noch  sonst  mancherlei  Anzeichen  zu  sprechen  scheinen.  Ein  Abschnitt  wie  der  über 
die  Wüstungen  (S.  37—40)  ist  auch  insofern  zu  begrüßen,  als  das  hier  zusammengetragene  schätzens- 
werte Material  gewiß  Anregung  zur  Arbeit  eines  Historikers  über  dieses  wichtige  Thema  geben 
dürfte.  Das  Verzeichnis  bedarf  allerdings  einiger  Berichtigung  bezw.  Ergänzung.  Hinter  dem 
Afholterbach  auf  S.  40  und  63  verbirgt  sich  natürlich  jener  abgegangene  Weiler  Affalterbach  bei 
Burgthann,  dessen  Namen  sich  erhält,  weil  die  Geschichte  Nürnbergs  ihn  im  Zusammenhang  mit 
der  „Schlacht  im  Nürnberger  Walde"  1502  zu  nennen  hat.  Die  Kapelle  zu  St.  Felix  nächst  Reutles 
bei  Gründlach  (S.  17)  steht  noch  heute,  und  ebenso  Schloß  Morneck  (S.  40),  das  in  Feucht  selbst, 
am  Gauchsbache,  sich  erhebt.  —  Selbständigen  Wert  gewinnt  auch  das  Mancherlei,  das  aus  den 
Namen  für  die  Geschichte  der  Kulturarbeiten,  insbes.  des  alten  Bergbaues  und  der  Hammer- 
werke erschlossen  worden  ist  (S.  48  ff.,  vgl.  152). 

Der  Hauptteil  des  Buches  bringt  auf  etwa  90  Seiten  den  Bestand  an  Ortsnamen  des  Ge- 
biets in  ihrer  urkundlichen  Schreibung  und  Bedeutung  nach  der  Folge  des  Alphabets.  Von  Flur- 
und  Wüstungsnamen  ist  in  diesem  Verzeichnis  eine  nicht  geringe  Zahl  eingestellt,  bei  den  ON. 
die  mundartliche  Aussprache  nach  Möglichkeit  in  []  beigefügt.  Die  sprachlichen  Bemerkungen 
und  Erklärungen  sind  mit  aller  philologischen  Gewissenhaftigkeit  ausgearbeitet  und  lassen  kaum 
je  den  Vorbehalt  vermissen,  den  die  wissenschaftliche  Methode  nicht  selten  dringend  gebietet. 
Wo  ein  abschließendes  Urteil,  das  nun  einmal  den  sicheren  Boden  der  sprachgeschichtlichen  Mög- 
lichkeiten nicht  verlassen  darf,  sich  nicht  einstellen  wollte,  ist  in  referierender  Weise  ein  Lösungs- 
versuch neben  den  anderen  gestellt  und  für  den,  der  der  Sache  einmal  weiter  nachgehen  kann, 
das  bisher  erreichbare  Material  einfach  ausgebreitet.  Einige  Artikel  sind  unter  der  Hand  zu  kleinen 
Abhandlungen  gediehen,  wie  die  etymologischen  Ausführungen  zu  den  Fl.  N.  Egert  (Egerten)  und 
Peunt  und  diejenigen  zu  dem  vielumstrittenen  Namen  Nürnberg  (S.  114— ll8),  bei  dem  der  Verfasser 
wieder  auf  Förstemanns  Erklärung  aus  einem  germ.  PN  Nuro  oder  Noro  zurückgreift.  Chr.  Becks 
Studien  erwecken  den  lebhaften  Wunsch,  es  möge  dem  unermüdlichen  Erforscher  des  heimat- 
lichen Ortsnamenschatzes  in  nicht  zu  ferner  Zeit  gelingen,  ein  weiteres  ansehnhches  Stück  unseres 
Frankenlandes  in  gleich  vorzügliche  Beleuchtung  zu  rücken. 

Die  Egerer  Zunftordnungen.  Ein  Beitrag  zur  Geschichte  des  Zunftwesens.  Von  Dr.  Karl 
S  i  e  g  1.  Herausgegeben  vom  Vereine  für  Geschichte  der  Deutschen  in  Böhmen.  Prag  1909, 
im  Selbstverlage  des  Vereines  für  Geschichte  der  Deutschen  in  Böhmen.  J.  G.  C  a  1  v  e'sche 
K.  und  K.  Hof-  und  Universitäts-Buchhandlung,  Josef  Koch.  Kommissionsverlag.  167  u. 
III  S.     S"^. 

Daß  die  Zunft-  und  Handwerker-Ordnungen  wichtige  Zeugnisse  für  die  Geschichte  des 
rechtlichen,  wirtschaftlichen  und  sozialen  Lebens,  der  Gewerbe  und  des  Handels  in  den  Städten 
und  Marktflecken  darstellen,  zudem  mehr  oder  minder  auch  als  Sprachdenkmäler  ihren  Wert 
behaupten  dürfen,  braucht  nicht  erst  bewiesen  zu  werden.  Um  so  auffallender  ist  die  Tatsache,  daß 
gleichwohl  ein  planmäßiges  und  umfassendes  Sammeln  dieser  Quellen  erst  an  wenigen  Punkten  wirk- 
lich eingesetzt  hat.     Der  Verein  für  Geschichte  der  Deutschen  in  Böhmen  hat  das  Verdienst  die 

7* 


—     100    — 

Teilaufgabe  für  den  Bezirk  der  ehemaligen  Reichsstadt  Eger  durch  Unterstützung  der  einschlägigen 
Studien  und  Arbeiten  des  verdienstvollen  Stadtarchivars,  K.  K.  Regierungsrats  Dr.  Siegl,  ihrer 
Lösung  zugeführt  zu  haben.  Die  Zunftordnungen,  die  das  diesem  Gelehrten  unterstellte  Archiv 
verwahrt,  48  an  der  Zahl,  eine  Sammlung  der  originellsten  Zeugnisse  der  Geschichte  des  handwerk 
Hchen  Bürgertums  einer  durch  und  durch  deutschen  Stadt  im  Osten,  sind  in  einer  sorgsamen  Aus- 
gabe nun  vereinigt.  Dem  Alter  nach  stehen  voran  eine  Ordnung  der  Rotgerber  und  Lederer  ca.  1350 
(Nr.  36)und  einesolchederMulzer  von  ca.  l400(Nr.  32);  die  letzte,  auf  das  Handwerk  der  Maurer 
und  Steinmetzen  (Nr.  25)  sich  beziehend,  gehört  bereits  dem  Jahre  1746  an.  Eingeleitet  ist  die 
Ausgabe  durch  eine  sehr  beachtenswerte,  anschauliche  Geschichte  des  Egerer  Zunftwesens  (S.  1 — 20), 
deren  Darlegungen  die  rechtliche  und  wirtschaftliche  Lage,  insonderheit  die  innere  Organisation 
des  Handwerkertums  der  ehemaligen  Reichsstadt  mit  seinen  mannigfaltig  ausgestalteten  Einrich- 
tungen und  Gebräuchen  klar  vor  Augen  stellen. 


Abb.  6.     Hans  Sebald  Beham:  Vignette  B.  223.    Kupferstich. 


—     101 


NOTIZEN. 

Am  22.  und  23.  Oktober  d.  Js.  f:ind  in  Karlsruhe  die  28.  P  1  e  n  a  r  s  i  t  7.  u  n  g  der  Badischen 
Historischen  Kommission  statt.  Es  wohnten  derselben  15  ordentliche  und  7  außerordentliche 
Mitglieder,  sowie  als  Vertreter  der  Großherzoglichen  Regierung  Seine  Exzellenz  Staatsminister 
Dr.  Freiherr  v.  Dusch,  Geh.  Oberregierungsrat  Dr.  Böhm  und  Ministerialrat  Arnold  an. 
Den  Vorsitz  führte  der  Vorstand,  Geh.   Hofrat  Professor  Dr.   D  o  v  e  aus   Freiburg. 

Nachstehende  Übersicht  zeigt   den  Stand  der  einzelnen  Unternehmungen  der  Kommission. 

Für  die  von  ihm  bearbeiteten  Regesten  der  Bischöfe  von  Konstanz  hat  Dr.  R  i  e  d  e  r  ver- 
schiedene Archivreisen  in  die  Schweiz  und  in  Süddeutschland  gemacht.  Das  .Material  für  den 
dritten  Band  (1383—1436)  ist  nahezu  vollständig  gesammelt  und  verzeichnet,  ferner  ist  bereits 
ein  Teil  des  Materials  für  den  vierten  Band  verzeichnet.  —  Die  Bearbeitung  des  vierten  Bandes 
der  Regesten  der  .Markgrafen  von  Baden  (Regesten  des  Markgrafen  Karl)  hat  Geh.  Archivrat 
Dr.  Krieger  übernommen:  die  Regesten  des  Markgrafen  Christoph  mußten  vorerst  zurück- 
gestellt werden.  —  In  der  Fortführung  der  Regesten  der  Pfalzgrafen  am  Rhein  ist  Dr.  jur.  Graf 
von  O  b  e  r  n  d  o  r  f  f  so  weit  gelangt,  daß  im  nächsten  Jahre  mit  der  Drucklegung  des  zweiten 
Bandes  (Regesten  König  Ruprechts  1400—1410)  begonnen  werden  kann.  —  Für  die  Geschichte 
der  Rheinischen  Pfalz  hat  Geh.  Hofrat  Professor  Dr.  Wille  die  Sammlung  des  Materials  fort- 
gesetzt. —  Die  Bearbeitung  des  Nachtragbandes  zur  Politischen  Korrespondenz  Karl  Friedrichs 
von  Baden  und  des  zweiten  Bandes  der  Denkwürdigkeiten  des  Markgrafen  Wilhelm  von  Baden 
uurde  von  Archivdirektor  Geh.  Archivrat  Dr.  O  b  s  e  r  weiter  gefördert.  —  Für  die  Herausgabe 
der  Korrespondenz  des  Fürstabfs  Martin  Gerbert  von  St.  Blasien  war  Professor  Dr.  Pfeilschifter 
auch  in  diesem  Jahre  tätig.  —  Von  dem  Briefwechsel  der  Brüder  Blaurer  wird  der  zweite  Band 
(1539 — 48),  von  Dr.  Schieß  bearbeitet,  noch  in  diesem  Jahre  erscheinen;  ein  dritter  Band, 
der  die  Korrespondenz  bis  zum  Tode  des  Ambrosius  Blaurer  (1564)  weiterführen  soll,  ist  in  Aus- 
sicht genommen.  —  Von  den  Grundkarten  des  Großherzogtums  Baden  sind  nach  Mitteilung  des 
Oberregierungsrats  Dr.  Lange  die  noch  ausstehenden  Blätter  in  diesem  und  im  nächsten  Jahre 
zu  erwarten.  —  Mit  den  Vorarbeiten  zu  einer  Geschichte  der  badischen  Verwaltungsorganisation 
von  1802—1818  ist  Dr.  A  n  d  r  e  a  s  seit  etwa  Jahresfrist  beschäftigt.  —  Den  Abschluß  des 
Manuskripts  für  den  zweiten  Band  seiner  Wirtschaftsgeschichte  des  Schwarzwalds  stellt  Geh.  Hof- 
rat Professor  Dr.  G  o  t  h  e  i  n  für  Ende  1910  in  .Aussicht.  —  Von  dem  Oberbadischen  Geschlechter- 
buch befindet  sich  die  3.  Lieferung  des  dritten  Bandes  unter  der  Presse;  eine  weitere  Lieferung 
ist  von  dem  neuen  Bearbeiter,   Freiherrn  v  0  n  S  t  o  t  z  i  n  g  e  n.    für  das  nächste  Jahr  zugesagt. 

—  Für  die  Sammlung  der  Siegel  und  Wappen  der  badischen  Gemeinden  war  Zeichner  Held 
tätig.  Es  wurden  im  Berichtsjahr  von  ihm  die  Siegel  für  27  Landgemeinden  und  eine  Stadt- 
gemeinde entworfen.  Das  dritte  Heft  der  Badischen  Städtesiegel  ist  vor  kurzem  ausgegeben 
worden.  —  Von  den  Oberrheinischen  Stadtrechten  ist  erschienen  in  der  fränkischen  Abteilung 
das  8.  Heft  (Grünsfeld.  Neidenau.  Osterburken),  bearbeitet  von  Dr.  K  o  e  h  n  e,  und  in  der 
schwäbischen  Abteilung  ein  Nachtrag  und  das  Register  zum  1.  Heft  (Villingen)  von  Hofrat  Prof. 
Dr.  R  o  d  e  r.  —  Für  das  Konstanzer  Stadtrecht  sammelte  Professor  Dr.  B  e  y  e  r  I  e  weiteres 
Material  in  Karlsruhe  und  Konstanz.  Das  Register  des  von  Dr.  Geier  bearbeiteten  Über- 
linger  Stadtrechts  soll  im  Jahre  1910  erscheinen.  Das  Manuskript  des  ersten  Bandes  des  auf 
zwei  Bände  berechneten  Freiburger  Stadtrechts,  dessen  Bearbeitung  Dr.  L  a  h  u  s  e  n  übernommen 
hat,  wird  voraussichtlich  der  nächsten  Plenarversammlung  druckfertig  vorgelegt  werden  können. 

—  Der  Bearbeiter  der  Münz-  und  Geldgeschichte  der  im  Großherzogtum  Baden  vereinigten  Terri- 
torien, Dr.  Cahn  in  Frankfurt  a.  M.,  hofft,  das  Manuskript  für  das  1.  Heft  im  kommenden 
Jahr  abschließen  zu  können.  —  Mit  den  Vorarbeiten  zu  der  in  der  vorjährigen  Plenarversamm- 
lung in  das  Programm  der  Kommission  aufgenommenen  Bibliographie  der  Badischen  Geschichte 
soll  alsbald  begonnen  werden.  —  Die  Pfleger  der   Kommission  waren  unter  Leitung  der  Ober- 


—     102     — 

pfleRer  Hofrat  Professor  Dr.  R  o  d  e  r.  Stadtarchivrat  Professor  Dr.  Albert,  Universitäts- 
bibliothekar Professor  Dr.  P  f  a  f  f ,  Archivdirektor  Geh.  Archivrat  Dr.  0  b  s  e  r  und  Professor 
Dr.  Walter  für  die  Ordnung  und  Verzeichnung  der  Archivalien  der  Gemeinden,  Pfarreien, 
Grundherrschaften  usw.  tätig.  Die  Gemeinde-  und  Pfarrarchive  des  Landes  sind  sämtlich 
verzeichnet.  Die  Verzeichnung  der  grundherrlichen  Archive  nähert  sich  dem  Abschluß.  Die 
Ordnung  der  Gemeindearchive  wurde  in  sechs  Amtsbezirken  weiter-  bezw.  durchgeführt.  —  Von 
der  Zeitschrift  für  die  Geschichte  des  Oberrheins  ist  der  24.  Band  unter  der  Redaktion  von 
Archivdirektor  Dr.  Obser  und  Professor  Dr.  Wiegand  erschienen.  In  Verbindung  damit 
wurde  Heft  31  der  Mitteilungen  der  Badischen  Historischen  Kommission  herausgegeben.  —  Das 
Neu  Jahrsblatt  für  1909,  „Mittelalterliche  Gesundheitspflege  im  heutigen  Baden",  von  Professor 
Dr.  Baas  gelangte  im  Januar  zur  Ausgabe.  Das  Neujahrsblatt  für  1910,  ,,Die  Markgrafschaft 
Baden  im  XVI.  Jahrhundert",  von  Geh.  Hofrat  Dr.  G  0  t  h  e  i  n  wird  bis  zum  Schluß  des  Jahres 
erscheinen.  —  Die  zur  Erinnerung  an  die  Feier  des  25jährigen  Bestehens  der  Kommission  im 
Jahre  1908  herausgegebene  Festschrift  enthält  außer  dem  Festbericht  das  Statut  und  die  Ge- 
schäftsordnung der  Kommission,  sowie  die  Verzeichnisse  der  Mitglieder  und  der  Veröffentlichungen. 
(,.1883 — 1908.  Fünfundzwanzig  Jahre  der  Badischen  Historischen  Kommission."  Heidelberg. 
Karl   Winters   Universitätsbuchhandlung.     1909.    81    S.   8".) 


c=iQa- 


Herausgegeben  vom  Direktorium  des  Germanischen  Nationalmuseums, 
Für  die  Schriftleitung  verantwortlich:   Dr.  Theodor  Hanipe. 


U.  E.  SEBALD,  Kgl.  Bayer.  Hofbuchdruckerei,  Nürnberg. 


Mitteilungen 


aus  dem 


Germanischen  Nationalmuseum. 


Herausgegeben  vom  Direktorium. 


Jahrgang  1909. 


Mit  32  Tafeln  und  zahlreichen  Abbildungen  im  Text. 


NÜRNBERG. 
Verlagseigentum  des  Germanischen  Museums. 


Dem  unermüdlichen  Förderer 

historischer  Forschung  und  alles  idealen  Strebens, 

dem  treuen  Freunde 

des  Germanischen  Museums 

Herrn  Kgl.  Justizrat 
GEORG  FREI  HERRN  KRESS  VON  KRESSENSTEIN 

zu  seinem  70.  Geburtstage  -  20.  April  1910 

in  Ehrerbietung  und  Dankbarkeit 

dargebracht 

vom  Direktorium 


BEITRÄGE  ZUR  GESCHICHTE  DES  BILDNISSES. 

Von  GUSTAV  VON  BEZOLD. 

(Fortsetzung.) 
(Mit  13  Tafeln.) 

Typik  und   Individualisierung   in  der  Plastik  des   frühen  Mittelalters. 

Ich  habe  die  Kaisersiegel  bis  zur  Höhe  der  mittelalterlichen  Kunst  zusammen- 
hängend betrachtet  ^).  Sie  stellen  bestimmte,  höchststehende  Personen  dar 
und  sind  zu  deren  Lebzeiten  gemacht,  so  daß  im  voraus  anzunehmen  ist,  daß  sie 
^ie  Anforderungen  an  Bildnistreue,  oder  richtiger  das,  was  die  Bildniskunst  an  ob- 
jektiver Darstellung  bestimmter  Personen  erreichen  konnte,  erkennen  lassen.  Sie 
zeigen,  daß  diese  Anforderungen  durch  das  ganze  frühe  Mittelalter  gering  waren. 
Das  künstlerische  Problem  aller  Bildniskunst,  das  wir  hier  untersuchen,  ist  aber 
weniger  das  der  objektiven  Übereinstimmung  der  Darstellung  mit  dem  Urbild  als 
das  Verhältnis  des  Traditionellen  zum  Allgemeinen  in  der  Auffassung  der  mensch- 
lichen Gestalt,  besonders  der  Gesichtszüge.  Innerhalb  dieses  Problems  ist  das  Konter- 
fei, die  Darstellung  nach  dem  Leben,  ein  wichtiger  Zweig,  neben  ihm  aber  besteht 
das  Idealbild,  der  Charakterkopf  als  gleichberechtigt,  ja  zuweilen  als  bevorrechtet. 
Kein  Vernünftiger  kann  wünschen,  daß  der  Typus  Karls  des  Großen,  den  Dü^er 
geschaffen   hat,   durch   den   der   Pariser    Reiterfigur   verdrängt  werde. 

Zur  Beurteilung  des  Problems  kann  die  Kleinkunst  wertvolle  Anhaltspunkte 
geben,  die  entscheidenden  Aufschlüsse  sind  in  der  monumentalen  Kunst  zu  suchen. 
Die  Reihe  der  erhaltenen  Denkmäler  ist  äußerst  lückenhaft.  Von  den  Malereien, 
die  in  unabsehbarer  Fülle  die  Wände  und  Gewölbe  der  Kirchen,  der  Klöster  und 
der  vornehmen  Profanbauten  bedeckten,  sind  nur  wenige  Reste  auf  uns  gekommen. 
Auch  die  erhaltenen  Skulpturen  sind  nur  ein  Bruchteil  dessen,  was  im  Laufe  der 
Jahrhunderte  geschaffen  worden  ist,  und  die  Bildhauerkunst  hat  sich  erst  spät  an 
monumentale  Aufgaben  gewagt.  Immerhin  genügen  die  Denkmäler,  um  die  Ent- 
wicklung der  Plastik,  auch  nach  der  Seite,  welche  uns  hier  beschäftigt,  in  ihren 
Grundzügen  erkennen  zu  lassen. 

Suchen  wir  zu  bestimmen,  was  die  deutsche  Kunst  des  frühen  und  hohen  Mittel- 
alters an  Bildnissen  hervorgebracht  hat,  welches  die  Stellung  des  Bildnisses  inner- 
halb der  Gesamtkunst  und  welches  sein  Verhältnis  zum  Objekt  ist,  so  erheben  sich 
Schwierigkeiten  von  allen  Seiten,  Schwierigkeiten,  deren  Bewältigung  die  ein- 
dringendste  Prüfung  des  gesamten  Denkmälerbestandes  erfordert.  Das  Material, 
das  mir  hier  zur  Verfügung  steht,  gestattet  nur  einzelne  Beobachtungen. 


1)  Vgl.  Mitteilungen,  Jahrgang  1907  S.  31  ff-  und  77  ff- 


BEITRÄGE  ZUR  GESCHICHTE  DES  BILDNISSES. 


Die  Kunst  macht  bei  den  meisten,  wenn  nicht  bei  allen  Völkern  eine  Entwick- 
lungsstufe durch,  in  der  die  menschliche  Gestalt  ins  Ornamentale  umgeformt  wird. 
Das  ist  nicht  reines  Unvermögen,  die  Darstellungen  können  technisch  sehr  vollkommen 
sein,  aber  der  Blick  für  das  Organische  ist  noch  nicht  erwacht.  Die  Ornamentierung 
der  menschlichen  Gestalt  ist  nichts  anderes,  als  eine  weitgehende  Stilisierung.  Ist 
einem  Volke  eine  eigene,  durch  fremde  Einwirkungen  wenig  berührte  Kunstent- 
wicklung vergönnt,  so  vollzieht  sich  der  Übergang  vom  Ornamentalen  zum  Orga- 
nischen allmählich  und  damit  um  so  vollkommener. 

In  voller  Konsequenz  hat  sich  die  griechische  Kunst  von  der  Gebundenheit 
zur  Freiheit  entfaltet.  Ihre  Entwicklung  vollzieht  sich  unter  dem  harmonischen 
Zusammenwirken  zweier  divergierender  Momente,  einer  eindringenden  Naturbeobach- 
tung und  eines  starken  Zuges  nach  festen  Typen.  Die  griechische  Kunst  stellt  alle 
Naturbeobachtung  in  den  Dienst  einer  selbstgesetzten  Norm,  eines  Kanon,  der  wohl 
aus  Beobachtung  an  lebenden  Wesen  abgeleitet,  in  seiner  Idee  aber  vollkommener 
ist  als  diese.  Er  ist  nicht  starr  und  unveränderlich,  es  gehen  neben  ihm  realistische 
Kunstrichtungen  her,  aber  er  ist  zu  allen  Zeiten  vorhanden.  So  schafft  die  grie- 
chische Kunst  auch  einen  idealen  Kopftypus,  der  nach  griechischer  Anschauung 
der  Inbegriff  des  schönen  Antlitzes  ist.  Er  wird  nach  Lebensalter  und  Geschlecht 
verändert  und  gewinnt  in  den  Göttertypen,  die  wir  alle  kennen,  fast  individuelle 
Besonderheit.  Aber  alle  diese  Abwandlungen  sind  nur  die  differenzierten  Formen, 
in  welchen  der  allgemeine  Typus  in  die  Erscheinung  tritt.  Auch  der  Kopftypus 
der  Griechen  ist  auf  scharfe  Naturbeobachtung  gegründet,  aber  die  Beobachtung 
führt  nicht  zu  unmittelbarer  realistischer  Wiedergabe  des  Beobachteten.  Die  Be- 
strebungen sind  auf  Größe  und  Verallgemeinerung  der  Formen,  auf  Tilgung  alles 
Kleinlichen  und  Zufälligen  gerichtet.  Generationen  haben  daran  gearbeitet  und 
ein  gerader  Weg  führt  von  den  eckigen  Köpfen  und  den  leblosen  Gesichtern  der 
Xoana  zu  dem  erhabenen  Haupte  des  olympischen  Zeus.  Was  den  griechischen 
Kopftypus  charakterisiert,  ist  der  feste  organische  Bau  des  Knochengerüstes  und 
der  Muskulatur,  im  einzelnen  das  starke  Vortreten  der  schöngeschwungenen  Augen- 
bögen,  die  geringe  Einsenkung  der  Nasenwurzel,  der  breite  Nasenrücken  und  das 
kräftig  vortretende  Kinn.  Die  geschweifte  Oberlippe  ist  kurz,  die  Unterlippe  voll. 
Die  Augen  werden  durch  den  Vorsprung  der  Stirn  beschattet. 

Der  Typus  lockert  sich  mit  der  Aufnahme  individualisierender  Darstellungen, 
aber  er  besteht  neben  dem  realistischen  Bildnis  fort  und  ist  bis  in  die  letzten  Zeiten 
der  Antike,  in  denen  der  Sinn  für  das  Organische  sehr  geschwunden  war,  nicht  ganz 
erloschen. 

Die  mittelalterliche  Kunst  geht  andere  Wege.  Auch  sie  beharrt  lange  im 
Allgemeinen,  aber  es  gibt  weder  einen  Gesamttypus  der  nordischen  Kunst  noch  ein- 
heitliche Typen  in  den  einzelnen  Ländern,  ja  sie  wechseln  sogar  innerhalb  der  ein- 
zelnen Schulen  sehr  rasch.  In  der  französischen  Plastik  des  frühen  13.  Jahrhunderts 
tritt  ein  starker  Zug  zum  Typischen  zutage,  aber  er  hält  nicht  an.  ^'3 

Über  den  Anfängen  der  Plastik  und  Malerei  bei  den  nordischen  Völkern  hat 
kein  günstiger  Stern  gewaltet.  Diese  Völker  kamen  mit  der  antiken  Kunst  in 
Berührung  zu  einer  Zeit,  da  ihre  Kultur  noch  an  einer  rein  ornamentalen  Kunst 
Genüge  fand.    Die  Antike  aber  hatte  ihre  Laufbahn  vollständig  durchmessen.    Mit 


VON  GUSTAV  VON  BEZOLD. 


der  Aufnahme  dieser  Kunst  überspringen  die  jugendlichen  Völker  eine  Reihe  natür- 
licher Entwicklungsstufen,  statt  sie  in  eigener  Arbeit  zu  erringen  und  sie  bleiben 
dadurch  für  Jahrhunderte  in  Nachahmung  befangeh.  Dazu  kommt,  was  indes 
in  seinen  Wirkungen  weit  überschätzt  wird,  daß  die  Kirche,  unter  deren  Leitung 
die  Kunst  stand,  die  Beobachtung  der  Natur  nicht  begünstigte.  Anderseits  wurde 
der  Gegensatz  der  primitiven  Kunst  der  Kelten  und  Germanen  gegen  die  Antike 
dadurch  gemildert,  daß  diese  selbst  senil  und  formelhaft  geworden  war.  Das  Er- 
gebnis war  eine  Unsicherheit  in  der  Auffassung  des  Organismus,  die  im  Mittelalter 
nie  ganz  überwunden  worden  ist. 

Die  Vorbilder,  an  welchen  sich  die  aufkeimende  Kunst  der  abendländischen 
Völker  bildete,  waren  fast  ausschließlich  der  letzten,  von  orientalischem  Kunstgeist 
durchsetzten  Phase  der  Antike  entnommen,  die  wir  bisher  unter  dem  Gesamtnamen 
der  byzantinischen  Kunst  begriffen  haben.  Es  waren  Werke  der  Kleinkunst,  illu- 
strierte Manuskripte,  Elfenbeinreliefs,  Arbeiten  in  Gold  und  Email.  Sie  dienten 
nicht  nur  den  gleichen  Künsten  im  Abendlande,  sondern  wurden  auch  ins  Große 
übertragen.  Zum  Glück  ließen  sich  die  Übertragungen  noch  nicht  mit  der  Punktier- 
maschine und  dem  Storchschnabel  machen;  eine  freihändige  Übertragung  ins  Große 
verlangte  eine  eigene  gestaltende  Tätigkeit  des  Künstlers.  Unsicher  und  strauchelnd 
werden  die  ersten  Schritte  getan.  Aber  unter  der  unbeholfenen,  ja  rohen  Form 
nehmen  wir  mit  Freude  die  Anfänge  eigener  Beobachtung  der  Formen  und  Be- 
wegungen wahr.  Sie  sind  mit  einem  Element  der  Schwäche  behaftet;  die  junge 
Kunst  strebte  nach  Ausdruck,  ohne  die  Form  zu  beherrschen.  Mit  der  beginnen- 
den Selbständigkeit  tritt  sofort  der  somatische  Volkscharakter  in  die  Erscheinung. 
Die  Naturbeobachtung  wird  unmittelbarer  in  die  Kunst  übertragen  als  bei  den 
Griechen.  Darauf  hat  schon  Viollet-le-Duc  hingewiesen.  Man  braucht  seinen  Aus- 
führungen nicht  in  allen  Stücken  zuzustimmen,  in  der  Hauptsache  sind  sie  richtig. 

Die  Erscheinung  tritt  schon  mit  den  frühesten  selbständigen  Regungen  der 
deutschen  Kunst  zutage,  welche  an  den  Namen  des  Heiligen  Bernward  von  Hildes- 


heim geknüpft  sind.  Das  Hauptwerk  sind  die  ReHefs  der  Domtüren  zu 
Hildes  he  im  vom  Jahre  1015.  Die  Komposition  der  sechzehn  Szenen  aus  der 
Genesis  und  der  Geschichte  Christi  mag  von  Handschriftenillustrationen  abhängig 
sein,  aber  der  Künstler  geht  seinen  eigenen  Weg  und  schaut  offenen  Auges  in  die 


8  BEITRÄGE  ZUR  GESCHICHTE  DES  BILDNISSES. 

Natur.  Er  ist  ein  epischer  Erzähler,  der  anschaulich  schildert.  Ausdrucksmittel 
sind  ihm,  bei  unbeholfener,  doch  nicht  roher  Formgebung,  die  Haltung  und  Be- 
wegung seiner  Figuren.  Seine  Gebärdensprache  ist  sehr  ausdrucksvoll,  ja  er  weiß 
auch  zarte  Gefühle  anmutig  auszusprechen.  Die  Leute,  die  er  uns  vorführt,  sind 
alle   Niedersachsen  mit   langen,   schmalen   Gesichtern. 

Auch  die  Träger  des  Taufbeckens  im  Dom  zu  Bremen, 
kleine  Männer  auf  Löwen  reitend,  zwei  ältere  und  zwei  jüngere,  gehören  dem  11. 
Jahrhundert  an.  Ihr  Stil  ist  befangener  als  der  der  Hildesheimer  Reliefs,  der  Orga- 
nismus ist  nur  mangelhaft  erfaßt,  die  Wiedergabe  der  Einzelheiten  sehr  archaisch. 
Doch    auch  in  ihnen  erkennen  wir   Niedersachsen. 

Niedersächsisches  Volkstum  ist  an  den  Figuren  der  Chorschranken  von  S. 
Michael  in  Hildesheim,  von  Liebfrauen  in  Halberstadt  u.  a.  nicht  zu  verkennen.  Hier 
aber,  auf  höherer  Entwicklungsstufe,  tritt  das  ethnisch  Gemeinsame  schon  zurück 
hinter  dem  Bestreben,  die  einzelnen  Personen  verschieden  zu  gestalten.  Die  Köpfe 
der  Apostel  in  Halberstadt  und  Hildesheim  sind  sehr  mannigfaltig,  aber  bei 
aller  Verschiedenheit  nach  organischem  Bau,  Alter  und  Charakter  bleibt  doch  die 
Tafel  XIV.  gemeinsame  Grundlage  des  niederländischen  Typus.  Der  Kopf  eines  Apostels 
von  den  Chorschranken  von  S.  Michael  in  Hildesheim  mag  das  veranschaulichen. 
Tafel  XV.  Noch  ausgesprochener  als  die  Apostel  ist  die  Maria  von  der  gleichen  Chorwand 
in  dem  länglich  ovalen  Gesicht,  wie  im  Schnitt  des  Mundes  als  niedersächsische  Frau 
charakterisiert.  Eine  nähere  Prüfung  des  Weges,  auf  welchem  die  Differenzierung 
der  Köpfe  zustande  gekommen  ist,  hat  das  auffallende  Ergebnis,  daß  sie  nicht  durch 
eindringende  Naturbeobachtung  gewonnen,  sondern  in  Vorbildern  gegeben  ist,  welche 
den  Gestalten  zugrunde  liegen,  in  Werken  der  byzantinischen  Kleinkunst  der  Elfen- 
beinplastik und  der  Miniaturmalerei.  Wir  haben  also  gar  keine  durch  unmittel- 
bare Beobachtung  gewonnene  Individualisierung  aus  dem  Volkstypus  heraus  vor 
uns,  sondern  der  den  Köpfen  gemeinsame  ethnische  Grundzug  ist  das,  was  der  Bild- 
hauer aus  der  Beobachtung  seiner  Umgebung  gewonnen  und  seinem  Formgedächtnis 
eingeprägt  hat  und  was  er  dem  fremden  Vorbild  an  eigenem  zubringt.  Es  ist  das 
nicht  wenig;  so  mangelhaft  die  Kenntnis  des  Organismus  noch  ist,  die  Köpfe  sind 
deutsch.  Wenn  das  Streben  nach  Individualisierung  der  Anlehnung  an  fremde 
Vorbilder  bedarf,  es  ist  doch  vorhanden.  Die  Erscheinung  ist  die  gleiche,  wie  wenn 
die  Biographen  des  10.  und  11.  Jahrhunderts  ihre  Charakteristik  älteren  Lebens- 
beschreibungen, namentlich  Legenden,  entnehmen  und  doch  einigermaßen  glaub- 
würdige Charakterbilder  zustande  bringen.  Die  Absicht  der  Kunst  ist  weniger 
darauf  gerichtet,  die  Formen  bestimmter  Personen  genau  wiederzugeben,  als  den 
Charakter  als  geschlossenen   Komplex  psychischer    Qualitäten  auszudrücken. 

Die  Plastik  Niedersachsens  hat  vor  der  anderer  deutscher  Landschaften  den 
Vorzug  einer  langen  Schultradition  und  sie  arbeitet  vorwiegend  in  bildsamem  Ma- 
terial, in  Ton  und  Stuck.  Die  Steinskulptur,  die  im  Ornament  eine  wunderbare 
Vollendung  erreicht,  hat  im  Figürlichen  während  des  12.  Jahrhunderts  kaum  einen 
Vorsprung  vor  der  anderer  Gegenden  Deutschlands.  Die  Arbeiten  aus  dieser  Zeit 
sind  hier  wie  da  roh.  So  ist  im  Süden  und  Westen  Deutschlands  wenig,  was  für 
die  Frage  der  Individualisierung  in  Betracht  kommt.     Selbst  ethnische  Typen  lassen 


VON   GUSTAV   VON   BEZOLD. 


sich,  was  ja  bei  der  starken  Mischunti"  der  Bevölkerung  nicht  auffallen  kann,  kaum 
wahrnehmen  und  in  keinem   Fall  mit   voller   Bestimmtheit  nachweisen. 

Der  Kopf  einer  Halbfigur  im  Museum  des  Historischen  Vereins  zu  R  e  - 
g  e  n  s  b  u  r  g  hat  Anklänge  an  einen  Typus,  der  neben  anderen  in  Bayern  vorkommt. 
Roh  und  unbeholfen  in  der  Ausführung  ist  er  in  seiner  Anlage  nicht  ohne  Leben. 
Die  Vergleichung  mit  dem  Denkmal  des  Otto  Semoser  in  Freising  gestattet  kaum, 
die  Figur  über  die  Spätzeit  des  12.   Jahrhunderts  zurückzusetzen. 

Auf  der  Vincentiustafel  im  Münster  zu  Basel  ist  eine  Gestalt,  welche  man  als 
Alemannen  ansprechen  möchte,  aber  es  bleibt  zweifelhaft,  ob  hier  Absicht  oder 
Zufall  waltet. 

Um  das  Jahr  1200  tritt  in  Bamberg  ein  Bildhauer  auf,  der  an  Intensität  geistigen 
Ausdrucks  ein  Höchstes  bietet,  der  Meister  des  Georgenchois.  Die 
Frage  nach  der  Herkunft  und  Schule  dieses  großen  Meisters  ist  noch  nicht  völlig 
geklärt.  Außer  Zweifel  steht,  daß  er  ein  Deutscher  ist.  In  den  Blendarkaden  der 
nördlichen  Schranken  des  Ostchors  im  Bamberger  Dom  stehen  unter  jedem  Bogen 
2  Figuren  in  lebhaftester   Unterredung.     Das  Ausdrucksproblem  ist  bis  auf  Dürer 


und  Grünewald  nicht  wieder  mit  solcher  Kraft  erfaßt  worden.  Die  Figuren  sind  völlig 
beherrscht  von  geistiger  Spannung,  der  alles  folgt,  Haltung  und  Bewegung,  der 
Blick,  ja  man  möchte  glauben  der  Zug  der  Gewänder.  Unmögliche  Drehungen  des 
Körpers  werden  glaublich,  in  den  Köpfen  aber  liegt  unendliche  Kraft  und  Fülle  des 
Ausdrucks.  Solches  hatte  die  nordische  Kunst  bis  dahin  nicht  gekannt.  Die  Wen- 
dungen der  Köpfe  gegen  oder  voneinander  sind  wunderbar  abgestimmt.  Vor  allem 
aber  ist  es  die  Intensität  des  Blicks,  die  ihnen  so  sprechendes  Leben  verleiht.  Hier 
tritt  etwas  ganz  Neues  in  die  Kunst;  zum  ersten  Mal  werden  die  Augen  richtig  gegeben, 
zum  ersten  Mal  wird  die  Gewalt,  die  im  Auge  liegt,  erkannt  und  ausgenützt.  Die 
geistige  Erregung  zittert  im  Mund  und  in  der  Spannung  der  Nasenflügel  nach.  Nur 
der  schärfste  Blick  in  die  Natur  mochte  all'  das  erfassen,  nur  die  sicherste  Hand  konnte 
es  gestalten.  Die  Fülle  des  Lebens  läßt  jeden  dieser  Köpfe  individuell  erscheinen, 
in  der  ganzen  Reihe  erscheinen  sie  als  Abwandlung  eines  Typus,  der  Meister  hat 
anderes  zu  tun,  als  formalen  Unterschieden  nachzugehen,  ja  er  bedarf  nicht  einmal 


10  BEITRÄGE  ZUR  GESCHICHTE  DES  BILDNISSES. 

verschiedener  Charaktere,  auch  geistig  sind  diese  Männer  von  einem  Schlag.  Man 
darf  sie  auch  keinem  Volk  zuzählen;  bei  aller  Schärfe  der  Naturbeobachtung  schaltet 
der  Meister  mit  den  Formen  so,  wie  es  die  Charakteristik  verlangt. 


Bei  den  bisher  betrachteten  Skulpturen  lag  eine  unmittelbare  Wiedergabe 
individueller  Naturformen  nicht  im  Wesen  der  Sache.  Anders  war  die  Aufgabe, 
wenn  es  darauf  ankam,  bestimmte  Personen  darzustellen.  Das  wichtigste,  wenn  auch 
nicht  das  ausschließliche  Gebiet  hierfür  ist  die  Grabplastik.  Ihre  Denkmäler  sind 
zahlreich,  wir  sind  geneigt,  anzunehmen,  daß  wir  hier  eine  Fülle  von  Porträts 
finden  können,  die  über  den  Stand  der  Bildniskunst  näheren  Aufschluß  gewähren 
und  der  große  Maßstab  der  Figuren  läßt  erwarten,  daß  sie  sich  in  ihnen  besonders 
intensiv  betätigt  habe.  Aber  die  Betrachtung  der  Denkmäler  rechtfertigt  diese  An- 
nahme, wenigstens  für  das  frühe  Mittelalter,  nicht.  Exakte  Bildnisse  können  nur 
bei  direkter  Verwertung  der  Naturbeobachtung  entstehen,  sie  erfordern  also,  daß 
die  Grabplatten  entweder  zu  Lebzeiten  der  Dargestellten  gefertigt  werden,  oder 
daß  für  sie  zu  Lebzeiten  oder  unmittelbar  nach  dem  Tode  gefertigte  Vorlagen  ver- 
wendet werden  können.  Tatsächlich  kam  beides  vor.  Wer  den  Wunsch  hatte,  auf 
seinem  Grabmal  ähnlich  dargestellt  zu  werden,  mochte  es  sich  selbst  bestellen,  konnte 
er  doch  nicht  wissen,  ob  ihm  von  den  Hinterbliebenen  überhaupt  eines  gesetzt  werden 
würde.  Auf  dem  Grabmal  eines  spanischen  Prälaten  in  S.  Maria  in  Monserrato  in 
Rom  lesen  wir: 

Certa  dies  nulli  est,  mors  certa,  incerta  sequentum, 
Cura,  locet  tujnuluin,  qui  sapit  ante  sibi. 
Von  Rudolf  von  Habsburg  wissen  wir,  daß  er  sein  Grabmal  schon  vor  seinem 
Tode  machen  ließ.    Ottokar  erzählt  davon  in  seiner  um  1390  verfaßten  Reimchronik 
(M.G.  Deutsche  Chroniken,  V.  1.  508): 

ein  kluoger  steinmetze 

ein  bild  süber  und  rein 

üz  einem  merbelstein 

schone  het  gehouwen. 

wer  daz  wolde  schouwen, 

der  muoste  im  des  jehen, 

daz  er  nie  bild  biet  gesehen 

einem  manne  so  gelich: 

wand  so  der  meister  kunsterich 

dheinen  gebresten  vant, 

s6  liuf  er  zehant, 

da  er  den  kunic  sach, 

unde  nam  darnach 

die  gestalt  hie  ab, 

die  er  dort  dem  bilde  gap. 

under  andern  dingen 

lät  iu  ze  liebte  bringen 

einen  albaeren  sit, 

der  dem  meister  wonte  mit: 


Mitteiluni'en  aus  dem  German.  Nationalmuseum.    1909. 


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VON  GUSTAV  VON  BEZOLD.  11 


er  het  so  gar  gevedemt 

und  in  sin  herz  begedemt 

al  des  kuniges  gestalt, 

daz  er  die  runzen  zalt 

an  dem  antliitze, 

daz  het  der  meister  nutze 

allez  gemarht. 

und  dö  daz  bilde  wart  gewarht, 

als  er  sin  het  gedäht, 

nü  het  den  kunic  bräht 

gebreste  manicvalter 

und  allermeist  daz  alter, 

daz  der  kunic  her 

einer  runzen  mer 

an  dem  antlutze  gewan; 

daz  wart  dem  meister  kunt  getan. 

der  huop  sich  üf  sin  sträzen 

und  Huf  hinz  Elsäzen, 

da  der  kunic  dö  was: 

da  nam  er  üz  und  las 

an  den  sachen  die  wärheit, 

als  man  im  het  geseit. 

und  dö  er  daz  ervant, 

dö  kert  er  zehant 

gegen  Spire  wider 

und  warf  daz  bilde  nider 

unde  macht  ez  aber  gelich 

Ruodolfen  dem  kunic  rieh. 
Der  Bericht  ist  anekdotenhaft,  er  ist  gleichwohl  für  die  Geschichte  des  Bild- 
nisses von  Bedeutung.  Er  beweist  zunächst  die  Ausführung  des  Grabmals  zu  Leb- 
zeiten Rudolfs.  Er  gibt  aber  weiter  Aufschluß  über  die  Anforderungen  an  Ähnlich- 
keit und  über  die  Arbeitsweise  der  Künstler.  Man  legte  Wert  auf  Ähnlichkeit,  ja 
auf  eine  bis  ins  Einzelne  genaue  Darstellung.  Was  dem  Chronisten  als  wesentlich 
erscheint,  sind  freilich  nur  unkünstlerische  Einzelheiten.  Der  Künstler  arbeitete 
nicht  unmittelbar  nach  der  Natur,  sondern  nach  einem  Erinnerungsbild,  das  er, 
wenn  es  verblaßte,  durch  erneute  Anschauung  belebte. 

Daß  man  im  späten  Mittelalter  Grabmäler  zu  Lebzeiten  oder  bei  Eheleuten 
nach  dem  Tode  eines  Gatten  bestellte,  erhellt  auch  daraus,  daß  zuweilen  die  Todes- 
daten nicht  ausgefüllt  sind.  Allgemeine  Sitte  war  dies  jedoch  nicht,  die  meisten 
Grabmäler  sind  erst  nach  dem  Tode  ausgeführt  worden,  gewiß  zumeist  nach  Erinne- 
rungsbildern, oft  ohne  solche. 

Es  gab  noch  ein  Hilfsmittel,  die  Totenmaske.  Totenmasken  wurden  bei  Auf- 
bahrungen vornehmer  Personen  angewandt;  ja  Abformungen  nach  dem  Leben  wurden 
schon  früh  gemacht.  Die  früheste  Nachricht  stammt  aus  dem  14.  Jahrhundert. 
1350  wurden  das  Gesicht  und  die  Hände  Philipps  VI.  von  Valois  abgeformt,  um  den 


12  BEITRÄGE  ZUR  GESCHICHTE  DES  BILDNISSES. 

Künstler,  der  das  Denkmal  des  Köni,e:s  machen  sollte,  in  Stand  zu  setzen,  eine  voll- 
kommene Ähnlichkeit  zu  erreichen.  1422  wurde  die  Abformung  des  Gesichts  Hein- 
richs V.  von  England  in  gekochtem  (und  dadurch  erweichtem)  Leder  ausgeführt 
und  reich  bemalt.  Später  wurde  Wachs  angewandt.  Cennini  gibt  eine  ausführliche 
Anleitung  zu  Gipsabgüssen  nach  dem  Leben.  Das  Verfahren  war  schon  im  Alter- 
tum bekannt,  es  soll  von  Lysistratos,  dem  Bruder  desLysippos,  erfunden  worden  sein. 

Zu  den  Denkmälern  für  Zeitgenossen  kommen  solche  für  längst  Verstorbene, 
über  deren  Gestalt  niemand  Aufschluß  geben  konnte.  Daß  diese  frei  gestaltet  werden 
mußten,  ist  selbstverständlich;  sowie  aber  die  Fähigkeit  der  Individualisierung  ge- 
wonnen war,  lag  es  nahe,  sie  als  bestimmte  Persönlichkeiten  zu  gestalten. 

Was  überliefertes  Wissen  und  naheliegende  Erwägungen  über  die  Forderungen 
der  Individualisierung  und  der  Ähnlichkeit  in  der  Darstellung  bestimmter  Personen 
ergeben,  wird  durch  die  Denkmäler  nälier  bestimmt  und  beschränkt.  Die  Forderungen 
waren  nicht  unbekannt,  aber  sie  wurden  keineswegs  allgemein  gestellt  und  als  Grund- 
lage für  die  künstlerische  Gestaltung  angenommen,  wir  finden  vielmehr  alle  Über- 
gänge von  schematischer  Allgemeinheit  zu  persönlichstem  Leben.  Die  Absicht  ist 
aber  auch  im  Bildnis  nicht  darauf  gerichtet,  die  Ähnlichkeitsmöglichkeiten  zu  er- 
schöpfen —  das  konnte  sie  in  einer  bei  aller  Freiheit  und  Größe  stilstrengen  Kunst 
nicht  sein  — ,  sie  geht  vielmehr  dahin,  auf  Grundlage  der  Naturbeobachtung,  gleich- 
viel wie  dieselbe  gewonnen  und  in  welchem  Stadium  der  geistigen  Aneignung  und 
Verarbeitung  sie  verwertet  ist,  einheitlich  charakterisierte  Individuen  zu  schaffen. 
Die  Fähigkeit  zu  solch  vertiefter  Charakteristik  eignet  nur  einer  hoch  entwickelten, 
und  selbstsicheren  Kunst,  sie  wird  langsam  errungen,  erst  die  Plastik  des  13.  Jahr- 
hunderts erreicht  sie.  Sie  erreicht  sie  in  der  Berührung  mit  der  französischen  Kunst. 
Frankreich  hat  im  hohen  Mittelalter  durchaus  die  künstlerische  Führung;  die  Ein- 
wirkungen der  französischen  Kunst  erstrecken  sich  über  das  ganze  Abendland.  In 
der  deutschen  Plastik  sind  die  Einwirkungen  der  französischen  Schule,  die  hier  nicht 
ganz  zutreffend  als  einheitlich  gelten  mag,  in  verschiedenen  Gegenden  verschieden. 
Unmittelbar  wirkt  sie  auf  die  Straßburger  Hütte,  in  Bamberg  ist  der  französische 
Einfluß  stark,  ebenso  in  Regensburg,  wohin  er  erst  spät  gelangt.  Sachsen  empfängt 
Anregungen,  aber  es  ist  schon  zu  selbständig,  um  von  seiner  Eigenart  abgelenkt  zu 
werden. 


Bei  Betrachtung  der  Denkmäler  müssen  wir  nochmals  in  das  frühe  12.  Jahr- 
hundert zurückgehen. 

I XVII.  Die    Grabplatte  Rudolfs  von  Schwaben   (t   1080)    im   Dom    zu    Merseburg 

ist  unter  den  erhaltenen,  welche  das  Bild  des  Verstorbenen  tragen,  wohl  aie 
älteste.  Eine  genaue  Datierung  ist  bei  der  geringen  Zahl  der  erhaltenen  Denkmäler 
schwierig.      Zur     Vergleichung    können     die     Grabplatten    Wittekinds     in     der 

XVII 1.  Kirche  zu  Enger  bei  Herford  und  die  des  Erzbischofs  Friedrich  von  Magdeburg 
(t  1152)  herangezogen  werden.  Aus  der  nahen  stilistischen  Verwandtschaft 
des  Denkmals  Friedrichs  mit  den  Bischofsfiguren  auf  den  Korssunschen  Türen  in 
Nowgorod,  die  unter  Friedrichs  Nachfolger  Wichmann  gegossen  sind,  ergibt  sich, 
daß  es  bald  nach  dem  Tode  Friedrichs  gefertigt  ist.  Die  Gewandbehandlung  ist 
auf  den  drei  Denkmälern  ähnlich;   die  großen  Falten  sind  in  die  wenig  gegliederten 


Mitteiluiit^en  aus  dem  üerman.  Natlonalmuseum.     190Q. 


Taf.  111. 


Mitteiluneen  aus  dem  German.  Nationalmuscuni.     IQOQ. 


Taf.  IV. 


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VON  GUSTAV  VON  BEZOLD.  13 


Gewandniassen  flach  sägeförmig"  eiii,c:eschnitten,  die  kleinen,  nur  zeichnerisch  mit  ver- 
tieften Linien  angedeutet,  eine  Behandlung,  die  von  byzantinischen  Elfenbeinreliefs 
übernommen  ist.  Dagegen  sind  die  Köpfe  merklich  verschieden,  auch  in  den  Händen 
sind  Verschiedenheiten  wahrzunehmen.  Diese  Körperteile  sind  auf  Friedrichs  Denk- 
mal weit  natürlicher  gebildet  als  auf  den  beiden  anderen.  Der  Kopf  Wittekinds  ist 
fortgeschrittener  als  der  Rudolfs,  reicht  aber  an  den  Friedrichs  lange  nicht  heran. 
Die  Bildung  der  Augen,  bei  welchen  die  Iris  mit  farbigen  Steinen  oder  Glasflüssen 
eingesetzt  war,  ist  bei  beiden  ziemlich  gleich,  auch  die  Hände  mit  ihren  dünnen  langen 
Fingern  sind  ähnlich  gestaltet.  Aus  der  Vergleichung  der  drei  Denkmäler  ersehen 
wir,  daß  sie  zeitlich  nicht  sehr  weit  voneinander  abstehen,  daß  das  Rudolfs  das  früheste, 
das  Friedrichs  das  späteste  ist.  Ist  das  Denkmal  Friedrichs  bald  nach  der  Mitte 
des  12.  Jahrhunderts  ausgeführt,  so  darf  das  Rudolfs  in  dessen  erstes  Viertel  gesetzt 
werden. 

Das  Denkmal  Rudolfs  ist  in  Erz  gegossen.  Die  Kunst  wagt  hier  einen 
ersten  Schritt  ins  Monumentale;  die  Figur  ist  nahezu  lebensgroß.  Rein  technisch 
betrachtet  ist  die  Arbeit  sehr  gut  und  im  Stil  dem  Material  sicher  angepaßt.  Das 
Relief  ist  flach,  nur  der  Kopf  tritt  höher  aus  dem  Grund  hervor.  Das  Gefühl  für  den 
Organismus  ist  schwach,  der  Körper  ist  unter  dem  Gewand  kaum  angedeutet,  das 
Gesicht  ist  völlig  leblos,  schematisch,  fast  ornamental,  der  Bann  der  Stilisierung 
lastet  drückend  auf  ihm.  Die  Linienführung  ist  streng,  die  Modellierung  fest,  der 
Kopf  ist  groß,  ja  monumental  behandelt.  Bildniswert  hat  er  nicht;  der  Künstler 
hat  nicht  die  Fähigkeit,  auch  kaum  die  Absicht  gehabt,  innerhalb  seines  strengen 
Stils  zu  individualisieren. 

Der  Kopf  W  i  1 1  e  k  i  n  d  s,  eine  reine  Phantasieschöpfung;  aber  er  ist  weit 
lebendiger  als  der  Rudolfs.  Dieses  Denkmal  ist  in  Stein  gehauen;  für  die  frühe  Zeit 
ist  es  eine  sehr  achtenswerte  Leistung. 

Das  Denkmal  des  Erzbischofs  Friedrich  von  W  e  1 1  i  n  (j  1 1 52)  im 
Dom  zu  Magdeburg,  ist  in  Erz  gegossen.  Die  Figur  ist  noch  puppenhaft,  mit  Aus- 
nahme der  Arme  verschwinden  die  Körperformen  unter  dem  Gewand.  Der  Kopf 
tritt  fast  frei  aus  dem  Grund  vor.  Die  einzelnen  Formen  zeigen  im  unteren  Teil 
des  Gesichts  eine  eindringendere  Naturbeobachtung  als  bei  den  früheren  Denkmälern; 
Haare  und  Ohren  sind  noch  ganz  ornamental  und  die  Augen  sind  schematisch  und 
leblos.  In  der  Individualisierung  ist  ein  bedeutender  Fortschritt  gemacht,  das  zeigt 
sich  namentlich  im  Profil.  Ob  darin  eine  Ähnlichkeit  mit  dem  Verstorbenen  ange- 
strebt, und  wie  weit  sie  erreicht  ist,  läßt  sich  nicht  entscheiden.  Auf  ein  anderes 
aber  möchte  ich  hinweisen.  Jede  intensive  Berufstätigkeit,  besonders  auf  gc:istigem 
Gebiete,  prägt  dem  Gesicht  ihrer  Träger  ihre  Spuren  auf  und  verleiht  ihnen,  ganz 
unabhängig  von  den  äußeren  Formen,  die  sehr  verschieden  sind,  gemeinsame  Züge. 
Ist  nun  dem  Meister  der  Grabplatte  Friedrichs  eine  persönliche  Charakteristik  noch 
nicht  gelungen,  den  Typus  des  Geistlichen  hat  er  wohl  erfaßt. 

In  Süddeutschland  ist  aus  einer  entsprechenden  Entwicklungsstufe  der  Bildnis- 
kunst der  um  etwa  achtzig  Jahre   spätere  Grabstein  des  Otto  Semoser   im  Dom  Tafei  xvi. 
zu   Freising  zu   nennen.     Semoser  war   Türhüter   des   1231    gestorbenen   Bischofs 
Gerold;  der  Stein  wird  bald  nach  seinem  Tode  gesetzt  sein.    Er  ist  in  flachem  Relief 
gehalten  und  ziemlich  roh  gearbeitet.    Die  Absicht,  ein  ähnliches  Bildnis  zu  geben, 


14  BEITRÄGE  ZUR  GESCHICHTE  DES  BILDNISSES. 

ist  unverkennbar;  als  Hauptmerkmal,  das  leicht  wiederzugeben  war,  ist  der  Bart 
zu  betrachten,  aber  auch  wenn  man  ihn  zudeckt,  behält  der  Kopf  ein  individuelles 
Gepräge,  welches  durch  die  falsch  gestellten,  oberflächlich  behandelten  Augen  beein- 
trächtigt, aber  nicht  aufgehoben  wird. 

Sehen  wir  die  Bildniskunst  hier  auf  einer  unentwickelten  Stufe,  so  finden  wir 
am  Oberrhein  ein  Denkmal  von  höchster  Bedeutung,  die  Baumeistertafel  im  Münster 
zu  Basel.  Unter  einer  Doppelarkade,  deren  Bögen  außen  von  Säulen,  in  der  Mitte 
von  einem  Engelskopf  getragen  werden,  sitzen  zwei  einander  zugewandte  Männer. 
Die  unvollständige  Inschrift 

HI  DVO  TEMPLI.HVIVS.  QVIA 
STRVCTVRE  FAMVLANTUR 
bezeichnet  sie  als  Baumeister,  wobei  unentschieden  bleibt,  ob  ihre  Tätigkeit  eine 
technische  oder  eine  administrative  war.  Daß  sie  an  dem  1185  begonnenen  Neubau 
des  Domes  tätig  waren,  steht  nach  der  stilistischen  Gesamthaltung  außer  Zweifel. 
Die  Proportionen,  die  Haltung,  die  Verkürzungen  und  der  Faltenwurf  sind  ziem- 
lich unbeholfen,  dagegen  sind  die  Köpfe  voll  des  individuellsten  Lebens,  daß  selbst 
die  absichtliche  Verstümmelung  der  Nasen  nur  wenig  Abbruch  tut. 

Der  Grabstein  des  Bischofs  Adelog  (t  1190)  im  Dom  zu  Hildesheim  läßt  ein 
gesteigertes  Streben  nach  Individualisierung  erkennen.  Stilistisch  steht  er  auf  der 
Entwicklungsstufe  der  Chorschranken  von  S.  Michael  und  des  Tympanons  von  S. 
Godehard.  Wenn  aber  ein  hervorragender  Kenner  für  den  Kopf  Adelogs  ein  spät- 
byzantinisches Relief  des  Victoria-  und  Albert-Museums  in  London  (Maskell  215) 
als  Analogon  heranzieht,  so  kann  ich  dem  nur  bedingt  soweit  zustimmen,  als  ich 
anerkenne,  daß  die  Formgebung  des  Meisters  von  byzantinischen  Werken  beeinflußt 
ist.  Allein  das  individuelle  Moment  ist  in  dem  Kopfe  Adelogs  so  stark,  daß  für  mich 
eine  eingehende  selbständige  Naturbeobachtung  außer  Zweifel  steht.  Man  beachte 
die  Bildung  des  Mundes,  die  Muskulatur  um  Wangen  und  Kinn  und  das  Ohr  und 
schließlich  das  Gesicht  im  ganzen.  Zu  vollem  Leben  ist  es  noch  nicht  durchgebildet, 
die  plastische  Darstellung  der  Augen  ist  noch  mangelhaft,  aber  es  unterscheidet 
sich  doch  in  seiner  ganzen  Anlage  von  Bildungen,  wie  den  schönen  Köpfen  im  Tym- 
panon  von  S.  Godehard  in  Hildesheim.  Die  Formbehandlung  ist  kompliziert,  die 
großen  Flächen  sind  in  viele  kleine  zerteilt.  Sind  in  dem  Kopfe  unzweifelhaft  die 
eigentümlichen  Züge  eines  deutschen  Mannes  wiedergegeben,  so  wissen  wir  freilich 
noch  nicht,  ob  es  die  Adelogs  sind.  Wir  werden  geneigt  sein,  das  anzunehmen, 
da  wir  wissen,  daß  die  mittelalterliche  Bildniskunst  mit  Erinnerungsbildern  arbeitet, 
aber  eine  Sicherheit  haben  wir  nicht;  es  ist  auch  möglich,  daß  der  Meister  aus  irgend 
einer  anderen  Erinnerung  als  der  an  Adelog  sein  Bild  geschaffen  hat^). 

* 

Früher  als  die  deutsche  Plastik  hat  die  französische  einen  monumentalen  Stil 
gewonnen;  seine  Entstehung  fällt  mit  dem  Werden  der  gotischen  Baukunst  zu- 
sammen und  nur  in  seiner  Bedingtheit  durch  die  enge  Verbindung  der  Plastik  mit 
der  Architektur  kann  er  voll  gewürdigt  werden.     Nur  der  höchsten  stilbildenden 


2)  Kemmerich,  Porträtplastik,  gibt  auf  S.  162  ein  Siegel  Adelogs,  das  mit  dem  Grab- 
stein nicht  übereinstimmt. 


Mitteilungen  aus  dem  Gernian.  Nationalmuseum.     1Q09. 


Taf.  VI. 


Die  Baumeistertafel  im  Münster  zu  Basel. 


Beiträge  zur  Geschichte  des  Bildnisses.    Tafel  XIX. 


'. 


VON  GUSTAV  VON  BEZOLD.  15 


Kraft  konnte  diese  rücksichtslose  Eingliederung  der  menschlichen  Gestalt  in  die 
architektonische  Komposition  gelingen.  Dabei  geht  es  nicht  ohne  Härte  ab,  sollte 
der  architektonische  Organismus  gewahrt  bleiben,  so  mußte  dem  somatischen  Organis- 
mus der  den  Säulen  vorgestellten  Figuren  Gewalt  angetan  werden,  die  Gestalten 
mußten  selbst  säulenhaft  werden,  nur  sie  erfahren  die  volle  Strenge  der  Stilisierung. 
Daß  dies  in  bewußter  künstlerischer  Absicht  geschehen  ist,  sehen  wir  an  den  kleinen 
Figuren  der  Bogenfelder  und  der  Archivolten,  welche  natürlicher  proportioniert 
und  freier  bewegt  sind.  Das  Wunderbare  an  dieser  Kunst  ist  aber,  daß  sich  zu  der 
strengsten  Stilisierung  der  frischeste  und  sicherste  Blick  in  die  Natur  gesellt.  Das 
kommt  vor  allem  den  Köpfen  zugute,  die  auch  bei  den  großen  Standfiguren  nicht 
von  der  Verschiebung  der  Proportionen  betroffen  werden.  Sie  zeugen  von  einem 
sicheren  Gefühl  für  das  Organische,  wir  nehmen  auch  ein  erstes  Aufleuchten  geistigen 
Lebens  wahr.  Es  ist  nicht  Naturnachahmung,  es  ist  Naturbeobachtung,  welche 
innerlich  verarbeitet  zu  Bildungen  von  stilvoller  Schönheit  führt.  Individuali- 
sierend zu  gestalten,  liegt  dieser  stilstrengen  Kunst  ferne,  sie  muß,  will  sie  nicht 
mit  sich  selbst  uneins  werden,  auf  das  T>T)ische  gehen.  Dieses  Bestreben  führt 
nicht  zu  einem  formal  einheitlichen  Kopftypus,  sondern  zur  Herausarbeitung  der 
Gesetzmäßigkeit  des  organischen  Baues.  Wohl  geht  ein  gemeinsamer  Zug  ethnischer 
Zusammengehörigkeit  durch  diese  Köpfe,  den  Viollet-le-Duc  richtig  als  gallisch  be- 
zeichnet —  noch  heute  begegnen  wir  diesen  schönen,  großflächigen  Gesichtern 
bei  den  Bauern  des  Limousin,  des  Perigord,  der  Bretagne  und  anderer  Landschaften 
Frankreichs  —  aber  die  künstlerische  Arbeit  ist  nicht  auf  Differenzierung  ins  Per- 
sönliche, sondern  auf  Vereinfachung  und  Größe  der  Form  gerichtet.  Fest,  ja  hart 
sind  die  Flächen  gegeneinander  gestellt,  die  Übergänge  sind  sicher  vermittelt  und 
oft  werden  sehr  zarte  Formen  erreicht.  Einfachheit  und  Größe  der  Formen  bleibt 
auch  in  der  Frühzeit  des  13.  Jahrhunderts  das  Ziel,  dem  die  Plastik  zustrebt.  Den 
Höhepunkt  bezeichnet  vielleicht  der  großartige  Kopf  Christi  am  Pfeiler  des  Mittel- 
portals von  Amiens.  Der  Typus  der  Köpfe  ist  nun  einheitlich  geworden,  wir  be- 
gegnen den  gleichen  Kopfformen  in  Paris  und  Chartres,  in  Amiens  und  an  den  älteren 
Figuren  in  Reims.  Milde  Hoheit  spricht  aus  diesen  Köpfen,  aber  die  Intensität 
des  geistigen  Lebens,  die  am  Westportal  von  Chartres  zuerst  aufleuchtet,  hat  ab- 
genommen, ja  einer  oder  der  andere  erscheint  etwas  leer. 

Dann  wird  Reims  der  Mittelpunkt  und  die  Hochschule  der  Bildhauerkunst. 
Hier  arbeiten  Meister  verschiedener  Richtungen  nebeneinander,  ja  es  werden,  wie 
bei  der  Darstellung  im  Tempel  am  Mittelportal,  Werke  verschiedener  Hände,  deren 
Stil  keineswegs  gleichartig  ist,  zu  einer  Gruppe  zusammengestellt.  Die  Überfülle 
plastischen  Schmuckes  an  der  Kathedrale  von  Reims  konnte  nur  in  langer  Arbeit 
ausgeführt  werden,  der  Stil  wird  im  Laufe  der  Zeit  homogen,  in  den  Köpfen  ent- 
wickelt sich  der  feine,  sensitive  Kopftypus,  den  wir  nicht  mehr  gallisch,  sondern 
französisch  nennen  müssen.  Diese  Menschen  sind  die  Träger  einer  hohen,  fast  über- 
reifen Kultur.  Die  Formen  werden  kleiner  und  mehr  im  einzelnen  durchgebildet. 
Der  Typus  ist  anfangs  ein  idealer,  aber  er  wird  bald  in  das  Individuelle  abgewandelt, 
in  das  Individuelle  im  Sinne  geschlossener  Persönlichkeit,  nicht  im  Sinne  des 
realistischen  Porträts. 


16 


BEITRÄGE  ZUR  GESCHICHTE   DES  BILDNISSES. 


Beispiele  sind  der  heilige  Joseph  bei  der  Darstellung  im  Tempel,  die  Königin 
von  Saba  und  der  als  S  a  1  o  m  o  oder  Abiathar  bezeichnete  Mann,  ein  König 
auf  einem  Strebepfeiler  der  Nordseite  u.  a.  Einige  Köpfe  aber,  wie  der  des  älteren 
Jakobus  können  kaum  anders,  als  in  Anlehnung  an  bestimmte  Gestalten  der 
Wirklichkeit  entstanden  sein.    Daneben  tritt  in  den  Köpfen,  welche  die  Archivolten 


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der  Fenster  stützen,  etwas  ganz  Neues  in  die  Erscheinung,  die  sichere  Erfassung 
momentaner  Stimmungen  in  den  flüchtigen  Regungen  des  Mienenspiels.  Diese 
Köpfe  sind  mit  frischem  Humor  gestaltet,  das  Charakteristische  ist  bis  zur  Kari- 
katur zugespitzt,  an  sprühendem  Leben  haben  sie  wenig  ihres  Gleichen.  Hier 
waltet  die  sicherste  Gestaltungskraft  mit  voller  Freiheit. 

Nach  alledem  muß  der  französischen  Plastik  des  13.  Jahrhunderts  die  Fähig- 
keit zum  Bildnis  im  voraus  zugesprochen  werden;  sehen  wir  aber  die  Monumente, 
insbesondere  die  Grabmäler  an,  so  bemerken  wir,  daß  sie  von  dieser  Fähigkeit  erst 
spät  einen  beschränkten  Gebrauch  gemacht  hat.  Die  in  Erz  gegossenen  Denk- 
mäler der  Bischöfe  Evrard  de  Fouilloy  (t  1222)  und  Geoffroy  d'Eu  (f  1237)  in 
der  Kathedrale  zu  Amiens,  streng  und  schön  stilisierte  Arbeiten,  halten  sich  ganz 
im  Typischen.  1203  ließ  Ludwig  der  Heilige  die  Denkmäler  der  französischen  Könige 
in  Saint-Denis  ausführen;  daß  diese  Bilder  nicht  ikonisch  sein  konnten,  ist  selbst- 
verständlich, aber  es  ist  an  ihnen  auch  nicht  der  Versuch  gemacht  worden,  in  dem 
Sinne  zu  individualisieren,  wie  an  manchen  Idealstatuen  der  Zeit,  sie  sind  nicht 
nur  im   Stil,  sondern  auch  in   den   Formen  gleichartig. 

Als  das  erste  authentische  Königsbildnis  gilt  die  Statue  Philipps  des  Kühnen 
(t  1285)  in  Saint  Denis.  Auch  dieses  Denkmal  ist  erst  lange  nach  dem  Tode  des 
Königs,  zwischen  1299  und  1307,  von  Pierre  Chelles  und  Jean  d'Arras  ausgeführt. 
Hier  ist  alles  individuell;  der  ganze  Organismus  wie  die  Einzelheiten,  der  Umriß 
des  Gesichts,  die  breite  Stirne,  die  geschlitzten  Augen,  der  breite  Mund  mit  den 


VON  GUSTAV  VON  BEZOLD.  17 


dünnen  Lippen  sind  sicher  erfaßt  und  sehr  lebendig  dargestellt.  Es  ist  anzunehmen, 
daß  der  Kopf  nach  einer  Totenmaske  gearbeitet  ist,  denn  wenn  fünfzehn 
oder  zwanzig  Jahre  nach  dem  Tode  des  Königs  sein  Bild  nicht  mehr  nach  der  Er- 
innerung geschaffen  werden  konnte,  so  war  doch  der  zeitliche  Abstand  noch  nicht 


so  groß,  daß  man  eine  fremde  Individualität  substituieren  durfte.  Man  hatte  nur  die 
Wahl  zwischen  einem  authentischen  Bildnis  oder  einem  typischen  Idealbilde.  Bei 
allem  Streben  nach  individueller  Charakteristik  bleibt  der  Kopf  ganz  im  großen 
Stil  der  Zeit,  der  völlige  Objektivität  in  der  Wiedergabe  der  Natur  noch  ferne  lag. 


In  und  mit  der  gotischen  Architektur  hat  sich  die  französische  Plastik  zu 
monumentaler  Größe  aufgeschwungen,  mit  ihr  kommt  sie  nach  Deutschland.  Der 
Boden  war  wohl  vorbereitet;  auch  die  deutsche  Kultur  stand  auf  ihrem  Höhepunkt. 
Es  war  die  Zeit  der  großen  Hohenstaufen,  in  der  es  wenigstens  dem  Adel  des  armen 
deutschen  Volkes  einmal  vergönnt  war,  sich  frei  in  vornehmen  Lebensformen  zu 
bewegen;  die  Zeit,  deren  Kinder  wir  aus  einer  lebendig  sprechenden  Geschichte 
wie  der  Ottos  von  Freising  und  mehr  noch  aus  den  großen  Dichtungen  kennen. 
Friedrich  Barbarossa,  Friedrich  IL,  Hagen,  Günther  und  Brunhilde,  Kriemhilde, 
Dietrich  von  Bern,  Parzival,  Tristan  und  Isolde  kennen  wir  alle  als  einheitliche,  große 
Menschen.    Das  Wort  des  Dichters: 

„Es  sind  nicht  Schatten,  die  der  Wahn  erzeugte, 
Ich  weifs  es,  sie  sind  ewig,  denn  sie  sind" 
gilt  auch  von  ihnen.    Die  Zeiten,  da  Lebensbeschreibungen  mühsam  aus  Bruch- 
stücken von  Heiligenlegenden  und  klassischen  Autoren  zusammengestellt  wurden, 
sind  vorüber,  die  Charaktere  werden  mit  voller  Klarheit  geschaut  und  dargestellt 
und  sie  bestimmen  mit  Notwendigkeit  das  Tun  und  Lassen  der  Leute. 

Es  ist  bekannt,  daß  einige  der  höfischen  Epen  von  Frankreich  übernommen 
sind,  ebenso  bekannt  ist,  daß  in  den  deutschen  Bearbeitungen  die  Charakteristik 
vertieft,  die  Individualisierung  verschärft  ist.  Das  gleiche  Verhältnis  gewahren 
wir  in  der  bildenden  Kunst.  Die  formale  Höhe  der  französischen  Plastik  wird  nur 
ganz  selten   erreicht,   die   Individualisierung  ist   tiefer   und  reicher. 

Mitteilungen  aus  dem  German.  Nationalmuseum.     1909.  9 


18  BEITRÄGE  ZUR  GESCHICHTE  DES  BILDNISSES. 

Die  Orte,  in  welchen  die  französische  Architektur  am  frühesten  Eingang  findet, 
sind  auch  die,  an  welchen  zuerst  —  und  leider  fast  allein  —  eine  große,  monumen- 
tale Plastik  ersteht.  Die  Hauptstätten  sind  Straßburg,  Freiburg,  Bamberg  und 
Naumburg.  Aber  die  Ausgangspunkte  sind  für  die  Plastik  andere,  als  für  die 
Architektur.  Für  diese  waren  neben  den  Cisterzienserbauten  einige  Kirchen  des 
Soissonnais  und  vor  allen  die  Kathedrale  von  Laon  bestimmend.  Die  Anregungen 
für  die  Plastik  gehen  erst  von  den  seitlichen  Vorhallen  der  Kathedrale  von  Chartres, 
dann  von  Reims  aus.  Paris  und  Amiens  waren  nicht  in  dem  Maße  vorbildlich,  als 
man  erwarten  möchte.  Auch  das  wenige,  was  von  den  Skulpturen  der  Kathedrale 
in  Laon  erhalten  ist,  läßt  annehmen,  daß  weitreichende  Einwirkungen  von  da  nicht 
ausgegangen  sind. 

Wie  die  Werkstätten  zusammenhängen,  ist  bis  jetzt  nicht  einwandfrei  nach- 
gewiesen und  wird  wohl  nie  vollständig  aufgeklärt  werden  können.  Das  Nächst- 
liegendste und  Wahrscheinlichste  bleibt  immer,  daß  deutsche  Steinmetzen  in  fran- 
zösischen Hütten  gearbeitet  und  ihre  Errungenschaften  in  der  Heimat  verwertet 
haben.  Freilich  ist  es  noch  in  keinem  einzigen  Fall  gelungen,  irgend  ein  Werk  des 
Straßburger,  Bamberger  oder  eines  anderen  deutschen  Meisters  in  Frankreich  nach- 
zuweisen. Allein  damit  ist  nichts  gegen  ihre  Mitarbeit  an  den  großen  Figurenzyklen 
der  französischen  Kathedralen  bewiesen,  denn  eine  leitende  Stellung  nahmen  sie 
nicht  ein,  und  der  Gehilfe  und  Schüler  fügt  sich  der  Art  des  Meisters,  sein  Wesen 
offenbart  sich  erst  im  eigenen  Schaffen.  Es  ist  die  Ansicht  ausgesprochen  worden, 
deutsche  Steinmetzen  hätten  Studienreisen  nach  Frankreich  gemacht  und  in  Skizzen- 
büchern die  Motive  gesammelt.  Das  widerspricht  mittelalterlichem  Brauche.  Ein 
und  der  andere  mag  ja  auf  seiner  Wanderschaft  Zeichnungen  gesammelt  haben;  ein 
solches  Skizzenbuch  aus  dem  13.  Jahrhundert  ist  in  dem  Album  des  Villard  von 
Honnecourt  erhalten.  Aber  die  Wanderschaft  hatte  das  reale  Ziel,  Arbeit  und 
Verdienst  zu  finden.  Und  allein  durch  Zeichnen  nach  architektonischen  oder  plas- 
tischen Werken  eignet  man  sich  deren  Stil  nicht  an.  Ein  anderer  Weg  der  Über- 
tragung ist  denkbar.  Franzosen  können  in  Deutschland  gearbeitet  haben.  Villard 
von  Honnecourt  war  in  Kaschau  tätig,  vielleicht  war  auch  der  erste  Meister  des 
Doms  zu  Köln  ein  Franzose.  Aber  ein  Werk  der  großen  Plastik,  das  ich  einem 
Franzosen  zuschreiben  könnte,  habe  ich  in  Deutschland  noch  nicht  gesehen.  So 
groß  in  einzelnen  Fällen  die  stilistische  Verwandtschaft  der  deutschen  Plastik  des 
13.  Jahrhunderts  mit  der  französischen  ist,  in  ihrem  ethnischen  Wesen  ist  sie  durch- 
aus deutsch.  Deutsch  ist  die  intensive  psychologische  Charakteristik,  deutsch  die 
körperliche  Erscheinung  der  Gestalten.  Ausnahmsweise  sehen  wir  slavische  Typen, 
ab  und  zu  französische.  Ihre  formale  Größe  aber  verdankt  sie  der  Schulung  an 
der  monumentalen  Plastik  Frankreichs. 

Arbeiten  eines  Franzosen  hat  man  in  den  Figuren  der  Ecclesia  und 
Synagoge  am  Südportal  des  Straßburger  Münsters  erkennen  wollen.  Daß 
sie  mit  den  Skulpturen  der  seitUchen  Vorhallen  von  Chartres  zusammenhängen, 
steht  außer  Zweifel.  Kad  Franck  hat  die  Bewegungsmotive  der  beiden  Figuren 
feinsinnig  analysiert  und  psychologisch  gedeutet,  so  daß  darauf  hier  nicht  zurück- 
zukommen ist.  In  den  beiden  Figuren  ist  dem  Organismus  zu  Gunsten  des  Aus- 
drucks mehr  Gewalt  angetan,  als  je  ein  Franzose  über  sich  gebracht  hätte.    Und 


Mitteiluii<j:en  aus  dem  Gennaii.  Nationalniuseuni.     190Q. 


Taf.  VII, 


Mitteilungen  aus  dem  (lerman.  National niuseum,     1909: 


Taf.  VII 


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VON  GUSTAV  VON  BEZOLD.  IQ 


wie  die  .ejanzen  Figuren,  so  sind  auch  die  Köpfe  deutsch.  Auch  sie  sprechen  den 
Grundgedanken  des  Sieges  der  Kirche  über  die  Synagoge,  der  in  den  beiden  Ge- 
stalten verkörpert  ist,  klar  aus.  Stolzes  Siegesbewußtsein  spricht  aus  der  Kopf- 
haltung, der  leichten  Spannung  der  Lippen  und  dem  Blick  der  Ecclesia,  widerstands- 
los, ohne  Hoffnung,  neigt  die  Synagoge  ihr  Haupt.  Aber  die  hocherregten  Empfin- 
dungen finden  ihr  Maß  in  der  vollendeten  Schönheit  dieser  Köpfe.  Es  sind  ideale 
Charakterköpfe,  in  den  Dienst  einer  Idee  gestellt,  die  wohl  die  innere  Einheit  persön- 
lichen Wesens  klar  zur  Schau  tragen,  nicht  aber  individuelle  Besonderheiten  der 
äußeren  Formen.  Das  mag  in  der  Art  des  Meisters,  es  mag  ebensowohl  in  seiner  fran- 
zösischen Schulung  begründet  sein. 

Auch  in  den  Figuren  der  Frei  burger  Vorhalle,  welche  die 
reichste  Abstufung  innerer  Bewegungen  klar  aussprechen,  ist  jeder  Anklang  por- 
trätmäßiger Formgebung  vermieden. 

Um  die  Mitte  des  13.  Jahrhunderts  ist  die  jüngere  Reihe  der  großen  Skulpturen 
im  Dom  zu  Bamberg  entstanden.  Sie  ist  in  den  letzten  Jahren  der  Gegenstand  ein- 
gehender Untersuchungen  gewesen.  Als  Ergebnis  kann  gelten:  Der  Meister  ist  ein 
Deutscher,  der  seine  Lehrzeit  in  Bamberg  durchgemacht  und  dann  in  Reims  gearbeitet 
hat.  Er  hat  sich  die  Technik  und  die  Formbehandlung  des  Meisters  angeeignet, 
der  damals  die  bedeutendsten  Figuren  des  Hauptportals  geschaffen  hat,  und  es  ist 
nicht  schwer,  an  einzelnen  seiner  Figuren  Anklänge  an  Gestalten  der  Kathedrale 
von  Reims  wahrzunehmen.  Aber  man  gehe  darin  nicht  zu  sehr  ins  Einzelne  und 
mache  den  Meister,  der  unter  den  deutschen  Bildhauern  aller  Zeiten  eine  der  ersten. 
Stellen  einnimmt,  nicht  zu  einem  unfreien  Eklektiker;  denn  die  äußerlich  formalen 
Schulgewohnheiten  berühren  kaum  seine  kraftvolle  Eigenart. 

Die  Figur  des  heiligen  Petrus  an  der  Adamspforte  ist  im  Motiv  dem  Salomo 
vom  Hauptportal  von  Reims  verwandt,  aber  aus  dem  begeistert  aufblickenden  Seher 
ist  ein  Charakter  von  schroffer  Energie  geworden.  Der  alte  Bamberger  Geist  des 
Kampfes  und  Widerspruchs,  der  die  Propheten  des  Georgenchors  beseelt,  spricht 
auch  aus  den  zusammengezogenen  Brauen  und  dem  stechenden  Blick  seiner  Augen. 

Abgeklärter  ist  der  Kaiser  Heinrich,  der  ihm  gegenübersteht,  ein  Charakter 
von  kräftigem  Ernst  und  milder  Hoheit,  mit  einem  kleinen  Rest  von  Beschränktheit 
behaftet.  Der  Organismus  des  Kopfes  ist  gut  erfaßt  und  einheitlich  durchgeführt. 
Die  Formen  des  hohen  Stils  sind  durchaus  festgehalten,  doch  maßvoll  ins  Indivi- 
duelle abgewandelt. 

Auch  aus  den  Zügen  der  Kaiserin  Kunigunde  spricht  eine  stille  Hoheit, 
."=1'^  ist  bei  mäßigem  formalen  Reiz  von  innerer  Schönheit  der  Seele  belebt.  Auch 
bei  ihr  liegt  der  Wert  zuerst  in  der  Charakteristik. 

In  der  Gruppe  der  Heimsuchung  ist  der  Kopf  der  M  a  1  i  a  nicht  ein- 
heitlich geraten,  die  Behandlung  der  Augen  ist  schwach  und  entspricht  nicht  der 
tiefen  Formenfülle  der  unteren  Gesichtshälfte.  Dagegen  ist  Elisabeth  eine 
ganz  große  Charakterfigur  voll  leidenschaftlicher  Begeisterung.  In  dem  Kopf  ist 
eine  seltene  Tiefe  seelischen  Ausdrucks,  er  hat  eine  matronenhafte  Schönheit,  einzelne 
naturalistische  Züge  geben  ihm  ein  ganz  individuelles  Gepräge. 

Gleich  bedeutend  ist  der  herrliche  Kopf  des  Reiters.  An  Fülle  des  Lebens 
ist  er  das  Höchste,  was  der  Bamberger  erreicht  hat.    Der  Zusammenhang  mit  dem 


20  BEITRÄGE  ZUR  GESCHICHTE   DES  BILDNISSES. 

Kopfe  eines  Königs  in  Reims  ist  doch  nur  im  Motiv  gelegen.  Der  Reiter  in  Bamberg 
scheint  wieder  die  Anregung  zum  Reiterdenkmal  Ottos  I.  in  Magdeburg  gegeben  zu 
haben. 

Der  Bamberger  Meister  überragt  an  Kraft  der  Charakteristik  alle  deutschen 
Bildhauer  des  13.  Jahrhunderts,  sein  eigenes  Pathos  spricht  aus  seinen  Gestalten. 
In  der  Frühzeit  des  13.  Jahrhunderts  beginnt  die  französische  Kunst  auch  in 
Niedersachsen  einzuwirken.  Aber  wie  die  Architektur  der  französischen  frei 
gegenübersteht,  so  wahrt  auch  die  Plastik  ihre  Selbständigkeit.  Sie  besaß  schon 
eine  feste  alte  Überlieferung,  die  ihr  Recht  behauptete.  Man  ist  den  byzantinischen 
und  französischen  Quellen  dieser  Kunst  bis  ins  Einzelne  nachgegangen.  Das  ist 
gut  und  löblich.  Aber  es  ist  notwendig,  daß  nun  auch  ihr  eigenes  Wesen  gebührend 
beachtet  werde,  denn  in  ihr  hat  die  deutsche  Plastik  ihre  Sonnenhöhe  erreicht. 

Im  dritten  und  vierten  Jahrzehnt  des  13.  Jahrhunderts  besteht  eine  Schule, 
deren  Tätigkeit  sich  vorwiegend  in  Obersachsen  entfaltet.  Die  Skulpturen 
in  Wechselburg  und  die  goldene  Pforte  in  Freiberg  sind  ihre 
Hauptwerke.  Gegenüber  den  Aposteln  in  Hildesheim  und  Halberstadt  ist  die  Auf- 
fassung des  Organismus  in  den  Proportionen,  Bewegungen  und  Formen  freier  und 
sicherer  geworden.  Ein  idealer  Kopftypus  hat  sich  ausgebildet,  die  Gesichter  sind 
breiter  geworden,  ihr  Umriß  ist  ein  kurzes  Oval.  Unverkennbar  ist  das  Streben 
nach  formaler  Schönheit,  Ausdruck  und  Charakteristik  stehen  dagegen  zurück. 
Schmerzliche  Gefühle,  wie  sie  in  den  Köpfen  von  Maria  und  Johannes  in  der  Kreuzi- 
gungsgruppe von  Wechselburg  ausgesprochen  werden,  gehen  nicht  tief.  Auch  die 
Individualisierung  der  Formen,  wozu  eine  Reihe  von  Grabmälern  Anlaß  geboten 
hätte,  liegt  nicht  in  den  Absichten  der  Schule.  Freilich  sind  es  mit  einer  Ausnahme 
Denkmäler  für  längst  Verstorbene,  Markgraf  Dedo  und  seine  Gemahlin 
(t  1190),  Heinrich  der  Löwe  und  seine  Gemahlin  (t  1195)  und 
eine  Äbtissin  von  Quedlinburg  (f  zwischen  1227  und  1232).  Das 
Gesicht  der  letzten,  bei  der  objektive  Ähnlichkeit  am  ehesten  vermutet  werden 
könnte,  ist  so  beschädigt,  daß  es  keinen  Aufschluß  mehr  ^eben  kann,  die  anderen 
halten  sich  im  Typus  der  Schule.    Es  sind  schöne,  vornehme  Personen  ohne  ausge- 

afei  XXII.  sprochene  Individualität.  Bei  Heinrich  dem  Löwen  im  Dom  zu  Braunschweig 
möchte  man  den  energischen  Willen  im  Schnitt  des  Mundes  erkennen,  aber 
es  ist  doch  kaum  mehr  als  eine  leise  Andeutung.    Diese  Denkmäler  dürften  um  1230 

Fafei  XXII.  ausgeführt  sein.  Etwas  jünger  ist  das  Denkmal  des  Grafen  Wipert  von  Groitzscii 
(t  1124)  in  der  Kirche  zu  Pegau,  vielleicht  ein  Jugendwerk  des  Meisters 
der  Stifter  im  Dom  zu  Naumburg.  Die  Gewandung  folgt  dem  Stil  der  anderen  Denk- 
mäler, im  Kopf  befreit  sich  der  Meister  vom  Typus,  der  noch  nachklingt,  aber  ins 
Individuelle  abgewandelt  ist.  Die  volle  Unterlippe,  der  Bogen  der  Augenbrauen, 
der  suchende  BHck  der  tiefliegenden  Augen  sind  der  Natur  abgelauschte  Züge.  Wir 
fühlen  uns  an  rothaarige  Leute  erinnert,  denen  wir  schon  begegnet  sind. 

Um  1250  folgen  die  zwölf  Statuen  der  Stifter  im  Dom  zu  Naum- 
burg, die  großartigste  Reihe  von  Idealbildnissen,  welche  je  geschaffen  worden 
ist.  Sie  muten  uns  an  wie  die  Helden  des  Nibelungenliedes.  An  ruhiger  Größe  haben 
sie  in  der  deutschen  Kunst  nicht  ihres  Gleichen.  Ein  ganz  großer  Meister  hat  hier 
die  Überheferung  der  Schule,  die  Kenntnis  gotischer  Kunst  und  eindringende  Natur- 


Mitteilungen  aus  dem  Oerman.  NationaJnuiseum.     lOOQ. 


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VON  GUSTAV  VON  BEZOLD.  21 


beobachtung  zu  einem  ihm  eigenen,  freien  und  großen  Stil  verarbeitet,  dem  ein  kleiner 
Rest  von  Archaismus  den  Reiz  des  Aufstrebenden  wahrt     Die  Köpfe  sind  alle  ver- 
schieden, jeder  ganz  einheitlich  und  individuell,  ohne  kleinlichen  Realismus.     Ver- 
schiedenes Geschlecht,  verschiedene  Altersstufen,  verschiedene  Charaktere  und  Stim- 
mungen werden  schlicht  und  wahr  und  ganz  überzeugend  gegeben.    Alles  Fremde 
ist  hier  überwunden,  rein  deutscher  Kunstgeist  waltet,  und  er  hat  sich  kaum  je 
wieder   so  mächtig   offenbart.    Markgraf  Ekkehard   ist  das  Bild  eines  deutschen     rafei  xxii 
Fürsten  in  voller  Manneskraft,  herb  und  ernst,  von  derben  Formen.     Fine  milde, 
freundliche  Ge^^innung  spricht  aus  den  Zügen  der  Markgräiin  Regelindis,  der  Ge-    lafei  xxii 
mahlin  von  Ekkehards  Bruder  Hermann.     Ist  im  Typus  dieses  Kopfes  die  slavische 
Abstammung  der    Fürstin  angedeutet;  ist  er  ein  Nachklang  von  den    Köpfen  der 
klugen  und  törichten  Jungfrauen  an  der  Brautpforte  oes  Domes  zu  Magdeburg? 
Der  Naumburger  Dom  birgt  noch  ein  Denkmal,  das  seiner  ganzen  Haltung 
nach  als  Bildnis  betrachtet  werden  muß,  das  Denkmal  eines  Bischofs  im  hohen 
Chor.    Die  Ähnlichkeit  mit  Siegelbildern  läßt  mit  ziemlicher  Sicherheit  annehmen, 
daß    Bischofs  Dieirich  II.    (t   1273)   dargestellt   ist.     Aber   es    ist   fraglich,    ob    Tafei  xxiv 
es  sein  Grabmal  oder  ein  Denkmal  ist,  das  er  einem  seiner  Vorgänger  errichtet  hat. 
Ich  will  mir  die  Lösung  dieser  Frage  nicht  anmaßen,  eine  subjektive  Meinung  aber 
darf  ich  aussprechen.    Daß  die  Idealbildnisse  Verstorbener  im  Anschluß  an  die  Er- 
scheinung Lebender  gestaltet  wurden,  ist  bekannt,  die  ganze  Reihe  der  Naumburger 
Stifter  beweist  es.   Aber  sie  lassen  ebenso  wie  Dedo,  Heinrich  der  Löwe  und  Wipert 
klar  erkennen,  daß  der  mit  einem  Denkmal  Geehrte  als  ein  schöner  Mensch  darge- 
stellt wurde.    Der  dicke  Bischof  im  Naumburger  Dom  ist  weder  nach  dem  Begriff 
des  13.  noch  nach  dem  des  20.  Jahrhunderts  schön.    Er  war  nicht  geeignet,  das  Modell 
für  das  Denkmal  eines  anderen  abzugeben.    Und  wissen  wir  denn,  ob  dieser  Grab- 
stein, der  mehr  als  sechshundert  Jahre  alt  ist,  immer  im  Ostchor  gelegen  ist  ?    Ich 
glaube,  daß  das  Grabmal,  auf  dem  Bischof  Dietrich  II.  dargestellt  ist,  auch  sein  Grab- 
mal ist.    Die  Auffassung  ist  nicht  so  groß;  die  Ausführung  weniger  sorgfältig  als  die 
der  Stifter,  aber  die  Formen  sind  sicher  erfaßt  und  frisch  wiedergegeben,  sodaß  wir 
den  Mann  lebendig  vor  uns  sehen. 

Vollen  Porträtcharakter  hat  auch  das  Grabmal  eines  Grafen  von  Katzen-  Tafei  xxv. 
einbogen  aus  dem  Ciarenkloster  in  Mainz,  jetzt  im  Museum  zu  Wiesbaden.  Der 
Wille  zu  realistischer  Darstellung  ist  hier  größer  als  das  Können;  der  Kopf  wird  durch 
die  zu  hoch  gerückte  Nasenwurzel  und  den  schematischen  Übergang  von  ihr  zu  den 
Augenbrauen  entstellt,  aber  die  Tränensäcke  unter  den  Augen  und  der  schiefe  Mund 
sind  individuelle  Formen,  die  nicht  von  einem  beliebigen  Modell  genommen  sind. 
Noch  klingt  in  diesem  Denkmal  des  frühen  14.  Jahrhunderts  der  hohe  Stil  des  13. 
nach,  wenn  auch  die  sichere  Beherrschung  der  Form  nachgelassen  hat.  Von  dem- 
selben Meister  ist  der  Grabstein  des  Wigand  von  Wanebach  (t  1322)  im 
Dom  zu  Frankfurt. 

Das   Denkmal    Rudolfs   von    Habsburg    im   Dom   zu    Speier   ist,   wie   wir  Tafei  xxv. 
gesehen  haben,  vor  dem  Tode  des  Kaisers  gemacht  worden.    Wir  möchten  gerne 
wissen,  wie  weit  das  Denkmal  die  Bildnistreue,  die  es  angestrebt  hat,  erreicht  hat. 
Leider  ist  es  nicht  unversehrt  geblieben.    Es  ist  fraglich,  ob  es  jemals  über  dem  Grab 
des  Kaisers  angebracht  war.    Bei  den  Ausgrabungen  im  Jahre  1900  fand  man  Reste 


2^  BEITRAGE  ZUR  GESCHICHTE  DES  BILDNISSES. 

einer  anderen  Platte.  Das  hinderte  jedocli  nicht,  daß  auch  das  erhaltene  Denkmal 
im  Dom  aufgestellt  war.  1812  wurde  es  in  der  profanierten  Johanniterkapelle  auf- 
gefunden. 1815  kam  es  wieder  in  den  Dom  und  wurde  von  dem  Bildhauer  Gottfried 
Renn  restauriert.  Die  Platte  war  in  zwei  Stücke  zerschlagen  und  an  Nase,  Mund 
und  Kinn  beschädigt,  auch  die  Hände  fehlten.  Als  Grundlage  der  Ergänzung  diente 
ein  Gemälde  aus  dem  frühen  16.  Jahrhundert  in  der  Ambraser  Sammlung,  auf  dem 
der  Grabstein  in  natürlicher  Gröf3e  dargestellt  ist.  Ein  großer  Meister  hat  es  nicht 
gemalt,  und  es  stimmt  namentlich  in  der  Stirn  und  den  Augen  wenig  mit  dem  Grab- 
stein überein,  auch  der  Zug  des  Mundes  ist  anders.  Wie  weit  die  Ergänzungen  gehen, 
läßt  sich  an  unserem  Gipsabguß  nicht  feststellen.  Aber  auch  die  erhaltenen  Teile 
sind  überarbeitet.  Die  Ergänzungen  sind  gewissenhaft  gemacht,  und  die  Anlage 
des  Kopfes  ist  so  individuell,  daß  wir  annehmen,  ein  ziemlich  genaues  Bild  des  Kaisers 
zu  besitzen.  Der  Stil  ist  durch  die  Überarbeitung  verwischt.  Das  Gemälde  dürfte 
zur  Vorlage  für  das  Standbild  Rudolfs  am  Grabmal  Maximilians  bestimmt  gewesen 
sein. 

Das  Denkmal  des  Erzbischofs  Siegfried  von  Eppstein  im  Dom  zu  Mainz 
(t  1249)  kann  ich  aus  stilistischen  Gründen  erst  dem  späteren  13.  Jahrhundert  zu- 
weisen. Es  enthält  individuelle  Züge,  aber  es  bleibt  sehr  fraglich,  ob  sie  auf  eine 
sichere  Tradition  zurückgehen^). 

Dem  frühen  14.  Jahrhundert  gehören  die  Figuren  an  den  Strebepfeilern  des 
Turmes  zu  Freiburg  im  Breisgau  an.  Den  hohen  Standpunkten  entsprechend  sind 
die  Formen  groß  und  breit  behandelt  und  die  Flächen  scharf  gegeneinander  abgesetzt. 
Selbstverständlich  sind  die  meisten  Phantasieschöpfungen  ohne  Individualisierung. 
Von  den  sitzenden  Stiftern  der  untersten  Reihe  machen  die  zwei  am  südlichen  Strebe- 
pfeiler der  Westseite  und  an  dem  Strebepfeiler  nördlich  neben  dem  Portal  eine  Aus- 
nahme. Die  Individualisierung  geht  jedoch  nicht  tief.  Es  sind  wohl  Idealbilder, 
der  ältere  Mann  wird  als  Herzog  B  e  r  t  h  0  1  d  V.  v  0  n  Z  ä  h  r  i  n  g  e  n  (f  1218), 
der  jüngere  als  Graf  Egin  V.  von  Freiburg  (t  123O)  bezeichnet,  allein 
die  Deutung  ist  unsicher.  Eine  ganz  ausgesprochene  persönliche  Eigenart  haben 
dagegen  die  Züge  des  Mönches,  an  der  nordöstlichen  Ecke  des  Turmes,  in  der  dritten 
Reihe,  in  dem  man  früher  Albertus  Magnus,  jetzt  mit  mehr  Recht  Bernhard 
von  Clairvaux  erblickt;  und  noch  mehr  ein  Kopf  der  als  Konsole  unter  der 
Galerie  steht,  die  den  unteren  Teil  des  Turmes  abschließt.  Die  Benennung  Erwin 
von  Steinbach  ist  willkürlich  und  falsch,  Erwin  hat  nie  etwas  mit  dem  Freiburger 
Münster  zu  tun  gehabt,'  daß  es  aber  der  Kopf,  eines  Baumeisters  ist,  ist  nicht 
unwahrscheinlich.    Die  Einfachheit  und  Größe  der  Formgebung  ist  bewundernswert. 

*  *  * 

Von  den  ersten  eigenen  Regungen  der  deutschen  Kunst  in  der  Frühzeit  des 
11.  Jahrhunderts  bis  nach  der  Mitte  des  12.  vermag  die  Plastik  unbewußt  wohl  den 
ethnischen  Charakter  der  Köpfe  annähernd  zu  geben,  wohl  auch  bewußt  da  und 
dort  einzelne  porträtmäßige  Züge  in  die  Darstellung  hineinzutragen,  zu  einer  durch- 
geführten Individualisierung  kommt  sie  niclit.  weil  der  Organismus  überhaupt  nur 

3)  Die  Siegel  Siegfrieds,  deren  eines  Kemmericli,  Porträtplastik  S.  218  mitteilt,  sprechen 
dafür. 


Mitteilungen  aus  dem  German.  Nationalmuseum.     IQOQ. 


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VON  GUSTAV  VON  BEZOLD.  23 


mangelhaft  erfußt  wird.  Die  Beobachtung  ist  noch  niclit  so  vertieft,  daß  sie  die 
Fülle  der  individuellen  Formen  erfassen,  das  wesentliche  auslesen  und  darstellen 
könnte.  Und  die  Anforderungen  der  Beschauer  gingen  in  dieser  Frühzeit  so  wenig 
über  das  hinaus,  was  die  Künstler  zu  leisten  vermochten  als  heute.  Die  Kunst  ver- 
harrt notwendig  im  Typischen.  Von  solchen  Anfängen  kann  die  Entwicklung  ent- 
gegengesetzte Wege  gehen,  sie  kann  die  Typen  festhalten  und  formal  vollenden, 
oder  sie  kann  aus  dem  Typus  heraus  nach  individueller  Gestaltung  streben.  Der 
germanische  Kunstgeist  wies  den  zweiten  Weg;  die  Erreichung  des  Ziels  wird  durch 
die  allgemeinen  Kulturverhältnisse  gefördert  und  gehemmt,  sie  tragen  einen  inneren 
Widerspruch  in  der  Entwicklung.  Eine  individualisierende  Kunst  kann  sich  nur 
durch  dauernde,  eindringende  Naturbeobachtung  entwickeln.  Die  christliche  An- 
schauung von  der  Verderbtheit  der  Natur  war  dem  nicht  günstig.  Icii  betone  noch- 
mals, daß  man  dieses  Hemmnis  nicht  überschätzen  soll,  aber  es  war  vorhanden 
und  darf  nicht  übersehen  werden.  Dazu  waren  in  den  Kunstwerken,  welche  die 
Kirche  vom  Orient  herüberbrachte,  die  Aufgaben,  an  denen  man  arbeitete,  schon 
gelöst.  Man  geriet  in  die  Abhängigkeit  von  w^esensfremden  Vorbildern,  aus  der 
man  sich  nur  langsam  befreien  konnte.  Die  mittelalterliche  Kunst  hat  den  Ge- 
samtorganismus des  Körpers  nie  völlig  beherrscht.  Selbst  aie  Naumburger  Stifter, 
so  fest  sie  zu  stehen  scheinen,  sind  da  und  dort  bresthaft. 

Auf  der  anderen  Seite  wirkt  die  Geistigkeit  der  christlichen  Weltanschauung 
fördernd  auf  die  Betonung  des  Geistigen  im  Kunstwerk  und  kommt  damit  dem  Zug 
nach  Individualisierung  und  Charakteristik  entgegen. 

Der  Verlauf  der  Entwicklung  ist  nicht  einheitlich.  Ansätze  zur  Typenbildung 
finden  sich  da  und  dort,  zu  einer  festen,  konsequent  ausgebildeten  Typik  kommt  es 
nirgends.  Der  Weg  zu  freier  Gestaltung  wird  rasch  durchmessen.  Im  späteren 
12.  Jahrhundert  schärft  sich  die  Beobachtung  und  die  Fähigkeit  der  Darstellung. 
Aber  die  Kunst  kommt  noch  am  Ende  des  Jahrhunderts  nicht  über  Ansätze  zu  kon- 
sequenter Individualisierung  hinaus.  Im  Grabmal  des  Bischofs  Adelog  von  Hildes- 
heim bleibt  das  Können  hinter  der  Absicht  weit  zurück.  Um  1240,  in  Frank- 
reich schon  etwas  früher,  ist  das  Ziel  erreicht.  Wenn,  alles  in  allem  genommen, 
die  französische  Kunst  eine  höhere  formale  Vollendung  besitzt,  geht  die  deutsche 
ihrem  innersten  Wesen  nach  sofort  an  vertiefter  psychischer  Charakteristik  über  sie 
hinaus.  Welch  reiche  Fülle  starker  Persönlichkeiten  schaffen  die  Meister  von  Bam- 
berg und  Naumburg! 

Wir  möchten  gerne  wissen,  wie  diese  Gestalten  entstanden  sind.  Das  Wahr- 
scheinlichste bleibt  doch,  daß  sie  aus  einer  unvergleichlichen  Höhe  des  Formgedächt- 
nisses, des  inneren  Schauens  und  der  Gestaltungskraft  frei  geschaffen  sind.  Die 
Komposition  in  den  Block  und  das  Herausholen  der  Figur  aus  dem  Stein  schließt 
ein  unmittelbares  Arbeiten  nach  dem  lebenden  Modell  aus.  Auch  an  die  Verwendung 
von  Hilfsmodellen,  die  aus  bildsamem  Material  in  ganz  anderer  Weise  gemacht 
werden,  ist  nicht  zu  denken. 

Das  intensive  Streben  nach  individueller  Charakteristik  birgt  manche  Ge- 
fahren für  die  formale  Seite  der  Kunst.  Daß  sie  nicht  sofort  zutage  getreten  sind, 
ist  dem  starken  Stilgefühl  der  Künstler  zu  danken.  In  ihrem  hohen  und  festen  Stil 
findet  die  Kunst  des  13.  Jahrhunderts  ihre  Kraft,  aber  auch  ihr  Maß  und  ihre  Grenze. 


24  BEITRÄGE  ZUR  GESCHICHTE  DES  BILDNISSES. 

Der  Stil  mäßigt  den  realistischen  Grundzug,  der  ihr  innewohnt,  er  bedingt  Ver- 
einfachung und  Auswahl  der  Formen,  ein  ins  einzelne  gehender  Realismus  ist  ihm 
fremd.  Vielleicht  ist  es  auch  in  der  lebendigen  Kraft  des  Stils  begründet,  daß  die 
Formgebung  mit  einem  Rest  von  Gebundenheit  behaftet  bleibt.  Die  Auslese  und 
Vereinfachung  der  Formen,  welche  die  Grundlage  des  Stils  ist,  fördert  auch  die  feste 
Charakteristik,  indem  sie  alles  Verwirrende  und  Störende  fernhält. 

Das  Streben  nach  Individualisierung,  der  Reichtum  der  Charakteristik  mußte 
anscheinend  auch  dem  Bildnis  zugute  kommen.  Tatsächlich  hat  es  verhindert, 
daß  es  überhaupt  als  besondere  Kunstgattung  auftritt.  Eine  so  intensiv  charak- 
terisierende Kunst,  wie  die  des  13.  Jahrhunderts,  besitzt  die  Fähigkeit,  Bildnisse 
zu  schaffen,  aber  das  Zusammenwirken  des  allgemeinen  Zugs  nach  Individualisierung 
und  der  durchdringenden  Kraft  des  Stilgefühls  verhinderte  das  Entstehen  einer 
Kunstgattung,  deren  Wesen  in  der  Erfahrung  und  Darstellung  individueller  Sonder- 
art besteht.  Man  mag  durch  Vergleichung  mehrerer  Darstellungen  einer  Person 
ein  Denkmal  als  getreues  Abbild  erweisen,  in  seinem  Wesen  als  Kunstwerk  wird 
es  sich  nicht  von  den  Idealbildnissen  der  Zeit  unterscheiden.  Aber  die  Zeit  ist 
nicht  fern,  da  das  Bildnis  zur  selbständigen  Kunstgattung  wird.  In  der  Kunst  des 
13.  Jahrhunderts  ist  der  Realismus  von  dem  strengen  Stilgefühl  im  Zaum  gehalten, 
im  14.  sucht  er  sich  frei  zu  machen  und  das  Abbild  dem  Vorbild  mehr  anzunähern. 
Die  subjektiven  Momente  der  künstlerischen  Tätigkeit  treten  zurück  gegenüber 
dem  Bestreben  nach  objektiver  Wiedergabe  des  Vorbilds.  Die  Forderung  der  Ähn- 
lichkeit, die  nun  einmal  aus  der  Bildniskunst  nicht  zu  entfernen  ist,  wird  gestellt 
und  sie  kann  erfüllt  werden.  Die  Führung  haben  zunächst  das  nordöstliche  Frank- 
reich und  die  burgundischen  Länder. 


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DIE  HOLZMÖBEL  DES  GERMANISCHEN  MUSEUMS. 

Von  HANS  STEOMANN. 

(Fortsetzung*). 

Zu  den  schönsten  Schranktypen  der  Spätrenaissance  der  germanischen  Völker 
gehört  der  holländische  Schrank  des  17-  Jahrhunderts.  Er  berührt  sich  aufs 
engste  mit  der  noch  später  zu  behandelnden  Art  der  deutsch-holländischen  Kre- 
denz oder  dem  Überbauschrank  und  ist  außer  in  Holland  selbst  auch  am  Niederrhein 
vielfach  in  Verwendung  gewesen.  Ein  sehr  gutes  und  charakteristisches  Exemplar 
befindet  sich  in  der  Sammlung  der  bürgerlichen  Möbel  des  Museums,  ein  spätes  im 
Hindelooper  Zimmer.  Der  erstere  Schrank  ist  in  Natur-Eiche  mit  Fischbeineinlagen, 
die  eine  charakteristisch  gebildete  Verzierungsart  bilden,  gearbeitet.  Der  Aufbau 
gliedert  sich  in  einen  auf  abgeplatteten,  großen  Kugelfüßen  stehenden  Sockel  mit 
zwei  Schubladen,  die  von  drei  vorgekragten  Löwenkonsolen  getragen  werden,  die  ihrer- 
seits wieder  die  herausgekröpften  Säulenordnungen  des  Oberbaues  tragen.  Wie  alle 
seiner  Art,  ist  der  Schrank  zweigeschossig  und  doppeltürig  und  derart,  daß  das  Unter- 
geschoß höher,  mit  zwei  Füllungen  in  den  Türen,  das  niedrige  Obergeschoß  nur  mit 
einer  Füllung  versehen  ist.  Dieser  Einteilung  entsprechen  zwei  übereinandergesetzte 
Säulen.  Den  oberen  Abschluß  bildet  ein  ziemlich  hoher  und  stark  heraustretender 
Aufsatz,  dessen  besonders  betontes  Glied  der  Fries  mit  in  Flachrelief  geschnitztem 
Rankenwerk  bildet.  Rankenwerk  und  Engelsköpfchen  finden  sich  auch  in  den 
Füllungen  der  Türen,  die  durch  feingliedrige  Profilierung  den  überaus  schmuck- 
vollen Eindruck  des  Möbels  erhöhen  (Abb.  1,   H.  202,5,   Br.  168,5,  T.  70  cm). 

Von  der  im  17.  Jahrhundert  in  so  hoher  Blüte  stehenden  schleswiger 
Schnitzerschule,  die  in  ihrer  Art  die  Führung  in  deutschen  Ländern  hatte,  besitzt 
das  Museum  ein  hervorragend  gutes  Stück.  Allerdings  ist  der  Schrankkasten  selbst 
im  wesentlichen  eine  moderne  Nachbildung  des  jedenfalls  schadhaft  gewordenen 
alten;  nur  die  geschnitzte  Vorderseite  ist  altes  Original  (Abb.  2,  H.  216,5, 
Br.  171,5,  T.  64,5  cm).  Die  Einteilung  des  Schrankes  ist  die  aus  dem  späten 
Mittelalter  überkommene  dreigeschoßige  mit  zwei  Türen  im  Ober-  und  Unter- 
geschoß, mit  einer  breiten  im  Mittelgeschoß.  Die  acht  Felder  der  Vorder- 
seite sind  im  Ober-  und  Untergeschoß  durch  breite  Leisten  mit  Karyatiden  getrennt, 
die  im  Obergeschoß  eine  Charitas  und  männliche  Figuren,  im  Untergeschoß  drei 
nicht  gut  kenntlich  gemachte  weibliche  allegorische  Halbfiguren  bringen.  In 
den  Füllungen  des  Untergeschosses  rahmen  zwei  ähnliche  Karyatiden  das  Mittel- 
geschoß ein.  Die  beiden  Türflügel  des  Obergeschosses  enthalten  die  Hochreliefs 
der  Geburt  Cristi  und  die  Flucht  nach  Ägypten,  auf  der  breiten  Türe  des  Mittel- 
geschosses ist  das  Abendmahl  und  seitlich  in  schmalen  hohen  Feldern  der  Glaube 


*)  Vgl.  Mitteilungen    Jahrgang  1902  S.  62 ff.,  98  ff.,  I42ff.;  1903  S.  65 ff.,  105  ff.;  1904 
S.  45ff.,  101  ff.;  105   S.  I8f'.,  63ff.;  1907  S.  102if. 


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DIE  HOLZMÖBEL  DES  GERMANISCHEN  MUSEUMS. 


und  allegorische  weibliche  Figuren  (die  Heilkunst  darstellend).  Auf  den  beiden 
unteren  Türflügeln  stehen  in  Bogennischen  die  Figuren  von  Liebe  und  Hoffnung. 
Entwurf  und  Durchführung  der  Schnitzerei  stellen  dieses  Werk  in  die  erste  Linie  der 
reichen  künstlerischen  Produktion  des  Landes. 

Nicht  eigentlich  als  Möbel,  sondern  nur  wegen  der  an    der  Vorderseite    an- 
gebrachten Schnitzerei  sei  ein  weiterer  Schleswigholsteinscher  Schrank  angeführt. 


Abb.  1.    Holländischer  Schrank;  1.  Hälfte  des  17.  Jahrh. 


Der  Schrankkasten  und  die  Einrichtung  des  Schrankes  als  Schreibtisch  ist  modern 
wohl  mit  dem  Zweck  beabsichtigter  Täuschung  aus  altem  Holz  wohl  vor  einigen 
Jahrzehnten  schon  als  Fälschung  angefertigt  worden.  Die  Vorderseite  ist  mit  Er- 
gänzung mancher  Teile  aus  dem  Vorderteil  einer  oder  mehrerer  Schleswigholstein- 
scher Truhen  gebildet.    Der  Schrank  hat  jetzt  zwei  (jeschosse,  die  vertikal  durch 


i 


VON   HANS  STEGMANN. 


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sechs  Karyatiden  gegliedert  sind,  dazwischen  sechs  Füllbretter  mit  biblischen  Dar- 
stellungen. Die  Schnitzereien  gehören  der  zweiten  Hälfte  des  17.  Jalirhunderts  an 
(H.  149,    Br.  112.  T.  49  cm). 


Abb.  2.     Schrank  aus  Schleswig-Holstein;  Anfang  des  17.  Jahrh. 


in  ungefähr  gleicher  Situation  wie  beim  vorigen  Schrank  befinden  wir  uns  bei 
einem  kleinen  Eckschränkchen,  das  von  einem  Schrank  oder  einer  Truhe  in  neuem 
Aufbau   einige  geschnitzte   Teile   vorzüglicher   .Ausführuni;   übernommen   hat.     Es 


28  DIE    llüLZMÜlJtL  DES  GERMANISCHEN   MUSEUMS. 


sind  an  den  Seiten  zwei  Hermenpilaster  und  auf  der  Tür  zwei  vorzüglicli  geschnitzte 
Füllungen  in  architektonischer  Bogenstwllung  Adam  und  Eva,  sowie  die  Verkündi- 
gung alt  und  aus  der  ersten  Hälfte  des  17.  Jahrhunderts  (H.  110,  Br.  67,5, 
T.  46  cm). 

Mit  der  zweiten  Hälfte  des  17-  Jahrhunderts  verliert  der  hohe  mehrtürige 
Schrank  als  führendes  Kunstmöbel  in  Oberdeutschland  stark  an  Bedeutung.  Der 
doppelgeschossige  Schranktypus  verschwindet  mehr  und  mehr,  und  auch  in  den 
Fällen,  wo  im  Innern  die  einfache  oder  mehrfache,  horizontale  Gliederung  durch 
verstellbare  Bretter  beibehalten  wird,  ist  der  Schrank  im  Wesen  ein  eingeschossiger, 
eventuell  mit  einem  Schubladenuntergeschoß.  Breit  ausladende,  massig  profilierte 
Formen  beherrschen  von  1670  an  das  Feld.  Die  Intarsien,  das  aufgelegte  ausgesägte 
Ornament,  antikisierende  Schreinerformen,  wie  vielgestaltige  vertikale  Kröpfungen 
und  Zahnschnitte  verlieren  an  Boden,  ebenso  wie  die  Schnitzerei.  Das  neu  eintretende 
Moment,  das  in  Italien  und  Frankreich  seine  Heimat  hat,  ist  die  Politur  der  äußeren 
Möbelflächen.  Diese  bedingt  wegen  des  beabsichtigten  Glanzes  größere  Flächen, 
wenigstens  nach  einer   Richtung. 

Gleichzeitig  geht  der  eigentlich  oberdeutsche  Typus  des  beweglichen  großen 
Vorratsschrankes  auf  ganz  Deutschland  über.  Im  18.  Jahrhundert  ist,  abgesehen 
von  gewissen  Eigenarten  in  der  Dekoration,  ein  und  derselbe  Schranktypus  in 
ganz  Deutschland  herrschend,  so  daß  ohne  gesicherte  Provenienznachricht  die  Be- 
stimmung der  Schränke  nach  ihrem  Verfertigungsort  ziemlich  schwierig  wird. 

Den  einzigen  doppelgeschossigen  Schrank  mit  vollständiger  Politur,  bezw. 
Fournitur  in  Nußbaumholz  besitzt  das  Germanische  Museum  in  seiner  Sammlung 
bäuerlicher  Altertümer,  wo  derselbe  als  Erzeugnis  der  Vierländer  Möbelkunst  seine 
Stelle  gefunden  hat.  (Abb.  3  a  und  b,  H.  225,  Br.  206,  T.  82  cm).  Form  und 
Ausführung  weisen  aber  so  wenig  spezifisch  Bäuerliches  auf,  daß  er  als  später 
Repräsentant  des  doppelgeschossigen  Schrankes,  der  übrigens  in  dieser  Ausführung 
bis  in  das  erste  Drittel  des  18.  Jahrhunderts  sich  auch  im  übrigen,  besonders  dem 
westlichen  Deutschland  bis  Frankfurt  herunter  nachweisen  läßt,  auch  hier  erwähnt 
werden  kann.  Das  vorliegende  Stück  ist  ein  musterhaftes  Möbel  in  seiner  Art. 
Sockelgeschoß  mit  zwei  Schubladen,  die  beiden  durch  den  bordartigen  Vorsprung 
in  scharf  markierter  Weise  getrennten  eigentlichen  Schrankgeschosse,  das  kräftig 
profilierte  Hauptgesims  haben  sehr  glückliche  Verhältnisse.  Die  herausgekröpften, 
die  Schrankfassade  gliedernden  gewundenen  Säulen  bringen  in  die  vorherrschende 
Geradlinigkeit  erwünschtes  Leben.  Die  Behandlung  der  Füllungen  mit  ihrer 
wechselweisen  starken.  Vertiefung  und  starken  Erhebung  entspricht  dem  Möbel- 
geschmack um  und  nach  1700. 

Ein  Merkmal  aller  doppeltürigen  Kastenschränke  des  vorgeschritteneren  18. 
Jahrhunderts  ist,  daß  die  Formen  flacher  werden.  Die  Säulen  und  stark  vortreten- 
den Pilaster  verschwinden.  Als  trennende  Gliederung  erscheint  nur  noch  die  mehr 
oder  minder  breite  und  mehr  oder  minder  reich  profilierte  Schlagleiste  der  Tür, 
manchmal  an  den  fast  stets  abgeschrägten  Ecken  noch  flache  Pilaster.  War  die 
Fournierung  einfach,  so  wurde  insbesondere  in  Süddeutschland  auf  den  Türflügeln, 
mitunter  auch  noch  schmalseitlich  daneben  mehrfach  gekröpfte,  meist  in  der  Grund- 
form sechseckige  hohe  Füllungen  angebracht.     Oft  wird  hier  mit  verschiedenem 


VON  HANS  STEGMANN. 


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Fournierholz  gearbeitet,  meist  abwechselnd  mit  Eiche  (gebeizt)  und  Nußbaumholz 
(poliert),  wodurch  gute  Effekte  erzielt  werden.  Diese  besonders  in  fränkischen  Landen 
beliebten  sogenannten  „Spitzrautenschränke",  in  den  reicheren  Fällen  auch  durch 
Marquetteriearbeit  geziert,  haben  sich  dort  in  hunderten  von  Exemplaren  erhalten. 
Eine  andere  Art,  denselben  Schranktypus  auszugestalten,  war  die  gewellte  Profi- 
lierung, die  sich  so  ziemlich  auf  die  ganze  Schauseite  erstreckt.    Diese  Art  war  in 


Abb.  3  a.    Vierländer  (?)  Schrank  um  1700. 

ganz  Süd-  und  Mitteldeutschland  üblich.     Ein  charakteristisches,  wenn  auch  ein- 
faches Beispiel  dieser  Art  zeigt  die  Abbildung     (Abb.  4,  H.  21 1,  Br.  210,5,  T.  80  cm). 
Je  reicher  die  Marqueterie-     und  Fournierausstattung  war,  je  verwickelter 
die  ornamentalen  und  figürlichen  Einlagen  waren,  desto  mehr  herrschte  die  glatte 


30 


DIE   HOLZMÖBEL  DES  GERMANISCHEN  MUSEUMS. 


Behandlung  vor.  Ein  besonders  schönes  Exemplar  dieser  Art,  mit  ausgezeichneter 
Marquetteriearbeit  besitzt  das  Museum  in  einem  großen  fränkischen  Schrank  der 
Art,  der  auf  den  Türen  im  Rahmen  von  reichem  Bändel-  und  Blattwerk  vier  alle- 
gorische weibliche  Figuren  in  Zeittracht  zeigt.  Weniger  gelungen  ist  der  bei 
reicheren  Exemplaren  gern  angebrachte  durchbrochen  geschnitzte  Aufsatz,  der  das 
Wappen  der  ersten  Besitzer  und  die  Jahreszahl  1745  trägt.  An  dem  Schrank  ist 
auch  die  Innenausstattung  bemerkenswert.  Die  Innenflächen  sind  mit  aus- 
geschnittenen kolorierten  Figuren  aus  zeitgenössischen  Kupferstichen  geziert,  die 
auf  weißem  Grunde  aufgeklebt  und  gleichmäßig  mit  einem  stark  glänzenden 
Firniß  überzogen  sind  (Abb.  5,  H.  236,  Br.  220,  T   81  cm). 


Abb.  3  b.    Seitenansicht  von  3a. 


Die  großen  norddeutschen  Prunkschränke,  anfangend  in  den  letzten  Jahrzehnten 
des  17.  Jahrhunderts,  die  im  ersten  Drittel  des  18.  Jahrhunderts  dort  ihren  Höhepunkt 
erreichen  und  die  gemeinhin  den  Namen  Hamburger  oder  Danziger  Schapp  tragen,  aber 
durchaus  nicht  auf  diese  Gegenden  beschränkt  waren,  sondern  ihre  Verfertigung  bis 
weit  nach  Mitteldeutschland  hinein  fanden,  sind  die  glänzendsten  Vertreter  dieser 
Stilrichtung.    Die  sogenannten  Schappschränke  sind  in  diesem  Stil  die  selbständigste 


VON  HANS  STEGMANN. 


31 


Betätigung.  Das  ciurakteristi.^che  am  Schappschranke  iM  nicht  sein  Aufbau,  sondern 
die  Eigenart  der  verbindenden  Dekoration.  Das  Germanische  Museum  besitzt  zwei 
Exemplare  der  sogenannten  Schappschränke,  von  denen  der  eine  kleinere  aus  Danzig, 
der  grölJere  und  reichere  aus  Hamburg  stammen  soll.  Der  Aufbau  ist  bei  allen  der- 
artigen Schränken  vollständig  der  gleiche.  Auf  mächtigen  Kugelfüßen  erhebt  sich 
das  für  die  Aufnahme  von  Schubladen  bestimmte  Sockelgeschoß.  Darüber  durch 
drei  Pilaster  gegliedert,  von  denen  der  mittlere  zugleich  die  Schlagleiste  bildet,  der 
eigentliche  Schrankieil  und  als  oberer  Abschluß  mit  vielfachen  Kehlungen  und  mächtig 


Abb.  4.      Fournierschrank,  nürnbergisch;  1.  Hälfte  des  18.  Jahrh. 


ausladend,  der  Aufsatz.  Die  Füllungen  der  Schubladen,  Schauseiten,  sowie  der 
meist  sehr  weit  genommenen  Türen  bestehen  aus  vielfach  profilierten,  gekröpften 
und  herausgekehlten,  sogenannten  Spitzrauten,  die  an  den  Schubladen  meist  auf 
geradlinige  Bildung,  in  den  hochstehenden  Türfüllungen  dagegen  mit  gekrümmten 
Bildungen  arbeiten.  Das  eigentliche  charakteristische  des  Schappschrankes,  der  in 
Norddeutschland  durchweg  in   Hichenholz  ausgeführt  wird,  ist  die  fast  überreiche 


32 


DIE   HOLZMÖBEL  DES  GERMANISCHEN  MUSEUMS. 


Abb.  5.    Süddeutscher  Marketerieschrank  von  1745. 


VON  HANS  STEGMANN. 


33 


geschnitzte  Dekoration.  Jede  größere  Fläche  wird  durchlaufend  mit  Schnitzwerk 
versehen;  die  Sockel  des  Untergeschosses,  die  Flächen  der  Pilaster,  die  Zwickel  der 
Türfüllungen  und  der  innere  Rand  der  Spitzraute  der  Tür.  Als  besonders  hervor- 
gehobenes Prunkstück  wird  eine  über  den  mittleren  Pilaster  sitzende  Komposition 
durchgebildet,  die  also  in  der  Mitte  des  Aufsatzes  vorgeblendet  erscheint.  In  einzelnen 
Fällen  wird,  um  diesen  krönenden  Teil  noch  mehr  Nachdruck  zu  verleihen  und  eine 
größere  Raumentfaltung  für  die  Schnitzerei  zu  gewinnen,  für  den  Raum  dieser  Ver- 
zierung der  Aufsatz  in  die  Höhe  durchgekröpft. 


Abb.  6.    Hamburger  Schappschrank  um  1700. 

Der  kleinere  und  etwas  einfachere  Danziger  Schrank  (H.  242,  Br.  234,  T.  92,5  cm) 
zeigt  diese  Verkröpf ung;  in  dem  Aufsatz  unter  einer  von  Engeln  gehaltenen  großen 
Krone,  eine  Lautenspielerin;  als  Grund  dient  das  der  Zeit  eigene  krautartige  Laub- 
werk. Die  aufsteigenden  Kompositionen  auf  dem  Pilaster  sind  ebenfalls  aus  diesem 
Laubornament  gebildet,  das  mit  Vögeln  und  Putten  besetzt  ist;  in  den  Zwickeln  der 
Schubladen  und  Türen  sind  pflanzliche  Ornamente  in  ziemlich  hohem  Relief  ge- 
schnitzt, mit  einer  für  diese  Möbelgattung  fast  durchweg  festzustellenden,  außer- 
ordentlichen, technisch  dem  Material  sich  trefflich  anpassenden  Geschicklichkeit.  Die 
Seitenteile  enthalten  wie  stets  bei  diesen  Schränken  nur  einfache  Gebilde.  Bei  dem 
größeren  Schrank  ist  die  Dekoration  im  wesentlichen  dieselbe,  nur,  wie  auch  aus 
der    Abbildung  (Abb.  6,    H.  255,    Br.  274,    T.   102  cm)     hervorgeht,    wesentlich 

Mitteilungen  aus  dem  Oerman.  Nationalmuseum.     1909.  "3 


M 


DIE   HOLZMOBEL  DES  GERMANISCHEN  MUSEUMJ». 


reicher  und  insbesondere  ist  bei  diesem  sogenannten  Hamburger  Schapp  der 
bildhauerische  Teil  der  Schnitzerei  auf  eine  sehr  bedeutenden  Höhe,  im  Aufsatze 
ist  zwischen  zwei  Engeln  der  segnende  Christus  dargestellt,  die  Kapitale  der 
Pilaster  zeigen  weibliche  Büsten,  in  den  aufsteigenden  Füllungen  sind  neben  Putten 
weibliche  allegorische  Figuren  zu  sehen.  Ähnlich  in  den  Innenfüllungen  der  Türen, 
während  in  den  oberen  und  unteren  Zwickeln  allegorische  und  Prophetenfiguren 
gezeichnet  sind.  Der  Hamburger  Schapp  des  Museums  ist  ausnahmsweise  in  Nuß- 
baum geschnitzt  und  mit  Nußbaum  fourniert,  während  alle  konstruktiven  Teile  in 
dem  üblichen  Eichenholz  ausgeführt  sind. 

Im  Aufbau  zwischen  den  Schappschränken  und  den  späten  süddeutschen  Barock- 
schränken stehend,  von  welchen  letzteren  das  Germanische  Museum  keine  Beispiele 
besitzt,  aber  in  der  Formengebung  wesentlich  schöner  als  die  süddeutschen  ist  ein 
aus  Westfalen  stammender  Schrank  einer  Art,  wie  sie  übrigens  auch  in  ganz  Mittel- 
deutschland vorkommt.  Die  Verbindung  mit  verschiedenfarbigem,  poliertem  Eichen- 
und  Ebenholz  weist  auf  den  Zusammenhang  mit  der  niederländischen  Möbelkunst 
hin.  Der  Schrank  ist  ein  sogenannter  Säulenschrank  mit  drei  Säulen,  von  denen 
die  beiden  äußeren  infolge  der  Abfasung  der  Ecken  übereck  gestellt  sind.  Gekehlte 
Füllungen  in  allen  Gliedern,  Ebenholz  auf  brauner  Eiche,  bezeichnen  den  Geschmack 
des  etwas  schwerfälligen  Möbels  (Abb.  7.  H.  234,  Br.  21 6,  T.  95  cm). 

Der  Schranktypus  des  18.  Jahrhunderts  war  in  ganz  Europa,  wie  schon  er- 
wähnt, derjenige  des  großen  zweiflügeligen  Schrankes,  der  sich  zunächst  der  schweren 
Barockformen  vom  Ende  des  17.  Jahrhunderts  bediente.  Die  Art  der  Ausgestaltung, 
Material  Verwendung  und  Dekoration  dieses  in  seiner  Hauptform  gleichartigen  Schran- 
kes wurde,  wie  in  allen  Möbelgattungen  und  auch  in  allen  Stilperioden,  verschieden 
behandelt.  Während  eine  gewisse  internationale  Gleichheit  bereits  die  Konstruktion 
und  die  spezielle  Verwendbarkeit  regelte,  war  die  Trennung,  die  seit  dem  Mittelalter 
zwischen  romanischen  und  germanischen  Möbeln  in  gewissem  Sinne  bestand,  auch 
im  späten  17.  und  im  18.  Jahrhundert  doch  noch  von  stärkerer  Nachwirkung.  Wie 
im  späten  Mittelalter  und  in  der  Renaissance  für  Oberdeutschland  die  Beeinflussung 
hauptsächlich  von  Italien  und  Südfrankreich  ausging,  waren  für  das  nördliche  Deutsch- 
land die  Niederlande  im  weiteren  Sinne  und  Nordfrankreich  maßgebend  gewesen. 
Für  Möbelformen  und  Möbeldekorationen  trat  in  diesen  Verhältnissen  im  17.  Jahr- 
hundert insofern  eine  Änderung  ein,  als  gerade  für  Deutschland  noch  ein  weiteres 
Land  in  der  Möbelbehandlung  vorbildlich  wurde,  nämlich  Frankreich.  Der  spezi- 
fische französische  Möbelstil  des  Spätbarocks  und  Rokoko  ist  allerdings,  wenn  man 
von  den  rein  höfischen  Kreisen  absieht,  erst  verhältnismäßig  spät  allgemein  in  Er- 
scheinung getreten,  nämlich  um  die  Mitte  des  18.  Jahrhunderts,  und  da  schon  als- 
bald nüchtern  aufgefaßt  durch  die  Beimischung  sogenannter  zopfiger  Elemente, 
die  rasch  in  die  akademisch  klassizistische  Formengebung  des  Stiles  Ludwig  XVI 
hinüberleitete.  Die  Vorliebe  für  glatte  und  glänzende  polierte  Flächen  stammt  von 
Westen.  So  wurde  den  fournierten  und  polierten  Möbeln  von  den  Niederlanden, 
sowohl  Flandern  als  Holland,  nach  Deutschland  der  Weg  gebahnt,  allerdings  natur- 
gemäß der  an  den  nördlichen  Seeküsten  verlaufenden  Einflußsphäre  zunächst  nur 
in  dem  nördlichen  Teil  Deutschlands,  besonders  aber  in  den  Städten  der  Nord-  und 
Ostseeküste.  Im  Anschluß  an  die  Möbelkompositionen  eines  Ducerceau  und  de  Vries 


VON    HANS  STEGMAiNN. 


35 


hatte  sich  der  schwere  flandriscli-holländische  Möbelstil  mit  seiner  Unzahl  von  Profi- 
lierungen, seiner  komplizierten  Drechselarbeit  an  den  tragenden  und  verbindenden 
Gliedern,  entwickelt.  Hr  fand  zunächst  durch  Import,  dann  aber  auch  durch  Nach- 
ahmung in  den  deutschen  Küstenstrichen  nachhaltige  Verbreitung. 

Neben  dem  eben  genannten  Schrank  ist  ein  ebenfalls  aus  Westfalen  stammender 
als  Möbel  kaum  irgendwie  bemerkenswert,  denn  seine  Form  ist  diejenige  einer  drei- 


Ahb.  7.     Westfälischer  Schrank;  Anfang  des  18.  Jahrh. 

geschossigen  Konunnde  mii  iM-eitem  aufgesetzten  Duppclflügelschrank,  der  oben  in 
einem  einfachen  geschweiften  und  gebrochenen  Giebel  endet.  Nur  die  malerische 
Behandlung  dieses  wohl  in  den  letzten  Jahrzehnten  des  18.  Jahrhunderts  entstan- 
denen Schrankes  ist  bemerkenswert,  da  sie  auf  dunkelbraunem  mit  Goldlinien  ver- 
sehenen Grund,  an  den  Schauseiten  der  Schubladen  Medaillons  mit  Blumenornament 

3* 


36  DIE  HOLZMÖBEL  DES  GERMANISCHEN  MUSEUMS. 

auf  Weiß,  auf  den  beiden  breiten  Flügeln,  welche  die  ganze  Breite  des  Schrankes  e  i- 
nehmen,  eine  große  allegorische  Darstellung,  in  Öl  gemalt,  zeigt  (H.  224,   Br.   1? 
T.  54  cm). 

Für  die  frühere  deutsche  Renaissance  sind  noch  einige  Typen  zu  erwähnen, 
die  außerhalb  der  bisher  behandelten  großen  mehrflügeligen  und  meist  auch  me.."- 
geschossigen  Schränke  stehen.  Von  den  Stollenschränken,  wie  sie  im  westlichen 
Niederdeutschland  bis  zur  Frührenaissance  im  Schwünge  waren,  ist  schon  frühem- 
die  Rede  gewesen.  Etwa  von  der  Mitte  des  16.  Jahrhunderts  an  wandelte  sich  der 
Stollenschrank  in  den  Kredenzschrank,  eine  Form,  die  sich  bis  zum  heutigen  Tage 
noch  in  unserem  französich  benannten  Büffet  erhalten  hat. 

Ähnlich  wie  beim  großen  doppeltürigen  Schrank,  der  von  Süden  nach  Norden 
wandert,  ergibt  sich  hier  allerdings  wesentlich  früher  und  in  stärkerer  Verschieden 
heit  des  Aufbaus  und  unter  Einwirkung  anderer  Möbeltypen  ein  Auftauchen  des  Kre 
denzschranks  im  äußersten  deutschen  Süden,  den  Alpenländern  und  dem  südlichen 
Schwaben,  während  das  übrige  Süd-  und  Mitteldeutschland  die  Kredenz  in  der  von 
der  Spätrenaissance  geschaffenen  Form  nicht  kennt. 

Vv'as  den  Denkmälerbestand  anbetrifft,  so  sind  Kredenzen  des  16.  Jahrhunderts 
sehr  selten.  Die  deutsche  Pseudorenaissance  des  letzten  Viertels  des  \9-  Jahrhundert> 
hat  allerdings  insofern  ein  falsches  Bild,  das  aber  heute  nicht  mehr  Stich  erhält, 
erzeugt,  daß  ältere  Schrank-  und  Truhenteile  in  jener  Periode  vielfach,  dem  dringen- 
den Bedürfnis  der  damaligen  Zimmerausstattung  entsprechend  zu  „Büffets"  umge- 
arbeitet worden  sind. 

Betrachten  wir  zunächst  die  beiden  Typen  der  Kredenz,  den  niederländisch- 
niederdeutschen und  den  alpin-süddeutschen.  Der  erstere  ist  unter  geschickter 
Umkombinierung  offenbar  aus  dem  Stollenschrank  einerseits,  dem  viertürigen  relativ 
niedrigen  holländischen  Schrank  andererseits  entstanden. 

Der  Stollenschrank  ist  an  sich  wohl  eine  französisch-flandrische  Erfindung; 
die  Kredenz  tritt  in  ihrer  einfachsten  Form  aus  dem  Sakristeischrank,  bezw.  dessen 
Unterteil  entwickelt,  deutlich  zuerst  in  der  italienischen  Kredenz  vom  Anfang  des 
16.  Jahrhunderts  in  die  Erscheinung. 

Die  italienische  Kredenz  der  Früh-  und  Hochrenaissance  die  aus  einem  Schrank 
in  Brusthöhe  mit  glatten  Platten,  also  ohne  jeglichen  Aufsatz  besteht,  hat  in  Deutsch- 
land wenig  Eingang  gefunden.  Der  Kredenzschrank  ist  in  Italien,  von  Toskana 
ausgehend,  überall  verbreitet  gewesen,  und  hat  im  Laufe  der  Zeit  unter  Beibehaltung 
des  ursprünglichen  Aufbaues  in  Größe  und  Dekoration  die  mannigfachsten  Abwand- 
lungen erfahren.  Insbesondere  sind  von  der  Mitte  des  16.  Jahrhunderts  an  Kredenz- 
schränke kleineren  Formats,  die  für  die  Aufstellung  von  plastischen  und  anderen 
Kunstgegenständen  ein  passendes  Postament  boten,  gefertigt  worden,  bis  zur  Größe  der 
Konsolschränke  herab.  Daß  im  Germanischen  Museum  ein  wohl  in  Oberitalien  oder 
der  Romagna  gefertigtes  Exemplar,  vermutlich  in  Südtirol  erworben,  sich  vorfindet, 
darf  als  Zufall  bezeichnet  werden.  Der  betreffende  kleine  Schrank  hat  weit- 
ausbauchendes Untergestell  mit  kräftiger  geschnitzer  Profilierung  und  in  einem 
als  Eierstab  behandeltem  Rundstab  ist  noch  eine  schmale  Schublade 
eingelassen.  Der  eigentliche  Schrank  ist  zweitürig  mit  schmalen  Seitenfeldern, 
oben  darüber  befindet  sich  der   gebälkartige  Aufsatz  mit  der  Platte.    Der  ganze 


VON   HANS  STEGMANN. 


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Schrank  ist  in  Nußbaum  geschnitzt,  die  architektonischen  Glieder  niit  Ornament 
verziert;  an  den  beiden  Türen  sind  zwei  größere  weibliche  Köpfe,  an  den  Schub- 
ladengeschossen als  Griffe  verwendete  stark  vorspringende  Köpfe  und  zwar  an  den 
oberen  Schubladen  vier  Köpfe,  welche  offenbar  die  Weltteile  charakterisieren  sollen. 
Vor  den  Seitenteilen  auf  Konsolen  vier  Freifiguren  aus  der  biblischen  Geschichte. 
Die  Dekoration,  die  sich  in  analoger  Weise  nur  etwas  flacher  auch  an  den  Schmal- 
seiten vorfindet,  ist  überreich,  doch  ist  d-'e  technische  Ausführung  keine  sehr  sorg- 
fältige  (H.  92,   Br.  97,5,   T.  51   cm). 

Als  deutsches  Beispiel  dieses  Typs  könnte  ein  kleineres,  eintüriges  Nürnberger 
Schränkclien   der   Frührenaissance  gelten,    das    im   Stil  der  Dekoration,    den    ge- 


Abb.  8.     Nürnberger  Kredenzschrank;  Mitte  des  16.  Jahrh. 

.schnitzten,  kandelaberartig  aufsteigenden  Seitenfüllungen  und  den  zwei  über- 
einanderstehenden  Füllungen  der  Türe  lebhaft  an  die  früher  behandelten  doppel- 
geschossigen  Nürnberger  Frührenaissanceschränke  erinnert.  Die  glatten  Flächen 
sind  bereits  fourniert,  die  Schnitzereien  und  umrahmenden  Teile  in  Eichenholz 
ausgeführt  (Abb.  8,   H.  120,5,   Br.  86,   T.  43  cm). 

Derselben  Familie  gehört  ein  sogenannter  Ulmer  „Fußnetschrank"  an,  nur 
daß  er  etwa  150  Jahre  später  ist  und  seiner  ursprihiglichen  Bestimmung  nach 
ganz    anderen,    als    Kredenzzwecken    diente.      Er    war    vielmehr    bestimmt    am 


38  DIE   HOLZMÜBEL  DES  GERMANISCHEN  MUSEUMS. 

Fußteil  des  ehelichen  Himmelbetts  Aufstellung  zu  finden  und  Wäsche  und 
Kleidungsstücke  aufzunehmen.  Der  in  dieser  Art  vornehmlich  in  Schwaben 
gebräuchliche  Schrank  entspricht  aber  im  übrigen  in  seiner  Erscheinung  völlig 
der  italienischen  Kredenz.  Das  Exemplar  des  Germanischen  Museums  ist 
formell  nicht  gerade  hervorragend.  Er  ist  zweiflügelig;  die  Front  ist  durch 
drei  gewellte  Säulen  gegliedert,  von  denen  die  mittelste  die  Schlagleiste  bildet. 
Die  Rahmen  der  Füllungen  sind  mit  gefrästen  Leisten  besetzt  (mit  Ohren), 
darüber  ausgesägtes  und  aufgeleimtes  Ornamentwerk  (H.  115,  Br.  139,5,  T.  58  cm). 
Unter  den  Überbauschränken  gehört  der  der  Entstehungszeit  nach  älteste 
der  Kölner  Gegend  ar.  In  seinem  Aufbau  stellt  er  sich  als  doppelgeschossiger  Schrank 
in  Art  der  oberdeutschen  dar,  nur  mit  dem  Unterschiede,  daß  an  Stelle  des  bei  den 
oberdeutschen  Schränken  massiven  Sockels  mit  oder  ohne  Kugelfüßen  hier  vier- 
seitige Stollen  als  Stützen  dienen,  die  durch  geschweift  ausgesägte  Bretter  mitein- 
ander verbunden  sind.  Weiter  besteht  der  Unterschied  darin,  daß  das  Schrank- 
obergeschoß, das  außerdem  niedriger  gebildet  ist,  statt  der  Zwei-  eine  Dreiteilung 
hat,  unter  dem  oberen  Aufsatz  zurückspringt  mit  Vorsetzung  zweier  vierkantiger 
Pilaster  an  den  äußeren  Ecken.  Im  übrigen  besteht  die  Gliederung  nur  aus  Rahmen- 
und  Füllwerk  und  einfachen  Leisten,  ausgenommen  die  Doppeltüren  des  Unterge- 
schosses, wo  in  der  üblichen  Art  Bogenstellungen  eingefügt  sind.  Das 
wesentlich  charakteristische  der  kleinen  Möbel  dieser  Art,  die  unter  süd- 
deutschem Einfluß  im  Gegensatz  zu  den  bodenständigen  geschnitzten  Eichenmöbeln 
entstanden  sind,  ruht  auf  der  Verwendung  von  Einlegearbeiten  aus  bunten  Hölzern 
in  eigenartig  kleinem  Format  auf  allen  zur  Verfügung  stehenden  Flächen.  Die  Ab- 
grenzung derselben  geschieht  im  Gegensatz  zu  Süddeutschland  durch  dunkle  Eichen- 
holzrahmen. Die  Intarsien,  die  jede  glatte  Fläche  in  Anspruch  nehmen,  sind  sehr 
hübsch  im  einzelnen  gezeichnet,  aber  die  Überfüllung  mit  dieser  Arbeit  bringt  anderer- 
seits eine  gewisse  Unruhe  und  Unübersichtlichkeit  zur  Erscheinung.  Nach  den 
Ornamentformen,  die  sich  Moreskenzeichnungen  nähern,  dürfte  unser  Schrank  noch 
in  das  Ende  des  16.  Jahrhunderts  gehören  (Abb.  9,  H.  164,  Br.  125,  T.  54  cm). 
Der  dritte  Schrank,  der  allerdings  nur  in  einer  gewissen  Einschränkung  den  Namen 
eines  Überbauschrankes  verdient,  gehört  seiner  Formgebung  nach  dem  späteren 
17.  Jahrhundert  an.  Ober-  und  Untergeschoß  sind  zweiflügelig,  der  rückspringende 
Teil  geht  bloß  wenig  zurück,  nur  soviel,  um  einigen  tragenden  Figuren  des  oberen, 
aus  verkröpftem  und  abgeschrägtem  Gebälk  gebildeten  Aufsatzes  Platz  zu  gewähren. 
Der  in  Birnbaumholz  gearbeitete  Schrank  ist  schwer  seinem  Entstehungsort  nach 
zu  bestimmen,  während  er  zeitlich  sicher  der  zweiten  Hälfte  des  17.  Jahrhunderts 
angehört;  Material  und  Ausführung  sowie  die  gesamte  Anordnung  dürfte  am  ersten 
für  Nordfrankreich  oder  Flandern  sprechen.  Der  Schrank  gehört  zu  den  Kunstsamm- 
lungen der  Stadt  Nürnberg  und  weitere  Auskunft  über  seine  Herkunft  läßt  sich  nicht 
erbringen.  Mit  dem  im  vorigen  behandelten  niederrheinischen  Kredenzschrank  hat  er 
das  gemeinsam,  daß  auch  bei  ihm  über  dem  unteren  Schrankteil  sich  das  Schubladenteil 
kämpferartig,  wenn  auch  nicht  in  so  ausgesprochenem  Maße,  herauskragt.  Im 
übrigen  ist  der  Schrank  mit  seiner  zierlichen  Barockendekoration  bemerkenswert  durch 
die  hier  schon  früh  auftretende  Abschrägung  der  Ecken  und  gewinnt  seine  Bedeutung 
hauptsächlich  durch  die  sehr  reiche  Ausschmückung.  Das  untere  Geschoß  wird  durch 


VON   HANS  STEüMANN. 


39 


Abb.  9.    Kölner  Überbauschrank;  2.  Hälfte  des  16.  Jahrli. 


40 


DIE   HOLZMÖBEL  DES  GERMANISCHEN  MUSEUMS. 


einen  Atlanten  in  der  Mitte  und  zwei  Karyatiden  an  den  Ecken  in  ganzer  Figur  ge- 
gliedert, oben  dienen  zwei  männliche  freistehende  Figuren,  von  denen  die  eine  als 
Simsen  kenntlich  ist,  als  Träger  des  abschließenden  Aufsatzes  (Abb.  10,  H.  177, 
Br.  145,  T.  59  cm).  Die  Tür-  und  Seitenfüllungen  sind  ebenfalls  mit  figürlichen 
Schnitzereien  in  hohem  Relief  bedeckt.  Dargestellt'  sind  auf  den  -Türen  vier 
Szenen  aus  der  Geschichte   des  Tobias.    Die  Vermutung  ist   vielleicht   nicht   von 


Abb.  10.    Flandrischer  oder  französischer  Schrank  der  2,  Hälfte  des  17.  Jahrh. 

der    Hand    zu    weisen,    daß    der    Schrank   aus   französischen    Emigrantenkreisen 
stammt  und  dabei  nach  Franken  gekommen  ist. 

Der  niederrheinische  Überbauschrank  des  Germanischen  Museums  verfolgt 
in  seinem  Aufbau  genau  dieselben  Regeln,  als  wie  der  weiter  oben  geschilderte  hol- 
ländische Schrank.    Die  Verwandtschaft  geht  soweit,  daß  die  Art  der  Säulen,  der 


VON   HANS  STEGMANN. 


41 


Protilierungen  und  auch  der  Reliefschnilzereien  in  den  Friesen  fast  identisch  ist.  Ein 
Unterschied  an  diesem,  viele  Dutzende  von  malen  kopierten  Schrank,  und  dem  vor- 
beschriebenen besteht  bloß  insofern,  als  das  Trennun,y:si,^lied  zwischen  Ober-  und 
Untergeschoß  stärker  betont,  wulstartig  vorgekröpft  und  durch  drei  kleine  Löwen- 
köpfe gegliedert  ist,  dann  daß  der  Sockel  etwas  höher  gestaltet  und  ohne  Schub- 
laden, dafür  mit  reicher  Ornamentik  versehen  ist.  Als  Überbauschrank  erscheint 
er  dadurch,  daß  das  Obergeschoß,  um  die  Hälfte  im  Grundriß  verkleinert,  zurück- 
geschoben ist  und  daß  anstatt  der  vorgesetzten  Halbsäulen  als  Stützen  des  Ober- 


Abb.  11.     Niederländischer  Überbausciirank;  Anfang  des  17.  Jahrh. 


baues  an  den  Ecken  zwei  kurze,  im  übrigen  dem  System  entsprechende  Säulen 
eingesetzt  sind.  Die  Zeichnung  und  Durchführung  der  geschnitzten  Teile  ist  bei 
diesem  hervorragenden  Möbel  außerdem  noch  eine  hochstehendere  als  bei  dem  vor- 
genannten  holländischen   Schranke    (Abb.  11,  H.  198,  Br.  152,  T.  67  cm). 

Dem  Überbauschrank  vom  Niederrhein  schließt  sich  ein  holländischer  Kre- 
denzschrank an,  der  im  System  völlig  dem  italienischen  entspricht,  nur  daß  er  ver- 
hältnismäßig hoch  ist.    Der   Schrank,   der  über   Brusthöhe  emporgeführt  ist,    ist 


42 


DIE  HOLZMÖBEL  DES  GERMANISCHEN  MUSEUMS. 


zweitürig-,  die  Gliederung  der  Schauseite  ist  architektonisch.  Drei  jonische  Halb- 
säulen auf  Sockeln  an  den  Vorderseiten,  die  Sockel  mit  dazwischen  liegenden  Fries- 
füllungen, bilden  den  Untersatz.  Die  Türfüllungen  sind  in  der  in  Holland  charak- 
teristischen Weise  aus  einfachen  und  winkelförmig  zusammengesetzten  Rechtecken 
gebildet.  Die  kleinen  Rahmen  der  Füllungen  sind  in  Eichenholz  auf  schwarz  ge- 
beiztem Grunde  herausgekehlt.  Der  Aufsatz  kragt  sich  in  Kämpferform  und  durch 
drei  Löwenköpfe  gegliedert  in  üblicher  Weise  vor.  Die  Seitenwände  haben  die  vier 
Füllungen  in  gleicher  Ausführung.  Der  Schrank,  der  ein  sehr  gutes  Beispiel  der 
niederländischen  Stilrichtung  ist,  dürfte  um  die  Mitte  des  17.  Jahrhunderts  ent- 
standen sein  (Abb.  12,  H.  145,  Br.  168,  T    72  cm). 

Von  der  süddeutschen,  hauptsächlich  tirolisch-schweizerischen  Abart  der 
Kredenzen  besitzt  das  Germanische  Museum  in  dem  Zimmer  aus  dem  Kanton  Grau- 
Ininden  ein  Exemplar,  das  allerdings  ursprünglich  als  eingebautes  Möbel  gedient  haben 


y\bh.  12.     Holländischer  Kredenzschrank;  Mitte  des  17.  Jahrh. 


dürfte.  Der  Aufbau  dieses  dreiteiligen  Überliausclirankes  ist  ebenso  einfach  wie 
praktisch.  Ein  dreiteiliger  Unterbau  mit  drei  Schrankabteilungen  durch  geschuppte 
Pilaster  gegliedert,  darauf  die  bis  zur  Rückwand  freigelegte  Platte.  Der  Unterbau 
ist  verhältnismäßig  niedrig  (80  cm).  Auf  geschweiften  Konsolbrettern  ruht  der 
etwas  tiefere  Überbau,  der  dem  Unterbau  entsprechend  durchgeführt  ist  und  einen 
einfachen  Gebälkaufsatz  mit  geometrisch  eingelegtem  Fries  als  Bekrönung  aufweist. 
Durch  ein  weiteres  eingesetztes  Stützbrett  wird  im  überbauten  Teile  eine  Nische 
zur  Aufnahme  des  Waschgefäßes  gebildet.  Das  in  naturfarbenem  Fichtenholz  her- 
gestellte Möbel  darf  in  seiner  Klarheit  und  Einfachheit  auch  heute  noch  als  muster- 
gültiges Beispiel  der  Lösung  eines  einfachen  Kredenzsclirankes  gelten  (H.  230, 
Br.  208,  T.  48  cm). 


VON   HANS  STEGMANN. 


43 


Ehe  sich  die  in  der  Schweiz  und  Tirol,  aber  auch  im  übrigen  Süddeutscliland 
später  gebräuchhche  Verbindung  der  Waschgelegenheit  mit  der  Kredenz  vollzog, 
war  das  System  des  Überbauschrankes  im  kleinen  in  Süddeutschland  und  vor  allem 
in  Tirol  bei  den  Waschkasten  vertreten.  Aus  Tirol  sind  uns  eine  ganze  Zahl  von 
noch  im  gotischen  Stil  dekorierten  Waschkasten,  die  allerdings  in  das  16.  Jahr- 
hundert gehören,  erhalten.  Auch  das  Germanische  Museum  besitzt  in  dem  Zimmer 
aus  Deutschnofen  ein  gutes,  charakteristisches  Exemplar;  der  Aufbau  ist  immer 
der  gleiche.  Als  Untergeschoß  in  Tischhöhe  ein  schmales  eintüriges  Schränkchen, 
dessen  Türe  zwei  Maßwerkfüllungen  zieren,  während  die  umrahmenden  Leisten 
außerhalb  der  Türe  mit  ausgestochenem  Ornament  bedeckt  sind.  Der  durchgeführte 
Seitenteil  ist  ausgesäi^t  und  bildet  so  die  Nische  für  Waschgefäß  und  Wasserblase 


Abb.  13.    Waschkasten  aus  Südtirol;  frühes  16.  Jahrh. 


Als  Überbauteil  folgt  dann  ein  weiteres  niedrigeres  Schrankfach  in  5:leicher  Weise 
behandelt,  wie  das  untere  und  als  Abschluß  des  ganzen  der  zinnengekrönte  Aufsatz 
mit  ausgestochenem  Ornament  (Abb.  13,  H.  214,  Br.  55,5,  T.  33  cm). 

Ein  oberdeutsches,  vermutlich  nürnbergisches  Waschkästchen  der  Mitte  des 
17.  Jahrhunderts  stellt  sich  als  ganz  origineller  Toilettentisch  dar.  Der  Wasch- 
kasten bildet  einen  doppelgeschossigen  Schrank,  dessen  Unterteil  eintürig  ist.  Dem 
Absatz  zum  zweiten  Geschoß  kragt  sich  ein  halbrunder  Vorsprung  konsolartig  vor, 
der  noch  mit  einer  Ausziehplatte  versehen  ist;  darüber  etwas  zurückspringend  und 


44  DIE   HOLZMÖBEL  DES  GERMANISCHEN  MUSEUMS. 


von  zwei  Konsolpilastern  flankiert,  das  obere  reicher  verzierte  Schränkchen  —  jede 
Füllung  eine  Nischenarchitektur  mit  Säulen.  Öffnet  man  die  halbrunde  Türe 
des  verhältnismäßig  seichten  Schrankes,  so  ist  an  der  Rückseite  die  zinnerne  Wasser- 
blase angebracht.  Zieht  man  den  Deckel  über  dem  vorspringenden  Konsol  weg, 
so  wird  das  darunterliegende  zinnerne  Waschgefäß  frei.  An  den  Seiten  befinden 
sich  zwei  drehbare  eiserne  dreieckige  Haken  zum  Aufhängen  von  Toilettengegen- 
ständen oder  auch  Beleuchtungskörpern  (Abb.  14,  H.  176,  Br.  73,  T.  50  cm). 

Nicht  mehr  im  eigentlichen  Sinne  als  überbauter  Schrank  ist  ein  zweites  nürn- 
bergisches Waschkästchen  aus  der  ersten  Hälfte  des  17-  Jahrhunderts  zu  bezeichnen. 
Dasselbe  ist  dreigeschossig.  Im  Untergeschoß  bildet  es  ein  eintüriges  Schränkchen 
mit  einfacher  Einlegearbeit,  im  Mittelgeschoß  zwischen  zwei   Säulen  mit  Sockeln 


Abb.   14.    Waschkasten,  süddeutsch;  Anfang  des  17.  Jahrh. 

die  mit  Zinn  ausgekleidete  Nische  und  ein  halbrund  vorspringender  Teil  zur  Auf- 
nahme der  mit  der  Nische  unmittelbar  verbundenen  Waschschüssel.  Im  oberen 
Teil  ein  weiteres  eintüriges  Schränkchen  und  der  Schrankaufsatz  als  architektoni- 
sches Gebälk  gebildet ;  beide  mit  Intarsienornament  verziert  (H.  225,  Br.  75, 
T.  43  cm). 

Der  zunehmende  Luxus  und  Komfort  führt  im  16.,  besonders  aber  im  17-  Jahr- 
hundert das  Bedürfnis  herbei,   außer  den  bisherigen,   verhältnismäßig  einfachen 
Kastenmöbeln  auch  solche  zu  schaffen,  wo  getrennt  von  größeren  Stücken  des  Haus- 


se 


VON   HANS  STEGMANN.  45 


rates,  wie  insbesondere  von  Kleidern  und  der  Wäsche,  kleinere  wertvollere  Gegen- 
stände ihre  Aufbewahrun.t^"  finden  konnten.  Bis  ins  16.  Jahrhundert  hatte  die  im 
späteren  Mittelalter  besonders  beliebte  Kassette  diesem  Zwecke  genügt.  Die 
wesentliche  Vermehrung  des  Hausrates  brachte  das  Bedürfnis,  auch  nach  einer  Ver- 
mehrung der  Behälter.  Bei  den  Schränken  äußert  sich  das,  wie  wir  gesehen  haben, 
in  der  häufigen  Anbringung  von  Schubladen  und  Schubladengeschossen.  Eine 
wesentlich  gesteigerte  Mehrzahl  von  Kassetten  im  einzelnen  Haushalt  würde  natür- 
lich sehr  unübersichtlich  gewesen  sein,  und  so  entstand  aus  der  Zusammenlegung 
vieler  kleiner  Behälter  eine  Schrankkomposition,  die  man  mit  dem  Namen  Kabinett- 
schrank bezeichnet. 

Der  Kabinettschrank  ist,  wie  die  Mehrzahl  der  deutschen  Möbeltypen,  eine 
italienische  Erfindung,  die  ihre  besonders  mannigfaltige  Ausbildung  zunächst  außer 
in  Italien,  in  Spanien  und  Frankreich  fand.  Zwei  Hauptarten  des  Kabinetts  sind 
zu  unterscheiden:  diejenige,  wo  das  Kabinett  als  Miniaturschrank  nicht  auf  dem 
Boden  aufruht,  sondern  beweglich  auf  einer  beliebigen  Unterlage,  also  zunächst 
auf  dem  Tisch,  aufgestellt  werden  kann;  die  andere,  wo  der  Untersatz,  also  der 
tragende  Teil,  mit  dem  oberen  Behälter,  der  naturgemäß  stets  in  Handhöhe  auf- 
gestellt werden  mußte,  organisch  verbunden  ist.  Beide  Arten  scheinen  gleichzeitig 
in  Aufnahme  gekommen  zu  sein.  In  Deutschland  haben  die  kleinen  Kabinett- 
schränkchen  ohne  dazu  gehörigen  Untersatz  offenbar  die  Vorherrschaft  gehabt. 
Wie  bei  derartigen  kleinen  Luxusmöbeln  leicht  begreiflich,  ist  die  Ausgestaltung 
eine  sehr  mannigfache,  oft  prunkvolle.  Das  älteste  deutsche  Kabinett,  das  das 
Germanische  Museum  besitzt,  ist  eine  überaus  kostbare  Arbeit  (Abb.  15  a  u.  b, 
H.  51,  Br.  64.  T.  34,5  cm).  Es  stellt  einen  rechteckigen  Kasten  dar,  der  in  ge- 
schlossenem Zustand  Kastenform  hat.  Die  obere  wie  die  vordere  Wand  sind  auf- 
klappbar, so  daß  oben  mit  auch  ähnlicher  Anordnung  eine  Art  flache  Truhe 
entsteht,  während  an  der  Vorderseite,  wobei  der  Deckel  als  Schreibplatte  eventuell 
verwendet  werden  kann,  sich  der  eigentliche  Kabinettschrank  öffnet.  Die  äußeren 
Flächen  und  die  inneren  der  beiden  Deckel,  sowie  der  Boden  des  Obergefaches 
sind  mit  reichster,  sehr  kunstvoller  Einlegearbeit  in  bunten  Hölzern  geschmückt, 
in  Nachbildung  italienischer  Architekturintarsien.  Die  Vorder-  und  Seitenflächen 
zeigen  sehr  komplizierte  romanische  Ruinen,  andererseits  weisen  das  Rollwerk  und 
Pflanzenornament  mit  einiger  Sicherheit  auf  süddeutschen  Ursprung  hin.  Die 
Einteilung  des  eigentlichen  Schränkchens  bildet  eine  Palastfassade  im  Stil  der 
Hochrenaissance.  Am  unteren  Geschoß  dieses  Schränkchens  erfolgt  die  Gliederung 
durch  vier  Systeme  von  kannelierten  Doppelsäulen  mit  einer  großen  Bogenöffnung 
in  der  Mitte,  darüber  der  unteren  Anordnung  entsprechend  eine  Attika  mit  Karyatiden 
und  Hermen.  Zwischen  den  Architekturgliedern  eingeordnet  sind  neun  kleine  Schub- 
laden, in  der  Mitte,  in  dem  Bogenportal  eine  größere  und  drei  kleine  schmale  in 
dem  Gebälk  zwischen  Untergeschoß  und  Attika.  Die  Fassade  sowie  die  Füllungen 
der  Schubladen  Vorderteile  sind  in  Buchsbaumholz  geschnitzt,  in  dem  großen  Bogen 
ist  die  Kreuzigung  mit  gemaltem  Hintergrund  dargestellt.  Die  neun  großen  Schub- 
ladenschauseiten zeigen  in  sehr  minutiöser  und  feiner  Ausführung,  die  sich  an  den 
Plakettenstil  der  zweiten  Hälfte  des  16.  Jahrhunderts  anlehnt,  Szenen  der  heiligen 
Geschichte.    Das  Stück  dürfte  kurz  vor  1600  entstanden  sein. 


46 


DIE   HOLZMÖBEL  DES  GERMANISCHEN  MUSEUMS. 


Ungefähr  derselben  Zeit  gehört  ein  anderer  Kabinettschrank  an,  der  die  üb- 
Hche  Schrankform  im  wesentUchen  beibehält.  Der  in  geschlossenem  Zustande  recht- 
eckige Kasten  wird  vorne  durch  eine  Doppeltür  geschlossen.  Die  Kanten  des  Kastens 
sind  überall  mit  einem  kräftigen  Astragal  verziert.  Im  Innern  finden  sich  fünf 
Schubladengeschosse  mit  acht  einfachen  Schubladen  vor.  An  den  Außentüren  sind 
in  etwas  barocken  Architekturnischen  zwei  weibliche  Figuren  in  Hochrelief  geschnitzt, 
Europa  und  Afrika.  Über  den  Architekturnischen  befinden  sich  zwei  Wappen, 
in  dessen  einem  ein  griechisches  Kreuz  und  das  Entstehungsjahr  1589  sich  vorfindet 
(H.  54,  Br.  57,  T.  25  cm). 

Der  ersten  Hälfte  des  17.  Jahrhunderts  gehört  ein  sehr  reich  intarsiierter 
Kabinettschrank  an,  der  nach  der  Art  seiner  Verzierung  ziemlich  sicher  in  der 
Schweiz  entstanden  sein  dürfte.     Geschlossen  stellt  derselbe  einen  schlichten  recht- 


Abb.  15  a.    Oberdeutsches  Kabinett;;  Ende  des  16.  Jahrb. 

eckigen  Kasten  vor,  dessen  Vorderseite  sich  zweitürig  öffnet.  Die  äußeren  Flächen 
sind  durch  Rahmenwerk  mit  reicher  Einlage  in  bunten  Hölzern  geziert.  Die  Mitte 
der  Türfüllungen  nehmen  Blütenzweige  mit  Vögeln  ein,  die  Innenseiten  der  Türen 
dagegen  nicht  sehr  verständnisvoll  gezeichnete  Ruinenarchitekturen.  Das  Schrank- 
werk besteht  aus  fünf  horizontalen  Abteilungen  mit  17  Gefachen,  einem  doppel- 
türigen Schränkchen  in  der  Mitte.  Die  das  Mittelgefach  umgebenden  rechteckigen 
Schubladen  nehmen  je  die  Hälfte  des  Raumes  eines  quadratischen  Flügels  ein 
(H.  58,  Br.  92,   T.  38  cm). 

Aus  dem  Rahmen  des  Germanischen  Museums  fallen  zwei  große  Prunkschränke 
in  Kabinettform  einigermaßen  heraus,  die  von  der  fürstlich  Sulkowskischen  Samm- 
lung übernommen  wurden.    Material  und  Ausführung  lassen  leicht  erkennen,  daß 


VON   HANS  STEGMANN. 


47 


wir  es  hier  mit  oberitalienischen  Arbeiten  zu  tun  haben.  Die  beiden  Schränke  sind 
völlig"  gleich  und  dürften  aus  der  Lombardei  oder  Ligurien  herstammen.  Auf  einem 
bankartigen  verkröpften  Unterteil  ruht  das  eigentliche  Kabinett  auf  sechs  Messing- 
kugelfüßen auf.  Die  Anordnung  ist  hier  wie  bei  allen  derartigen  Prunkschränken 
eine  architektonische.  Über  dem  fünfgliederigen  Sockel  erhebt  sich  die  dreiteilige 
Fassade,  deren  Mittelbau  von  einer  doppelten  Säulenstellung  umrahmt  ist,  während 
an  den  Seiten  die  eine  Säule  den  Abschluß  bildet.      Die  Säulen    mit  vergoldeter 


Abb    15  b.     Kabinett  15  a  geöffnet. 


Bronze  sind  aus  rot-  und  weißgeflecktem  Marmor,  sie  ruhen  auf  hohen  Konsolsockeln. 
Zwischen  den  Säulenpaaren  ist  je  eine  Nische  mit  einer  vollrund  geschnitzten  Figur 
angebracht.  Ein  mittleres  großes  Gefach  wird  von  Schubladen  in  verschiedener 
Größe  umgeben,  die  sich  übrigens  nicht  nach  den  einzelnen  Fassadengliedern  richten. 
An  der  Seite  sind  je  vier  Schubladen  eingelassen,  über  das  untere  Geschoß,  das 
seitlich  von  geschweiften  Ohren  eingefaßt  wird,  baut  sich  ein  zweites  niedriges  auf, 


48  DIE   HOLZMÖBEL  DES  GERMANISCHEN  MUSEUMS. 


das  in  der  Mitte  giebelartig  noch  von  einem  dritten  bekrönt  wird.  In  kleineren 
Verhältnissen  wird  auch  hier  die  Gliederung  durch  ähnliche  Säulen  in  hellrotem 
Marmor  bewirkt.  Die  Flächen  sind  mit  gefrästen  Leisten  und  Kartuschenwerk  ein- 
gefaßt, sämtliche  Holzteile  in  schwarz  poliertem  Holz  gehalten.  Die  Füllungen 
werden  durch  sehr  geschickt  eine  Landschaft  vortäuschende  Stücke  von  Breccien- 
marnior  gebildet,  die  feinen  Beschläge  sind  in  vergoldeter  Bronze  ausgeführt.  Bei 
dem  großen  Kästchen  ist  um  die  Füllung  noch  eine  Umrahmung  von  Pietradura- 
arbeit  herumgelegt.  Die  Schränke  dürften  etwa  in  der  Mitte  des  17.  Jahrhunderts 
entstanden  sein  (Abb.  16,  H.265,  Br.  156.5,  T.  66  cm;  H.  251,  Br.  155,  T.  66  cm). 

Die  Gruppe  der  Aufsatz-  und  Kabinettschränke  des  18.  Jahrhunderts  ist  durch 
sehr  verschiedenartige  Schranktypen  im  Germanischen  Museum  vertreten.  Das  reichste 
und  wertvollste  Exemplar  ist  ein  in  der  sogenannten  Vernis-Martin-Manier  durch- 
geführter Rokokoschrank.  Wie  die  Abbildung  (Abb  .17,  H  .225,Br.l27,T.58  cm)  ergibt, 
erhebt  sich  über  einem  mit  geschweifter  und  ornamentaler  Schnitzerei  und  zarten  Füßen 
versehenen  Untersatz  zunächst  ein  Geschoß  mit  zwei  starkgeschweiften  Kommodeschub- 
laden. Auf  diesenruht  der  Aufsatzschrankebenfalls  geschweift  undimGrundriß  demjenigen 
der  Kommode  folgend.  Der  Schrank  selbst  hat  wieder  einen  giebelartigen  geschweiften 
und  gebrochenen  oberen  Aufsatz.  Die  Dekoration  ist  bei  den  konstruktiven  und 
umrahmenden  Teilen  in  feiner  Flachschnitzerei,  die  vergoldet  ist,  auf  dunkelmar- 
morierten Grund  ausgeführt.  Auf  der  Schauseite  der  beiden  Kommodeschubladen 
und  an  den  Seitenteilen  des  Aufsatzschrankes  sind  in  Relief  und  in  Lackarbeit  (eigent- 
lich stukkierter  Lack)  Chinoiserien  zur  Darstellung  gebracht,  während  die  Mittel- 
füllung der  Türe  mit  gemaltem  Hintergrund  den  Fuchs  im  Hühnerhof  darstellt.  Die 
Dekoration  im  Charakter  des  spätesten  Barocks  ist  fast  überreich,  das  ganze  aber 
doch  trotz  seines  etwas  heruntergekommenen  Zustandes  ein  hervorragendes,  jeden- 
falls französisches  Stück  der  Zeit. 

Echt  deutsch  dagegen  ist  ein  kleiner  aus  Nürnberg  stammender  Aufsatzschrank, 
der  ebenfalls  auf  einem  Aufsatz  mit  starkgeschweiften  Füßen  ruht,  und  dessen  doppel- 
türiger Schrankteil  in  einem  gebrochenen  Giebel  abschließt.  Hier  ist  zur  Dekoration 
einein  Südeutschland  sehr  beliebte  Zier  des  18.  Jahrhunderts  wieder  verwendet:  näm- 
lich auf  dem  weißen  lackierten  Grund  ist  eine  Unzahl  von  kleinen  ausgeschnittenen 
und  kolorierten  Kupferstichen  aufgeklebt,  und  das  ganze  dann  mit  einem  gleich- 
mäßigen Firnis  überzogen   (H.  169,   Br.  76,   T.  40  cm). 

Der  Gattung  der  Schreibtische  nahe  verwandt  ist  ein  großer  Rokokoaufsatz- 
schrank,  ganz  in  schwarz  poliertem  Holz,  aus  dem  späteren  18.  Jahrhundert,  der  nach 
dem,  den  ganzen  Schrank  bekrönenden  Wappen  aus  dem  Besitz  der  Nürnberger 
Familie  von  Hörmann  zu  Guttenberg  stammt.  Den  Unterteil  bildet  eine  sehr 
hübsch  gegliederte  zweigeschossige  Kommode  auf  hohen  Füßen.  Auf  schweren 
Sockelfüßen,  die  eine  Nische  für  den  Schreibgebrauch  bilden,  erhebt  sich  dann  der 
zweitürige  Aufsatzschrank  mit  Giebel.  Die  kräftige  und  doch  originelle  Zeichnung 
des  ganzen  Möbels  wird  durch  die  originelle  Farbenwirkung  des  schwarzen  Holzes 
mit  vergoldetem  Beschlag  noch  wesentlich  gehoben  (H.  25  5,  Br.  145,  T.  73  cm). 

Als  Kuriosität  unter  den  Kastenmöbeln  des  Museums  mag  auch  eine  Kostüm- 
puppe nicht  unerwähnt  bleiben,  die  in  Lebensgröße  eine  weibliche  Figur,  etwa  in  der 
Tracht  der  Mitte  des  18.  Jahrhunderts  darstellt,  und  auch  mit  Häubchen,  Brokat- 


1 


Abb.  16.     Italienischer  Prunkschrank;  17.  Jahrh. 


Abb.  17.    Aufsatzschrank  in  „Vernis-Martin" ;  18.  Jahrh. 


DIE   HOLZMÖBEL  DES  GERMANISCHEN  MUSEUMS.       VON   HANS  STEGMANN. 


51 


kleid  und  Spitzenüberwurf  in  Natur  gekleidet  ist.  Das  Unterkleid  der  Figur  vom 
Mieder  bis  zum  Rockrand  ist  aus  lauter  kleinen  Schubladen  gebildet.  Als  besonders 
scherzhaft  darf  wohl  die  Einfügung  eines  Spinetts  in  einer  der  mittleren  Schubladen 
aufgefaßt  werden   (Abb.  18,  H.  I67,  Br.  84,  T.  55  cm). 

Den  Kabinettschränken  mag  noch  ein  aus  dieser  Art  M(')bel  hervorgegangenes 
Stück  in  einem  allerdings  nicht  sehr  bedeutenden   Exemplar  in  der  Besprechung 


Abb.   18.     Kostümfigur  als  Schrank;  nürnbergisch  aus  der  Mitte  des  18.  Jahrh. 


angefügt  werden,  nämlich  ein  kleiner  Münzschrank  in  schwarzpoliertem  Holz  aus 
dem  18.  Jahrhundert.  Auf  einem  tischartigen  Untergestell  mit  vier  geschweiften 
Beinen  erhebt  sich  das  verhältnismäßig  einfache  doppeltürige  Schränkchen  mit 
rechteckigen  gekehlten  Füllungen.  Das  Innere  ist  mit  zweiunddreißig  Münzenschub- 
laden ausgefüllt    (H.  95,  Br.  70,  T.  41  cm). 

Von  den  letztgenannten  Aufsatzschränken  ist  der  Schritt  zu  den  eigentlichen 
Schreibtischen  nur  noch  ein  geringer.    Die  Art  der  Schreibtische,  die  als  besonderes 

4* 


52  DIE   HOLZMÖBEL  DES  GERMANISCHEN  MUSEUMS. 


Möbel  vor  dem  späteren  17.  Jahrlumdert  nicht  vorzukommen  scheinen,  ergibt  sich 
aus  der  bereits  erwähnten  Form.  Die  im  Mittelalter  und  den  früheren  Epochen 
der  Renaissance  üblich  gewesenen  sogenannten  Zahltische  wurden  mit  der  Zeit 
durch  mancherlei  Vorrichtungen  in  den  Kästen  unter  der  Platte  und  durch  feste 
oder  bewegliche  kleinere  Aufsätze  über  der  Platte  für  die  speziellen  Zwecke  besonders 
tauglich  gemacht.  Andererseits  tritt  als  weiteres  Element  der  im  vorhergehenden 
bereits  erwähnte  Kabinettschrank  auf,  der  in  seiner  vollendeten  Form  als  Untei- 
und  Oberteil  ja  auch  schon  eine  Kombination  von  Tisch  und  Schrank  darstellt.  Wird 
an  einem  Kabinettschrank  mit  verhältnismäßig  hohem  Untersatz  die  gemeinsame 
Verschlußplatte  der  Schrankfächer  so  befestigt,  daß  sie  horizontal  heruntergeklappt 
werden  kann,  so  entsteht  der  Schreibsekretär.  Vorausgenommen  war  diese  Form 
ja  schon  in  den  dreigeschossigen  niederdeutschen  Schränken,  die  ebenfalls  eine  Kom- 
bination von  Wandschrank  und  Zahltisch  durch  die  mittlere  herausklappbare  Tür 
angestrebt  hatten.  Die  Zahl  der  Kombinationen,  die  sich  im  Laufe  des  18.  Jahrhunderts 
aus  dem  oben  angeführten  Elementen  ergeben  hat,  ist  eine  außerordentlich  große. 
Das  18.  Jahrhundert  war  ja  in  der  Erfindung  neuer  Möbelkombinationen  in  allen 
Ländern  außerordentlich  fruchtbar.  Eine  Reihe  von  Typen  die  teils  als  Schreib- 
tische im  eigentlichen  Sinne  anzusehen  sind,  teils  sich  als  sogenannte  Schreibsekre- 
täre charakterisieren,  befindet  sich  auch  im  Germanischen  Museum.  Es  sei  hier 
bemerkt,  daß  als  Schreibsekretäre  diejenigen  Schreibtische  bezeichnet  werden,  die 
ein  geschlossenes  Untergestell  in  Schrank-  oder  Kommodenform  besitzen.  Ein  charak- 
teristisches Beispiel,  das  außerdem  den  Vorzug  einer  höchst  originellen  Dekoration 
besitzt,  ist  ein  Schreibschrank  mit  dreigeschossigem  Kommodenuntersatz;  darüber 
erhebt  sich  ein  Zwischengeschoß  von  halber  Breite  mit  je  zwei  seitlichen  kleinen 
Schubladen  und  einer  mittleren  offenen  Nische.  Der  pultartig  vor  diesem  Teil  ge- 
legte Deckel,  bildet  mit  der  anderen  Hälfte  der  Platte  des  Untersatzes  den  Schreib- 
tisch. Der  Oberteil  besteht  aus  einem  doppeltürigen  Schrank  mit  zehn  gleichen 
Schubladen  in  fünf  Geschossen.  Die  schreinerische  Gliederung  des  Schrankes  ist  ohne 
Bedeutung,  die  sämtlichen  Flächen  sind  aber  in  äußerst  geschickter  Weise  mit  feiner 
Lackmalerei  in  der  Nachbildung  von  Marketeriearbeit  versehen.  Die  beiden  auf  den 
äußeren  Türen  angebrachten  verschlungenen  Monogramme  mit  Fürstenkrone  darüber 
beweisen,  daß  das  Stück  aus  fürstlichem  Besitze  stammt.  Die  Herstellung  dürfte 
in  der  zweiten  Hälfte  des  18.  Jahrhunderts  stattgefunden  haben  (H.  193,  Bi'-  HO. 
T.  72  cm). 

Die  süddeutsche  Schreibtischform,  wie  sie  in  höfischen  Kreisen,  besonders 
auch  in  den  österreichischen  Kronländern  beliebt  war,  gibt  ein  sehr  schöner  ge- 
schmackvoller Schreibtisch  aus  dem  Besitz  der  gräflichen  Familie  Törring  wieder. 
(Abb.  19,  H.  216  Br.  172,  T.  86  cm).  Derselbe  ist  in  Marketeriearbeit  ausgeführt, 
ruht  auf  acht  Pilasterfüßen  mit  Brett  und  Kugelgestell  und  hat  eine  auf  den 
Boden  herabgehende  Rückwand.  Das  Untergestell  bildet  ein  Tisch  mit  drei  Schub- 
laden, der  ungefähr  der  Form  unserer  heutigen  Diplomatentische  entspricht.  Darauf 
baut  sich  der  eigentliche  Schreibtischaufsatz,  und  in  ihm  befinden  sich  übereinander  K 

fünf  Schrank-  resp.  Schubladenfächer.    Das  Hauptfach  bildet  den  Zugang  zu  acht  ^ 

inneren  Geheimfächern,  die  hinter  schmalen,  als    Architekturnischen    gegliederten 
Seitenteilen  liegen.    Die  gesamte  Schauseite,  deren  eben  berührter  Mittelteil  zurück- 


VON  HANS  STEGMANN. 


53 


springt,  wird  durcli  schlanke  Kompositsäulen  gegliedert.  In  den  geschweiften 
Seitenteilen  befinden  sich  übereinander  je  sieben  verschiedene  Schubfächer.  Über 
der  Tischplatte  springen  seitlich  noch  zwei  Teile  heraus,  die  wiederum  Schubfächer 
enthalten,  dazwischen  ein  schräganstehender  Pultdeckel,  der  geöffnet  die  Schreib- 
platte bildet,  während  unter  dem  Schrankaufsatz  eine  offene  Nische  mit  je  zwei 
seitlichen  Innenfächern  sich  vorfindet.  Die  Dekoration  ist  in  den  Architekturteilen 
zum  Teil  geschnitzt,  die  Flächen  sind  in  einfacher  aber  geschmackvoller  Zeichnung 
marketiert. 


Abb.  19.     Schreibtisch,  bayerisch;  I.  Hälfte  des  18.  Jahrh. 

Angeblich  aus  dem  Kloster  Mersburg  bei  Villingen  stammt  ein  weiterer 
Schreibtisch  des  18.  Jahrhunderts.  Der  Tisch  ruht  auf  einem  Untergestell  mit 
gedrehten  Füßen,  die  durch  sich  überschneidende  geschweifte  Bretter  verbunden 
sind.     Dieselben  sind  heute  in  schwarz  mit  Vergoldung  gehalten,  wahrscheinlich 


54  DIE   HOLZMÖBEL  DES  GERMANISCHEN  MUSEUMS. 


in  späterer  Überarbeitung.  Auf  diesem  Gestell  ruht  zunächst  ein  Schubladenge- 
schoß, das  in  geschlossenem  Zustand  die  Platte  wie  bei  einem  gewöhnlichen  Tische 
erscheinen  läßt.  Der  Mittelteil  der  vorderen  Zarge  klappt  sich  nach  vorne,  der  Mittel- 
teil des  Deckels  in  zwei  Türen  seitlich  auf,  sodaß  eine  Schreibplatte  entsteht.  Innen 
sind  zwei  hintere  und  zwei  kleine  seitliche  Schubladen  vorhanden.  Der  hintere 
Schrankaufsatz  setzt  sich  aus  einem  über  der  Tischplatte  aufstehenden  Sockelge- 
schoß mit  sechs  niedrigen  Schubladen  zusammen;  darüber  ein  dreiteiliger  Schrank- 
aufsatz mit  schräg  zurückspringendem  Seitenteil.  Der  Mittelteil  ist  als  Schrank  mit 
einer  inneren  Schublade  gebildet,  seitlich  sind  noch  je  vier  Schubladen  angebracht. 
Der  obere  Teil  des  in  seinem  Aufbau  ziemlich  schlichten  Schrankes  ist  mit  reichen 
geometrischen  Intarsien  von  bunten  Hölzern  geschmückt,  von  denen  die  hübsch 
vergoldeten  Bronzebeschläge  sich  wirksam  abheben  (H.  146,  Br.  II3,  T.  85  cm). 

Das  wertvollste   Exemplar  der  im  Museum  vorhandenen   Schreibtische,  zu- 
gleich mit  das  prunkvollste  Möbel,  über  welches  es  verfügt,  ist  ein  Prunkschreibtisch 
in  sogenannter  Boullearbeit,  der  zu  einer  früher  im  Schloß  zu  Schieissheim  befindlichen 
Möbelausstattung  gehört,  von  der  eine  größere  Anzahl  von  Stücken  sich  seit  langem 
im  Bayerischen  Nationalmuseum  zu  München  befindet.    Der  Schreibtisch,  das  schönste 
und  reichste  Stück  der  ganzen  Folge  wurde  anfangs  1908  im  Münchener  Kunsthandel 
erworben  und  dürfte  wahrscheinlich  zu  der  Originalausstattung  des  Schleissheimer 
Schlosses  gehören,  wie  sie  durch  Kurfürst  Max  Emanuel  im  zweiten  und  dritten 
Jahrzehnt  des  18.  Jahrhunderts  geschaffen  wurde.     Die  ungemein  glänzende  und 
formensichere  Dekoration  dieses  kostbaren  Möbels  läßt  der  Vermutung  Raum,  daß 
das  betreffende  Möbel  von  einem  französischen  oder  flandrischen  Künstler  gezeichnet, 
aber  in  München  ausgeführt  worden  ist.     Darauf  weist  einerseits  die  Technik  der 
sämtliche    sichtbare    Flächen    des    Möbels    überziehenden    Boullearbeit    hin;    ins- 
besondere aber  der  Umstand,  daß  an  Stelle  der  im  Heimatland  dieser  Technik  als 
Gliederung  stets  verwendeten  vergoldeten  Bronzeleisten  und  sonstigen  Dekorations- 
glieder durchweg  vergoldetes  Holz  getreten  ist.    Der  Aufbau  des  Schrankes  ist  der 
folgende.  Auf  einem  von  vier  S-förmig  geschweiften,  oben  in  Löwenköpfe  auslaufenden 
Füßen  getragenen  und  unten  durch  nach  einwärts  geschweifte   Querbretter  verbun- 
denen Untersatz  ruht  der  eigentliche  Aufbau.    Zwischen  die  Stützen  ist  ein  unteres 
dreiteiliges  Kastengeschoß    mit  breiter,  nach   außen  geschweifter  Türöffnung  ein- 
gebaut.   Das  in  feinen  Umrißlinien  folgende  Tischgeschoß  enthält  ein  flaches  Pult, 
das  zur  Verwendung  als  Schreibplatte  in  der  üblichen  Weise  aufgeklappt  wird;  das 
darunter  liegende  geschweifte  Kastengeschoß  hat  drei  Schubladen.    Über  und  hinter 
dem  Pult  erhebt  sich  der  fünfgliedrige  Aufsatz,  dessen  Mittelteil  als  Schrank  gebildet 
ist   und  als  obere  Bekrönung  noch  einen  kuppelartigen  Aufsatz  trägt;  dessen  Spitze 
ziert  ein  sitzender  Löwe  mit  dem  Pfalz- Bayerischen  Wappen.    Die  Mittelpartie  wird 
von  zwei  schmalen  Seitenteilen  flankiert,  in  denen  sich  je  fünf  kleine  Schubladen 
befinden.  Zwei  nach  außen  vortretende  niedrigere,  aber  breitere,  geschweifte  und  ge- 
brochene  Abteilungen   mit   dreizehn   Schubladen   bilden   den  seitlichen   Abschluß. 
Die  Einlegearbeit  ist  in  der  Hauptsache  in  Silber  auf  Schildpatt  ausgeführt.     Da- 
zwischen kommt  sparsame  Verwendung  von  Messing  und  Perlmutter  vor.    Die  mittlere 
Türe  ziert  als  reich  ausgestattetes  Feld  in  einer  barocken  Laubenarchitektur  unter  einem 
Thronhimmel  eine  allegorische  weibliche  Figur  mit  Palme  in  der  rechten  und  einem 


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VON   HANS  STEGMANN. 


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Schild  mit  dem  Namenszug  Max  Emanuels  in  der  linken  Hand.  Von  dieser  Tür- 
füllung ist  insbesondere  der  Pultdeckel  sehr  reich  ausgestattet,  der  auch  Malachit 
als  Einlagematerial  aufweist.  Hier  bildet  den  Mittelpunkt  der  Darstellung  eine 
von  Nymphen  flankierte  Diana.  Die  übrigen  eingelegten  Flächen  sind  im  wesent- 
lichen rein  ornamental  gehalten.  Der  Entwurf  des  Ornaments  gehört  wohl  zum 
besten,  was  in  und  für  Deutschland  in  der  Spätbarockzeit  geschaffen  worden  ist.  Trotz 
einer  gewissen  Schwere  der  Formen,  trotz  der  scheinbaren  Überfülle  der  eingelegten 
Dekoration,  gehört  gerade  dieser  Schreibtisch  wohl  zum  Glänzendsten,  was  die  deutsche 
Möbelkunst  des  18.  Jahrhunderts  hervorgebracht  hat(Taf.  XIV,  H.205,  Br.l32,T.84cm). 

Eine  Zwischenstufe  zwischen  den  bedeutendsten  beiden  Spielarten  der  Kasten- 
möbel, den  Truhen  und  Schränken,  bilden  die  sogenannten  Kommoden.  Die  Ver- 
bindung von  flachen  Schubladen,  die  eine  leichtere  Herausnahme  von  Gegenständen 
ermöglicht,  als  dies  bei  der  Aufstapelung  in  Truhen  oder  Schränken  tunlich  war, 
hat  schon  im  Mittelalter  zu  zahlreicher  Verwendung  von  Schubladen  an  und  in  den 
Truhen  und  Schränken  geführt.  Die  spätere  Renaissance  insbesondere  hat,  wie  wir 
gesehen  haben,  häufig  in  den  unteren  Schrankteilen  übereinanderstehend  eine  An- 
zahl von  Schubladen.  Mit  dem  Verschwinden  der  dem  höheren  Komfort  wenig 
entsprechenden  Truhen  als  Möbel  der  vornehmen  Kreise,  wurde  und  zwar  zunächst 
von  Frankreich  ausgehend,  der  Schubladenunterteil  als  selbständiges  Stück  behandelt, 
und  der  französische,  gebräuchliche  Name  Kommode  (das  ist:  bequem)  gibt  zugleich 
die  Erklärung  für  sein  Entstehen. 

Konstruktiv  ist  die  Kommode  sich  immer  gleich;  sie  besteht  aus  einem  Schrank, 
der  aus  Bequemlichkeitsrücksichten  stets  nur  bis  zu  gewisser  Höhe,  in  der  Regel 
Tischhöhe,  emporgeführt  wird,  und  dessen  Vorderseite  von  oben  bis  unten  in  eine 
Mehrzahl  größerer  Schubladen  aufgelöst  ist.  Die  Kommode  in  ihrer  eigentlichen 
Ausbildung  ist  ein  Erzeugnis  des  Rokoko,  und  infolgedessen  ist  die  überwiegende 
Mehrzahl  aller  Konmioden  in  ihrem  Vorderteil  geschweift,  welche  Form  zugleich 
für  die  Anbringung  von  Griffen  und  Handhaben  eine  bequeme  Lösung  ermöglicht. 
Die  Mehrzahl  der  deutschen  Kommoden  ist  in  der  Zeit  entstanden,  als  in  Süddeutsch- 
land, das  unter  stärkerem  französischen  Einfluß  stand  als  Norddeutschland,  die 
Marketeriemöbel  die  Vorherrschaft  besaßen,  in  der  zweiten  Hälfte  des  18.  Jahr- 
hund«?rts.  Außer  der  in  verschiedenen  Hölzern  eingelegten  Fournierung  ist  deshalb  die 
Verzierung  mit  reichen  Bronzebeschlägen  oder  aber  mit  Metalleinlagen,  eine  verhält- 
nismäßig häufige. 

Von  den  ziemlich  zahlreichen  Marketeriekommoden  des  Germanischen  Museums 
mögen  nur  die  wichtigeren  etwas  eingehend  behandelt  werden.  Die  schönste  und 
größte  derselben  ist  eine  schrankartige  Kommode  mit  sechs  Schubladen  und  starker 
Schweifung  der  Vorderseite,  die  aus  dem  oberbayerischen  Kloster  Indersdorf  stammen 
und  auch  dort  gearbeitet  worden  sein  soll.  Wahrscheinlich  dürfte  es  allerdings  sein, 
daß  einer  der  Münchener  Hofschreiner,  wenn  die  Ortsbestimmung  als  richtig  anzu- 
nehmen ist,  ihr  Verfertiger  ist.  Oberplatte  und  Seitenteile  zeigen  in  vielfach  ver- 
schlungenen geometrischen  Mustern  feinste  Marketeriearbeit.  An  den  Vorderseiten 
der  Schubladen  sind  je  drei  rechteckige  Füllungen  in  deutscher  Füllart,  Spätbarock, 
Kartuschen  in  Holz,  Messing  und  Zinn  von  ausgezeichnetem  Entwurf  und  vorzüglicher 


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DIE   HOLZMÖBEL  DES  GERMANISCHEN  MUSEUMS. 


Ausführung  eingelassen.    Die  Kommode  dürfte  nach  der  Behandlung  der  Füllungen 
etwa  um  1730—40  entstanden  sein   (Abb.  20,  H.  129,  Br.  128,  T.  69  cm). 

Wegen  der  Technik  mag  hier  gleich  eine  Aufsatzkommode  erwähnt  werden, 
die  über  einer  eigentlichen  Kommode  mit  drei  Schubladen  einen  mit  geschweiften 
Giebel  versehenen  Aufsatz  mit  vier  weiteren  Schubladengeschossen  enthält  und  außer- 
dem eine  Auszugplatte  zur  Verwendung  als  Schreibtisch.  Die  Kommode  zeigt  eine 
einfache  Marketeriearbeit,  in  den  Füllungen  aber  Zinneinlagen  im  Rokokostil, 
durchsetzt  von  Tierdarstellungen.  Die  aus  Mitteldeutschland  stammende  Aufsatz- 
kommode dürfte  etwa  dem  dritten  Viertel  des  18.  Jahrhunderts  entstammen 
(Abb.  21,  H.  164,  Br.  127,   T.  69  cm). 


Abb.  20.     Eingelegte  Kommode,  bayerisch;  Mitte  des  18.  jahrh. 


Eine  weitere  Kommode  von  stark  geschweiftem  Aufbau  ist  verhältnismäßig 
einfach  marketiert  mit  aneinandergereihten  Rauten.  Die  stark  geschweiften  Formen 
des  Aufbaues  weisen  auf  die  Nähe  französischer  Vorbilder  hin.  Sehr  hübsch  sind 
hier  die  Bronzebeschläge  an  den  Ecken,  Füßen,  Schloßblechen  und  Griffen  (H.  83, 
Br.  117,  T.  60  cm).  Unter  den  weiteren  Kommoden  stammen  zwei  reichmar- 
ketierte  und  zusammengehörige  aus  Würzburg.  Hier  zeigt  die  Einlegearbeit  neben 
ornamentalen  Teilungen  Genreszenen  im  Schäfergeschmack,  auf  der  Platte  und  den 
Vorderseiten  der  zwei  Schubladen  Kartuschenkompositionen,  außerordentlich  reich 
und  schön  gestaltet;   das  Untergestell   und  die  Füße  sind   außerdem  noch  mit 


VON   HANS  STEGMANN. 


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Schnitzerei  versehen.      Auch    hier    ist    das  Bronzebeschläg   von    erwähnenswerter 
Feinheit  (H.  86,  Br.  140,  T.  75  cm;    H.  85,   Br.  140,  T.  74  cm). 

In  das  Ende  des  18.  Jahrhunderts  führt  uns  eine  außerordenthch  reich  eingelegte 
Kommode  aus  den  letzten  Jahrzehnten  des  18.  Jahrhunderts,  die  aus  den  Rhein- 
landen in  den  Besitz  des  Museums  gekommen  ist.  Die  schweren,  schon  an  den  Empire- 
stil anklingenden,  aber  in  der  farbigen  Wirkung  sehr  gut  berechneten  klassizistischen 
Ornamente  und  figürlichen  Darstellungen  lassen  die  konstruktiv  als  Möbel  nicht 


Abb.  21.    Mitteldeutsche  Aufsatzkommode  mit  Zinneinlagen;  2.  Hälfte  des  18.  Jahrh. 

sehr  bedeutungsvolle  Kommode  als  ein  geradezu  hervorragendes  Werk  deutscher 
Schreinerkunst  erscheinen,  wenn  sie  nicht  etwa  französischer  Import  ist  (H.  91, 
Br.  118,  T.  59  cm). 

Die  jüngste  Kommode  des  Museums  gehört  der  Zeit  des  sogenannten  Restau- 
rationsstils an.  Dreigeschossig  mit  einfacher  gleichmäßiger  Fournitur  ist  sie  durch  zwei 
vor  die  beiden  Untergeschosse  gestellte  Sockelsäulen  mit  Metallbase  und  Kapitalen 


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DIE   HOLZMÖBEL  DES  GERMANISCHEN   MUSEUMS. 


gee:liedert,  während  im  übri|i;en  außer  den  schwarzen  Umrahmungshnien  die  üblichen 
gepreßten  Messingbeschläge  den  einzigen  Schmuck  bilden  (H.84,  Br.  II3,  T.  59  cm). 
Die  Kommode  hat  früh  auch  schon  in  Italien  und  dem  künstlerisch  damit  unzer- 
trennlich verbundenen  Südtirol  ihren   Einzug  gefeiert,  wie  ein  Ausstattungsstück 


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Abb    22.    Südtiroler  Kommode;  Anfang  des  18.  Jahrh. 

des  Südtiroler  Zimmers  des  Museums  beweist.  Die  betreffende  Kommode,  gerad- 
linig im  Grundriß,  mit  abgeschrägten  Ecken,  hat  vier  Schubladen  mit  feingeschnitzten 
Arabeskenfriesen.  An  den  Seiten  finden  sich  analoge  hochgestellte  rechteckige  Fül- 
lungen. Vor  den  abgeschrägten  Ecken,  die  pilasterartig  gebildet  sind,  je  eine  Engels- 
figur als  Hermenkaryatide   (Abb.  22.  H.  105,  Br.  I6I,  T.  66  cm). 


-DD- 


DER  AUGSBURGER  FORMSCHNEIDER 

HANS  SCHWARZENBERGER  UND  SEINE  MODELBÜCHER 

AUS  DEN  JAHREN  1534  UND  1535. 


VON  THEODOR  HAMPE. 


I. 

Den  Aiig:.sbur^er  Forinschneider  Hans  Schwarzenber^er  kennt  die  Kunstgeschichte 
bisher  fast  lediglich  aus  den  ziemlich  wortkarg  aufgezeichneten  Verhandlungen 
des  Nürnberger  Rats,  die  sich  im  Juni  des  Jahres  1535  u.  a.  mit  e;iner  gegen  den 
bekannten  Nürnberger  Formschneider  und  Briefmaler  Hans  Guldenmund  erstatteten 
Anzeige  befaßten  und  aus  der  daran  anschließenden  Korrespondenz  des  Rats  zu 
Nürnberg  mit  dem  zu  Augsburg M.  Es  war  nämlich  dem  Rat  glaubhaft  zu  Ohren 
gekommen,  daß  Guldenmund  vor  kurzem  „ain  gannz  schenndtlich  und  lesterlich 
püechlein,  darynnen  vyl  unzüchtiger  gemeel  von  unordenlicher  lieb",  also  ein  Erotikon 
schmutzigster  Art,  bei  sich  gehabt  und  vermutlich  in  Nürnberg  vertrieben  habe. 
Er  ließ  darauf  Guldenmund  vorfordern  und  vernehmen,  der  hierbei  aussagte,  daß 
er  allerdings  vor  einiger  Zeit  neun  Exemplare  des  betreffenden  Schriftchens  von  dem 
Formschneider  Hans  Schwarzenberger  zu  Augsburg  übersandt  erhalten  habe  mit 
dem  Ersuchen,  sie  mit  sich  nach  Frankfurt  zu  nehmen  und  dort  zu  verkaufen.  Nicht 
in  Frankfurt  jedoch,  obgleich  er  sie  dahin  mitgenommen  habe,  sondern  erst  später 
in  Leipzig  habe  er  sie  dann  in  der  Tat  sämtlich  abgesetzt.  Ein  Schwager,  Freund 
oder  Vetter  des  Schwarzenberger  in  Augsburg  besäße  übrigens  noch  die  für  die 
Abbildungen  zur  Verwendung  gekommenen  Formen,  d.  h.  also  wohl  die  betr. 
Holzstöcke. 

Auf  diese  Eröffnungen  hin  ward  zunächst  Guldenmund  in  Strafe  genommen, 
gleichzeitig  aber  ein  Schreiben  an  den  Augsburger  Rat  abgefertigt,  in  dem  der 
Sachverhalt,  wie  ich  ihn  eben  beschrieben  habe,  dargestellt  war  und  die  Bitte  aus- 
gesprochen wurde,  doch  auch  in  Augsburg  nach  jenem  unzüchtigen  Büchlein  fahnden 
zu  lassen  und  womöglich  dem  Rat  zu  Nürnberg  ein  Exemplar  davon  zu  übersenden, 

1)  Vgl.  meine  Ausgabe  der  auf  Kunst  und  Künstler  bezüglichen  „Nürnberger  Ratsverlässe" 
Bd.  I  (Quellenschriften  für  Kunstgeschichte  Bd.  XI)  Nr.  2111—13  u.  2119.  sowie  Baader. 
Beiträge  zur  Kunstgeschichte  Nürnbergs  II,  53.  Da  hier  nur  ein  kurzer  Auszug  aus  dem  in  dieser 
Sache  von  dem  Nürnberger  an  den  Augsburger  Rat  gerichteten  Schreiben  vom  18.  Juni  1535  ge- 
geben wird,  so  bringe  ich  im  „Anhang"  unter  Nr.  I  dieses  Schriftstück  nach  dem  Konzeptbuch 
des  Nürnberger  Rats.  Briefbuch  CXXII  im  Kgl.  Kreisarchiv  Nürnberg,  vollständig  zum  Abdruck. 


60  D.  AUGSB.   FORMSCHN.  HANS  SCHWARZENBERGER  U.  S.  MODELE.  A.  D.  J.  1534  U.  1535. 

„nit  darumb,  das  wir  dess  zu  sehen  begirig",  sondern  nur,  weil  man  sich  gern  aus 
eigener  Anschauung  darüber  schlüssig  werden  möchte,  ob  nicht  der  ungehorsame 
Bürger  Hans  Guldenmund  mit  einer  „stattlicheren"  Strafe,  als  ihm  bisher  zudiktiert 
worden,  zu  belegen  sei. 

Die  Antwort  auf  diesen  Brief,  die  in  den  ersten  Tagen  des  Juli  einlief,  scheint 
den  Erwartungen  des  Nürnberger  Rates  nur  wenig  entsprochen  zu  haben.  Sie  hat 
sich  nicht  erhalten;  wir  hören  nur  von  dem  Beschluß,  sie  auf  sich  beruhen  zu  lassen 
oder,  wie  wir  heute  sagen  würden,  ohne  weiteres  ad  acta  zu  schreiben,  und  damit 
mag  die  ganze  Sache  ihr  Bewenden  gehabt  haben.  Ein  Exemplar  der  inkriminierten 
Schrift  ist  wohl  keinesfalls  weder  dem  Augsburger  noch  dem  Nürnberger  Rat  mehr  zu 
Gesicht  gekommen  und  wird  sich  bis  in  unsere  Tage  überhaupt  kaum  erhalten  haben. 
Wenigstens  scheint  auch  Eduard  Fuchs,  einer  der  besten  Kenner  auf  diesem 
Gebiete,  von  der  Existenz  eines  solchen  nichts  zu  wissen:  in  dem  als  Privatdruck 
erschienenen  Ergänzungsband  „Renaissance"  zu  seiner  „Illustrierten  Sittengeschichte 
vom  Mittelalter  bis  zur  Gegenwart"^)  stellt  er  lediglich  den  Hergang  der  Guldenmund- 
Schwarzenbergerschen  Angelegenheit  kurz,  flüchtig  und  unrichtig  dar,  ohne  eine  An- 
sicht darüber  zu  äußern,  um  welches  Schriftchen  es  sich  in  dieser  Sache  etwa  gehandelt 
haben  könnte.  Übrigens  wäre  ja,  auch  wenn  es  uns  vorläge,  noch  nicht  einmal  aus- 
gemacht, wenn  freilich  auch  sehr  wahrscheinlich,  daß  wir  in  Hans  Schwarzenberger 
den  Künstler  sehen  müßten,  der  die  darin  enthaltenen  „unzüchtigen  genieel"  aus- 
geführt habe.  Ohne  Zweifel  würden  daneben  auch,  zumal  bei  dem  Hineinspielen 
eines  Verwandten  oder  Freundes  des  Schwarzenberger,  noch  andere  Möglichkeiten 
bestehen  bleiben. 

Einen  wesentlichen  Schritt  weiter  zur  Kenntnis  seiner  Art  und  Kunst  führen 
uns  dagegen  einige  Literaturnotizen  über  ein  „Formbüchlin"  aus  dem  Jahre  1534, 
die  ich  vorzugsweise  und  gewissermaßen  primär  in  französischen  Werken  gefunden 
habe,  wie  denn  auch  das  „Cabinet  des  Estampes"  der  Nationalbibliothek  zu  Paris  ein 
Exemplar  dieses  überaus  seltenen  Formbüchleins  bewahrt,  das  in  braunroter  Farbe 
gedruckt  ist  und  uns  seit  1882  sogar  in  einer  sorgfältigen  Veröffentlichung  in  für  jene 
Zeit  recht  guten,  die  Ornamentblätter  nur  etwas  zu  trocken  und  hart  wiedergebenden 
Lichtdrucken  vorliegt  ='). 

Merkwürdigerweise  findet  sich  in  diesem  Facsimiledruck  der  Name  des  Heraus- 
gebers, Verfassers  oder  Formschneiders  des  alten  Büchleins  nirgends  erwähnt.  Und 
doch  führt  ihn  Bury  Palliser,  die  aller  Wahrscheinlichkeit  nach  das  gleiche 
Exemplar  des  Originaldrucks  vor  Augen  hatte,  in  ihrer  Geschichte  der  Spitze  an, 
indem  sie  den  drei  ersten  Zeilen  des  in  Versen  gehaltenen  Textes  auf  dem  Titelblatte 
die  Angabe  hinzufügt -.„Gedruckt  in  Augspurg,  durch  Johan  Schartzemberger,  form- 
schneyder,  1534",  die  sich  in  dieser  Fassung  wie  der  Kolophon  des  alten  Formbüch- 
leins ausnimmt^).    In  einer  Fußnote  wird  dann  dieser  Zusatz  erklärender  Weise  ins 

2)  München,  Albert  Langen,  1909  S.  320. 

3)  Bd.  I  der  Sammlung  „Livres  ä  Dentelles  et  Dessins  d'Ornements,  reproduits  et  publids 
par  Amand  Durand  sous  la  direction  de  Emanuel  Bocher".  Ich  benutzte  das  Exemplar,  das  die 
Bibliothek  des   Kunstgewerbemuseums  in   Berlin  von  diesem    Facsimiledruck  besitzt. 

4)  Mir  war  nur  die  französische  Ausgabe  des  Buchs  der  Madame  Bury  Palliser,  Histoire 
de  la  Dentelle,  Paris,  1890,  zur  Hand,  wo  von  unserem  Büchlein  auf  S.  315  gehandelt,  auch  eine 
Probe  aus  seinem   reichen   Ornamentenschatz  gegeben   wird. 


VON  THEODOR   HAMPE.  61 


Französische  übertragen  und  dabei  der  Name  unseres  Mannes  bereits  richtiger  „Jean 
Schwartzemberger"  genannt. 

In  starker  Verderbung  findet  sich  denn  der  Name  zumeist  auch  in  der  übrigen, 
insbesondere  der  deutschen  Literatur^),  und  dies  mag  mit  der  Grund  gewesen  sein, 
weswegen  eine  Identifizierung  des  Autors  unseres  „Formbüchhns"  mit  dem  in  den 
Nürnberger  Ratsakten  erscheinenden  Augsburger  Formschneider  bisher  nicht  erfolgt 
ist.  Daß  es  sich  aber  dabei  in  der  Tat  wohl  nur  um  eine  und  dieselbe  Person  handeln 
kann,  lehrt  deutlich  ein  zweites  Exemplar  des  betreffenden  Modelbuches,  das  sich 
in  der  Bibliothek  des  im  Germanischen  Museum  deponierten  Paul  Wolfgang 
Merkeischen  Familienstifts  befindet  und  auf  seiner  letzten,  im  übrigen  leer  ge- 
bliebenen Seite  die  wie  das  ganze  Büchlein  in  rotbrauner  Farbe  gedruckte  Schluß- 
schrift aufweist:  „Gedruckt  in  der  Keiserlichen  Reichstatt  //  Augspurg /  durch 
Johan  Schwartz- // enberger  Formschneyder.  1534/."  Ob  wir  es  hier  freilich  mit 
genau  der  gleichen  Ausgabe,  wie  bei  dem  von  Bury  Palliser  angeführten  Buche  oder 
dem  jenem  Facsimiledruck  von  1882  zugrunde  liegenden  Original  zu  tun  haben,  muß 
dahingestellt  bleiben.  Ein  Vergleich  von  Amand-Durands  Neudruck  mit  dem  Original 
in  der  Merkeischen  Sammlung  ergibt  zwar  die  völlige  Übereinstimmung  sämtlicher 
Tafeln,  die,  38  an  der  Zahl,  mit  dem  Titelblatt  und  der  zitierten  Schlußschrift  im 
ganzen  20  Blätter  füllen,  und  auch  die  „20  feuillets  et  38  planches"  Bury  Pallisers 
werden  schwerlich  andere  Holzschnitte  aufzuweisen  gehabt  haben.  Allein  einmal 
weicht  die  Anordnung  der  Tafeln  in  dem  französischen  Neudruck  namentlich  am  An- 
fang und  am  Schluß  etwas  von  der  des  Merkeischen  Originaldruckes  ab,  und  dann 
sind  dort  bei  acht  Blättern  die  technischen  Bezeichnungen  „Geschnürles"  oder  „Ge- 
beglet",  die  sich  auf  die  Art  der  Ausführung  des  betr.  Musters  in  Stickerei  beziehen, 
an  den  Rand  gedruckt,  während  sie  in  dem  Exemplar  der  Sammlung  Merkel  fehlen. 
Anderseits  hat  dieses  Exemplar  eine  etwas  verworrene  und  infolge  der  auslassenden 
oder  klexenden  braunen  Farbe  nur  schwer  leserliche  Bogenbezeichnung,  die  wiederum 
das  dem  Facsimiledruck  zugrunde  liegende  Original,  wie  es  scheint,  nicht  aufwies. 
Kurzum  es  bleibt  die  Wahrscheinlichkeit  verschiedener  Ausgaben,  zum  mindesten 
verschiedener  Spielarten,  wenn  ich  so  sagen  darf,  einer  und  derselben  Ausgabe  be- 
stehen und  ist  so  auch  die  Möglichkeit  nicht  ausgeschlossen,  daß  in  dem  einen  Falle 
etwa  die  Schlußschrift  ganz  fehlte,  sie  in  dem  anderen  Falle  vielleicht  mit  der  Schrei- 
bung „Schartzemberger"  oder  ,, Schwartzemberger"  erschien  u.  s.  f.  Die  Drucker 
vor  allem  aus  dem  ersten  Jahrhundert  nach  der  Erfindung  ihrer  Kunst  pflegten  nur 
zu  häufig,  während  bereits  ein  Teil  der  Auflage  ausgedruckt  war,  noch  am  Äußern 
der  Ausgabe  oder  an  der  Textgestaltung  der  weiter  folgenden  Exemplare  Kleinig- 
keiten zu  verändern,  und  wer  sich  mit  den  Form-  oder  Modelbüchern  jener  Zeit  ein- 
gehender beschäftigt  hat,  wird  wissen,  welche  Crux  eben  sie  für  den  möglichste  Ge- 
nauigkeit anstrebenden  Bibliographen  bilden,  wie  selten  hier,  man  kann  beinahe 
sagen :  auch  nur  zwei  Exemplare  eines  solchen  Modelbuches  gefunden  werden  können, 
die  wirklich  in  jeder  Beziehung  inhaltlich  miteinander  übereinstimmen.  Es  hängt 
das  mit  der  Herstellung,  dem  Zweck  und  der  Verwendung  dieser  Vorlagewerke  zu- 

5)  Vgl.  Kunstgewerbeblatt  III  (1887)  S.  49  („Schartzemberger"),  E.  van  Overloop,  Cata- 
logue  des  Ouvrages  se  rapportant  a  l'Industrie  de  la  Dentelle  (Mus6es  Royaux  des  Arts  D^coratifs 
et  Industrieis  de  Bruxelles,  Bibliothöque)  1906,  S.  73,  265  („Schartzenberger")  etc. 


62 


D.  AUGSB.   FORMSCHN.   HANS  SCHWARZENBERGER  U.  S.  MODELE.  A.  D.  J.  1534  U.  1535. 


sammen.    Gerade  im  Falle  Schwarzenberger  werden  wir  noch  ein  weiteres  Beispiel 
ganz  ähnlicher  Art  kennen  lernen. 

Was  nun  zunächst  das  in  Braunrot  gedruckte  „Formbüchlin"  der  Sammlung 
Merkel  angeht,  so  überhebt  mich  das  Vorhandensein  des  französischen  Facsimile- 
drucks  wohl  der  Pflicht  einer  eingehenden  Beschreibung  oder  umfassenderen  Ver- 
öffentlichung. Da  jedoch  auch  jener  Facsimiledruck  keineswegs  sehr  weit  verbreitet 
und  überall  leicht  zugänglich  ist,  so  bilde  ich  hier  nach  dem  Merkeischen  Exemplar 
außer  dem  Titelblatt  (Abb.  1)  noch  die  Vorderseite  des  Blattes  C  I  (Abb.  2)  ab,  die  für 
die  Ornamentik  ,wie  sie  in  diesem  Buche  vorherrscht  und  auch  für  die  von  dem  Künstler 
vielfach  beliebte  Art,  den  streng  ornamentalen  Entwürfen  gelegentlich  kleine,  weniger 


Hin  tnriv/ormbu<^lin  bin  id^gnanOl 
Jltlrn  Sünnicrn  nödfvnbe^anbt/ 
©ib  ni»4>  ( lieber  fauffer )  vtä)t  an/ 
Jmöflb:fffli<*  in  bifirfunfiflart 
©4>6rt  gfcbiMrrlrt/  0f  bÖ0lfi/auf  dU^t  / 
vn&go(b/au(tr<t&nr9n  p:rmrn  (tdtt/ 
lEa  0ibc  6ir  am  prrm  vmb  «m  Plrvdc  / 
xrtnn  man«  rrc^i  du^  atnanbH-  fd^nejb^/ 
i^te  UnQ  (d^nr^tn  au§  brr  *len/ 
Von  9«m«t/ö«yb»n/roif  man©  toille/ 
3<i>  m«0  btaoitt  xotrn  inAllrm  lan5/ 


Abb.  1.     Titelblatt  des  Schwarzenbergerschen  Modelbuchs  (I)  von  1534. 

stilisierte  figürliche  Darstellungen  einzufügen,  besonders  kennzeichnend  ist.  In  ihrer 
Eigenschaft  als  Vorlagen  dürfen  diese  Stickmuster  mit  Wahrscheinlichkeit  als  originale 
Leistungen  Schwarzenbergers  gelten.  Denn  wenn  sich  auch  deutlich  der  Einfluß  des 
italienischen  Geschmacks,  des  Formensinns  der  italienischen  Renaissance  zeigt  und 
bei  den  nahen  Beziehungen  Augsburgs  zu  Italien  welsche  Stoffe,  welsche  Muster  ohne 
Zweifel  auf  die  Ornamentik  Schwarzenbergers  werden  eingewirkt  haben,  so  habe  ich 
doch  etwa  ein  italienisches  Modelbuch,  das  auch  nur  für  Einzelheiten  als  Vorbild 
könnte  gedient  haben,  bisher  nicht  nachweisen  können,  so  sehr  ich  auch  die  einschlä- 


VON  THEODOR   HAMPE. 


63 


gigen  Bestände  der  Bibliothek  des  Kunstgewerbemueums  in  Berlin,  der  Münchener 
Hof-  und  Staatsbibliothek  und  die  für  diesen  Zweck  wenig  ergiebigen  der  Bibliothek 
des  Germanischen  Museums  daraufhin  durchgesehen  habe^).  Allerdings  sind  ja, 
wie  die  früheren  deutschen,  so  auch  die  italienischen  und  französischen  Modelbücher 
der  ersten  Hälfte  des  16.  Jahrhunderts  von  äußerster  Seltenheit  und  selbst  in  unseren 
größten  und  bedeutendsten  Bibliotheken,  wenn  überhaupt,  in  der  Regel  nur  in  Bruch- 
stücken anzutreffen.  Zudem  steht  neben  jener  kurz  charakterisierten  feinen  Orna- 
mentationsweise  voll  Schwung  und  Grazie  noch  eine  andere  zwar  auch  sehr  gefällige, 
aber  ungleich  kräftigere,  in  ihren  Schmuckmotiven  einfachere  Art,  von  der  ich  hier 
Blatt  D  111  a  wiedergebe  (Abb.  3)-     Ein  Vergleich  lehrt,   wie  wesentlich  sich  diese 


Abb.  2.     Blatt  C  la  des  Schwarzenbergerschen  Modelbochs  (I)  von  1534. 

Art,  die  nur  auf  8  von  den  37  Musterblättern  unseres  Formbüchleins  zu  Worte  kommt 
und  die  ich  die  mehr  deutsche,  einheimische  nennen  möchte,  von  jener  anderen  roma- 
nischeren unterscheidet.  Die  kräftige,  großzügige  Vortragsweise  aber  ist  es,  die  in  den 
übrigen  Ornamentholzschnitten  Schwarzenbergers,  auf  die  wir  sogleich  zu  sprechen 
kommen  werden,  entschieden  überwiegt.  Mit  apodiktischer  Sicherheit  läßt  sich  daher 
nicht  sagen,  welche  unter  den  reizvollen  Stickereivorlagen,  die  uns  hier  geboten  werden, 

6)  Lichtwark  (Der  Ornamentstich  der  deutschen  Frührenaissance,  Berlin  1888,  S.  126) 
meint  nicht  mit  Unrecht,  daß  .,die  Muster  an  freier  großräumiger  Komposition  oft  an  die  Orna- 
mente italienischer   Marmorfußböden   erinnern". 


64 


D.  AUGSB.   FORMSCHN.  HANS  SCHWARZENBERGER  U.  S.  MODELE.  A.  D.  J.  1534  U.  1535. 


als  Schwarzenbergers  eigenstes  Gut  zu  betrachten  sind  und  wie  weit  etwa  Entlehnungen 
oder  Herübernahmen  aus  den  Schätzen  anderer  —  der  Begriff  des  geistigen  Eigentums 
war  in  der  Zeit  der  Renaissance  ja  noch  völlig  unentwickelt  —  stattgefunden  haben. 
Als  einen  zweifellos  sehr  vielseitigen  Ornamentisten  und  äußerst  gewandten  Form- 
schneider werden  wir  den  Augsburger  Meister  jedenfalls  anzusehen  haben  und  im 
folgenden  noch  näher  kennen  lernen,  und  die  merkwürdige  Verschiedenheit  seiner 
Blätter  mag  häufig  auch  durch  die  sehr  verschieden  gedachte  Technik  der  Stickereien 
und  Wirkereien,  die  er  im  Sinne  hatte,  bedingt  gewesen  und  daraus  genugsam  zu  er- 
klären sein. 


Abb.  3.    Blatt  D  Illa  des  Schwarzenbergerschen  Modelbuchs  (I)  von  1534. 


Namentlich  auf  allerlei  Arten  von  Stickerei  und  auf  Wirkerei  nimmt  auch  das 
Titelblatt  des  Büchleins  Bezug,  dessen  Verse  ich  noch  einmal  hierher  setze,  um  sie 
gleichzeitig  in  den  Anmerkungen  kurz  zu  kommentieren.     Sie  lauten: 

„Ain  New  Formbüchlin  bin  ich  genandt 
Allen  Künstlern  noch  vnbekandt, 
Sih  mich  (lieber  kauffer)  recht  an, 
Findst  drefflich  in  diser  kunst^)  stan 


7)  D.    h.  in  diesem   Kunstbuch. 


VON  THEODOR  HAMPE.  65 


Schön  gschnierlet^),  geböglet^),  auf  gladt^"), 

vnd  gold,  auch  schön  von  premen  Stadt"), 

Es  gibt  dir  ain  prem  vmb  ain  kleydt, 

wenn  mans  recht  auß  einander  schneydt, 

Das  kanst  schneyden  auß  der  Ellen, 

Von  Samat,  Seyden,  wie  mans  wolle, 

Ich  mag  braucht  wern  in  allem  land. 

Wenn  man  mich  ersucht^-)  mit  verstand." 
Die  Titelumrahmung  rührt  aller  Wahrscheinlichkeit  nach  gleichfalls  von 
Schwarzenberger  her.  Der  untere  Teil  derselben  wird  durch  drei  figürliche  Dar- 
stellungen gebildet,  die  durch  flache  Renaissance-Arkaturen  miteinander  verbunden 
sind  und  die  Ausübung  verschiedener  textiler  Kunstfertigkeiten  zum  Gegenstande 
haben.  Links  sehen  wir  eine  Frau  an  einer  Art  Webstuhl  oder  Wirkmaschine,  vor- 
zugsweise wohl  mit  der  Anfertigung  von  Borten  (,, premen")  beschäftigt,  wie  solche 
hinter  ihr  an  der  Wand  aufgehängt  sind.  Das  mittlere  Bild  zeigt  uns  die  Werkstätte 
eines  Kunststickers,  in  der  dieser  eben  eine  Arbeit  im  Stickrahmen  unter  den  Händen 
hat.  Rechts  endlich  scheinen  sich  die  hier  dargestellten  beiden  Frauen  über  aus 
freier  Hand  zu  fertigende  Stickereien  zu  beugen.  Die  Bildchen  verraten  einen  scharfen 
Blick  und  eine  sichere  Hand  in  der  Auffassung  und  Wiedergabe  genrehafter  Motive 
und  sind  im  Gegensatz  zu  der  alten  kräftigen  Holzschnittmanier  in  feiner,  zeich- 
nerischer Art  gehalten,  die  leise  an  die  Facsimileschnitte  des  Petrarkameisters  Hans 
Weiditz  gemahnt. 

Die  drei  anderen  Seiten  der  Titeleinfassung  werden  von  Zierleisten  gebildet, 
die,  den  Geist  der  Kleinmeister  atmend,  schön  stilisierte  Laubornamente  und  Gro- 
tesken hell  auf  dunklem  Grunde  zeigen.  Dazwischen  ist  in  der  Mitte  oben  das  Wappen 
Augsburgs  mit  dem  Pinienzapfen,  an  den  Ecken  die  gekrönten  Wappen  des  deutschen 
Reiches  und  Spaniens  angeordnet,  doch  sind  diese  Wappen  nicht  sowohl  heraldisch 
genau  als  vielmehr  lediglich  skizzenhaft  und  dekorativ  gegeben,  fügen  sich  als  Orna- 
mentegeschmackvoll dem  Ganzen  ein  als  eine  unaufdringliche  Huldigung  des  Künstlers 
für  die  ihm  Wohnsitz  und  Schutz  gewährende  freie  Reichsstadt  Augsburg  und  ihren 
kaiserlichen  Herrn,  Karl  V. 


8)  D.  h.  geschnürlt;  gemeint  ist  Applikationssticicerei  durch  Aufnähen  seidener  oder  anderer 
Schnur,  kordoniertem  Goldfaden  u.  dergl.  im  Sinne  des  Musters. 

9)  Die  Herkunft  und  Begriffsentwicklung  dieses  Wortes  insbesondere  als  Terminus  in  der 
Stickkunst  ist  noch  nicht  völlig  festgestellt.  Vgl.  darüber  Grimms  Deutsches  Wörterbuch  11, 
219;  Hermann  Fischen  Schwäbisches  Wörterbuch  1,  1267  (unter  „böglen"'  c:  „wie  applanieren: 
eben,  glatt  machen").  Die  Bedeutung  ist  wohl:  (von  bügeln,  wofür  man  in  Norddeutschland 
..plätten"  sagt,  gebügelt,  geplättet,  platt  gemacht,  platt  gearbeitet,  also)  in  Plattstich  ausgeführt, 
was  dann  also  in  einem  gewissen  Gegensatz  zu  „geschnürlt"  stände. 

10)  D.  h.  auf  einfachem,  schlichtem,  in  Leinwandbindung  ausgeführtem  Grunde,  wie  es  scheint, 
in  Gegensatz  zu:    auf  Gold,  auf  golddurchwirktem  Grunde,  drap  d'or,  gestellt. 

11)  Wir  würden  erwarten  „an  premen  Stadt",  „an  statt  von  premen",  an  Stelle  von  Ver- 
brämungen, für  Verbrämungen,  Einfassungen,  Saumstreifen  etc.  (nämlich:  zu  verwenden).  Dies 
ist  wohl  ohne  Zweifel  gemeint,  da  im  folgenden  die  Anweisung  gegeben  wird,  wie  die  Vorlagen 
auch  zu  schmäleren  Einfassungen,  Saumverzierungen  usw.  Verwendung  finden  können,  wenn 
man  die  einzelnen  Streifen  je  nach  Wunsch  richtig  auseinander  schneidet. 

12)  D.  h.  durchsucht,  durchforscht,  aber  auch  befragt,  angeht,  zu  Rat  zu  ziehen  weiß. 
Mitteilungen  aus  dem  Oerman.  Nationalmuseum.     1909.  5 


66  D.  AUGSB.   FORMSCHN.  HANS  SCHWARZENBERGER  U.  S.  MODELB.  A.  D.  J.  1534  U.  1535. 

II. 

Mit  dem  bisher  besprochenen  „Formbüchlin"  Hans  Schwarzenbergers  sind 
nun  noch  in  dem  mit  zwei  starken  Lederriemchen  in  braungelb  gefärbtes  Pergament 
gehefteten  Querquartbändchen  der  Merkeischen  Sammlung,  das  es  enthält,  zwei 
weitere  Modelbücher  desselben  Meisters  zusammengebunden,  die  mir  in  einem  zweiten 
Exemplar  nachzuweisen  trotz  aller  Nachforschungen  in  Bibliotheken  und  Kupfer- 
stichkabinetten und  trotz  mancher  Anfragen  bei  den  Fachgenossen  bis  heute  nicht 
gelungen  ist.  Wegen  dieser  außerordentlichen  Seltenheit  habe  ich  geglaubt,  auf  den 
diesem  Aufsatz  beigegebenen  Tafeln  den  gesamten  Inhalt  der  beiden  Bücher,  soweit 
er  sich  nicht  mit  dem  des  oben  behandelten  Formbüchleins  deckt  oder  innerhalb  der 
Bücher  selbst  wiederholt,  zur  Veröffentlichung  bringen  zu  sollen  ^^).  Es  entfallen 
dabei  auf  das  eine  der  Bücher,  das  ich  zum  Unterschiede  von  dem  bereits  in  Facsimile- 
druck  vorliegenden  mit  der  Ziffer  II  bezeichne,  während  fernerhin  unter  Modelbuch 
Nr.  I  jenes  erste  verstanden  ist,  mit  Einschluß  des  Titelblattes  30  (Nr.  1 — 30  auf  den 
beigegebenen  Tafeln),  auf  das  andere  oder  Modelbuch  Nr.  III  dagegen,  dessen  Titel- 
blatt nur  im  Text  ganz  geringe  Abweichungen  von  dem  Titelblatt  von  II  aufweist, 
weswegen  von  seiner  Wiedergabe  in  unserem  Facsimiledruck  abgesehen  wurde,  26 
Ornamentholzschnitte  (Nr.  31—56  auf  den  Tafeln).  Im  ganzen  umfaßt  Modelbuch  II 
24  Blätter  oder  48  Seiten,  von  denen  2  leer  geblieben  sind,  Modelbuch  1 1 1  20  Blätter 
oder  40  Seiten,  von  denen  nur  die  letzte  leer  ist.  Es  decken  sich  also  mit  Mustern 
von  I  oder  wiederholen  sich  innerhalb  II  und  III  im  ganzen  30  Blatt.  Im  Gegensatze 
zu  I  sind  II  und  III  mit  richtiger  Druckerschwärze  auf  gutes,  starkes,  heute  leicht 
vergilbtes  Papier  gedruckt.  Die  Größe  der  Blätter  ist  durchweg  die  von  185  (Breite) 
zu  130  (Höhe)  mm,  die  Größe  des  Spiegels  oder  des  Raumes,  den  die  Vorlagen  ein- 
nehmen, schwankt  etwas,  wie  aus  unseren  Tafeln  deutlich  zu  ersehen  ist,  in  dem 
sämtliche  Muster  in  der  Größe  des  Origina'ls  wiedergegeben  sind. 

Ich  lasse  hier  zunächst  die  genaue  Kollationierung  von  II  und  III  folgen: 
Modelbuch  II: 
[Bl.  A  I  a]  Titel  in  Umrahmung.     S.  Nr.  P^).     Der  Text  lautet: 

„Ain  schöns  nutzlich  newes  Formbüchlin,  auf 

allerlay  manier  Welscher  ^^)  vnd  Maylendischer^^)  art  nach, 

mit  allen  zugehörungen,  innen  vnnd  ausserhalb  des 

puncks^'),  im  hohen  gestielt ^),  Lade^^),  orgeP")  vii  Ram^i), 

das  auch  vast  nutz  ist  zu  schlayrwürckung 

mitt  hohem  fleyß  vnd  arbayt  herfür 

bracht,  durch  Hansen  Schwär 

tzenberger  Formschneyder 

zu  Augspurg. 

1534." 

13)  Für  die  freundliche  Erlaubnis  zur  Veröffentlichung  möchte  ich  nicht  unterlassen,  dem 
Senior  der  Familie  Merkel,  Herrn  Hofrat  Dr.  Wilhelm  Merkel  in  Nürnberg  auch  an  dieser 
Stelle  meinen  besten  Dank  zum  Ausdruck  zu  bringen. 

14)  Diese  Nummern  beziehen  sich  auf  die  Numerierung  der  einzelnen  Vorlagen  auf  den  bei- 
gegebenen Tafeln. 

15)  Über  die  Entwicklung  und  die  Bedeutungen  von  „wälsch"  s.  Deutsches  Wörterbuch  XllI, 
1327  ff.    Da  das  Wort  hier  koordiniert  neben  „mailändisch"  gestellt  ist,  so  bedeutet  es  wohl  nicht, 


VON  THEODOR   HAMPE. 


67 


[A  1  b]  =  I,  D  IVb  (Neudruck  17.  Blatt  oben)  und  II  D  IV  b,  doch  hier  nicht  hell 
auf  schwarzem,  sondern  schwarz  auf  hellem  (Stramin-)  Grunde  erscheinend. 


Wiederholt  sich  in 


Wiederholt  sich  in 


[Alla]  S.Nr.  2.  Vgl.  III,  E  1  b  (Nr.  5^) 
[A  IIb]  s.  Nr.  3. 
[Allla]  s.  Nr.  4. 
[A  III  b]  s.  Nr.  5. 
[A  IV  a]  s.  Nr.  6 

III:  E  I  a. 
[A  IVb]  s.  Nr.  7. 
33^8)  [I  a]  s.  Nr.  8. 
[B  I  b]  s.  Nr.  9. 
[Blla]  s.  Nr.  10. 
[Bllb]  s.  Nr.  11. 
[Bllla]  s.  Nr.  12. 
[Blllb]  s.  Nr.  13. 
[BIVa]  s.  Nr.  14. 
[B  IVb]  s.  Nr.  15. 
(5:[Ia]  s.  Nr.  16. 
[C  I  b]  s.  Nr.  17. 

III:  Clllb. 
[CII  a]  s.  Nr.  18. 
[Cllb]  s.  Nr.  19. 
[Cllla]  s.  Nr.  20. 
[Clllb]  s.  Nr.  21. 
[ClVa]  s.  Nr.  22. 

III:  E  III  a. 
[ClVb]  s.  Nr.  23. 

III:  ClVa. 
2)[Ia]  =  I,  Dllb.       (Neudruck    15. 

Blatt  oben),  doch  in  II  nicht  hell 

auf  dunklem,  sondern  dunkel  auf 

hellem  (Stramin-)  Grunde. 
[D  I  b]  =  I,  D  II  a  (Neudruck  14.  Blatt 

unten),  doch  schwarz  auf  hellem 

(Stramin-)  Grunde. 
[D  II  a]  =  I,  D  I  a  (Neudruck  13.  Blatt 

unten),  doch  schwarz  auf  hellem 

(Stramin-)  Grunde. 
[DIIb]=  I,  Dlllb  (Neudruck:      16. 

Blatt    oben),    doch    schwarz    auf 

hellem  (Stramin-)  Grunde. 


Wiederholt  sich  in 


Wiederholt  sich  in 


15. 
auf 

17. 
auf 


D 


[D  III  a]  s.  Nr.  24.  Das  Muster  wieder- 
holt sich,  doch  nur  in  Contouren- 
zeichnung  III,  D  III  a. 

[Dlllb]  s.  Nr.  25. 

[DIVa=  I,DIII  a   (Neudruck: 
Blatt    unten),    doch   schwarz 
hellem  (Stramin-)  Grunde. 

[DIVb]-  I,  DIVb    (Neudruck: 
Blatt    oben),    doch    schwarz 
hellem  (Stramin-)  Grunde. 
Vgl.  auch  II,  Alb. 

[E  I  a^^)]   wiederholt  sich   in    III 
IV  b-^^). 

[E  I  b]  s.  Nr.  26,  wiederholt  sich  in  1 1 
selbst:  F  III  b^s). 

[E  II  a]-  I,  D  I  b  (Neudruck:  14.  Blatt 
oben),  wiederholt  sich  noch  einmal 
II,  F  I  b,  doch  beidemale  schwarz 
auf  hellem  (Stramin-)  Grunde'"). 

[E  II  b]  s.  Nr.  27.  Wiederholt  sich  in 
III:  Dllb. 

[E  1 1 1  a]  wiederholt  sich  in  1 1 1 :  D  I  a  ^  6). 

[E  III  b]- I,D  IV  a  (Neudruck:  16. 
Blatt  unten),  wiederholt  sich  in 
II  selbst:  FlVa^'). 

[E  IV  a]  s.  Nr.  28.  Wiederholt  sich  in 
II  selbst:  Ell  a^'). 

[E  IVb]  ist  leer. 

[Fla]  s.  Nr.  29.  Wiederholt  sich  III, 
B  I  b. 

[F  Ib]  vgl.  II,  E  II  a. 

[Ella]  vgl.  II,  E  IV  a. 

[Fllb]  Wiederholt  sich  III,  AlVb 
und  III,  BIVb28). 

[F  III  a]  s.  Nr.  30.  Wiederholt  sich  III, 
E  IVa,  doch  ist  hier  auf  Stramin 
gesetzt. 

[Flllb]  vg.  II,  E  Ib. 

[FlVa]  vgl.  II,  E  III  b. 

[F  IVb]  ist  leer. 


wie  offenbai  in  dem  gleichzeitig  bei  Heinrich  Steyner  zu  Augsburg  gedruckten  „Newen  Model- 
buch", auf  dessen  Verhältnis  zu  Schwarzenbergers  Modelbüchern  II  und  III  wir  weiter  unten  noch 
näher  einzugehen  haben  werden,  einfach  „italienisch"  oder   etwa  ,, antikisch",  d.  h.  in  dem  neu 

5* 


68  D.  AUGSB.   FÜRMSCHN.  HANS  SCHWARZENbERGER  U.  S.  MODELE.  A.  D.  J.  1534  U.  1535- 


Modelbuch  III: 

[Bl.  A  I  aj  Titel  in  der  gleichen  Umrahmung  wie  bei  II.    Der  mit  den  gleichen  Typen 
wie  bei  II  gedruckte  Text  lautet  in  III  wenig  abweichend: 
,,Ain  schöns  nutzlich  newes  Formbüchlin,  auf 
allerlay  manier  Welscher  vnd  Maylendischer  art  nach, 
mit  allen  zugehörungen,  innen  vnnd  ausserhalb  des 
puncks,  im  hohe  gstiel,  lade,  orgel,  ram  vn  stern^^), 
das  auch  vast  nutz  ist  zu  schlayrwürckung 
mitt  hohem  fleyß  vnd  arbayt  herfür 
bracht,  durch  Hansen  Schwär 
tzenberger  Formschneyder 
zu  Augspurg. 
1535." 

aufgekommenen  Stil  der  Renaissance,  sondern  bezeichinet  vermutlich,  wie  z.  B.  auch  im  Christian 
Egenolffschen  Modelbuch  (Frankfurt  a.  M.  1527:  „die  welisch,  weisz  arbeit")  den  Terminus 
für  die  Stickerei  auf  Weißzeug,  Leinenstickerei.    Vgl.  Deutsches  Wörterbuch  XI 11,  1346  unter  h,  Tj. 

16)  Bei  „mailändisch"  wird  wahrscheinlich  an  die  berühmten  Mailänder  Goldgespinste  und 
ihre   Verzierungsart  gedacht  sein. 

17)  „innen  und  außerhalb  des  puncks":  Punkt  ist  hier  wohl  in  der  Bedeutung  des  alten 
italienischen  Terminus  „punto",  nicht  im  Sinne  von  ,, Spitze",  sondern  von  „  Fadenkreuz  bei  ge- 
zählter Fadenstickerei"  —  vgl.  Heiden,  Handwörterbuch  der  Textilkunde  (Stuttgart  1904) 
S.  413  —  gebraucht.  Es  scheint  demnach  gemeint  zu  sein:  (Stickereien)  von  abgepaßtem  Muster 
wie   auch   von   unendlichem    Rapport. 

18)  „im  hohen  gestiel"  d.  h.  Gestühl  (vgl.  Fischer,  Schwäbisches  Wörterbuch);  also 
Webstuhl  mit  senkrecht  gespannten  Kettfäden,  haute  lisse  ?  Es  würde  sich  dann  hier  um  eigent- 
liche Gobelinwirkerei,  um  die   Herstellung  größerer  gewirkter  Rücklaken  usw.  handeln. 

19)  Über  die  Lade,  die  dazu  dient,  den  Einschlagfaden,  der  quer  durch  die  Kette  gelegt  wird, 
fest  an  den  vorhergehenden  Schußfaden  anzuschlagen,  vgl.  Heiden,  a.  a.  O.  S.  314.  Es  scheint  hier 
pars  pro  toto  gebraucht  und  der  gewöhnliche  Webstuhl,  die  einfachste  Webart  gemeint  zu  sein. 

20)  Die  „Orgel"  oder  „Orgelpfeife"  heißt  der  „Rost  des  Webstuhls"  (Deutsches  Wörterbuch 

VII,  1341,  1343).  In  der  Augsburger  Weberordnung  von  1549  heißt  es:  „Von  der  Wecharbeit  (d.  h. 
zierlichen,  kunstvollen  Arbeit).  Item  welcher  usz  der  Orgel  wurkhen  will,  und  an  die  Geschau 
(Schauamt),  der  mag  wol  zween  brait  Stuhl  an  die  Geschau  und  zwen  usz  der  Orgel  brait  oder 
schmal  sich  gebrauchen".  Vgl.  Birlinger,  Schwäbisch-Augsburgisches  Wörterbuch  (München 
1864)  S.  365.  Es  handelt  sich  also  wohl  um  die  Herstellung  kleiner  Wirkarbeiten,  kunstvoll 
gewirkter  Borten  vermittelst  des  Rostes  oder  der  Orgel,  die  in  dem  Falle  als  Wirkkamm  diente. 

21)  Es  ist  hier  vermutlich  weniger  an  das  Gestell  der  Tuchweber  (Deutsches  Wörterbuch 

VIII,  65  unter  2)  als  an  den  beim  Bortenwirken,  Sticken  und  Nähen  gebrauchten  Rahmen  (Deut- 
sches Wörterbuch  ebenda  unter  3),  unseren  Stickrahmen,  gedacht. 

22)  Nur  die  nicht  in  Klammern  gesetzten  Custoden- Bezeichnungen  finden  sich  tatsächlich 
in  den  beiden  Schwarzenbergerschen  Modelbüchern. 

23)  Deutlich  leserliche  Bogenbezeichnungen  hören  m  II  hier  auf. 

24)  Da  dieser  Abdruck  der  bessere  ist,  so  wurde  er  zur  Reproduktion  gewählt. 

25)  Es  ist  sehr  wohl  möglich,  daß  unser  Bändchen  etwas  verbunden  ist  und  einzelne  Blätter, 
die  sich  innerhalb  II  selbst  wiederholen,  eigentlich  zu  III  gehören,  in  diesem  neuen  Büchlein  wieder 
figurieren  sollten.  Eine  sichere  Entscheidung  darüber  ist  aber  hei  der  mangelhaften  Bogenbezeich- 
nung  nicht  möglich. 

26)  Vgl.  Anm.  24. 

27)  Vgl.  Anm.  25. 

28)  Vgl.  Anm.  24. 

29)  Im  Titel  des  Egenolffschen  Modelbuches  heißt  es  „Venedigische  Stern".  Gemeint  sind 
die  Runde  mit  allerlei  Bandverschlingungen,  Knoten-  und  Arabeskenwerk,  auf  die  weiter  unten 


VON  THEODOR   HAMPE. 


6g 


[A  Ib]  s.  Nr.  31. 

[A  IIa]  s.  Nr.  32. 

[A  II  b]  s.  Nr.  33.    Wiederholt  sich  III, 

A  III  b,  ist  hier  jedoch  auf  einen 

Stramingrund  gesetzt. 
[A  1 1 1  a].   Wiederholt  sich  und  zwar  in 

etwas  klarerem  Druck  III,  B  III  a 

(s.  d.). 
[A  III  b]  vgl.  III,  A  IIb. 
[AlVa].     Wiederholt  sich  klarer,  da 

nicht   wie   bei   AlVa   auf  einem 

Stramingrunde  erscheinend,  HI,  B 

IIb  (s.  d.). 
[A  IV  b]  vgl.  II,  F  II  b.    Reproduziert 

ist  die  Wiederholung  III,  BIVb 

(s.  d.). 
58  [I  a]  s.  Nr.  34. 
[BIb]  vgl.  II,  Fla. 
[Blla]  s.  Nr.  35. 
[Bllb]  s.  Nr.  36. 
[B  Illa]  s.  Nr.  37. 
[Bin  b]  s.  Nr.  38. 
[BIVa]  s.  Nr.  39. 
[B  IVbJs.  Nr.  40. 

III,  A4b. 
e[Ia]  s.  Nr.  41. 
[C  I  b]  s.  Nr.  42. 


Vgl.  III,  A  IV  a. 
Vgl.  III,  Allla. 


Vgl.  II,  F  II  b  und 


[ClI  a]  s.  Nr.  43. 

[Cllb]  s.  Nr.  44. 

[Cllla]  s.  Nr.  45. 

[Clllb]  vgl.  II,  Clb. 

[ClVa]  vgl.  II,  C  IV  b. 

[ClVb]  s.  Nr.  46. 

2)[Ia]  s.  Nr.  47.     Vgl.  III,  H  II!  a. 

[D  I  b]  s.  Nr.  48. 

[D  II  a]  s.  Nr.  49. 

[Dllb]  vgl.  III,  E  IIb. 

[Dllla]  vgl.  II,  D3a. 

[Dlllb]  s.  Nr.  50. 

[DIVa]  s.  Nr.  51. 

[DIVb]  s.  Nr.  52.    Vgl.  II,  E  I  a. 

(S[I  a]  vgl.  II,  A  IV  a. 

[E  I  b]  s.  Nr.  53.  Das  gleiche  Muster 
bietet  II,  A  II  a  (s.  Nr.  2),  doch 
erscheint  nunmehr  die  Zeichnung, 
erheblich  feiner,  nur  in  den  Um- 
rissen, und  ist  überdies  eine  Borte 
hinzugefügt. 

[Ella]  s.  Nr.  54. 

[E  IIb]  s.  Nr.  55. 

[E  III  a]  vgl.  II,  ClVa. 

[E  III  b]  s.  Nr.  56. 

[ElVa]  vgl.  II,  Fl II  a. 

[ElVb]  ist  leer. 


Bemerkt  sei  noch,  daß  die  Abdrücke  fast  ausnahmslos  vorzüglich  sind  und 
durch  ihre  geringe  Fehlerhaftigkeit  zumeist  auf  bisher  wenig,  vielfach  sogar  auf  hier 
zum  erstenmal  benutzte  Holzstöcke  schließen  lassen.  Übrigens  lasse  ich  die  wichtigen 
Fragen,  wieweit  Hans  Schwarzenberger  nicht  nur  der  Formschneider,  sondern  auch 
der  Zeichner,  der  Erfinder  seiner  Muster  gewesen  ist,  was  für  Vorbilder  oder  auch 
direkte  Vorlagen  wir  für  die  Modelbücher  II  und  III  voraussetzen  dürfen  und  nach- 
weisen können  und  welchen  Einfluß  der  Künstler  mit  diesen  Büchlein  auf  die  Orna- 
mentik, insbesondere  den  Modeldruck  seiner  Zeit  geübt  hat,  hier  vorderhand  noch 
unerörtert.  Ich  wende  mich  zunächst  wiederum  den  Lebensverhältnissen  unseres 
Meisters  zu,  von  denen  uns  ein  paar  Schriftstücke  sowie  die  Steuerbücher  im  Stadt- 
archiv Augsburg  einige  weitere,  wenn  auch  nur  spärliche  Kenntnisse  vermitteln  3"). 


noch    zurückzukommen    sein    wird.      Vgl.    Liclitwark,    Der   Ornamentsticli    S.  125-      Deutsches 
Wörterbuch   XIII   (1909)   S.    1346  unten. 

30)  Für  die  freundliche  Unterstützung,  die  mir  bei  meinen  Nachforschungen  von  Seiten 
der  Archivverwaltung  zuteil  wurde,  möchte  ich  nicht  unterlassen,  Herrn  Stadtarchivar  Dr.  Dirr 
und  Herrn  Archivobersekretär  Hirschmann  an  dieser  Stelle  meinen  besten  Dank  auszusprechen. 
Insbesondere  bin  ich  Herrn  Obersekretär  Hirschmann  für  seine  Auszüge  aus  den  Steuerbüchern 
zu  lebhaftem  Danke  verpflichtet. 


70  D.  AUGSB.   FORMSCHN.  HANS  SCHWARZENBERGER  U.  S.  MODELB.  A.  D.  J.  1534  U.  1535- 

Immerhin  werden  sie,  wie  wir  sehen  werden,  den  Gang  der  alsdann  wieder  an  die 
beiden  Modelbücher  anknüpfenden  Untersuchung  nicht  unwesentlich  unterstützen, 
insbesondere  auch  den  Kreis  feststellen  helfen,  in  den  wir  Schwarzenbergers  berufliche 
Tätigkeit  vor  allem  einzugliedern  haben,  und  es  dadurch  möglich  machen,  noch  den 
einen  oder  anderen  Holzschnitt  mit  Wahrscheinlichkeit  dem  Werke  des  Meisters 
hinzuzufügen. 

III. 

In  den  Steuerbüchern  der  Reichsstadt  Augsburg  erscheinen  in  den  zwanziger 
Jahren  des  16.  Jahrhunderts  fast  gleichzeitig  —  die  Archivalien  spielen  uns  häufig 
solchen  Schabernack  —  zwei  Hans  Schwarzenberger,  deren  Beruf  sich  nirgends  er- 
wähnt findet.  Der  eine  der  Beiden  wohnte  schon  1527  im  „Huckerhause",  dem 
Zunfthaus  der  Krämer,  in  der  Schongauer-,  der  heutigen  Katharinengasse  (B  21) 
und  scheint  ein  vermöglicher  Mann  gewesen  zu  sein,  denn  die  von  ihm  entrichtete 
Steuer  beträgt  im  Jahre  1527  3  fl.  54  kr.  und  steigt  bis  zu  den  Jahren  1545  bis  1547, 
in  denen  allerdings  doppelte  Steuer  erhoben  wurde,  auf  20  fl.  6  d.  Der  Jahrgang 
1 548  der  Steuerbücher  erwähnt  seiner  nicht  mehr.  Der  andere  Hans  Schwarzenberger 
erwirbt  1528  ein  Anwesen  „In  des  Bartshofe"  (in  der  Nähe  des  heutigen  Königsplatzes, 
etwa  Wallstraße  und  Sankt  Anna)  3^),  wo  von  1516  bis  1527  Margaretha  Öster- 
reicher als  Hausbesitzerin  gesessen  und  zuletzt  (1527)  12  kr.  Steuer  gezahlt  hatte. 
Schwarzenberger  zahlt  1528  7  kr.  Steuer,  im  Jahre  1529:  7  kr  6  d.,  1530:  ebenso 
7  kr.  6  d.  und  1531:  15  kr.  6  d.  1532  erscheint  er  nicht  mehr  in  des  Barts  Hofe, 
sondern  ist  in  einem  anderen  Anwesen  am  „Lautterlech"  wohnhaft,  als  dessen  Besitzer 
er  15  kr  6  d.  Steuer  entrichtet.  Hier  sitzt  er  auch  noch  1533,  in  welchem  Jahre  er 
wiederum  15  kr.  6  d.  als  Steuer  zahlt,  und  1534,  wo  seine  Steuer  den  Höchstbetrag 
von  19  kr.  5  hell.  6  d  erreicht ^2).  Im  Jahre  1535  wird  dann  „Melchior  Lendorffer 
der  alte"  an  seiner  Statt  als  Besitzer  jenes  Hauses  am  Lauteriech  genannt  ^^)  und 
auch  weiterhin  kommt  jener  zweite  Hans  Schwarzenberger  in  den  Augsburger  Steuer- 
registern nicht  mehr  vor.  Er  lebte  offenbar,  wie  die  geringe  Steuer,  die  er  zahlte, 
erkennen  läßt,  in  sehr  bescheidenen  Verhältnissen,  die  sich  bis  1534  zwar  ständig  bes- 
serten, aber  doch  nie  zu  irgendwelchem  Wohlstand  gediehen  zu  sein  scheinen. 

Wenn  nun  schon  ein  Vergleich  der  äußeren  Lebensumstände  der  beiden  Schwar- 
zenberger die  Vermutung  nahe  legen  würde,  daß  nicht  jener  reiche  Mann,  sondern  der 
arme  oder  doch  wenig  bemittelte  unser  Formschneider  gewesen  sein  möchte,  so  wird 
diese  Mutmaßung  zur  Gewißheit  durch  ein  Originalschreiben  und  ein  Briefkonzept, 
die  sich  glücklicherweise  beide  gleichfalls  im  Augsburger  städtischen  Archive  erhalten 
haben.  Das  ersterwähnte  Schreiben  ist  eine  Supplikation  der  uns  bereits  bekannten 
Margaretha  Österreicher  an  den  Rat,  worin  sie  dessen'  Hilfe  anruft  gegen  „Hanns 
Schwartzenburger,  formschneider".  Dem  habe  sie  vor  längerer  Zeit,  einfältig  und 
unverständig  wie  sie  sei,  ihre  Behausung  überlassen,  damit,  solange  sie  selbst  sie  nicht 


31)  Nach   Obersekretär    Hirschmann. 

32)  Steuerregister  1527  S.  3  a  (Margareth  Österreicherin)  1528  S.  3  a,  1529  S.  2  d,  1530  S.  2  d, 
1531  S.  2  d,  1532  S.  16  b,  1533  S.  16  b,  1534  S.  18  a. 

33)  Steuerregister  1535  S.  18  a. 


VON  THEODOR   HAMPE.  71 


in  Besitz  nehme  oder  verkaufe,  er  darin  „sein  bestand  haben",  d.  h.  zur  Miete  wohnen 
möge.  Trotz  des  unbilligen  Benehmens,  das  er  alsbald  an  den  Tag  gelegt,  der  bösen 
Scheit-  und  Drohworte,  die  er  ohne  Veranlassung  gegen  sie  gebraucht,  habe  sie  doch 
lange  Geduld  gehabt;  da  er  aber  ohne  ihre  Einwilligung  sogar  bauliche  Veränderungen 
vornehme,  habe  sie  nicht  länger  zögern  dürfen,  sondern  ihm  gekündigt,  die  Zahlung 
des  fälligen  Mietzinses  aber  nur  auf  dem  Rechtswege  von  ihm  erreichen  können.  Nun 
aber  halte  ersieh  nicht  für  verpflichtet,  die  Wohnung  zu  räumen,  bevor  sie,  Margaretha 
Österreicher,  nicht  vom  Rat  eine  Bescheinigung  darüber  beibringe,  daß  sie  ihre  Be- 
hausung wieder  selbst  in  Besitz  nehmen  dürfe.  Verdientermaßen  sei  sie  zwar  seiner- 
zeit der  Stadt  verwiesen  worden,  beabsichtige  jetzt  aber,  da  sie  alt,  schwach  und  krank 
sei,  ihre  Behausung  selbst  wieder  zu  beziehen  und  bitte  daher  den  Rat  um  Gottes 
und  des  Jüngsten  Gerichts  willen,  ihr  gegen  Schwarzenberger  Recht  zu  verschaffen 
und  ihr  vor  allem  jene  Bescheinigung  auszufertigen,  damit  er  ihr  Haus  räume.  Sie 
wolle  sich  auch  künftig  eines  Rats  Geboten  und  Verboten  gemäß  halten,  wie  es  einer 
armen  Frau  ehrenhalber  wohl  anstehe,  sodaß  der  Rat  fernerhin  kein  Mißfallen,  sondern 
Wohlgefallen  an  ihr  haben  solle,  werde  auch  ihre  gebietenden  und  günstigen  Herren 
in  ihr  armes  Gebet  zu  Gott  dem  Allmächtigen  einschließen  usw.  ='^). 

Der  Brief  ist  leider  undatiert,  und  über  den  Ausgang  des  Streites,  dessen  recht- 
liche Verhältnisse  übrigens  aus  obigem  Schreiben  allein  nicht  völlig  klar  hervorgehen, 
hier  aber  auch  nichts  zur  Sache  tun,  verlautet  nichts.  Der  verstorbene  Augsburger 
Stadtarchivar  Adolf  Buff  wollte  laut  einer  Notiz  von  seiner  Hand  die  Sup- 
plikation „ca.  1530—40"  ansetzen.  Nach  den  oben  mitgeteilten  Auszügen  aus  den 
Steuerregistern  werden  wir  sie  vermutlich  noch  etwas  genauer  in  die  Zeit,  da  Hans 
Schwarzenberger  aus  seiner  bis  dahin  innegehabten  Behausung  in  die  Wohnung  am 
Lauteriech  übersiedelte  (1531/32)  verlegen  dürfen  —  vorausgesetzt,  daß  Margaretha 
Österreicher,  über  deren  in  ihrem  Schreiben  angedeutete  Verfehlung  und  daraufhin  er- 
folgte Ausweisung  wir  nicht  näher  unterrichtet  sind,  mit  ihrem  Gesuch  beim  Rat  Erfolg 
gehabt  hat.  Etwa  1532  taucht  Margaretha  Österreicher  aufs  neue  in  den  Steuer- 
registern auf,  aus  denen  sie  seit  1528,  der  mutmaßlichen  Zeit  ihrer  Ausweisung,  ver- 
schwunden war,  wohnt  dann  allerdings  in  den  Jahren  1532,  1533  und  1534  nicht  etwa 
wiederum  in  des  Barts  Hofe,  sondern  „Heiligkreuzertor  intra"  und  steuert  als  Be- 
sitzerin dieses  Hauses  jährlich  45  kr.  6  d.  Sie  scheint  also  danach  bald  nach  ihrer 
Zurückkunft  in  die  Stadt  ihre  alte  Behausung,  und  zwar  nicht  an  Hans  Schwarzen- 
berger. der  sie  aber  wohl  auf  Befehl  des  Rats  hatte  räumen  müssen,  verkauft  zu  haben. 

Ebenso  lehrt  nun  auch  das  andere  der  beiden  erwähnten  Schriftstücke,  daß  es 
sich  in  den  Steuerbüchern  für  uns  nur  um  denjenigen  Schwarzenberger,  der  danach 
von  1 528  bis  1534/35  in  Augsburg  nachzuweisen  ist,  handeln  kann.  Es  ist  das  zurück- 
behaltene Konzept  eines  Briefes,  den  der  Augsburger  Rat  am  17.  Juni  1540  als  Ant- 
wortschreiben an  den  Kurfürsten  Joachim  II.  von  Brandenburg 3^)  richtete.  Der 
Kurfürst  hatte  den  Rat  um  Auskunft  bezüglich  eines  gewissen  Schlenkerfuß 
und  eines  Hans  Schwarz  ersucht  und,  wie  es  scheint,  beide  für  einige  Zeit  in 
seine  Dienste  zu  nehmen  gewünscht.    Daraufhin  benachrichtigt  ihn  der  Rat,  daß  dem 


34)  Den  Wortlaut  des  Schreibens  s.  im  „Anhang"  unter  Nr.   II. 

35)  Joachim  II.   Hektor  regierte  1535—1571. 


72  D.  AUGSB.   FORMSCHN.   HANS  SCH WARZENBERGER  U.  S.  MODELB.  A.  D.  J.  1534   U.  1535. 

Schlenkerfuß  auf  des  Kurfürsten  Begehren  die  Erlaubnis  erteilt  sei,  „sich  zu  eur 
churf.  gnaden  zu  verfuegen  unnd  seins  Verstands  prauchen  ze  lassen".  Das  habe  er 
auch  zugesagt  und  werde  sich  in  ungefähr  vier  Tagen  an  den  kurfürstlichen  Hof  auf 
den  Weg  machen.  Des  andern  halber  aber,  heißt  es  dann  weiter,  der  in  dem  kurfürst- 
lichen Schreiben  Hans  Schwarz  genannt  werde,  habe  man  vergeblich  Erkundigungen 
eingezogen.  Bei  der  Sache,  um  die  es  sich  handle,  möge  vielleicht  an  einen  Form- 
schneider Hans  Schwarzenberger  gedacht  sein,  der  seinerzeit  in  Augsburg  gearbeitet, 
sich  mit  Formschneiden  und  Chroniken  abgegeben  habe,  aber  vor  zwei  Jahren  nach 
Regensburg  verzogen  und  dortselbst  noch  „haußheblich",  also  etwa  ansässig  sein 
solle.    Man  könne  also  dem  Kurfürsten  in  dieser  Sache  nicht  zu  Diensten  sein  etc.^*). 

Das  Original  dieses  Schreibens  scheint  sich  nicht  erhalten  zu  haben  und  eben- 
sowenig, was  besonders  zu  bedauern  ist,  das  kurfürstliche  Schreiben,  das  den  Anlaß 
zu  dem  Briefwechsel  gab,  oder  etwa  eine  Abschrift  davon ^^).  Aus  dem  Briefe  des 
Kurfürsten  würde  sich  möglicherweise  Näheres  über  die  in  dem  Antwortschreiben  des 
Rats  genannten  beiden  Personen,  den  Schlenkerfuß,  mit  dem  ich  keinerlei  Begriff 
verbinde,  und  den  Hans  Schwarz  ergeben.  Daß  mit  letzterem  der  bekannte  Medailleur, 
der  1518  gelegentlich  des  Reichstags  zu  Augsburg  die  große  Medaille  auf  Kurfürst 
Joachim  I.  von  Brandenburg  in  Holz  geschnitten  und  gegossen  hatte  ^^),  gemeint  war, 
der  Kurfürst  sich  etwa  nach  dem  Bildschneider,  Bildschnitzer  oder  Konterfetter 
Hans  Schwarz  erkundigt  hatte  und  der  Rat  durch  solche  oder  ähnliche  Bezeichnung 
dazu  kam,  ihm  den  Formschneider  Hans  Schwarzenberger  namhaft  zu  machen,  halte 
ich  für  wahrscheinlich.  Verwunderlich  bliebe  es  dann  allerdings,  wie  bald  das  An- 
denken an  den  bedeutenden  Künstler,  der  so  viele  Augsburger  porträtiert  hatte,  in 
seiner  Vaterstadt  ausgelöscht  gewesen  sein  müßte.  An  unseren  Formschneider  hat 
Kurfürst  Joachim  wohl  schwerlich  gedacht;  und  nur  einem  Zufall,  einem  Versehen, 
einem  Vergessen  verdanken  wir  also  die  wenigen  nicht  unwichtigen  Nachrichten, 
die  das  Schreiben  des  Augsburger  Rats  über  das  Leben  und  Wirken  Schwarzenbergers 
uns  übermittelt. 

Über  sein  Leben  erfahren  wir,  daß  der  Künstler  dem  Vernehmen  nach  1538 
nach  Regensburg  übergesiedelt  sei.  Der  Augsburger  Rat  drückt  sich  ganz  bestimmt 
aus:  vor  zwei  Jahren.  Danach  müssen  wir  annehmen,  daß  Hans  Schwarzenberger 
sich  auch  noch  in  den  Jahren  1535  bis  1538  in  Augsburg  aufgehalten  habe,  wäh- 
rend wir  sonst  eher  vermuten  würden,  daß  er  bereits  1535  von  dort  weggezogen  sei, 
da  wir  ihm  in  diesem  Jahre  nicht  mehr  in  den  Steuerbüchern  begegnen.  Am  26.  April 
1535  gab  ein  Gregori  Schwartzenberger  sein  Augsburger  Bürgerrecht  auf  ^'');  es  wäre 
möglich,  daß  dies  der  in  den  Nürnberger  Briefbüchern  vorkommende  Verwandte 
unseres  Formschneiders  gewesen  sei,  und  die  Annahme  naheliegend,  daß  Hans  dem 
Gregor  alsbald  gefolgt  sei.  Dem  steht  aber,  wie  gesagt,  jene  Angabe  des  Augsburger 
Rats  entgegen,  an  die  wir  uns  doch  werden  halten  müssen,  wenn  auch  das  frühere 


3G)  Den  Wortlaut  des  Briefes  s.  im  „Anhang"  unter  Nr.  III. 

37)  Für  die  freundliche  Unterstützung  meiner  Studien  durch  Auskünfte  bin  ich  den  Vor- 
ständen des  K.  Geheimen  Staatsarchivs  in  Berlin  und  des  Königl.  Hausarchives  in  Charlotten- 
burg zu  Dank  verpflichtet. 

38)  Vgl.    Habich  im  Jahrbuch  der  Kgl.  Preuß.  Kunstsammlungen  XXVII  (1906)  S.  49- 

39)  Frdl.  Mitteilung  des  Herrn  Obersekretärs  Hirschmann. 


VON  THEODOR  HAMPE.  73 


Verschwinden  des  Hans  Schwarzenberger  aus  den  Steuerregistern  auffällig  bleibt  und 
nur  schwer  zu  erklären  ist.  In  Regensburger  Urkunden  oder  Akten  hat  sich  der 
Künstler  bisher  nicht  nachweisen  lassen-*"). 

In  Augsburg,  heißt  es  in  der  Auskunft  des  Rats  ferner,  habe  Schwarzenberger 
sich  mit  Formschneiden  und  Chroniken  abgegeben.  Wollten  wir  uns  auch  hier  streng 
an  den  Wortlaut  halten,  so  läge  es  nahe,  bei  den  beiden  koordinierten  Tätigkeiten 
einerseits  an  die  Arbeit  für  den  Holzschnitt,  andererseits  an  schriftstellerische  Be- 
tätigung, an  Chronikschreiberei,  zu  denken.  Allein  die  hier  an  sich  schon  etwas  nach- 
lässige, nicht  sehr  bestimmte  Ausdrucksweise  des  Rats  läßt  wohl  auch  noch  eine 
andere  Erklärung  zu,  die  meines  Erachtens  die  größere  Wahrscheinlichkeit  für  sich 
hat,  nämlich  die,  daß  mit  dem  Passus  gemeint  sein  sollte,  Schwarzenberger  habe  sich 
in  Augsburg  als  Xylograph  für  Formbücher  und  Chroniken  betätigt.  Solange  daher 
unser  Künstler  nicht  auch  als  Chronist,  als  Mitarbeiter  an  den  geschichtlichen  Werken, 
die  von  ca.  1528  bis  1538  in  Augsburg  erschienen,  nachgewiesen  ist,  solange  möchte 
ich  ihn  lediglich  auf  den  Wortlaut  der  angeführten  Stelle  hin  nicht  auch  unter  die 
Literaten  des  damaligen  Augsburgs  einreihen,  vielmehr  in  jenem  Passus  einen  Finger- 
zeig sehen,  in  welcher  Richtung  wir  suchen  müssen,  wenn  wir  über  die  beschriebenen 
Formbüchlein  hinaus  zu  weiteren  Arbeiten  seiner  geschickten  Hand  gelangen  wollen. 
Einem  solchen  Bestreben  muß  aber  vor  allem  eine  Untersuchung  über  die  Originalität 
der  Ornamentschnitte  vornehmlich  in  den  Modelbüchern  II  und  III,  eine  Scheidung 
des  Eigenen  von  dem  Entlehnten  vorausgehen.  Über  einen  Anfang,  einen  Versuch 
werden  wir  dabei  freilich  nicht  hinauskommen,  da  es  dem  Verfasser  trotz  eifriger  Be- 
mühung nicht  möglich  war,  sich  das  gesamte,  für  die  Beurteilung  nötige  Vergleichs- 
material zu  beschaffen.  Die  Seltenheit  und  Kostbarkeit  der  frühen  Modelbücher 
hat  auch  hier  die  Forschung  auf  Schritt  und  Tritt  erschwert  und,  wie  ich  gleich  hin- 
zufügen will,  über  manchen  wichtigen  Punkt  zu  völliger  Klarheit  leider  nicht  ge- 
langen lassen. 

IV. 

Vergleichen  wir  die  beiden  Schwarzenbergerschen  Modelbücher  zunächst  mit 
den  ihnen  der  Zeit  nach  vorangehenden  deutschen  Erscheinungen  dieser  Art,  so  ist 
bezüglich  des  ältesten  uns  bekannten  deutschen  Büchleins,  des  1525  zu  Zwickau  durch 
Jörg  Gastel  gedruckten  „Newen  Modelbuchs"  von  N(icolaus)  H( ausmann)  zu 
sagen,  daß  es  kaum  irgendwelche  Berührungspunkte  mit  Schwarzenberger  aufweist ^^). 
Allerdings  habe  ich  das  einzige  Exemplar  dieses  Werkchens  selbst,  das  die  Königl. 
Kunstgewerbe-Bibliothek  zu  Dresden  verwahrt,  nicht  eingesehen,  sondern  kann  mich 
nur  auf  die  von  Hippolyte  Cocheris  neu  herausgegebenen  französischen  Modelbücher 
von  Pierre  de  Ste  Lucie  und  von  Claude  Nourry*-),  sowie  auf  die  beiden  Ausgaben 

40)  Für  eine  negative  Auskunft  aus  den  Beständen  des  Stadtarchives  bin  ich  dem  Magistrat 
der   Kreishauptstadt   Regensburg  zu   Dank  verpflichtet. 

41)  Vgl.  über  dieses  Modelbuch  E.  Kumsch  in  Kunst  und  Kunsthandwerk  VI  (1903) 
S.  512  ff.  Herr  Prof.  Kumsch  in  Dresden  war  auch  so  liebenswürdig,  mir  eine  genaue  Zu- 
sammenstellung des  in  dem  Hausmannschen  Buche  enthaltenen  Materials  (Vergleich  mit 
Cocheris"  Publikation,  Quentel  usw.)  zukommen  zu  lassen,  wofür  ihm  an  dieser  Stelle  herzlicher 
Dank   gesagt   sei. 

42)  Hippolyte  Cocheris,  Patrons  de  broderie  et  de  lingerie  du  XVI.  sidcle.     Paris  1872. 


74  D.  AUGSB.   FORMSCHN.  HANS  SCHWARZENBERGER  U.  S.  MODELE.  A.  D.  J.  1534  U.  1535. 

des  Peter  Quentelschen  Musterbuches  von  1527  und  1529^^)  beziehen.  Diese  Bücher 
enthalten  alles,  was  das  Dresdner  Exemplar  des  Hausmannschen  Modelbuches  bietet 
mit  Ausnahme  lediglich  der  Blätter  28  und  32  bei  Hausmann,  die  sich  als  die 
Blätter  27  und  4  zwar  in  einem  „New  getruckten  Modelbüchli"  gefunden  haben 
würden,  das  1902  in  Jacques  Rosenthals  Antiquariat  in  München  zu  verkaufen 
war^'*),  inzwischen  aber,  wie  mir  Herr  Jacques  Rosenthal  mitzuteilen  so  liebenswürdig 
war,  an  einen  Londoner  Bücherliebhaber  verkauft  worden  ist.  Es  war  dies  gewisser- 
maßen eine  vierte,  vermutlich  in  der  Schweiz  gedruckte  Ausgabe  des  Hausmannschen 
Büchleins,  dessen  durch  das  Dresdener  Exemplar  repräsentierter  früherer  Ausgabe 
übrigens  bereits  im  gleichen  Jahre  1525  eine  vermutlich  erste  vorangegangen  sein 
muß  und  auch  im  Jahre  1527  schon  eine  dritte  gefolgt  war. 

Dürfen  wir  also  —  vorbehaltlich  eines  Vergleichs  der  Blätter  28  und  32  — 
mit  ziemlicher  Sicherheit  annehmen,  daß  Hans  Schwarzenberger  keine  dieser  vier 
Ausgaben  des  Hausmannschen  Modelbuches  gekannt  oder  benutzt  hat  und  dürfen 
wir  auch  gleich  hinzufügen,  daß  sich  auch  keine  näheren  Beziehungen  zu  den  frühen 
Ausgaben  des  Quentelschen  Modelbuches  ergeben,  so  müssen  wir  anderer- 
seits bei  einem  Vergleich  mit  dem  zuerst  1527  zu  Frankfurt  a.  M.  bei  Christian 
Egenolf  f  erschienenen  „Modelbuch  aller  art  Nehewercks  und  Stickens"  feststellen, 
daß  Schwarzenberger  aus  diesem  Buche  in  ausgiebiger  Weise  entlehnt  hat.  Zitiere  ich 
nach  der  M.  zur  Strassenschen  Ausgabe  des  Egenolffschen  Modelbuches  *  ^),  die  allerdings 
auch  nach  1527  erst  hinzugefügte  Blätter  in  sich  enthält  —  Nr.  28  ist  z.  B.  von  1533 
datiert  — ,  für  deren  sämtliche  Muster  wir  aber  doch  wohl  eine  den  Schwarzenberger- 
schen  Modelbüchern  voranliegende  Entstehungszeit  annehmen  müssen,  so  ergeben 
sich  folgende  Übereinstimmungen: 

S  c  h  w.  N  r.  3  0:  die  beiden  kleinen  Runde  oder  „venedigischen  Sterne"  rechts 
entsprechen  fast  durchaus  den  Rundornamenten  auf  dem  Titelblatt  des  Egenolffschen 
Modelbuches,  die  hier  jedoch  offenbar  bereits  aus  dem  „Esemplario  di  lauori"  des 
Zoppino  von  1530  entlehnt  sind.  Bei  Egenolff  haben  die  Runde  einen  Durchmesser 
von  43,  bei  Zoppino  und  Schwarzenberger  einen  Durchmesser  von  nur  40  mm.  Aus 
dieser  Übereinstimmung  mit  Zoppino  und  besonders  weil  sich  sonst  im  ganzen  II. 
Schwarzenbergerschen  Modelbuch  hinsichtlich  des  Egenolffschen  Werkes  keinerlei 
Entsprechung  findet,  ist  mit  großer  Wahrscheinlichkeit  zu  schließen,  daß  Schwarzen- 
berger bei  Herausgabe  seines  zweiten  Modelbuchs  im  Jahre  1534  das  Egenolffsche 
Buch  noch  unbekannt  war,  jene  „Sterne"  also  aus  Zoppino  entnommen  sind,  der, 
wie  wir  sehen  werden,  rür  das  II.  wie  für  das  III.  Modelbuch  Schwarzenbergers  stark 
hat  herhalten  müssen.  Möglich,  daß  die  Bekanntschaft  mit  dem  Egenolffschen  Büch- 
lein und  die  Absicht,  nunmehr  namentlich  auch  dieses  auszuschlachten,  dann  im 
folgenden  Jahre  den  eigentlichen  Anlaß  zur  Veröffentlichung  des  III.  Modelbuches 
gegeben  haben. 


43)  Musterbuch  für  Ornamente  und  Stickmuster  von  Peter  Quentel  (1527—1529)-  Heraus- 
gegeben vom  Leipziger  Kunstgewerbe-Museum.    Leipzig,  0.  J.  (1882).    Verlag  von  A.  M.  Götze. 

44)  Vgl.    Kunst  und    Kunsthandwerk  VI   (1903)   S.   517- 

45)  Chr.  Egenolff,  Modelbuch,  aller  art  Nehewercks  vnd  Stickens  .  .  .  Herausgegeben 
vom  Kunstgewerbe-Museum  zu  Leipzig  unter  Redaktion  de*^  Prof.  M.  zur  Strassen.  Verlag 
von    George  Gilbers  in   Dresden,   iSSO. 


VON  THEODOR  HAMPE.  75 


Schw.  32  entspricht  in  der  Zeichnung  so  genau  Egenolff  17,  daß  wir  fast 
an  die  Verwendung  des  gleichen  Holzstocks,  den  Schwarzenberger  ja  1534  oder  1535 
erworben  haben  könnte,  zu  denken  gezwungen  sind. 

Schw.  36:  getreue  Kopie  von  Eg.  22. 

Schw.  38  und  39:  zu  diesen  beiden  Tafeln  mit  je  5  Börtchen  sind  aller 
Wahrscheinlichkeit  nach  die  gleichen  Holzstöcke  benutzt,  die  früher  für  Eg.  47  und  51 
zur  Verwendung  gekommen  waren.     Dasselbe  gilt  von 

Schw.  43  und  seiner  Entsprechung  Eg.  34,  doch  scheint  der  gleiche  Holz- 
stock hier  von  Schwarzenberger  etwas  nachgeschnitten  worden  zu  sein. 

Seh  w.  4  8  entspricht  in  der  Zeichnung  genau  Eg.  21  und  ist  wahrscheinlich 
unter  Verwendung  des  gleichen  Holzstocks  entstanden. 

S  c  h  w.  5  5  oben:  entspricht  völlig  Eg.  32  links;  wohl  Abdruck  des  gleichen 
Holzstocks,  der,  als  Schwarzenberger  ihn  benutzte,  schon  etwas  schadhaft  gewesen 
sein  müßte. 

Abgesehen  von  diesen  direkten  Entlehnungen  finden  sich  bei  Schw.  noch  zahl- 
reiche Anklänge  an  Eg.  So  lehnen  sich  Nr.  49  und  56  bei  Schv/.  ihrer  Art  nach  gleich- 
falls stark  an  Eg.  17  an,  ist  die  obere  Leiste  von  Schw.  51  offenbar  Eg.  29  nach- 
empfunden u.  s.  f. 

Ähnlich  wie  zu  dem  Egenolffschen  Buche  scheint  das  Verhältnis  der  beiden 
Schwarzenbergerschen  Werkchen  zu  dem  „Newen  Modelbuch  auff  die  Welschen 
monier.  Gedruckt  zu  Augspurg  durch  Heinrich  Steyner  MDXXXIIH*^)  zu  liegen, 
doch  ist  die  Untersuchung  hier  durch  die  annähernd  gleiche  Erscheinungszeit,  sowie 
durch  den  Umstand,  daß,  wie  wir  sehen  werden,  Heinrich  Steyner  der  einzige 
unter  den  damaligen  Augsburger  Buchhändlern  ist,  für  dessen  ausgedehnten  Verlag 
Hans  Schwarzenberger  gearbeitet  haben  könnte  und  wahrscheinlich  auch  gearbeitet 
hat,  einigermaßen  erschwert.    Ich  gebe  zunächst  den  Tatbestand: 

Seh  w.  5  bietet  in  etwas  veränderter  Auffassung  das  gleiche  Muster  wie 
Steyner  Nr.  34. 

Schw.  24  entspricht  im  wesentlichen  Steyner  9,  doch  ist  bei  Schwarzenberger 
eine  der  beiden  seitlichen  Borten  fortgelassen. 

Schw.  25  entspricht  Steyner  Nr.  23,  wie,  vermutlich  im  Anschluß  an  Steyner 
insbesondere  die  obere  Leiste  mit  den  Groteskengestalten  eines  Meergotts  und  einer 
Meergöttin  zu  beiden  Seiten  einer  Art  von  stilisiertem  Brunnen  oder  Fontäne  auch  in 
späteren  Modelbüchern  (z.  B.  Hofer  1545,  B.  Jobins  Erben  1598)  noch  ver- 
schiedentlich begegnet.  Ohne  Zweifel  ist  jedoch  bei  Schwarzenberger  hier  sowohl 
wie  hinsichtlich  der  zweiten  Leiste  die  Zeichnung  feiner  und  sicherer,  die  Verteilung 
im  Räume  klarer,  die  Erfassung  und  Wiedergabe  mancher  Einzelheiten  richtiger,  die 
ganze  Wirkung  daher  künstlerischer  als  bei  dem  betreffenden  Blatt  im  Steynerschen 
Modelbuch.  Und  das  Gleiche  gilt  im  wesentlichen  auch  von  den  folgenden  Ent- 
sprechungen, die  sich  hier  überall  lediglich  auf  das  Muster  als  solches,  keineswegs  auch 
auf  die  Art  der  Ausführung  beziehen.    An  die  Benutzung  der  gleichen  Holzstöcke  kann 


46)  Neudruck:   Leipzig,  E.   A.   Seemann,  1889. 


76  D.  AUGSB.    FORMSCHN.   HANS  SCHWARZENBERGER   U.  S.  MODELE.  A.  D.  J.  1534  U.  1535. 

in  keinem  Falle  gedacht  werden.    So  entspricht  weiterhin  im  II.  der  Schwarzen- 
bergerschen  Modelbücher  (15.34): 

S  c  h  w.  26:  Steyner  45, 
„       27:  „       50, 

„       28:  „      49. 

Ferner  im  III.  Schwarzenbergerschen  Modelbuch  (1535) 

S  c  h  w.  41 :  Steyner  41, 
„      44:  „      32, 

„      45:  „      37, 

„      46:  „      35, 

„      47:  „      25, 

„       52:  „      46 

53  (vgl.  auch  Schw.  2):  Steyner  28  und 

S  c  h  w.  54:  Steyner  44. 

Wie  sollen  wir  uns  nun  diese  Übereinstimmungen  erklären  ?  Die  Möglichkeit, 
daß  Schwarzenberger  auch  der  eigentliche  Urheber  des  Steynerschen  Modelbuches 
gewesen  sei,  für  Steyner  die  Holzschnitte  hergestellt  habe,  scheidet  wohl  sogleich  aus, 
denn  es  herrscht  in  dem  Steynerschen  Buch,  in  seinen  vielfach  deutlich  auf  Applikations- 
stickerei abzielenden  Mustern  durchweg  ein  ungleich  stärkerer  Sinn  für  das  Plastische, 
als  bei  Schwarzenberger,  bei  dem  das  rein  Zeichnerische  überall  im  Vordergrund  steht 
und  dessen  Muster  fast  sämtlich  durchaus  in  der  Fläche  bleiben.  Direkte  Entlehnung 
aus  dem  Steynerschen  Buch  auf  Seiten  Schwarzenbergers  anzunehmen,  wie  wir  es 
namentlich  für  seine  erst  1535  erschienenen  Nummern  41,  44—47  und  52—54  ja  wohl 
müßten,  kann  ich  mich  gleichfalls  nicht  recht  entschließen  einmal  wegen  der  oben 
angedeuteten  in  mancher  Hinsicht  tüchtigeren  künstlerischen  Qualitäten  der  Schwar- 
zenbergerschen Blätter  und  dann  auch,  weil  ich  es  nicht  für  sehr  wahrscheinlich  halte, 
daß  Schwarzenberger  es  unmittelbar  nach  dem  Erscheinen  des  neuen  Verlagswerkes 
Heinrich  Steyners,  in  dem  wir,  wie  gesagt,  einen  seiner  hauptsächlichsten  Auftrag- 
geber vermuten  dürfen,  gewagt  haben  sollte,  das  Büchlein  alsbald  auszuplündern, 
eine  Reihe  von  Mustern  daraus  in  das  Werk,  das  er  auf  eigene  Rechnung  erscheinen 
ließ,  in  veränderter  Gestalt  aufzunehmen.  Einleuchtender  wäre  wohl  noch,  daß 
Steyner,  vielleicht  mit  Einwilligung  Schwarzenbergers,  eine  Anzahl  Muster  desselben, 
die  möglicherweise  einzeln  bereits  vor  1535  fertiggestellt  und  in  Umlauf  waren,  von 
einem  Formschneider  derberer  Art  habe  nachschneiden  lassen,  um  sie  in  dem  damals 
gerade  geplanten  Modelbuch  zu  verwenden.  Allein  das  wahrscheinlichste  dürfte  doch 
sein,  daß  Steyner  sowohl  wie  Schwarzenberger  aus  einem  dritten,  etwa  italienischen 
Modelbuch  geschöpft  oder  fremde  Musterblätter  benutzt  haben,  die  wir  heute  nicht 
mehr  nachzuweisen  vermögen.  Namentlich  die  italienischen  Bibliotheken  und  Samm- 
lungen sind  nach  dergleichen  Büchern  und  Blättern  noch  wenig  durchforscht,  es  kann 
sich  noch  viel  unbekanntes  und  für  Fragen  wie  die  vorliegende  wichtiges  Material  in 
ihnen  verstecken;  und  wenn  auch  nach  der  bisherigen  Forschung  über  Modelbücher 
festzustehen  scheint,  daß  auf  diesem  Gebiete  in  der  ersten  Hälfte  des  16.  Jahrhunderts 
Deutschland  in  der  Regel  der  gebende,  Italien  der  nehmende  Teil  gewesen  ist,  so  haben 
sich  doch  auch  hier  bereits  manche  Entlehnungen  deutscher  Künstler  aus  italienischen 
Werken  nachweisen  lassen,  sind  wir  überdies  über  manche  hie  und  da  mit  Notwendig- 


VON  THEODOR   HAMPE.  77 


keit  vorauszusetzende  Zwischenglieder  noch  kaum  unterrichtet,  kurz  liegt,  wie  schon 
mehrfach  hervorgehoben,  die  ganze  Entwicklung  noch  keineswegs  in  genügender  Klar- 
heit vor  uns.  Zudem  machen  in  unserem  besonderen  Falle  gerade  einige  der  Schwarzen- 
berger  und  Steyner  gemeinsamen  Muster,  wie  das  prächtig  stilisierte  Akanthus- 
Ornament  Schw.  26  oder  die  Fisch-  und  Drachengrotesken  von  Schw.  44  und  46 
ganz  und  gar  den  Eindruck  von  Eingebungen  des  italienischen  Kunstgeschmacks,  des 
Formensinnes  der  italienischen  Renaissance;  und  für  Schwarzenberger  werden  wir 
überdies,  wenn  wir  uns  nunmehr  den  Beziehungen  seines  II.  und  III.  Modelbuchs  zu 
den  frühesten  italienischen  Veröffentlichungen  dieser  Art  zuwenden,  die  genaue  Be- 
kanntschaft mit  mehreren  derselben  durch  seine  Entlehnungen  daraus  unzweideutig 
nachweisen  können. 

Des„Nicolod'Aristotile  dettoZoppino"  und  seines  Modelbuches  „Esemplario  di 
lauori"  (Venedig  1 530)'*^)  ist  bereits  oben  Erwähnung  geschehen.  Außer  den  daselbst 
besprochenen  beiden  „Sternen"  hat  Schwarzenberger  auch  noch  ein  paar  andere 
ähnliche  Figuren  aller  Wahrscheinlichkeit  nach  aus  dem  Zoppino  entlehnt,  denn: 

Seh  w.  29  links  stimmt  in  seiner  Linienführung  fast  durchaus  mit  dem  bei 
Zoppino  (1530)  auf  dem  dritten  Blatte  wiedergegebenen  Runde,  dessen  Mitte  nur  un- 
wesentlich abweicht  und  dessen  Muster  bei  Schw.  schwarz  auf  weiß  erscheint,  während 
es  sich  bei  Zoppino  weiß  von  schwarzem  Grunde  abhebt,  überein. 

Schw.  37  links  entspricht  genau  dem  Rund  auf  Blatt  11  bei  Zoppino  (1530) 
unten.    Ebenso 

Schw.  40  links  dem  Runde  auf  Bl.  15  bei  Zoppino  (1530)  oben, 

Schw.  40  unten  rechts  dem  Maureskenspitzoval  auf  dem  3.  Blatte  des 
Zoppino  (1530)  unten  rechts. 

Nicht  minder  ergibt  sich  beim  Vergleich  eine  ganze  Reihe  von  Übereinstim- 
mungen unserer  Schwarzenbergerschen  Modelbücher  mit  dem  „Libro  primo"  und 
„Libro  secondo  De  rechami"  des  im  ganzen  aus  vier  Büchern  bestehenden  Werkes 
des  Paganino  und  Burato,  das  wie  des  Zoppino  „Esemplario"  bereits  vor  1534, 
1527  oder  1530,  erschienen  ist'*^)  und  dessen  direkte  oder  indirekte  Benutzung  durch 
Schwarzenberger  daher  gleichfalls  nicht  zweifelhaft  sein  kann.    So  ist  das  Muster 

Schw.  3  unten:  Paganino-Burato,  libro  11,  Blatt  9  links, 

Schw.  4:  Paganino-Burato,  libro  II  Blatt  4  u.  17, 

Schw.  6  oben:  Paganino-Burato  1.  II,  21  links, 

Schw.  6  unten:  Paganino-Burato  1.  II,  7  links  und  18  links 

Schw.  12:  Paganino-Burato  1.  I,  25, 

Schw.  13:  Paganino-Burato  1.  I,  27, 

Schw.  16  (das  Hauptmuster  hier  am  einen  Ende  um  die  letzten  Voluten 
gekürzt):  Paganino-Burato  1.  II,  10  und  20  und 

Schw.  19  unten:  Paganino-Burato  1.  II,  7  rechts  und  18  rechts 
nachgeschnitten.    Mögen  immerhin  die  meisten  Blätter  namentlich  in  den  beiden 
ersten  Büchern  „de  rechami"  keine  originalen  Leistungen  sein,  mögen  die  beiden 

47)  Facsimiledruck:    Venedig,    F.  Ongania,    1878   (Raccolta   di   opere   antiche   sui    disegni 
dei   merletti   di   Venezia,   Band   XI). 

48)  Facsimiledruck:   Venedig,    F.   Ongania.    1878    (Raccolta   Bd.  IX)  und   188O  (Raccolta 
Bd.    XIV  a). 


78  D.  AUGSB.  FORMSCHN.  HANS  SCHWARZENBERGER  U.  S.  MODELB.  A.  D.  J.  1534  U.  1535. 


italienischen  Formschneider  naciigewiesenermaßen  vor  allem  deutsche  Modelbücher, 
wie  das  Quentelsche  rücksichtslos  benutzt  haben :  wir  haben  hier  lediglich  festzustellen, 
daß  die  mit  Mustern  ihrer  Bücher  übereinstimmenden  Blätter  Schwarzenbergers 
sicherlich  ebenfalls  keinen  Anspruch  auf  Originalität  der  Erfindung  erheben  können. 

Von  dem  seltenen  Modelbuch  des  Vavassore  von  1531  war  mir  nur  ein 
ziemlich  lückenhaftes  Exemplar  zugänglich*^),  das  aber  die  Abhängigkeit  unseres 
Schwarzenberger  auch  von  diesen  venezianischen  Holzschnitten  zur  Genüge  zeigt 
und  den  Nachweis  weiterer  Übereinstimmungen  an  der  Hand  eines  vollständigen 
Exemplars  des  Vavassore  wahrscheinlich  macht: 

S  c  h  w.  8  entspricht  nämlich  durchaus  dem  40.  Blatt  im  Modelbuch  des  Va- 
vassore, wenn  auch  die  Benutzung  des  gleichen  Holzstocks  ausgeschlossen  zu  sein  und 
lediglich  ein  sehr  genauer  Nachschnitt  vorzuliegen  scheint. 

S  c  h  w.  11  ist  ein  Teil  des  Musters,  das  bei  Vavassore  Bl.  A  XII  b  in  kleineren 
Abmessungen  und  von  einer  Borte  begleitet  erscheint. 

S  c  h  w.  17  entspricht  genau  Vavassore  A  V  a. 

S  c  h  w.  42  entspricht  genau  Vavassore  A  XV  a. 

Endlich  wäre  noch.des  Giovanni  Antonio  Tagliente  „Esemplario  nuovoche 
insegna  a  le  Donne  a  cuscire,  a  raccamare"  etc.  „stampato  in  Vinegia  per  Giouanantonio 
et  i  Fratelli  da  Sabbio  MDXXXI"^*^)  zu  betrachten,  das  also  den  Modelbüchern 
Schwarzenbergers  gleichfalls  um  einige  Jahre  vorangeht.  Auch  von  Tagliente  hat  der 
Augsburger  Formschneider  offenbar  einiges  entlehnt.    So  ist 

Schw,  1,  das  Titelblatt,  was  die  ornamentale  Umrahmung  betrifft,  aus  den 
Zierleisten  mit  geschmackvoll  angeordnetem  Knoten-  und  Fadenwerk,  die  auf  S.  43 
des  Taglienteschen  Modelbuchs  erscheinen,  zusammengesetzt, 

Schw.  6,  untere  Leiste,  die  wir  übrigens  bereits  bei  Burato  nach- 
weisen konnten,  begegnet  etwas  verändert  auch  bei  Tagliente  Seite   28,  Mitte,  und 

Schw.  37,  das  größere  Rund  links,  das  wir  schon  bei  Zoppino  (1530)  antrafen, 
findet  sich  in  erheblich  größeren  Abmessungen  auch  bei  Tagliente  auf  Seite  34. 

Über  die  Originalität  der  bei  Vavassore  und  Tagliente  vorkommenden  Muster 
ist  freilich  dasselbe  zu  sagen,  wie  hinsichtlich  der  Paganino  und  Burato  oder  auch  des 
Zoppino :  sie  alle  nahmen  ihre  Motive  und  ganzen  Blätter,  wo  sie  sie  fanden,  sodaß  die 
Erfindung,  der  ursprüngliche  Entwurf  nur  selten  mit  Sicherheit  einem  bestimmten 
Künstler  vindiziert  werden  kann.  Es  ist  daher  auch  nicht  ausgeschlossen,  daß  in  einem 
zweiten,  erst  1537  bei  Zoppino  in  Venedig  erschienenen  Modelbuche,  das  den  Titel 
trägt:  „Gli  universali  de  i  belli  Recami  antiqui  e  moderni"^^),  vor  allem  eine  große 
Anzahl  Muster  des  Steynerschen  Modelbuches  in  Nachschnitten  bringt  und  auch  ab- 
gesehen davon  noch  einige  weitere  Übereinstimmungen  mit  Schwarzenberger  aufweist 
als  Zoppinos  „Esemplario  di  lauori"  von  1530,  eben  diese  Übereinstimmungen  auf 
Entlehnung  seitens  Zoppinos  aus  den  1534  und  1535  erschienenen  Modelbüchern  des 
Hans  Schwarzenberger  beruhen.    Auf  einen  sehr  regen  Verkehr  gerade  unter  den 


49)  Exemplar  der  Bibliothek  des  Kunstgewerbemuseums  in  Berlin:  Ornamentstichkatalog 
Nr.  925.  Dem  Kunstgewerbemuseum  in  Berlin  fühle  ich  mich  auch  sonst  für  die  liebens- 
würdige Unterstützung  mit  Literatur  zu  Dank  verpflichtet. 

50)  Exemplar  der  gleichen  Bibliothek:  Ornamentstichkatalog  Nr.  924. 

51)  Facsimiledruck:    Venedig,   Ongania,   1876  (Raccolta   Bd.    IV). 


VON  THEODOR  HAMPE.  7Q 


Formschneidern  und  Modelbuch-Verfertigern  und  -Verlegern  in  jener  Zeit,  insonder- 
heit auch  zwischen  denjenigen  Augsburgs  und  Venedigs  wird  schon  aus  unseren  bis- 
herigen Vergleichen  mit  Sicherheit  geschlossen  werden  können.  Ich  stelle  hier  noch 
kurz  die  Entsprechungen  von  Zoppino  (15  37)  und  Schwarzenberger  zusammen,  so- 
weit sie  sich  bei  Zoppino  (1537)  nicht  aus  der  offensichtlichen  Plünderung  Steyners, 
aus  der  mit  Schwarzenberger  gemeinsamen  Benutzung  des  Vavassore  oder  anderer 
oben  behandelter  Modelbücher  erklären  lassen.  Die  Möglichkeit  einer  gemeinsamen 
Quelle  soll  dabei  wiederum  keineswegs  ausgeschlossen  sein. 

Zoppino  (1537)  A  XI  1:   drei  der  Runde  oder  Sterne  entsprechen  Schw.  33, 

Zoppino  (1537)  A  XII  1:  Schw.  20,  und 

Zoppino  (1537)  A  XIII,  3  unten:  Schw.  19  oben. 

Auch  mit  Vavassore  und  Tagliente  ist  nun  zwar  die  Zahl  der  vorschwarzen- 
bergerschen  italienischen  Modelbücher  noch  keineswegs  erschöpft,  doch  habe  ich  im 
Inhalt  der  übrigen,  soweit  ich  mir  dieselben  zugänglich  machen  konnte,  keine  Be- 
ziehungen zu  Schwarzenbergers  Blättern  mehr  gefunden.  Das  gilt  insbesondere  auch 
von  dem  Arabesken- Werke  des  Francesco  diPellegrino,  das  dieser  zu  Fontainebleau 
wirkende  Florentiner  im  Jahre  1530  unter  dem  Titel  „La  Fleur  de  la  Science  de 
Pourtraicture"  hatte  erscheinen  lassen  5-).  Es  bietet  so  wenig  irgend  welche  Über- 
einstimmungen mit  Schwarzenberger,  wie  andererseits  das  ehemals  unter  Peter  Flötners 
Namen  gehende  Kunstbuch,  das  1 547  bei  dem  Formschneider  RudolfWyssen- 
bach  zu  Zürich  im  Druck  erschien ^ 3).  Nach  Reimers ^^)  ist  anzunehmen,  daß 
auch  Wyssenbach  seine  Folge  aus  den  Arbeiten  der  verschiedensten  Künstler,  darunter 
auch  Flötners,  zusammenstellte,  und  es  wäre  daher  sehr  wohl  möglich  gewesen,  daß 
wir  darunter  auch  Muster  aus  den  Modelbüchern  Hans  Schwarzenbergers,  in  dessen 
noch  nicht  auf  eine  fremde  Vorlage  zurückgeführten  Blättern  gerade  die  Arabeske 
eine  nicht  unwichtige  Rolle  spielt,  angetroffen  hätten.  Aber  Schwarzenbergers  Ar- 
beiten scheinen  keine  weite  Verbreitung  gefunden  zu  haben,  was  aus  der  Seltenheit 
ihres  Vorkommens  in  unserer  Zeit  nicht  ohne  weiteres  gefolgert  werden  dürfte.  Der 
fast  völlige  Mangel  an  direkten  und  sicheren  Entlehnungen  aus  Schwarzenbergers 
Büchern  in  späterer  Zeit,  vornehmlich  in  den  Modelbüchern  aus  der  zweiten  Hälfte 
der  dreißiger  und  aus  den  vierziger  Jahren  des  16.  Jahrhunderts,  von  denen  ich,  was 
mir  nur  irgend  erreichbar  war,  daraufhin  durchgesehen  habe,  läßt  indessen  darauf 
schließen. 

Abgesehen  von  der  doch  recht  fraglich  bleibenden  Abhängigkeit  des  Zoppino 
von  1537  von  Schwarzenberger,  von  der  oben  bereits  gehandelt  worden  ist,  scheint 
mir  eine  offenbare  Entlehnung  aus  Schwarzenberger  bisher  nur  in  dem  Titelblatte  zu 
dem  „Neuen  Formbüchlen  derWeyssen  Arbeyt"  des  Augsburger  Briefmalers  Hans 
Hof  er  vom  Jahre  1545  vorzuliegen,  das  in  Abbildung  4  wiedergegeben  ist  5^).    Hofer, 


52)  Facsimiledruck  mit  Einleitung  von  Gaston  Migeon:  Paris,  Jean  Schemit,  1908. 

53)  Neudruck:   Berlin,   Rud.  Schuster,  1882. 

54)  J.  Reimers,  Peter  Flötner  nach  seinen  Handzeichnungen  und  Holzschnitten  (München 
und   Leipzig  1890).   S.   33. 

55)  Nach  dem  Exemplare  des  seltenen  Büchleins,  das  sich  bis  vor  kurzem  im  Besitze  des 
Herrn  Kommerzienrats  Butsch  in  Augsburg  befand,  neuerdings  aber  in  den  Besitz  von  Joseph 
Baer  &  Co.   in    Frankfurt  a.  M.  übergegangen  ist.     Für   die  freundliche   leihweise    Überlassung 


80 


D.  AUGSB.   FORMSCHN.  HANS  SCHWAR'ZENBERGER  U.  S.  MODELE.  A.  D.  J.  1534  U.  1535. 


der  im  übrigen  Quentel,  Egenolff,  Steyner  und  andere  weidlich  ausgenutzt  hat,  aber 
in  den  Band-  und  Knotenornamenten  auf  den  letzten  Seiten  seines  Buches  auch 
Eigenes  zu  bringen  scheint,  hat  wohl  ohne  Zweifel  für  die  Anordnung  der  Rahmen- 
verzierung seines  Titelblattes  eines  der  Titelblätter  Schwarzenbergers  unmittelbar  als 
Vorlage  benutzt. 


Abb.  4.    Titelblatt  zu  Hans  Hofers  Formbüchlein  von  1545. 

In  einem  richtigen  Verhältnis  zu  der  Kunst  allein  schon  des  Formschnitts,  die. 
wir  an  Hans  Schwarzenbergers  Blättern  anerkennen  und  bewundern  müssen,  stand 
also  der  Erfolg  seiner  Arbeit,  die  Wirkung  seines  Schaffens  gewiß  nicht.  Fast  un- 
beachtet versprühte  und  erlosch  wohl  sein  von  Haus  aus  nicht  gewöhnliches  Können. 
Mit  schuld  daran  mögen  die  beschränkten  Lebensumstände  unseres  Formschneiders, 
wie  wir  sie  oben  kennen  gelernt  haben,  und  Unzulänglichkeiten  seines  Charakters 
und  seiner  Sinnesart,  wovon  uns  die  allerdings  spärlichen  Akten  keinen  besonders 
hohen  Begriff  beizubringen  vermochten,  gewesen  sein. 


V. 
Scheiden  wir  aus  den  Mustern  der  beiden  Schwarzenbergerschen  Modelbücher 
H  und  HI,  die  auf  unseren  Tafeln  wiedergegeben  sind,  sowohl  diejenigen,  für  die  sich 
mit  Zuverlässigkeit  eine  bestimmte  Vorlage  hat  nachweisen  lassen,  als  auch  die,  für 


des  Werkchens  und  die  Erlaubnis  zur  Wiedergabe  des  Titelblatts  bin  ich    Herrn  Kommerzienrat 
Butsch  und  der   Firma  Baer  &  Co.  zu  lebhaftem  Danke  verbunden. 


VON  THEODOR  HAMPE.  81 


die  eine  solche  Vorlage  wegen  der  Übereinstimmung  mit  Blättern  des  Steynerschen 
Modelbuchs  anzunehmen  ist,  aus,  so  bleiben  noch  folgende  Nummern  übrig: 

Nr.  3  (oberer,  breiterer  Streifen), 

Nr.  6  (das  prächtige  Arabeskenmotiv  oben), 

Nr.  7, 

Nr.  9, 

Nr.  10, 

Nr.  14, 

Nr.  15, 

Nr.  18, 

Nr.  19  (obere  Hälfte,  doch  vgl.  Zoppino  von  15)7), 

JMr.  20  (doch  vgl.  Zoppino  von  1537), 

Nr.  21, 

Nr.  22, 

Nr.  23, 

Nr.  30  (das  große  Rund  links), 

Nr.  31, 

Nr.  33  (doch  vgl.  Zoppino  von  1537), 

Nr.  34, 

Nr.  35, 

Nr.  37  (das  kleinere  Rund  rechts), 

"         Nr.  49, 
Nr.  50, 
Nr.  51  und 
'^'      Nr.  56. 

Selbstverständlich  wäre  es  nun  aber  ein  schwerer  Fehlschluß,  wenn  wir  annehmen 
wollten,  daß  deswegen,  weil  wir  die  Herkunft  dieser  23  Muster  bisher  nicht  festzustellen 
vermochten,  die  betreffenden  Ornamentholzschnitte  der  eigenen  Erfindung  Schwarzen- 
bergers  zu  verdanken  sein  möchten.  Der  im  vorigen  Kapitel  vorgenommene  Vergleich 
hat  gezeigt,  daß  unserem  Formschneider  bei  seinen  Arbeiten  in  Büchern  oder  Blättern 
mannigfache  Hilfstruppen  zur  Verfügung  gestanden  haben  müssen  und  die  Orna- 
mentik, die  jene  restierenden  23  Blätter  aufweisen,  ist  im  Grunde  so  wenig  einheitlich 
und  hat  auch  —  abgesehen  etwa  von  Nr.  35  —  so  wenig  mit  dem  Stil  und  der  Kunst, 
wie  sie  uns  in  Schwarzenbergers  erstem  Modelbuch  entgegengetreten  sind,  zu  tun, 
daß  vielmehr  die  Vermutung  nahe  liegt,  der  Künstler  werde  auch  für  die  meisten  dieser 
23  Muster,  wenn  nicht  für  alle,  seine  Vorlagen  gehabt  haben,  ja  daß  wir  angesichts 
der  vielfältig  erwiesenen  Unselbständigkeit  Schwarzenbergers  auch  bezüglich  der 
reizvollen  Motive  und  Muster  seines  I.  Modelbuches  an  der  Originalität  der  Erfindung 
oder  auch  nur  der  Übersetzung  in  die  Kunst  des  Holzschnitts  und  Modeldrucks  zu 
zweifeln  beginnen  müssen. 

Unter  jenen  23  restierenden  Mustern  nun  umfaßt  eine  erste  Gruppe  prächtige 
Arabesken- Holzschnitte  (Nr.  6  oben,  Nr.  15,  21  und  22  oben),  von  denen  namentlich 
Nr.  15  sich  durch  reizvollen  Schwung  der  Linienführung  auszeichnet,  aber  in  seinem 
Hauptmuster  weniger  an  eine  Vorlage  für  Stickerei  oder  Wirkerei  als  für  Einlege- 
oder Ätzarbeit  denken  läßt.    Prächtig  und  kraftvoll  kommen  die  Arabeskenmotive 

Mitteilungen  aus  dem  German.  Nationalmuseum.     1909  .  5 


82  D.  AUGSB.    FORMSCHN.  HANS  SCHWARZENBERGER  U.  S.  MODELE.  A.  D.  J.  1534  U.  1535. 


in  Nr.  6  und  22  zum  Ausdruck,  doch  verrät  in  beiden  Fällen  das  offenbar  verkürzte, 
nicht  in  seinem  vollen  Rapport  gegebene  Muster,  daß  eine  fremde  Vorlage  benutzt  und 
zweckwidrig  verändert  worden  ist. 

Der  Gruppe  schließen  sich  mit  ähnlichen  Ornamentationsmotiven,  denen  sich 
gelegentlich  noch  Band  verschlingungen  zugesellen,  die  Nummern  18,  19  und  56,  in 
der  Hauptsache  wohl  als  Vorlagen  für  Applikationsstickerei  gedacht,  sowie  die  Runde 
von  Nr.  30,  33,  34  und  37  an.  Die  Art  der  letzteren,  namentlich  derjenigen  mit  Knoten - 
werk,  war  bekanntlich  zuerst  durch  Albrecht  Dürer,  dessen  „Knoten"  (Bartsch 
140—145)  um  1507  entstanden  waren,  in  die  deutsche  Kunst  eingeführt  worden.  Wir 
sahen,  daß  ebenso  wie  Dürer  auch  die  späteren  Modelbuchverfertiger  die  Anregung  dazu 
und  oft  auch  das  direkte  Vorbild  zunächst  und  vor  allem  aus  der  Kunst  Venedigs  be- 
kommen haben. 

Für  einige  Muster  mit  Band  verschlingungen  (Nr.  3,  7,  9,  10,  20)  werden  wir 
die  Vorlagen  wohl  gleichfalls  in  Italien  zu  suchen  haben.  Nr.  9  ist  außerdem  durch 
ein  ansprechendes  Weinrankenmotiv,  bei  dem  Blätter  und  Trauben  mit  gut  stilisierten 
Adlern  abwechseln,  ausgezeichnet.  Eine  intermittierende  Weinranke  begegnet  auch 
auf  Nr.  14,  deren  Hauptmuster  sich  übrigens  mit  einem  der  auf  Weißzeugstickerei 
berechneten  Blätter  (Nr.  11)  im  wesentlichen  deckt. 

Außer  der  Holbeinstichvorlage  Nr.  23  und  der  wohl  auf  Seidenstickerei  ab- 
zielenden Nr.  35,  von  der  bereits  oben  die  Rede  war,  hätten  wir  hier  dann  schließlich 
noch  eine  Gruppe  von  4  Blättern  (Nr.  31,  49,  50,  51)  zu  betrachten,  deren  fein  ge- 
zeichnete, größtenteils  figürliche  Motive  und  Darstellungen  zu  demReizvollsten  gehören, 
was  uns  die  Schwarzenbergerschen  Modelbücher  bieten.  Nr.  31  zeigt  oben  das  Urteil 
des  Paris,  unten  zu  beiden  Seiten  einer  Groteske  mit  Bocksbeinen,  die  ähnlich  auch 
auf  Nr.  48  wiederkehrt  und  letzten  Grundes  wohl  auf  Barthel  Beham  (Pass.  77)  zw- 
rückgeht^^),  Salome  mit  dem  Haupte  des  Täufers  und  Lukretia;  das  Dekor  der  zwei 
Borten  von  Nr. 49  wird  durch  Palmetten-,  Akanthus-  und  Rankenornament  bestritten; 
auf  Nr.  50  sehen  wir  oben  zwei  Einhörner  zu  beiden  Seiten  eines  Brunnens,  dazu  Vasen 
mit  Blumen  und  Laub,  unten  sperberartige  Vögel,  Blumen  und  Blumenschalen,  auf 
Nr.  51  endlich  Pfauen  zu  beiden  Seiten  einer  Vase  und  Fruchtbäume,  unten  helm- 
und  schwertbewehrte  Putten  zu  beiden  Seiten  einer  Art  von  Brunnen  und  niedrige 
Kandelaber.  Wenn  auch  wiederholt  auf  mehr  oder  minder  starke  Anklänge  in  diesen 
Blättern  an  die  Kunst  anderer  hingewiesen  werden  konnte,  und  sich  solche  Hinweise 
unschwer  mehren  ließen,  so  hat  es  mir  doch  bisher  nicht  gelingen  wollen,  die  direkten 
Vorbilder  für  sie  zu  eruieren. 

So  sicher  gezeichnet  und  geschmackvoll  angeordnet  aber  auch  insbesondere 
Nr.  31  und  Nr.  50  erscheinen,  so  glaube  ich  nach  der  überwiegenden  Mehrzahl  der  üb- 
rigen Blätter  seiner  Modelbücher  doch  kaum,  daß  Schwarzenbergers  Stärke  vornehm- 
lich im  Figürlichen  bestanden  haben  sollte,  daß  eben  auf  diesem  Gebiete  Erzeugnisse 
seiner  sonstigen  Tätigkeit  für  den  Holzschnitt,  für  die  Buchausstattung  zu  suchen 
sein  werden.  Es  kommt  hinzu,  daß,  wenn  man  die  illustrierten  Werke  des  Augsburger 
Buchdrucks  aus  der  Zeit  von  1528  bis  1540,  wie  sie  mir  in  der  Bibliothek  des  Ger- 
manischen Museums  und  der  Augsburger  Stadtbibliothek  nahezu  vollzählig  zur  Ver- 


56)  Diesen  Hinweis  verdanke  ich  Dr.   Gustav  Pauli  in  Bremen. 


VON  THEODOR  HAMPE.  83 


fügung  standen,  daraufhin  durchprüft,  sich  keine  Gruppe  figürlicher  Darstellungen 
herausschälen  läßt,  die  auf  Grund  eines  Vergleichs  nicht  sowohl  des  Stils  als  lediglich 
der  Holzschnittechnik  etwa  der  letztbehandelten  Nummern  31  und  49—51  und  dazu 
des  Titelblatts  zum  I.  Modelbuch  mit  Schwarzenberger  einigermaßen  sicher  in  Be- 
ziehung zu  setzen  wäre.  Eher  möchten  wohl  unter  den  Zierleisten,  Schlußstücken 
und  dem  sonstigen,  wesentlich  ornamentalen  Buchschmuck  der  Augsburger  Druck- 
erzeugnisse jener  Zeit  einzelne  Holzschnitte  wegen  der  gleichen  kräftigen,  sicheren 
und  klaren  Art  der  Ausführung,  die  in  Schwarzenbergers  Modelbüchern  vorherrscht, 
als  Produkte  seines  Schneidmessers  anzusprechen  sein. 

Die  Offizinen  von  Silvanus  Othniar,  Valentin  Othmar,  Philipp  Ulhart  und 
Alexander  Weißenhorn  kommen  dabei  kaum  in  Betracht.  Wo  die  aus  ihnen 
hervorgegangenen  Bücher  Illustrationen  oder  sonstigen  Buchschmuck  bieten, 
haben  diese  Holzschnitte  weder  in  Stil  noch  Technik,  so  viel  ich  sehe,  mit 
Schwarzenbergers  Mache  irgend  etwas  zu  tun.  So  sind  die  Schnitte  in  der  bei 
Weißenhorn  1537  und  1538  erschienenen  „Odyssea"  fast  alle  viel  hölzerner,  unge- 
schickter, nüchterner,  als  wir  sie  von  Schwarzenbergers  Können  erwarten  müßten. 
Einzig  und  allein  die  Umrahmung  des  Titels  in  der  1528  durch  Philipp  Ulhart  ge- 
druckten, 1538  nochmals  in  erweiterter  Fassung  erschienenen  „Chronica  New:  Ma- 
nicherlay  Historien  vnnd  besondere  geschichten"  —  an  derartige  Geschichtswerke 
ist  ja  wohl  in  dem  Schreiben  des  Rats  an  Kurfürst  Joachim  vor  allem  gedacht  — 
könnte  allenfalls  als  Opus  Hans  Schwarzenbergers  zur  Diskussion  gestellt  werden; 
doch  zwingende  Gründe  würden  sich  für  eine  solche  Zuschreibung  nicht  anführen  lassen. 

Anders  steht  es  mit  dem  reichen  Leisten-,  Initialen-  und  Vignettenschmuck, 
mit  denen  ein  großer  Teil  der  aus  der  damals  in  Augsburg  tonangebenden,  blühenden 
Druckerwerkstatt  Heinrich  Steyners  hervorgegangenen  Bücher  ausgestattet  ist.  Be- 
sonders nahe  Verwandtschaft  mit  Schwarzenbergers  Art  zeigt  hier  z.  B.  die  Leiste, 
die,  als  Schlußstück,  wohl  zuerst  in  dem  Steynerschen  Druck  „Warhafftige  Histori 
vnd  beschreybung  von  dem  Troianischen  krieg  vnd  Zerstörung  der  Stat  Troie ..." 
(1536)  und  zwar  mehrfach  zur  Verwendung  gekommen  ist  und  dann  namentlich  noch 
in  dem  „Polydorus  Vergilius  Urbinas.  Von  den  erfyndern  der  dyngen"  (Augsburg, 
Heinrich  Steyner,  1537)  wiederholt  erscheint.  Ich  habe  sie  als  Kopfleiste  an  die 
Spitze  dieses  Aufsatzes  gestellt.  Abgesehen  von  der  kräftigen  und  klaren  Art  des 
Schnittes,  die  sie  mit  vielen  Blättern  Schwarzenbergers  gemein  hat,  leuchtet  auch  ihre 
stilistische  Verwandtschaft  mit  manchen  der  von  Schwarzenberger  bevorzugten 
Ornamentationsmotive,  z.  B.  des  größeren  Runds  auf  Bl.  37,  das  ja  allerdings  sicher 
keine  Schwarzenbergersche  Erfindung  darstellt,  dessen  Schmuckmotive  aber  doch 
wohl  von  ihm  —  aus  dem  Zoppino  von  1530  —  in  die  Augsburger  Ornamentik  ein- 
geführt wurden,  ohne  weiteres  ein. 

Weniger  sicher  möchte  ich  die  Zierleiste,  die  diesem  Ausfatz  als  Schlußstück 
beigegeben  ist,  für  Schwarzenberger  in  Anspruch  nehmen,  zumal  sie  sich,  so  viel  ich 
sehe,  erst  in  des„Joannis  Boccatii  Die  Gantz  Römisch  histori"  (Augsburg,  Heinrich 
Steyner,  1542)  erstmals  verwendet  findet.  Sie  erinnert  zwar  gleichfalls  sehr  an 
Schwarzenbergers  Art  und  die  Möglichkeit,  daß  der  Künstler  auch  nach  seiner  Über- 
siedlung nach  Regensburg  noch  mit  der  großen  Augsburger  Offizin  in  geschäftlicher 
Verbindung  geblieben  sei,  ist  ja  keineswegs  ausgeschlossen. 

6* 


84  D.  AUGSB.   FORMSCHN.   HANS  SCHWARZENBERGER  U.  S    MODELE.  A.  D.  J.  1534  U.  1535. 

Auch  sonst  stoßen  wir  bei  der  Durchsicht  der  Steynerschen  Druckerzeugnisse 
noch  vielfach  auf  kleinere  oder  größere  Ornamentschnitte,  die  sehr  wohl  von 
Schwarzenberger  herrühren  könnten;  ich  denke  z.  B.  an  die  hübschen  Arabesken- 
leisten auf  einem  offenbar  Steynerschen  Einblattdruck  vom  Jahre  1536,  der  einen 
Pestspruch,  ein  Pestreglement  in  Versen,  von  Hörburger  enthält").  Allein  einmal 
würde  ein  weiteres  Eingehen  auf  diese  Fragen  nur  unter  Beigabe  zahlreicher,  in  jedem 
Falle  kritisch  zu  beleuchtender  Abbildungen  und  nach  vorausgegangener  Sichtung 
des  gesamten  Buchschmucks  der  Steynerschen  Offizin,  für  die  bekanntermaßen 
Hans  Burgkmair  d.  ä.,  Hans  Leonhard  Schäuffelein ,  Hans  Weiditz,  Jörg 
Brfu  d.  j.  u.  a.  tätig  gewesen  sind,  fruchtbar  sein  können;  und  dann  wäre  auch 
diese  Untersuchung  durch  das  berechtigte  Mißtrauen  gegen  Schwarzenberger  als 
freischaffenden,  originalen  Künstler,  das  uns  immer  wieder  lediglich  auf  seine  Technik 
des  Formschneidens  als  einzigen  leidlich  zuverlässigen  Vergleichspunkt  zurückwirft, 
sehr  erschwert  und  nur  mit  geringer  Aussicht  auf  wirklich  sichere  Ergebnisse  ver- 
bunden. 

Ehe  ich  also  mit  roher  Hand  etwa  in  den  Bestand  der  Zierleisten,  Initialen  und 
Schlußstücke,  die  unter  Hans  Burgkmairs  Namen  zu  gehen  pflegen,  zu  Gunsten 
Schwarzenbergers  hineingreife,  bescheide  ich  mich  hier  lieber  damit,  dem  bisher  nur 
verschwommenen  Bilde  eines  tüchtigen  Formschneiders  der  Augsburger  Renaissance 
deutlichere  Gestalt  und  Form  gegeben  zu  haben.  Die  weitere  Aufhellung  seiner 
künstlerischen  Persönlichkeit  bleibe  der  Zukunft  überlassen,  die  uns,  wie  wir  wohl 
hoffen  dürfen,  dafür  noch  gelegentlich  durch  glückliche  Funde  greifbarere  Tatsacheen 
an  die  Hand  geben  wird. 


Anhang. 

I.  Der  Rat  der  Stadt  Nürnberg  schreibt  an  den  Rat 
zu  Augsburg: 

„Besonnder  lieben  und  guten  freunde,  wir  wollen  euer  w(eisheit)  gannz  freunt- 
licher  guter  maynung  nit  verhallten,  das  unns  neulicher  tag  mit  ainem  glauben  an- 
gelanngt,  das  ainer  unnser  bürger,  Hanns  Guldenmundt,  briefmaler,  ain  gannz 
schenndtlich  und  lesterlich  püechlein,  darynnen  vyl  unzüchtiger  gemeel  von  un- 
ordentlicher lieb,  bey  sich  gehabt  haben  soll;  darauff  wir  auch  denselben  Gulden- 
mundt für  unns  haben  ervordern  lassen,  derhalben  aines  grundts  zu  erfaren.  Der 
hat  unns  aber  angezeigt,  das  er  sollich  püechlein  nit  mer  beyhenndig  und  unns  daneben 
disen  bericht  gethan,  wie  im  ainer  e(uerer)  w(eisheit)  bürger  Hanns  Schwarzenperger, 
formschneyder,  hievor  neune  derselben  püechlein  zugeschickt  und  an  ine  begert  hab, 
die  mit  ime  geen  Franckfurt  zu  füern  und  zu  verkauften.  Und  wiewol  gedachter 
unnser  bürger  dieselben  neun  püechlein  mit  ime  gein  Frannckf urt  gef üert,  hab  er  doch 


57)  Das  betr.  Folioblatt  befindet  sich  in  einem  Bande  der  Augsburger  Stadtbibliothek, 
dessen  wesentlichster  Inhalt  der  Vegetius  von  1534  und  der  Cicero  von  1535,  beide  aus  Heinrich 
Steyners  Offizin,  bilden.  Der  Spruch  ist  überschrieben:  „Ain  gut  vnnd  vast  nutzliches  Regiment 
wie  man  sich,  in  der  Pestilentz,  halten  soll".  Er  beginnt:  „Uli  menschen  wern  des  Prechens 
frey"  und  schließt:  „Die  ich  yetzmal  nit  nennen  wil.  15  Laus  Deo:  36  Hörburger".  Die  vier 
aneinandergesetzten  Arabeskenleisten  fassen  das  Gedicht  links  und  unten  ein. 


VON  THEODOR  HAMPE.  85 


der  daselbst  iiit,  sonnder  allererst  hernach  zu  Leybtzig  verkaufft,  des  wir  aber  unnsers 
bürgers  halben  nit  unzeitlich  ain  mißfallen  empfanngen,  haben  demnach  [Blatt  190  b] 
auff  gnugsam  und  weyttere  erfarung  gegen  ime  gepürlich  straff  angestellt.  Und 
wiewol  wir  euer  w.  mit  disem  geringen  hanndel  nit  gern  lesstigen,  so  achten  wir  doch 
darfür,  dieweyl  aus  sollichen  unzüchtigen  gemelldten  allain  grosse  ergernus  ervolgt 
unnd  der  jugenndt  zu  sündtlichen  lästern  ain  anraytzung  geben  mag,  e.  w.  sollen 
unns  diß  unnser  ansuchen  nit  verweysen,  auch  zu  abstellung  der  iren  halben  onzwey- 
fennlich  auch  genaigt  sein.  Und  wie  wir  von  bemellten  unnserm  bürger  in  unndter- 
richt  fynnden,  so  soll  bemellts  euer  w.  bürgers,  des  formschneyders,  schwager,  freund 
oder  vettern  ainer  daselbst  die  form  darzu  haben.  Und  ist  hierauff  an  euer  w.  unnser 
gannz  freuntlich  bitt,  die  wollen  durch  fugkliche  mittel,  dardurch  euer  w.  zu  ainem 
grundt  zu  komen  getrauen,  in  sollichem  ir  erkundigung  thun,  und  so  sich  erfynnden 
sollte,  das  diß  püechlein  in  irer  stat  gedruckt  werde,  in  demselben  gepürlich  unnd 
nottürfftig  einsehens  haben;  unnd  konnten  unns  e.  w.  derselben  ains  zuschicken, 
nit  darumb,  das  wir  dess  zu  sehen  begirig,  dieweyl  wir  doch  des  innhallts  gnugsam 
bericht,  sonnder  unnsers  bürgers  halben,  der  hierynn  mit  verkauffung  desselben 
wider  unnsern  bevelch  unnd  Ordnung  gehanndelt,  und  damit  wir  seinthalben  zu  ainer 
dester  statlichern  straff  kumen,  des  möchten  wir  auch  leiden  und  wollten  alßdann 
dasselb  gewißlich  wider  abthun.  Darynnen  wollen  sich  euer  w.  unbeschwert  er- 
zaigen;  das  seyen  wir  urpüttig,  in  gleichem  unnd  mererm  in  aller  freuntschafft  umb 
e.  w.  zu  verdienen.    Datum  freytags  18  Juny  1535." 

[Kreisarchiv  Nürnberg,  Briefbuch  CXXII  (27.  Januar  bis  7.  Juli  1535)  Bl.  190a.] 
II.    Supplikation  der  Margaretha  Österreicher  an   den 
Augsburger  Rat: 

„Fürsichtig  ersam  unnd  weys  herren,  die  bürgermaister  unnd  ain  erber  rathe, 
gepietend  unnd  günstig  herren.  Nachdem  ich  als  ainfaltige  arme  frau  auß  Unverstand 
mein  behausung  Hanns  Schwartzenburger,  formschneider,  verschiner  zeyt  verlihen  hab, 
alleweyl  ich  die  selbs  nit  thun  besitzen  oder  verkauff,  soll  er  sein  bestand  ^^)  haben,  unnd 
wiewol  ich  bißher  seins  inhabens  gut  gegründt  Ursachen  gehept  het,  ine  auß  dem  meinem 
zu  vertreyben,  noch  dannacht  hab  ich  mit  ime  geduldt  tragen  on  angesehen  seiner 
unpillichen  handlung,  so  er  mit  bösen  schelt  und  trauworten  gegen  mir,  meinthalben 
unverdient,  furgenomen,  auch  seins  gefallens  und  on  mein  verwilligung  pauen  thut, 
des  mir  armen  trauen  lenger  zu  gedulden  nit  gemaint  sein  will,  deshalben  ich  ime 
solichen  bestand  zu  rechter  weyl  und  zeyt  nach  diser  stat  Augspurg  recht  und  ge- 
prauch  abgesagt,  auch  mein  zins  mit  recht  erst  von  im  bringen  muessen.  Nun  kann 
er  sich  nichtz  änderst  behelffen,  alleweyl  ich  von  euch  meinen  herren  den  bürger- 
maistern  nit  ain  scheinpoten  bring,  das  ich  mein  behausung  selbs  besitzen  bedarff, 
so  sey  er  nit  schuldig  außzuziehen.  Günstigen  lieben  herren,  es  ist  nit  an,  das  ain  erber 
rat  verschiner  zeyt  umb  mein  wol  verdiente  handlung  mir  die  stat  versagt,  dieweyl 
ich  aber  yetzt  willens  und  furnemens  bin,  in  ansehung  das  ich  auch  ains  guten  alters, 
auch  swach  und  kranck  bin,  mein  behausung  selbs  zu  besitzen,  so  ist  (Bl.  1  b)  dem- 
nach mein  gantz  hochfleyssig  diemutigs  durch  Got  unnd  des  Jüngsten  Gerichts  willen 
biten  und  anrueffen,  dieselb  wollen  mit  gedachtem  meinem  hauswirt  ernstlich  ver- 


58)  Vgl.  Fischer,  Schwäbisches  Wörterbuch  I,  930  f.  unter  Nr.  2. 


86  D.  AUGSB.   FORMSCHN.  HANS  SCHWARZENBERGER  U.  S.  MODELE.  A.  D.  J.  1534  U.  153S. 

fuegen  und  durch  ain  scheinpoten  verschaffen,  damit  er  mein  hauß,  wie  ich  ime 
abgesagt  hab,  räumen  und  außziehen,  auch  mich  seiner  bösen  wort  schmach  und 
nachred  vertragen  thue,  mit  dem  allerdiemutigisten  erpieten,  mich  hinfüro  mein 
E.  W.  gpoten  und  verpoten  undertanigcHch  zu  halten,  wie  ainer  armen  trauen  eern- 
halben  wol  ansteen,  daran  ain  ersamer  rat  und  manigchch  kain  mißfallen  sunder 
ain  wolgefallen  haben  soll,  das  umb  ein  F.  E.  W.  als  mein  gepietend  unnd  günstig 
herren  mit  meinem  armen  gepet  gegen  Got  dem  Almechtigen  mit  täglicher  furpitung 
zu  verdienen,  will  ich  allezeyt  geflissen  sein,  bit  günstiger  willfariger  antwurt. 

E.  w.  Wl  diemuetigisten  arme 
mitburgerin 

Margreta  Österreicherin." 
[Stadtarchiv  Augsburg,  Akten:   „Formstecher   etc."]. 

III.  Der  Rat  der  Stadt  Augsburg  schreibt  an  Kurfürst 
Joachim    II.    von    Brandenburg: 

„Herrn  Joachim  marggraven 
zu  Brandenburg,  churfursten. 

Gnedigster  herre,  eur  churf.  g.  genedig  schreiben  unnd  begern  unnsern  bürger 
Schlenckerfuß  unnd  dann  ainen,  Hanns  Schwarz  genannt,  belangend,  haben  wir  inn 
underthenikait  empfangen  und  vernumen,  unnd  ist  gleichwohl  ernannter  Schlencker- 
fuß zu  des  botten  ankunfft  nit  hie  gewesen,  darumb  wir  gedachten  holten  von 
jüngsten  verschynen  montag  an  bis  uff  heut  dato  alhie  uffgehalten  unnd  des 
Schlenckerfus  widerkunfft  erwarten  haben  lassen.  Unnd  damit  »eur  churf.  gn.  begern 
durch  uns  undtertheniglich  gewillfart  wird,  haben  wir  den  Schlenckerfuß  vermögt 
unnd  ime  auch  dieser  zeit  erlaubnus  geben,  sich  zu  eur  churf.  gn.  zu  verfuegen  unnd 
seins  Verstands  prauchen  ze  lassen,  wie  er  uns  dann  zugesagt,  sich  ungeferlich  in  4 
tagen  den  nechsten  noch  zu  erheben  unnd  seinen  weg  an  eur  churf.  g.  hof  zu  nemen. 

Des  anndern  halb,  den  eur  churf.  g.  Hans  Schwarzen  nent,  haben  wir  erkun- 
digung  gehabt  und  können  von  keinen  Hans  Schwarzen,  den  dise  sach  berüren  mocht, 
erfarung  bekommen.  Aber  ainer,  der  Hans  Schwartzeberger,  formschneider,  so  sein 
wesen  vor  der  zeit  hie  gehapt  und  mit  formschneiden  und  cronicen  umbgangen,  soll 
vor  zwaien  jaren  mit  seinem  haußhalten  von  hinnen  gein  Regensburg  verrückht  und 
daselbs  noch  haußheblich  sein;  darumb  wir  eur  churf.  gn.  hierin  nichts  ußrichten 
mögen.  Das  wir  eur  churf.  gn.,  deren  wir  underthenige  angeneme  und  willige  dinst 
allzeit  zu  erzeigen  begeren,  zu  antwort  nit  verhalden  wollen.    Dat.  XVII.  Junij  1540". 

[Augsburger^^  Stadtarchiv,   Akten:   ,, Formstecher  etc."]. 


Mitteilungen  aus  dem  German.  Nationalmuseum.     1Q09. 


Taf   XV  A. 


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Aus  Hans  Schwarzenbergers  II.  Modelbuch  (1534). 


Mitteilungen  aus  dem  Qciman    Nationalnuiseuni      1Q09.  Taf.  XV  B. 


No.  3 


No.  4 


Mitteilungen  aus  dem  German.  Nationalmuseuni.     1Q09. 


Taf.  XVI  A. 


No.  5 


No.  6 


Aus  Hans  Schwarzenbergers  II.  Modelbuch  (1534). 


Mitteilun2:en  aus  dem  German.  Nationalmuseum.     1Q<)0. 


Taf.  XVI  B- 


Aas  Hans  ScinmicDbervers  IL  Modelbach- (1534). 


Mitteilungen  aus  dem  Gernian.  Naoonalmuseum.     190Q. 


Tal-  X\1IA. 


No.  9 


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No.  10 


Aus  Hans  Schwarzen ber^ers  II.  .Hoddbadi  (15S4>. 


Mitteilungen  aus  dem  Oerman,  Nationalmuseum.     190Q. 


Taf.  XVII  B. 


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No.  11 


No.  12 


Aus  Hans  Schwarzenbergers  II.  Modelbuch  (1534). 


Mitteilungen  aus  dem  German.  Nationalmuseum.     1909.  Taf.  XVIIIA. 


No.  13 


No.  14 


Aus  Hans  Schwarzenbergers  II.  Modelbucli  (1534). 


Mitteilungen  aus  dem  German.  Nationalmuseum.     1Q09.  Taf.  XVIIIB. 


No.  15 


No.  16 


Aus  Hans  Schwarzenbergers  II.  Modelbuch  (1534). 


Mitteilungen  aus  dem  Oerman.  Nationalmuseuni      1909. 


Taf.  XIX  A. 


No.  17 


No.  18 


Aus  Hans  Schwarzenbergers  II.  Modelbuch  (1534). 


Mitteilungen  aus  dem  German.  Nationalmuseum.     IQOQ. 


Taf.  XIX  B. 


No.  19 


No.  20 

Aus  Hans  Schwarzenbergers  II.  Modelbuch  (1535). 


Mitteilunoen  aus  dem  German.  Nationalmuseum.     190Q.  Taf.  XX  A. 


No.  21 


No.  22 


Aus  Hans  Schwarzenbergers  II.  Modelbuch  (1534). 


Mitteilungen  aus  dem  German.  Nationalmuseum.     190Q. 


Taf.  XX  B. 


No.  23 


No.  24 


Aus  Hans  Schwarzenbergers  II.  Modelbuch  (1534). 


Mitteilungen  aus  dem  Oerman.  Nationalmuseum.     1909. 

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Taf.  XXI  A. 


No.  25 


No.  26 


Aus  Hans  Schwarzenbergers  II.  Modelbucli  (1534). 


Mitteilungen  aus  dem  German.  Nationalmuseum.     1Q09.  Taf.  XXI B. 

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No.  28 


Aus  Hans  Schwarzenbergers  II.  Modelbucli  (1534). 


Mitteilungen  aus  dem  Oerman.  Nationaimuseum.     190Q.  Taf.  XXII  A. 


No.  29 


No.  30 


Aus  Hans  Schwarzenliergers  II.  Modelbuch  (1534). 


Mitteilungen  aus  dem  German.  Nationalmuseum.     1009.  Taf.  XXII  B. 

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Aus  Hans  Schwarzenbergers  III.  Modelbucli  (1535). 


Mitteilungen  aus  dem  German.  Nationalmuseum.     1Q09.  Taf.  XXIIJA. 


No.  33 


No.  34 


Aus  Hans  Schwarzenbergers  III.  Modelbuch  (1535). 


Mitteilungen  aus  dem  German.  Nationalmuseum.     1Q09.  Taf.  XXIII  B. 


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No.  36 


Aus  Hans  Schwarzenbergers  III.  Modelbuch  (1535). 


Mitteilungen  aus  dem  German.  Nationalmuseum.     1909.  Taf.  XXIV A. 


No.  37 


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No.  38 


Aus  Hans  Schwarzenbergers  III.  Modelbuch  (1535). 


Mitteilungen  aus  dem  German.  Nationalmuseum.     1Q09.  Taf.  XXIV  B. 


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No.  40 


Aus  Hans  Schwarzenbergers  111.  Modelbuch  (1535). 


Mitteilungen  aus  dem  Qerman.  Nationalmuseum.     1909.  Taf.  XXV  A. 


No.  41 


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No.  42 


Aus  Hans  Schwarzenbergers  ill.  A\odelbuch  (1534). 


Mitteilungen  aus  dem  German.  Nationalmuseum.     IQOQ.  Taf.  XXVB. 


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No    44 


Aus  Hans  Schwarzenbergers  III.  Modelbuch  (1535). 


Mitteilungen  aus  dem  Oerman.  Nationalmuseum.     1909.  Taf.  XXVI A. 


No.  45 


No.  46 


Aus  Hans  Schwarzenbergers  HI.  Modelbuch  (1535). 


Mitteilungen  aus  dem  German.  Nationalmuseum.     190Q.  -  Tai  XXVI  B. 


No.  47 


No.  48 


Aus  Hans  Schwarzenbergers  III.  Modelbuch  (1535). 


Mitteilungen  aus  dem  German.  Nationalmuseum.     IQOQ.  Taf.  XXVII A. 

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No.  49 


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No,  50 


Aus  Hans  Schwarzenbergers  III.  Modeibuch  (1535). 


Mitteilungen  aus  dem  German.  Nationalmuseum.     1909.  Taf.  XXVIIB. 


No.  51 


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Aus  Hans  Schwarzenbergers  III.  Modelbuch  (1535). 


Mitteilungen  aus  dem  German.  Nationalmuseum.     IQOQ.  Taf.  XXVIIIA. 


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No.  54 


Aus  Hans  Schwarzenbergers  ill.  Modelbuch  (1535). 


Mitteilungen  aus  dem  Oerman.  Nationalmuseum.     1000.  Taf.  XXVIII B. 


No.  55 


No.  56 


Aus  Hans  Schwarzenbergers  III.  Modelbuch  (1535). 


HANS  WERNER, 

ein  Beitrag  zur  Geschichte  der  Plastik  der  deutschen  Spätrenaissance. 

Von  Dr.  FRITZ  TRAUGOTT  SCHULZ, 

(Mit  4  Tafeln  und  13  Abbildungen.) 


I.  Einleitung. 

Vergleicht  man  die  Werke  der  Plastik  der  deutschen  Spätrenaissance  mit  denen 
anderer  Länder,  wie  namentlich  Italiens  und  der  Niederlande,  so  muß  es  auf- 
fallen, daß  sie  in  der  größeren  Mehrzahl  einen  beträchtlichen  Mangel  an  Sinn  für 
künstlerische  Monumentalität  erkennen  lassen.  Allerdings  lagen  die  Verhältnisse  in 
Deutschland  auch  anders  als  wie  z.  B.  in  Italien,  wo  es  an  verständnisvollen  Förderern 
der  Kunst  nicht  fehlte,  wo  gerade  dieser  Sinn  in  besonders  nachhaltiger  Art  entwickelt 
war.  Die  deutsche  Bildnerei  dieser  Epoche  trägt  einen  stark  dekorativen  Charakter^). 
Architektur  und  Ornament  sind  die  Dominanten.  Adel  der  Empfindung  und  wirk- 
lich tiefe  Beseelung  finden  sich  selten.  Nicht  fehlt  es  an  Prachtstücken  in  Konstruk- 
tion, Dekoration  und  geistreichen  Motiven.  Aber  mit  Reichtum  ist  bei  weitem  nicht 
immer  auch  Reinheit  in  Form  und  Ausdruck  gepaart.  Ein  starker  Zug  ins  Realistische 
ist  nicht  zu  verkennen.  Doch  wird  er  vielfach  durch  leere  Nüchternheit  beeinträch- 
tigt. Werke  ersten  Ranges  sind  nicht  allzu  häufig.  Sehr  viele  erheben  sich  nicht 
über  den  Charakter  mäßiger  Werkstattarbeiten.  Das  dekorative  Element  drängt 
sich  oft  so  vor,  daß  man  nicht  weiß,  ob  wir  die  betreffenden  Werke  der  hohen  Kunst 
oder  dem  Kunsthandwerk  zuweisen  sollen.  Kein  Wunder,  wenn  diese  künstlerische 
Armut  Veranlassung  wurde,  daß  man  für  größere  Arbeiten  vielfach  Künstler  aus 
dem  Ausland  heranzog!  Und  doch  ist  die  Zahl  der  plastischen  Werke,  namentlich 
der  Grabdenkmäler,  die  in  jener  Zeit  von  deutschen  Künstlern  geschaffen  wurden, 
eine  ungemein  große,  größer  jedenfalls  als  wie  in  Italien  und  in  den  Niederlanden. 
Die  Einzelforschung  hat  noch  wenig  getan,  um  sie  zu  sichten,  wiewohl  auch  hier 
lohnende  Ausbeute  zu  erhoffen  ist;  denn  auch  unter  den  deutschen  Meistern  gibt 
es  manchen,  der  nicht  im  Stil  seiner  Zeit  verflacht  ist,  der  sich  ein  erfreuliches  Maß 
origineller  Eigentümlichkeit  bewahrt  hat,  der  über  gedanklichen  Reichtum,  tech- 
nische Tüchtigkeit,  Leichtigkeit,  Virtuosität  und  schaffensfrohe  Fruchtbarkeit  ver- 
fügt. Ein  solcher  ist  Hans  Werner,  der  sich  als  eine  markige  Persönlichkeit  aus 
seiner  Zeit  heraushebt,  der  eine  große  Frische  der  Erfindung  besitzt  und  manches 
schätzbare  Werk  geschaffen.  War  er  auch  nicht  der  ersten  einer,  so  ist  er  in  seiner 
Art  und  Kunst  doch  außerordentlich  bezeichnend  für  die  Epoche,  in  der  er  lebte. 


1)  Vgl.  P.  Albert  Kuhn,  Allgemeine  Kunstgeschichte,  II.  Halbband,  S.  614  ff. 


88  HANS  WERNER,  EIN  BEITRAG  Z.  GESCH.  D.  PLASTIK  D.  DEUTSCH.  SPÄTRENAISSANCE. 

Hans  Werner  ist  der  deutschen  Kunstgeschichte  so  gut  wie  unbekannt. 
Über  kurze  Erwähnungen  seines  Namens  und  seiner  Werke  ist  man  bislang  selten 
hinausgekommen.  Nur  dem  Grabmonument  des  Wilhelm  von  Streitberg  und  seiner 
Gemahlin  Anna  in  der  Kirche  zu  Ahorn  bei  Coburg  ist  unter  Beigabe  zweier  Abbil- 
dungen eine  eingehende  fachmännische  Beschreibung  (aber  nicht  Würdigung)  zuteil 
geworden  2).  Der  erste,  der  dem  Künstler  nähere  Aufmerksamkeit  schenkte,  dürfte 
der  verdienstvolle  Bamberger  Lokalhistoriker  Joachim  Heinrich  Jäck  gewesen  sein, 
der  im  zweiten,  182$  erschienenen  Teil  seiner  in  Verbindung  mit  Joseph  Heller  und 
Martin  v.  Reider  herausgegebenen  Arbeit  „Leben  und  Werke  der  Künstler  Bam- 
bergs", S.  120,  folgende  ihm  von  Reider  zur  Verfügung  gestellte  Notiz  bringt:  „Werner, 
Hans,  Bildhauer  zu  Bamberg  1580(?),  verfertigte  1.  das  Grabmal  der  Familie  von 
Mengersdorf  zu  Gößweinstein  außen  an  der  Rückseite  der  Wallfahrtskirche  —  bei 
10  Schuh  hoch  und  breit  mit  Figuren  in  Lebensgröße,  2.  in  der  Pfarrkirche  zu  Forch- 
heim das  Denkmal  für  den  Amtmann  Groß".  Die  Liste  dieser  Werke  vermehrte  zwei 
Jahre  später  Heller  um  zwei  weitere  Nummern,  nämlich  um  das  Grabmal  des  Bischofs 
Ernst  von  Mengersdorf  in  Bamberg,  das  damals  noch  im  Dom  stand,  dann  das  Grab- 
mal im  Kirchengarten  zu  Mühlhausen  ^).  Auffällig  ist,  daß  Nagler  in  seinem  Künstler- 
Lexikon  Hans  Werner  nicht  erwähnt,  während  er  seiner  in  den  Monogrammisten 
(Bd.  HI,  Nr.  1703)  gedenkt.  Als  neue  Arbeit  bringt  er  das  Denkmal  des  Christoph 
Truchseß  von  Pommersfelden  und  seiner  vier  Fiauen  in  der  protestantischen  Kirche 
in  Pommersfelden  hinzu.  Nicht  uninteressant  ist  es,  daß  Sighart  i.  J.  1864  in  seiner 
Abhandlung  über  die  Geschichts-  und  Kunstdenkmale  Ober-  und  Mittelfrankens 
(Bavaria  HI,  L  Abt.,  S.  170)  auf  unseren  Künstler  mit  Nachdruck  aufmerksam  macht. 
In  dem  Abschnitt  über  die  Werke  der  Renaissance  und  des  Rokoko  sagt  er  nämlich: 
„Als  Hauptbildhauer  wirkten  in  der  Epoche  Hans  Werner,  Hans  von  Wemding  und 
zuletzt  Bonaventura  Mutschelle".  Dann  hören  wir  längere  Zeit  nichts  von  Hans 
Werner.  Neuerdings  wurde  die  Aufmerksamkeit  auf  ihn  gelenkt  durch  eine  „P.  W.  =  ? 
ein  oberfränkischer  Bildhauer  des  16.  Jahrhunderts"  überschriebene  Umfrage  der 
Leitung  des  Vereins  Heimat  (C.  Frank- Kauf beuren)  im  6.  Band  der  Deutschen  Gaue 
(1904  auf  1905),  S.  68.  Sie  verfolgte  den  Zweck,  den  Verfertiger  des  im  19-  Jahr- 
hundert zerstörten  Prachtdenkmals  des  Christoph  Neustetter,  genannt  Stürmer, 
und  seiner  Frau  Margaretha,  einer  geborenen  von  Giech  von  Ließberg,  in  der  Johannes- 
Pfarrkirche  in  Kronach  festzustellen.  An  diesem  war  nach  der  Stöhr'schen  Chronik 
von  Kronach  die  Inschrift  „15  P  W  72"  angebracht.  Es  wurde  der  Vermutung  Raum 
gegeben,  daß  vielleicht  P  statt  H  verlesen  worden  sei,  und  damit  an  unseren  Künstler 
gedacht.  Auch  Hans  Wemding,  der  die  Grabmäler  der  Bamberger  Bischöfe  Veit  II. 
(t  1577)  und  Johann  Georg  I.  (t  1580)  fertigte,  wurde  als  in  Betracht  kommend  ge- 
nannt. Die  Umfrage  hatte  eine  kleine  Zusammenstellung  von  Werken  des  Hans 
Werner  im  7-  Bande  (1906)  der  gleichen  Zeitschrift  S.  14—1 5  zur  Folge.  Neue  Resultate 
förderte  sie  nicht  zu  Tage.  Erwähnt  wurden  unter  anderem  auch  die  8  kleinen  Mar- 
morreliefs am  Taufstein  in  Bayreuth,  auf  die  bereits  Friedrich  H.  Hof  mann  in  seinen 
Arbeiten  über  die  Stadtkirche  in  Bayreuth  (1901  u.  1902)  hingewiesen  hatte.    Da 


2)  Bau-  und  Kunstdenkmäler  Thüringens,  Heft   XXXII,  S.  389—392. 

3)  Heller,  Beschreibung  der  bischöflichen  Grabdenkmäler  in  der  Domkirche  zu  Bam- 
berg, Nürnberg  1827,  S.  58—59. 


VON   DR.   FRITZ  TRAUGOTT  SCHULZ.  8Q 


Hans  Werner  erst  um  das  Jahr  1588  mit  größeren  Arbeiten  hervortritt  und  diese 
deuthch  die  Schwächen  eines  Künstlers  zur  Schau  tragen,  der  sich  zum  ersten  Mal 
vor  umfangreichere  Aufgaben  gestellt  sieht,  so  kann  er  zu  dem  Neustetter'schen 
Prachtdenkmal,  das  laut  Inschrift  i.  J.  1572  entstand,  nicht  in  Beziehung  gesetzt 
werden.  Nach  einer  uns  schriftlich  geäußerten  Vermutung  des  Herrn  Postsekretärs 
G.  Hummel  in  Kronach,  der  sich  viel  mit  dem  Neustetter'schen  Grabmal  be- 
schäftigt hat  und  uns  auch  sein  photographisches  Aufnahmematerial  in  dankens- 
werter Weise  zur  Verfügung  stellte,  ist  es  übrigens  nicht  ausgeschlossen,  daß  Stöhr 
die  Buchstaben  P.W.  in  irriger  Weise  aus  dem  Monogramm  ©  herausgelesen  hat, 
das  an  dem  Grabmal  des  i.  J.  1588  verschiedenen  Philipp  von  Egloffstein  in  der 
St.  Martinskirche  in  Forchheim  vorkommt  und  meines  Wissens  auch  an  einem 
Grabmal  in  der  Kirche  zu  Pommersfelden  begegnet.  Hinzu  kommt,  daß  die  Gattin 
des  Philipp  von  Egloffstein  eine  Schwester  des  Christoph  Neustetter  war  und  in 
der  Darstellung  große  Ähnlichkeit  gezeigt  haben  soll  mit  der  Frau  ihres  Bruders 
an  dessen  Grabdenkmal.  Auch  sonst  sind  Verwandtschaften  zwischen  den  beiden 
Grabdenkmalen  vorhanden.  Alles  das  spricht  jedenfalls  auch  dafür,  daß  das  Neu- 
stetter'sche  Monument  zeitlich  vor  Hans  Werner  liegt.  Mittlerweile  war  i.  J.  1905 
der  1.  Band  des  Handbuches  der  deutschen  Kunstdenkmäler  von  Georg  Dehio 
erschienen,  in  dem  auf  unseren  Künstler  und  die  von  ihm  namentlich  in  Ober- 
franken erhaltenen  Werke  schon  mehr  Rücksicht  genommen  war.  Was  ich  weiter- 
hin in  Mittelfranken  gefunden  hatte,  fügte  ich  meinen  Notizen  bei,  die  ich  Herrn 
Professor  Dehio  i.  J.  1908  für  den  dritten  Band  des  gleichen  Werkes  zur  Verfügung 
stellte.  Das  leider  im  19-  Jahrhundert  zerstörte  Grabdenkmal  des  Schenken  Johann 
Limpurg-Schmidelfeld  und  seiner  Gemahlin  Eleonore,  das  vormals  in  der  Schloß- 
kirche in  Schmidelfeld  b.  Sulzbach  stand,  hat  zuerst  Eugen  Gradmann  (1897),  fußend 
auf  Prescher  (1790),  in  die  kunstgeschichtliche  Literatur  eingeführt. 


II.  Leben  und  Kunst  Hans  Werners. 

Über  das  Leben  Hans  Werners  habe  ich  nicht  allzu  viel  in  Erfahrung  gebracht. 
Ich  will  aber  auch  offen  gestehen,  daß  ich  dem  nicht  mit  Fleiß  nachgegangen  bin, 
sollte  doch  der  Zweck  dieser  Abhandlung  in  erster  Linie  darin  bestehen,  Hans  Werner 
in  seinen  Werken  zu  schildern,  ihn  als  Künstler  in  die  Kunstgeschichte  einzuführen*). 
So  steht  das  Jahr  seiner  Geburt  einstweilen  noch  nicht  fest.  Nagler  (Monogrammisten 
III,  Nr.  1703)  verlegt  seine  Tätigkeit  in  die  Zeit  um  1585—1612.  Die  ersten  Werke, 
die  mir  bekannt  geworden  sind,  tragen  die  Jahrzahl  1588,  nämlich  das  Grabdenk- 
mal des  Hanns  Ludwig  von  Schaumberg  in  der  Kirche  zu  Unterleiterbach  in  Ober- 
frarken  und  das  Monument  der  Familie  von  Mengersdorf  am  Chor  der  Klosterkirche 
zu  Gößweinstein  ebendort.  Wie  wir  später  sehen  werden,  haften  diesen  beiden  Grab- 
denkmälern Mängel    an ,   die   es   wahrscheinlich   machen,   daß   sich    der    Künstler 


4)  Gleichwohl  wurde  nicht  versäumt,  in  den  verschiedenen  Familienarchiven  Recherchen 
nach  etwa  über  die  Grabdenkmäler  vorhandenen  Korrespondenzen  zu  veranlassen.  Doch 
blieben  diese  mit  einer  Ausnahme  ohne  Erfolg. 


90  HANS  WERNER,  EIN   BEITRAG  Z.  GESCH.  D.  PLASTIK  D.  DEUTSCH.  SPÄTRENAISSANCE. 

bei  ihnen  zu  frühest  vor  größere  Arbeiten  gestellt  sah.  Unter  diesen  Umständen 
dürfen  wir  für  ihn  ein  Alter  von  ungefähr  25  Jahren  annehmen,  so  daß  etwa  das  Jahr 
1560  als  das  seiner  Geburt  in  Betracht  käme.  Gestorben  ist  er  am  13.  September 
1623.  Nach  freundlicher  Mitteilung  des  Herrn  Direktors  Dr.  Th.  Hampe  findet  sich 
in  dem  im  Kreisarchiv  Nürnberg  aufbewahiten  Totenbuch  für  die  Jahre  1623/25  auf 
Bl.  79  folgender  Eintrag:  „Der  ersam  und  kunstreich  Hanns  Werner,  bildhauer  in 
der  Graßergaßen  t  13-  Sept.  I623.  Hat  nur  Anna  Maria,  Veit  Dümpels,  bildhauers, 
ehewirtin,  ihr  einige  tochter,  zur  erbin  hinterlassen".  Seine  Gattin  war  ihm  sechs 
Jahre  zuvor  im  Tode  vor  auf  gegangen.  „Frau  Margaretha,  des  ersamen  und  kunst- 
reichen Hannsen  Werners,  bildhauers,  ehewirtin,  in  der  Grasergassen  (Lor.)  f  27.  Febr. 
1617.  Anna  Maria  Wernerin  als  die  tochter  hat  ihren  vatter  der  Inventur  gutwillig 
erlassen"^).  Es  scheint,  als  sei  diese  ihr  einziges  Kind  gewesen.  Sie  war  mit  Veit 
Dümpel  verheiratet,  den  sie  wohl  als  Gesellen  und  später  mittätigen  Gehilfen  ihres 
Vaters  kennen  gelernt  hatte.  Er  arbeitete  mit  ihm  gemeinschaftlich  an  dem  großen 
Grabmal  des  Wilhelm  von  Streitberg  und  seiner  Gemahlin  Anna  in  der  Pfarrkirche 
zu  Ahorn  bei  Coburg.  Damals,  d.  h.  i.  J.  1616,  hatte  er  seinen  Wohnsitz  in  Alten- 
stein bei  Seßlach  in  Unterfranken,  in  der  Nähe  von  Coburg,  Es  ist  aber  nicht  ausge- 
schlossen, daß  er  auch  dorther  stammte.  Die  Bezeichnung  „Vitus  Dvmpel  Altenst:" 
läßt  beide  Deutungen  zu.  Später  wohnte  er  in  der  Grasergasse  zu  Nürnberg,  wo- 
selbst er  verschiedene  Arbeiten  am  Rathausneubau  ausführte.  Es  geht  dies  aus 
folgender  Aufzeichnung  in  dem  erwähnten  Totenbuch  (1623/25  Bl.  203)  hervor: 
„Frau  Anna  Maria,  des  ersamen  Veit  Dümpels,  bildhauers  in  der  Graßergaßen,  ehe- 
wirtin, auswendig  verschieden  29.  Okt.  I624.  Ist  ein  testament  verleßen,  darf  nicht 
inventirt  werden,  als  im  Manual  C.  C.  Act.  77^'''^).  Es  darf  also  mit  der  Möglichkeit 
gerechnet  werden,  daß  Veit  Dümpel  nach  dem  Tode  Hans  Werners  dessen  Werk- 
statt übernahm.  Im  Jahre  I628  finden  wir  ihn  in  Coburg  tätig,  wo  er  die  Figur  des 
Herzogs  Johann  Kasimir  an  der  Ecke  des  Gymnasiums  fertigstellte. 

Wenn  Hans  Werner  seine  ersten  Arbeiten  mit  vollem  Namen  bezeichnete, 
aber  an  den  späteren  meist  nur  ein  Monogramm  oder  die  Anfangsbuchstaben  seines 
Namens  anbrachte,  so  beabsichtigte  er  damit  wohl  die  Aufmerksamkeit  weiterer 
Kreise  auf  sich  zu  lenken,  im  heutigen  Sinn  gesprochen,  er  wollte  damit  für  sich 
Reklame  machen.  Als  er  bekannter  geworden,  bedurfte  er  dessen  nicht  mehr.  So 
brachte  er  i.  J.  1588  an  dem  Grabmal  der  Familie  von  Mengersdorf  in  Gößweinstein 
folgende  Bezeichnung  an:  „Hans  Werner  Bildhaver  zv  Bambergk". 
An  dem  Grabdenkmal  des  Stadtschultheißen  Georg  Groß,  genannt  Pfersfelder,  in 
der  Martinskirche  zu  Forchheim  hat  er  sich  selbst  als  kleines  Figürchen  bei  der  Arbeit 
dargestellt.  Darüber  aber  lesen  wir  „Hanns  Werner  Bildthaver  zv 
Bamberg.  1590".  Er  hatte  also  anfänglich  seinen  Wohnsitz  in  Bamberg,  wo- 
raus sich  seine  lebhaften  Beziehungen  zu  den  alteingesessenen  oberfränkischen  Adels- 
geschlechtern ganz  natürlich  erklären.  In  der  fürstbischöflich  Bamberg'schen  Hof- 
kammerzahlamtsrechnung  de  1595/96  wird  er  an  der  Stelle,  die  von  dem  Epitaph 
des  Bischofs  Ernst  von  Mengersdorf  handelt,  ebenfalls  als  in  Bamberg  ansäßig  be- 

5)  Totenbuch  im  Kreisarchiv  Nürnberg  1616/I8,  Bl.  57- 

6)  Die  Kenntnis  dieses  wie  des  vorigen  Eintrags  verdanlce  ich   Herrn  Direktor    Dr.  Th. 
Hampe,  der  mir  beide  bereitwilligst  zur  Verfügung  stellte. 


VON   DR.    FRITZ  TRAUGOTT  SCHULZ.  91 

zeichnet  („Hannszen  Werrner  bildthauern  alhie").  Und  weiter 
lesen  wir  in  der  Rechnung  de  1596/97:  „XII II  gülden  Hanßen  Wehrner 
bildthauern  alhie,  nemblichen  10  fl.  von  f(ürstlich  G(naden)  vnd  stiffts 
Wappen,  so  in  neuen  paw  des  Neunkirchner  Hoffs  zu  Nürmberg  versezt  worden,  in 
stein  zu  hauen  vnd  4  fl.  von  den  possen  vnter  weylandt  bischoue  Veiten  epitaphio 
zuuerendern,  besag  zetteis  von  meister  Aßmußen  vnterschrieben  zahlt  den  4.  Oktbr. 
1596".')  In  der  gleichen  Rechnung  de  1603/04  aber  ist  er  als  Bildhauer  in  Nürnberg 
aufgeführt.  Es  heißt  dort:  „Fürstl.  Gnaden  vnd  Stiffts  wappen  in  stein  zu  hauen 
XVIII  gülden  1  tt  XII  ^  berechent  factor  in  seiner  den  30  Aprilis  anno  1604  ge- 
schlossenen halbjehrigen  rechnung,  so  er  für  das,  durch  Hannsen  Wehrner 
bildhawer  in  Nürmberg  gefertigte  vnd  alhero  vberschickte  wappen,  welches 
4V2  schuch  hoch  vnd  4  breit,  nemblichen  7  fl.  für  den  darzu  gebrauchten  stein,  dann 
ermeltem  bildhaur  daruon  zu  machen  10\'2  fl-  vnd  dem  schreiner  für  ein  kästen, 
darin  es  alhero  geführt  10  pazen  zalt,  das  fuhrlon  gestehet  hieher,  wie  negstobgemelt 
3  fl."^).  Hinzu  kommt  weiter,  daß  er  sich  selbst  an  dem  1616  gesetzten  Grabmonu- 
ment des  Wilhelm  von  Streitberg  und  seiner  Gemahlin  Anna  in  der  Pfarrkirche  zu 
Ahorn  bei  Coburg  „Johannes  Werner  N  0  r  i  c  u  s"  nennt,  und  daß  er  auch 
in  Nürnberg  gestorben  ist. 

Man  könnte  angesichts  der  Verschiedenheit  dieser  Angaben  leicht  auf  den 
Gedanken  kommen,  daß  es  zwei  Künstler  dieses  Namens  gegeben  habe,  und  das  um 
so  mehr,  als  die  frühen  Arbeiten  einen  wesentlich  anderen  Charakter  tragen  als  die 
späteren.  Doch  das  ist  nicht  der  Fall.  Hans  Werner  hatte  vielmehr  zuerst  seinen 
Wohnsitz  in  Bamberg.  Aber  er  war  Protestant,  und  das  sollte  ihm  zu  den  Zeiten 
der  Gegenreformation,  die  unter  Neithard  von  Thüngen  im  Bistum  Bamberg  mit 
Energie  durchgeführt  wurde,  verhängnisvoll  werden.  Seine  Beziehungen  zum  Bischof 
aber,  der  Umstand,  daß  er  das  Grabdenkmal  des  Bischofs  Ernst  von  Mengersdorf 
hatte  anfertigen  dürfen,  mögen  Veranlassung  gewesen  sein,  daß  er  trotz  seiner  Reli- 
gion noch  einige  Jahre  in  Bamberg  bleiben  durfte.  Schließlich  mußte  auch  er  die 
Stadt  verlassen,  in  der  er  eine  solch  reiche  künstlerische  Betätigung  gefunden.  So 
ist  es  erklärlich,  wenn  er  i.  J.  16OO  von  Nürnberg  aus  folgendes  an  Hans  Georg  von 
Giech  schreibt:  „dan  ich  habe  sonnsten  meine  wonungen  zu  Bamberg  gehabtt  vnnd 
bin  auch  wegen  des  göttlichen  wortts  müssen  weychen  von  den  meinen"  und  diesen 
Brief  unterzeichnet:  „Vnnd  bin  ich  zu  Nürnbergk  in  der  Kodtgassen^)  zu  erfragen 
Hanns  Werner  Biltthauer  ietzo  in  Nürnbergk".  Die  Übersiedelung  nach  Nürnberg 
brachte  ihm  jedoch  keinen  Schaden.  Die  Beziehungen  zu  den  oberfränkischen 
Adelsgeschlechtern  blieben  bestehen.  Das  Nürnberger  Patriziat  gab  ihm  neue  Be- 
schäftigung und  die  günstige  Lage,  sowie  der  alte  Ruhm  der  Stadt  ermöglichten  es 
ihm,  seine  Tätigkeit  weithin  auszudehnen. 

Eine  andere  Frage  ist  die,  ob  Bamberg  zugleich  auch  der  Geburtsort  Hans 
Werners  ist.    Ich  bin  auf  Grund  des  mir  zurzeit  vorliegenden  Materials  nicht  in  der 


7)  Mitteilung  des  kgl.   Kreisarchivs  Bamberg. 

8)  Desgleichen. 

9)  Die  Kothgasse  ging  nach  N  o  p  i  t  s  c  h  zwischen  der  Breiten  Gasse  und  der  am  Fisch- 
bach auf  das  Hefnersplätzlein  und  das  Färbersbrücklein  hinaus.  Hans  Werner  wohnte  also  zu- 
erst in  der  heutigen  Brunnengasse. 


92  HANS  WERNER,  EIN   BEITRAG  Z.  GESCH.  D.  PLASTIK   D.  DEUTSCH.  SPÄTRENAISSANCE. 

Lage,  sie  mit  Bestimmtheit  zu  beantworten.  Vieles  spricht  ja  dafür.  Ebenso  gut 
aber  kann  Hans  Werner  auch  aus  der  Nähe  der  Stadt,  aus  Oberfranken  überhaupt 
stammen  und  erst  später  nach  Bamberg  gezogen  sein,  das  ihm  als  Hauptstadt  des 
Bistums  gerade  für  seine  Tätigkeit  auf  dem  Gebiet  der  Grabmalkunst  ganz  andere 
Aussichten  eröffnete.  Hier  saß  er  an  einem  Zentrum,  von  dem  aus  sich  mit  größerer 
Wahrscheinlichkeit  eine  gedeihliche  Wirksamkeit  entfalten  ließ.  Es  könnten  nämlich 
auch  Mechenried  im  Bezirksamt  Haßfurt  und  Wachenroth  im  Amtsgericht  Höch- 
stadt  a.  d.  Aisch  als  Geburtsort  des  Künstlers  in  Betracht  kommen,  wofern  die  An- 
gabe „Hans  Werner  von  Macheraet  aus  Nürnberg",  die  sich  in  der  handschriftlichen 
Pfarrchronik  zu  Ahorn  bei  Coburg  findet,  Anspruch  auf  Zuverlässigkeit  erheben 
darf.  Es  ist  nicht  ausgeschlossen,  daß  „Macheraet"  nur  nach  dem  Gehör  geschrieben 
ist.  Für  Mechenried  würde  die  Nähe  von  Altenstein  sprechen,  aus  welchem  Ort  ja 
sein  Schwiegersohn  Veit  Dümpel  stammte.  Wir  kommen  also  hier  vorderhand 
über  Hypothesen  nicht  hinaus. 

Wichtiger  ist  es  für  uns,  wie  uns  der  Künstler  in  seinen  Werken  entgegen- 
tritt. Ihn  in  seinen  Fähigkeiten  zu  überschätzen,  liegt  einer  objektiven  Betrachtung 
fern.  Wir  ziehen  in  gleicher  Weise  seine  guten  Seiten  wie  seine  Mängel  in  Rücksicht, 
wohl  wissend,  daß  auch  er  ein  Kind  seiner  Zeit  war,  daß  auch  er  ihre  Schwächen  ganz 
zu  überwinden  nicht  imstande  war.  Die  Zeit,  in  der  Hans  Werner  lebte,  kam 
seiner  Eigenart  nicht  unwesentlich  entgegen.  Wie  kaum  vorher  und  nachher  herrschten 
Wohlstand  und  Ansehen.  Künstlerischer  Aufwand  und  breite  Behaglichkeit  sind 
ihre  Signaturen^*').  Man  hatte  seine  Freude  an  Bildwerk,  allegorischen  Figuren, 
religiösen  Darstellungen,  Wappen  und  Devisen.  Sie  äußerte  sich  selbst  an  dem 
Gebrauchsgerät  des  einfachen  Bürgers,  ja  auch  des  Bauern.  Für  die  Grabdenk- 
mäler war  noch  die  Form  des  Votivbildes  maßgebend,  ein  Erbe  der  Gotik.  Manch- 
mal wird  der  Verstorbene  allein  dargestellt.  Häufiger  sind  Familienbilder,  die  dann 
ein  Wandaufbau  in  Form  eines  Altaraufsatzes  oder  einer  Triumphpforte  einfaßt. 
Beibehalten  ist  die  scharfe  Scheidung  in  männliche  und  weibliche  Familienmit- 
glieder, beiderseits  nach  der  Orgelpfeife  abgestuft,  jedes  Kind  ein  Abbild  des  Vaters 
oder  der  Mutter.  Besonderer  Wert  wird  jeweilig  auf  die  Ahnenprobe  gelegt.  Eine 
große  Rolle  spielen  Darstellungen  der  Auferstehung  und  Allegorien  christlicher 
Tugenden.  Weniger  häufig  ist  die  Form  der  figurenlosen  Tumba,  die  nur  durch 
besondere  Verhältnisse  bedingt  angewandt  erscheint. 

Als  Hans  Werner  um  das  Jahr  1588  eine  Tätigkeit  größeren  Umfangs  begann, 
als  er  sich  zum  ersten  Mal  vor  größere  Aufgaben  gestellt  sah,  strebte  er  wie  die  meisten 
Künstler  seiner  Epoche  in  erster  Linie  nach  einer  streng  architektonischen  Gliede- 
rung des  Aufbaues.  Aber  es  gelang  ihm  nicht  gleich,  zu  einer  vollen  harmonischen 
Abrundung  durchzudringen.  Die  Asymmetrie  der  figuralen  Innenfläche  an  den 
Grabdenkmälern  des  Hanns  Ludwig  von  Schaumberg  in  der  Kirche  zu  Unterleiter- 
bach (Oberfranken)  und  der  Familie  von  Mengersdorf  an  der  Klosterkirche  in  Göß- 
weinstein  lehrt,  daß  er  noch  stark  im  Banne  der  Anschauungen  seiner  Zeit  stand, 
daß  er  mit  sich  selbst  noch  im  Zwiespalt  war.    Im  Figürlichen  fehlt  die  rechte  In- 


10)  Vgl.  hierzu  und  dem  folgenden  E.  Gradmann,  Altfränkische  Kunst  in  Württem- 
bergisch Franken,  Festschrift  zum  50  jährigen  Jubiläum  des  histor.  Vereins  f.  Württ.   Franken, 

1897,  S.  115  ff- 


VON   DR.    FRITZ  TRAUGOTT  SCHULZ. 


93 


dividualisierung  des  Gesichtsausdrucks.  Noch  konnte  er  sich  nicht  lossagen  von 
der  aus  der  Gotik  übernommenen  leblosen  Schematisierung.  Auch  die  Körper- 
haltung der  Figuren  läßt  noch  zu  wünschen  übrig.  In  kleineren  Szenen  aber  macht 
sich  ein  bewußtes  Streben  nach  Wahrheit  im  Ausdruck  geltend  und  dringt  ein  aus- 
geprägter Wirklichkeitssinn  durch,  so  z.  B.  in  der  Auferstehungsdarstellung  am 
Grabdenkmal  des  Hanns  Ludwig  von  Schaumberg  (1588).  Wie  erregt  nehmen 
hier  die  Wächter  an  dem  Vorgang  teil!  Und  doch  steht  er  auch  hier  dem  Figür- 
lichen noch  hilflos  gegenüber  (Abb.  2).  Er  vermag  noch  nicht  perspektivisch  richtig 
zu  empfinden.  Namentlich  zeigt  dies  die  Figur  des  einen  Wächters,  der  liegend 
gedacht  ist,  in  Wirklichkeit  aber  auf  dem  Kopf  steht.  Die  realistische  Seite  seiner 
Kunst  kommt  weiter  zum  Ausdruck  an  dem  Forchheimer  Grabmal.  Ich  denke 
hier  an  das  zu  Boden  geschmetterte  Gerippe  mit  geknicktem  Pfeil,  an  den  Teufel, 


Abb.  1.    Hans  Werner: 
Selbstbildnis  am  Grabdenkmal  in  Forchheim. 


der  die  Kette  umkrallt,  von  welcher  Christus  die  Eva  loszulösen  im  Begriff  steht. 
Sie  äußert  sich  weiter  in  seiner  Vorliebe,  sein  Selbstbildnis  mit  anzubringen,  wie 
ebenfalls  an  dem  Forchheimer  Grabdenkmal  (Abb.  1),  dann  an  dem  des  Bischofs 
Ernst  von  Mengersdorf  (1595/96),  und  später  an  dem  des  Schenken  Johann  Limpurg- 
Schmidelfeld  und  seiner  Gemahlin  Eleonore  vom  Jahre  1603.  Bei  all  den  erwähnten 
Schwächen  ist  es  um  so  erstaunlicher,  daß  er  sich  gleich  an  solch  große  Aufgaben 
heranwagt,  und  daß  er  trotz  alledem  durch  die  Wucht  und  die  Schwere  der  Ver- 
hältnisse und  den  augenfälligen  Wechsel  zwischen  derbem  Dreiviertel-  und  feinem 
Hochrelief  zu  imponieren  weiß.  Dabei  ist  seine  Technik  eine  ausnehmend  sorg- 
fältige und  präzise.    In  der  freiornamentalen  Behandlung  verrät  er  großes  Geschick. 


94  HANS  WERNER,  EIN  BEITRAG  Z.  GESCH.  D.  PLASTIK  D.  DEUTSCH.  SPÄTRENAISSANCE. 

Man  beachte  vor  allem  sein  heraldisches  Laubwerk!    Nicht  zu  leugnen  ist,  daß  er 
im  ganzen  seine  Idee  klar  zum  Ausdruck  zu  bringen  weiß. 

Bei  seinen  frühen  Arbeiten  bevorzugt  Hans  Werner  die  horizontale  Teilung 
der  Innenfläche  des  Schreins:  unten  die  Familie  in  Devotion,  oben  Reliefdarstel- 
lungen  oder  Inschrifttafeln.  Anfangs  überwiegen  Architektur  und  Ornament.  Das 
ändert  sich  mit  der  Mitte  der  neunziger  Jahre  des  16.  Jahrhunderts.  Von  nun  an 
weist  er  dem  Figürlichen  eine  maßgebendere  Stellung  an.  Er  hebt  es  bewußt  heraus 
und  gewinnt  dadurch  in  erhöhtem  Grade  eine  monumentale  Ruhe  im  ganzen.  Seine 
Beziehungen  zum  Bamberger  Bischof  sind  es,  die  seiner  Kunst  eine  andere  Rich- 
tung geben.  Sie  steigert  sich  ins  Glanzvolle,  Prunkhafte.  Hand  in  Hand  damit 
geht  eine  größere  Mannigfaltigkeit  in  der  Einzelausbildung.  Die  Porträtmäßigkeit 
wird  mehr  und  mehr  vertieft.  Er  wird  großzügiger  in  Aufbau  und  Komposition. 
Von  nun  an  finden  wir  mehr  als  zuvor  einen  weichen  Fluß  der  Linien.  Wir  können 
ihm  jetzt  den  Ruhm  auch  eines  tüchtigen  Figurenplastikers  nicht  mehr  streitig 
machen.  Von  nun  an  darf  er  sich  in  der  Behandlung  der  menschlichen  Figur  getrost 
mit  den  besten  Meistern  seiner  Zeit  messen.  Er  vervollkommnet  seine  Fähigkeiten 
immer  mehr.  Die  Verhältnisse  werden  wuchtiger.  Man  denke  z.  B.  an  das  pom- 
pöse Grabdenkmal  des  Schenken  Johann  Limpurg-Schmidelfeld  und  seiner  Ge- 
mahlin Eleonore  vom  Jahre  I603,  das  leider  nicht  mehr  erhalten  ist  und  einen  reichen 
Materialwechsel  aufwies.  Wir  spüren  deutlich  das  Nahen  eines  neuen  Zeitstils,  dem 
sich  der  Künstler  mit  Bewußtsein  nicht  verschließt.  Der  erste  bedeutsame  Zeuge 
dieser  neuen  Art  ist  sein  Grabdenkmal  des  Bischofs  Ernst  von  Mengersdorf  in  der 
Michelskirche  zu  Bamberg.  Allerdings  war  ihm  hier  keinerlei  beengende  Beschrän- 
kung auferlegt.  Er  konnte  sich  frei  gehen  und  seiner  Phantasie  vollen  Spielraum 
lassen.  Wie  außerordentlich  sinnvoll  hat  er  hier  die  Figur  des  Vestorbenen  indivi- 
dualisiert! Welch  stark  entwickeltes  Verständnis  für  die  Perspektive  verrät  er  hier 
in  der  Darstellung  des  kirchlichen  Innenraumes  im  Hauptschrein!  Wie  geschickt 
verquickt  er  hier  ernste  und  alltägliche  Darstellungen!  Ein  energischer  Zug  ins 
Realistische  durchzieht  selbst  das  religiöse  Motiv,  wie  denn  überhaupt  eine  gährende 
Bewegung  aus  dem  Ganzen  spricht.  Wie  eigenartig  berührt  der  heilige  Vorgang 
in  der  Mitte  im  Gegensatz  zu  den  Werktagsszenen  in  den  Seitenschiffen,  wo  wir 
Maurer  und  Zimmerleute  an  der  Arbeit  finden!  Hans  Werner  erscheint  hier  als  ein 
Künstler,  der  seine  eigenen  Beobachtungen  macht,  der  aus  dem  Leben  schöpft  und 
sein  persönliches  Moment  kräftig  zu  betonen  weiß.  Gerne  bringt  er  auch  symbo- 
lische Andeutungen  der  Charaktereigenschaften,  der  Verdienste  und  des  Berufes 
des  Verstorbenen  an.  Hier  hat  er  dies  in  besonders  ausgedehnter  Art  getan.  Ich 
meine  die  kleinen  Figürchen  mit  Schwert,  Wage  und  Schlange,  die  Putten  mit 
Zirkel,  Kugel,  Musikinstrumenten,  Säulenbündel  und  Winkelmaß,  dann  weiter  die 
Figuren  der  Liebe,  der  Hoffnung  und  des  Glaubens.  Beim  Forchheimer  Grabmal 
fanden  wir  die  ersten  Spuren  seiner  Vorliebe  hierfür  in  den  beiden  Frauengestalten 
in  den  oberen  Ecken  des  Hauptschreins,  von  denen  die  eine  Wage  und  Schwert, 
die  andere  eine  Gesetzestafel  hält.  Von  nun  an  wird  die  Art  Hans  Werners  eine 
immer  freiere.  Es  zeigt  sich  dies  auch  im  Ornament.  Wie  kühn  hat  er  z.  B.  an 
dem  Grabdenkmal  des  Hieronymus  Kreß  in  der  Kirche  zu  Kraftshof  (nach  1596) 
die  seitlichen  Wangen  ausgestaltet !  Er  verzichtet  nunmehr  zuweilen  ganz  auf  die  für 


VON   DR.    FRITZ  TRAUGOTT  SCHULZ.  95 

ihn  in  seiner  frühen  Schaffenszeit  bezeichnende  Peinhchkeit  nach  der  ornamentalen 
Seite  hin.  Wir  begegnen  nun  auch  anderen  Formen  in  seinen  Grabdenkmalen, 
so  der  einer  geschlossenen  Tumba  über  der  Tetzelschen  Familiengruft  in  der  Pfarr- 
kirche zu  Kirchensittenbach  (l6l  1)  oder  der  eines  offenen  Baldachins  mit  darunter  be- 
findlichem Sarkophag  über  der  Pfinzingschen  Familiengruft  in  Henfenfeld  (1613). 
Jetzt  dehnt  sich  seine  Tätigkeit  auch  auf  andere  Gegenstände,  auf  Kanzeln  und 
Taufsteine  aus.  An  seinen  Grabdenkmalen  wird  nun  auf  die  Behandlung  der  Ge- 
wandung ein  besonderer  Wert  gelegt.  Seine  Schöpferkraft  und  seine  Erfindungsgabe 
finden  immer  mehr  Nahrung.  Es  ist  erklärlich,  wenn  er  nun  in  Kleinigkeiten  flüchtig 
wird.  Die  Reliefs  am  Bayreuther  Taufstein  sind  nicht  die  besten  Äußerungen  seiner 
Kunst.  Kein  Wunder,  denn  schon  arbeitete  er  damals  an  seinem  letzten  Werk, 
dem  Grabdenkmal  des  Wilhelm  von  Streitberg  und  seiner  Gemahlin  Anna  in  der 
Kirche  zu  Ahorn  bei  Coburg,  welches  das  größte  und  prunkvollste  ist,  das  der  Künstler 
geschaffen,  das  aber  weiterhin  zu  den  bedeutendsten  Werken  der  deutschen  Grab- 
malkunst des  beginnenden  17.  Jahrhunderts  gezählt  werden  muß. 

Hans  Werner  verwendet  zu  seinen  Arbeiten  sehr  verschiedenartiges  Material. 
Besonders  erwünscht  war  ihm  der  graugrüne,  feinkörnige  Sandstein  (Nesselbacher 
oder  Zeiler  Stein),  weil  dieser  ihm  ein  scharfes  Ausprägen  der  Einzelheiten  des  Orna- 
ments ermöglichte  und  für  eine  freiplastische  Behandlung  eine  stärkere  Konsistenz 
besitzt.  Doch  war  ihm  auch  der  grobkörnige,  graue  oder  rote  Sandstein  recht.  Da- 
neben verwandte  er  grauweißen  und  roten  Marmor,  Alabaster,  Kalkstein  und  Achat. 
Typisch  ist  für  ihn  die  reine  Materialtechnik.  Er  arbeitet  mit  dem  Material  als 
solchem,  dessen  Eigenheiten  er  zu  berücksichtigen  weiß,  ohne  dabei  der  Farbe 
unbedingt  zu  bedürfen.  Polychromie  findet  sich  bei  ihm  nur  wenig.  Zuweilen  be- 
gegnet eine  leichte  Herausfassung  der  Ränder  mit  Gold. 

Die  Tätigkeit  Hans  Werners  umfaßt  ein  weites  Gebiet.  Wir  finden  von  ihm 
Arbeiten  in  Oberfranken,  Mittelfranken,  Württembergisch  Franken,  und  in  der  Gegend 
von  Coburg,  ein  Zeichen,  daß  der  Künstler  geschätzt  und  bekannt  war.  Aber  er 
mag  noch  weit  mehr  geschaffen  haben,  als  ich  festzustellen  in  der  Lage  war.  Sein 
Fleiß  und  sein  stürmisches  Temperament,  sowie  auch  seine  vielen  Beziehungen, 
die  er  sich  zu  verschaffen  gewußt,  lassen  dies  vermuten.  Bislang  war  Hans 
Werner,  wenn  ich  so  sagen  darf,  noch  kein  fester  Begriff.  Es  konnten  ihm  darum 
leicht  Werke  zugeschrieben  werden,  auf  deren  Autorschaft  er  keinen  Anspruch  er- 
heben darf.  Nicht  von  ihm  rührt  z.  B.  der  Grabstein  mit  dem  Doppelporträt  des 
Moritz  Kanne  in  Bhulheidhof  und  seiner  im  Jahre  1627  verstorbenen  Gattin  Maria 
Barbara  von  Schaumberg  in  Mupperg,  welch  letzterer  das  Denkmal  von  jenem  ge- 
setzt wurde,  her^^).  Weicht  schon  der  ganze  Habitus  zu  sehr  von  des  Meisters 
Kunstweise  ab,  so  ist  eine  solche  Annahme  auch  zeitlich  nicht  statthaft,  da  Hans 
Werner  im  Jahre  1623  starb.  Aber  auch  die  Reliefs  an  dem  Taufstein  in  der  Stadt- 
pfarrkirche in  Kulmbach  hat  er  nicht  geschaffen^-).  Das  Prädikat  ,,gut",  das  Dehio 
ihnen  gibt,  kann  ihnen  nicht  abgesprochen  werden.  Auch  sie  sind  nur  Reste  eines 
früheren  Taufsteins  und  würden  das  gleiche  Schicksal  mit  diesem  geteilt  haben. 


11)  Friedrich  H.   H  0  f  m  a  n  n,  Die  Stadticirche  in  Bayreuth,  Archiv  für  Geschichte  und 
Altertumskunde  von  Oberfranken,  21.  Bd.,  3.   Heft,  S.  97- 

12)  G.  Dehio,  Handbuch  der  deutschen  Kunstdenkmäler,  Bd.  1,  S.  170. 


96  HANS  WERNER,  EIN  BEITRAG  Z.  GESCH.  D.  PLASTIK  D.  DEUTSCH.  SPÄTRENAISSANCE. 

wenn  man  sie  nicht  dem  i.  J.  1879  von  dem  Kulmbacher  Bildhauer  Hermann  Hafer- 
korn hergestellten  neuen  Taufstein  (pseudogotisch)  eingefügt  hätte.  Dargestellt 
sind  die  Geburt  Christi,  die  Beschneidung,  die  Taufe  im  Jordan  und  die  Kinder- 
segnung. Gleich  zu  Anfang  erschienen  mir  diese  Reliefs  für  Hans  Werner  als  zu  fein 
und  zu  zierlich;  auch  kamen  sie  mir  um  einige  Jahrzehnte  später  vor.  Bei  einer 
genaueren  Prüfung  nahm  meine  Vermutung  eine  festere  Form  an.  In  den  Gottes- 
hausrechnungen aus  dem  zweiten  Dezennium  des  17.  Jahrhunderts^^)  fand  ich  zu- 
dem keinerlei  Nachricht  von  der  Errichtung  eines  Taufsteins  in  dieser  Zeit.  Da- 
gegen enthält  die  Gotteshausrechnung  v.  J.  1647  folgenden  Eintrag:  „Alhier  ist  zue 
gedencken,  daß  in  dießem  jähr  der  durchleuchtig  hochgeborne  Fürst  vnnd  Herr 
Herr  Erdtman  Augustus,  Marggraf  zue  Brandenburg,  in  Preußen  Herzog,  dann  seiner 
fürstl.  Gnaden  herzgeliebte  Gemahlin,  die  auch  durchleuchtig  hochgeborne  fürstin 
vnnd  fraw,  fraw  Sophia,  vermählt,  vnnd  geborne  Marggräfin  zue  Brandenburg,  in 
Preußen  Herzogin,  Gott  zue  Ehren  vnd  zue  stittwehrendem  andencken,  aus  christ- 
fürstlicher pietät,  den  schönen  neuen  Tauff stein,  in  St:  Peters  Pfarrkirchen,  vff- 
richten  vnnd  verfertigen  lassen,  vnnd  hatt  derselbe  in  allem  einhundert  vnndt  achzig 
reichsthaler,  den  thlr  zu  18  pazen,  oder  72.  creuzer  gerechnet,  gecostet"^*).  Er 
war  „aus  marmeln  vnd  andern"  verfertigt.  Über  ihm  befand  sich  ein  zum  Aufziehen 
eingerichteter  Deckel.  Auch  war  er  von  einem  achteckigen  Gitter  umgeben.  Da- 
mit ergibt  sich  die  Unmöglichkeit  der  Annahme  einer  Autorschaft  Hans  Werners 
von  selbst. 

Auf  der  anderen  Seite  aber  haben  wir  mit  der  Wahrscheinlichkeit  zu  rechnen, 
daß  manche  der  Schöpfungen  Hans  Werners  dem  Unverständnis  einer  späteren 
Zeit  zum  Opfer  gefallen  sind.  Namentlich  das  gotisierende  19-  Jahrhundert  hat 
mit  den  Denkmälern  der  Kunst  der  Spätrenaissance  stark  aufgeräumt.  Von 
dem  Grabdenkmal  des  Schenken  Johann  Limpurg  -  Schmidelfeld  und  seiner 
Gemahlin  Eleonore,  das  ehemals  in  der  Schloßkirche  zu  Schmidelfeld  stand,  war 
bereits  die  Rede.  Nicht  mehr  vorhanden  ist  auch  die  Kanzel,  die  ein  Graf  Lynar 
für  die  Stadtkirche  in  Bayreuth  gestiftet  hatte.  „Es  scheint  ein  interessanter  Sand- 
steinaufbau, den  ein  Samson  trug,  mit  mehreren  stattlichen  Figuren  gewesen  zu 
sein."  An  ihrem  Fuß  waren  Bibelsprüche  angebracht.  Sie  wurde  gelegentlich 
der   Restauration  der  Jahre  1871/72  aus  der   Kirche  entfernt ^  5). 

Gleichzeitig  mit  und  neben  Hans  Werner  waren  andere,  nicht  minder  tüchtige 
Bildhauer  tätig.  Ich  nenne  nur  den  thüringischen  Meister  Nikolaus  Bergner  (Ala- 
basterepitaph Joh.  Friedrichs  des  Mittleren,  gest.  1595,  in  Coburg);  Simon  Schlör  von 
Lautenbach,  der  in  Hall  lebte  und  von  1553—1598  nachweisbar  ist;  Michael  Kern 
d.  Ä.  (Grabdenkmal  des  Bischofs  Neithard  von  Thüngen  v.  J.  1598  in  der  Michels- 
kirche zu  Bamberg,  Epitaph  des  Bischofs  Julius  Echter  von  Mespelbrunn  v.  J.  1617 


13)  Herrn  Kirchenrat  Reich  in  Kulmbach  bin  ich  für  die  weitgehende  liebenswürdige 
Unterstützung,  die  er  mir  bei  der  Behandlung  dieser  Frage  zuteil  werden  ließ,  zu  ganz  besonderem 
Dank  verbunden. 

14)  Vgl.  auch  Beispiele  des  Guten  aus  der  Geschichte  der  Stadt  Kulmbach  samt  einer 
Chronik  dieses  Ortes  als  Einleitung  von  A.  W.  H  e  c  k  e  1,  fortgesetzt  von  J.  Eck,  Kulmbach 
1885,  S.  247. 

15)  Friedrich  H.   H  o  f  m  a  n  n  a.  a.  O.  S.  82. 


VON   DR.    FRITZ  TRAUGOTT  SCHULZ.  97 


und  Kanzel  v.  J.  1609  im  Würzburj,^er  Dom);  Philipp  Kolb,  der  um  16OO  in  Öhringen 
wirkte  (Limburgisches  Grabdenkmal  in  Gaildorf,  1619,  begonnen  von  F.  Grau  aus 
Hall);  und  Michel  Niklas  zu  Reinsbronn  (Epitaph  der  Susanna  v.  Seckendorf  v.  J. 
1575  in  Creglingen;  Grabdenkmal  mit  Gnadenstuhl  v.  J.  1600  und  Portal  v.  J.  1591 
in  Wachbach.)  Hans  Werner  inag  manche  Anregung  von  ihnen  empfangen  haben. 
Viel  wird  er  auch  von  den  Stukkatoren  seiner  Zeit  gelernt  haben,  die  im  freiplastischen 
Modellieren  so  Hervorragendes  geleistet.  Doch  war  er  eine  viel  zu  selbständige  Natur, 
um  seine  Eigenart  zu  verleugnen,  die  uns  zu  deutlich  aus  seinen  Werken,  zu  deren 
Einzelbehandlung  wir  nun  übergehen  wollen,  entgegentritt.  Für  deren  Aufeinander- 
folge war  der  chronologische   Gesichtspunkt  maßgebend. 


III.   Werke  Hans  Werners. 

Nr.  1. 

Grabdenkmal  für  Hanns  Ludwig  von  Schaumberg  in  der  Kirclie  zu  Unterleiter- 
bach in  Oberfranken.    1588. 

Aus  feinkörnigem  Sandstein  gearbeitet,  hat  dieses  Monument  ^^)  seine  Stelle 
an  der  Südwand  im  Inneren  des  Langhauses  über  einem  63  cm  hohen  Sockel,  der 
um  M  cm  vorgeschoben  ist.  Seine  Bestandteile  sind  ein  leicht  gekrümmter  Unter- 
bau, auf  dem  die  Inschrift  angebracht  ist,  ein  großer,  von  Pilastern  eingefaßter  Schrein, 
in  dem  die  Familie  des  Verstorbenen  dargestellt  ist,  und  ein  mit  flachem  Giebel 
abgeschlossener  Aufsatz,  den  beiderseits  Wappen  flankieren. 

Der  untere  Teil  des  Grabmals  ist  durch  den  Einbau  von  zwei  Kirchenbänken 
teilweise  zerstört  und  verdeckt.  Die  linke  Hälfte  wird  außerdem  durch  den 
vorgestellten  Taufstein  fast  ganz  den  Blicken  entzogen.  Die  Inschrift  ließ  sich 
daher  nicht  im  einzelnen  feststellen,  weshalb  ich  mich  auf  die  Angabe  ihres  allge- 
meinen Inhalts  beschränke.  Die  Schriftfläche,  die  seitlich  zu  Renaissance- Kar- 
tuschen aufgerollt  erscheint,  ist  geteilt.  Die  linke  Hälfte  ist  für  den  Mann,  die  rechte 
für  die  Frau  bestimmt.  Demnach  wurde  das  Grabmal  errichtet  für  den  am  14.  Sep- 
tember 1584  gestorbenen  Hanns  Luedwig  von  Schaumbergk  zu  Niderlaiterbach 
und  seine  am  18.  April  1590  verschiedene  Gattin  Amalie,  eine  geborene  von  Wiesen - 
thau.     Seine  Anfertigung  fällt  in  die  Zwischenzeit,  nämlich  ins  Jahr  1588. 

Biedermann,  Geschlechtsregister  der  Reichsfrey  unmittelbaren  Ritterschaft 
Landes  zu  Franken  löblichen  Orts  Rhön  und  Werra,  1749,  bringt  Taf.  CLXII  folgende 
Notiz:  ,, Johann  Ludewig  von  Schaumberg  zu  Schaumberg,  Knoch,  Enesthurn, 
Kauldorff,  Letterbach  und  Effelter,  Burggraf  auf  den  Rothenberg,  willigte  an.  1566 
in  die  Gan  Erbschafft  des  Schlosses  Dundorff,  und  starb  an.  1584.  Gemalin,  Amalia 
von  Wiesenthau,  Herrn  Wilhelm  Junioris  von  Wiesenthau  zu  Hundshaupten  und 
Pretsfeld,    Hochfürstlich    Bambergischen   Ober    Schultheisens   zu    Forchheim     und 

16)  Kurz  erwähnt  bei  G.  D  e  h  i  0,  Handbuch  der  deutschen   Kunstdenkmäler  1.  S.  299- 
Mitteilungen  aus  dem  Oemian.  Nationalmuseum.     19(W.  7 


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HANS   WERNER,  EIN   BEITRAG  Z.  GESCH.  D.  PLASTIK   D.  DEUTSCH,  SPATRENAISSANCE. 


Amtmanns  zu  Neukirchen,  Marioffstein  und  Wolffsberg,  dann  Frauen  Anna 
von  Wiesenthau .  einer  gebornen  von  Redwitz,  Tochter,  starb  an.  1596  (!)  als 
Witwe." 

Der  Schrein  hat  eine  etwas  ungewöhnlich  große  Breite  (Abb.  2).  Sie  beträgt  bei 
einer  Höhe  von  1,92  m  rund  2,23  "i-  Die  seitlichen  Pilaster  entwickeln  sich  folge- 
richtig aus  ihnen  unterstellten  Voluten.  Die  Schäfte  sind  leicht  geschwellt,  die  Kapitale 
jonisierend  behandelt.  Alsdann  folgen  hohe  Kämpferstücke.  Diese  sowohl  wie 
die  Stirnflächen  der  Schäfte  sind  mit  Wappenschildcben  behängt.    Zwischen  denen 


Abb.  2.     Hans  Werner: 

Grabdenkmal  für  Hanns  Ludwig  von  Schaumberg  in  der  Kirche 

zu  Unterleiterbach  in  Oberfranken.    1588. 


über  den  Schäften  läuft  in  Wellenlinien  ein  schmales  Schriftband  hin.  Auch  werden 
sie  unter  sich  durch  Schnüre  zusammengehalten.  Es  sind  beiderseits  sieben  Wappen, 
und  zwar  links  die  Wappen  „REDWITZ".  „EIW",  „THAN",  „MARSCH ALCK", 
„WILLENSTE",  „HVTTEN",  „FVCHS",  rechts  „BIBRA",  „REDWITZ",  „HERM- 
STAT", „WOLFSKEL",  „MOTSCHILLER",  „FORTSCH"   und  „EXDORF". 


VON   DR.   FRITZ  TRAUGOTT  SCHULZ.  QQ 


Die  Gliederung'  der  Pilaster  ist  eine  stren,i(  architektonische.  Um  so  wohl- 
tuender berührt  die  Asymmetrie  der  Innenfläche  des  Schreins,  wenn.t^leich  ich  diese 
nicht  gerade  als  etwas  ideales  hinstellen  mochte.  Wir  haben  vielmehr  in  eben  diesem 
Umstand  geradezu  einen  Mangel  zu  sehen.  Der  Künstler  stand  noch  zu  sehr  unter 
dem  Bann  der  Anschauungen  seiner  Zeit,  die  eine  scharfe  Scheidung  zwischen  den 
männlichen  und  weiblichen  Familienmitgliedern  gewahrt  wissen  wollte.  Aber  trotz- 
dem brauchte  sich  der  Künstler  darum  nicht  zu  einem  solch  störenden  Mißgriff 
\erleiten  zu  lassen.  Bei  einer  anderen  Verteilung  der  Figuren  hätte  er  —  und  das 
hat  er  doch  später  immer  sehr  wohl  verstanden  —  sein  Ziel  gerade  so  gut  und  noch 
dazu  in  harmonischer  Abrundung  erreichen  können.  Aber  das  Grabdenkmal  fällt 
in  die  Anfangsepoche  seines  Schaffens,  in  der  ihm  die  Lösung  größerer  Aufgaben 
noch  Schwierigkeiten  bereitete. 

Ein  weitgespannter  Flachbogen  faßt  die  Figurengruppe  zu  einer  Einheit  zu- 
sammen, die  aber,  wie  schon  angedeutet,  nur  eine  scheinbare  ist.  Es  fehlt  der  Ein- 
schnitt in  der  Mitte.  Das  Kruzifix,  zu  dessen  Füßen  die  Familie  des  Verstorbenen 
kniet,  ist  um  etwa  36  cm  nach  rechts  hin  von  ihr  abgerückt.  In  den  Ecken  links 
und  rechts  der  Gatte  und  die  Gattin  in  Dreiviertellebensgröße.  Jener  ist  von  sechs 
Söhnen,  diese  von  einer  erwachsenen  Tochter  und  einer  solchen  in  jugendlichem 
Alter  begleitet.  Vor  ihr  liegt  auf  einem  Kissen  in  Winden  gewickelt  ein  noch  ganz 
kleines  Kind.  Die  Figuren  sind  in  betender  Haltung  kniend  dargestellt  und  in 
Dreiviertelplastik  gearbeitet.  Die  Hauptfiguren  sind  fast  vollrund  herausgemeißelt. 
Der  Blick  ist  bei  allen  zum  Gekreuzigten  emporgerichtet.  Der  Gatte  kniet  im 
Harnisch  über  einem  Löwen,  neben  dem  über  den  Handschuhen  der  Helm  liegt. 
Der  Sohn  unmittelbar  vor  ihm  ist  durch  die  Tracht  als  dem  geistlichen  Stand  an- 
gehörig gekennzeichnet.  Er  hieß  Martin  von  Schaumberg  und  war  Domkapitular 
zu  Bamberg,  Würzburg  und  Eichstätt.     Nachher  wurde  er   Bischof  von  Eichstätt. 

Zu  einer  wirklichen  Individualisierung  der  Antlitze  hat  sich  Hans  Werner 
noch  nicht  durchgerungen.  Er  steckt  eben  noch  in  den  Anfängen  seiner  Kunst. 
So  wirkt  die  gleichmäßige  leblose  Schematisierung  der  Gesichter  wenig  erfreulich. 
Auch  ist  es  ihm  noch  nicht  gelungen,  die  kniende  Haltung  richtig  zum  Ausdruck 
zu   bringen,  was  sich   namentlich  bei  dem   Familienoberhaupt  bemerkbar  macht. 

Über  der  Gruppe  links  ein  fliegender  Engel  mit  langflatterndem  Spruchband, 
mit  der  Linken  hinweisend  auf  die  Worte:  „ICH  WEIS  DAS  MEIN  ERLOSER 
LEWET  VND  ER  WIRD  MICH  AVS//DER  ERDEN  AVFERWECKEN  VND 
WIDER  MIT  MEINER  HAVD//VMBGEWEN  WERDEN  VND  WERDE  IN 
MEINEN  FLAISCH  GOT  SEHi//HIOB-  19://". 

Über  der  Gruppe  rechts  in  Wolken  Gott  Vater  mit  der  Weltkugel,  den  heiligen 
Geist  in  Gestalt  einer  Taube  entsendend.  Darunter  dij  Worte:  „DIE  KRANCKHEIT 
IST  NICHT  ZVM  TOD//SONDER  ZVR  EHRE  GOTTES  lOHAN:  11//ICH  BIN 
DIE   AVFFERSTEHVNG   VND  DAS   LEBEN//IOHAN:   6//". 

Nach  oben  wird  der  Schrein  von  einem  Gebälk  abgeschlossen,  dessen  Gliede- 
rung derjenigen  der  Kämpferstücke  über  den  seitlichen  Pilastern  entspricht.  In 
die   Mitte  de5   Balkens  ist   die   Jahrzahl    1588  eingraviert. 

Beiderseits  von  dieser  sind  zwei  Konsolen  angebracht,  die  sich  nach  oben 
fortsetzen,  dort   zu   beschwingten    Engelsköpfchen    ausgearbeitet   und   sinngemäß 


100  HANS  WERNER,  EIN    BEITRAG  Z.  GESCH.  D.  PLASTIK  D.  DEUTSCH.  SPÄTRENAISSANCE. 

als  Träger  gedacht  sind  für  die  den  Giebel  des  Aufsatzes  tragenden,  hübsch  ge- 
gliederten Säulchen.  Der  Raum  zwischen  ihnen  wird  von  einer  hochreliefierten 
Darstellung  der  Auferstehung  Christi  ausgefüllt.  Christus  steht  mit  gekreuzten 
Füßen  auf  dem  Deckel,  der  schräg  über  dem  Sarkophag  liegt.  Sein  Antlitz  ist 
emporgerichtet.  Der  Mantel  flattert,  vom  Winde  bewegt,  nach  rechts.  Da  die 
Unterarme  fehlen,  läßt  sich  über  die  Bewegung  und  Haltung  der  Hände  nichts 
sagen.  Mit  erregten  Gebärden  nehmen  die  Wächter  an  dem  Vorgang  teil.  Einer 
von  ihnen  springt  auf,  die  Hellebarde  ergreifend.  Ein  anderer  schwingt  sein  Schwert. 
Ein  dritter  dringt  mit  Schwert  und  Schild  auf  den  Erlöser  ein.  Ein  vierter  liegt 
ausgestreckt  am  Boden.  Wie  hilflos  Hans  Werner  teilweise  dem  Figürlichen  noch 
gegenübersteht,  zeigt  diese  Figur  besonders  deutlich.  Von  perspektivischer  Ver- 
kürzung hat  er  noch  keine  rechte  Vorstellung.  So  liegt  dieser  Wächter  mit  dem 
Kopf  nach  unten,  während  seine  Beine  aufwärts  in  das  Bild  hineinragen.  Für  die 
auch  sonst  linkische  Art  des  Vortrags  aber  entschädigt  uns  die  stürmische  Bewegung, 
von  der  diese  Szene  durchdrungen  ist. 

In  den  oberen  Ecken  schweben,  von  Wolken  umgeben,  zwei  beschwingte 
Engelsköpfchen. 

Um  dieses  Werk,  auf  das  der  Künstler  als  eine  seiner  ersten  größeren  Arbeiten 
gewiß  stolz  war,  als  solche  besonders  kenntlich  zu  machen,  bezeichnete  er  den 
Architravbalken  in  großer  Schrift  mit  seinem  vollen  Namen:  ,.HANS  WERNER 
BILTHAWER". 

Nicht  hat  es  der  Künstler  auch  an  einer  wirksamen  Durchbildung  des  Giebel- 
abschlusses fehlen  lassen.  Auf  die  Schrägen  lagerte  er  zwei  trauernde  Genien  mit 
Totenkopf  und  Stundenglas.  Die  Spitze  bekrönte  er  mit  einer  Kugel  und  in  das 
Feld  komponierte  er  einen  beschwingten  Engelskopf  hinein. 

Zu  den  Seiten  des  Aufsatzes  haben,  mit  heraldischem  Laubwerk  reich  verziert, 
das  Schaumbergische  und  das  Wiesenthausche  Wappen  mit  ihren  Helmzierden 
Platz  gefunden. 

Das  Grabdenkmal  hat  eine  Höhe  von  3,80  m  und  eine  größte  Breite  von  2,45  m. 
Betrachtet  man  es  als  Ganzes,  so  ist  zunächst  zu  erwähnen,  daß  es  in  seiner  äußeren 
Erscheinung  durch  den  grauen  Ölfarbenanstrich  sehr  beeinträchtigt  wird.  Durch 
diesen  ist  eine  Monotonie  erzeugt,  die  das  Grabmal  in  seinem  ursprünglichen  Zustand 
unter  keinen  Umständen  besessen  hat.  Auch  waren  aie  Wappen  ehedem  polychro- 
miert.  Die  Symmetrie  des  Aufbaues  ist  im  ganzen  gewahrt.  Durch  die  Uneben- 
mäßigkeit  der  Caesur  im  Schrein  erleidet  sie  allerdings  eine  sich  für  das  Auge  sehr 
fühlbar  machende  Disharmonie.  Der  Künstler  war  noch  in  erster  Linie  Architektur- 
und  Ornamentplastiker.  Mit  seinem  Können  auf  figürlichem  Gebiet  ist  es  noch 
mäßig  bestellt.  Dennoch  unternimmt,  ja  wagt  er  es,  dem  Figürlichen  bereits  einen 
weiten  Raum  zu  geben.  Er  drängt  es  geradezu  in  den  Vordergrund.  Die  sich  dar- 
aus ergebenden  Konflikte  mußten  eintreten.  Das  war  nicht  anders  zu  er- 
warten. Doch  hindert  uns  das  alles  nicht,  das  Denkmal  schon  als  eine  achtbare 
Leistung  zu  betrachten.  Trotz  der  Schwächen,  die  jedem  Künstler  im  Beginn  seiner 
Laufbahn  anhaften,  weiß  Hans  Werner  zu  imponieren.  Hat  er  auch  den  inneren 
Zusammenhang  noch  nicht  ganz  gefunden,  so  flößt  er  doch  durch  die  wuchtige 
Art  seiner  Massenverteilung  Achtung  ein.    Und  diese  wächst,  wenn  man  die  Sorg- 


VON  DR.   FRITZ  TRAUGOTT  SCHULZ.  101 

fall  seiner  Technik  erkennt  und  sein  hohes  Geschick  in  der  freiornamentalen 
Behandlung.  Man  betrachte  nur  die  virtuose  Durchführung  des  heraldischen  Laub- 
werks an  den  oberen  Wappen.  So  liegt  er  mit  sich  selbst  noch  im  Widerstreit, 
aus  dem  er  sich  aber  bald  herauszuarbeiten  wußte. 


Nr.  2. 


Grabdenkmal  der  Familie  von  Mengersdorf  an  der  Klosterkirche  in 
Gößweinstein.     1588. 

Das  Epitaph  hat  seine  Stelle  an  der  geraden  Außenseite  des  fünfseitig  ge- 
schlossenen Chores  der  in  den  Jahren  1730—39  von  Balthasar  Neumann  erbauten 
Kirche^").  Es  ist  in  gelbem  Sandstein  gearbeitet,  voll  bezeichnet  und  datiert  (Abb.  3). 
in  den  Sturzbalken  über  dem  Schrein  finden  wir  folgende  Inschrift  eingemeißelt: 
„HANS  WERNER  BILDHAVER  ZV  BAMBERGK".  An  den  Kämpfern  über  den 
seitlichen  Pilastern  ist  die  Jahreszahl  1588  angebracht.  Früher  war  es  im  Inneren 
der  Kirche  in  der  Nähe  des  Hochaltares  aufgestellt.  Errichtet  wurde  es  im  Auf- 
trag des  Bischofs  Ernst  von  Mengersdorf  zu  Bamberg  zur  Erinnerung  an  seine  Eltern 
Otto  Eberhard  von  Mengersdorf  und  Wilhelmine  von  Würzburg.  Otto  Eberhard 
von  Mengersdorf  bekleidete  seit  dem  Jahre  1557  das  Amt  eines  Pflegers  in  Velden- 
stein.     Es  folgte  ihm  in  dieser  Stellung  sein   Sohn   Pankraz  (Brückner). 

Wie  bei  dem  vorhergehenden  Grabmonument,  ist  auch  hier  die  sich  aus 
der  Zweckmäßigkeit  von  selbst  ergebende  Zweiteilung  als  Prinzip  für  die  Kompo- 
sition maßgebend  gewesen,  nur  daß  sie  weit  konsequenter  durchgeführt  erscheint. 
Der  predellenförmige  Unterbau,  der  nach  den  Seiten  mit  Voluten  zur  Auf- 
nahme der  tragenden  Pilaster  ausladet,  ist  in  zwei  Inschrifttafeln  aufgelöst.  Leider 
haben  hier  die  Witterungseinflüsse  schon  stark  zersetzend  eingewirkt,  so  daß 
jene  bis  auf  wenige  Reste  zerstört  sind.  Auf  der  linken  sind  noch  die  Worte 
„CLAVSVS  OTTO  TENVICV  .  .  .  MENGERSDORFIACE"  erkennbar.  Die  rechte 
beginnt  mit  dem  Namen  „ERHARDVS".  Darüber  erhebt  sich  der  von  zwei  Pi- 
lastern begleitete  Schrein,  in  dessen  unterer  Hälfte  vor  einem  von  Engeln  gehal- 
tenen, fein  arabeszierten  Vorhang  die  in  Vollplastik  gearbeitete  Familie  zu 
den  Füßen  eines  Crucifixus  kniet.  In  betender  Haltung  sind  die  einzelnen 
Familienmitglieder  in  Korrespondenz  zur  Mitte  gesetzt,  und  zwar  so,  daß  sie 
von  den  Seiten  her  dem  Alter  entsprechend  sich  in  der  Größe  abstufen.  Zu 
äußerst   knien   die     Eltern,   der   Vater,   neben   dem   am    Boden   der    Helm   liegt, 


17)  Erwähnt  in  Leben  und  Werke  der  Künstler  Bambergs,  in  Verbindung  mit  Joseph 
Heller  und  Martin  v.  R  e  i  d  e  r,  beschrieben  von  Joachim  Heinrich  J  ä  c  k,  II.  Teil,  Bamberg 
1825.  S.  120;  bei  N  a  g  l  e  r,  Monogrammisten  III,  Nr.  1703;  bei  Wilh.  L  o  t  z.  Kunst-Topographie 
Deutschlands,  II,  S.  143,  wo  es  heißt:  „Grabstein:  Otto  Erhard  v.  Mengersberg  (!)  1588 
von  Hans  Werner";  in  der  Zeitschrift  für  Heimat-  und  Volkskunde  ..Deutsche  Gaue",  Bd.  VII, 
S.  14;  bei  Georg  D  e  h  i  0,  Handbuch  der  deutschen  Kunstdenkmäler,  Bd.  I,  S.  120;  vgl.  auch 
..Chronistisches  über  Gößweinstein,  die  Perle  der  Fränkischen  Schweiz"  von  Lehrer  Karl  Brück- 
n  e  r- Gößweinstein  im  Bayerland  1905,  S.  583  mit  Abb.  auf  S.  619,  und  desselben  Verfassers  Schrift 
„Geschichte  der  Burg,  Wallfahrt,  Pfarrei  und  Marktgemeinde  Gößweinstein",  Ebermannstadt 
1906.  S.  19—20. 


102         HANS  WERNER,  EIN   BEITRAG  Z.  GESCH.  D.   PLASTIK   D.  DEUTSCH.  SPÄTRENAISSANCE. 

in  Rüstung.  Sein  Antlitz  zeichnet  sich  durch  scharfe  IndividuaHsierung 
aus.  Ihm  folgt  in  bischöflichem  Gewand  der  älteste  Sohn,  der  Stifter  des 
Monuments.  Zu  seinen  Füßen  werden  die  Bischofsmütze,  ein  Krummstab  und 
ein  Kreuzesstab  bemerkt.  Unmittelbar  neben  dem  Gekreuzigten  kniet  der  zweite 
Sohn  Pankraz,  durch  Rüstung  und  Helm  als  Amtmann  gekennzeichnet.  Zwischen 
ihm  und  dem  älteren  Bruder  der  jüngste  männliche  Sproß,  ein  Knabe  noch  in 
zartestem  Alter.  Die  Mutter  ist  von  fünf  Töchtern  begleitet,  von  denen  die  vier 
größeren  neben  ihr  knien,  während  sich  die  fünfte  jüngste,  ebenfalls  in  betender 


Abb.  3.    Hans  Werner: 

Grabdenkmal  der  Familie  von  Mengersdorf  an  der  Klosterkirche 

in  Gößweinstein.     1588. 


Haltung,  vor  ihnen  befindet.  Indem  ich  Brückners  Deutung  der  vier  älteren  Töchter 
folge,  haben  wir  in  ihnen  zu  sehen :  Anna  von  Mengersdorf,  vermählt  mit  Christoph 
von  Kotzau,  Pfleger  zu  Waischenfeld;  Scholastika  von  Mengersdorf,  vermählt  mit 
Christoph  Heinrich  von  Zedwitz,  .Pfleger  in  Vilseck;  Barbara  von  Mengersdorf,  ver- 
mählt mit  Martin  Sebastian  von  Redwitz  in  Kronach;  und  Apollonia  von  Mengers- 
dorf.    Ein  flacher,  mit  Perlstab  verzierter   Korbbogen  schließt  das  Schreininnere 


Von   DR.    FRITZ  TRAUGOTT  SCHULZ.  103 


nach  oben  ab.  In  seinem  Felde  schwebt  in  Wolken,  von  Engeln  umgeben,  die  seinen 
Mantel  halten,  Gott  Vater,  in  der  Linken  die  Weltkugel,  die  Rechte  (abgewittert) 
segnend  erhoben.  Zu  seinen  Füßen  flattert  in  Gestalt  einer  Taube  der  heilige  Geist. 
Die  Gruppe  der  Engel  mit  Gott  Vater  ist  fast  in  Vollplastik  gearbeitet,  doch  so, 
daß  die  Mitte,  d.  h.  die  Figur  des  Weltenschöpfers,  stärker  hervortritt,  während  die 
ihn  umschwebenden  Engel,  wie  auch  die  Wolken,  allmählich  in  Reliefplastik  über- 
gehen. Hierdurch  ist  ein  sehr  wirksamer  Kontrast  zu  der  doch  immerhin  schweren 
Grupppe  im  unteren  Teil  des  Schreins  gewonnen.  Sonne  und  Mond  füllen  die  leeren 
Ecktlächen  aus.  in  die  äußeren  Eckzwickel  sind  je  zwei  Engelsköpfe  hineinkom- 
poniert, die  aus  vollen  Backen  Wind  entströmen  lassen. 

Die  seitlichen  Pilaster  haben  Kompositkapitäle,  die  wie  immer  bei  Hans 
Werner  sehr  zierlich  gearbeitet  sind.  Ihre  Schäfte  sind  an  den  Stirnflächen  mit  je 
acht  Wappenschildchen  ^**)  behängt,  während  wir  an  den  Innenseiten  in  feiner  Relief- 
arbeit die  Leidenswerkzeuge  und  andere  auf  die  Passion  bezügliche  Attribute 
bemerken. 

Die  in  der  Predella  angebahnte  Zweiteilung  setzt  sich  im  Aufsatz  fort.  Hier 
tragen  drei  freistehende  Säulchen  einen  flachen  Giebel  mit  leicht  eingeschwungenen 
Schrägen,  auf  denen  zwei  leider  zum  Teil  stark  beschädigte  Engel  mit  ausgebreiteten 
Schwingen  lagern.  Als  Bekrönung  aber  dient  ein  Knabe  mit  weitab  wehendem 
Mantel,  einen  Eisenspeer  in  Händen  haltend.  Um  seinen  linken  Unterschenkel 
windet  sich  eine  Schlange.  Im  Bogenfeld  ruht  der  Genius  des  Todes  mit  Sanduhr 
und  Totenschädel.  In  den  Füllungsflächen  zwischen  den  Säulchen  hat  der  Künstler 
\or  flachbogigen  Nischen  in  sehr  freier,  virtuos  durchbrochener  Plastik  die  Wappen 
der  Eltern  des  Stifters  angeordnet,  links  das  Mengersdorfsche,  rechts  das  Würz- 
iHirgsche.  Man  kann  die  meisterhafte  Technik  in  der  Bearbeitung  des  heraldi- 
schen Laubwerks  nicht  genugsam  bewundern.  Als  äußere  Begrenzung  dient  beider- 
seits von  Putten  gehaltenes  Rollwerk.  Aus  kleinen  Medaillons  schaut  je  ein 
kleines  Köpfchen  heraus.  Das  rechte  mit  Hut  dürfte  den  Meister  selbst  vorstellen 
sollen,  finden  sich  doch  hier  seine  wichtigsten  Werkzeuge:  der  Knüpfel  und  der 
Zirkel. 

Das  Monument  hat  eine  Höhe  von  5  ni  und  eine  Breite  von  2,50  m. 

Die  Harmonie  der  Zweiteilung  ist  nicht  ganz  gewahrt.  Dadurch,  daß  die 
männlichen  Mitglieder  der  Familie  in  größerem  Maßstabe  gehalten  sind  als  die  weih- 
lichen, ergab  sich  eine  Verschiebung  der  Caesur  nach  rechts,  welche  dem  Monument 
keineswegs  zum  Vorteil  gereicht.  Ähnlich  wie  bei  dem  Unterleiterbacher  Grab- 
denkmal spricht  auch  hier  dieses  Moment  für  einen  frühen  Versuch  größeren  Um- 
fangs.  Der  Aufbau  ist  von  guten  Verhältnissen,  die  Technik  in  allen  Teilen  präzise 
und  exakt.  Die  Individualisierung  der  männlichen  Figuren  ist  weiter  gediehen  als 
bei  den  weiblichen.  Am  besten  geraten  ist  das  Antlitz  des  Familienoberhauptes. 
Die  ornamentale  Behandlung  verdient  alles  Lob.  Architektur  und  Ornament  über- 
wiegen, doch  sind  die  figürlichen  Teile  schon  in  annehmbare  Beziehung  zu  ihnen 
gesetzt. 

18)  Siehe  deren  Deutung  bei  Karl  Brückner,  Geschichte  der  Burg,  Wallfahrt,  Pfarrei 
und  Marktgemeinde  Gößweinstein,  S.  19. 


104         HANS  WERNER,  EIN    BEITRAG  L.  GESCH.  D.  PLASTIK   D.  DEUTSCH.  SP-^VTRENAISSANCE. 

Nr.  3. 

Grabdenkmal  des  Stadtschultheißen  Georg  Groß,  genannt  Pfersfelder,  in  der 
St.  Martinskirche  zu  Forchheim.     1590. 

Das  in  feinkörnigem  (Zeiler)  Sandstein  ausgeführte  Monument  liat  seine  Stelle 
an  der  Westwand  des  südlichen  Seitenschiffes.  Es  baut  sich  über  einem  1,03  m  hohen 
Sockel  auf,  der  lediglich  als  tragendes  Glied  dient  und  darum  einer  künstlerischen 
Durchbildung  entbehrt.  Das  Grabmal  (Taf.  XXIX)  hat  Altarform,  indem  es  sich  aus 
einem,  predellenartigen  Unterbau,  einem  großen  schreinförmigen  Mittelteil  und  einem 
bekrönenden  Aufsatz  zusammensetzt.  Die  Predella  springt  seitlich  mit  kräftig 
gerollten  Voluten  aus,  welche  für  das  Auge  die  Last  der  den  Aufsatz  tragenden 
Säulen  aufzunehmen  scheinen.  Eine  männliche  Karyatide  teilt  die  vordere  Fläche 
in  zwei  Hälften,  in  die  je  eine  Tafel  mit  eingegrabener  Goldschrift  eingelassen  ist. 
Die  gereimte  Inschrift  ist  in  der  Mitte  der  linken  Hälfte  teilweise  zerstört.  Wir  er- 
fahren aus  ihr,  daß  der  Verstorbene  Hauptmann,  Rat  des  Stiftes  Bamberg  und  zu 
Forchheim  dreißig  Jahre  Schultheiß  war,  daß  ihm  Ehre,  Zucht  und  Wahrheit 
besonders  eigneten,  nicht  dagegen  Ruhm,  Pracht  und  Stolz,  daß  er  frei  war  von  allem 
Falsch,  daß  Fürsten  und  Herren  weit  und  breit  seine  Standhaftigkeit  erkannten  und 
ihn  deretwegen  liebten,  endlich,  daß  er  i.  J.  1584,  den  18.  November,  im  Alter  von 
64  Jahren  aus  dem  Leben  geschieden.  Dem  ist  noch  hinzuzufügen,  daß  er  in  der 
kleinen  Chronik  der  Stadt  und  Festung  Forchheim  von  Pfarrer  Dr.  J.  G.  Ud., 
Hübsch  V.  J.  I867  unter  den  Festungskommandanten  aufgeführt  wird,  daß  er 
dieses  Amt  i.  J.  1579  inne  hatte,  und  daß  ehedem  (bis  1739)  der  Festungskom- 
mandant von  Forchheim  zugleich  auch  Oberbeamter  und  Stadtschultheiß  war 
(siehe  S.  24  und  auch  S.  27).^^) 

Der  Schrein  wird  von  zwei  freistehenden  Säulen  über  Sockeln,  die  sich  nach 
unten  verjüngen,  flankiert.  Letztere  sind  vorn  mit  Akanthusblattwerk  verziert, 
während  wir  an  den  Seiten  links  das  Selbstbildnis  des  Künstlers,  rechts  einen  sich 
schaukelnden  Putto  bemerken.  Der  Künstler  hat  sich  bei  der  Arbeit  dargestellt  (Abb.  1). 
Die  Linke  setzt  gerade  den  Meißel  an,  indessen  die  Rechte  mit  dem  Knüpfel  darauf 
zu  schlagen  im  Begriff  steht.  Das  kleine,  nur  50  cm  hohe  Figürchen  ist  sehr  lebens- 
voll behandelt.  Rechts  darüber  steht  in  schwarzer  Schrift:  „HANNS  WERNER 
BILDTHAVER  ZV  BAMBERG.  1590".  Die  Säulen  haben  Kompositkapitäle. 
Die  Schäfte  sind  im  oberen  Teil  kanneliert,  im  unteren  über  glattem  Grunde  mit 
Engelsköpfen,    Girlanden    und  Fruchtwerk  in  erhabener  Arbeit  belebt.     An  ihrer 


19)  Vgl.  auch  L  o  t  z,  Kunst-Topographie  Deutschlands,  11,  S.  119,  und  G.  D  e  h  i  o,  Hand- 
buch der  deutschen  Kunstdenkmäler,  1,  S.  93  f.  In  beiden  Fällen  wird  der  Verstorbene  als  E.  G. 
Pfersfelder  bezeichnet.  Die  richtige  Benennung  dieses  Geschlechtes  ist  Groß,  genannt  Pfersfelder. 
Es  ist  dies  eine  Seitenlinie  des  bekannten  alten  fränkischen  Geschlechtes  der  Groß  von  Trockau, 
die  auch  nach  Ostpreußen  kam.  Ein  Heinrich  Groß,  genannt  Pfersfelder,  war  i660  Komman- 
dant von  Pillau.  Wappen  nach  Kneschke:  Schild  von  Silber  und  Rot  der  Länge  nach  ge- 
teilt und  mit  einem  blauen  Querbalken  überzogen.  Daß  diese  Angabe  zweifelhafter  Art  ist. 
lehrt  das  Wappen  an  unserem  Grabmal.  Dieses  zeigt  einen  roten  Querbalken  und  in  den  vertikal 
geteilten  Hälften  links  ein  goldenes,  rechts  ein  blaues  Feld.  Vgl.  übrigens  Kneschke,  Neues 
allgemeines  deutsches  Adels- Lexikon,  IV,  S.  55  f.,  und  Ledebur,  Adelslexikon  der  preußischen 
Monarchie  III,  S.  267. 


Mitteilungen  aus  dem  German.  Nationalmuseuni.     190Q. 


Taf.  XXIX. 


Hans  Werner: 

Grabdenkmal  des  Stadtschultlielßen  Georg  Groß,  genannt  Pfersfelder, 

in  der  St.  Martinskirche  zu  Forchheim.     1590. 


VON   DR.   FRITZ  TRAUGOTT  SCHULZ.  105 


Stirnseite  sind  je  sieben  freipl?stisch  herausgearbeitete,  polychrom  behandelte  Wappen- 
schilde angebracht. 

Der  Innenraum  des  Schreins  ist  horizontal  in  zwei  Hälften  geschieden.  Im  unteren 
Teil  finden  wir  in  Voll-  bezw.  Dreiviertelplastik  die  Familie  des  Verstorbenen  darge- 
stellt, links  das  Oberhaupt  in  Rüstung  mit  Halskrause,  daneben  den  ältesten  Sohn,  dem 
Vater  gleich  gekleidet,  nach  der  Mitte  zu  einen  zweiten  Sohn  in  geistlicher  Tracht  mit 
Rosenkranz.  Vor  dieser  Gruppe  werden  drei  Knaben  in  jüngerem  Alter  bemerkt. 
Der  größere  von  ihnen  hat  vor  sich  zwei  Bücher  liegen.  .\\ii  dem  einen  ruht  sein 
Hut.  Den  Eckzwickel  hinter  dem  Vater  füllt  dessen  Helm  mit  offenem  Visier  und 
ein  darunter  liegender  Handschuh.  Die  Gruppe  der  männlichen  Mitglieder  der  Familie 
ist  aus  einem  Sandsteinblock  gearbeitet.  Das  Gleiche  gilt  von  der  korrespondierenden 
Gruppe  der  weiblichen  Angehörigen.  Zur  Rechten  kniet  mit  Haube  und  Halskrause 
die  Mutter,  neben  ihr  nach  links  hin,  gleich  gekleidet,  die  beiden  ältesten  Töchter. 
Vor  ihnen  zwei  jüngere  Schwestern  und  auf  einem  Kissen  gebettet  das  jüngste  Töchter- 
clien  in  allerzartestem  Alter  als  Wickelkind. 

Die  obere  Schreinhälfte  ist  von  einem  eierstabgeschmückten  Kleeblatt- 
bogen überwölbt,  innerhalb  welchem  eine  Darstellung  Christi,  wie  er  Adam  und 
Eva  von  der  Macht  des  Todes  und  des  Teufels  befreit.  Zu  den  Füßen  des  thronenden 
Welterlösers  liegen  zu  Boden  geschmettert  ein  Gerippe  mit  geknicktem  Pfeil  in  der 
erhobenen  Linken  und  Satan  der  Teufel,  mit  der  Linken  die  Kette  umkrallt  hahend, 
von  der  Christus  gerade  Eva  loszulösen  bestrebt  ist,  während  Adam  noch  an  ihr  ge- 
fesselt kniet.  Die  Figuren  des  ersten  Menschenpaares  sind  nackt  dargestellt.  Von 
links  und  rechts  her  schwebt  je  ein  Engel  heran,  der  eine  mit  einem  Kreuz,  an  dessen 
Querarmen  die  Dornenkrone  sowie  Rute  und  Geißel  hängen,  der  andere  mit  einer 
Säule.  Rechts  von  Eva  werden  zwei  größere  und  zwei  kleinere  Kinder  bemerkt. 
Oberhalb  der  Mittelgruppe  schweben  in  Wolken  zwei  Engelchen,  das  eine  mit  der 
Lanze,  das  andere  mit  einem  Baumstamm.  Vom  Scheitel  des  mittleren  Bogens 
läßt  sich  in  Gestalt  einer  Taube  der  heilige  Geist  herab,  umflattert  von  beschwingten 
Engelsköpfchen.  Auf  den  äußeren  Bögen  ruhen  zwei  Frauengestalten,  die  eine  mit 
Schwert  und  Wage  (beide  sehr  defekt),  die  andere  mit  der  Gesetzestafel,  also  an- 
spielend auf  die  Gesinnungsart  und  den  Beruf  des  Familienoberhauptes. 

Auf  dem  die  Schreinhälften  trennenden  Fries  ist  folgende  Inschrift  an- 
gebracht: „MORTIS  AB  AETERNAE  PRIMOS  QVI  CHRISTE  PARENTES 
VINCVLA  NOST(R)ORVM  CLEMENS  LAXATO  MALORVM  NE.XIBVS  EREPTOS 
AD  TVA  REGNA  TRAHIS  ET  FAC  ANGELICIS  VIVERE  POSSE  CHORIS.'- 
Oberhalb  der  Darstellung  lesen  wir:    „REDEMTIO  GENERIS  HVMANI". 

Eingefaßt  wird  die  Schreindarstellung  von  zw^ei  Pilastern,  die  im  größeren 
unteren  Teil  ein  sich  aus  einem  kleinen  Kelch  entwickelndes  naturalistisches  Orna- 
ment von  aufsteigender  Form  in  zierlichster  Relief  arbeit  zeigen.  Die  vertiefte  Füllung 
des  oberen  Teils  ist  mit  Bandwerk  und  Girlanden  belebt.  Auch  die  untere  Seite 
des  Sturzbalkens  ist  mit  Ornamenten  bedeckt.  In  der  Mitte  befindet  sich  eine  ovale 
Rollwerkkartusche,  die  den  Namen  Jehovahs  in  vertiefter  Goldschrift  enthält.  Seit- 
lich schließt  sich  Band-  und  Girlandenwerk,  mit  Vögeln  untermischt,  an. 

Darüber  erhebt  sich  der  bekrönende  Aufsatz,  bestehend  in  einer  Säulen- 
stellung mit  einem  Abschluß  in   Kielbogenform.     Die  große  Nische  füllt  in  Drei- 


106        HANS  WERNER,  EIN   BEITRAG  Z.  GESCH.  D.  PLASTIK  D.  DEUTSCH.  SPÄTRENAISSANCE. 

viertelrelief  eine  Auferstehung.  Christus  steht  in  ganzer  Figur  mit  der  Kieuzes- 
fahne  in  der  Linken  über  dem  Sarkophag,  dessen  Deckel  leicht  geöffnet  ist.  Ge- 
blendet staunen  die  Wächter.  Einer  von  ihnen  greift  zum  Schwert.  Aus  dem 
Bogenfeld  leuchtet  in  Goldschrift  die  Jahreszahl  1590  hervor.  Oben  auf  der  Bogeii- 
spitze  steht  ein  Knabe  mit  einer  Sanduhr,  während  auf  den  Schrägen  weitere  kleine 
Figürchen  angeordnet  sind.  Zu  den  Seiten  des  Aufsatzes  haben  zwei  Knaben  Platz 
gefunden,  die  je  ein  mit  heraldischem  Laubwerk  umziertes  Wappenschild  mit  ver- 
gittertem Visierhelm  darüber  in  Händen  halten.  Das  linke  zeigt  das  Wappen  der 
Groß- Pfersf eider,  das  rechte  das  der  Laufenholtz  ( ?). 

Das  Grabdenkmal  hat  bei  einer  Breite  von  2,26  m  eine  Höhe  von  etwa  4^2"!^"). 

Was  seine  Technik  betrifft,  so  fällt  die  große  Schärfe  in  den  Details  hier  in  be- 
sonderem Maße  auf.  Alles  ist  mit  peinlichster  Gewissenhaftigkeit  und  Exaktheit  durch- 
geführt. Selbst  die  dem  Auge  nicht  unmittelbar  erreichbaren  Teile  zeigen  diese  Akku- 
ratesse in  der  technischen  Behandlung.  Überall  der  gleiche  scharfe  Schnitt  da,  wo  sich 
Grate,  Kanten  oder  Linienabschlüsse  ergeben,  überall  die  gleiche  Weichheit,  wo  sie 
durch  die  Verhältnisse  geboten  erscheint.  Können  wir  dem  Meister  schon  nach  dieser 
Richtung  unsere  Achtung  nicht  versagen,  so  können  wir  es  auch  nicht  nach  der  rein 
künstlerischen  Seite.  Bei  mächtigen  Verhältnissen  baut  sich  das  Monument  in 
rythmischem  Zusammenklang  auf,  der  nur  hier  und  da  durch  kleine  Mißtöne  ge- 
stört wird.  Die  gebrochene  Kielbogenform  des  oberen  Abschlusses,  die  gewunden 
kannelierten  Sockel  der  diesen  tragenden  Säulchen  durchbrechen  in  etwa  die  monu- 
mentale Ruhe  des  Ganzen,  dessen  sonst  wuchtige  Einheit  imponierend  wird.  Ein 
besonderer  Reiz  liegt  in  dem  Gegensatz  der  Behandlung  der  beiden  Hälften  des 
Hauptschreins.  Man  vergegenwärtige  sich  nur  die  stark  heraustretende  Plastik  in 
der  Wiedergabe  der  Familie  des  Verstorbenen  und  dagegen  die  subtile  Reliefierung 
der  oberen  Szene,  die  übrigens  als  Darstellung  nicht  häufig  begegnet.  Als  ein 
Meister  erweist  sich  Hans  Werner  im  Ornament  und  in  der  Architektur.  Im  figür- 
lichen Teil  ist  er  nicht  immer  glücklich.  Wenigstens  gilt  dies  von  den  Figuren  des 
Welterlösers  und  des  ersten  Menschenpaares.  Dagegen  darf  die  Familie  des  Ver- 
storbenen auf  einen  annehmbaren  Grad  von  Natürlichkeit  in  der  Darstellung  An- 
spruch erheben.  Derb  und  schwer  sind  die  Gestalten  hingesetzt  und  von  gleicher 
Art  ist  auch  ihre  Einzelausbildung. 


Nr.  4. 

Grabdenkmal  des  Wilhelm  von  Wiesenthau  in  der  Pfarrkirche  zu  Kirch- 
ehrenbach.    1594. 

Das  Monument  dient  dem  Gedächtnis  des  am  2.  Juni  1587  gestorbenen 
Wilhelm  von  Wiesenthau,  fürstlich  bambergischen  Rats  und  Schultheißen  zu  Forch- 
heim, Amtmannes  zu  Neunkirchen  und  Wolfsberg,  und  seiner  nach  ihm  verschiedenen  ^  ^) 


20)  Kurz  erwähnt  wird  es  unter  Beigabe  einer  kleinen  Autotypie- Reproduktion  in  dem 
Schriftchen:  „Die  St.  Martinskirche  in  Forchheim,  ein  Beitrag  zur  Stadtgeschichte  von  Franz 
Streit,  Buchhändler",  S.  8  Nr.  9- 

21)  Die  Zahlen  für  das  Sterbedatum  sind  noch  unausgefüllt. 


VON   DR.   FRITZ  TRAUGOTT  SCHULZ.  lU7 


Gattin  AnnaVVieseiUhau,  einer  geborenen  von  Redwitz").  Das  Zeichen  des  Meisters 
ist  rechts  unten  angebracht  und  besteht  in  einem  W  mit  darüber  in  Verbindung  an- 
gebrachtem H  (Abb.  4).  Auf  der  rechten  Sockeitalei  ist  unten  die  Jahrzahl  1594  an- 
gebracht. 

Das  Grabdenkmal,  das  nur  als  Fragment  auf  uns  gekommen  ist,  hatte  vor- 
mals an  der  Nordwand  der  Kirche  seinen  Platz.  Als  diese  aber  i.  J.  1769  durch  den 
noch  jetzt  stehenden  Neubau  ersetzt  wurde,  erhielt  es  eine  andere  Stelle,  wobei  es 
sich  eine  etwas  unglimpfliche  Behandlung  gefallen  lassen  mußte.  Heute  steht  es 
unter  der  hohen,  in  der  Mitte  mit  gekrümmter  Linie  vortretenden  Orgelempore  an 
der  nördlichen  Westwand  der  Kirche.  Erhalten  ist  von  ihm  nur  noch  das  Mittel- 
stück mit  dem  dieses  tragenden  Unterbau,  während  Sockel  und  Aufsatz  nicht  auf 
uns  gekommen  sind.  So  ruht  das  Monument,  das  sich  ähnlich  dem  in  St.  Martin 
zu  Forchheim  ehedem  in  Form  eines  Altares  aufbaute,  direkt  auf  dem  Fußboden 
des  Gotteshauses  auf. 

Der  predellenförmige  Unterbau,  der  seitwärts  mit  plastisch  gerollten  Schnecken 
heraustritt,  ist  in  zwei  Hälften  geteilt,  die  als  Inschrifttafeln  behandelt  sind.  Die 
hier  begonnene  Zweiteilung  setzt  sich  mit  Konsequenz  auch  im  Schrein  fort,  dessen 
Mitte  durch  einen  Crucifixus  bezeichnet  erscheint.  Zu  seinen  Füßen  kniet  die  Familie 
des  Verstorbenen,  links  in  Rüstung,  in  kräftiger  Dreiviertelplastik  herausgearbeitet. 


Abb.  4.    Zeichen  Hans  Werners 
an  dem  Grabdenkmal  in  Kirchehrenbach. 

das  Familienoberhaupt,  rechts,  in  gleicher  Weise  behandelt,  die  Gattin.  Vor  dem 
Mann  knien  auf  einem  schräg  ansteigenden  erhöhten  Postament  fünf  Söhnchen. 
\or  der  Frau,  unmittelbar  vor  ihr  befindlich,  vier  Töchterchen.  Der  Eckraum 
hinter  dem  Vater  wird  durch  den  Helm  mit  geöffnetem  Visier  und  Federbusch,  unter 
dem  ein  Handschuh  liegt,  ausgefüllt.  Wie  beim  Forchheimer  Grabmal  ist  auch 
hier  die  obere  Schreinfläche  von  der  unteren  geschieden,  und  zwar  hier  durch  schlichte 


22)  B  1  e  d  er  m  a  n  n,  Geschlechts- Register  der  Reichs- Frey-unmittelbaren  Ritterschaft 
Landes  zu  Francken  löbhchen  Orts- Gebürg,  1747.  bringt  Taf.  CCLIII  über  beide  folgende  Notiz: 
..Wilhelm  Junior  von  Wiesenthau  zu  Wiesenthau,  Hundshaupten  und  Pretsfeld,  Hochfürstlich 
Bambergischer  Ober-Schultheiß  zu  Forchheim  und  Amtmann  zu  Neukirchen.  Marioffstein  und 
Wolffsberg.  Gemahn.  Anna  von  Redwitz,  Herrn  Emmerans  von  Redwitz  zu  Theisenorth,  Hoch- 
fürstlich Bambergischen  Amtmanns  zu  Höchstädt.  und  Frauen  Barbara  von  Redwitz,  einer  ge- 
bornen  von  Redwitz,  Tochter,  vermählt  anno  1568".  Kurz  erwähnt  wird  unser  Grabmal,  doch 
ohne  nähere  Bezeichnung,  bei  Georg  Dehio,  Handbuch  der  deutschen  Kunstdenkmäler,  Bd.  I., 
S.  158.  Die  diesbezüghche  Notiz  ist  aber  dahin  zu  rektifizieren,  daß  sich  nicht  drei,  sondern  nur 
zwei  Grahmäler  der  Familie  Wiesenthau  in  der   Kirche  befinden.     Die  Zahl  1587  ist  zu  streichen. 


108         HANS  WERNER,  EIN  BEITRAG  Z.  GESCH.  D.  PLASTIK  D.  DEUTSCH.  SP.4TRE.NAISSANCE. 


Horizontalgesimse.    Die  so  entstandenen  beiderseitigen   Füllungen  zeigen  je  eine 
plastisch   herausgearbeitete,    von    RolKverk   begleitete,    diagonal   gestellte   Schrift- 
tafeK  über  der  jedesmal  ein  Engelsfigürchen  in  ruhender  Haltung  angebracht  ist. 
Leider  sind  die  beiden  Figürchen  stark  lädiert.    Dasjenige  über  der  linken  Tafel 
hält  in  dei    Linken  einen  Totenschädel.     Die   Inschrift  dieser  Tafel  lautet: 
I.M  MEIN   ELEND  WAR  DIS  MEIN  TROST 
ICH   SPRACH   ER  LEBT  DER  MICH   ERLOST 
AVE  DEN   ICH    IN  DER  NOTT  VERTPAVTT 
WIRDT   MICH    WIEDER   MITT   MEINER    HAVTT 
VMB   GEBEN  DAS   ICH   AVS  DER   ERDT 
VOM  TODT  WIEDER   ERWECK ETT  WERDT 
IN   MEINEM    FLAISCH   WERDE    ICH    GOTT   SEHE 
IST   GEWISLICH   WAR   VND   WIRDT    GESCHEHE. 
Auf  der  rechten  Schrifttafel  lesen  wir: 

LUCE  AM  2 
IM  FRIEDE   BIN   ICH  DAHIN  GEFAHREN 
DENN  MEINE  AVGEN   GESEHEN   HABEN 
DEIN   HEVLANDT   HERR   VON   DIR   BEREITT 
ZVM  LICHT  DER   GA.NZEN  CRISTENNHEiTT 
IN  DES   RVG   ICH    IN   DISER   KRVFFT 
BIS  AVE  MEINS  HERREN  WIDERKVNFFT. 
Unmittelbar  über  dem  Gekreuzigten  ist  eine  schräg  gestellte  Tafel  mit  dem 
bekannten  Spruch  „Also  hat  Gott  die  Welt  geliebt"  etc.  angebracht. 

Wie  in  Unterleiterbach,  Gößweinstein  und  Forchheim,  so  wird  auch  hier 
der  Schrein  von  zwei  freistehenden  Säulen  begleitet,  die  vorn  mit  frei  heraus- 
gearbeiteten Wappenschildchen  behängt  sind.  An  jeder  Säule  werden  ihrer  sieben 
bemerkt.  Die  Säulen  sind  wie  am  Forchheimer  Aufsatz  im  unteren  Teil  gewunden 
kanneliert,  während  sie  im  oberen  Teil  ganz  dünn  und  flach  ausgeprägtes  Renais- 
sanceornament aufweisen.  Sie  haben  zierlich  behandelte  Kompositkapitäle.  oberhalb 
welcher  die  Wappen  des  Ehepaares  angebracht  sind. 

Das  in  feinkörnigem  Sandstein  errichtete  Monument  mißt  in  seinem  heutigen 
Zustand  2,35  m  in  der  Höhe  und  2,20  m  in  der  Breite. 

Seine  Wertbeurteilung  wird  durch  den  schlechten  Erhaltungszustand  erschwert. 
Manche  Einzelheit  ist  im  Laufe  der  Zeit  zu  Grunde  gegangen.  Soviel  aber  läßt 
sich  wahrnehmen,  daß  Ornament  und  Architektur  sicher  gearbeitet  und  gegliedert 
sind.  Die  Figuren  sind  durch  präzise  und  scharfe  Technik  gekennzeichnet.  Nur 
am  Gewand  der  Frau  finden  sich  weicher  behandelte  Partien.  Der  Künstler  hat 
die  beiden  Hauptfiguren  bewußt  herausgehoben.  Auf  sie  hat  er  seine  ganze  Kraft 
konzentriert  und  ihnen  darum  eine  besonders  sorgfältige  Durchbildung  zuteil  werden 
lassen.  Die  starke  Betonung  im  Figürlichen  bewirkt  eine  monumentale  Ruhe  im 
ganzen,  zu  der  auch  die  konsequent  durchgeführte  Zweiteilung  beiträgt.  .Alles  andere 
erscheint  als  untergeordnetes  Beiwerk,  das  ebenso  gut  fehlen  könnte,  das  man  aber 
nicht  missen  möchte.  Der  seitliche  Säulenabschluß  wirkt  wohltuend.  Man  sieht,  der 
Meister  hat  in  der  Komposition  wesentliche  Fortschritte  gemacht:  er  erweist  sich 
hier  in  erhöhtem  Grade   als  geschickt   in   der  Zusammenfassung  von  Architektur. 


Mitteilungen  aus  dem  Oerman.  Nationalniuseum.    1909. 


Taf.  XXX. 


Hans  Werner: 
Grabdenkmal  des  Bischofs  Ernst  von  Mengersdorf  in  der  Michaelskirche 

zu  Bamberg.     1595  96. 


VON   DR.    FRITZ  TRAUGOTT  SCHULZ.  109 


dekorativer  Plastik,  von  einzelnen  Fi.t,nn-en  und  (;ruppen.  Glücklich  ist  er  hier 
namentlich  in  den  Hauptfi.truren,  während  die  Kinder  recht  schematisch  behandelt 
sind  und  der  Gekreuzis^te  kalt  und  empfindungslos  wirkt. 

Fibenso  wie  dieses  Grabdenkmal  führt  auch  dasjenige  des  i.  J.  1595  ver- 
storbenen Siegmund  von  Wiesenth au '"•'')  in  der  geräumigen,  eine  ganz  andere  Stil 
epoche  repräsentierenden  Kirche  ein  etwas  sehr  isoliertes  Dasein.  Fs  unterliegt 
keinem  Zweifel,  daß  es  ebenfalls  von  Hans  Werner  herrührt.  Da  ich  mir  aber  vor- 
genommen, zunächst  nur  bezeichnete  .Arbeiten  des  Künstlers  zu  bringen,  um  auf 
diese  Weise  ein  festes  Gerüst  für  die  Darstellung  seines  Lebenswerkes  zu  schaffen, 
so  muß  ich  es  mir  versagen,  näher  auf  dieses  Monument  einzugehen.  Soviel  nur 
sei  angemerkt,  daß  es  weit  stärker  verstümmelt  ist  als  das  Grabmal  des  Wilhelm 
von  Wiesenthau,  daß  die  für  sich  allein  kniende  Figur  des  Verstorbenen  von  guter 
Auffassung  zeugt,  und  daß  das  Antlitz  weit  besser  charakterisiert  ist  als  das  des 
Wilhelm  von  Wiesenthau.    Es  bekundet  in  den  Mienen  tiefste  Ergebenheit. 


Nr  5. 
Grabdenkmai  des  Bischofs  Ernst  von  Mengersdorf  in  der  Michaeisiiirche 

zu  Bamberg.     1595/96. 

Das  Monument  geliört  zu  den  10  fürstbischöflichen  Epitaphien  aus  der  Re- 
naissance- und  Rokokoperiode,  welche  früher  im  Dom  aufgestellt  waren,  aber  bei 
der  durch  König  Ludwig  L  veranlaßten  Wiederherstellung  desselben  „im  ursprüng- 
lichen Stile"  im  August  des  Jahres  1838  in  die  Michaelskirche  transferiert  wurden, 
weil  nach  der  königlichen  Weisung  vom  22.  Mai  18)7  dieselben  wegen  ihrer  kolos- 
salen Größe  im  Kreuzgange  ohne  Verstümmelung  nicht  unterzubringen  waren  ■•^*). 
Heute  an  der  Wand  des  nördlichen  Seitenschiffes  der  Michaelskirche  aufgerichtet, 
nimmt  es,  was  Ebenmäßigßeit  des  Aufbaues  und  Mannigfaltigkeit  der  Einzelaus- 
bildung anbetrifft,  unter  den  aus  dem  Dom  hierher  versetzten  Grabdenkmälern 
die  erste  Stelle  ein.  Man  sieht  es  auf  den  ersten  Blick,  daß  dem  Künstler  hier  keinerlei 
Beschränkung  auferlegt  war.  Er  brauchte  nicht  Maß  zu  halten  in  den  Mitteln 
und  in  der  Materialverwendung,  es  war  ihm  volle  Freiheit. gegeben.  So  konnte  er 
seiner  schöpferischen  Phantasie  ungezügelten  Spielraum  lassen  und  seinem  Können 
einen  glänzenden  Ausdruck  verleihen  ^  5).    Hinzu  kam  wohl  weiter  noch,  daß  es  sich 


23)  Biedermann,  Geschlechts- Register  der  Reichs- Frey-unmittelbaren  Ritterschafft 
Landes  zu  Francken  löblichen  Orts-Gebi.irg,  1747,  bringt  Taf.  CCLIIi  folgende  Notiz  über  ihn: 
..Siegemund  von  Wiesenthau,  Conventualis  des  Klosters  Pantz  und  Probst  desselben  Refiers. 
resignirte,  f  anno  1596.  und  liegt  in  der  Kirche  zu  Kirch- Ehrenbach  begraben".  Die  Jahrzahl 
1596  ist  auf  Grund  der  Inschrift  am  Grabdenkmal  zu  verbessern  in  1595-  Auch  Georg  D  e  h  i  o. 
Handbuch  der  deutschen  Kunstdenkmäler,  Bd.   1,  S.  158.  bringt  die  richtige  Jahrzahl. 

24)  Vgl.  M.  P  f  i  s  t  e  r,  Geschichte  der  Restauration  der  Domkirche  zu  Bamberg  in  den 
Jahren  1828—1844,  S.  17— 18.  Siehe  auch  M.  Landgraf,  Der  Dom  zu  Bamberg  mit  seinen 
Denkmälern,  Inschriften,  Wappen  und  Gemälden,  Bamberg  1836,  S.  85  f-  Demnach  befand  es 
sich  im  rechten  Seitenschiff  an  der  Wand,  d.  h.  im  nördlichen  Seitenschiff,  und  zwar  im  alleräußersten 
Westen  der  Wand.  Siehe  M.  P  f  i  s  t  e  r,  Der  Dom  zu  Bamberg  vor  der  Restauration  {1828—1837), 
in  dem  Bericht  des  histor.  Ver.  Bamberg  1893  am  Schluß. 

25)  Erwähnt  ist  das  Grabmal  bei  Wilh.  L  0  t  z.  Kunst-Topographie  Deutschlands  II,  S.  37. 
und  zwar  unter  den  bischöflichen  Grabsteinen  aus  dem  Dom  als  „Ernst  v.  Mengersdorf  f  1591, 


110        HANS   WERNER,  EIN   UEITRAÜ  Z.  GESCH.  D.   PLASTIK   D.  DEUTSCH.  SrÄTRENAlSSANCE. 


um  das  Grabdenkmal  eines  seiner  bedeutsamsten  Förderer  handelte  und  der  Künstler 
sich  darum  einer  besonderen  Mühewaltung  befleißigte. 

Schon  dem  Unterbau  ist  deswegen  eine  kunstgerechte  Ausbildung  zuteil  ge- 
worden (Tat.  XXX).  Trauben-  und  Fruchtgirlanden  sowie  kleine  Putten  in  plastischer 
Ausführung  umziehen  die  große  Mittelfüllung,  in  die  eine  Bronzetafel  mit  der  er- 
haben gegossenen  Grabinschrift  eingelassen  ist.    Sie  lautet: 

EPITAPHIVM 
REVERENDISSIMI    CHRISTO    PRINCIPIS    ET   DOMINI,    D,    ERNESTI, 

PIENTISSIMAE 
MEMORIAE  EPISCOPI   BAMBERGENSIS, 
ETC:   QVI  DECESSIT  ANNO  SALVTIS: 
M.  D.    XCI.    XII.  CAL.  NOVEMB:  AETA - 
TIS  VERÖ  SVAE.    XXXVII. 

QUISQUIS  VIATOR  TRÄSIS   HIC  SISTENS   GRADU 
MENGRSDORPII   GENERIS  SACRATO  ANTISTITl 
ERNESTO  HONORIS  ERGO,   QUAE  DICAUIMUS 
MONUMENTA  GERNE.  IS  HUIC  EPISCOPATUl 
OCTENNIUM   (DIEBUS   INDE    QUINQUIES 
DEMPTIS  DECEM)   QUAM  PRAEFUIT  FIDELITER. 
ECCLESIAE  FLOREM  SUAE  PASTOR  VELUT 
TREMENDUS  HERCULES  ET  ARAS  COELITUM, 
ET  GLORIAM  PARENTIS  AETERNI,   ET  SACRAM 
CANAMQ3   DEFENDIT    FIDEM   SPECULUM   VIAE 
VrrAEQ'3  CASTUM   SE   VIDENDUM  DETULIT. 
ALTA   ERUDITIONE  CLARUS   ENGENIJ, 
FACUNDIA  GRATA   ET  LATINA  MAXIME 
POLLEBAT:    HIST0RICASQ3    RES,   TANTUM   SACRAS 
QUANTUM  PROFANAS  NÖRAT  EXACTfe.  OMNIB^. 
MITIS;   BENIGNAM   PRAEBUIT  MANUM  ORPHANIS 
NEC  NON  MAGIS   RES  FLOREANT  VT  PUBLICAE, 
PERAMPLA  MUSIS  DESTINAUIT  ATRIA: 
HAEC  CUIUS  OLIM   VIUUM   HABEBÄT   PRAESULIS 
NUNC   ET  SEPULTUM  COR   FOUET   ET  VISCERÄ. 
QUID  MULTA?    PROTEXIT,   PATRE   VELUT  DECET, 
TOTUM  SUO  SUB  TEGMINE  ALARUM  GREGEM 
DEO03  EUNDEM  REDDIDIT  PLANE  INTEGRUM. 
QUANTA   FIDE   ET  CONSTANTIA   ID  DURAUERIT, 
OMEN  NOTAT  FATALE  PRINCIPIS  PIJ: 


von  Hans  Werner  1596,  aus  Alabaster";  ferner  bei  Georg  D  e  h  i  0,  Handbuch  der  deutschen 
Kunstdenkmäler,  Bd.  I,  S.  34,  auch  hier  mit  dem  Datum  1596  als  Jahr  der  Anfertigung;  dann 
in  Bd.  VI  dei;  Zeitschrift  für  Heimat-  und  Volkskunde  „Deutsche  Gaue",  S.  68;  hier  ist  ebenfalls 
1596  als  Entstehungsjahr  des  Grabmals  angegeben.  Friedrich  Stein.  Geschichte  Frankens, 
Bd.  11,  S.  79,  schildert  den  Bischof  als  hochgebildet.  Er  kam  im  jugendlichen  Alter  von  30  Jahren 
zur  Regierung,  war  Gründer  eines  Gymnasiums  in  Bamberg  und  Vollender  der  fürstlichen  Woh- 
nung auf  dem  Geyerswörth. 


VON   DR.    FRITZ  TRAUGOTl'  SCHULZ.  111 

VICINUS  VT  LETHO,   PROPINQUUM  TERMINUM 
SUBSENTIENS  NUTU  DEI   ADUERTIT  CAPUT 
POST  SE  NOUUM  PRAEORDINATUM   ECCLESIAE. 
HAEC   LAUS   SOLO    REST  AT:    VOLAUIT    IN    POLUM 
MENS  GLORIOSOS  AD  BEATORUM  CHOROS. 
TU   QUISQUIS   ES,   BENE  HiS   PRECATE   (!)   AlANIBUS 
SED  ET  NYDHARDI  DIGNITATE  PROXIMI 
HOC  SAXO    HONORES  VLTIMOS   QUI   FRIGIDIS 
FERT  ARTUBUS.    PIJS  MEMOR  VOTIS  VALE^«). 

Aus  dem  Schlußsatz  geht  hervor,  daß  es  Neidhart  von  Thüngen  (1591  bis 
1598),  der  Nachfolger  Ernsts  von  Mengersdorf,  war,  der  ihm  dieses  prächtige  Monu- 
ment errichten  ließ.  Nach  freundlicher  Mitteilung  des  Kgl.  Kreisarchivs  in  Bam- 
berg findet  sich  in  der  fürstbischöflich  bambergischen  Hofkammerzahlamtsrechnung 
de  1595/96  unter  dem  Titel  ,,Pro  Diuersis"  an  markierter  Stelle  folgender  Eintrag: 
„Weiland  Bischoff  Ernsten  Hoclöblicher  seliger  gedechtnus  Epitaphium  vnnd  des- 
selben Verlag  betreffent.  11 11*^  guidein  seindt  Hannszen  Werrner  Bildthauern  Alhie 
für  sein  arbeit  so  er  an  nochgedachts  meines  gnedigen  fursten  vnnd  herrn  hoch- 
loblicher  seeliger  gedechtnis  Epitaphio  vermög  Meister  Aszmuszen  Braun  Paumeisters 
in  nahmen  fl.  gl.  mit  ime  verglichenen  verdings,  gethun  zu  vnnterschidtlichen 
mahln  aus  fürstlicher  cammer  zalt  worden"  (cf.  Biographische  Skizzen  über  Ernst 
von  Mengersdorf,  Fürstbischof  von  Bamberg,  von  J.  Metzner.  Domkapitular  in  Bam- 
berg, 1886,  S.  20  Anm.). 

Nun  folgt  eine  kräftige,  gerundet  vortretende,  hübsch  ornamentierte  Aus- 
ladung, auf  der  über  schräg  gestellter  Platte  die  marmorne  Gestalt  des  Bischofs  ruht. 
Sein  Haupt  wird  von  zwei  Büchern  gestützt.  Das  bärtige  Antlitz  mit  den  stark 
eingefallenen  Augen  und  der  scharf  vortretenden  Nase  lassen  darauf  schließen,  daß 
der  Künstler  nach  der  Totenmaske  des  Entschlafenen  gearbeitet  hat.  Die  Hände 
halten  über  dem  Leib  den  Krummstab  und  ein  aufgeschlagenes  Buch  (Stab 
und  Buch  sind  stark  lädiert.  Auch  von  der  Mitra  fehlt  ein  Stück).  Die  Alba  ist 
reich  damasziert.  Drei  wehklagende,  ebenfalls  in  Marmor  gearbeitete  Engel  mit 
Kandelabern  in  den  Händen  sitzen  zu  Füßen,  zu  Häupten  und  zur  Seite  des  Bischofs. 
Angebracht  sind  sie  über  runden  Sandsteinsockeln,  die  unterhalb  des  Randes  der 
Auskragung   in   plastisch   gearbeiteten   Marmorknäufen   endigen. 

Den  wichtigsten  Bestandteil  des  Monuments  bildet  die  sich  über  schlichtem 
Sandsteinunterbau  erhebende,  ganz  in  Marmor  ausgeführte  Rückwand.  Sie  ist 
durch  Säulen  mit  Kompositkapitälen  in  ein  größeres  Mittelstück  und  zwei  schmale 
Seitenteile  aufgelöst,  die  in  perspektivischer  Darstellung  das  Innere  einer  dreischif- 
figen  Kirche  zeigen.  Um  zunächst  beim  Mittelteil  zu  bleiben,  so  blicken  wir  hier 
in  einen  über  acht  Säulen  gewölbten  Raum  hinein,  dessen  Rückwand  durch  ein 
Rosenfenster  erhellt  und  der  an  den  Seiten  von  Emporen  mit  Dockenbalustraden 
umzogen  wird.  Die  Rippen  durchdringen  sich  in  den  Scheiteln  der  Stichkappen. 
An  den  Stirnflächen  der  nach  vorn  verlaufenden   Rippen  sind  die  Buchstaben  H 


26)  Die  Wiedergabe  der  Inschrift  bei  L  a  n  d  g  r  a  f  a.  a.  O.  ist  in  vielen  Einzelheiten  fehler- 
haft.    Statt  ,,precate'"  ist  wohl  ..precare"  zu  lesen,  wies  es  schon  Landgraf  getan  hat. 


112        HANS  WERNER,  EIN   BEITRAG  Z.  GESCH.  D.  PLASTIK  D.  DEUTSCH.  SPÄTRENAISSANCE. 

und  W  (  Hans  Werner)  angebracht.  Hoch  oben  vom  Gewölbe  schwebt  ein  Engel 
mit  flatterndem  Schriftband  in  den  Händen  herab.  Aus  den  spitzbogigen  Nischen 
der  seitlichen  Emporen  schauen  links  zwei,  rechts  drei  kleine  Figuren  dem  sich  unten 
im  Mittelschiff  der  Kirche  abspielenden  Vorgang  zu.  Vor  der  Rückwand  thront  der 
zwölfjährige  Jesusknabe,  zu  dem  eben  die  Eltern,  die  ihn  gesucht,  herantreten.  Mit 
den  Gebärden  der  Rede  wendet  er  sich  der  Mutter  zu,  scheinbar  die  Worte  sprechend : 
„Warum  habet  ihr  mich  gesucht  ?  Wußtet  ihr  nicht,  daß  ich  in  dem  sein  muß,  was 
meines  Vaters  ist.^"  (Luc.  II.  49).  Nach  dem  Vordergrund  zu  sitzen  bezw.  stehen 
die  „Lehrer",  welche  sieben  an  der  Zahl  in  Mienen  und  Gebärden  ihrer  staunenden 
Verwunderung  Ausdruck  geben  über  seine  Einsicht  und  seine  Antworten.  In  ihren 
Antlitzen  ist  eine  auffallend  derbe  Charakteristik  des  israelitischen  Typus  angestrebt. 
Leider  sind  die  im  Ausdruck  und  in  der  Gewandung  mit  Fleiß  durchmodellierten  kleinen 
Figuren  in  vielen  Einzelheiten  beschädigt  auf  uns  gekommen.  Der  eine  und  andere 
Defekt  ließe  sich  vielleicht  beheben,  da  noch  verschiedene  Trümmer  vorhanden  sind. 
Die  schmäleren  Seitenschiffe  sind  durch  die  vom  Mittelschiff  durchlaufende 
Dockenbrüstung  in  zwei  Geschosse  geschieden.  Im  unteren  wird  links  ein  bettelnder 
Krüppel  in  sitzender  Stellung  mit  dem  Hut  in  der  Hand,  rechts  ein  solcher,  der 
auf  Krücken  sich  stützend  sich  aus  dem  Inneren  herauszubewegen  bestrebt  ist,  be- 
merkt. Die  Einwölbung  der  Emporen  ist  noch  nicht  abgeschlossen.  Links  sehen 
wir  Maurer  bei  der  Arbeit.  Einer  von  ihnen  trägt  das  mörtelgefüllte  Faß  auf  dem 
Kopf.  Ein  anderer  steht  auf  dem  Gerüst  neben  einem  Mörtelfaß,  an  dessen  Rand 
die  Kelle  steckt,  und  hilft  einem  weiter  oben  befindlichen  Kollegen,  der  ein  größeres 
Werkstück  emporwindet.  Es  handelt  sich  scheinbar  darum,  den  noch  unfertigen 
Bogen  zu  schließen.  Der  Bogen  der  oberen  Empore  des  rechten  Seitenschiffs  steht 
jedoch  bereits  fertig  da.  Unten  helfen  drei  Männer  einem  anderen  über  dem  Bogen 
einen  großen  Balken  herauf  befördern.  Im  Gegensatz  zum  Mittelschiff  sind  die 
Seitenschiffe  mit  Sandsteingesimsen  abgeschlossen,  welche  schräg  nach  außen  em- 
porsteigen. Auf  den  Schrägen  ruhen  in  Marmor  gearbeitete  Putten  mit  Toten- 
schädeln. Auch  das  Kranzgesims  über  dem  Mittelstück  ist  in  Sandstein  ausgeführt 
und  wie  diejenigen  über  den  Seitenteilen  mit  einem  zierlich  reliefierten  Akanthus- 
blattfries  geschmückt.  Die  Zwickel  der  Hauptarkade  weisen  zwei  kleine  Figürchen 
auf,  das  eine  mit  Schwert  und  Wage,  das  andere  mit  einer  Schlange.  Wir 
haben  in  ihnen  symbolische  Andeutungen  der  Hauptcharaktereigenschaften  des 
Entschlafenen  zu  sehen.  Aufmerksam  zu  machen  ist  weiterhin  auf  die  sinnreich 
reliefierten  Sockel  der  vier  vorderen  Säulen,  wo  wir,  umgeben  von  naturalistischem 
Ranken  werk,  kleine  Putten  finden.  Von  links  begonnen,  hält  der  erste  einen  Zirkel 
und  eine  Kugel  in  Händen,  der  zweite  eine  Viola  und  ein  Notenbuch,  der  dritte 
eine  Leier  und  eine  Harfe,  der  vierte  ein  Säulenbündel  und  ein  Winkelmaß.  Es 
ist  unschwer,  hieraus  symbolische  Beziehungen  zu  der  Persönlichkeit  des  Verstorbenen 
abzuleiten.  Unter  anderem  ist  von  ihm  bekannt,  daß  unter  seiner  Regierung  das 
heute  noch  bestehende  Priesterhaus  (Ernestinisches  Klerikalseminar),  sowie  das 
alte  Gymnasium  gegründet  und  die  fürstliche  Wohnung  auf  dem  Geyerswörth 
vollendet  wurde.  Auch  in  der  Hauptdarstellung  könnte  man  einen  Bezug  hierauf 
sehen,  zum  mindesten  aber  in  dem  noch  unvollendeten  Gewölbebau  der  Seitenteile 
vgl.  auch  hierzu  M.  Landgraf  a.  a.  0.  S.  86). 


VON  DR.  FRITZ  TRAUGOTT  SCHULZ.  113 


Wir  kommen  nunmehr  zum  Aufsatz,  dessen  rechteckig  vertiefter  unterer  Teil  in 
Sandstein  ausgeführt  ist.  In  der  Füllung  haben,  in  Marmor  gearbeitet,  das  Wappen 
des  Bistums  Bamberg  und  das  Familienwappen  des  Bischofs-')  Platz  gefunden.  Dar- 
über schwebt  die  Bischofsmütze.  Den  übiigen  Raum  nehmen,  diagonal  gestellt, 
ein  Kreuzstab  und  ein  Krummstab  ein.  An  den  Leibungen  der  Füllungen  sind  die 
Agnatenv/appen  des  Bischofs,  von  denen  jedoch  eins  fehlt,  angebracht.  Nach 
M.  Landgraf  sind  bezw.  waren  es  folgende:  Mengersdorf,  Wallenfels,  Trautenberg, 
Redwitz,  Würzburg  (fehlt),  Redwitz,  Thann  und  Fuchs.  Aus  der  Mitte  des  Sturzes 
schaut  aus  einer  Kartusche  ein  Köpfchen  heraus.  Vielleicht  ist  es  der  Künstler 
selbst,  worauf  die  Ähnlichkeit  mit  seinem  Selbstbildnis  am  Forchheimer  Grabmal 
schließen  lassen  möchte.  Vor  den  mit  Voluten  konturierten  Seitenwangen  stehen, 
wiederum  in  Marmor  gearbeitet,  die  allegorischen  Figuren  der  Liebe  und  Hoffnung, 
links  eine  jugendliche  Frauengestalt  mit  einem  Kind  auf  dem  Arm,  ein  zweites  an 
der  Hand,  rechts  eine  Frau  in  reiferen  Jahren  mit  dem  Anker  (zerbrochen)  in  der 
einen  und  einer  Taube  auf  der  anderen  Hand;  ihr  Antlitz  ist  sinnend  empor- 
gerichtet. Die  fast  bis  zum  Scheitel  des  Schildbogens  emporwachsende  Bekrönung 
ist  ganz  in  Marmor  ausgeführt.  Sie  verjüngt  sich  in  Form  eines  spitzen  Winkels 
nach  oben.  Als  Stützpunkt  des  Ganzen  dienen  die  das  Grab  umlagernden  Wächter, 
aus  dem  soeben,  von  einer  Strahlenglorie  umrahmt,  der  Auferstandene  emporschwebt. 
Den  obersten  Abschluß  bildet  die  schlanke  Figur  des  Glaubens,  die  in  der  Rechten 
einen  Kelch,  in  der  Linken  ein  Kruzifix  hält. 

Das  Monument  hat  eine  Höhe  von  nahezu  7  Metern.  Seine  größte  Breite 
beträgt  rund  2,20  m.  Es  ist  sowohl  in  technischer  wie  in  künstlerischer  Beziehung 
eine  hervorragende  Leistung.  Dadurch,  daß  die  tragenden  Architekturteile  gleich- 
sam als  das  umrahmende  Gerüst  in  Sandstein,  die  figürlichen  Teile  in  Marmor  aus- 
geführt sind,  ergibt  sich  von  selbst  ein  imposantes  Gesamtbild.  Hinzu  kommt  die 
klar  ausgeprägte  Idee,  die  folgerecht  durchgeführt  erscheint.  Eine  heute  nur 
in  Resten  vorhandene  teilweise  Vergoldung  muß  die  auch  jetzt  noch  sehr  annehm- 
bare Material-Wirkung  nicht  unwesentlich  gesteigert  haben -^).  Die  von  Hans  Werner 
gewohnte  scharfe  Akzentuierung  in  der  Charakteristik  des  Ornaments  tritt  auch 
hier  prägnant  zutage.  Sehr  umfangreich  aber  war  bei  diese  m  Denkmal  die 
figurale  Arbeit.  Die  im  Tode  ruhende  Hauptfigur  ist  von  ergreifender  Würde.  Er- 
staunlich ist  der  realistische  Zug  im  Wesen  des  Meisters,  der  sich  hier  wie  sonst  an 
keinem  anderen  Werk  in  so  nachhaltiger  Weise  äußert.  Man  vergegenwärtige  sich 
nur  den  Gegensatz  zwischen  der  Gruppe  des  zwölfjährigen  Jesusknaben  im  Tempel 
und  den  durchaus  dem  alltäglichen  Leben  entnommenen  kleinen  Szenen  in  den 
Seitenschiffen.  Wir  haben  in  Hans  Werner  einen  Künstler  vor  uns,  der  seine  eigenen 
Beobachtungen  macht,  der  sich  nicht  scheut,  eine  lebensfrische  Auffassung  zu  paaren 
mit  dem  Ernst,  dem  gerecht  zu  werden  ihm  in  erster  Linie  oblag.  Sein  persön- 
liches Moment  kommt  gerade  hier  stark  impulsiv  zum  Ausdruck. 

27)  Das  Schild  ist  durch  eine  zehnzackige  Linie  horizontal  geteilt.  Das  obere  Feld  ist 
durch  eine  Vertikale  in  zwei  Hälften  geschieden  und  zeigt  links  eine  blaue  Rose  in  weißem  Feld, 
rechts  eine  weiße  Rose  in  rotem  Feld.  Das  untere  Feld  enthält  über  blauem  Grund  eine  rote  Rose. 
Siehe  Siebmacher  I,  106,  und  M.  L  a  n  d  g  r  a  f  a.  a.  O.  S.  86. 

28)  Das  Grabmal  scheint  bei  seiner  Versetzung  eine  Säuberung  erfahren  zu  haben,  denn 
wir  lesen  in   dem  erwähnten,    1836  von  M.  Landgraf  herausgegebenen  Buch  über  den  Bam- 

Mitteilungen  aus  dem  German.  Nationalmuseum.    19C9.  g 


114         HANS  WERNER,  EIN  BEITRAG  Z.  GESCH.  D.  PLASTIK  D.  DEUTSCH.  SPÄTRENAISSANCE. 

Nr.  6. 

Grabdenkmal  des  Hieronymus  Kreß  in  der  Pfarrkirche  zu  Kraftshof  b.  Nürnberg. 

Nach  1596. 

Im  Langhaus  der  Kirche  zur  Linken  des  Chorbogens  aufgestellt,  weist  dieses 
Monument ^^)  in  seinem  Aufbau  manche  Eigentümlichkeiten  auf,  die  sonst  bei  Hans 
Werner  nicht  häufig  vorkommen  —  ein  Zeichen  für  das  wenig  schablonenhafte  Ar- 
beiten des  Künstlers.  Maßgebend  für  die  Gesamtgliederung  war  die  vertikale  Mitte. 
Schon  der  Unterbau  ist  geteilt  (Taf.  XXXI).  Seine  Mitte  bildet  eine  Pilastervorlage  mit 
kräftig  vorspringender  Facette,  die  sich  nach  oben  zu  einer  bauchig  herausschneidenden 
Kartusche  mit  plastisch  gearbeiteter  Maske  weiter  entwickelt.  Diese  hält  in  ihrem 
Maul  frei  gemeißelte  Lorbeergirlanden,  welche  seitlich  an  Ohren  aufgehängt  sind. 
Die  beiden  Hälften  des  Sockels  sind  ebenfalls  mit  stark  vortretenden  Facetten  belebt. 
Nach  oben  ladet  der  Unterbau  beiderseits  aus  und  wird  von  einem  derben  Zahnschnitt- 
fries mit  darüber  lagerndem  Wulst  abgeschlossen.  Es  läßt  sich  nicht  leugnen,  daß 
er  infolge  seiner  kräftigen  Durchbildung  den  Charakter  eines  tragenden  Gliedes  deut- 
lich zur  Schau  trägt. 

An  dem  Kämpfer  der  Pila.stervorlage  das  Zeichen  Hans  Werners  (siehe  Abb.  5)- 

Die  vertikale  Mitte  scheint  durch  die  Figur  des  Verstorbenen  unterbrochen, 

denn  dieser  steht  mit  ausgebogener  Hüfte  da.    Sieht  man  jedoch  genauer  hin,  so 

wird  man  finden,  daß  die  Füße  und  der  Kopf  die  einmal  festgelegte  Gerade  weiter- 


Abb.  5.    Zeichen  Kans  Werners 
an  dem  Grabdenkmal  in  Kraftshof. 

führen.  Hans  Werner  war  künstlerisch  nicht  so  einseitig,  daß  er  mit  starrer  Energie 
die  Durchführung  eines  Prinzips  verfolgt  hätte.  Er  mochte  belebender  Faktoren 
nicht  entraten,  und  das  hier  um  so  mehr,  als  er  nur  mit  einer  Figur  zu  operieren  hatte. 
Diese  hat  eine  Höhe  von  1,75  m  und  steht  in  einer  kleeblattbogig  geschlossenen 
Nische,  die  seitwärts  von  Säulen  begleitet  wird.  Das  Antlitz  trägt  porträtmäßige 
Züge.  Es  ist  vor  allem  auf  die  Falten  an  der  Stirn,  auf  die  energisch  vortretenden 
Schläfen,  auf  das  Fleischige  der  Backen  und  die  Form  des  Knebelbartes  aufmerk- 
sam zu  machen.  Die  Figur  ist  gerüstet.  Der  Harnisch  weist  reiche  ornamentale 
Verzierungen  auf.     Über  ihn  ist  eine  Schärpe  gelegt,  die  von  der  linken  Schulter 


berger  Dom,  S.  86:  „Das  Monument  dieses  so  wichtigen  Mannes  ist  sehr  beschädigt  und  von  dem 
ewigen  Lichte,  welches  früher  da  brannte,  ganz  von  Rauch  überzogen,  und  könnte  mit  wenigen 
Kosten  aus  dem  ernestinischen  Priesterhausfonde  wieder  hergerichtet  werden,  wofür  sich  die  Ver- 
waltung früher  schon  ausgesprochen  hatte". 

29)  Vgl.   Dr.   Fritz  Traugott  Schulz,  Die  St.   Georgenkirche  in   Kraftshof,  Straßburg, 
J.   H.  Ed.   Heitz  (Heitz  &  Mündel)  1909,  S.  60—61,  mit  Abb.  auf  Taf.    XVIII. 


Mitteilungen  aus  dem  Gerinan.  Nationalmuseum.     IQOQ. 


Taf.  XXXI. 


Hans  Werner: 
Grabdenkmal  des  Hieronymus  Kreß  in  der  Pfarrkirche  zu  Kraftshof. 

Nach  1596. 


VON  DR.  FRITZ  TRAUGOTT  SCHULZ.  115 

nach  der  rechten  Hüfte  herabläuft.  Dadurch  daß  die  Rechte  den  mit  einem  Ranken- 
band  umwundenen  Feldherrnstab  gegen  die  Seite  stemmt,  ist  ein  leichtes  Heraus- 
treten der  linken  Hüfte  bedingt.  Wie  schon  angedeutet,  wurde  hierdurch  eine  vorteil- 
hafte Belebung  des  Ganzen  herbeigeführt.  Die  Linke  ruht  über  der  Hüfte.  Rechts 
unten  hat  der  mit  zwei  Federn  geschmückte  Helm  Platz  gefunden.  Die  Figur  ist 
in  Dreiviertelplastik  gearbeitet. 

Der  Nischenbogen  schließt  oberhalb  der  Figur  nicht  etwa  ab,  sondern  wird 
hier  zu  einer  ornamentierten  Pilastervorlage  mit  seitlichen  Ohren  weitergeführt, 
die  sich  nach  oben  in  drei  Arme  scheidet,  von  denen  der  mittlere  als  Kartusche  über 
das  Kranzgesims  herüberschneidet  und  mit  einem  für  Hans  Werner  so  recht  charakte- 
ristischen geflügelten  Engelskopf  versehen  ist. 

In  den  so  entstehenden  Zwickeln  haben  die  Wappen  Kreß-Freydel  Platz  ge- 
funden^"). Sie  sind  mit  der  Helmzier  und  Helmdecken  versehen.  Nach  außen 
hängen  diese  über  die  seitlichen  Säulen  herüber,  die  in  ihrem  unteren  Teil  durch 
Stäbe  verstärkt  und  oben  zu  kelchförmigen  Kapitalen  mit  halbrunden  Platten  aus- 
gebildet sind.  Ein  stehender  Akanthusblattfries  belebt  sowohl  diese,  wie  das  Kranz- 
gesims. 

Sollte  ein  Grabdenkmal  wie  das  vorliegende  —  und  noch  dazu  mit  nur  einer  Figur 
—  zu  wirklich  monumentaler  Würde  gereift  werden,  so  bedurfte  es  seitlicher  Glieder, 
die  dem  Auge  den  Übergang  nach  oben  vermitteln  helfen  und  zugleich  als  stützender 
Halt  erscheinen.  Sehen  wir  zu,  wie  Hans  Werner  diesem  ästhetischen  Bedürfnis 
Rechnung  getragen!  Er  nahm  die  Figur  als  Mitte  und  umgab  sie  mit  reichem  orna- 
mentalem Beiwerk,  das  uns  wie  ein  Ausklingen  der  Figur  anmutet  und  doch  des 
Charakters  eines  konstruktiv  notwendigen  Faktors  nicht  entbehrt.  Schon  die  Säulen 
hatten  unten  eine  Verstärkung  erhalten.  Hans  Werner  versieht  sie  aber  weiterhin  mit 
sockelfömiigen  Seitengliedern,  die  mit  Rollwerkkartuschen  und  hornartigen  Gliedern 
ausgestattet  sind,  und  baut  über  ihnen  mächtige  Karyatiden  auf,  die  fast  um  40  cm 
über  die  Säulen  heraustreten  und  durch  ihre  massige  Wucht  Eindruck  machen.  Unten 
sind  sie  zu  Schnecken  aufgerollt,  nach  innen  zu  dreiteiligen  Blättern  weitergeführt 
und  außen  mit  einem  Perlenband  und  aufgelegten  Scheiben  verziert.  Hinter  den 
Köpfen  hängt  an  Ringen  plastisch  gearbeitetes  Fruchtwerk  herab.  Eine  schmale 
Tuchdraperie  läuft  nach  unten  fort  und  endet  hier  in  einem  längs  durchschnittenen 
Pinienzapfen.  Es  ist  nicht  zu  leugnen,  daß  das  Grabdenkmal  erst  durch  die  seitlichen 
Zierglieder  eine  wirksame  Silhouette  erhalten  hat,  daß  diese  ihm  erst  seine  imposante 
Gesamterscheinung  gegeben.  Und  merkwürdig  genug  ist  es,  daß  der  Künstler,  der 
an  den  Helmdecken  und  den  Schmuckteilen  des  Harnisches  mit  solch  ängstlichem 
Fleiß  gearbeitet,  hier  in  so  kühner  Art  aus  sich  herausgegangen  ist  und  ein  freischöpfe- 
risches Schalten  mit  den  Formen  seiner  Zeit  entfaltet,  das  wir  sehr  wohl  als  virtuos 
bezeichnen  können.  Daß  er  dabei  das  rechte  Mittelmaß  nicht  ganz  innegehalten 
hat,  müssen  wir  auf  Rechnung  seines  Temperaments  setzen. 


30)  Hieronymus  Kreß  hatte  Rosina  von  Freydel,  Herrn  Christophs  von  Freydel  zu  Har- 
hofen,  und  Frauen  Mariae  von  Freydel,  einer  gebornen  Schweickerin,  Tochter  zur  Frau.  Diese 
wurde  am  19.  Juni  1554  geboren  und  starb  i.  J.  1607.  Sie  heirateten  am  29.  April  1577-  Bieder- 
mann, Taf.  CCXCIV. 

8* 


116        HANS  WERNER,  EIN  BEITRAG  Z.  GESCH.  D.  PLASTIK  D.  DEUTSCH.  SPÄTRENAISSANCE. 

Der  Aufsatz  erscheint  im  Vergleich  zu  dem  reich  bewegten  Mittelteil  etwas 
gedrungen  und  einfach.  Er  war  in  erster  Linie  zur  Aufnahme  der  Schrifttafel  bestimmt. 
Ein  volles  harmonisches  Ausklingen  wird  durch  ihn  nicht  herbeigeführt.  Zu  den 
Seiten  der  Schrifttafel,  deren  Inhalt  wir  weiter  unten  mitteilen  werden,  finden  wir 
eine  Sanduhr  und  das  Zifferblatt  einer  richtigen  Uhr  angeordnet.  Dann  folgen  zwei 
hornartige  Glieder,  die  nach  oben  emporleiten.  Die  Bekrönung  tritt  zur  Fortführung 
der  vertikalen  Mitte  über  einer  Muschel  mit  einem  halbrunden  Sockel  heraus,  auf 
dem  ein  Totenkopf  in  einer  muschelartig  ausgebildeten  Nische  ruht.  Schnecken 
und  Voluten  bilden  die  Weiterleitung  nach  oben.  Die  abschließende  Spitze  fehlt. 
Daß  eine  solche  ehedem  vorhanden,  lehrt  die  oben  befindliche  Konsole.  Wahrschein- 
lich bestand  sie  in  einem  Obelisken. 

Die  in  erhabener  Arbeit  auf  einer  Bronzeplatte  angebrachte  Inschrift  hat 
folgenden  Wortlaut  ^^): 

HIERONIMO  KRESS  A  KRESSENSTEIN. 
PATRICIA  CONSVLARIQVE  APVD  NORIBERGENSES  DIGNI: 
TÄTE:  POLITICA  PRVDENTIA:  RERVM  MILITA:  VSV:  MORVM 
ELEGANTIA  ATQVE  DEXTERITATE  INSIGNI  VIRO: 
QVEM  SVB  PHILIPPO  AVSTRIACO  HISPANIAR:  INDIARVM: 
Q:  REGE  MILITÄR:  DISCIPLINIS  TERRA  MARIQ:  INSTRV: 
CTVM:  AD  VRBANOS  MAGISTRAT!  TOGATAQ:  REI  BEL: 
LIC^  CONSILIA   PATR:  VOTIS  PROVECTVM:  PRINCIP:  OR: 
DINVMQ:  FRANCIS  SVFFRAGILIS  AD   COPIARVM  EQVE: 
STRIVM  DELECTVS  QV^STORIO  MVNERE  HABENDOS: 
PANNONIA  TVRCORVM  ARMIS  PENE  CONFLAGRATA:  ANNO 
M-D-  IIIIC.  VI  ARDENTISSIM^  FEBRIS:    IPSA  NATALI  DIE   XV. 
CAL-AVG-  QVINQVAGENARIVM. 

PATRI^  ET  BONIS  ERIPVIT. 
VXOR  CVM  LIBERIS  MOESTISSIMIS.  M-H-P-C. 
MENS  DATA  EST  ^TERNITATI. 
Hieronymus  Kreß  wurde  am  18.  Juli  1546  geboren  und  diente  in  seiner  Jugend 
unter  der  deutschen  Garde  König  Philipps  II.  in  Spanien,  der  ihn  namentlich  wegen 
seiner  wider  die  Türken  zu  Wasser  und  zu  Lande  geleisteten  Dienste  i.  J.  1572  an 
den  Grafen  Albrecht  von  Ladron  zu  einer  Hauptmannsstelle  bei  dessen  Regiment 
rekommandierte.     In  seinem  Vaterlande  bekleidete  er  hohe  Ehrenstellen.     Er  war 
Kriegsrat  des  fränkischen  Kreises,  Pfennigmeister,  Pfleger  der  Reichsfeste  und  Mit- 
glied des  inneren  geheimen  Rats.    1596  zog  er  als  Kreisobrister  über  1000  Pferde 
nach  Ungarn  ab,  wo  ihn  am  18.  Juli  zu  Preßburg  der  Tod  ereilte.    Sein  Leichnam 
wurde  nach  Nürnberg  gebracht  und  am  4.  August  unter  Begleitung  von  200  Mann 
Kavallerie  in  der  Kirche  zu  Kraftshof  beigesetzt.    Hieronymus  Kreß  war  der  Stamm- 
herr der  Neunhöfer  Linie  ^2). 

Das  Grabdenkmal  hat  eine  Höhe  von  4,1 5  m  und  eine  größte  Breite  von  2,85  m. 
Es  ist  in  Untersberger  Marmor  und  in  Sandstein  gearbeitet.    Die  Verwendung  des 


31)  Die  Wiedergabe  derselben  bei  Würfel  ist  sehr  fehlerhaft. 

32)  Biedermann,  Taf.  CC  XCIV. 


VON  DR.  FRITZ  TRAUGOTT  SCHULZ.  117 


Marmors  beschränkt  sich  aber  auf  das  Mittelstück  mit  der  Figur,  also  auf  die  Teile, 
die  eine  besonders  feine  Detaillierung  erforderten.  Da  wo  eine  freiere,  mehr  deko- 
rative Arbeit  am  Platze  war,  ist  ein  grobkörniger  grauer  Sandstein  zur  Anwendung 
gebracht,  der  jedoch,  um  eine  geschlossene  Einheit  zu  erzielen,  der  Farbe  des  Mar- 
mors entsprechend  rot  angelegt  wurde.  Störend  wirkt  nur  die  verhältnismäßig  große 
Inschrifttafel,  die  mit  ihrer  schwarzen  Farbe  den  Gesamteindruck  beeinträchtigt. 
Die  Figur  des  Verstorbenen  steht  in  Korrespondenz  zu  derjenigen  des  Christoph 
Kreß  (t  1535),  dessen  Grabdenkmal  an  der  gegenüberliegenden  Seite  des  Chorbogens 
aufgestellt  3 3)  ist.  In  der  Grundanlage  hatte  der  Künstler  auf  dieses  Rücksicht  zu 
nehmen  und  er  hat  es  auch  getan.  Daher  die  einzelne  Figur  und  die  Inschrifttafel 
über  dieser.  Auch  das  Material  war  ihm  damit  gegeben.  Aber  weitere  Grenzen  hat 
er  sich  nicht  ziehen  lassen.  Sein  Grabdenkmal  redet  die  Sprache  seiner  Zeit 
und  atmet  seinen  Geist.  In  vorteilhafter  Art  ist  das  Stürmische  seines  Tempe- 
raments zum  Ausdruck  gekommen.  Die  Architektur  ist  nur  ein  notwendiges  Ge- 
rüst. In  erster  Linie  kam  es  ihm  auf  die  Figur  an.  Fr  hat  sie  lebensvoll  zu  charakte- 
risieren gewußt.  Aber  er  hat  sie  nicht  wie  der  Schöpfer  des  Gi  abdenkmals  des  Christoph 
Kreß  für  sich  allein  gegeben.  Er  hat  sie  in  einen  ornamentalen  Rahmen  hineinge- 
stellt und  durch  dessen  verständnisvolle  Ausgestaltung  ein  wirkungsvolles,  eindrucks- 
reiches Ganzes  geschaffen.  Wie  dieses  Grabmal  eine  hervorstechende  Zierde  des 
auch  sonst  interessanten  Kirchleins  bildet,  so  ist  es  für  uns  ein  besonders  sprechendes 
Beispiel  der  Art  des  Meisters  gerade  in  dieser  Zeit. 


Nr.  7. 

Grabmal  des  Christoph  Truchseß  von   und  zu  Pommersfelden    und  seiner  vier 
Gemahlinnen  in  der  Pfarrkirche  zu  Pommersfelden.     1599. 

Das  Grabmal  ist  an  der  südlichen  Chorwand  in  einer  eigens  zu  diesem  Zweck 
vertieften  Nische  untergebracht^"*).  Wahrscheinlich  erhielt  es  diese  Stelle  nach 
dem  i.  J.  1751  vorgenommenen  Neubau  des  in  schlichten  Formen  gehaltenen  Gottes- 
hauses. Beim  Versetzen  ergaben  sich  wie  meist  kleinere  Defekte  in  den  Einzelheiten. 
Doch  läßt  im  übrigen  die  Erhaltung  nichts  zu  wünschen  übrig. 

Als  Grundprinzip  des  etwa  2,80  m  breiten  und  3,50  m  hohen  Monuments  er- 
scheint die  Dreiteilung  beobachtet.    In  den  rechteckigen,  mit  der  Mitte  vorspringen- 
den, von   einem  Zahnschnittfries  abgeschlossenen  Sockel  sind   drei  marmorne  In- 
schriftplatten eingelassen.  Die  Inschriften  sind  vertieft  und  lauten  von  links  begonnen: 
1.  „ANNO.  157436).  DEN  29-  OCTOBRIS//IST  GESTORBEN  DIE  EDLE 
VND//TVGENDTSAME  FRAV  KVNGVNDT/TRVCHSESSIN  EIN  GE- 
BORNE//VÖITIN    VON   RINECK     DER//SEELEN    GOTT    GENAD 
AMEN". 


33)  Abgebildet  bei  Dr.   Fritz  Traugott  Schulz  a.  a.  0.  Taf.    XVII. 

34)  Kurz  erwähnt  wird  es  mit  Angabe  seines  Verfertigers  von  Wilh.  L  o  t  z,  Kunst-Topo- 
graphie Deutschlands  II,  S.  38O,  und  von  N  agier,  Monogrammisten  IIl,  Nr.  1703- 

35)  B  i  e  d  er  m  a  nn,  Geschlechts- Register  der  Reichs- Frey  unmittelbaren  Ritterschafft 
Landes  zu  Francken,  löblichen  Orts  Steigerwald,  Nürnberg  1748,  Taf.  156,  gibt  1575  als  Todes- 
jahr an.     Die  Heirat  fand  i.  J.  1572  statt. 


118         HANS  WERNER,  EIN   BEITRAG  Z.  GESCH.  D.  PLASTIK  D.  DEUTSCH.  SPÄTRENAISSANCE. 

2.  „ANNO.  1576.36)  DEN.  20.  APRILIS//IST  IN  GOTT  VERSCHIEDEN 
DIE//EDEL  VNND  TVGENDTSAM  FRAV//MAGDALENA  TRUCH- 
SESSIN//GEBORNE  VONN  KINDTSBERG  DER//SEELEN  GOTT 
GNEDIG  SEIN  WOLLE". 

3.  „ANNO  1597.  DEN  20.  JYJY  IST//GESTORBEN  DIE  EDLE  VND// 
TVGENDSAME  FRAV  ELISABETH//TRVCHSESSIN  GEBORNE  VON/ 
RABENSTEIN  DER  SEELEN//GOTT  GNEDIG  SEIN  WOLLE". 

Darüber  zieht  sich  ein  18  cm  hohes  Friesband  hin,  das  12  erhaben  heraus- 
gemeißelte kleine  Wappen  aufweist.  Über  diesem  kniet  linker  Hand  der  Truchsess, 
mit  betend  erhobenen  Händen  nach  rechtshin  gewandt,  von  wo  aus  ihm  seine  vier 
Gattinnen  korrespondieren.  Er  trägt  die  volle  Rüstung.  Links  neben  ihm  liegen  sein 
Helm  und  seine  Handschuhe.  Seine  Frauen  gleichen  einander  in  Haltung  und  Tracht. 
Nur  die  Antlitze  variieren  infolge  der  verschieden  individualistischen  Behandlungs- 
art. Den  Frauen  sind  je  zwei  kleine  Wappenschildchen  mit  dem  Truchsessischen 
und  ihrem  eigenen  Wappen  beigefügt.  Die  von  links  erste  ist  von  drei  jugendlichen 
Töchtern,  die  dritte  von  im  ganzen  sieben  Kindern  begleitet,  die  zu  ihren  Füßen 
knien. 

Die  Dreiteilung  spricht  sich  nach  oben  in  zwei  Dreiviertelsäulen  aus,  welche 
sich  über  hübschen  Konsolen  aus  der  in  Dreiviertelplastik  gearbeiteten  Figuren- 
gruppe heraus  entwickeln  und  denen  seitwärts  in  der  Mitte  vertikal  durchschnittene 
Säulenvorlagen  entsprechen.  Letztere  sind  mit  je  vier  erhaben  herausgearbeiteten 
Wappen  versehen.  So  erfährt  das  Monument  eine  sehr  wirkungsvolle  Gliederung, 
die  ihren  Höhepunkt  in  der  flachbogig  geschlossenen  Nische  des  größeren  Mittel- 
teils erreicht.  In  diese  hat  der  Künstler  in  fast  freier  Plastik  eine  lebendig  bewegte 
Auferstehung  hineinkomponiert  (Abb.  6).  Zu  den  Füßen  des  über  dem  Sarkophag 
emporschwebenden  Heilandes  windet  sich  zum  Zeichen  des  Sieges  über  das  Böse  eine 
Schlange,  lim  das  Grab  lagern,  leider  teilweise  stark  lädiert  3^),  die  Wächter,  von 
denen  die  beiden  oberen  in  Bewegungen  und  Gebärden  sehr  erregt  erscheinen.  Den 
Auferstandenen  begleiten  seitlich  zwei  in  Wolken  schwebende  Engel.  Die  das  Mittel- 
stück begrenzenden  Säulen  mit  hübschen  Kompositkapitälen  tragen  über  hohen 
Kämpferstücken  ein  kräftig  vorspringendes  Gebälk.  Vor  diesem  lagert,  die  Aus- 
kragung fast  in  ganzer  Breite  ausfüllend,  eine  große  Kartusche  mit  dem  vertieft 
eingegrabenen  Spruch  aus  Johannis,  Kap.  9:  „Ich  bin  die  Auferstehung  etc.". 

Was  die  Seitenteile  anbelangt,  so  steigen  diese  nach  oben  in  auswärts 
gerichteten  Schrägen  empor  und  enthalten  zwei  ebenfalls  schräg  gelagerte  Inschrift- 
tafeln. Auf  der  linken  lesen  wir:  „ANNO.  1 :  600  DEN  24  MAII//IST  INN  GOTT 
VERSCHIEDEN  DER.//EDELL  VNND.  ERNVEST  CHRISTOFF//TRVCHSES. 
VON,  VND,  ZV,  POMMERS-//FELDEN.  REICHMANSDORFF  VND//RÖT- 
TENBACH.  DESSEN.  SEELEN//DER  ALMECHTIG.  GOTT  GNEDIG//VNND 
BARMHERTZIG  SEIN  WOLLE."  Die  Inschrift  ist  gleichzeitig  mit  den  Sockel- 
inschriften eingefügt  worden,  nur  die  Ziffern  „600"  deuten  in  ihrer  Schreibart  auf 


36)  Nach  Biedermann  a.  a.  O.  1577-    Er  läßt  beide  sich  i.  J.  1576  vermählen.    Kindts- 
berg  ist  gleichbedeutend  mit  Künsperg. 

37)  Die  fehlenden  Stücke  dürften  sich  zum  Teil  aus  den  noch  vorhandenen  Trümmern 
wieder  anfügen  lassen. 


VON  DR.   FRITZ  TRAUGOTT  SCHULZ. 


119 


eine  spätere  Einfügung  hin.  Demnach  ist  die  Anfertigung  des  Grabmals  in  die  Zeit 
zwischen  den  Jahren  1597  (dem  Todesjahr  der  dritten  Frau)  und  dem  Jahre  l60O 
(seinem  eigenen  Todesjahr)  anzunehmen.     Es  wurde  i.  J.  1599  aufgestellt. 

Auf  der  Tafel  des  rechten  Seitenteils  lesen  wir:  „ANNO  1 DEN  . .  .  // 

IST  GESTORBEN  DIE  EDLE  VND//TVGENDTSAME  FRAV  MARIA^V/ 
TRVCHSESSIN  EIN  GEBORNE//VON  WVRTZBVRG  DER  SEE-//LEN  GOTT 
GNEDIG  SEY.    AMEN." 

Über  den  Schrägen  der  Seitenteile  lagern,  anscheinend  in  schlummernder 
Haltung,  zwei  Frauen,  die  eine  mit  den  Gesetzestafeln,  die  andere  mit  Kelch  und 
Kruzifix.  Als  äußere  Begrenzung  der  Seitenteile  dienen  zwei  stark  heraustretende 
Voluten,  sowie  Band-  und  Rollwerk. 


Abb.  6.  Hans  Werner: 
Auferstehungsrelief  an  dem  Grabmal  in  Pommersfelden. 


1599. 


Über  dem  Ganzen  baut  sich  eine  sehr  dekorativ  wirkende  Bekrönung  auf.  Aus 
ihrer  Mitte  tritt  eine  mit  Zahnschnitt  verzierte  Konsole  heraus,  über  welcher  in  Voll- 
plastik  der  Pelikan  mit  seinen  Jungen.  Zwei  kräftig  gerollte  Voluten  an  den  Seiten, 
zwischen  denen  je  ein  Engel,  streben  in  geschwungenen  Linien  nach  oben  empor, 
woselbst  wir  zwei  schlafende  Engel,  die  Truchsessische  Helmzier  und  eine  Sanduhr 
bemerken.  Der  eine  der  Engel  stützt  sich  mit  dem  linken  Ellenbogen  auf  einen  Toten - 
Schädel.  Das  Zeichen  der  Künstlers  (H  W)  ist  unterhalb  der  Schräge  des  linken 
Seitenteiles  angebracht. 


38)  Nach  Biedermann  a.  a.  O.  Anna. 


120        HANS  WERNER,  EIN  BEITOAG  Z.  Gh:>.  H.  Ü    PLASTIK  D.  DEUTSCH.  SPÄTRENAISSANCE. 

Das  Grabmal  ist  zum  größten  Teil  in  gelblichem  Kalkstein,  zum  kleineren 
in  grauem'  Sandstein  ausgeführt.  Es  imponiert  durch  die  massige  Schwere  seines 
Aufbaues.^  Man  fühlt  deutlich  das  Nahen  eines  neuen  Stils,  dessen  Einwirkungen 
sich  der  Künstler  durchaus  nicht  zu  verschließen  trachtet.  So  sind  auch  die  Einzel- 
formen des  Monuments  wuchtiger  behandelt  als  seither.  Der  Künstler  hat  eine 
minutiöse  Durchbildung  nach  der  ornamentalen  Seite  hin  sogar  direkt  vermieden. 
Die  Hauptfigur  erfreut  durch  ihre  vortreffliche  individuelle  Charakteristik.  Lebendig 
in  der  Bewegung  ist  auch  die  Auferstehungsgruppe  in  der  Mittelnische.  Im  Ganzen 
ist  der  Eindruck  ein  befriedigender.  Würdig  reiht  sich  das  Denkmal  den  übrigen 
monumentalen  Schöpfungen  des  Meisters  an. 

Leider  war  es  mir  nicht  möglich,  eine  Gesamtansicht  des  Denkmals  anzufertigen, 
da  es  durch  einen  Kirchenstuhlvorbau  mit  Gitterabschlüssen  zum  größten  Teil  ver- 
deckt ist.  Höchst  bedauerlich  aber  ist  es,  daß  drei  weitere  hochinteressante  Grab- 
steine der  gleichen  Familie  aus  dem  14.  Jahrhundert  an  der  Südwand  des  Langhauses 
durch  den  Treppenaufgang  zur  Empore  teilweise  ganz  den  Blicken  entzogen  worden 
sind. 


Nr.  8. 

Grabdenkmal  des  Friedrich  von  Dobschütz  in  der  Johanniskirche  zu 

Nürnberg.    (1601.) 

Das  Monument  ist  im  Inneren  der  Kirche,  und  zwar  etwa  in  der  Mitte  der 
Südwand  über  einem  schlichten  Sockel  aufgerichtet.  Dieser  hat  eine  Höhe  von 
1,20  m,  so  daß  sich  jenes  frei  über  den  Sitzen  erhebt  und  darum  voll  zur  Geltung 
kommt.  Oben  an  dem  Sockel  ist  ein  kleines  Bronzeschild  mit  dem  Dobschützschen 
Wappen  und  darüber  ein  Schrifttäfelchen  mit  der  Aufschrift  „FRIEDERICH.  V. 
DÖBSCHÜTZ"  angebracht.  Es  handelt  sich  offenbar  um  das  früher  über  der 
Gruftplatte  befestigt  gewesene  Epitaph,  das  man  hierhin  versetzte,  als  jene  aus 
dem  Boden  der  Kirche  entfernt  wurde.  Eine  Bestätigung  dafür  gibt  uns  Trechsel 
in  seinem  erneuerten  Gedächtnis  des  Nürnbergischen  Johannis- Kirchhofs  (1735). 
Dort  heißt  es  auf  S.  833 :  „Und  endlich  hält  der,  gegen  der  untern  Kirch-Thür  hin  ge- 
legene letzte  Leichstein,  die  Gebeine  des,  zur  lincken  Hand  der  Kantzel  an  der  Wand, 
Lebens  groß,  und  mit  vollem  Küraß  im  Bildniß  stehenden  T.  Herrn  Herrn  Friede- 
rich von  Dobschütz,  in  dasiger  Grufft  verschlossen,  wie  solches  aus  dem  oben  über 
befindlichen  Wappen-Schild,  samt  dem  in  einem  darob  fliegenden  Zettel  stehenden 
Namen  zu  ersehen". 

Das  Grabdenkmal  besteht  in  der  Hauptsache  aus  einem  niedrigen  Unterbau, 
einem  großen   Rahmen  und  dem  bekrönenden  Aufsatz  (Abb.  7). 

Der  Unterbau  tritt  in  der  Mitte  als  Wulst  vor,  der  an  den  Seiten  zu  Schnecken 
aufgerollt  ist  und  oben  in  der  Mitte  ein  aufwärts  blickendes  Engelsköpfchen  zeigt. 
Von  diesem  geht  beiderseits  ein  durchbrochenes  Band  aus,  das  in  zwei  schwungvoll 
gedrehten  Voluten  endigt,  die  zu  den  Knäufen  unter  den  Seitenwangen  des  Rahmens 
überleiten.    Links  oberhalb  des  Wulstes  in  vertiefter  Schrift  die  Buchstaben :  H  W^'»). 

39)  Das  Grabdenkmal  ist  bislang  noch  nirgends    als  Arbeit  des    Hans  Werner  erwähnt 
worden,  und  zwar  weder  bei    Trechsel    und    Würfel    noch  bei    D  e  h  i  0. 


VON   DR.   FRITZ  TRAUGOTT  SCHULZ. 


121 


Die  seitlichen  Voluten  dienen  zugleich  als  Träger  des  unteren  Rahmengliedes. 
Dieses  setzt  sich  zusammen  aus  einer  mit  einer  Art  Zahnschnitt  ornamentierten 
Platte  und  einem  darüber  laufenden  Wulst,  der  mit  flach  aufliegendem  Blattwerk 
verziert  ist.  Platte  und  Wulst  sind  oberhalb  der  erwähnten  Knäufe  als  Rundungen 
weitergeführt. 

Der  Rahmen  wird  gebildet  aus  zwei  schräg  gestellten,  flach  gedrückten  Säulen 
(Grundriß  ellipsenförmig),  die  nach  innen  zu  einer  Kehle  geöffnet  und  außen  mit 


Abb.  7.     Hans  Werner: 

Grabdenkmal  des  Friedrich  von  Dobschütz  in  der  Johannisi<irche 

zu  Nürnberg.    (1601.) 

einem  gewunden  geführten,  gebuckelten  Ornamentband,  innen  mit  Akanthusblattwerk 
versehen  sind.  Oben  schließen  sie  sich  durch  einen  in  gleicher  Art  gegliederten 
Horizontalbalken  zu  einem  Rechteck  zusammen.    Seitwärts  lehnt  sich  an  die  Säulen 


122        HANS  WERNER,  EIN   BEITRAG  Z.  GESCH.  D.  PLASTIK  D.  DEUTSCH.  SPÄTRENAISSANCE. 


aufsteigendes  Volutenwerk,  das  nach  vorn  zu  einer  durchbroclienen  Säule  mit  herab- 
hängendem Pinienzapfen  entwickelt  ist.  Auf  dieser  steht  beiderseits  je  ein 
Putte,  der  ein  Schild  hält.  Auf  dem  linken  bemerken  wir  das  Wappen  der  „DOB- 
SCHVTZ"*"),  auf  dem  rechten  das  der  „METZROD".  Weiter  nach  unten  hängen 
noch  zwei  weitere  Schilde,  von  denen  das  linke  das  Wappen  der  „VCHTRITZ", 
das  rechte  dasjenige  der  „DOBERSCHZ"  zeigt. 

Die  innere  Rahmenfläche  ist  vertieft,  um  die  in  Vollplastik  gearbeitete,  1,80  m 
hohe  Figur  des  Verstorbenen  in  markanter  Weise  in  die  Erscheinung  treten  zu  lassen. 
Die  wenig  nach  links  gewandte  Figur  ist  ganz  gerüstet.  Das  linke  Bein  ist  vor  das 
rechte  gestellt.  Der  linke  Ellenbogen  stützt  sich  auf  den  seitwärts  stehenden  Degen. 
Die  Rechte  stemmt  den  Streitkolben  gegen  die  Hüfte.  Links  unten  liegt  der  Helm. 
Das  sinnvoll  durchgeführte  Antlitz  zeigt  porträtmäßige  Züge.  Bezeichnend  sind  die 
kräftig  vortretenden  Augenbrauen,  die  etwas  stark  ausgeprägte  Nase  und  die  flei- 
schigen Polster  zu  deren  Seiten.  Man  hat  die  innere  Rahmenfläche  in  späterer 
Zeit  wiederholt  im  Bronzeton  überstrichen,  anscheinend,  um  die  plastische  Wirkung 
noch  zu  erhöhen.  Daß  das  Monument  dadurch  in  seiner  Wirkung  stark  beein- 
trächtigt werden  mußte,  hat  man  dabei  übersehen.  Auch  die  Polychromie  der 
Wappen  ist  nicht  mehr  die  ursprüngliche,  wie  denn  weiterhin  der  über  der  ganzen 
Umrahmung  liegende  sandsteinmäßige  Überstrich  sich  wenig  vorteilhaft  ausnimmt. 
Werner  hat  stets  mit  dem  Stein  allein  gewirkt  und  in  diesem  schon  hinreichende 
Schatten  und  Lichter  zu  erzeugen  gewußt.  Gerade  das  ist  typisch  für  ihn.  Er 
bedurfte  der  Farbe  nicht,  um  Gegensätze,  die  in  Wirklichkeit  nicht  vorhanden,  vor- 
zutäuschen. Auch  dieses  Grabdenkmal  zeigte  ursprünglich  den  reinen  Stein.  Nur 
der  Küraß  war  mit  Gold  bordiert,  wie  auch  die  Wappen  farbig  angelegt  waren  *^). 

Über  dem  Haupt  der  Figur  ist  aus  der  Mitte  des  Schlußbalkens  ein  be- 
schwingtes   Engelsköpfchen  in  reizvoller  Art  herausgearbeitet. 

Streng  folgerichtig  entwickelt  sich  aus  dem  Rahmen  der  bekrönende  Aufbau. 
Ais  stützende  Träger  dienen  zwei  derb  behandelte  Muscheln,  die  über  den  Ecken 
des  Rahmens  vorkragend  aufsitzen.  Dann  folgt  in  der  Mitte  eine  breit  gestellte, 
ovale  Inschriftkartusche,  die  von  den  Halbfiguren  zweier  Engel  gehalten  wird.  Den 
oberen  Abschluß  bildet  ein  kleiner  Aufbau,  auf  dem  ein  Putto  mit  Stundenglas 
und  Totenkopf  lagert.  Zwei  Voluten  vermitteln  das  Aufstreben  zu  einem  spitz 
verlaufenden  Schluß,  der  in  dem  Kopf  des  Engels  sein  Ende  findet. 


40)  Die  Dobschütz,  Döbschütz,  Dubschütz  waren  nach  Kneschke,  Neues  allgemeines 
deutsches  Adels-Lexikon  II,  S.  518  f.,  ein  altes  schlesisches  Adelsgeschlecht,  das  aus  Polen  ein- 
gewandert war  und  zu  den  Patriziern  der  Stadt  Breslau  gehörte.  Doch  führte  dieses  als  Wappen 
in  Rot  einen  schrägrechts  schwebenden  silbernen  Wasserfluß,  welcher  rechts  oben  am  Ende 
mit  einem  goldenen  Kreuze  besetzt  ist.  Siehe  auch  den  neuen  Siebmacher,  Der  Adel  von 
Österreichisch- Schlesien,  Taf.  8.  Unser  Dobschütz  gehört  also  wohl  einer  Seitenlinie  an.  Nach 
Kneschke  war  die  FamiUe  im  l6.  und  17-  Jahrh.  auch  im  Brandenburgischen  begütert,  der 
Hauptbesitz  lag  aber  immer  in  Schlesien. 

41)  Vgl.  Trechsel,  verneuertes  Gedächtnis  des  Nürnbergischen  Johannis- Kirch- 
Hofs,  1735,  S.  810,  und  Würfel,  Beschreibung  der  übrigen  Kirchen,  Klöster  und  Capellen  in 
Nürnberg,  S.  283  f-  Es  kann  nur  als  erfreulich  bezeichnet  werden,  daß  man  zur  Zeit  damit 
beschäftigt  ist,  das  Grabmal  durch  sachverständige  Reinigung  auf  seinen  ursprünglichen  Zu- 
stand zurückzuführen. 


VON  DR.  FRITZ  TRAUGOTT  SCHULZ.  123 

Die  Inschrift  ist  vertieft  und  mit  Gold  ausgelegt  auf  einer  Schiefertafel  an- 
gebracht und  hat  folgenden  Wortlaut: 

DEN  18  IVLI   DES  MDC.l    lARS*^)   i^j  j^   GOTT 
ZV   NVRMBERG   VERSCHIEDEN   DER   GESTRENG 
EDEL  VND  VEST   FRIDERICH   VON   DOBSCHVTZ,   VF 
SCHADEWALDT  VND  HARTMANSDORF,   ERBHERR  ZVR 
MARCKLISSA  AM  QVEIS  IN  DER  SCHLESING  GELEGEN:  VND 
DEN  21.  DJS  IN  DIESER  KIRCHEN  EHRLICH  BEGRABEN  WORD. 
DEM  AVS  BRVDERLICHER  LIEB  DER  AVCH  GESTRENG,  EDEL 
VND  VEST   GEORG  VON   DOBSCHVTZ,   DIS  MONVMENTVM 
ZV  CHRISTLICHER  GEDECHTNVS  VERFERTIGEN 
LASSEN:    DEM    GOTT    GENEDIG    SEIE    AMEN. 
Das  in  grauem  grobkörnigem  Sandstein  gearbeitete  Monument  hat  eine  Höhe 
von  3,50  m  bei  einer  größten  Breite  von  rund  1,75  m. 

Abgesehen  von  dem  etwas  zu  niedrigen  Unterbau  ist  das  Grabdenkmal  von 
einer  großen  Gediegenheit  in  der  Komposition.  Alles  ist  in  Beziehung  zu  der 
lebensgroßen  Figur  des  Verstorbenen  gesetzt.  Sie  dominiert,  ohne  aber  die  begleiten- 
den Nebenmomente  direkt  zurückzudrängen.  Die  seitlichen  Säulen  mit  den  Wappen- 
schild-haltenden  Putten  sind  Beigaben,  die  man  nicht  missen  möchte.  Sie 
bilden  eine  außerordentlich  wohltuende  Belebung  des  langgestreckten  Rahmenkörpers 
und  helfen  den  Übergang  zum  Aufsatz  durch  Herstellung  weicher  Linien  in  überaus 
dezenter  Art  vermitteln.  Diese  Ableitung  von  dem  Zentrum  des  Ganzen  verrät 
großes  Geschick  in  der  Gliederung  der  Massen.  Wir  fanden  Ähnliches  schon  bei  dem 
Grabdenkmal  des  Hieronymus  Kreß  in  der  Kirche  zu  Kraftshof.  Der  Aufsatz 
schließt  nicht  unmittelbar  an.  Erstrebt  ist  die  Herbeiführung  des  Abschlusses  durch 
eine  Spitze.  Es  ist  interessant  zu  verfolgen,  wie  sie  vom  Künstler  erreicht  ist. 
Er  gibt  dem  Aufsatz  durch  die  über  die  Ecken  des  Rahmens  vorquellenden 
Muscheln  eine  breite  Basis.  Dann  läßt  er  durch  die  Engel,  welche  die  Inschrifttafel 
halten,  eine  kräftige  Unterbrechung  der  aufstrebenden  Linie  eintreten.  Mit  einem 
Schwung  leitet  er  alsdann  zu  dem  oberen  Postament  über,  auf  dem  in  trauernder 
Haltung  der  Genius  des  Todes  sitzt.  In  seiner  Gesamtanlage  muß  das  Grab- 
denkmal entschieden  als  eine  glückliche  Leistung  hingestellt  werden. 

Noch  etwas  anderes  erscheint  mir  von  Wichtigkeit.  Es  fällt  auf,  daß  die  Archi- 
tektur so  wenig  auffällig  in  die  Erscheinung  tritt.  Stark  drängt  sich  die  Figur  des 
Verstorbenen  in  den  Vordergrund.  Sie  will  als  der  maßgebende  Faktor  angesehen 
werden  und  darf  es  auch.  Antlitz,  Körper,  Rüstung  und  Haltung  muten  uns  so 
natürlich  an,  daß  wir  Hans  Werner  den  Ruhm  auch  eines  tüchtigen  Figurenplastikers 
nicht  streitig  machen  können.  Auch  die  Putten  und  Engel  sind  im  einzelnen  wohl- 
geraten. Die  quellenden  Formen  stören  uns  nicht.  Sie  sind  ein  Zeichen  des  Ein- 
flusses der  Zeit. 

Die  ornamentale  Behandlung  verrät  die  gewohnte  Sorgfalt.  Zwar  konnte 
sie  angesichts  der  Grobkörnigkeit  des  Materials  nicht  zu  der  Schärfe  der  frühen 
Arbeiten  Werners  ausgereift  werden.    Doch  läßt  die  Abgrenzung  der  Linien  und 

42)  T  r  e  c  h  s  e  1    a.  a.  O.  und  nach  ihm    Würfel    a.    a.  0.  haben  hier  noch  das  Wort 
„Christi"  eingefügt.     Auch  sonst  ist  ihre  Wiedergabe  der   Inschrift  in   Einzelheiten  fehlerhaft. 


124        HANS  WERNER,  EIN  BEITRAG  Z.  GESCH.  D.  PLASTIK  D.  DEUTSCH.  SPÄTRENAISSANCE. 

die  Ausprägung  der  Formen  nichts  zu  wünschen  übrig.  Die  Profile  und  Friese, 
die  Kanten  und  Unterschneidungen  sind  wie  immer  mit  Exaktheit  ausgeführt.  Im 
übrigen  aber  ist  die  Formengebung  von  einer  angenehm  berührenden  Weichheit, 
die  sich,  wie  wir  noch  sehen  werden,  bei  Hans  Werner  in  der  späteren  Epoche  seines 
Schaffens  immer  mehr  steigert. 


Nr.  9. 
Grabdenkmal  des  Georg  Wolff  von  Giech  in  der  Pfarrkirche  zu  Kadolzburg.  1602. 

Das  in  feinkörnigem  grauem  Sandstein  (Nesselbacher  Stein)* 3)  errichtete 
Monument,  das  bei  einer  Breite  von  1,40  m  eine  Höhe  von  2,50  m  hat,  ist  heute 
in  die  Nordwand  der  unteren  Sakristei  der  i.  J.  1750  bis  auf  den  Turm  neuerbauten 
j  i'otestantischen  Pfarrkirche  eingesetzt,  woselbst  es  vom  Fußboden  bis  zur  Decke 
reicht**).  Es  entwickelt  sich  aus  einem  44  cm  breiten  niedrigen  Sockel,  der  mit 
einer  kräftig  vorladenden  Ausbauchung,  die  seitlich  von  Ohren  eingefaßt  ist,  zum 
Mittelteil  überleitet.  Auf  dieser  sollte  offenbar  die  Grabinschrift  angebracht  werden, 
was  aber  unterblieben  ist. 

Im  Sterberegister  des  Kadolzburger  Pfarramts  für  die  Jahre  1545—1694 
findet  sich  beim  Jahre  1600  folgender,  auf  den  Verstorbenen  bezüglicher  Eintrag: 
,,Den  18.  Martij  starb  zu  Nürnberg  der  gestreng  Edel  vnd  Veste  Georg  Wolff  von 
Gich  zu  Puchau  vnd  Pesten,  fl.  Br.  Dhlt.  zu  Onoltzbach  Rhat  vnd  Jn  die  32.  Jhar 
Ambtman  alhier  zu  Cadoltzburg  Erichtags  zu  Abend,  zwichen  fünft  vnd  sechsz  vhr. 
Ward  darauff  am  Charfreytag,  den  19-  Martij,  ehrlich  mit  der  Procesz  aus  Nürnberg 
beleitet,  gen  Cadoltzburg  (alda  bey  dem  Schüffhoff  mit  der  Procesz  angenomen 
in  viler  leut  gegenwart)  gebracht,  vnd  ist  folgendes  Mittwochens  nach  Ostern,  welcher 
war  der  26.  Martij,  solenniter  in  der  Kirchen  zur  erden  bestattet  worden.  Dero 
Ehrn  V.  vnser  lieber  Gott  ein  fröliche  aufferstehung  zum  e.  leben  verleihe."*^). 


43)  Kurz  erwähnt  von  mir  bei  Georg  D  e  h  i  o,  Handbuch  der  deutschen  Kunstdenk- 
mäler ni,  S.  582. 

44)  Samuel  Wilhelm  O  e  1 1  e  r.  Gegründete  Nachrichten  von  dem  ehemaligen  burggräf- 
lich Nürnbergischen  und  kurfürstlich  Brandenburgischen  Residenzschloß  Kadolzburg,  Erlangen 
1785,  S.  125-     Nesselbach  liegt  bei  Neustadt  a.  d.  Aisch. 

45)  Der  Tod  erfolgte  im  Heilsbronnerhof  zu  Nürnberg.  Siehe  Akta  betr.  Georg  Wolfs 
von  Giech  Ableben  und  Hinterlassenschaft  1600 — 1626  im  Gräflich  Giechschen  Archiv  in  Thurnau 
(Oberfranken).  Am  Anfang  des  „Verzaichnus  deren  vonn  Nurmberg,  so  Jungkherr  Georg  Wolffen 
von  Giech  seligen,  das  gleidt  aus  der  stadt  geben,  als  er  tod  nach  Cadolzburg  gefurt  worden  am 
heiligen  Charfreitag  anno  1600"  heißt  es:  „Ao  16OO  denn  19  (!)  Marty  verschiff  der  gestrenng 
edel  vnnd  ehrntuest  J.  Jerg  Wolff  vonn  Giech  zu  Buchau  vnnd  Pestenn  fürstlicher  Branden- 
burger durchleuchtigkheit  gewessener  Raht  vnnd  Amptman  zu  Carlzburg  (!),  samlet  sich  das  laidt 
(die  Leidtragenden)  bey  dem  ehrntuesten  herren  Wolff  Jacob  Stromeir  Baumeister 
hinder  sanct  Lorennzen".  Die  Bestellung  Georg  Wolfs  von  Giech  als  Amtmannes  von  Kadolz- 
burg erfolgte  am  22.  Februar  1568.  Siehe  Akta  betr.  Georg  Wollfs  von  Giech  zu  Preslen, 
Buchau  etc.  Amt  und  Stellung  in  fürstl.  brandenburg.  Diensten  1568 — 160?  im  Gräflich  Giech- 
schen Archiv  in  Thurnau.  Dem  sei  noch  hinzugefügt,  daß  Georg  Wolf  von  Giech  i.  J.  1599  für  die 
Kirchein  Kadolzburg  durch  den  Steinmetz  Vetter  Farenschon  einen  neuen  Predigtstuhl  anfertigen 
ließ,  von  dem  noch  ein  Handriß  vorhanden.  Siehe  Akta  betr.  Erbauung  eines  Predigstuhls  in 
der  Kirche   zu  Kadolzburg   im  Gräflich  Giechschen  Archiv   zu  Thurnau.     Für   das  bereitwillige 


VON  DR.   FRITZ  TRAUGOTT  SCHULZ.  125 

Die  erwähnte  Ausbauchung  dient  zugleich  als  Sockel  für  die  schräg  ansteigende 
Bank,  auf  welcher  der  Verstorbene  in  Rüstung  betend  vor  dem  Gekreuzigten  kniet. 
Die  Figur  ist  fast  in  Völlplastik  aus  dem  rahmenartig  behandelten  Untergrund  heraus- 
gearbeitet. Sie  ist  nach  rechts  gewandt,  woselbst  das  Kreuz,  mit  seinem  oberen 
Teil  den  Rahmen  überschneidend,  aufgerichtet  ist.  Charakteristisch  für  das  falten- 
reiche, mit  kurzgeschnittenem  Vollbart  gezierte  Antlitz  ist  der  ungewöhnlich  lange 
Schnurrbart.  Die  Nase  ist  wenig  lädiert.  Unten  am  Kreuzesstamm  ruht  über 
den  Handschuhen  der  geöffnete  Helm.  Die  Figur  ist  mit  dem  füllungsartig  ver- 
tieften  Rahmen  aus  einem   Sandsteinblock  gearbeitet. 

Der  Mittelschrein  wird  von  zwei  Dreiviertelsäulen  hegleitet,  die  sich  nach 
unten  über  die  Sockelbank  als  Knäufe,  von  denen  der  linke  jedoch  bei  der  Trans- 
ferierung des  Grabmals  an  seinen  jetzigen  Platz  abgeschlagen  worden  ist,  fortsetzen. 
Sie  haben  Kompositkapitäle  und  sind  im  oberen  Teil  je  mit  drei  Wappenschildchen 
behängt.  Das  obere  Schild  der  linken  Säule  ist  an  den  Seiten  beschädigt,  das  mittlere 
entbehrt  heute  der  Darstellung.  Am  unteren  Teil  der  Säulen  bemerken  wii'  drei 
geflügelte  Engelsköpfchen,  gezaddelte  Stoffgirlanden  im  Mund  haltend,  in  erhabener 
Arbeit  aus  dem  glatten  Grund  herausgemeißelt.  Die  seitlichen,  mit  den  Säulen 
aus  einem  Stück  gearbeiteten  Abschlüsse  sind  etwas  oberhalb  der  Mitte  zu  Spiralen 
aufgerollt,  von  denen  Fruchtbündel  herabhängen.  An  der  linken  Einfassung  ist 
unten  das  Monogramm  des  Meisters  „H  W"  eingemeißelt. 

Über  den  Säulen  baut  sich,  von  Kämpfern  getragen,  ein  Gebälk  mit  einem 
über  einem  Zahnschnittfries  weit  ausladenden  Kranzgesims  auf,  das  mit  einer  großen 
Inschriftkartusche  in  Wellenform  zu  dem  Mittelteil  herableitet.  Diese  enthält  ver- 
tieft eingegraben  den  bekannten  Bibelspruch:  „Also  hat  Gott  die  Welt  geliebt  etc:" 

Was  den  Aufsatz  anbelangt,  so  zeigt  er,  von  heraldischem  Laubwerk  um- 
rahmt und  von  zwei  außen  gebuckelten  großen  Ohren  eingefaßt,  das  Wappen  der 
Familie  Giech.  Wir  müssen  staunen  über  die  lebendige  Behandlung  des  Ornaments 
und  die  wirklich  virtuose  Art  seiner  plastischen  Durchbildung.  Zu  den  Seiten  auf 
besonderen  Postamenten  zwei  kleine  Engel,  die  mit  der  einen  Hand  die  äußere  Ein- 
fassung des  großen  Wappens  stützen,  während  sie  in  der  anderen  ein  kleines  Schild 
halten.  Das  linke  zeigt  das  Giechsche  Wappen,  das  rechte  anscheinend  das  der 
Familie  Künsberg^^).  Ganz  oben  lesen  wir  auf  einer  Schrifttafel:  „HEVDT 
AN  MIR/MORGEN  AN  DIER". 


Entgegenkommen  Seiner  Durchlaucht  des  Grafen  von  Giech  hinsichtlich  der  Durchsicht  der  Akten 
sei  an  dieser  Stelle  herzlicher  Dank  gesagt.  Dank  gebührt  auch  Herrn  Senior  Dietzel  in  Kadolz- 
burg  für   die   Bereitstellung   der   Pfarramtsakten. 

46)  Näheres  ließ  sich  nicht  feststellen.  Auch  die  1854  herausgegebene  Stammtafel  des 
mediatisierten  Hauses  Giech  gibt  uns  nach  dieser  Richtung  keine  Auskunft.  Über  die  Person 
des  Georg  Wolf  von  Giech  sei  noch  folgendes  bemerkt:  In  der  Schrift  von  Michael  Walther,  Cadolz- 
burgisches  Denkmal  bey  Einweyhung  dasiger  neuen  Pfarrkirche,  Ansbach  1751.  S.  17.  findet 
sich  eine  kleine  Notiz  über  sein  Leben:  „Dieser  hat  Herrn  Marggrafen  Georg  Friedrich  anfänglich 
als  ein  Page  gedienet  und  beym  Leben  erhalten,  als  Er  auf  der  Prager  Reise  ins  Wasser  (in  einen 
Weiher)  gefallen".  Auch  erfahren  wir  dorther,  daß  er  in  dem  vormaligen  Langhaus  der  Kirche 
zu  Kadolzburg  gleich  vor  der  Kanzel  bestattet  worden  ist.  Vgl.  auch  den  9-  Jahresbericht  des 
historischen  Vereins  in  Mittelfranken  für  das  Jahr  1838,  S.  31-  Georg  Wolf  von  Giech  war 
auch  fürstlich- Brandenburg- Ansbachischer    Rat.     Der  Markgraf  soll   sich  seinem   Lebensretter 


126        HANS  WERNER,  EIN  BEITRAG  Z.  GESCH.  D.  PLASTIK  D.  DEUTSCH.  SPÄTRENAISSANCE. 


Treten  wir  der  künstlerischen  Würdigung  des  Monuments  näher,  so  läßt  sich 
nicht  leugnen,  daß  zwischen  dem  Hauptschrein  mit  der  knienden  Figur  des  Ver- 
storbenen und  dem  Aufsatz  keine  befriedigende  Harmonie  besteht.  Letzterer  ist  zu 
sehr  für  sich  behandelt  worden.  Er  tritt  zu  stark  hervor,  bei  seiner  reichen  Aus- 
bildung die  Leere,  welche  der  Künstler  um  die  Figur  des  Verstorbenen  herum  hat 
bestehen  lassen,  um  so  stärker  fühlbar  machend.  Nur  in  etwa  wird  dieser  Miß- 
klang ausgeglichen  durch  die  Architektur  des  Denkmals,  die  das  Ganze  fest  in  sich 
zusammenschließt.  An  sich  betrachtet  ist  der  Aufsatz  ein  Meisterstück  sowohl  in 
technischer  wie  in  kompositioneller  Richtung.  Das  Antlitz  des  Verstorbenen  ist 
gut  charakterisiert.  Im  übrigen  aber  bilden  Architektur  und  Ornament  die  Haupt- 
sache, und  hier  zeigt  der  Meister  sein  Können  in  günstigstem  Licht.  Der  tüchtige 
Techniker,  der  er  sonst  ist,  ist  er  auch  hier. 

Interessant  ist  es,  daß  die  auf  die  Anfertigung  des  Grabmals  bezügliche  Korre- 
spondenz zum  größeren  Teil  auf  uns  gekommen  ist.  Sie  ist  enthalten  in  den  Akten 
des  Gräflich  Giechschen  Archivs  zu  Thurnau,  die  sich  auf  das  Ableben  und  die  Hinter- 
lassenschaft Georg  Wolfs  von  Giech  beziehen.  Zunächst  liegt  ein  Schreiben  des 
Künstlers  selbst  vor,  aus  dem  ersichtlich  ist,  daß  man  ihn  nicht  unmittelbar  mit 
der  Anfertigung  des  Grabmals  betraut,  sondern  daß  er  sich  seinerseits  mit  der  Bitte 
an  den  Bruder  des  Verstorbenen,  ihm  das  Grabmal  zu  übertragen,  gewandt  hat. 
Ich  lasse  das  Schreiben  im  Wortlaut  folgen,  weil  es  einerseits  ein  lehrreiches  Streif- 
licht auf  das  intimere  Künstlerleben  der  damaligen  Zeit  wirft  und  uns  andererseits 
wichtige  Nachrichten  über  den   Künstler  selbst  bietet. 

„Dem  Gestrengen  edlen  vnnd  ehrnvest  Junkern  Hanns  Georg  von  Giech  zu 
Darnaw  (Thurnau)  meinen  besonnders  günstigen  Junkern  zu  banden 

Darnaw 
Meinen  gannz  willigenn  diennst  bevor 

Edler  Ehrnuester  Junker  nachdem  Ewer  Ehrnuest  nechsten  verschienenen 
heyligen  karfreytag  alhie  zu  Nürnberg  inn  Halsbrunner  hoff  mitt  samptt  anderen 
Junkern  mitt  Ewerer  Ehrnuest  bruder  seeliger  gedechtniß  layhtt  vnnd  begrebnisen 
sinndt  ganngen  da  habe  ich  meinen  gesellen  dahin  geschiktt  vnnd  lassenn  nachfragen 
ob  man  ihrer  Ehrnuest  seeliger  nichtt  ettwann  einen  grabstein  liese  machen  so  habenn 
nun  die  Junkern  meiner  begerdt  vnnd  ich  bin  in  der  predig  gewesen  so  habe  ich  dar- 
nach vonn  wegen  der  begrebnus  nicht  können  forkomnen.  do  E.  Ehrnuest  ihren 
bruder  seligen  ettwas  wollt cen  machen  lassen  es  wehre  gleych  vonn  einem  grabstein 
auff  das  grab  oder  vonn  einem  epithauium  an  die  wanndt  zu  einer  eintziglen  ber- 
sonn  so  wollte  ich  E.  Ehrnuest  hierin  gebetten  haben,  E. 
Ehrnuest  wollten  mirs  für  einen  andern  vergunnen,  dann 
ich  habe  ietzunder  ein  ,jar  den  Truchssessen  das  seine 
auch  auffgesetz  vnnd  habe  der  frau(aw)en  von  Rüg  h  ein 
ihrs  auch  vntter  henndenn  vnnd  habe  des  bischoff  Ern- 
sten das  sein  auch  gemacht  t.  dan  ich  habe  sonnsten  meine 


gegenüber  stets  sehr  dankbar  bezeigt  haben.  Ferner  ist  zu  vergleichen  Brandenburgischer  Ceder- 
Hein,  Bayreuth  1682,  u.  von  Falkensteins  Nordgauische  Altertümer,  3.  Teil,  Schwabach  und 
Leipzig  1743. 


VON   DR.   FRITZ  TRAUGOTT  SCHULZ.  127 


wonungen  zu  Bamberg  gehabt!  vnnd  bin  auch  wegen  des 
göttlichen  wortts  müssen  weychen  von  den  meinen,  so 
dröste  ich  mich  dessen  das  ich  vnnder  der  rietterschafftt  also  bekanndt  bin  das  ich 
ihnen  noch  alwegen  ihren  pfennig  mitt  meiner  arbeytt  bezaltt  habe,  da  F.  Ehnmest 
nun  ihren  bruder  seehgen  ettwas  woltte  machen  lassen  könntten  mir  es  Ewer  Ehrn- 
uest  wieder  berichtten  so  wolltte  ich  ettwann  eine  viesierung  darzu  stellen,  darzu 
so  hatt  es  ein  schönen  stein  zue  Newstadt  den  brauch  ich  auch  zu  der  frawen  von 
Rughain  ihrenn  begrebnus  hiemit  Ewei  Ehrnuest  in  Gottes  schütz  vnnd  schirm 
befohlen,    anno  1600. 

vnnd  bin  ich  zu  Nürnbergk  in  der  Kodtgassen  zu  erfragen 

Hanns  Werner  Biltthauer  ietzo  in  Nürnbergk." 

Der  Auftrag  erfolgte  nicht  sogleich,  doch  ließ  sich  Hans  Werner  eine  weitere 
Verfolgung  der  Sache  eifrigst  angelegen  sein.  In  einem  Schreiben  des  Hans  Fürster, 
Gegenschreibers,  später  Vogts  zu  Kadolzburg,  an  Hans  Georg  von  Giech  vom  zweiten 
Pfingsttag  1600  heißt  es  nämlich:  „Heut  dato  hat  der  mahler  (irrtümlich  statt  Bild- 
hauer) von  Nürnberg,  so  vor  diesem  zu  Bamberg  gewohnet,  seinen  gesellen  hiehero 
geschicket,  sich  zu  erkundtigen,  ob  E.  Gestr.  dero  geliebten  brudern  seeligen  ein 
Epitafium  vnnd  grabstain  wollten  machen  lassen,  vnnd  weiln  er  nichts  aigentlichs 
erfahren  können,  hat  er  begert,  E.  Gestr.  solches  wisslich  zu  machen".  Es  dauerte 
dann  noch  eine  Zeitlang,  ehe  Hans  Werner  die  Arbeit  übertragen  erhielt.  Ende 
April  des  Jahres  1601  hatten  die  gegenseitigen  Verhandlungen  bereits  eine  feste 
Gestalt  angenommen.  Am  30.  April  dieses  Jahres  richtet  nämlich  der  gleiche  Hans 
Förster  an  Hans  Georg  von  Giech  folgenden  Brief: 

„Bei  dieser  jetzig  habenden  gelegenheit  kann  E.  Gestr.  ich  in  vil  vnnderthenig 
nicht  bergen,  daß  ich  nach  einandtworttung  E.  Gestr.  Jüngst  den  2.  Aprilio  an  mich 
ergangen  schreiben  strachs  zum  Bildthauer  nach  Nürmberg  geritten,  vnnd  mich 
mit  ihme  berathen  (weiln  E.  Gestr.  je  einen  säubern  stain  vf  dero  geliebten  bruedern 
seeligen  grab  begehren  vnnd  haben  wollen)  wo  doch  ein  tauglich  zu  bekommen,  sc 
können  wir  in  dieser  gegendt,  bei  höchster  Wahrheit  keinen  bekom.men,  der  sauber 
sein,  auch  die  grabschrifft  vnnd  begerte  wappen  einzuhauen  hallten  mag,  esz  weer 
dann,  daß  einer  von  Nestelbach  bei  aigner  fuhr  hiehero  gebracht  würde,  welcher 
des  bildthauers  anzaigen  nach,  aus  dem  stainbruch  blößlich  bei  vier  oder  fünft  gülden 
costen  wird,  dieweiln  mir  dann  bedencklich,  einen  solchen  stain  des  orts,  ohne  E.  Gestr. 
vorwissen  abholen  zu  lassen,  als  bitt  ich  vnnderthenig,  wes  disfalls  E.  Gestr.  gelegen- 
heit, ob  sie  den  hieigen  groben  sandtkörnigen  grabstein,  oder  aber  der  klaren  Nestel- 
bacher einen  haben  wollen  oder  nit,  die  geruhen  mich  dessen  hiebei  großgünstig  zu- 
uerstendtigen,  dann  weiln  die  andern  stain  zum  epitaphio  inner  wenig  tagen  ge- 
brochen werden,  könnte  der  grabstain,  (do  E.  Gestr.  einen  des  orts  begehren),  auch 
zugleich  aldo  gebrochen,  vnnd  zu  den  andern,  vf  zwo  fuhren  vffgeladen  vnnd  hiehero 
geführt  werden,  allein  düncket  sich  der  bildthauer  in  deme  beschwerdt  zu  sein,  daß 
er  das  haubtwappen  vnnd  vier  annatten  (Agnaten)  vf  den  grabstain  machen,  vnnd 
also  beinahe  zway  Epitaphium  vfrichten  solle,  do  ime  doch  nur  eines  verdinget  worden, 
sintemaln  er  sich  des  grabstains  halber  änderst  nichts  verwilliget,  alls  allein  denselben 
zu  behauen,  vnnd  gerings  herum  die  grabschrifft  darauff  zumachen,  jedoch  würd 
E.  Gestr.  diener  Albrecht  solches  am  besten  wissen,  vnnd  wann  ich  nur  wüste,  wo 


128         HANS  WERNER,  EIN  BEITRAG  Z.  GESCH.  D.  PLASTIK  D.  DEUTSCH.  SPÄTRENAISSANCE. 


der  grabstein  zu  nehmen,  wollten  wir  alsdenn  verhoff  lieh  mit  den  andern  schleunigt 
vortkommen".  Aus  einer  Randnote  geht  hervor,  daß  sich  Hanns  Georg  von  Giech 
für  den  Nesselbacher  Stein  entschied. 

Hans  Werner  war  es  also  darum  zu  tun,  auch  für  die  Grabplatte  einen  fein- 
körnigen Sandstein  zu  bekommen.  Wir  finden  dies  begreiflich,  wenn  wir  an  die 
subtile  Arbeit  denken,  die  wir  von  dem  Künstler  als  etwas  Selbstverständliches 
gewohnt  sind.  Und  was  das  vorliegende  Epitaph  betrifft,  so  hätte  es  auch  wohl 
kaum  in  dem  grobkörnigen  Material  der  Umgebung  ausgeführt  werden  können. 

Anfang  Mai  des  Jahres  1602  war  das  Grabmal  im  wesentlichen  fertig.  Hans 
Werner  will  es  aufstellen  und  wünscht  die  Anwesenheit  des  Hans  Georg  von  Giech 
oder  eines  von  ihm  dazu  Beauftragten  zur  Besichtigung  und  Abnahme  der  Arbeit, 
aber  auch  weiterhin  die  Befriedigung  seiner  Ansprüche.  Noch  fehlt  eines  von  den 
seitlichen  Wappen,  nämlich  das  Gottsfeldische,  zu  dessen  Ausführung  der  Künstler 
einer  Vorlage  bedarf,  da  er  selbst  einer  solchen  nicht  hat  habhaft  werden  können. 
Auch  möchte  er  darüber  unterrichtet  sein,  ob  Hans  Georg  von  Giech  die  Wappen 
und  andere  Teile  polychromiert  zu  haben  wünscht.  Das  hierauf  bezügliche  Schreiben 
des  Hans  Förster,  der  nun  als  Vogt  zeichnet,  ist  vom  10.  Mai  I602  datiert,  ich  lasse 
die  betreffende  Stelle  im  Wortlaut  folgen: 

„E.  Gestr.  soll  ich  hiebei  diesem  aignen  botten  dinstlich  nicht  bergen,  daß 
gestrigs  tags  der  bildthauer  von  Nürmberg,  mit  dem  .  .  .  Epitaphio  anhero  gelangt, 
vnnd  nunmehro  ob  verferttigung  des  grabstains,  als  daß  er  in  hoffnung  stehet,  solchen 
neben  seinen  gesellen,  zwischen  dato  vnnd  nechstem  donnerstag  nicht  allein  zum 
bestandt  zuuerferttigen,  sonndern  auch  zugleich  vnnd  inmittelst  das  Epitaphium 
allerdings  vffzurichten  vnnd  den  niderfall  zuuerdienen,  derowegen  gemellter  bildt- 
hauer begert  E.  Gestr.  sobalden  zu  schreiben,  daß  sie  wo  möglich  zwischen  dato  vnnd 
nechstem  donnerstag,  (wo  dieselben  selbsten  nicht  abkommen  könnten),  jemandten 
herabschicken,  der  solches  besichtigen,  vnnd  ihme  der  bezahlung  halb  völlige  Ver- 
gnügung thon  mögt,  dann  er  nicht  lang  alhie  zu  wartten,  dero  wegen,  vnd  weiln  ime 
das  Gottsfeldtisch  wappen  vnbekannth,  vnnd  solches  bis  dato  nit  erforschen  können, 
als  ist  solchemnach  mein  selbst  dinstlich  bitten,  E.  Gestr.  wollen  nit  allein  sobalden 
bei  diesem  botten,  das  Gottsfeldtisch  wappen  herabsendten,  sonndern  auch  jemandten, 
nach  dero  Großgestr.  belieben,  hiehero  verordtnen,  der  die  arbeith  besehen,  vnnd 
dem  bildthauer  vollige  auszahlung  (weiln  ich  mit  dem  E.  Gestr.  zugehörigen  gelt 
nicht  auslangen  kann)  thon  vnnd  sonsten  allerdings  mit  ime  abkommen  möge,  dann 
er  des  grabsteins  vnnd  der  darauf  gemachten  wappen  halben,  sich  ganz  beschwerdt 
zu  sein  befindtet,  als  er  dann  dahero  hoffen  thuet,  daß  E.  Gestr.  (nach  ausweis  dero- 
selben  schreiben),  ihne  disfalls  nicht  im  schaden  ligen  lassen  werden,  wie  dann  auch 
seine  gesellen  zugleich  begehren,  E.  Gestr.  hiemit  zuerinnern,  das  sie  eines  tranck- 
gelts  gegen  ihnen,  Großgst.,  ingedenck  sein  wollen. 

Ob  als  dann  E.  Gstr.  die  wappen  vnnd  anders  wollen  von  färben  ausstreichen 
lassen,  weiln  es  als  ein  schlecht  ansehen,  das  stehet  bei  deroselben  großgünstig  will- 
kühr." 

Die  Kosten  für  das  Epitaph  beliefen  sich  laut  der  Abrechnung  des  Hans  Förster 
vom  17.  Mai  1602  auf  61  f.  7  ^  10  ^. 


VON  DR.   FRITZ  TRAUGOTT  SCHULZ.  12Q 

Nr.  10. 

Grabdenkmal  des  Schenken  Johann  Limpurg-Schmidelfeld  und  seiner  Gemahlin 
Eleonore   in  der  ehemaligen  Schloßkirche  in  Schmidelfeld  b.  Sulzbach.     1603. 

Als  i.  J.  1837  die  1594/95  erbaute  Kirche  des  Schlosses  Schmidelfeld,  das  öst- 
lich von  Sulzbach  auf  einem  von  zwei  Talschluchten  eingefaßten  Bergrücken  über 
dem  Kochertal  gelegen  ist,  in  eine  Wirtschaft  verwandelt  wurde,  entfernte  man  die 
ehedem  in  ihr  befindlichen  Denkmäler.  Zu  diesen  gehörte  auch  das  Grabmal  des 
Schenken  Johann  Limpurg-Schmidelfeld  (f  1608)  und  seiner  Gemahlin  Eleonore 
(t  1606),  das  die  Jahrzahl  1603  trug  und  laut  Inschrift  von  Hans  Werner  zu  Nürn- 
berg, der  sich  selbst  daran  in  sitzender  Stellung  mit  Klöpfel  abgebildet  hatte,  ange- 
fertigt war.  Nach  Heinrich  Prescher,  Geschichte  und  Beschreibung  der  zum  fränki- 
schen Kreise  gehörigen  Reichsgraf  schaff  Limpurg,  Bd.  II,  1790,  S.  255  ff-,  war  es 
„das  prächtigste"  in  der  ganzen  Kirche,  die  als  Erbbegräbnis  des  Hauses  Limpurg- 
Schmidelfeld  diente  und  als  „recht  artig"  und  „inwendig  kostbar"  bezeichnet  wird. 
Es  hatte  seine  Stelle  linker  Hand  des  Haupteinganges  und  war  mit  vergoldeten  und 
gemalten  Eisengittern  eingefaßt. 

Über  dem  Fußboden  ruhten  auf  einem  Paradebett  der  Schenk  und  seine  Gattin, 
in  Lebensgröße,  mit  betend  gefalteten  Händen,  aus  einem  harten  Werkstein  gehauen. 
Ersterer  war  im  Harnisch.  Die  Gräfin  trug  ein  langes  geblümtes  Kleid.  ,,Es  sind 
zwey  außerordentlich  korpulente  Figuren,  und  schon  um  deßwillen  sehenswürdig, 
doch  mit  geistigen  Blicken"  (Prescher).  Etwas  höher  an  der  Wand  waren  sie  noch- 
mals dargestellt,  und  zwar  auf  einer  altarähnlichen  Erhöhung,  einander  gegenüber 
mit  gefalteten  Händen  über  Kissen  kniend,  und  zwar  in  gleicher  Größe  und  Klei- 
dung. Die  Figuren  waren  samt  den  Kissen  je  aus  einem  Stück  eines  schönen  grau- 
weißen Marmors  gearbeitet,  welcher  der  Überlieferung  nach  in  der  dortigen  Gegend 
gebrochen  wurde.  Auch  der  zwischen  ihnen  angebrachte  Helm  bestand  aus  diesem 
Material. 

Dahinter  erhob  sich  die  Rückwand  mit  zwei  schön  modellierten  Säulen,  die 
ein  Gebälk  mit  darüber  befindlichem  Aufsatz  trugen,  reichend  bis  an  die  Kirchen- 
decke. Die  Säulen  waren  mit  zahlreichen  Wappenschildchen  behängt,  die  aus  einem 
weißen,  mit  Grau  eingesprengten  Alabaster  gearbeitet  waren.  Ihre  Postamente 
waren  mit  bunten  Achatstücken  in  Eiform  eingelegt.  Die  Mitte  der  Rückwand  war 
in  drei  Felder  geteilt,  welche  von  unten  nach  oben,  in  Alabaster  ausgeführt,  Christus 
am  Kreuz  mit  fünf  klagenden  Frauen,  die  Auferstehung  Christi  und  Gewölk  zeigten. 
In  letzterem  befand  sich  ehedem  ein  silbernes  Kruzifix,  das  aber,  da  es  hier  nicht  sicher 
genug  schien,  nachher  abgenommen  und  endlich  noch  später  veräußert  wurde. 
Oben  und  zu  beiden  Seiten  waren  einige  symbolische  Figuren,  verschiedene  Tugenden 
in  Alabaster  vorstellend,  angebracht.  Noch  zeigte  das  Grabdenkmal  zwei  Inschrift- 
tafeln, die  je  unter  den  knienden  Figuren  eingelassen  waren. 

Von  dem  Meister,  der  das  Monument  gefertigt,  bemerkt  Prescher,  daß  er  es 
verdiene,  als  ein  sehr  guter  Künstler  in  gutem  Andenken  zu  bleiben.  Doch  das  ge- 
schah nicht.  Denn  heute  sind  von  dem  einst  stattlichen  und  prunkvollen  Grabdenk- 
mal nur  noch  die  knienden  Figuren  des  Ehepaares  erhalten,  die  jetzt  im  Schloß- 
park zu  Gaildorf  aufgestellt  sind.    Sie  zeigen  die  für  Hans  Werner  charakteristischen 

Mitteilungen  aus  dem  Gennan.  Nationalmuseum.    1909.  9 


130        HANS  WERNER,  EIN  BEITRAG  Z.  GESCH.  D.  PLASTIK  D.  DEUTSCH.  SPÄTRENAISSANCE. 

Eigenheiten,  ohne  aber  zur  Beurteilung  seiner  Kunst  neue  Momente  zu  bieten. 
Sie  sind  abgebildet  im  Württembergischen  Inventar,  Jagstkreis,  1.  Hälfte,  S.  222. 
Vgl.  hierzu  auch  den  Text  auf  S.  202  und  S.  224—225,  sowie  E.  Gradmann,  Altfrän- 
kische Kunst  in  Württembergisch  Franken,  in  der  Festschrift  zum  50-jährigen  Jubi- 
läum des  Histor.  Vereins  f.  Württ.  Franken,  1897,  S.  123. 


Nr.  11. 

Tetzelsches  Grabmonument  in  der  Pfarrkirche  zu  Kirchensittenbach.     1611. 

Dieses  Grabmal,  welches  die  im  nördlichen  Querschiff  der  Kirche  erhöht  ange- 
legte Gruft  desi.  J.  1736  mit  Felix  Jakob  Tetzel  erloschenen  Tetzelschen  Geschlechtes, 
einer  Nürnberger  Patrizierfamilie,  schließt,  hat  abweichend  von  den  sonstigen  Arbeiten 
Hans  Werners  auf  diesem  Gebiet  die  Form  einer  geschlossenen  Tumba^").   Wir  sehen 


Abb.  8.    Hans  Werner: 
Tetzelsches  Grabmonument  in  der  Pfarrkirche  zu  Kirchensittenbach. 


1611. 


einen  massigen  Sandsteinsarkophag  vor  uns,  dessen  Wandungen  nach  unten  in  ge- 
schweifter Form  ausgebaucht  sind,  und  der  einen  reich  reliefierten  Deckel  trägt  (Abb.  8). 
Er  ist  in  grauem,  rot  getontem  Sandstein  gearbeitet  und  zeigt  in  den  Mitten  der  beiden 
Längsseiten  zwei  große,  plastisch  ausgeführte  Kartuschen,  die  seitlich  von  Ohren 
eingefaßt  sind.  Auf  der  einen  lesen  wir:  „CHRISTVS  RESVRRE//-CT10  NOSTRA// 
HW",  auf  der  anderen:  „STIPENDIVM  PECCATI//MORS".  Auch  die  Mitten 
der  Schmalseiten  sind  reliefplastisch  belebt.     Am  Kopfende  bemerken  wir  einen 


47)  Kurz  erwähnt  von  mir  bei   Georg  D  e  h  i  0,    Handbuch  der  deutschen   Kunstdenk- 
mäler, Bd.  III  (1908),  S.  584. 


VON  DR.   FRITZ  TRAUGOTT  SCHULZ.  131 


beschwingten  Engelskopf,  am  Fußende  eine  zwischen  zwei  Ohren  angeordnete  Sand- 
uhr. Die  vertieften  Flächen  der  Wandungen  sind  mit  gekreuzten  Linien  und  flach 
gehaltenem  Blattwerk  belebt.  Den  Sarkophag  schließt  eine  braunrote  Marmor- 
platte, die  der  Künstler  sehr  wirksam  zu  beleben  gewußt  hat.  Unten  ruht  auf  einem 
Kissen  ein  alter  bärtiger  Ritter,  über  dessen  Leib  ein  Schild  mit  den  Wappen  Tetzel- 
Vorchtel  liegt,  aus  dem  sich  der  mit  der  Linken  gehaltene  Stammbaum  entwickelt. 
Dieser  wächst  nach  rechts  hin  empor,  zieht  sich  an  der  rechten  Längsseite,  an  der 
oberen  Schmalseite  und  an  der  linken  Längsseite  hin,  um  sich  alsdann  zu  einem 
Lorbeerkranz  aufzurollen,  in  den  zwischen  den  kleineren  Wappen  Groland  und 
Schlüsselfelder  das  Tetzelsche  Wappen  mit  Helmzier  und  heraldischem  Laubwerk 
eingeordnet  ist.  Diese  drei  Wappen  beziehen  sich  auf  Jobst  Friedrich  Tetzel,  den 
Stifter  der  Vorschickung  zu  Kirchensittenbach,  der  in  erster  Ehe  mit  Maria  Grolandin 
(geb.  1555,  gest.  27.  Okt.  1583)  und  in  zweiter  Ehe  mit  Anna  Schlüsselfelderin  (geb. 
1565,  gest.  11.  Dez.  1639)  vermählt  war.  Er  selbst  starb  am  27.  Oktober  1612. 
Den  übrigen  Raum  nimmt  eine  stark  erhaben  heraustretende  Platte  ein,  die 
in  vertiefter  Arbeit  folgende  Inschrift  enthält: 

D.  O.  M.  S. 
lODOCUS  FRIDERIC^,  lOD.  FIL.  FRID.//NEP.  lOD.  FRON.  GEORGIl  ABN. 
lOD.  ATN.  FRID.//(QUI  PATREM  HABUIT  lODOC.  AVUM  VERO//FRIDE- 
RICM)  TRINEP.  TETZELIUS,  EX  ANTI-//QUA  ET  PATRITIA  GENTE  NORI- 
BERG.  ORI//UNDUS,  REIPUB.  SEN.ATOR,  SEPTEMVIR,  DU//UMVIR;  CUIUS 
MAIORES  DE  PATRIA  ALI-//QUOT  AB  HING  SECULIS  OPTIME  MERITI,// 
QUORM  VIRTUTES  UT  HO.NORI  SIBI  DUCIT,  ITA//VESTIGIIS  INHAERERE, 
EORUMQ  DECUS  SUO//TALENTO  ADAUGERE  EXOPTAT,  DE  CERTA//IN- 
CERTAF  MORTIS  CERTITUDINE  CERT^  FRA//GILITATIS  HUMANAE  ME- 
MOR,  PERPETUAE//HAEREDUM  CUM  MEMORIAE  ERGA  SE  ET  GRA// 
TITUDINI,  TUM  UTILITATI  CONSULENS;  IN  RE-//TRIBUTIONEM  EXHI- 
BITI  ABIISDEMSIBI  VIVO//AMORIS,  OBSERVANTIAE,  OBSEQUIl,  NON 
SOLUM//HOC  MONUMENTUM,  SIBI  SUISQ  EX  TESTAMENTO  NÜ//CUPA- 
TIS  HAEREDIBUS  EORUMQ  Z  POSTERIS  CÖ-//MUNE,  SED  CERTOS  ETI- 
AM  REDIT^  ANNUOS,//TANQM  ANIMI  ERGA  SUOS  TESTES,  PIAE//FUN- 
DATIONIS  AUTHOR  EX  LEGA-//TO  RELICTURUS;  HANG  INSCRI-//PTIO- 
NEM  ADHUC  IN  VIVIS  F.  C.//ANNO  DNI  MILLESIMO,  SEX-//CENTESIMO, 
UNDECIMO. 

Der  liegende  Ritter,  also  der  Stammvater  des  Geschlechtes  Friedrich  Tetzel, 
der  i.  J.  1343  zum  Bürgermeister  erwählt  wurde,  umfaßt  mit  der  Rechten  ein  langes 
Schwert,  dessen  gewundener  Griff  in  seinem  Arm  ruht.  Hinter  ihm  schwebt  sein 
Helm  mit  der  Tetzelschen  Zier,  zu  seinen  Füßen  liegen  ein  Totenschädel  und  ein 
Knochen. 

An  den  Längsseiten  sind  über  dem  Stammbaum  beiderseits  je  drei,  am  Kopf- 
ende ein  Wappenschild  angeordnet.  Sie  zeigen,  der  Reihenfolge  gemäß  begonnen, 
neben  dem  Tetzelschen  Wappen  dasjenige  der  Pfinzing,  Schopper,  Voit,  Imhoff, 
Peßler,  Fürer  und  Volckamer.  Die  Inschrifttafel  wird  von  Rollwerkkartuschen  und 
Ohren  umrahmt. 


132         HANS  WERNER,  EIN  BEITRAG  Z.  GESCH.  D.  PLASTIK.  D.  DEUTSCH.  SPÄTRENAISSANCE. 

Die  Deckelplatte  ist  2,105  m  lang  und  4,06  m  breit.  Der  Sarkophag  mißt  1,50  m 
in  der  Breite  und  2,56  m  in  der  Länge. 

Das  Monument  unterscheidet  sich,  wie  schon  erwähnt,  in  seiner  Form  sehr 
wesentlich  von  den  anderen  Arbeiten  Hans  Werners.  Offenbar  war  angesichts  der 
obwaltenden  örtlichen  Verhältnisse  eine  andere  Lösung  nicht  möglich.  Vielleicht 
war  ihm  auch  die  Aufgabe  in  ihrer  Richtung  bestimmt.  So  schloß  sich  der  Künstler 
an  die  damals  auf  den  Friedhöfen  Nürnbergs  und  seiner  Umgebung  gebräuchliche 
Form  des  liegenden  Grabsteins  an,  bestrebt,  auch  hier  eine  monumentale  Wirkung 
zu  erzielen.  Er  operierte  mit  schweren  Formen.  Den  Sarkophag  beließ  er  als  solchen, 
ihn  nur  in  großen  Zügen  gliedernd.  Um  so  mehr  Leben  entwickelte  er  auf  der  Deckel- 
platte. Das  Motiv  des  Stammbaums,  der  sich  aus  dem  ruhenden  Ritter  entwickelt, 
ist  in  glücklichster  Weise  gelöst  und  obendrein  wurde  eine  geräumige  Fläche  für  die 
umfangreiche  Inschrift  gewonnen.  Eine  ungezwungene  Symmetrie  waltet  vor, 
sie  drängt  sich  den  Blicken  nicht  auf.  Dem  Stil  der  Zeit  entsprechend  ist  eine  Ver- 
zettelung in  Kleinigkeiten  .vermieden.  Es  ist,  wenn  ich  so  sagen  darf,  aus  dem 
Vollen  heraus  geschöpft.  Die  Arbeit  als  solche  ist  in  technischer  Hinsicht  vollendet. 
Sie  ist  nicht  so  ängstlich  scharf  wie  bei  den  Werken  der  früheren  Schaffenszeit  des 
Meisters.    Eine  gewisse  breite  Weichheit  macht  sich  in  allem  fühlbar. 

Die  Deckelplatte  ist  durch  eine  tadellose  Erhaltung  ausgezeichnet.  Es  liegt 
dies  daran,  daß  sie  für  gewöhnlich  gegen  Beschädigungen  und  äußere  Einwirkungen 
durch  einen  Holzkasten  geschützt  ist,  auf  dessen  Deckel  die  reliefplastische  Dar- 
stellung in  allerdings  teilweise  stark  verblichener  Malerei  wiederholt  ist.  Auch  die 
Inschrift  kehrt  hier  wieder. 


Nr.  12. 


Grabdenkmal  des  Siegmund  Marschalk  von  Ebnet  an  der  Pfarrkirche 
zu  Mühlhausen.    1613. 

Das  Grabdenkmal,  das  zu  den  späteren  Arbeiten  Hans  Werners  gehört, 
hat  heute,  leider  nur  in  Trümmern  erhalten,  seine  Stelle  an  der  im  Norden  der  Pfarr- 
kirche entlang  laufenden  ehemaligen  Friedhofmauer.  Leidlich  erhalten  ist  nur  das 
Mittelstück  mit  dem  dieses  tragenden  Unterbau*^).  Der  Sockel  fehlt.  Der  Aufsatz 
liegt,  zum  größten  Teil  devastiert,  rechts  daneben.  Wie  die  noch  erhaltenen  Reste 
(Abb.  9)  erkennen  lassen,  handelt  es  sich  um  eine  Anlage  von  mächtigen  Verhältnissen. 
Die  Figuren  sind  lebensgroß.  Unterbau  und  Mittelteil  messen  in  ihrem  heutigen  Zu- 
stand 2,65  m  in  der  Höhe  und  2,70  m  in  der  Breite.  Der  Unterbau  ist  zwiefach 
geteilt,  um  links  die  Gedenkinschrift  für  den  Verstorbenen,  rechts  diejenige  für  seine 
beiden  Gattinnen  aufzunehmen.  Die  Schrift  selbst  ist  stark  lädiert.  Doch  läßt 
sich  soviel  erkennen,  daß  das  Grabdenkmal  der  Erinnerung  zu  dienen  bestimmt 
ist  an  Siegmund  Marschalk  von  Ebnet,  der  in  erster  Ehe  mit  Anastasia  von  Helm- 
stadt (t  1596),  in  zweiter  Ehe  mit  Catharina  Schenckin  von  Symau  (t  14.  Novbr. 
1622)  vermählt  war.    Siegmund  Marschalk  von  Ebnet  zu  Ebnet,  Wildenberg  und 


48)  Kurz  erwähnt  in  der  Zeitschrift  für  Heimat-  und  Volkskunde  „Deutsche  Gaue"  Bd.  VII, 
S.  14,  und  bei  Georg  D  e  h  i  o,  Handbuch  der  deutschen  Kunstdenkmäler,  Bd.  I  (1905),  S.  211. 


VON  DR.  FRITZ  TRAUGOTT  SCHULZ. 


133 


Weingartsgereut  war  hochfürstlich  Bambergischer  Rat  und  Amtmann  zu  Wachen- 
rod.  Er  starb  am  15-  Juni  1608  zu  Bamberg  und  hegt  in  der  Kirche  zu  Mühlhausen 
begraben**). 

Der  Unterbau  wird  seitlich  van  zwei  reliefplastisch  gearbeiteten  Ohren  begleitet, 
von  denen  das  eine  die  Buchstaben  H  W,  das  andere  die  Jahrzahl  I613  in  vertiefter 
Schrift  zeigt.  Als  oberer  Abschluß  des  Unterbaues  dient  eine  stark  vortretende, 
gerundete  Platte,  die  mit  Längsbuckeln  belebt  ist.  Auf  dieser  knien  zu  den  Seiten 
eines  Crucifixus  (die  Christusfigur  fehlt  heute)  links  der  Verstorbene  in  Rüstung, 
rechts  seine  beiden  Gattinnen.  Ersterer  ist  von  drei  jugendlichen  Söhnen,  letztere 
sind  von  einer  bezw.  drei  Töchtern  begleitet.    Den  leeren  Raum  hinter  dem  Gatten 


Abb.  9.     Hans  Werner: 
Grabdenkmal  des  Siegmund  Marschalk  von  Ebnet  in  Mühlhausen.    1613. 


nimmt  dessen  Helm  ein.  Die  Figuren  sind  fast  in  Vollplastik  ausgeführt.  Was 
Natürlichkeit  der  Ausprägung  des  Gesichtsausdrucks  betrifft,  so  zeigt  sich  Hans 
Werner  hier  auf  der  höchsten  Stufe  seines  Könnens.    Die  Behandlung  der  Gewandung 


49)  Biedermann,  Geschlechtsregister  der  Reichs- Frey-unmittelbaren  Ritterschafft 
Landes  zu  Francken  löblichen  Orts-Gebürg,  Bamberg  1747,  Taf.  CCCXXXII.  Seine  erste 
Gattin  Anastasia  von  Helmstadt  wurde  1575  geboren  und  starb  am  22.  März  1596.  Nach  einer 
freundlichen  Mitteilung  des  Herrn  Pfarrers  Matthes  in  Mühlhausen  enthalten  die  dortigen 
Pfarrbücher  folgenden  Eintrag:  „1596.  Anastasia  desz  edlen  vnd  vesten  Sigmund  Marschalk 
von  Ebnet  zu  Weingartsgreuth  hausfraw  alhie  begraben  d.  27.  März."  Das  Rittergut  Wein- 
gartsgreuth,  ein  Bamberger  Lehen,  kam  1574  an  die  Marschalk  v.  Ebnet.  Die  Vermählung  mit 
Katharina   Schenckin   von    Symau   fand   i.    J.    1597   statt. 


134        HANS  WERNER,  EIN  BEITRAG  Z.  GESCH.  D.  PLASTIK  D.  DEUTSCH.  SPÄTRENAISSANCE. 

der  Frauen  ist  eine  großzügige  und  vortreffliche.  Umsomehr  ist  es  zu  bedauern, 
daß  gerade  dieses  Werk  in  solcli  üblem  Zustande  auf  uns  gekommen  ist,  und  daß  es, 
falls  man  sich  seiner  Erhaltung  nicht  mehr  annimmt  als  bisher,  nach  und  nach 
einem  vollkommenen   Verfall  entgegengeht. 

Oberhalb  des  Mannes  und  oberhalb  der  Frau  zur  Rechten  bemerken  wir  je 
einen  Engel  mit  vier  Wappenschilden,  die  Agnatenwappen  zeigend.  Das  ab- 
schließende mächtige  Gebälk  ladet  in  der  Mitte  aus,  um  hier  in  einer  Kartusche 
den  Spruch  aus  Johan.  3  „Also  hat  Gott  die  Welt  geliebt  etc."  aufzunehmen.  Dar- 
über waren  in  kräftiger  Reliefplastik  die  drei  Wappen  der  Hauptfiguren  angebracht. 
Der  Unterbau  ist  in  rötlichem,  alles  übrige  in  grauem  Sandstein  gearbeitet,  welch 
letzterer  durch  das  Alter  eine  hübsche  grüne  Patina  erhalten  hat. 


Nr.  13. 

Pfinzingsches  Grabmonument  an  der  Pfarrkirche  zu  Henfenfeld.     1613. 

In  die  Südostecke  der  S.  Nikolauskirche  zu  Henfenfeld  bei  Hersbruck  in 
Mittelfranken  ist  zwischen  dem  Turm  und  dem  gerade  geschlossenen  romanischen 
Chor  über  der  Familiengruft  des  mit  Johann  Sigismund  i.  J.  1764  ausgestorbenen 
Geschlechtes  der  Pfinzing  von  Henfenfeld  ein  von  einer  geschweiften,  letzthin  er- 
neuerten Metallkuppel  ^")  überdachter  Sandsteinbaldachin  eingebaut,  der  eine  Grund- 
fläche von  2,21  m  :  2,56  m  überspannt.  Getragen  wird  er  an  der  freien  Ecke  von 
einer  Säule  mit  geschwelltem  Schaft  und  Kompositkapitäl  (Abb.  10).  Diese  sitzt  auf 
einem  quadratischen  Sockelunterbau  von  0,75  m  Höhe  auf.  Es  korrespondieren  ihr 
ähnlich  behandelte  Halbsäulen  im  Norden  und  Westen  und  ein  Kragstein  in  Form 
eines  jonisierenden  Kapitals  in  der  Nordwestecke.  Darüber  spannt  sich  ein  Rippen- 
gewölbe mit  ringförmigem,  plastisch  gearbeitetem  und  mehrfach  gegliedertem  Schluß- 
stein, den  kleine,  künstlerisch  minder  bedeutende  Engelsköpfchen  in  den  Ecken 
der  Rippenzusammenschlüsse  beleben.  Über  den  Säulen  ruht  ein  in  neuerer  Zeit 
auf  Veranlassung  des  verstorbenen  Obersts  von  Schwarz  durch  den  Steinmetzmeister 
Johann  Göschel  erneuertes  Gebälk  mit  Giebelaufbauten  über  den  Seiten.  Die 
Giebel  steigen  ziemlich  steil  an,  sind  in  der  Spitze  unterbrochen  und  dort  mit  einem 
Postament  ausgesetzt.  Wie  eine  Kupferstichwiedergabe  des  Denkmals  in  einem 
ornamentierten  Rahmen  mit  allegorischem  Beiwerk  von  Georg  Lichtensteger  (1700 
bis  um  1780)  nach  Johann  Justin  Preißler  (1698—1771)^^)  dartut,  trugen  die 
Postamente  ehedem  hohe  Obelisken,  deren  Spitzen  mit  eiförmigen  Knäufen  ver- 
sehen waren.  Hieraus  ergab  sich  im  Verein  mit  der  Helmstange  des  Daches  eine 
stark  ausgeprägte  vertikale  Tendenz,  die  jetzt  minder  kräftig  betont  erscheint.  Im  süd- 
lichen Giebelfeld  bemerken  wir  in  stark  vortretender  Reliefplastik  das  Pfinzingsche 


50)  Die  „Gründliche  Beschreibung  deß  Adelichen  Schlosses  vnd  Vesten  Henffenfeldt" 
vom  Pfarrer  Johann  Georg  Renner  v.  J.  i644  im  Besitz  der  von  Schwarzsehen  Familie,  der 
jetzigen  Inhaberin  des  Schlosses,  bezeichnet  sie  als  eine  „welsche,  mit  bley  bedeckte  Hauben" 
(S.  292  a). 

51)  Stadtbibliothek,  Norica- Kupfer,  Bd.  95,  Abb.  52. 


VON  DR.   FRITZ  TRAUGOTT  SCHULZ. 


135 


Wappen,  begleitet  von  zwei  beschwingten  Engelsköpfchen,  im  östlichen  unter  einer 
Muschel  die  einander  schräg  zugeneigten  Wappen  Pfinzing  (vermehrtes  Wappen) 
und  Beck. 

Diese  beziehen  sich  auf  Martin  111.  Pfinzing  von  H  e  n  f  e  n  f  e  1  d, 
geb.  26.  September  1560,  gest.  9-  Dezember  1619,  welcher  am  29.  Juli  1588  Maria 
ß  ec  k  i  n  heiratete^-). 

In  dem  zwischen  den  Wappen  entstehenden  Winkel  befindet  sich  ein  be- 
schwingtes Engelsköpfchen. 


Abb.  10     Hans  Werner: 
Pfinzingsches  Grabmonument  an  der  Pfarrkirche  zu  Henfenfeld.    1613. 


Die  freie  Ecke  des  Baldachins  ziert  über  einem  Postament  mit  grotesker  Fratze 
als  Wasserspeier  eine  freigearbeitete  Engelsfigur,  welche  zwei  Schilde  in  den  Händen 
hält.  Auf  dem  einen  ist  das  Pfinzingsche  Wappen  (in  starker  Lädierung)  angebracht. 
Das  andere  zeigt  die  Wappen  Löffelholz-Tetzel.  Ersteres  bezieht  sich  auf  Martin  I. 
Pfinzing  von  Henfenfeld,  geb.  1490,  gest.  7.  August  1552,  der  i.  J.  1530  Schloß  und 
Dorf  Henfenfeld  mit  dazu  gehörigen  Gerechtigkeiten  von  den  Herren  von  Egloff- 


52)  Sie  starb  am   17-   Jan.   1616.     Biedermann.  Taf.  CCCCXIV. 


136         HANS  WERNER,  EIN  BEITRAG  Z.  ÜESCH.  D.  PLASTIK  D.  DEUTSCH.  SPÄTRENAISSANCE. 

stein  kaufte  und  am  27.  September  1532  von  Kaiser  Karl  V.  in  Wien  zum  Ritter 
geschlagen  wurde.  Letztere  beziehen  sich  auf  seine  beiden  Gemahlinnen  Anna 
Löffelholzin  von  Colberg,  geb.  12.  April  1498,  vermählt  7.  Februar  1515,  gestorben 
14.  Februar  1543,  und  Barbara  Tetzlin  von  Kirchensittenbach,  vermählt  25.  Okt. 
1543,  gestorben  3.  August  1587^^). 

Auf  dem  Architravbalken  ist  folgende,  ehedem  vergoldete  und  mit  ihm  er- 
neuerte Inschrift  angebracht:  „APOC:  XIV.  BEATI  MORTVI  QVI//IN  DOMINO 
MORIVNTVR  M:  DC:    XIII-" 

Unter  dem  Baldachin  befindet  sich  der  sarkophagähnliche  Eingang  zur 
Gruft,  der  durch  eine  Kalksteinplatte  geschlossen  ist.  Unter  ihr  führt  eine  Treppe 
hinab  in  den  vor  dem  Altar  der  Kirche  befindlichen  Gruftraum ^'').  Der  in  Sand- 
stein ausgeführte  Sarkophag  mißt  bei  einer  Höhe  von  0,43  ni  in  der  Länge  1,905  m 
und  in  der  Tiefe  1,34  m.  Die  Profile  der  oberen  Ausladung  sprechen  für  die  Gleich- 
zeitigkeit mit  dem  Baldachin.  Die  rechte  untere  Ecke  ist  erneuert.  Um  den  Sarko- 
phag zieht  sich  folgende  Inschrift  herum:  „lOH  XI  lESVS  CHRISTVS  NOSTRA 
RESVRRECTIO  ET  VITA". 

Der  plastisch  aufliegende  Deckel  zeigt  unten  eine  Inschrifttafel,  während 
im  oberen  Teil  der  Pfinzingsche  Stammbaum  erhaben  herausgearbeitet  ist.  Von 
der  Inschrift  ist  die  rechte  Hälfte  durch  Abwitterung  zerstört.  Sie  lautete  voll- 
ständig folgendermaßen  5  5): 

D.  0.  M.  S.  A.  D.  M.  D.  C.  XIII. 
IN  HUNC  CONCAVUM  SUBTERRANEUM  DILATATUM  ET  SUB//DIO  CON- 
TI GUUM  CONDITORII  REPLETl  OSSIBUS  GENTIS  PATRITI/E//PFINZINGAE 
AB  HENFEFELD  IN  HOC  SACELLO  LOCUM  INFERENDI  SE//PELIENDIVE, 
IDEM  JUS  ET  FAS  ESTO,  DEFUNCTI,  EX  AGNATIONE  EIUSDEM//NOBI- 
LIS  FAMILIAE  UTRIUSQ  SEXUS,  UTSIMUL  FORUM  CORPORA  PLA//CIDE 
TABESCANT,  DONEC  IN  ULTIMO  DECRFTORIO,  DIE  EA,  REDIVIVA//CUM 
SINGULIS  SUIS  ANIMABUS  CONIUNCTA,  ARCHANGELI  VOCE,  IN//SOR- 
TE  BEATORUM,  REDEMPTORI  SUO,  AD  AETERNA//GAVDIA  RECIPIENDA 
IN   NUBIBUS  OBVIAM//PRODEANT   INCORRUPTA. 

Auch  der  Stammbaum  ist  nicht  mehr  in  allen  Einzelheiten  erkennbar.  Links 
ist  derselbe  mit  10  Schildchen  behängt,  rechts  werden  5  Schildchen  bemerkt.  Die 
Wappendarstellungen  sind  meist  abgewittert.  Erkennbar  sind  auf  der  linken 
Seite  nur  die  Wappen:  Pfinzing-Beck  und  Pfinzing-Harsdorf,  auf  der  rechten  Seite 
oben:  für  sich  allein  das  alte  Wappen  der  Pfinzing:  halber  Adler  oben,  Ring  unten; 
dann  die  Wappen  Pfinzing- Holzschuher.  Die  Bedeutung  der  Wappen  Pfinzing-Beck 
wurde  schon  oben  beim  Baldachin  festgestellt.  Die  Wappen  Pfinzing-Harsdorf 
beziehen  sich  auf  Christoph  Pfinzing  von  Henfenfeld,  geb.  31.  Mai  1566,  gestorben 
13.  März  1629,  und  auf  Susanna  Harsdörferin  von  Artelshofen,  geb.  1579,  vermählt 


53)  Biedermann,  Taf.  CCCCVIII. 

54)  Mündliche  Mitteilung  der  Frau  Oberst  von  Schwarz. 

55)  Nach  der  erwähnten  Beschreibung  des  Schlosses  Henfenfeld  vom  Pfarrer  Johann  Georg 
Renner  v.  J.  i644,  S.  292a,  deren  Text  ich  nach  den  vorhandenen  Resten  verbessert  und  er- 
gänzt habe. 


VON  DR.  FRITZ  TRAUGOTT  SCHULZ.  137 

2.  August  1596,  gestorben  19-  November  1650^**).  Die  Wappen  Pfinzing-Holz- 
schuher  sind  zu  deuten  auf  Karl  Pfinzing  von  Henfenfeld,  Gründlach,  Reutles  und 
Letten,  geb.  14.  September  1578,  gest.  27.  Juni  1629,  der  am  17.  September  1599 
Klara  Holzschuherin  von  Neuenbürg  zur  Frau  nahm,  welche  am  12.  März  1627 
starb  5  7). 

Eine  besondere  Ausbildung  hat  das  Kopfstück  des  Sarkophags  erfahren,  das  in 
grauem  Sandstein  gearbeitet  ist  (Abb.  11).  Über  einem  Inschriftbalken  ruht  nach  links 
hin  ein  wehklagender  Putto,  der  die  Rechte  auf  die  Brust  preßt,  während  die  Linke 
eine  kleine  Relieftafel  mit  einer  Darstellung  der  Auferstehung  Christi  hält.  Zwei 
Muscheln  schließen  rechts  und  links  das  Kopfstück  ab.  Die  rechte  enthält  eine 
Sanduhr,  die  linke  einen  Totenkopf.  Beide  sind  außen  mit  einem  Perlfries  verziert 
und  unten  zu  beschwingten  Engelsköpfchen  ausgearbeitet.  An  der  rechten  das 
Zeichen  des  Meisters  „HW^"  Die  Inschrift  auf  dem  Balken  lautet:  „PAVLVS 
IN-  LAD  CORINTHIOS  x"v:  ET  SICVT-IN  ADAM  0MNES//M0R1VNTVR 
ITA  ET  IN  CHRISTO  OMNES  UIUIFICABVNTVR".    Die  Höhe   dieses   freipla- 


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Abb    11      Hans  Werner: 
Kopfstück  des  Sarkophags  in  Henfenfeld.    1613. 

stischen  Zierstücks  beträgt  0,65  m,  die  Breite  1,30  m.  Es  ist  im  großen  und  ganzen 
gut  erhalten,  was  von  den  ornamentalen  und  figürlichen  Teilen  des  Baldachins  nicht 
gesagt  werden  kann.  Der  Baldachin  steht  Wind  und  Wetter  ausgesetzt  da,  so  daß 
eine  starke  Abwitterung  notwendigerweise  eintreten  mußte,  weshalb  auch  eine  Aus- 
wechselung des  Schaftes  der  freistehenden  Säule  nötig  geworden  ist.  Bemerkt  sei 
noch,  daß  er  mit  einem  rötlichen  Farbton  überzogen  ist,  der  aber,  was  bei  der  ex- 
ponierten Stelle  nicht  zu  verwundern  braucht,  zum  Teil  weggewittert  ist.  Als 
Material  ist  grauer  Sandstein  verwandt. 

Bei  der  Würdigung  des  Ganzen  ist  im  .Auge  zu  behalten,  daß  die  Möglichkeit 
zur  Entwicklung  reicherer  Detailformen  nicht  gegeben  war.  Angesichts  der  ihm 
gewordenen  Aufgabe  war  der  Künstler  vielmehr  genötigt,  ins  Massige  zu  gehen  und 


56)  Biedermann,  Taf.  CCCCXXI. 

57)  Ebendort,  Taf.  CCCCIX. 


138         HANS  WERNER,  EIN   BEITRAG  Z.  GESCH.  D.  PLASTIK  D.  DEUTSCH.  SPÄTRENAISSANCE. 

figürlichen  oder  ornamentalen  Schmuck  in  diskreter  Weise  nur  an  markanten  Stellen 
anzubringen.  So  fehlt  im  allgemeinen  die  für  Hans  Werner  charakteristische  Zierlich- 
keit des  Ornaments.  Vorhanden  ist  sie  eigentlich  nur  an  den  Kapitalen  der  tragen- 
den Säulen,  und  hier  erkennen  wir  sofort  seine  Hand  wieder.  Man  kann  in  Zweifel 
geraten,  ob  das  ganze  Monument  eine  Arbeit  des  Künstlers  ist  oder  ob  nur  Einzel- 
heiten von  ihm  herrühren.  Wir  sind  diese  Form  des  Gesamtausdrucks  von  ihm 
sonst  nicht  gewohnt.  Aber  jeder  Zweifel  muß  bei  einer  Abwägung  der  einzelnen 
Teile  gegeneinander  schwinden.  Zunächst  weisen  die  Kapitale  in  ihrer  sorgfältigen 
präzisen  Durchbildung  auf  Hans  Werner  hin.  Der  strenge  Ornamentiker,  der  er 
sonst  ist,  ist  er  auch  hier.  Weiter  sind  der  Putto  des  Kopfstücks  und  der  wap- 
penschildhaltende Engel  über  der  Ecke  des  Baldachins  einander  nahe  verwandt.  Die 
in  einzelnen  Rollen  gedrehten  Haare  kommen  bei  beiden,  aber  auch  bei  den  Engels- 
köpfchen im  südlichen  Giebelfeld  vor.  Und  dann  trug  auch  (siehe  oben)  der  Sarko- 
phag ehemals  die  Jahreszahl  1613.  Kurzum  alles  verengt  sich  zu  der  bestimmten 
Feststellung,  daß  das  ganze  Monument  eine  Arbeit  Hans  Werners  ist.  Und  da  es 
das  ist,  wird  es  für  die  Charakterisierung  seiner  Künstlerpersönlichkeit  ein  neuer  An- 
haltspunkt, da  bislang  ein  zweites  Denkmal  gleicher  Form  von  seiner  Hand 
nicht  bekannt  geworden  ist.  Es  ist  bezeichnend  für  seine  monumentale  Schöpfer- 
kraft und  seinen  selbständigen  Erfindersinn.  Es  offenbart  seine  hohe  Fähigkeit  in 
der  kompositioneilen  Gestaltung. 

Der  Vollständigkeit  halber  füge  ich  noch  an,  daß  an  der  Westwand  unter  dem 
Baldachin  ein  großes  Tafelbild  mit  einer  Darstellung  Christi  im  Gebet  am  Ölberg 
angebracht  ist,  das  i.  J.  1596  die  sieben  Söhne  des  Martin  Pfinzing  erneuern  ließen 
und  das  i.  J.  1708  eine  nochmalige  Auffrischung  erfuhr,  wobei  es  seinen  ursprüng- 
lichen Charakter  so  gut  wie  ganz  einbüßte.  Es  befand  sich  früher  in  der  Kirche 
„zwischen   der  weiber  fenster   vnd  der  gmein  porthill"^^). 


Nr.  14. 

Marmorreliefs  des  früheren  Taufsteins  in  der  Stadtkirche  zu  Bayreuth.     1615. 

in  den  oberen  achteckigen  Teil  des  in  den  Jahren  1871  und  1872  in  pseudo- 
gotischen Formen  errichteten,  mit  grüner  Ölfarbe  angestrichenen  Taufsteins  sind  acht 
kleine  Marmorreliefs  eingelassen,  die  noch  von  dem  früheren  Taufstein  herstammen. 
Letzterer  trug  folgende  Dedikations- Inschrift:  „Zur  Ehre  Gottes,  des  Fürsten  und 
der  Kirche,  auch  seiner  und  der  Seinen  Gedächtnisz  hat  dieses  Ao.  161 5  machen 
lassen  M.  Math.  Chyträus,  Past.  und  Superint.,  durch  Hans  Werner,  Bildhauer"  ^^). 
Er  trat  an  die  Stelle  des  alten  Taufsteins  v.  J.  1562,  den  man  als  altmodisch  in  der 
neu  hergerichteten  Kirche  nicht  mehr  sehen  zu  können  glaubte.  Er  hatte  acht- 
eckige Grundrißform  und  besaß  „einen  großen  Kessel  in  Vorbildern  der  Beschnei- 
dung, Sündfluth,  rothen  Meer,  Kelter  und  Teich  Bethesda".     Auf  dem  Deckel  be- 


58)  Siehe  die  Beschreibung  des  Schlosses  Henfenfeld  vom  Pfarrer  Johann  Georg  Renner 
V.  J.  1644,  S.  307- 

59)  Zeitschrift  für   Heimat-  und   Volicskunde  „Deutsche   Gaue",   Bd.   VII,   S.   15- 


VON  DR.  FRITZ  TRAUGOTT  SCHULZ.  13Q" 


fanden  sich  die  vier  Kardinaltugenden:  Glaube,  Holfnung,  Liebe  und  Geduld,  so- 
wie auch  die  vom  23.  Mail6l5  datierte  Dedikations-Inschrift.  Unten  herum  waren  die 
vier  Elemente  mit  biblischen  Sprüchen,  am  Fuß  die  Bildnisse  des  Stifters  und  seiner 
beiden  Ehefrauen  zu  sehen '"^).  Dem  sei  noch  angefügt,  daß  sich  nach  freundlicher 
Mitteilung  des  kgl.  Kreisarchivs  Bamberg  in  einem  dort  aufbewahrten  Manuskript 
aus  dem  18.  Jahrhundert  „Extract  aus  denen  Brandenburg.  Geschichts-  und 
Historien-Calendern  v.  J.  1721  bis  1727"  folgende,  diesen  Taufstein  betreffende 
Nachricht  vorfindet:  „Und  damit  das  Gedächtnisz  des  Verfertigers  dieses  Steins 
nicht  vergehen  möge,  lieset  man  folgendes:  Hannsz  Werner,  Bildhauer,  1615". 

Zwar  sind  diese  Reliefs  nicht  von  hoher  künstlerischer  Bedeutung,  doch  müssen 
sie  zur  Vervollständigung  des  Lebenswerkes  unseres  Meisters  hier  in  Betracht  gezogen 
werden.  Sie  haben  eine  Breite  von  25  cm  bei  einer  Höhe  von  30  cm.  Wie  gesagt, 
es  iiandelt  sich  um  bescheidene  Arbeiten,  doch  ist  bei  ihrer  richtigen  Würdigung 
wohl  im  Auge  zu  behalten,  daß  sie  aus  ihrem  ursprünglichen  Zusammenhang  heraus- 
gelöst und  in  einen  anderen  Körper  eingegliedert  sind,  dessen  Formen  bei  frag- 
würdiger Echtheit  den  Geist  einer  ganz  anderen  Stilepoche  atmen.  Verständlich 
sind  sie  eigentlich  nur  im  Konnex  mit  dem  früheren  Taufstein,  für  den  sie  gewiß  eine 
zweck-  und  stilentsprechende  Belebung  bezeichneten,  in  dessen  Gesamtrahmen  sie 
eine  ganz  andere  Wirkung  besaßen  als  heute.  Faßt  man  sie  so  auf,  so  wird  man 
damit  den  rechten  Maßstab  für  die  Beurteilung  der  Fähigkeiten  ihres  Verfertigers 
gewinnen,  der  doch  kein  schlechter  Meister  war! 

Kommen  wir  nun  zu  den  Reliefs  selbst,  so  finden  sich  in  ihnen  folgende 
Themata  behandelt: 

1.  Die  S  ü  n  d  f  1  u  t.  In  wenig  natürlicher  Weise  fluten  die  breit  gezeich- 
neten Wogen,  die  nach  dem  Hintergrund  zu  die  plumpgeformte  Arche  tragen.  Eine 
Frau  umklammert  vorn  rechts  eine  aus  dem  Wasser  herausragende  Felszinke.  Dar- 
über auf  einem  Felsvorsprung  ein  kniender  Mann.  Ganz  oben  in  der  Ecke,  eine 
Felsspitze  umfasssend,  eine  Jungfrau.  Vorn  im  Wasser  sind  die  Köpfe  Ertrinkender 
sichtbar.  Unmittelbar  vor  der  Arche  kämpft  sich  ein  Pferd,  einen  Jüngling  tragend, 
durch  die  Wellen.  Die  Behandlungsweise  dieses  Reliefs  ist  eine  sehr  schematische. 
Namentlich  gilt  dies  von  der  Zeichnung  des  Wassers  und  der  Felsen.  Einige  der 
kleinen   Köpfchen   erfreuen   durch  gute   Charakterisierung. 

2.  Der  Durchgang  durchs  rote  Meer.  Vorn  links  mit  wehen- 
dem Mantel  und  in  bewegter  Haltung  Moses,  den  Stab  in  der  erhobenen  Rechten. 
Rechts  neben  ihm  zwei  Frauen,  staunend  die  Hand  an  die  Brust  gelegt.  Aus  dem 
Hintergrund  schauen  die  bärtigen  Köpfe  seiner  übrigen  Begleiter  hervor.  Un- 
mittelbar neben  der  vorderen  Frau  türmen  sich  die  Wogen  hoch  empor,  um  Pharao 
samt  Roß  und  Reitern  zu  verschlingen.  Die  Komposition  darf  als  eine  leidlich 
gute  bezeichnet  werden.  Eine  frische  Bewegung  durchzieht  die  Darstellung. 
Gelungen  im  Ausdruck  ist  namentlich  die  kleine  Figur  des  nach  links  schreitenden 
Moses. 


60)  Nach  Friedr.  H.  H  o  f  m  a  n  n,  Die  Stadtkirche  in  Bayreuth,  Archiv  für  Geschichte 
und  Altertumskunde  von  Oberfranken,  XXI.  Bd.,  3.  Heft.  S.  81—82,  85,  95.  97  u.  114;  siehe 
auch  des  gleichen  Verfassers  Arbeit  „Bayreuth  und  seine  Kunstdenkmale",  München  1902,  S.  19. 


140        HANS  WERNER,  EIN  BEITRAG  Z.  GESCH.  D.  PLASTIK  D.  DEUTSCH.  SPÄTRENAISSANCE. 

3.  Die  B  e  s  c  h  n  e  i  d  u  n  g.  Das  dritte  Relief  bringt  uns  in  sehr  realisti- 
scher Auffassung  eine  Darstellung  der  Beschneidung  (Abb.  12).  Vorn  links  sitzt  mit 
wallendem  Bart  der  Hohepriester,  den  kleinen  Jesusknaben  vor  sich  auf  den  Knien 
haltend.  Vor  ihm  kniet  der  Rabbiner,  die  rituelle  Handlung  vornehmend.  Scheinbar 
widerstrebt  der  Knabe  dem,  was  man  an  ihm  vorzunehmen  beabsichtigt.  Hinter 
dieser  Gruppe  steht  die  jugendliche  Maria,  die  Hände  ergebungsvoll  über  der  Brust 
gekreuzt,  neben  ihr  Joseph.  Auch  Joachim  und  Anna  sowie  ein  weiteres  Ehepaar 
wohnen  dem  Vorgang  bei,  den  nach  hinten  zwei  rundbogige  Nischen  mit  darüber 
befindlichem  Kreisfenster  abschließen.  Bei  diesem  Relief  ist  die  geschlossene  Ein- 
heit der  Komposition  und  die  weiche  Behandlung  der  Gewandungen  des  Hohe- 
priesters  und  des  Rabbiners  hervorzuheben.  Trotz  des  kleinen  Maßstabes  ist  den 
Antlitzen  meist  eine  sehr  individuelle  Durchbildung  zuteil  geworden. 


Abb.  12.     Hans  Werner: 
Relief  vom  früheren  Taufstein  in  der  Stadtkirche  zu  Bayreuth.     1615. 


4.  Christus  als  Kinderfreund.  Nun  folgt  eine  Illustration  des 
Spruches:  „Lasset  die  Kindlein  zu  mir  kommen!"  Vorn  in  der  Mitte  sitzt  Christus, 
ein  Kind  auf  dem  Arm,  ein  zweites  von  links  her  kommendes  segnend.  Von  rechts 
und  links  bringen  Frauen  weitere  Kinder  herbei.  Vorn  rechts  spielen  zwei  Knaben 
zu  den  Füßen  des  Herrn.  Hinter  ihm  sind  vier  weitere  Figuren  sichtbar,  von  denen 
ein  bärtiger  Mann  mit  dem  Finger  nach  rückwärts  weist.  Als  Abschluß  des  Ganzen 
dient  eine  Stoffdraperie.  Von  besonders  großer  Sorgfalt  zeugt  dieses  Relief  nicht, 
doch  kann  ihm  eine  lebendige  Gruppierung  in  der  Szenerie  nicht  abgesprochen  werden. 


VON  DR.   FRITZ  TRAUGOTT  SCHULZ. 


141 


Was  von  dem  Durchgang  durchs  rote  Meer  gesagt  wurde,  gilt  auch  von  dieser  Tafel. 
Ein  frischer  Zug  durchweht  die  Darstellung. 

5.  Heilung  des  achtunddreißigjährigen  Kranken.  Der  Vorgang  spielt 
in  einer  felsigen  Landschaft,  die  in  flotter  Aphoristik  angedeutet  ist  (Abb.  13).  Die 
Cäsur  der  Darstellung  bildet  die  hoch  aufgerichtete  schlanke  Figur  des  Herrn,  der 
dem  vorn  links  über  Felsblöcken  sitzenden  Kranken  die  Hand^^)  auflegt.  Die 
Berührung  führt  die  wunderbare  Heilung  unmittelbar  herbei.  Wir  erkennen  dies 
daran,  daß  der  Geheilte  das  Haupt  emporrichtet  und  die  Rechte  ergebungsvoll 
auf  die  Brust  legt.  Die  Jünger,  von  denen  vier  sichtbar  in  die  Erscheinung  treten, 
wohnen  im  Hintergrund  links  dem  Vorgang  bei.  Unter  den  acht  Darstellungen, 
von  denen  hier  die  Rede  ist,  steht  dieses  Relief  entschieden  obenan.  Die  Figur  des 
Herrn  ist  durch  eine  vornehme  Auffassung  ausgezeichnet. 


Abb.  13.     Hans  Werner: 
Relief  vom  früheren  Taufstein  in  der  Stadtkirclie  zu  Bayreuth.    1615. 


6.  Christus  in  der  Kelter.  Das  sechste  Relief  bringt  eine  in  pro- 
testantischen Kirchen  nicht  häufig  begegnende  Darstellung:  Christus,  das  Kreuz 
tragend,  in  der  Kelter.  Das  Mühsame  der  Arbeit,  der  sich  der  Erlöser  in  symbo- 
lischer Bedeutung  unterzieht,  ist  in  Miene  und  Bewegungen  sinnvoll  zum  Aus- 
druck gebracht.  Der  gewonnene  Saft  strömt  vorn  in  ein  untergestelltes  Gefäß  von 
kelchartiger  Form.    Links  seitlich  der  Kelter  sind  Weinstöcke  mit  daran  hängenden 


61)  Diese  ist  samt  dem  Unterarm  abgebrochen. 


142         HANS  WERNER,  EIN  BEITRAG  Z.  GESCH.  D.  PLASTIK  D.  DEUTSCH.  SPÄTRENAISSANCE. 

Trauben  sichtbar.    An  Fleiß  der  Durchfülirung  steht  dieses  Relief  dem  vorigen  nicht 
nach.    Sein  eigentlicher  Wert  aber  ist  in  der  Darstellung  zu  suchen® 2). 

7.  Die  Auferstehung.  Das  Relief  der  Auferstehung  ähnelt  in  etwa 
dem  an  dem  Grabmal  in  der  Kirche  zu  Pommersfelden,  ohne  allerdings  dessen  stür- 
mische Bewegtheit  ganz  zu  erreichen.  Die  Wächter  sind  zu  je  zweien  zu  den  Seiten 
des  mitten  in  das  Bild  hinein  gestellten  Sarkophags  verteilt.  Zwei  von  ihnen  schlafen, 
während  die  beiden  anderen  in  größter  Erregtheit  aufwachen.  Namentlich  gilt 
dies  von  dem  Krieger  vorn  links,  der  gerade  zu  Speer  und  Schild  gegriffen  hat.  Von 
den  Füßen  des  Auferstandenen  entwickeln  sich  in  diagonaler  Richtung  aufwärts 
strebende  Wolken.  Kühn  flattert  der  Mantel  nach  rückwärts.  Der  rechte  Arm  ist 
mit  mahnendem  Zeigefinger  erhoben,  während  die  Linke  die  Kreuzfahne  hält.  Das 
stürmische  Temperament  des  Meisters  hatte  gerade  hier  Gelegenheit  zu  freier  Ent- 
faltung, und  er  hat  sie  nicht  unbenutzt  vorübergehen  lassen. 

8.  Darstellung  einer  Taufe.  Das  achte  Relief  endlich  bringt 
uns  die  Darstellung  einer  wirklichen  Taufe,  wie  sie  dem  damaligen  protestantischen 
Ritus  entsprach.  In  technischer  Beziehung  ist  auf  diese  Tafel  große  Sorgfalt 
verwandt.  Ihr  Wert  aber  liegt  in  erster  Linie  auf  kulturgeschichtlichem  Gebiet. 
Die  Mitte  des  Bildes  nimmt  der  achteckige  Taufstein  ein,  über  welchem  von  links 
her  der  Geistliche  das  nackte  Kind  hält*^^),  und  zwar  hat  er  es  mit  der  Linken  unter 
dem  Leib  gefaßt,  so  daß  es  mit  dem  Gesicht  nach  unten  gerichtet  war.  Hinter  dem 
Taufstein  steht  der  Pate,  bereit,  das  Kind  entgegenzunehmen.  Neben  ihm  rechts 
eine  Frau  und  im  Hintergrunde  fünf  weitere  Personen.  Im  Vordergrund  rechts  ist 
die  Hebamme  damit  beschäftigt,  das  Zeug  für  den  Täufling  zurecht  zu  legen.  Die 
Antlitze  sind  durchweg  mit  großer  Schärfe  behandelt.  Es  fehlt  nicht  an  prägnanter 
Charakteristik.  Die  Halskrausen  sind  mit  Peinlichkeit  durchgeführt.  Die  Figur 
des  Geistlichen  läßt  einen  besonderen  Fleiß  in  der  Durchbildung  erkennen.  Viel- 
leicht sollte  in  ihr  der   Stifter  selbst  dargestellt  sein. 

Als  Material  für  die  Reliefs  ist  ein  weißlich-gelber  Marmor  verwandt,  der 
von  grau-blauen  Adern  durchzogen  ist. 


Nr.  15. 

Grabmonument  des  Wilhelm  von  Sireitberg  und  seiner  Gemahlin  Anna 
in  der  Pfarrkirche  zu  Ahorn  b.  Coburg.     1616. 

Nachdem  dieses  Grabmal  durch  Lehfeldt  im  Thüringischen  Inventar®*)  bereits 
in  eingehender  Art  beschrieben  worden  ist,  kann  ich  mich  hier  auf  seine  künstlerische 
Würdigung  beschränken  (Taf.  XXXI I).  Es  ist  in  der  Haupsache  in  feinkörnigem  Zeiler 
Sandstein  gearbeitet.  Der  Kruzifixus  und  die  Figur  des  Auferstandenen  sind  in 
weißem   Marmor  ausgeführt,  die   Inschrifttafeln  zum  Teil  in  schwarzem  Schiefer. 


62)  Abgebildet  bei  Friedr.  H.   H  of  m  a  n  n,  Bayreuth  und  seine  Kunstdenkmale,  München 
1902,   S.   19- 

63)  Der  rechte   Unterarm  des  Geistlichen  und  der   Kopf  des   Kindes  fehlen. 

64)  Bau-  und  Kunstdenkmäler  Thüringens,    Heft  XXXII,    S.  389—392.     Mit  Abbildung 
des  Mittelstückes  und  des  Aufsatzes  (schlecht). 


Mitteilungen  aus  dem  German.  Nationalmuseuni  1009. 


Taf.  XXXII. 


L.    K- e.^c.i  ,■'-    Nbg 


Hans  Werner: 

Grabmonumenl  des  Wilhelm  von  Streitberg  und  seiner  Gemahlin  Anna 

in  der  Pfarrkirche  zu  Ahorn  b.  Coburg.     1616. 


VON  DR.  FRITZ  TRAUGOTT  SCHULZ.  143 


Die  Kosten  für  die  Herstellung  werden  in  der  handschriftlichen  Pfarrchronik  auf 
1500  fränkische  Gulden  angegeben.  Auffällig  ist  der  dort  begegnende  Zusatz  „Hans 
Werner  von  Macheraet  (nicht  Macheradt!)  aus  Nürnberg",  für  den  ich  eine 
befriedigende  Erklärung  nicht  beizubringen  vermag.  Möglicherweise  ist  Macheraet 
nur  nach  dem  Gehör  geschrieben  und  etwa  für  Mechenried  im  Amtsgericht  Haßfurt 
oder  Wachenroth  im  Amtsgericht  Höchstadt  a.  d.  Aisch  falsch  verstanden.  Siehe  im 
übrigen  S.  6. 

Das  Grabdenkmal  ist  eines  der  größten  und  prunkvollsten,  die  der  Künstler 
geschaffen.  Schon  das  läßt  es  erklärlich  erscheinen,  daß  er  sich  mehr  als  seither 
der  Beihilfe  seines  Schwiegersohnes  Veit  Dümpel  aus  Altenstein  (bei  Seßlach)  be- 
dientet^). Aber  dessen  Anteil  kann  kein  geringer  gewesen  sein.  Er  muß  sich  auch 
auf  die  künstlerische  Durchführung  des  Grabdenkmals  ausgedehnt  haben, 
sonst  würde  ihm  kaum  gestattet  worden  sein,  seinen  Namen  neben  dem  des  Hans 
Werner,  der  für  gewöhnlich  allein  zeichnet,  anzubringen.  An  der  linken  Volute 
des  Mittelteils  ist  nämlich  folgende  Inschrift  eingemeißelt:  „ARTIFICES  lOHANNES 
WERNER  NORICUS  ET  VITUS  DVMPEL  ALTENST:  F."  Jedoch  dürfte  es 
ein  schwieriges  Unternehmen  sein,  wollte  man  den  Anteil  beider  scharf  gegenein- 
ander abgrenzen.  Die  Idee  kann  doch  wohl  nur  von  einem  von  ihnen  stammen. 
Und  da  das  Denkmal  ganz  den  Geist  Hans  Werners  atmet,  so  wird  der  Entwurf 
auch  von  ihm  herrühren.  Aber  von  dem  Entwurf  bis  zur  Ausführung  ist  noch  ein 
weiter  Weg.  Er  pflegt  unter  der  Arbeit  in  vielen  Dingen  oft  eine  andere  Gestalt 
anzunehmen.  Und  gerade  hier  mag  die  Tätigkeit  Veit  Dümpels  eingesetzt  haben, 
der  in  der  Verfolgung  der  allgemeinen  Richtlinien  doch  manches  Eigene,  Selbständige 
hineinbrachte.  Wo  wir  darum  Zügen  begegnen,  die  nicht  direkt  für  Hans  Werner 
sprechen,  werden  wir  getrost  Veit  Dümpel  als  den  nach  eigener  Idee  ausführenden 
Teil  betrachten  können.  Ich  denke  hier  z.  B.  an  die  seitlichen  Gruppen  der  Maria 
mit  dem  Kinde  und  der  Elisabeth  mit  dem  jugendlichen  Johannes,  an  die  bei  Hans 
Werner  in  dieser  Art  sonst  nicht  begegnenden  Fratzen  an  den  Postamenten  unter 
diesen,  an  die  den  Hintergrundvorhang  zu  den  Seiten  der  Mittelnische  haltenden 
Engel,  an  die  Engelsfiguren  an  den  Ecken  des  Unterbaues,  der  leider  durch  ein  hohes, 
ursprünglich  nicht  hierhergehöriges  Gitter  den  Blicken  teilweise  entzogen  wird,  an 
den  marmornen  Kruzifixus,  an  die  Auf  ersteh  ungsgruppe,  an  die  Fratzen  an  den  Pi- 
lastern  zu  den  Seiten  des  Auferstandenen,  an  die  beiden  Putten  über  den  Inschrift- 
kränzen zu  den  Seiten  des  Aufsatzes  nnd  endlich  an  die  das  Ganze  bekrönende  Figur 
der  Liebe  mit  den  Kindern. 


65)  Dieser  fertigte  auch  i.  J.  1628  die  Statue  des  Herzogs  Johann  Kasimir  an  der  Ecke 
des  Gymnasiums  zu  Coburg,  und  zwar  anstelle  einer  solchen  von  Nicolaus  Bergner.  Ebendort, 
S.  260—261,  mit  Abb.  auf  S.  259.  Auch  am  Nürnberger  Rathausneubau  war  er  tätig.  1622  er- 
hielt er  für  die  Befestigung  von  Wage,  Schwert  und  Spiegel  an  den  Portalfiguren  der  Justitia  und 
Prudentia,  sowie  für  Ergänzungen,  die  er  an  den  Figuren  über  den  Portalen  vorzunehmen  hatte, 
10  Gulden.  Vgl.  Mummenhoff,  Das  Rathaus  in  Nürnberg,  S.  136.  Das  sog.  „Thürgericht", 
ein  Holzportal,  das  heute  seine  Stelle  im  Standesamtssaal  hat,  ist  eine  gemeinsame  Arbeit  von 
ihm  und  dem  Schreinermeister  Hans  Heinrich  Abbeck.  Es  war  ihnen  um  300  fl.,  3  fl-  Trink- 
geld und  einen  Thaler  für  das  Firnissen  angedingt  worden.  Siehe  M  u  m  m  e  n  h  o  f  f  a.  a.  O. 
S.  147  f.  mit  Abb.  auf  S.  146. 


144        HANS  WERNER,  EIN  BEITRAG  Z.  GESCH.  D.  PLASTIK  D.  DEUTSCH.  SPÄTRENAISSANCE. 

So  bleibt  denn  noch  genug  übrig,  was  uns  berechtigt,  dieses  Grabdenkmal 
dem  Werk  Hans  Werners  einzugliedern.  Ihm  fallen  zunächst  die  beiden  Haupt- 
figuren zu.  Er  hat  sie  in  voller  Lebensgröße  dargestellt.  Beide  sind  wohl  pro- 
portioniert und  wirken  darum  im  Verein  mit  dem  Kostüm  der  Zeit  etwas  massig 
und  schwerfällig.  Vortrefflich  aber  ist  die  Individualisierung  des  Gesichtsausdrucks. 
Der  Mann  erscheint  von  gutmütigem  Wesen,  die  Frau  treuherzig  und  geistig  hoch- 
stehend. Künstlerisch  schwächer  sind  die  Söhne.  Es  ist  ihm  nicht  gelungen,  hier 
das  traditionelle  Schematisieren  der  Antlitze  ganz  zu  unterdrücken.  Weit  besser 
geraten  ist  die  Tochter,  deren  Antlitz  dem  der  Muttei  nachgebildet  ist,  doch  ohne  daß 
die  Ähnlichkeit  direkt  forciert  erscheint.  Die  Einzelheiten  der  Gewandung  verraten 
die  dem  Künstler  eigene  Sorgfalt,  die  sich  selbst  auf  die  Spitzen  an  der  Haube  und 
dem  Halssaum  der  Frau  erstreckt.  Auch  der  Harnisch  des  Mannes  ist  peinlichst 
durchgeführt.  Es  fehlt  keine  Schnalle  und  kein  Scharnier  da,  wo  man  sie  erwartet. 

Diese  peinliche,  fast  ängstliche  Sorgfalt  dehnt  sich  auch  aus  auf  die  grandios 
komponierte  Rückwand.  Wir  sind  es  vom  Künstler  gewohnt,  daß  er  seine  Werke 
in  klarer  Weise  gliedert.  Auch  hier  ist  dies  der  Fall,  indem  er  im  Dreiklang  nach 
oben  strebt.  Energisch  sind  die  Doppelsäulen  vorgestellt  und  über  ihnen  die  oval 
gestellten  Inschrifttafeln  mit  den  musizierenden  Engeln  aufgebaut.  Aber  ebenso 
energisch  schießt  zwischen  ihnen  die  breitere  Mitte  durch,  die  oben  mit  den  Wappen 
des  Ehepaares  nochmals  heraustritt,  um  dann  harmonisch  zu  enden.  Das  Kom- 
positionstalent Hans  Werners  offenbart  sich  also  auch  hier  in  glänzender  Art.  Wir 
müssen  es  bewundern. 

Aber  nicht  minder  bewundern  müssen  wir  die  reiche  Einzelgliederung,  die 
der  Künstler  innerhalb  dieser  Hauptlinien  unternommen.  Das  Auge  findet  keine 
Ruhe,  aber  es  ermüdet  nicht,  wird  es  doch  immer  wieder  durch  den  straffen  Zu- 
sammenhalt in  der  Komposition,  durch  das  Machtvolle  des  Aufbaues  auf  das  Wesent- 
liche des  Ganzen  hingelenkt.  Mit  gewohnter  Schärfe  sind  die  Kompositkapitäle  der 
Säulen,  die  zahlreichen  Wappen  mit  ihren  Helmzierden  und  heraldischen  Laubwerken, 
die  plastischen  Ornamentationen  an  den  Sockeln  der  Säulen,  die  Glieder  des  Gebälks, 
die  Blätter  an  den  Inschriftkränzen,  die  Muschel  über  dem  Mittelteil,  die  oben  über 
der  Auf  ersteh  ungsgruppe  heraustretenden  Wappen  herausgemeißelt  und  geschnitten. 
Hinzu  kommen  die  vielen  kleinen  Figürchen,  die  das  Ganze  außerordentlich  wohl- 
tuend beleben. 

Das  Grabdenkmal  ist  eines  der  besten  und  reifsten  des  Meisters.  Aber  das 
nicht  allein.  Es  gehört  auch  zu  den  hervorragendsten  Schöpfungen,  welche  die 
deutsche  Grabmalkunst  zu  Beginn  des  17.  Jahrhunderts  hervorgebracht.  Die  Kunst- 
geschichte wird  an  ihm  in  Zukunft  nicht  mehr  achtlos  vorübergehen  können,  ebenso 
wie  sie  auch  seinen  Schöpfer  wird  berücksichtigen  müssen! 


-oOo- 


DAS  DENKMAL  FÜR  DEN  KOSMOORAPHEN 
MARTIN  BEHAIM   IN   GESTALT   EINES  CHORLEÜCHTERS 

VOM  JAHRE  1519. 

Von  Dr.  FRiTZ  WITTE. 

F.  G.  R  a  V  e  n  s  t  e  i  n  veröffentlichte  vor  Jahresfrist  ein  prächtiges  Werk 
über  den  Kosniographen  und  Seefahrer  Martni  Behaiin  *).  Am  Schluß  der  Biographie 
(S.  52)  behandelt  er  in  einem  kurzen  Kapitel  auch  die  in  Nürnberg  einstmals  vor- 
handenen Erinnerungszeichen  an  den  großen  Sohn  der  Stadt  und  kommt  bei  dieser 
Gelegenheit  auf  einen  Kronleuchter  zu  sprechen,  den  der  Sohn  des  Verstorbenen  in 
die  St.  Katharinenkir^he  stiftete  zum  Andenken  an  seinen  Vater.  Der  Kronleuchter 
hing  mitten  im  Chore  in  der  Nähe  der  Wappentafel  des  Verstorbenen,  welche 
ganz  im  Schema  der  hundert  anderen  Tafeln  die  Inschrift  trug :  „1 507,  Pfintztag  nach 
Jacobi  (29.  Juli)  starb  der  gestreng  und  vest  her  Martin  Beheim,  Ritter  im  Kynck- 
reich  zu  Portugal,  dem  gott  gnedig  sey."  Von  dem  Leuchter  berichtet  Ravenstein 
„It  has  been  stated  that  they  had  been  removed  to  the  Germanic  Museum,  but  I 
failed  to  discover  them  there".  Der  Verfasser  hat  nicht  genau  zugesehen,  sonst 
hätte  er  den  von  ihm  ziemlich  genau  beschriebenen  Leuchter  finden  müssen,  denn 
er  hängt  dort,  wohin  er  gehört,  in  der  kleinen  Kapelle  neben  der  Kirche.  Da  er  das 
Erinnerungszeichen  an  einen  großen  Mann,  den  Konstrukteur  des  ersten  Globus, 
und  zugleich  auch  kunsthistorisch  von  Wert  ist,  wollen  wir  ihm  hier  eine  Besprechung 
zuteil  werden  lassen. 

Das  ist  auf  den  ersten  Blick  ersichtlich,  daß  wir  nicht  mehr  den  ganzen  Leuchter 
intakt  vor  uns  haben,  manch  wichtiges  Stück  ist  im  Laufe  der  Jahrhunderte  zweifel- 
los verloren  gegangen.  Er  besteht  aus  zwei  sechseckigen,  in  einen  Rahmen  gefaßten 
Holzplatten,  die  auf  der  unteren  Seite  bemalt  sind  und  am  Rande  eine  Inschrift  in 
schwarzen  gotischen  Minuskeln  auf  weißem  Grunde  haben.  Die  obere  Platte  schmückt 
einen  aufgesetzten  in  Metall  getriebenen  Kamm,  die  untere  hat  schlichte,  rotpoly- 
chromierte  Kehlleisten.  Die  beiden  Platten  sind  durch  eine  starke  Eisenstange  ver- 
bunden, die  in  ihrer  nüchternen  Kahlheit  sofort  verrät,  daß  sie  ursprünglich  eine 
Umhüllung,  wahrscheinlich  eine  in  Holz  geschnittene  Doppelmadonna  mit  Strahlen- 
kranz gehabt  hat.  Außerdem  gingen  von  der  oberen  Platte  von  kleinen  Eisenhaken, 
die  heute  noch  in  regelmäßigen  Abständen  im  Rande  stecken,  Kettengehänge  nach 
unten,  zu  den  über  Eck  gestellten  quadratischen  Lichtertellern  über.  Die  Malereien 
auf  den  beiden  Holzplatten  aber  sind,  weil  gut  geschützt,  vorzüglich  erhalten.  Auf 
der  unteren  Platte  stehen,  zwei  Wappenschilder  nebeneinander,  die  als  Alliance- 
wappen  von  einer  Frauengestalt  gehalten  werden:    links   (oder   heraldisch    rechts) 

1)   E.  G.  Ravenstein,  Martin  Behaim,  his  life  and  his  globe.     London  1908. 
Mitteilungen  aus  dem  German.  Nationalmuseum.     1909.  \Q 


146       D.  DENKMALF.  D.  KOSMOGRAPHEN  MARTIN  BEHAIM  IN  GESTALT  EINES  CHORLEUCHTERS  V.  J.  1519. 


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VON   FRITZ  WITTE.  147 


das  Wappen  Behaims  mit  dem  seiner  Mutter  (Agnes,  geb.  Schopper),  seiner  Groß- 
mutter väterlicherseits  (Elisabeth  Hirschvogel;  hiervon  auch  die  Helmzier  genommen) 
und  seiner  Großmutter  von  mütterlicher  Seite  (Ursula  Muffel),  rechts  (oder  heraldisch 
links)  die  entsprechenden  vier  Wappen  seiner  Frau  aus  dem  Geschlechte  der  Macedo 
von  den  Azoreninseln.  Behaim  hatte  nämlich  nach  seiner  Übersiedelung  zu  den  Azoren, 
wo  er  einer  flämischen  Bruderschaft  angehörte,  die  Tochter  des  Statthalters,  Johanna 
de  Macedo,  geheiratet.  Oberhalb  der  Wappenschilde  liegt  ein  Spruchband  mit  der 
Aufschrift:  „Desiderio  te  desideravi"  (nicht,  wie  Ravenstein  schreibt,  desiderans  de- 
sideravi  ore!).  Wappen  mit  Helmdecke  und  Helmzier,  wie  vor  allem  die  Wappen- 
halterin,  sind  vortrefflich  in  den  Raum  hineinkomponiert  und  stehen  auch  farbig  auf 
dem  blaugrauen  Grunde  äußerst  gut.  Der  etwa  10  cm  breite  Rand  führt  die  (teilweise 
verstümmelte)  Inschrift:  „Serenissimi  Portugalie  Regis  Martinus  Beheimus  miles.  ?  . 
(nicht  „auratus",  wie  bei  Ravenstein)  affricanos  mauros  fortiter  ....  debellavit 
et  ultra  finem  orbis  terre  ..."  ich  möchte  weiter  lesen  „uxorem  duxit",  nicht 
mit  Ravenstein  in  „neuem"  Latein:  uxoravit.  Die  Inschrift  erinnert  an  die  Fahrt  des 
Martin  Behaim  an  der  Westküste  Afrikas  entlang,  die  er  von  Portugal  aus  machte, 
die  ihn  fast  bis  an  das  Kap  der  guten  Hoffnung  führte  und  ihm  nach  seiner  Rück- 
kehr den  Titel  eines  Ritters  vom  Christusorden  eintrug. 

Die  obere  Platte  zeigt  wiederum  die  gleiche  Zusammenstellung  der  Wappen, 
nur  in  starker  Verkleinerung.  Daneben  knieen  Martin  Behaim  in  goldener  Rüstung 
und  Waffenrock,  mit  langwallenden  Haaren  und  seine  Frau,  die  Johanna  von  Ma- 
cedo, in  reichem  Brokatgew^and  und  Haube.  Über  dem  Wappen  in  stilisierten  Wolken 
die  Madonna  mit  dem  Christuskinde,  das  der  heil.  Katharina  den  Ring  ansteckt  und 
St.  Barbara  mit  dem  Kelch.  Auf  einem  Spruchband  zwischen  den  beiden  Ehegatten 
liest  man  die  Worte:  „In  memoriam  eius".  Um  den  metallbeschlagenen  Rand  steht 
die  Inschrift:  „ioanna  capitanei  portugalie  regni  filia  insularum  azorum  Catheridum 
(fälschlich  für  Cassiterides  =  Azoren)  domini  flandrie  nove.  uxor  domini  martini 
Bohemi  militis  felix  memoria". 

Ob  die  heute  an  der  unteren  Platte  angebrachten  quadratischen  Lichterschalen 
die  ursprünglichen  sind,  wage  ich  nicht  zu  entscheiden;  ich  möchte  aber  glauben, 
daß  sie  ursprünglich  kräftiger  gebildet  und,  wie  bereits  gesagt,  durch  Kettengehänge 
mit  der  oberen  Platte  verbunden  waren. 

Jedenfalls  war  es  kein  übler  Gedanke,  dem  großen  Toten  ein  solches  Denkmal 
in  der  Kirche  zu  stiften,  nachdem  es  sich  als  unmöglich  erwiesen  hatte,  seine  Leiche 
selbst  nach  Nürnberg  zu  überführen. 


•  ono- 


10* 


HANS  BOLSTERERS  MEDAILLE  AUF  PANKRAZ 
BIDERMANN  (1552). 

Von  THEODOR  HAMPE. 

Der  vorstehend  in  Originalgröße  abgebildete  alte  Bleiabguß  einer  Medaille  auf 
Pankraz  Bidermann  gehört  den  älteste  Beständen  der  Medaillensammlung  des 
Germanischen  Museums  an.  Offenbar  ein  Original  der  betreffenden  Medaille,  wohl 
in  Silber,  findet  sich  auch  bereits  bei  Imhof  (Sammlung  eines  nürnbergischen  Münz- 
Cabinets  I.  Teil,  2.  Abt.  S.  698  unter  Nr.  9),  wie  folgt,  beschrieben: 

„Eine  einseitige  Medaille,  von  Goldschmiedsarbeit,  zwölfter  Größe,  auf  Pancraz 
Bidermann,  ohne  Jahrzahl. 

Die  Vorderseite  zeigt  das  linksgekehrte  Brustbild  Pancraz  Bidermanns  im 
Profil,  in  alter  Kleidung  nach  damaliger  Art,  mit  kurz  geschnittenenen  Haaren, 
langem  Spitzbarte,  und  einem  Barett  auf  dem  Haupte.  Die  oben  rechter  Hand 
anfangende  Umschrift  heißt: 

PANCRATS  BIDERMANN  IM  ALTER  LH  @ 

Zu  äußerst  ist  ringsherum  ein  von  Blättern  zusammengesetzter  Zirkel. 

Die  Rückseite  ist  ganz  leer." 

Eine  wichtige  Tatsache  bleibt  indessen  bei  Imhof  unerwähnt,  sei  es,  daß  sie 
übersehen  wurde  oder  aber,  was  wahrscheinlicher  ist,  daß  die  Beschreibung  des  ihm 
vorliegenden  Exemplars  dieser  seltenen  und  meines  Wissens  bisher  nicht  publizierten 
Medaille  sich  mit  obigen  Angaben  in  der  Tat  erschöpfte.  Unser  gleichfalls  einseitiger 
Bleiabguß  wenigstens  ist  am  Armabschnitt  sowohl  bezeichnet  als  auch  datiert.  Er 
trägt  daselbst  vertieft  und  zwar  mitgegossen,  nicht  nachträglich  eingraviert  als 
Signierung  des  Medailleurs  HB  diese  Buchstaben  und  dazwischen  das  bekannte 
hausmarkenähnliche   Zeichen   genau  so,  wie    Erman  *)  solches    auf  den  signierten 


1)  Adolf   Erman,    Deutsche  Med.ailleure    des   16.   und    17-   Jahrhunderts  (1884)   Seite  49- 


VON  THEODOR  HAMPE,  149 


Medaillen  gesehen,  nicht  wie  Julius  Cahn  ^)  es  auf  anderen  Stücken  des  gleichen 
Meisters  gefunden  hat.  Indessen  sind  von  dem  Zeichen  nur  die  oberen  zwei  Drittel 
deutlich  zu  erkennen.  Durch  zwei  senkrechte  Parallelstriche  von  dieser  Signierung 
getrennt  folgt  dann  noch  die  Datierung:  „At  1552." 

Ich  habe  über  den  Medailleur  HB,  in  dem  die  Forschung  der  letzten  Jahre  mit 
immer  größerer  Sicherheit  den  Nürnberger  Bildschnitzer  Hans  Bolsterer  er- 
kannt hat,  im  IV.  Bande  des  von  Ulrich  Thieme  und  Felix  Becker  redigier- 
ten Allgemeinen  Lexikons  der  bildenden  Künstler,  der  ziemlich  gleichzeitig  mit 
diesem  Hefte  unserer  „Mitteilungen"  zur  Ausgabe  gelangen  wird,  kurz  zusammen- 
fassend gehandelt  und  kann  mich  hier  wohl  auf  diese  Ausführungen,  die  namentlich 
die  bisher  über  ihn  bekannt  gewordenen  Lebensdaten  verzeichnen,  beziehen.  Da- 
nach gehört  unsere  Medaille  auf  Pankraz  Bidermann  der  zweiten  Nürnberger  Periode 
des  Künstlers  an,  und  einer  nürnbergischen  Familie  des  Namens  wird  vermutlich  der 
Dargestellte  entstammen.  Über  eine  solche  lesen  wir  in  einem  im  ganzen  zuver- 
lässige Nachrichten  bietenden  genealogischen  Werke  der  Bibliothek  des  Germanischen 
Museums  ^),  daß  dies  Geschlecht  vor  langen  Jahren  allhie  gewohnt  habe;  „ist  aber 
schon  vor  geraumer  Zeit  abgestorben  und  wird  Alters  halber  ihr  Gedächtnuß  (d.  h. 
Denkmäler  der  Familie)  nicht  viel  gefunden.  Seiz  Bidermann  ist  ein  Genannter 
geweßen  A.  1455  und  1502  gestorben"'*).  Dazu  bringt  unsere  Handschrift  zwei 
verschiedene  V/appen  der  Nürnberger  Bidermann:  1.  Oberkörper  eines  bärtigen 
Mannes  in  roter  Gewandung  mit  weißem  Kragen  auf  Silber  und  2.  von  Silber  und  Rot 
gespalten  mit  einer  roten  vierblätterigen  Rosette  mit  grünen  Kelchblättern  auf  dem 
silbernen,  einer  silbernen  vierblätterigen  Rosette  mit  grünen  Kelchblättern  auf  dem 
roten  Grunde.  Es  hat  also  wahrscheinlich  vom  15.  bis  17.  Jahrhundert  mehr  als 
eine  Nürnberger  Familie  des  Namens  gegeben. 

Den  dargestellten  Pankraz  Bidermann  in  der  Literatur,  in  Nürnberger  Ur- 
kunden oder  Akten  nachzuweisen,  ist  mir  bisher  nicht  gelungen  ^).  Nach  den  An- 
gaben der  Medaille  war  er  im  Jahre  1500  geboren,  könnte  also  ein  Sohn,  vielleicht 
aber  auch  schon  ein  Enkel  jenes  Seiz  Bidermann  gewesen  sein. 

Unser  alter,  sicherlich  noch  dem  16.  Jahrhundert  entstammender  Bleiguß 
muß  von  einem  delikat  gearbeiteten  Original,  dem  in  Anbetracht  der  urkundlichen 
Bezeichnung  Bolsterers  als  Bildschnitzer  oder  auch  Bildhauer  wohl  entweder  ein 
Buchsholzmodell  oder  ein  Modell  in  Kehlheimerstein,  Speckstein  oder  dergl.  zugrunde 
gelegen  haben  mag,  genommen  worden  sein.  Technisch  auf  das  vorzüglichste  aus- 
geführt zeigt  er  alle  hohen  Vorzüge  des  bedeutenden  Medailleurs:    die  Kraft  und 


2)  J.  Cahn  in  der  Festschrift  zur  Feier  des  25jährigen  Bestehens  des  städtischen 
Historischen  Museums  in   Frankfurt  a.  M.  (1903)  Seite  186  f. 

3)  Handschrift  HR  146.  2°  I.  Band,  l.  Abteilung.  Blatt  37:i.  Die  Handschrift,  die 
drei  starke  Folianten  umfaßt,  ist  um  1700  geschrieben. 

4)  Vgl.  auch  Johann  Ferdinand  Roth,  Verzeichnis  aller  Genannten  des  größeren  Rats 
(1802)  Seite  36. 

5)  Für  die  Mitteilung,  daß  ein  Pankraz  B.  in  Frankfurt  a.  M.  —  Bolsterer  hatte  von 
ca.  1546  bis  1551  in  Frankfurt  oder  dessen  Nähe  gelebt  und  gearbeitet  —  nach  dem  dortigen 
Bürgerbuch  um  1552  nicht  erscheine,  der  Vorname  Pankraz  in  Frankfurt  überhaupt  nicht 
vorkomme,  vielmehr  ostfränkisch  sei,  bin  ich  Herrn  Dr.  Julius  Cahn  in  Frankfurt  a.  M. 
zu   Dank  verbunden. 


150  HANS  BOLSTERERS  MEDAILLE  AUF  PANKRAZ  BIDERMANN. 

Sicherheit  des  Vortrags,  die  sorgfältige  Modellierung  und  dadurch  erreichte  starke 
plastische  Wirkung  des  lebensvoll  und  würdig  zugleich  charakterisierten  Kopfes,  den 
unbeirrbaren  Geschmack  und  Formensinn  einer  noch  großen  Zeit,  der  sich  z.  B.  auch 
in  den  schönen  Typen  der  Umschrift  offenbart. 

Es  wäre  zu  wünschen,  daß  die  Veröffentlichung  unseres  Bleiabgusses  die  Ver- 
anlassung würde,  festzustellen,  wo  sich  etwa  noch  Originale  der  Medaille  auf  Pankraz 
Bidermann  erhalten  haben,  und  den  Spuren  des  trefflichen  Medailleurs  und  Bild 
Schnitzers  Hans  Bolsterer  weiterhin  nachzugehen. 


DIE  SPRACHE  DER  MAGDALENA 

UND  DES  BALTHASAR  PAUMGARTNER  IN  IHREM 

BRIEFWECHSEL.*) 

Zur  Geschichte  der  Nürnberger  Mundart  und  zur  nhd.  Schriftsprache 

im  16.  Jahrhundert. 

Von  CARL  KOCH. 


Einleitung. 


Im  Jahre  1895  veröffentlichte  Dr.  G.  St  einh  a  usen  in  der  Bibliothek  des 
hterarischen  Vereins  in  Stuttgart  den  „Briefwechsel  Balthasar  Paumgartners 
des  jüngeren  mit  seiner  Gattin  Magdalena  geb.  Behaim  (1582 — 1598)."  Dazu 
veranlaßte  den  Herausgeber  der  kulturhistorisch  beachtenswerte  Inhalt  dieser  Briefe, 
durch  die  wir  einen  wertvollen  Einblick  in  das  damalige  Leben  einer  angesehenen  Kauf  - 
mannsfamilie gewinnen.  Nicht  geringer  aber  ist  ihr  Wert  für  den  Sprachforscher, 
An  sich  sind  ja  schon  Briefe,  die  nicht  für  die  Öffentlichkeit,  sondern  nur  zum 
Gedankenaustausch  zwischen  nahe  stehenden  Personen  bestimmt  sind,  für  die 
Sprachgeschichte  wertvoll,  da  sie  manches  Gut  an  volkstümlichen  Worten  und 
Wendungen  in  sich  bergen;  aber  hier  tritt  noch  ein  Weiteres  hinzu,  das  gerade 
die  vollständige  Veröffentlichung  der  Sammlung,  die  zunächst  nicht  im  Sinne  des 
Herausgebers  gelegen  hatte,  willkommen  erscheinen  läßt:  der  große  sprachliche 
Gegensatz  der  beiden  Schreibenden.  Auf  ihrer  Herkunft  beruht  dieser  Gegensatz 
natürlich  nicht,  beide  waren  gute  Nürnberger  und  stammten  aus  altangesessenen 
Nürnberger  Familien. 

Balthasar  gehört  dem  angesehenen  Geschlechte  der  Paumgartner  an.^) 
Sein  Vater  bekleidete  seit  1551  das  Amt  eines  Pflegers  zu  Altdorf.  Wo  er  seine 
erste  Bildung  erhalten  hat,  ist  unbekannt;  er  wird  entweder  eine  lateinische 
Schule  besucht  haben  oder  noch  eher  in  den  Unterricht  eines  Schreib-  und 
Rechenmeisters  gegangen  sein,  wie  es  gewöhnlich  bei  den  zum  Handel  bestimmten 
jungen  Nürnbergern  der  Fall  war.-)  Hier  mag  er  auch  über  die  Elementarkennt- 
nisse hinaus  in  den  theoretischen  Fächern  nnterwiesen  worden  sein,  die  der 
praktischen  Ausbildung  des   Kaufmannes   zu   gründe   liegen,   im   kaufmännischen 

*)  Verschiedentlich  an  uns  ergangener  Anregung  folgend,  werden  wir  künftig  neben 
der  deutschen  Kultur-  und  Kunstgeschichte  auch  der  deutschen  Literatur-  und  Sprachgeschichte 
wieder  größeren  Raum  in  diesen  „Mitteilungen"  gewähren.  Die  vorliegende  sprachgeschicht- 
liche Untersuchung  haben  wir  schon  um  deswillen  aufnehmen  zu  sollen  geglaubt,  da  ja  die 
Originalbriefe  der  zwischen  Magdalena  und  Balthasar  Paumgartner  gepflogenen  Korrespondenz 
sich   im   Archive   des   Germanischen   Museums  befinden. 

Die   Schriftleitung. 

1 )  Über  B.'s  und  M.'s  Leben  vgl.  die  Bemerkungen  in  der  Einleitung  der  Ausgabe  S.  Vif. 

2)  Vgl.  die  interessanten  Ausführungen  J.  Kamanns  in  den  Mitteilungen  aus  dem 
german.   Nationalmuseum  Jg.  1894  S.  9ff. 


152  DIE  SPRACHE  DER  MAGD.  U.  DES  BALTH.  PAUMGARTNER  IN  IHREM  BRIEFWECHSEL. 

Rechnen,  in  der  Buchhaltung  und  Handelskorrespondenz.  Dann  scheint  er  seine 
Vaterstadt  verlassen  zu  haben,  um  in  Lucca,  wo  Nürnberger  Kaufleute  ihre 
Handelshäuser  hatten,  in  die  kaufmännische  Lehre  einzutreten.  Denn  in  dem 
Briefe  an  seinen  Vater,  der  der  Sammlung  vorangestellt  ist,  klagt  er  über  seine 
ungewisse  Lage;  man  wolle  ihn  nach  Lucca  schicken,  aber  mit  welcher  Condition, 
habe  man  ihm  nicht  gesagt.^)  Als  er  sich  zehn  Jahre  später  (1582)  verlobt,  ist 
er  schon  selbständig.  Seinen  Haupthandel  hat  er  in  Lucca,  besucht  aber  dazu 
alljährlich  die  Frankfurter,  einmal  auch  die  Leipziger  Messe.*) 

Seine  Braut  Magdalena  Behaim,  die  er  im  Anfange  des  Jahres  1583  als 
seine  Gattin  heimführte,  stammt  aus  dem  bekannten  Nürnberger  Geschlechte  der 
Behaim,  das  nach  dem  Statut  der  , eiteren  Herren'  vom  Jahre  1521  ,schon  a. 
1332  für  alte  geschlecht  zugelassen  erkennt,  auch  im  alten  rathsbüchlein  be- 
schriben  gefunden  worden  sind'^).  Magdalena  ist  eine  echte  Nürnbergerin  und 
noch  mehr  als  ihr  Gatte  mit  ihrer  Vaterstadt  verwachsen.  Mit  dem  großen 
Kreise  ihrer  Verwandten  und  Bekannten  und  der  ihres  Mannes  unterhält  sie  einen 
regen  geselligen  Verkehr,  von  dem  sie  in  ihren  Briefen  viel  zu  erzählen  weiß. 
Für  die  kleinen  Ereignisse  in  der  Stadt  zeigt  sie  stets  eine  lebhafte  Teilnahme  und 
berichtet  ihrem  Manne  getreulich  die  Neuigkeiten;  namentlich  sind  ihr  Familien- 
ereignisse, Verlobungen,  Heiraten,  Kindtaufen  wichtig.  Weite  und  lange  Reisen 
wird  sie  auch  kaum  vor  ihrer  Verlobung  gemacht  haben;  es  lag  nicht  im  Geiste 
der  Zeit,  daß  Frauen  ihre  Ausbildung  draußen  suchten,  und  zudem  hätte  sie  doch 
einmal  in  ihren  Briefen  davon  gesprochen.  Nur  selten  reist  sie  ihrem  Manne 
einmal  entgegen,  und  von  solcher  Fahrt  schreibt  sie  schon  Wochen  vorher  wie 
von  einem  großen  Ereignis.  Schulunterricht  hat  sie  sicher  genossen,  wie  es  da- 
mals auch  bei  Mädchen  üblich  war.'')  Aber  dieser  wird  sich  wohl  nur  mit  dem 
Erlernen  des  Lesens  und  Schreibens,  vielleicht  auch  des  Rechnens  befaßt  haben. ') 
In  der  Tat  gewinnt  der  Leser  der  Briefe  kaum  den  Eindruck,  daß  sie  mehr  als 
Elementarunterricht  genossen  habe. 

Sie  weiß  zwar  infolge  ihres  lebhaften  Temperamentes,  ihres  gewandten 
Geistes  und  ihrer  ebenso  scharfen  wie  originellen  Beobachtungsgabe  ihren  Briefen 
einen  viel  ansprechenderen  Inhalt  zu   geben   als   ihr  Gatte,    der,   geistig  weniger 


3)  Wenn  B.  wirklich  1601  im  38.  Lebensjahre  starb,  so  muß  er,  nach  dem  Datum 
dieses  Briefes  zu  urteilen,  damals  erst  9  Jahre  alt  gewesen  sein;  da  das  gewöhnliche  Alter  der 
eintretenden  Lehrlinge  durchschnittlich  13  Jahre  betrug,  so  ist  entweder  die  eine  oder  die 
andere  Angabe  falsch. 

4)  Die  Strapazen,  die  in  damaligen  Zeiten  mit  so  weiten  Reisen  verbunden  waren, 
dazu  die  sommerliche  Hitze  in  Lucca  beschleunigten  ein  Magenleiden,  das  ihn  schon  früh  zu 
Wasser-  und  Trinkkuren  zwang,  und  so  starb  er  schon  1601  (oder  1600). 

5)  Chron.   1   S.  216. 

6)  Als  sich  Kaiser  Friedrich  III.  in  der  Kreuzwoche  des  Jahres  1481  wiederholt  in 
Nürnberg  aufhielt,  bewirtete  er  einmal  gegen  4000  ,lerkneblein  und  maidlein'  (Der  Bericht  ist 
abgedruckt  bei  Joh.  Müller  S.  324 f.).  Vergleicht  man  dazu  die  Einwohnerzahl  Nürnbergs,  die 
im  Jahre  1450  nach  ziemlich  sicherer  Schätzung  20,219  Köpfe  betrug,  unter  denen  6173  Kinder 
waren  (Chron.  II  S.  503,  S.  320,  19),  so  gibt  dies,  selbst  wenn  unter  den  4000  Schulkindern 
auch  die  der  näheren  Umgegend  eingerechnet  sein  sollten,  für  den  damaligen  Schulbesuch  ein 
sehr  günstiges  Zeugnis. 

7)  Vgl.   Joh.  Müller  S.  328—335. 


VON  CARL  KOCH.  153 


regsam,  über  gewisse  langweilige  und  sich  stets  wiederholende  feste  Redensarten 
nie  recht  hinauskommt  und  nur  selten  seinen  Worten  eine  gemütvolle  Wärme  zu  ver- 
leihen versteht.  Aber  in  der  Form  steht  sie  ihrem  Balthasar  nach;  inhaltliche  Sprünge 
sowie  stilistische  Mängel  und  syntaktische  Fehler  sind  bei  ihr  nicht  selten,  sodaf3 
auch  das  Verständnis  manchmal  darunter  leiden  muß.  Der  Hauptgrund  der 
Verschiedenheit  ihrer  Schreibung  liegt  aber  tiefer,  wenn  er  auch  auf  dem  ver- 
schiedenen Bildungsgange  beruht :  der  Kaufmann  Balthasar  schreibt 
die  damals  emporblühende  süddeutsche  Reichsschrift- 
sprache ^),  während  Magdalena  an  der  alten  mundartlichen 
Schriftsprache   festhält. 

B.  hat  seine  Mundart  sicher  rein  gesprochen,  wenn  er  auch  im  geschäft- 
lichen Verkehr,  um  sich  leichter  mit  den  Kauflustigen  auf  den  Frankfurter  und 
Leipziger  Messen  verständigen  zu  können,  seinen  Dialekt  gemildert  haben  wird. 
Aber  in  seinen  Briefen  vermißt  man  völlig  seine  Mundart;  vereinzelte  Abirrungen 
von  der  gemeinsprachlichen  Norm  sind  so  allgemeiner  Natur,  daß  sie  nur  den 
Oberdeutschen,  nicht  den  Nürnberger  verraten.  Sein  Beruf  als  Kaufmann  zwang 
ihn,  sich  die  Gemeinsprache  anzueignen,  wie  sie  von  den  Kanzleien  ausging  und  in 
die  Offizinen  der  Druckereien  und  die  Schreibstuben  der  Kaufleute  eindrang; 
und  da  er,  einem  großen  Handelsgeschäfte  angehörend,  eine  große  Correspondenz 
unterhielt  und  oft  lange  Handelsberichte  schreiben  mußte,  worüber  er  des  öfteren 
klagt,  so  kann  man  als  gewiß  annehmen,  daß  er  die  damalige  Kaufmannssprache 
gut  beherrscht,  in  dieser  Sprache  schrieb  er  nun  auch  seine  Privatbriefe  —  es 
ist  möglich,  daß  er  sie  auch  wohl  für  feiner  hielt  als  die  oft  grob  mundartliche 
Landessprache.  Jedoch  muß  diese  damals  noch  für  durchaus  natürlich  und  be- 
rechtigt gegolten  haben  und  in  den  Schulen  noch  gelehrt  worden  sein^),  denn 
sonst  müßte  sich  doch  schließlich  etwa  eine  spöttische  Bemerkung  Balthasars 
über  Magdalenas  oft  curiose  Schreibweise  finden  oder  Magdalena  hinwiederum 
sich  bemühen,  Balthasar  in  seiner  Sprache  nachzuahmen.  Aber  das  ist  nicht  der  Fall. 

M.  geht  in  ihren  Briefen  durchaus  ihre  eigenen  Wege.  Für  ihre  mund- 
artliche Schriftsprache  muß  man  also  die  Schule  verantwortlich  machen;  dazu 
zwingt  schon  ihre  für  damalige  Zeiten  sehr  konsequente  Schreibung;  aber  wie 
weit  man  die  Schule  für  alle  Erscheinungen  ihrer  Sprache  in  Anspruch  nehmen 
darf,  das  läßt  sich  nicht  bestimmen.  M.  ist  nun  in  eine  von  Nürnbergs  Schulen 
gegangen,  sie  sprach  und  hörte  nur  immer  ihren  Dialekt  sprechen,  i°)  —  die  hd. 
Schriftsprache  existierte  nur  auf  dem  Papier;  —  dazu  war  sie   literarisch   kaum 

8)  Kluge  V.  Luther  b.  Lessing  1904  S.  36  f.  .Diese  Donausprache  kennzeichnet  sich 
dadurch,  daß  der  Unterschied  von  ei  und  ai,  von  uo  und  u,  üe  und  «,  ie  und  /  stets  einge 
halten  wird'. 

9)  Der  Gedanke  einer  Gemeinsprache  war  damals  überhaupt  noch  nicht  gang  und 
gäbe.  So  weiü  Fabritius  in  seinem  .Büchlein  gleichstimmender  Wörter  aber  ungleichs  Verstandes 
1532  von  keiner  über  den  Mundarten  stehenden  allgemeinen  Schriftsprache.  Für  ihn  sind  die 
Dialekte  berechtigt,  soweit  sie  nicht  über  ein  gewisses  Maß  hinausgehen  (Ältere  deutsche 
Gramm,  in  Neudrucken  I  S.   XVI). 

10)  Man  vergleiche  Brenners  Bemerkung  (S.  öO):  „Weniger  (als  der  Bauer)  vermögen 
dies  (ihren  Dialekt  zu  mildern)  die  Weiberleute  auf  dem  Lande,  wenn  sie  auch  vielleicht  noch 
lieber  herrisch  reden  möchten '. 


154         DIE  SPRACHE  DER  MAGD.  U.  DES  BALTH.  PAUMGARTNER  IN  IHREM  BRIEFWECHSEL. 


interessiert  —  denn  davon  müßten  sich  doch  wenigstens  Spuren  in  den  Briefen 
finden,  —  eine  Trübung  ihres  Dialektes  ist  also  nicht  zu  befürchten:  darum 
trage  ich  kein  Bedenken,  die  Briefe  Magdalenas  für  ein  Denk- 
mal Nürnberger  Mundart  aus  alter  Zeit  zu  halten.  Natürlich  ist 
ihre  Schriftsprache  nicht  ein  getreues  Abbild  der  von  ihr  gesprochenen  Sprache, 
denn  das  Schriftbild  folgt  stets  nur  langsam  dem  Werdegang  der  Sprache,  die 
es  darstellt,  und  bleibt  hinter  ihrer  Entwickelung  zurück.  Daher  kann  man 
nicht  erwarten,  die  letzten  Lautwandlungen  schon  in  der  Schrift  wiedergespiegelt 
zu  sehen.  ^^) 

Es  ist  also  für  die  Geschichte  der  Nürnberger  Mundart  wichtig,  die 
Sprache  in  diesen  Briefen  einer  genauen  grammatischen  Prüfung  zu  unterziehen, 
um  feststellen  zu  können,  wie  weit  sich  damals  schon  die  Mundart  entwickelt 
hatte,  bezw.  wie  weit  sich  ihre  Entwickelung  schon  im  Schriftbilde  zeigt. 
Dadurch  wird  namentlich  die  Frage  der  Chronologie  der  einzelnen  Sprach- 
erscheinungen gefördert.  Vorliegende  Arbeit  sucht  zur  Lösung  dieser  Aufgabe 
durch  die  Darstellung  des  Vokalismus  beizutragen. 

Das  ist  mir  möglich  geworden  durch  die  jüngst  erschienene  vortreffliche 
Grammatik  der  Nürnberger  Mundart,  die  August  Gebhardt  unter  Mitwirkung  von 
Otto  Bremer  in  der  Sammlung  der  Grammatiken  deutscher  Mundarten ^(Bd.  VII) 
im  Jahre  1907  hat  erscheinen  lassen.  Gemäß  dem  Plane  dieser  Sammlung  be- 
handelt der  Verfasser  nur  die  lebende  Mundart;  eine  historische  Bearbeitung 
ist  also  weder  versucht  noch  überhaupt  beabsichtigt.  Ein  reiches  Wortmaterial 
ist  mit  großem  Geschick  zusammengetragen  und  verwertet  worden,  die  Laut-  und 
Wortlehre  mit  Sorgfalt  und  Umsicht  zusammengestellt.  Somit  erfüllt  die  Gram- 
matik ihren  Zweck,  auch  den,  der  den  Nürnberger  Dialekt  nicht  kennt,  mit 
seinen  Eigentümlichkeiten  vertraut  zu  machen. 

Bei  dem  Vergleich  zwischen  dem  Vokalismus  in  der  Sprache  Magdalenas 
und  in  der  heutigen  bin  ich  zu  folgenden  hauptsächlichen  Resultaten  gekommen: ^2) 
Die  Einwirkung  der  Nasale  auf  vorhergehenden  Vokal,  Brechung  der  nicht  ge- 
dehnten Vokale  vor  /--j-Consonant,  Entrundung  —  drei  Faktoren,  die  auf  die 
Sonderentwickelung  der  Mundart  großen  Einfluß  ausgeübt  haben  —  sind  damals 
schon  in  Geltung  gewesen  und  kommen  deutlich  in  der  Schrift  zum  Ausdruck; 
ebenso  sind  die  Vokale  in  nebentoniger  Stellung  weitgehend  geschwächt  oder 
abgefallen  und  ausgestoßen.  Im  einzelnen  stehen  die  mhd.  kurzen  Vokale  dem 
heutigen  Lautwert  am  nächsten.  Dagegen  ist  die  Diphthongierung  der  mhd. 
langen  Vokale  ä,  e,  ö,  die  Stürzung  der  Diphthonge  ie  und  uo,  die  Mono- 
phthongierung von  ei  und  ou  noch  gar  nicht  durchgeführt  oder  überhaupt  zu  be- 
legen (höchstens  bei  ei  w.  s.).  Außerdem  enthalten  die  Briefe  noch  viele 
interessante  Einzelheiten,  die  eine  möglichst  eingehende  Behandlung  rechtfertigen. 


11)  So  ist  es  für  einige  Laute  schon  jetzt  gewiß,  daß  sie  im  16.  Jhdt.  der  heutigen 
Aussprache  näher  standen,  als  die  Schriftzeichen  verraten:  für  mhd.  ä,  uo,  ei.  Für  ä  und  uo 
gilt  die  Bemerkung  Wolfs  (s.  u.),  für  ei  kommen  andere  Briefbücher  in  Betracht,  die  in  den 
.Mitteilungen  des  Vereins  für  Geschichte  Nürnbergs'  H.  3,  1881  und  in  den  , Mitteilungen  aus 
dem  german.  Nationalmuseum'  Jg.  1894  veröffentlicht  sind. 
12)  Vgl.  den  Rückblick. 


VON  CARL  KOCH.  1  55 


Um  aber  zugleich  auch  dem  Leser  einen  Überblick  zu  gewähren  über 
die  gewaltigen  Unterschiede,  die  damals  noch  die  Landessprachen  von  der  Gemein- 
sprache trennen  und  darum  auch  das  langsame  Vordringen  der  letzteren  erklären, 
habe  ich  die  Sprache  Balthasars  jedesmal  in  Vergleich  gezogen.  Damit  glaube 
ich  auch  einen  Beitrag  zur  süddeutschen  Reichsschriftsprache  im  16.  Jahrhundert 
gegeben  zu  haben. 

Außer  Gebhardts  Grammatik  habe  ich  die  einschlägige  Literatur  nach 
Kräften  benutzt;  leider  stand  mir  für  die  Geschichte  der  Nürnberger  Mundart 
nur  wenig  zu  Gebote.  Die  Grammatiker  des  16.  Jhdts.  lassen  uns  in  mundart- 
lichen Fragen  fast  völlig  im  Stich.  Für  Nürnberg  speziell  kenne  ich  nur  eine 
Beobachtung  des  Hieron.  Wolf,  die  Gebhardt  ausreichend  verwertet  hat.  ^3)  Für 
Balthasars  Sprache  erhalten  wir  manchen  willkommenen  Aufschluß  über  die  ge- 
meine Sprachnorm  dieser  Zeit;  vor  allem  habe  ich  die  Grammatiken  des  Laur. 
Albertus  (1573),  Alb.  Ölinger  (1573),  Joh.  Clajus  (1578)  herangezogen. 

Zur  Form  der  Darstellung  mögen  folgende  Bemerkungen  genügen: 

1.  Bei  der  Festsetzung  des  Vokalbestandes  habe  ich  an  der  alten  Ein- 
teilung nach  der  Herkunft  der  Vokale  festgehalten;  jedoch  sind  im  Rückblick  die 
Lauterscheinungen  nach  ihrem  Zusammenhang  geordnet. 

2.  Ein  Wort  wird  nach  Seite  und  Zeile  zitiert  (Zeilenzähler). 

3.  Das  Material  zu  merkwürdigen  Lauterscheinungen  ist  möglichst  voll- 
ständig beigebracht,  jedoch  sind  alle  Belegstellen,  da  sie  meist  zwecklos  sind, 
nur  in  wenigen  Fällen  aufgeführt.  Bei  Wörtern,  die  sehr  oft  vorkommen,  habe 
ich   nach   den    angeführten  Stellen   ein  o.  (oft)  oder  u.  ö.  (und  öfter)    beigefügt. 

4.  Der  erste  Brief  Balthasars  an  seinen  Vater,  den  er  zehn  Jahre  vor 
seiner  Verlobung  schrieb,  weicht  in  ein  paar  Schreibungen  ab,  die  ich  besonders 
vermerkt  habe  mit  dem  Zeichen  (Br.  No.  la!). 

5.  Des  öfteren  habe  ich  die  beiden  ersten  Briefe  Magdalenas  besonders 
herangezogen,  da  ich  gerade  diese  für  sehr  sorgfältig  geschrieben  halte.  Dafür 
sprechen  mehrere  Gründe:  Briefe  No.  4  und  5  fallen  in  die  erste  Zeit  der  Ver- 
lobung (vgl.  Brief  No.  1  Paumgartners  4,  27  ff.:  das  ich  ein  preüttigam,  wayß 
allhie  niemand  dann  die  gantze  stad;  des  glückhwünschens  khein  ende;  die  Ver- 
lobung fällt  also  vor  seine  Reise  nach  Lucca,  wohin  seine  Braut  die  ersten 
Briefe  schickte);  da  ist  es  natürlich,  daß  die  Schreiberin  sich  bemüht,  möglichst 
gut  mit  ihren  Briefen  vor  ihrem  Bräutigam  zu  bestehen.  Zudem  sind  beide  an 
Feiertagen  geschrieben,  der  erste  am  ersten  Weihnachtstage,  der  zweite  am  Neu- 
jahrstage, wo  sie  also  reichlich  freie  Zeit  hatte.  Daß  sie  sich  auch  redlich  mit 
dem  Schreiben  geplagt  hat,  geht  aus  der  Bemerkung  hervor:  und  weist  mit 
meinem  gar  besen  krumen  schreiben   und  kindichsen  vergut  haben  (17,  13),  wo 


13)  Da  Gebhardt  ein  genaues  Zitat  nicht  gebracht  hat,  möge  die  betr.  Stelle  hier 
ihren  Platz  finden:  Crassissima  tarnen  quaeque  vitia  vitentur:  nee  (scribant)  Norici  matreni 
ftnouter'  aut  Jacobulum  ,gouckald'  (Hieron.  Wolf:  de  Orthographia  Germanica  ac  potius  sue- 
vica  nostrate  als  Anhang  zu  institutionum  grammaticarum  Joannis  Rivii  Atthendorn.  libri  octo; 
z.  Teil  abgedruckt  in  Germania  Bd.  I  S.  160).  Daß  mit  dieser  Bezeichnung  die  Einwohner 
von  Nürnberg  gemeint  sind,  geht  zunächst  aus  den  Ausführungen  S.  Meisterlins  (Chron.  III 
S.  187 ff.)  hervor,  wo  der  Name  der  Stadt  mit  dem  der  Noriker  in  Verbindung  gebracht  wird 
Sodann  sind  diese  Lautübergänge  gerade  für  die  Oberpfalz  charakteristisch  (Whd.  b.  Gr.  §119}. 


156        DIE  SPRACHE  D